05:25
Europas Agrarlandschaften sind durch die Geschichte unseres Kontinents geprägt und untrennbar mit seiner Identität verbunden. Doch den Landwirten geht es schlecht. Sie stehen unter dem Zwang, immer mehr und preiswerter zu produzieren, und viele können der starken Konkurrenz nicht mehr standhalten. Die meisten Bauernhöfe in Europa sind noch immer Familienbetriebe, doch EU-Subventionen bleiben Großbetrieben vorbehalten. Viele von denen betreiben Intensivlandwirtschaft, deren schädliche Auswirkungen auf die Biodiversität und die menschliche Gesundheit längst bekannt sind. Diese Art der Landwirtschaft ist sehr schlecht für die Bodenbeschaffenheit und gilt als überholtes Modell. Ihre Mängel werden mit jeder Krise offensichtlicher. Der Klimawandel erfordert heute schnelle Antworten auf entscheidende Fragen: Wie sollen mehr als 500 Millionen Europäer nachhaltig ernährt werden? Wie kann die Katastrophe einigermaßen eingedämmt werden, die durch den drastisch gestiegenen Fleischkonsum (Anstieg um 60 Prozent in 60 Jahren) und den damit verbundenen intensiven Getreideanbau ausgelöst wurde? Lösungen sind vorhanden, und viele Landwirte haben bereits die Initiative ergriffen. Überall auf dem europäischen Kontinent sind sie die Hauptakteure einer lebensnotwendigen, landwirtschaftlichen Revolution des 21. Jahrhunderts: Rückkehr zum traditionellen Bauerntum, intelligente oder urbane Landwirtschaft, weniger Massenimporte, Forschung im Bereich In-vitro-Fleisch und Fleischersatz ... Diese Ansätze werden von europäischen Landwirten zum Schutz von Artenvielfalt, Landschaft und menschlicher Gesundheit verfolgt.
06:20
An vielen Opernhäusern weltweit gehören Produktionen von Franco Zeffirelli bis heute zum Repertoire. Seine Inszenierung von "La Bohème", die 1963 auf die Bühne kam und 1965 auf Film aufgezeichnet wurde, ist zu einem solchen Klassiker geworden, dass die Wiener Staatsoper im Januar 2022 ihre 444. Aufführung gab. Für Zeffirelli, der sich schon zu seiner Homosexualität bekannte, war der Erfolg dieser Inszenierung ungeheuer wichtig, bedeutete er doch endlich auch in seinem Heimatland Italien die Anerkennung, die ihm in London und New York längst zuteilwurde. Hört man seinen Namen, denkt man an Opern- und Filmkulissen von fast betäubender Opulenz. Spektakuläre Sets und erzählerische Lesbarkeit machen "La Bohème" zeitlos und sprechen immer noch sowohl Musik- wie auch Filmliebhaber an. Zeffirellis Inszenierung dieser musikalischen wie filmischen Sternstunde fängt die zarte und melancholische Intimität der unglücklichen Liebesgeschichte im Pariser Künstlerleben des Fin de Siècle kongenial ein. Die Dokumentation zeigt Ausschnitte der Filminszenierung und macht in kurzen dokumentarischen Passagen die Geschehnisse dahinter fühlbar. Dabei stehen die emotionale und künstlerische Bedeutung des Moments im Mittelpunkt. Zu den Interviewpartnern gehören viele Stars heutiger Aufführungen der Inszenierung Zeffirellis, der im Jahr 2023 100 Jahre alt geworden wäre. Die in jüngerer Vergangenheit gegen den Regisseur laut gewordenen Missbrauchsvorwürfe werden eingeordnet.
07:05
Die 537 eingeweihte Basilika Hagia Sophia in Istanbul ist ein architektonisches Meisterwerk mit wechselvoller Geschichte. Eintausend Jahre lang war sie die größte Kirche der Welt und das religiöse und symbolische Zentrum des ersten großen christlichen Reiches: Byzanz. Bis zur Eroberung Konstantinopels war die Hagia Sophia das größte Gotteshaus der Christenheit. Nach der Eroberung Konstantinopels 1453 wandelten sie die Osmanen in eine Moschee um und fügten als äußeres Kennzeichen vier Minarette hinzu. Mit der Umwandlung der Moschee in ein Museum krönte Mustafa Kemal Atatürk 1934 schließlich seine laizistische Revolution. Als bei den damaligen Renovierungsarbeiten unter osmanischen Verzierungen sehr wertvolle Mosaike aus der byzantinischen Zeit freigelegt wurden, keimte das Interesse für die byzantinische Kunstgeschichte wieder auf. Es kommt einem Wunder gleich, dass die gigantische, etwas mehr als 50 Meter hohe Kuppel der Hagia Sophia bis heute auf ihren Pfeilern thront und ihre Kunstschätze die Jahrhunderte überdauerten, denn Istanbul wurde auf einer sehr aktiven seismischen Verwerfung errichtet. Experten rechnen mit einem großen Beben. Daher erforscht ein internationales Team, bestehend aus Architekten, Seismologen und Ingenieuren, die Erdbebensicherheit des Gebäudes. Sie hoffen, dabei auch versteckte Schwachstellen zu finden, um den Bau entsprechend zu stabilisieren und ihn für zukünftige Generationen zu erhalten. Die Hagia Sophia zeugt von einer faszinierenden Geschichte. Und möglicherweise hat der byzantinische Monumentalbau noch längst nicht alle Kunstschätze freigegeben, die noch in ihm ruhen.
08:35
Für Martin Scorsese ist Gene Tierney eine der meistunterschätzten Schauspielerinnen aus der Blütezeit des US-Kinos. Die Darstellerin ließ sich nie auf eine Rolle festlegen, wie es in Hollywood üblich war, sondern spielte in 34 Filmen alle erdenklichen Charaktere, von Joseph L. Mankiewicz' "Ein Gespenst auf Freiersfüßen" bis zu Ernst Lubitschs Spielfilm "Ein himmlischer Sünder", der 1943 zu einem Meilenstein ihrer Karriere wurde. Ihre wohl bekannteste Rolle übernahm sie 1944 in "Laura" von Otto Preminger, mit dem sie in der Folge noch mehrfach zusammenarbeitete. 1946 wurde Tierney für ihre Rolle als Psychopathin in "Todsünde" (1945) für einen Oscar nominiert. Bereits als Jugendliche erhielt Gene Tierney bei einem Filmstudiobesuch von Anatole Litvak den Rat, Schauspielerin zu werden. Die Darstellerin, die Regisseure wie Josef von Sternberg, Joseph L. Mankiewicz und John Ford inspirierte, hatte eine bewegte Lebensgeschichte. In der Dokumentation liest Gene Tierney Auszüge aus ihren Memoiren. Ergänzt wird das Bild durch Schilderungen von Tierneys Enkelkindern sowie von Martin Scorsese und dem Filmwissenschaftler Joseph McBride.
09:25
Von der Brache zur ikonischen Landmarke: Nicht nur der Umbau von Fabriken oder Kirchen - auch die Modernisierung bestehender Wohngebäude und die Revitalisierung ganzer Viertel gehören zu den Aufgaben und Chancen des Bauens im Bestand. Hierbei spielen auch Mischnutzungen eine wichtige Rolle. Trennte man lange Wohnen, Arbeiten und Gewerbe, so scheint es heute wieder sinnvoll, verschiedene Funktionen zu kombinieren, belebte Quartiere mit Wohnungen, Büros, Geschäften und Restaurants zu planen - auch und gerade unter Einbeziehung bestehender Altbauten. Ein kubistisches Bauernhaus, ein denkmalgeschütztes Wohnrondell mit knallgelben Skulpturen, ein legendäres Kraftwerk mit Kultcharakter: Diese Folge zeigt Projekte, die jahrzehntelang brach lagen und jetzt durch radikale Maßnahmen wachgeküsst wurden. Ein verfallenes "Waidlerhaus" tief im Bayerischen Wald wird mit minimalen, aber wirkmächtigen Eingriffen zum zeitgemäßen Refugium (Haus Schedlberg, Arnbruck, Peter Haimerl). Kreisrund angelegte historische Arbeiterwohnbauten werden durch Kunst am Bau, Kulturzentrum und Café neu belebt (Zebrastraat, Gent, Marnix Verstraeten). Ein ikonischer Industriebau, der einst ein Albumcover der Band Pink Floyd schmückte und dadurch weltberühmt wurde, wird zum lebendigen Multifunktionszentrum mit Shopping Mall, Restaurants und Wohnungen (Battersea Power Station, London, Giles G. Scott). Sie alle zeigen, dass die gelungene Symbiose zwischen Altbestand und zeitgenössischen Ergänzungen möglich ist.
09:55
"Twist" ist das Kulturmagazin für relevante Themen unserer Zeit. Jede Woche liegt eine andere europäische Stadt im Fokus: Lokale Kulturschaffende sprechen über große Fragen der Gegenwart und die Beiträge leuchten aus, wie in verschiedenen Kunstdisziplinen dazu gearbeitet und gedacht wird. Eine halbe Stunde voller neuer Perspektiven!
10:30
Die Reihe zeigt, wie in fünf britischen Gärten - in der Stadt, am Flussufer, auf dem Land, am Wald und in der freien Natur - Wildtiere gegen die Herausforderungen der Jahreszeiten um Nahrung, Fortbestand und Überleben kämpfen. Ein idyllischer englischer Landgarten im Lake District, liebevoll gepflegt von seinen Besitzern Chris und Liz, bietet Lebensraum für zahlreiche Tierarten. Im Frühjahr blühen die Obstbäume, im Blumenbeet summen unzählige Bienen, und im Teich tummeln sich Molche auf Partnersuche. Doch die Paarungszeit ist kurz. Nachts wagt sich eine Feldmaus trotz lauernder Fressfeinde ins Freie, angelockt von den Ultraschallrufen eines paarungsbereiten Männchens. Bevor sie den offenen Rasen überquert, setzt sie Wegmarkierungen, um den Rückweg zu finden - eine Überlebensstrategie, die bislang nur vom Menschen bekannt war. Eine Rauchschwalbe kehrt nach ihrem Heimflug aus Afrika in genau den Garten zurück, in dem sie einst selbst schlüpfte. Im Teich prüft ein Fadenmolchweibchen die Duftspur, die ihr ein balzendes Männchen zuwedelt. Nach der Paarung sucht es nach geeigneten Wasserpflanzen, um mit den Hinterbeinen jedes einzelne Ei sorgfältig einzuwickeln. Im Sommer spielen sich überall versteckte Szenen ab ... Cumbria ist Englands niederschlagreichste Grafschaft. Klart der Himmel wieder auf, lauern andere Gefahren: von Rasenmähern bis hin zum Turmfalken, der jedoch von den Schwalbeneltern verjagt wird, die einer Feldmaus so das Leben retten. Wer den Kreislauf von Fressen und Gefressenwerden überlebt, findet im Landgarten mit seinem reichhaltigen Nahrungsangebot einen idealen Rückzugsort - und seine Besitzer ein kleines Paradies.
11:15
"Heir" und "Spare" - im Englischen ist es scheinbar nur ein kleiner Unterschied und doch stecken dahinter zwei völlig unterschiedliche Lebenskonzepte: Der eine ist der Thronfolger - auserkoren dazu, die Krone zu tragen, in die Geschichtsbücher einzugehen und den Fortbestand der Monarchie zu sichern. Der andere ist Reserve - sein Schicksal hängt ganz davon ab, was mit dem Älteren geschieht. Sollte dieser frühzeitig ums Leben kommen, dann rückt er nach und wird zum Thronfolger. Im Fall der Windsors ist dies gänzlich unrealistisch, denn inzwischen sind die Kinder von William in der Thronfolge vor Harry. In seinem Buch "Spare" (deutscher Titel: "Reserve") schildert Harry, wie er sich sein Leben lang an der Ungerechtigkeit abgearbeitet hat, dass die Thronfolge nichts mit Leistung oder Verdienst, sondern nur mit der Tradition und dem Recht des Erstgeborenen zu tun hat. Doch er genießt Freiheiten im Leben, die seinem Bruder William nicht gewährt werden. Als Thronfolger ist es dessen Aufgabe, dem Land zu dienen und den Fortbestand der Monarchie durch Nachwuchs zu sichern. Für ihn gilt die alte Losung: "never complain, never explain". Die Dokumentation beleuchtet Ehre und Bürde der Thronfolgerschaft, das Schicksal des Zweitgeborenen sowie die Rolle der Eltern, der Partnerinnen und der Medien - und ordnet sie mit Hilfe von Expertinnen und Experten ein. Sie verhandelt am Beispiel der Windsors aber auch Themen universeller Geschwisterkonflikte.
12:10
Dank eines privilegierten Zugangs zur Villa Windsor, den Aussagen von Wegbegleitern und seltenen Archivbildern zeichnet der Zweiteiler "Edward vs. George: Die Windsors im Krieg" das Leben der Königsbrüder sowie ihrer Ehefrauen eindrucksvoll nach. Die Dokumentation beleuchtet die Auswirkungen der durch die Abdankung ausgelösten Krise, die im Vereinigten Königreich eine Schockwelle auslöste und die Familie Windsor unversöhnlich spaltete. Der österreichische Journalist Georg Stefan Troller erinnert sich an sein Interview mit Edward in der Villa Windsor im Jahr 1966. Troller, ein vor den Nazis geflohener Jude, befragte den Duke of Windsor zu seiner Beziehung zu Adolf Hitler. Der Autor Alex Larman kommentiert eine private Fotosammlung mit nie veröffentlichten Bildern von der Hochzeit des Dukes und der Duchess of Windsor in Frankreich im Jahr 1937. Die Fotos enthüllen die enge Beziehung von Edward zu Charles Bedaux, dem Gastgeber der Hochzeit, einem französisch-amerikanischen Geschäftsmann und notorischen Nazi-Sympathisanten. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs begeben sich der Duke und die Duchess of Windsor ins Exil auf die Bahamas. Währenddessen werden George VI. und seine Familie in der britischen Heimat mit der harten Kriegsrealität konfrontiert. 1947 kommt George VI. stark geschwächt von einer langen Afrikareise mit Staatsbesuchen in den Ländern des British Empire zurück. Der Gesundheitszustand des langjährigen Kettenrauchers verschlechtert sich zusehends, bald kann er kaum noch gehen. Sowohl zu Hofe als auch in Regierungskreisen wächst die Sorge um seine Nachfolge.
12:55
1939 schreiben König George VI. und Königin Elizabeth Geschichte: Als erste britische Monarchen auf Staatsbesuch in den USA werden sie begeistert empfangen - ihr Besuch festigt die transatlantischen Beziehungen. Doch während das Königspaar die Herzen der Massen gewinnt, lebt Georges älterer Bruder Edward, der ihm den Thron überließ, mit seiner amerikanischen Frau Wallis ein ganz anderes Leben: als glamouröses Paar der New Yorker High Society. Der Designer Nicky Haslam erinnert sich an ihre erste Begegnung mit den Windsors - sie wirkten wie "Filmstars". Die Ehefrauen der Brüder könnten unterschiedlicher nicht sein: Wallis, die als Stilikone gefeierte Duchess of Windsor, verleiht dem Paar ein mondänes Image. Königin Elizabeth hingegen steht für Pflichtbewusstsein - sie überlebt die Bombardierung des Buckingham-Palasts und hält im Krieg an der Seite ihres Volkes stand. Edward und Wallis brechen weiter mit royalen Konventionen: 1951 veröffentlicht der ehemalige König seine Memoiren "A King's Story" und wirbt dafür im US-Fernsehen. Doch als George VI. am 31. Januar 1952 zum letzten Mal öffentlich auftritt, um Prinzessin Elisabeth zu verabschieden, ist sein Tod nur Tage später ein Schock für die Nation. Edward erscheint allein zur Beerdigung - Wallis bleibt fern, sie wurde nicht eingeladen. Elisabeths II. Krönung 1953 markiert einen Neuanfang. Eine Vertraute, Lady Glenconner, beschreibt die Zeremonie aus nächster Nähe. Edward, der mit seiner Nichte zerstritten ist, verfolgt die Feierlichkeiten im französischen Exil vor dem Fernseher. 1970 sucht Prinz Charles seinen Großonkel heimlich in Frankreich auf - ein Zeichen der Versöhnung. Zwei Jahre später stirbt Edward. Nach Jahrzehnten im Exil findet er seine letzte Ruhestätte im königlichen Familiengrab der Windsors.
13:45
Der Seemann Edmond Dantès kehrt 1814 von einer langen Reise heim nach Marseille, um endlich seine Geliebte Mercédès zu heiraten. Unterwegs macht er auf der Insel Elba halt, um im Namen seines verstorbenen Vorgesetzten einen Brief abzugeben. Dort trifft er auf Napoléon, für den er ebenfalls einen Brief mitnehmen soll. Dies wird ihm zum Verhängnis. Der eifersüchtige Fernand, Mercédès' Cousin, will Mercédès selbst zur Frau haben. Er heckt eine Intrige aus: Dantès wird bei seiner Verlobungsfeier verhaftet. Man wirft ihm vor, ein Komplize Napoléons zu sein. Ohne Prozess lässt ihn Staatsanwalt Villefort unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen in das berüchtigte Gefängnis Château d'If einsperren und für tot erklären. Im Gefängnis lernt Dantès Abbé Faria kennen, einen Freiheitskämpfer, der ihn zu seinem Erben ernennt und ihm das Versteck seines unermesslichen Schatzes auf der Insel Monte Christo verrät. 20 Jahre später ergibt sich endlich die Chance zur Flucht: Als der alte Faria stirbt, gibt sich Dantès wie mit ihm vereinbart als der Tote aus und wird im Leichensack aus dem Gefängnis befördert. Sofort macht er sich auf die Suche nach seinem Schatz und seinen einstigen Verbündeten ... Mit "Der Graf von Monte Christo" (1954) schuf Regisseur Robert Vernay die Neuauflage seines eigenen Schwarz-Weiß-Films von 1943. Wenngleich Vernay akribisch genau an der Buchvorlage blieb, musste in beiden Versionen der immense Umfang des gleichnamigen Romans reduziert werden. Der Film erschien als Zweiteiler, wurde später aber von der Verleihfirma auch in einer gekürzten einteiligen Fassung angeboten.
15:25
Nach 20 Jahren unschuldig in Haft ist Edmond Dantès die Flucht geglückt. Dank eines geheimen Schatzes, den sein Zellennachbar Abbé Faria ihm anvertraute, wird er zum reichsten Mann Europas. Von nun an nennt er sich "Graf von Monte Christo" und reist nach Paris, um mit denen abzurechnen, die ihn damals verraten und in die Falle gelockt haben. Vor allem will er seine Geliebte und ehemalige Verlobte Mercédès zurückgewinnen, die jetzt mit seinem Widersacher Fernand verheiratet ist. Doch Mercédès hat sich mit ihrem Leben abgefunden. Sie fühlt sich ihrem Mann und Sohn verpflichtet und will die vergangenen 20 Jahre nicht ungeschehen machen. Auf der Suche nach wunden Punkten, an denen er mit seiner Rache ansetzen kann, beginnt Dantès, die Vergangenheit seiner Gegner zu durchforsten. Und wird fündig: Staatsanwalt Villefort, der Dantès für den eigenen Vorteil ins Gefängnis brachte, hat einen unehelichen Sohn, den er als Baby zu töten versuchte. Und Fernand hat bei einem Einsatz im Orient einen Verbündeten an den Feind ausgeliefert und dessen Tochter Haydée als Sklavin verkauft. Dantès schart den Sohn, Haydée und weitere Betrogene für seinen finalen Racheakt um sich - ohne seine Pläne irgendjemandem anzuvertrauen. Doch alle haben auch ihre eigenen Interessen. Vor allem hat Dantès die Rechnung ohne den jugendlichen Sohn von Mercédès und Fernand gemacht ... Mit "Der Graf von Monte Christo" (1954) schuf Regisseur Robert Vernay die Neuauflage seines eigenen Schwarz-Weiß-Films von 1943. Der Film erschien zunächst als Zweiteiler und später auch in einer gekürzten einteiligen Fassung.
16:50
Die 1997 eröffnete Fondation Beyeler, in Riehen an der Grenze zu Deutschland gelegen, besitzt eine der schönsten Kunstsammlungen der Moderne und der zeitgenössischen Kunst. Angefangen bei der klassischen Moderne mit Meisterwerken von Henri Rousseau, Claude Monet, Paul Cézanne, Pablo Picasso, Henri Matisse, Mark Rothko bis hin zu Roni Horn, Marlene Dumas, Otobong Nkanga, Wolfgang Tillmans. Bekannt für einen legendären Museumsbau von Renzo Piano und die gelungene Verbindung von Kunst und Natur, wird nun eine Erweiterung mit Bauten des Schweizer Architekten Peter Zumthor eröffnet. Über vier Jahre hat die Regisseurin Corinna Belz die Planung und Entstehung des Gebäudeensembles filmisch begleitet. Der Film taucht in die Welt des Museums ein und entdeckt einen alten, bislang privaten Park, der der nun als Teil der Fondation Beyeler der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Er geht der Frage nach, was diesen Ort so anziehend für Künstlerinnen und Künstler macht und blickt zurück auf die Ursprünge des Museums mit Ernst Beyeler und Renzo Piano. Gespräche mit Peter Zumthor sowie dem Planungsteam um Sam Keller, Theodora Vischer und Ulrike Erbslöh geben Einblicke in die Entscheidungsprozesse rund um die Museumserweiterung. Und ganz nebenbei erzählt der Film auch von Schweizer Understatement, von großem Teamgeist, beeindruckender Architektur, tiefer Liebe zur Kunst und der Pflege von Landschaft und Natur, die die Fondation Beyeler zu einem der attraktivsten Museen weit über die Grenzen der Schweiz hinaus macht.
17:45
Diese "Sternstunde der Musik" lädt ein zu einer Begegnung mit einem der bedeutendsten Filmkomponisten unserer Zeit. Im Mittelpunkt steht das Gala-Konzert "A John Williams Celebration" in der Walt Disney Concert Hall in Los Angeles am 30. September 2014. Der junge Gustavo Dudamel, Bewunderer und Freund von Williams, dirigiert die Los Angeles Philharmonic durch ein Programm, das die ganze Spannweite von dessen Schaffen entfaltet - von den großen sinfonischen Klangwelten bis zu seinen leisen, zutiefst menschlichen Kompositionen. Zwischen den musikalischen Höhepunkten öffnen Erinnerungen und Gespräche den Blick auf den Menschen hinter den weltberühmten Melodien. Musikerinnen und Musiker wie Anne-Sophie Mutter, Itzhak Perlman oder die Filmmusikkomponisten Ramin Djawadi ("Game of Thrones") und Alex Komlew sprechen über einen Künstler, dessen Bescheidenheit ebenso beeindruckt wie seine schöpferische Kraft. Williams' Musik verleiht den Geschichten Hollywoods einen Funken Magie - und begeistert auch, wenn sie einmal nicht für das bewegte Bild komponiert wurde. Den emotionalen Höhepunkt des Konzertabends bildet John Williams selbst, wenn er den ikonischen "Imperial March" aus "Star Wars" dirigiert. Als schließlich Darth Vader die Bühne betritt, begegnen sich Popkultur und Konzerttradition in einem augenzwinkernden Moment, der den Saal begeistert. Fünf Oscars, 27 Grammys und viele weitere Auszeichnungen markieren eine einzigartige Karriere. John Williams wurde nicht über Nacht zur Legende. Seine Musik ist über Jahrzehnte gewachsen - und mit ihr ein Klang, der Generationen verbindet.
18:35
(1) Lorenzo Recio widmet sich einem Gegenstand, den es überall auf der Welt gibt und der in Frankreich einen ganz eigenen Namen hat: "poubelle", also Mülleimer. (2) Was sagt man in Deutschland und in Frankreich, um ein Tier zu verscheuchen? (3) Nikola Obermann erklärt die etwas komplizierte Art der Deutschen verkehrt herum zu zählen. (4) Und wie immer - das Rätsel!
18:45
Im Westen Liguriens liegt die Riviera di Ponente, auch bekannt als die Riviera dei Fiori. Das milde Klima und eine lange Tradition des Gartenbaus prägen diese Küste: terrassierte Gärten, farbige Blüten und Pflanzen aus aller Welt bestimmen das Bild. Marcos Lochtl ist einer der letzten Fischer von Noli - einem Ort, der bis vor wenigen Jahrzehnten vom Fischfang lebte. Der Fang ist klein, aber geschmacksintensiv. Zusammen mit Gemüse bereitet Marcos daraus Cappon Magro zu: ein vielschichtiger Salat, einst ein Arme-Leute-Essen, heute Inbegriff ligurischer Raffinesse. Im Hinterland bei Albenga lebt Aldo Lomanto, einer der letzten Hirten der Region. Die robuste Brigasca-Rasse ist an steile Hänge und karge Böden angepasst. Aus der Milch seiner Tiere produziert Aldo unter anderem Bruss, einen fermentierten Ricotta. Daraus entsteht eine kräftige, aromatische Sauce - ideal zum Würzen der Suggelli, einer typischen Nudel der Hirten, die traditionell auf den Bergweiden gekocht wurde. In Alassio liegt die Villa della Pergola. Die Villa mit ihrem botanischen Garten wurde im 19. Jahrhundert von englischen Wintergästen angelegt, später dem Verfall überlassen und schließlich von Silvia Arnauld Ricci bei einer Auktion erworben. Über viele Jahre ließ sie Haus und Garten restaurieren. In der Küche entstehen daraus klassische Gerichte wie gefülltes Gemüse nach ligurischer Art, inspiriert vom Garten. Oberhalb von Ventimiglia führt Ilaria Positano die Tradition der Florikultur fort - neu gedacht und ökologisch. Sie kultiviert essbare Blumen, die in der Küche zu Pasta und zu einem Pesto aus den Blüten verarbeitet werden.
19:20
ARTE Journal, das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur.
19:40
Im Jahr 2019 begann Naranbadrakh Batkhuu, die ersten Pferde aus Schlachthäusern zu retten. Mehr als 80 davon gibt es offiziell in und um Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei. Außerdem existieren noch weitere kleinere Schlachthöfe, die illegal betrieben werden. Viele der Pferde gelten als gestohlen, denn infolge der hohen Nachfrage nach Pferdefleisch ziehen kriminelle Banden durchs Land und stehlen komplette Herden. Die Schlachtung, die Verarbeitung und der Verkauf von Pferdefleisch sind zu einer Industrie geworden. Damit sich daran grundsätzlich etwas ändert, fordert Naranbadrakh von der Regierung, das Töten von Pferden zu stoppen. Um langfristig Respekt, Liebe und Empathie im Umgang mit der Natur als Werte zu etablieren, will er auch die Jüngsten im Land erreichen. Sie könnten es in Zukunft besser machen. Naranbadrakh ist in den sozialen Netzwerken aktiv, er klärt auf und empfängt Kinder, die seine geretteten Pferde besuchen können, damit sie - wie er selbst als Junge - eine Beziehung zu ihnen aufbauen. Um mit seinen Ideen eine breite Öffentlichkeit anzusprechen, versucht Naranbadrakh, unterschiedlichste gesellschaftliche Gruppen zu erreichen. Seit zwei Jahren arbeitet er mit der Führung der Militärakademie zusammen. Regelmäßig hält er vor Offiziersschülern und Polizisten Vorträge. Da er kein Honorar annimmt, bot ihm das Verteidigungsministerium an, seine Herde auf dem Militärgelände zu beherbergen: eine neue Heimat für die vielen geretteten Pferde. Naranbadrakh Batkhuu ist ein moderner Nomade, der souverän zwischen den Welten pendelt. Seine Mission: Liebe und Mitgefühl sollen ein wahrer Trend werden.
20:15
Die junge Ärztin Dr. Constance Petersen arbeitet in einer Nervenklinik. Wie ihre Kollegen wartet sie gespannt auf den neuen Chefarzt, der den bisherigen Leiter der Anstalt, Dr. Murchison, ablösen soll. Als Dr. Edwardes eintrifft, fällt ihr jedoch dessen seltsames Verhalten auf und sie hegt den Verdacht, dass der Chefarzt nicht der ist, für den er sich ausgibt. Tatsächlich erscheint die Polizei in der Klinik und unterrichtet die Belegschaft darüber, dass der wahre Dr. Edwardes verschwunden und wahrscheinlich Opfer eines Mordes geworden ist. Hauptverdächtiger ist der falsche Dr. Edwardes, der sich in die Klinik eingeschlichen hat. Doch der ist verschwunden. Dr. Constance Petersen glaubt fest an die Unschuld des Mannes, in den sie sich verliebt hat. Sie kann ihn in einem New Yorker Hotel ausfindig machen und versucht, den Mord aufzuklären. Aber überdeckt ihre Liebe vielleicht die Wahrheit? Mit "Ich kämpfe um dich" setzte sich Hitchcock zum ersten Mal dezidiert mit Erkenntnissen der Freud'schen Psychoanalyse auseinander. Produziert für 1,5 Millionen US-Dollar, spielte der Film fast das Vierfache seiner Kosten ein und wurde zu einem weiteren Triumph in Hitchcocks Hollywood-Karriere. Filmkomponist Miklos Rozsa bekam für "Ich kämpfe um dich" 1946 den Oscar. Der Film erhielt weitere Oscarnominierungen in den Kategorien Bester Film, Beste Regie, Beste männliche Nebenrolle (Michael Chekhov als Dr. Brulov), Beste Schwarz-Weiß-Kamera und Beste optische Spezialeffekte. Ingrid Bergman wurde im gleichen Jahr als beste Schauspielerin mit dem New York Film Critics Circle Award ausgezeichnet.
22:00
Ein Skandal in den USA: 1950 heiratet Ingrid Bergman - der Hollywood-Star, dessen Name mit Klassikern wie "Casablanca", "Wem die Stunde schlägt" oder "Berüchtigt" untrennbar verbunden ist - den italienischen Regisseur Roberto Rossellini, Vorbild einer ganzen Generation von Filmemachern, insbesondere der Nouvelle Vague. Die gefeierte Schauspielerin, Mutter einer Tochter und in erster Ehe verheiratet, lässt alles hinter sich und zieht nach Rom. Ausgelöst wurde diese radikale Wende durch ihre Faszination für Rossellinis neorealistisches Meisterwerk "Rom, offene Stadt". Auf der Suche nach tiefgründigeren Rollen abseits von Hollywoods Studio- und Starsystems nahm sie Kontakt zu Rossellini auf, um mit ihm zu arbeiten. Die beiden verlieben sich und in nur sieben Jahren entstehen fünf gemeinsame Filme - darunter "Stromboli" (1950), "Europa 51" (1952), "Angst" und "Liebe ist stärker" (beide 1954). Aus der Beziehung gehen drei Kinder hervor: Roberto und die Zwillinge Isabella und Isotta Rossellini. Aus erster Ehe hatte Ingrid Bergman bereits eine Tochter, Pia Lindström, die jedoch bei ihrem Vater aufwuchs, während Ingrid Bergman drehte. Die Eheschließung von Bergman und Rossellini wird in den USA verurteilt, außerdem verübelt man dem Star, dass sie Hollywood den Rücken kehrt. Doch Bergman setzt sich über all das hinweg - und lebt ihr selbstbestimmtes freies Leben. Später setzt sie ihren Willen auch gegen Rossellini durch, dem es nicht gefällt, dass sie 1956 für "Anastasia" nach Hollywood zurückkehrt. 1957 endet die Ehe, doch das Vermächtnis des glamourösen Paars lebt in den künstlerisch anspruchsvollen Filmen, die durch ihre Begegnung entstanden sind.
22:55
Der Dokumentarfilm beleuchtet eine entscheidende Phase im Leben des großen italienischen Regisseurs Roberto Rossellini: 1956, mit 50 Jahren, scheint Rossellinis Karriere an einem Tiefpunkt angelangt. Die einst gefeierten Meisterwerke des Neorealismus liegen zurück, die späteren Filme mit Ingrid Bergman werden von Publikum und Kritik abgelehnt, die Ehe steht vor dem Aus. In dieser Situation wagt Rossellini einen beispiellosen Neuanfang. Er reist nach Indien, um ein Land im Umbruch zu dokumentieren - wissend, dass er vielleicht nicht zurückkehren wird. Aus dieser Erfahrung entstehen nicht nur der Kinofilm India Matri Bhumi, sondern auch wegweisende Fernsehproduktionen. Rossellinis Indien-Aufenthalt markiert seine künstlerische Wiedergeburt und öffnet ihm den Blick auf neue Formen des Wissens, der Bildung und der filmischen Sprache. Der Film zeichnet Rossellinis zunehmende Abkehr vom klassischen Kino nach und zeigt ihn als Visionär, der früh an das Potenzial des Fernsehens glaubt - zum Unverständnis vieler Zeitgenossen. Unterstützt von Stimmen der Nouvelle Vague, darunter François Truffaut, wird Rossellini neu entdeckt und als Mentor gewürdigt. Mit seltenem Archivmaterial, Zitaten und Zeitzeugnissen entfaltet der Dokumentarfilm das Bild eines kompromisslosen Geistes, der stets mehr suchte als bloßen Erfolg: Erkenntnis, Wahrheit und eine neue Art, die Welt zu erzählen.
23:55
Ungarn nimmt innerhalb Europas eine besondere Stellung ein - insbesondere, wenn man die Musikgeschichte des Landes seit 1945 betrachtet. In kaum einem anderen europäischen Land gibt es so viele einflussreiche Komponisten, deren Werke die Entwicklung der Musik maßgeblich geprägt haben. Namen wie Béla Bartók, György Ligeti und György Kurtág stehen dabei exemplarisch für diese herausragende kulturelle Leistung. Doch Ungarn ist nicht nur für seine Musik bekannt, sondern auch für seine ambivalente und widersprüchliche Geschichte. Die Dokumentation erzählt diese bewegte Geschichte Ungarns im 20. Jahrhundert anhand der Biografien seiner großen Komponisten. Im Mittelpunkt steht dabei eine Begegnung des Pianisten Pierre-Laurent Aimard mit dem inzwischen 100-jährigen György Kurtág im Budapest Music Center. Daneben kommen viele bedeutende Persönlichkeiten des ungarischen Kulturlebens zu Wort, unter anderem Vera Ligeti, die Witwe des Komponisten, der Schriftsteller und Historiker György Dalos und Péter Nádas, der als Schriftsteller und Fotograf das Leben in Ungarn dokumentierte.