05:15
Die indigenen Gemeinschaften der Südseeinseln setzen auf ihre kulturellen Wurzeln, um den Folgen des Klimawandels zu begegnen. Auf Hawaii, den Salomonen, in Französisch-Polynesien und auf Fidschi entwickeln sie Lösungen, die Natur und Tradition verbinden - und so die empfindlichen Ökosysteme bewahren. In Französisch-Polynesien gelten Tiere als spirituelle Führer der Menschen und Verbindung zur Natur. Sie liefern mit ihren Beobachtungen gleichzeitig wichtige Hinweise für die Forscher, die auf diesen Inseln arbeiten. Wale, die jedes Jahr wiederkommen, um sich in den warmen Gewässern fortzupflanzen, liefern Aufschlüsse über Veränderungen in den Weltmeeren. Auf den unter französischer Verwaltung stehenden Marquesas-Inseln sind Vogelarten, die einen wichtigen Beitrag zur Waldpflege leisten, durch die Schrumpfung ihres Lebensraums bedroht. Darüber hinaus verlangsamen die Wildpferde, die im 19. Jahrhundert von den Europäern eingeführt und zum Wahrzeichen der Insel Ua Huka wurden, bereits die natürliche Regenerierung der Wälder. Aale, die aus dem Ozean die Flüsse hinaufschwimmen, sind ein wichtiges Bindeglied für beide Ökosysteme. Und um die Korallenriffe zu erhalten, die für das Leben in der Lagune unerlässlich sind, arbeiten Meeresbiologinnen und Meeresbiologen an der Wiederansiedelung von Seeigeln. Traditionelles Know-how und wissenschaftliche Erkenntnisse werden eingesetzt, um jene Arten zu beobachten und zu schützen, die für den Erhalt des fragilen Gleichgewichts dieser Inseln von elementarer Bedeutung sind.
06:10
Seegras ist in den Augen vieler oft nichts weiter als lästiger, meterhoher Strandabfall. Doch kaum jemand weiß um seine weltweite Bedeutung. Neueste Untersuchungen zeigen: Die ehemalige Landpflanze hat bei ihrem Weg zurück ins Meer ungeahnte Fähigkeiten entwickelt. Wie der Regenwald bindet Seegras eine Menge Treibhausgase. Denn Seegras ist eine Partnerschaft mit einem Bakterium eingegangen und produziert so gigantische Mengen Zucker. Wissenschaftlichen Annahmen zufolge sollen es die größten Zuckervorräte unseres Planeten sein. Seegras kann sich nicht nur über Samen vermehren, sondern sich auch klonen! Manche Wiesen sind bis zu 80.000 Jahre alt und dehnen sich über Quadratkilometer aus. Doch das ist immer noch nicht alles. Mit seinen "Superkräften" erneuert sich das Seegras jährlich und wirft - ein Erbe der Landpflanzen - alle Blätter ab. Die meterhohen braunen Berge schützen die Küsten vor Erosion. Zahlreiche Tiere verbringen im Dickicht der Unterwasserwiesen ihre Jugend oder verlassen sie zeit ihres Lebens nicht! Auch außerhalb des Wassers findet Seegras Verwendung: als Dünger, als Dämmung oder als Polster und Kissen. Denn die Blätter sind schimmel- und milbenfrei, beständig, isolierend und antiallergisch. Doch diese über Millionen Jahre bewährten Eigenschaften schützen nicht gegen Klimaerwärmung, Verschmutzung, Fischerei und die unzähligen Anker, die durch die Wiesen pflügen. Im Zuge der Forschungsergebnisse hat sich eine Allianz von Wissenschaftlern gebildet, die mit neuen Methoden und Einfallsreichtum versuchen, das Supergras zu verstehen und zu schützen.
07:05
Bis zu seiner Rente arbeitete Irakli als Neurologe in einem Krankenhaus im Tal. Erst danach kehrte er in die Berge nach Tuschetien zurück und wurde Bergdoktor. 51 Leben haben er und sein Wallach Bitschola seitdem gerettet. Im Winter, wenn die Hirten mit ihren Schafen ins Tal ziehen, gibt es kaum noch Menschen in Tuschetien. Doch die wenigen, die bleiben, brauchen einen Arzt. Irakli harrt aus und ist für sie da. "Manchmal beneide ich die Wölfe", sagt er. "Sie laufen in Paaren. Und ich bin hier allein im Schnee." Doch solange der 81-Jährige noch auf sein Pferd steigen kann, wird er es weiter tun. Er kann nicht anders: "Ich glaube, das war mein Schicksal von Gott, dass ich Menschen in Not helfe." Irakli gehört zum Bergvolk der Tuschen und lebt in der georgischen Provinz Tuschetien. Viele Menschen hier glauben an 28 heidnische Göttersöhne und gleichzeitig an den christlichen Gott. Orthodoxie und Heidentum gehören zusammen und alte ungeschriebene Gesetze bestimmen den Alltag. Traditionen, Mythen und Legenden sind auch für Irakli wichtig, die heidnischen Dorffeste gelten ihm als die schönste Zeit im Jahr.
07:50
Bei vielen psychischen Erkrankungen herrscht akuter Handlungsbedarf. Doch es gib zu wenige Therapeutinnen und Therapeuten, die Therapieplätze sind rar. Gefährlich lange Wartezeiten sind die Realität. Bei verschiedenen Krankheitsbildern, darunter Depressionen, Angststörungen, Borderline und Schizophrenie, verschärft sich die Lage. Denn oftmals werden sie nach dem "Passt-für-alles"-Prinzip behandelt, medikamentös oder mit Verhaltenstherapie. Dabei ist die richtige Behandlung oft höchst individuell, und eine Fehldiagnose kann fatale Folgen mit sich bringen. Irren sich Computer mit künstlicher Intelligenz seltener als Menschen mit natürlichem Sachverstand? Und sollten KI-Therapeuten Einblick in die Köpfe der Betroffenen erhalten? Mit großem Enthusiasmus und hohem Kapitaleinsatz forschen Psychiater und Neurologen nach Möglichkeiten, Künstliche Intelligenz sinnvoll zu nutzen. Es entstehen Datenmengen, die nur mithilfe von KI ausgewertet werden können. Bisher steht fest: KI kann menschliche Therapeuten in der Diagnostik unterstützen. Aber wie weit kann es gehen? Sollen wir bei Sorgen und in seelischen Notlagen die Hilfe eines digitalen Freundes suchen? Werden KI-Therapeuten zu Rettern für Millionen oder zum unkalkulierbaren Risiko?
08:45
Die russische Sonde Venera 9 machte 1975 das erste Foto der Venusoberfläche: Ein trostloser Planet mit trübem Himmel zeigte sich. Keine Spur von Wasser. Bis in die 1960er Jahre hatten Forschende gehofft, dass Venus eine zweite Erde sei. Auch Science-Fiction-Autoren stellten die Venus als eine Art Erde dar, mit Monstern, Dinosauriern und Amazonen. Doch auf der Venus ist es 460 Grad Celsius heiß, sie hat eine lebensfeindliche Kohlendioxid-Atmosphäre. Sah Venus immer so aus? Mitnichten. Sie war wahrscheinlich lange ein gemäßigter Planet mit stabilen Temperaturen. Forschende schätzen, dass vor rund 700 Millionen Jahren ein Ereignis eintrat, das die Entwicklung der Venus grundlegend verändert haben könnte. Die Sonne ist die erste Verdächtige. Sie wurde im Laufe ihrer Geschichte immer heißer und ließ wahrscheinlich alles Wasser verdampfen, das die Venus einst besaß. Doch Merkur ist noch näher an der Sonne und nicht so heiß - was die Sonne als alleinige Täterin ausschließt. Venus ist auch der vulkanischste Planet im Sonnensystem. Es ist noch nicht geklärt, ob ihre Vulkane in einer einzigen katastrophalen Phase ausbrachen, oder noch heute aktiv sind. Sie gehören zu den Hauptverdächtigen. Außerdem steht noch die fehlende Plattentektonik im Visier der Planetenforschenden. Der Erde gelingt es immer wieder, Kohlendioxid im Erdmantel zu begraben. Dieser Prozess findet auf der Venus nicht statt. Liegt es also an der fehlenden Plattentektonik? Könnte der Erde das gleiche Schicksal drohen? Vielleicht nicht morgen, aber in Millionen Jahren? Diese und andere Fragen sollen die zukünftigen Venus-Missionen der Nasa und Esa klären.
09:15
Neufundland kennt eine lange Geschichte der Umsiedlungen. Beginnend in den 50er Jahren zwang die Regierung die entlegen lebenden Menschen, häufig kanadische Ureinwohner, an zentraler gelegenen Orten zu siedeln. Dort wurden Arbeitskräfte gebraucht. Im Lauf der Jahre wurde die Kritik an den alternativlos verfügten Umsiedlungsprogrammen immer lauter. Doch wirtschaftliche Zwänge setzten sich durch. Angesichts drohender Arbeitslosigkeit wurden Hunderte kleiner Ortschaften aufgegeben. Outports nennt man die einst blühenden Küstenorte. Sie galten als das wahre Neufundland, die Heimat der Entdecker und Gründer, der Stolz der Nation. Gaultois ist einer der letzten Outports in Neufundland. Der Ort lebte bis in die 90er Jahre prächtig vom Kabeljau - bis die Überfischung zu Fangverboten führte und das langsame Sterben von Gaultois einleitete. Für Nostalgie hat die Provinzverwaltung in St. John's keinen Sinn. Knappe Kassen lässt sie mit spitzem Stift rechnen: Allein die Fährverbindung aufrechtzuerhalten, kostet die Regierung jährlich eine Million Dollar. Schule, Müllabfuhr, Post - all das ist für den Steuerzahler teurer, als wenn jede Familie für die Umsiedlung mit umgerechnet 190.000 Euro entschädigt würde. Die staatliche Förderung gibt es allerdings nur, wenn mindestens 75 Prozent der Bewohner mitmachen und ihre Häuser aufgeben wollen. Auch die Gegner der Umsiedlung müssten dann umsiedeln. Gaultois würde von der Landkarte verschwinden. "360° Reportage" ist dabei, wenn die Gemeinde über das Schicksal von Gaultois entscheidet.
10:05
Für Melanee Schneider ist Wasser das Element, in dem sie sich am wohlsten fühlt, vor allem, wenn sie mit ihrer glitzernden Nixenschwanzflosse durch die Wellen gleitet: schwerelos und voller Freude im Herzen. Ihre Mutter Margaret dagegen fürchtet es - so wie Millionen Afroamerikaner. Denn über das Wasser kamen die Schiffe, die ihre Vorfahren in die Sklaverei zwangen. Die jahrhundertelange grausame Sklaverei und die anschließenden Rassentrennungsgesetze, die bis 1964 in Kraft waren, entfremdeten die Afroamerikaner vom Wasser und schufen ein folgenschweres Trauma, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Melanees Großmutter, ihre Mutter und auch ihre Schwester haben bis heute nie schwimmen gelernt. Nur Melanee durchbrach das Generationentrauma, wurde Schwimmlehrerin und begeisterte Meerjungfrau mit einer starken Mission: Sie will die Menschen zurück ins Wasser bringen und ihnen die Freude daran vermitteln. Das gelingt ihr, indem sie als Afro Mermaid auf Kindergeburtstagen auftritt und schon den Kleinsten zeigt, wie es geht: Mit Mut und Kraft kann jeder erreichen, was er will, und jede ist schön, so wie sie ist. Damit ist sie nicht allein. Zu Melanees großem Meeresleutetreffen haben sich fast 100 Teilnehmer und Teilnehmerinnen angemeldet, die aus allen Teilen der USA anreisen. Zusammen schwimmen sie anmutig schwebend und im Vertrauen darauf, dass das Wasser sie trägt. Spielerisch mit den Fischen tanzend und die Welt umarmend, die sie bisher oft ausgeschlossen hat. Nun muss nur noch die Organisation klappen - und an der feilt Melanee zusammen mit ihrem Mann Manny bis zur letzten Minute.
11:00
Der "Maestro" Franco Casoni ist eine Institution in Chiavari. In seinem Atelier in der Altstadt schnitzt er zwischen Holzspänen und Figuren kunstvolle Corzetti-Stempel - kleine Holzkunstwerke, mit denen er die traditionellen Pastataler prägt. Am Herd wird daraus ein schlichtes Gericht, das Handwerk und Küche unmittelbar verbindet. Mario Benvenuto ist Grafiker und Dozent für Kunst und Design. Er versteht es, aus dem Golfo Paradiso das Beste zu ziehen: den Espresso am Hafen von Camogli - und die Ruhe seines Hauses in den Hügeln oberhalb von Recco. Vegane Restaurants sind in Ligurien noch selten, Mario ist auf die eigene Küche angewiesen. Aus wenigen Zutaten entsteht ein veganes Gericht: Erbsenpüree, dazu Gemüse, Couscous sowie die Aromen von Salbei und Dill. Im ligurischen Hinterland hält Luca Quirini eine fast ausgestorbene Rinderrasse am Leben: die Cabannina. Klein, trittsicher und widerstandsfähig bewegen sich die Tiere durch Wälder und über steile Hänge - und erinnern eher an Bergziegen als an Kühe. Aus ihrem Fleisch entsteht ein langsam geschmorter Braten, geprägt von den Kräutern und Blumen der Weiden. Bei Rapallo, am Golfo von Tigullio, hat Laura Bianchi ihr Leben neu geordnet. Nach einem Unfall ließ sie die Modewelt hinter sich und verwandelte ein jahrzehntelang verwildertes, terrassiertes Grundstück in einen produktiven Garten. Gemeinsam mit ihrem Partner kocht sie Gatafin - gefüllte Teigtaschen, entstanden aus dem, was das Land rund um ihr Haus hergibt.
11:30
Die indigenen Gemeinschaften der Südseeinseln setzen auf ihre kulturellen Wurzeln, um den Folgen des Klimawandels zu begegnen. Auf Hawaii, den Salomonen, in Französisch-Polynesien und auf Fidschi entwickeln sie Lösungen, die Natur und Tradition verbinden - und so die empfindlichen Ökosysteme bewahren. Auf Fidschi sind Land und Meer seit jeher unveräußerliches Eigentum der Clans, der Mataqali. Doch die Herausforderung, wirtschaftliche Entwicklung und Umweltschutz in Einklang zu bringen, ist größer denn je. In der Beqa-Lagune, einem weltberühmten Tauchgebiet mit artenreichen Korallenriffen und Haibeständen, werden bestimmte Meereszonen zu "Tabugebieten" erklärt. Diese traditionelle Praxis schützt die Unterwasserwelt und sichert ihre Regeneration. Doch nicht alle Inseln haben dieselben Chancen. Auf Serua wird die Bedrohung durch den steigenden Meeresspiegel immer greifbarer. Viele Bewohner denken über Abwanderung nach - eine Entscheidung, die ganze Gemeinschaften zerreißen könnte. Im Landesinneren setzen die Clans dagegen auf eine andere Strategie: Sie verzichten bewusst auf die wirtschaftliche Nutzung der Wälder, um diese als Lebensraum und Klimapuffer zu erhalten. Die Menschen auf Fidschi verbinden dabei altes Wissen mit neuen Ansätzen. Sie passen Traditionen an die heutigen Herausforderungen an, um Natur und Kultur zu bewahren - und damit auch ihre eigene Zukunft. Es ist ein Balanceakt zwischen Bewahrung und Wandel, der zeigt, wie indigene Gemeinschaften globalen Krisen begegnen.
12:25
Die indigenen Gemeinschaften der Südseeinseln setzen auf ihre kulturellen Wurzeln, um den Folgen des Klimawandels zu begegnen. Auf Hawaii, den Salomonen, in Französisch-Polynesien und auf Fidschi entwickeln sie Lösungen, die Natur und Tradition verbinden - und so die empfindlichen Ökosysteme bewahren. Die Salomonen, eines der ärmsten Länder des Pazifiks, sind wirtschaftlich stark von ihren natürlichen Ressourcen abhängig. Doch deren Nutzung verändert zunehmend die Landschaft und gefährdet fragile Ökosysteme. Um diesem Konflikt zu begegnen, setzen die Inselbewohner auf lokale Initiativen und traditionelles Wissen. Zahlreiche Bürgerinitiativen engagieren sich gegen unkontrollierten Holzeinschlag oder setzen sich dafür ein, als heilig angesehene Inseln - etwa als Orte von Ahnengeistern - unter Schutz zu stellen. Andere Projekte widmen sich der Wiederverwertung von Plastikmüll aus Importwaren oder prangern die traditionelle Brandrodung an, um Böden und Wälder zu erhalten. Gleichzeitig erlebt das traditionelle Tomoko-Kanu, das Symbol schlechthin für ein Leben im Einklang mit der Natur, eine Renaissance. Die Menschen auf den Salomonen wissen: Ihr größtes Kapital ist eine intakte Umwelt. Um neue Einkommensquellen zu erschließen, setzen sie auf nachhaltige Ansätze - und verbinden dabei altes Wissen mit modernen Strategien. So wird Naturschutz zur Grundlage für eine stabile Zukunft.
13:20
Spezial Madeira mit folgenden Themen: John Dos Passos: Die Suche nach dem Vater / Die Geschichte der Levadas / Marias Polenta mit Bastardmakrelen / Das gestohlene Lied
14:05
Spezial Bulgarien mit folgenden Themen: Sylvie Vartans Sehnsuchtsort/ Bulgarische Gesänge/ Danielas gekochter Käse/ Ein Journalist befreit Bulgarien
14:50
Robert Stroud wird nach einer Gefangenenrebellion in die Strafanstalt Leavenworth verlegt. Er sitzt wegen Mordes zwölf Jahre Zuchthaus ab und gilt als gewalttätig und verbittert. Als er einen Wärter ersticht, soll er hingerichtet werden, doch seine Mutter erreicht die Umwandlung des Urteils in lebenslange Einzelhaft. In der Isolation hat Stroud nur wenig Kontakt, bis er im Hof einen verletzten Sperling findet und ihn in seiner Zelle aufzieht. Später darf er Kanarienvögel züchten und entdeckt darin einen neuen Lebenssinn. Er entwickelt ein Heilmittel gegen eine gefährliche Vogelkrankheit und wird als Vogelexperte bekannt. Durch die Züchterin Stella Johnson entsteht erstmals eine persönliche Bindung, die jedoch zum Bruch mit seiner Mutter führt. Er wartet auf eine Begnadigung ... "Der Gefangene von Alcatraz" basiert auf der Lebensgeschichte des Amerikaners Robert Stroud, der 1963 in einem Gefängnishospital starb, nachdem er 54 Jahre in Zuchthäusern verbracht hatte, davon 43 Jahre in Einzelhaft. Der Film, auch ein Plädoyer für einen humaneren Strafvollzug, erhielt mehrere bedeutende Preise. Burt Lancaster wurde als bester Hauptdarsteller für den Oscar nominiert, gewann den BAFTA Film Award und in Venedig die Coppa Volpi. Weitere drei Oscarnominierungen gingen an Telly Savalas und Thelma Ritter für ihre Nebenrollen und an Burnett Guffey für die beste Bildgestaltung in Schwarz-Weiß. Für Telly Savalas war es der Start seiner Schauspielkarriere, die im TV als Polizist Kojak mit "Einsatz in Manhattan" ihren Höhepunkt fand.
17:15
Für Dr. Stander begann diese Geschichte vor 40 Jahren mit einer zufälligen Begegnung: An der verwunschenen Skelettküste Namibias begegnete er einer einzelnen Wüstenlöwin. Dieses Erlebnis entfachte seine Leidenschaft für diese majestätischen Tiere. Doch schon bald verschwanden die Wüstenlöwen aus der Küstenregion. Dr. Standers Entschluss, diese geheimnisvollen Tiere zu erforschen, sollte sich Jahre später auszahlen: Er entdeckt ein einzelnes weibliches Jungtier, das später zur legendären "Königin" der Wüstenlöwen wird. Dann geschieht eine Tragödie: Die Enkelinnen der Königin - Alpha, Bravo und Charlie - verlieren ihre Mutter und werden in eine Welt voller Gefahren geworfen. Trotz aller Widrigkeiten entdecken die Waisen eine versteckte Oase voller Leben, in der sie sich Fähigkeiten als Vogeljägerinnen aneignen. Die neue Nahrungsquelle sichert ihr Überleben. Doch mit Vögeln allein können die heranwachsenden Jungen ihren Hunger nicht lange stillen. Die Schwestern trennen sich. Alpha und Bravo ziehen immer weiter nach Westen und gelangen schließlich an die mystischen Ufer der Skelettküste. Mutig erschließen sie sich entlang der zerklüfteten Küste eine neue Heimat und erobern sich eine Lebensweise zurück, die für ihre Artgenossen seit Generationen verloren war. Charlie bewährt sich weiter im Landesinneren. Von ihrer Tante lernt sie die Kunst der Giraffenjagd. Dr. Philip Stander erfüllt sich bald einen Lebenstraum: Er kann die einzigartige und komplexe Beziehung zwischen Land- und Meeresbeutegreifern dokumentieren. Eine wissenschaftliche Sensation, bisher unerforscht und noch nie gefilmt.
18:10
Ab 1979 setzte die kommunistische Volksrepublik China die Ein-Kind-Politik durch: Bis 2015 durften Familien aus demografischen Gründen nur Einzelkinder haben. Nach mehr als 30 Jahren dieser gravierenden Verletzung persönlicher Grundfreiheiten denkt die chinesische Führung langsam um: Erst wurde es Paaren wieder erlaubt, zwei Kinder zu bekommen, und seit 2021 sogar drei. Tatsächlich stieg das Bewusstsein für die nunmehr katastrophale Situation: In der alternden chinesischen Bevölkerung gibt es zu wenig Erwerbstätige und zu viele Rentner, so dass eine Finanzierung nicht mehr gewährleistet ist. China versucht seither, das Blatt zu wenden, und betreibt eine nachwuchsfreundliche Familienpolitik. Dennoch muss es sich einer Realität stellen: Das Reich der Mitte wird alt sein, bevor der materielle Segen kommt! Mit einem Streifzug in alternde Gesellschaften auf fast allen Kontinenten beleuchtet diese Folge von "Mit offenen Karten" eine demografische Entwicklung, die in den kommenden Jahrzehnten schwer zu Buche schlagen wird und von der bislang nur Afrika verschont ist.
18:25
Aktuelle europäische und internationale politische Themen und Herausforderungen, ergänzt durch historische Erläuterungen und geopolitische Analysen. "ARTE Reportage" berichtet über die Fakten und die menschlichen Verhältnisse, die sich hinter diesen Fakten verbergen.
19:20
"ARTE Journal", das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur
19:40
Israel lebt zwischen Alltag und Ausnahmezustand. "Tracks East" über Menschen im Dauerkrieg. Journalist David Issacharoff begleitet Menschen, die mit den Widersprüchen eines Landes leben, das trotz des Krieges funktionieren muss. In Tel Aviv trifft "Tracks East" den Streetfotografen Shahar Dekel. Sein Kibbuz nahe Gaza wurde am 7. Oktober 2023 zerstört; Freunde starben oder kämpfen bis heute mit Traumata. Dreimal wurde er seitdem eingezogen. Mit seiner Kamera dokumentierte er den Krieg. Nahe der libanesischen Grenze betreibt Nitzan Yulzari ein Café. Manchmal bebt dort der Boden von den Explosionen in der Ferne. Eigentlich wollte er mit seiner Familie nach Portugal auswandern. Jetzt steht die Entscheidung erneut bevor. Sein Café ist Treffpunkt und Rückzugsort zugleich - doch der Krieg begleitet ihn jeden Tag. Eine andere Perspektive zeigt die palästinensisch-israelische Journalistin Amal Ghawi. Auf Social Media spricht sie über Vertreibung, Diskriminierung und die Verengung des öffentlichen Diskurses. Sie berichtet auf Hebräisch und Arabisch. Für ihre Kritik wird sie von beiden Seiten angegriffen. "Tracks East" zeigt ein Land, das erschöpft ist - und dennoch weitermacht.
20:15
Im 4. Jahrhundert verlagerte Kaiser Konstantin das Zentrum der römischen Welt in den Osten. Am Bosporus entstand auf dem Gebiet der griechischen Stadt Byzantion nach und nach Konstantinopel - und mit der neuen Hauptstadt eine Zivilisation, die römisches Erbe, griechische Kultur und christlichen Glauben miteinander verband. Anlässlich der Eröffnung einer neuen Abteilung für byzantinische und ostchristliche Kunst im Pariser Louvre begibt sich der Dokumentarfilm auf Spurensuche in Istanbul, auf dem Sinai, in Italien, Griechenland und Serbien. Anhand von Handschriften, Mosaiken, Ikonen und archäologischen Zeugnissen zeichnet er das Porträt eines multikulturellen Reiches, das von Austausch und Handel ebenso geprägt war wie von religiösen und politischen Konflikten. Im 6. Jahrhundert wurde Byzanz unter Justinian zu einer Hochburg von Bau- und Bildkunst. Die Hagia Sophia und die Mosaiken von Ravenna zeugen von einem Herrschaftsanspruch, der sich als universal und gottgegeben verstand. Im 7. Jahrhundert führten arabische Eroberungen zu tiefgreifenden Gebietsverlusten und im 8. und 9. Jahrhundert erschütterte der Bilderstreit Byzanz. Hinter der Debatte um die Verehrung von Bildern stand zugleich ein politischer Konflikt um Macht und religiöse Hoheit. 1204 markierte die Plünderung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer einen entscheidenden Wendepunkt. Doch Byzanz blieb noch jahrhundertelang über seine Grenzen hinaus prägend. Seine Künstler und Gelehrten beeinflussten die italienische Renaissance und die europäische Kulturgeschichte nachhaltig. Bis zu seinem Untergang im Jahr 1453 gab das Reich seine Bilder, sein Wissen und einen wesentlichen Teil seiner Vorstellungswelt an die europäischen Kulturen weiter.
21:45
Die 537 eingeweihte Basilika Hagia Sophia in Istanbul ist ein architektonisches Meisterwerk mit wechselvoller Geschichte. Eintausend Jahre lang war sie die größte Kirche der Welt und das religiöse und symbolische Zentrum des ersten großen christlichen Reiches: Byzanz. Bis zur Eroberung Konstantinopels war die Hagia Sophia das größte Gotteshaus der Christenheit. Nach der Eroberung Konstantinopels 1453 wandelten sie die Osmanen in eine Moschee um und fügten als äußeres Kennzeichen vier Minarette hinzu. Mit der Umwandlung der Moschee in ein Museum krönte Mustafa Kemal Atatürk 1934 schließlich seine laizistische Revolution. Als bei den damaligen Renovierungsarbeiten unter osmanischen Verzierungen sehr wertvolle Mosaike aus der byzantinischen Zeit freigelegt wurden, keimte das Interesse für die byzantinische Kunstgeschichte wieder auf. Es kommt einem Wunder gleich, dass die gigantische, etwas mehr als 50 Meter hohe Kuppel der Hagia Sophia bis heute auf ihren Pfeilern thront und ihre Kunstschätze die Jahrhunderte überdauerten, denn Istanbul wurde auf einer sehr aktiven seismischen Verwerfung errichtet. Experten rechnen mit einem großen Beben. Daher erforscht ein internationales Team, bestehend aus Architekten, Seismologen und Ingenieuren, die Erdbebensicherheit des Gebäudes. Sie hoffen, dabei auch versteckte Schwachstellen zu finden, um den Bau entsprechend zu stabilisieren und ihn für zukünftige Generationen zu erhalten. Die Hagia Sophia zeugt von einer faszinierenden Geschichte. Und möglicherweise hat der byzantinische Monumentalbau noch längst nicht alle Kunstschätze freigegeben, die noch in ihm ruhen.
23:15
Am 16. April 2026 feierte Peteris Vasks seinen 80. Geburtstag. Lettland feiert einen seiner Nationalkomponisten mit einem großen Festkonzert. Es erklingen Orchester- und Chorwerke, die von seiner Vision von künstlerischer und politisch-religiöser Freiheit zeugen. Er äußerte einmal: "Musik ist im Baltikum kein intellektuelles Spiel, sondern eine große geistige Konzentration. Ich denke, dass unsere Zivilisation in eine falsche Richtung geht. Es gibt viel zu viel Materialismus, zu wenig Geist. Das Wichtigste ist doch unsere Seele, unser Körper und Geist, das alles zusammen." Die metaphysische Natur seines Werks führt oft zu Vergleichen mit Johann Sebastian Bach. Seine Musik wird als stille Kontemplation beschrieben, ähnlich wie religiöse Kunst, die über "globale und zeitlose Probleme" wie den Kampf zwischen Licht und Dunkelheit reflektiert. Zu seinem 80. Geburtstag gestalten die Sinfonietta Riga und der Grammy-prämierte Lettische Rundfunkchor unter der Leitung seines langjährigen Chefdirigenten Sigvards Klava eine Hommage an Peteris Vasks, die direkt am Geburtstag des Komponisten in der St. Johanniskirche seines Geburtsorts Aizpute stattfand. "Sava tauta" für Chor "The Fruit of Silence" für Chor und Orchester "Cosa devo fare" für Chor "Agnus Dei" für Chor und Orchester "Musica serena" für Orchester "Da pacem Domine" für Chor und Orchester "Actus caritatis" für Chor "Mein Herr und mein Gott" für Chor und Orchester "Berliner Messe" für Chor und Orchester "Festina lente" für Streichorchester Lettischer Rundfunkchor Sinfonietta Riga Sigvards Klava, Dirigent