05:00
Die Welt verändert sich mit atemberaubender Geschwindigkeit - und auf den Inseln unserer Erde lässt sich besonders gut beobachten, wie die Tierwelt auf diese Änderungen reagiert. Der Evolutionsbiologe Shane Campbell-Staton reist zu den Galapagos-Inseln. Heute beobachten Forschende neue evolutionäre Anpassungsformen: Seelöwen ernähren sich mittlerweile nicht nur von Sardinen, sondern auch von Thunfisch - und um diesen zu jagen, haben sie eine völlig neuartige Jagdmethode entwickelt. In der Karibik haben Forschende entdeckt, dass sich eine Echsenart evolutiv an Hurrikane angepasst hat. Auf den Turks- und Caicos-Inseln hat Anolis scriptus größere und besser haftende Zehen sowie längere Vorderbeine entwickelt, um sich bei starkem Wind wirksamer festhalten zu können. Auf Hawaii findet ein evolutionäres Wettrennen zwischen Pazifik-Feldgrillen und einer invasiven parasitischen Fliegenart statt. Auf einer Insel in der Antarktis war der Riesenpiper durch die Einschleppung von Ratten stark gefährdet. Dank eines umfassenden Schutzprogramms ist sein Gesang nun wieder zu hören. Auf dem Sansibar-Archipel leiden die Roten Stummelaffen unter Abholzung und der Ankunft neuer landwirtschaftlicher Nutzpflanzen, durch deren Verzehr sie krank werden. Doch sie haben ein Gegenmittel gefunden: Sie essen Kohle, um die Giftstoffe zu neutralisieren. Und auch die dort lebenden Menschen bleiben nicht untätig: Um das Meer zurückzuhalten und die Dörfer zu schützen, wurden dank lokaler Initiativen auf der ganzen Insel Mangrovenbäume gepflanzt - im Rahmen eines Projekts, das sich mittlerweile bis auf den afrikanischen Kontinent erstreckt.
05:55
Die Selbstversorger-Gärten zeichnen sich durch eine "organisierte Unordnung" aus, die traditionell in mehreren Schichten um das Haus herum angelegt wird und Blumen, tropische Früchte, Gemüse und Heilpflanzen - sowohl einheimische als auch eingeführte Arten - harmonisch kombiniert. Diese Gärten, die einst für den Lebensunterhalt der Sklaven und Siedler unentbehrlich waren, spiegeln die Geschichte der Insel La Réunion wider. Paulo Brigy, pensionierter Lehrer, hat einen artenreichen kreolischen Garten rekonstruiert. Seit 14 Jahren bemüht er sich, diese Vielfalt trotz anhaltender Dürreperioden und heftiger Wirbelstürme zu erhalten. Auch Pascale Boyer-Vidal liegt das Gärtnern im Blut. Sie pflegt einen jahrhundertealten Garten mit endemischen Pflanzen, der durch die Invasion einzelner eingeschleppter Arten bedroht ist. Auf La Réunion, einer ehemaligen französischen Kolonie und einst strategisch wichtigen Zwischenstation für Seefahrer auf dem Weg nach Indien, wird auch heute noch Zuckerrohr angebaut. Kako und Stéphane Kenkle verwandeln das von der Zuckerrohr-Monokultur ausgelaugte Land in eine Oase der Biodiversität im Sinne des kreolischen Gartens. Angesichts der klimatischen und ökologischen Herausforderungen ist die Vielfalt der kreolischen Gärten der Schlüssel zu ihrer Widerstandsfähigkeit. Inspiriert durch das Wissen und die Praktiken ihrer Vorfahren sorgen die Gärtner für die Weitergabe eines wertvollen kulturellen und botanischen Erbes. Wird die Ernte ihren Mühen gerecht?
06:50
Eine beliebte Geflügelspezialität aus Nordfrankreich: Taube In Nordfrankreich wartet man nicht, bis einem die gebratenen Tauben in den Mund fliegen! Der heutige Chefkoch bereitet für Alexis Sarini gleich drei Täubchen-Varianten zu, die hier zu den regionalen Spezialitäten zählen. Geograf und Ernährungswissenschaftler Pierre Raffard erklärt, warum Tauben in der nordfranzösischen Küche so beliebt sind und was man in Europa und der Welt von Taubenfleisch hält. Abschließend gibt er einen kurzen Überblick über die Länder, in denen rohes Fleisch verzehrt wird. Ein Biss'chen Heimat: Tommy, ein Nordfranzose in England Tommy zog aus beruflichen Gründen nach London, auf die andere Seite des Ärmelkanals. Auch die Esskulturen beider Länder sind sich an manchen Stellen ähnlicher, als man denkt. Um sich seiner Heimat noch näher zu fühlen, geht Tommy in einen örtlichen Lebensmittelladen. Dort findet er den für Nordfrankreich typischen Käse Maroilles, den er für sein Chicorée-Rezept benötigt. Anders als zuhause löscht er sein Gericht in London mit englischem Bier ab: ein wesentlicher Schritt der kulturellen Integration. Ran an die Töpfe! Appetit bekommen? Hier gibt es ein Täubchen-Rezept zum Nachkochen. -------------------------- Rezept für Tatar vom Täubchen Zutaten für zwei Personen: 1 Täubchen 1 EL Senfkörner 1 TL Essig 1 TL Honig 1/2 Bund Bärlauch 1 Schalotte 1 Knoblauchzehe 4 Stängel Schnittlauch 1 Kartoffel 150 ml Vollmilch 100 ml Sahne Zubereitung: - Mit einem langen, sehr scharfen Messer die Brustfilets entlang der Wirbelsäule der Taube herauslösen. Die Filets der Länge nach in Scheiben und anschließend in kleine Würfel schneiden. - Den Schnittlauch und die Schalotte fein hacken und beiseitestellen. - Den Bärlauch mit 100 Milliliter Öl pürieren, bis eine grüne Flüssigkeit entsteht. Milch hinzugeben. - Die Kartoffel 25 Minuten lang in der Bärlauch-Milch-Mischung kochen. Abkühlen lassen und anschließend die Sahne hinzufügen. Alles zu einer cremigen Masse pürieren. Sehr vorsichtig erwärmen. - In einer Rührschüssel Senfkörner, Essig und Honig vermischen. - Die Taubenwürfel dazugeben. - Mit dem Knoblauchöl beträufeln. Mit Fleur de Sel salzen und großzügig pfeffern. - Den Schnittlauch und die Schalotte hinzufügen. - Alle Zutaten mit einem Löffel sorgfältig vermengen. - Die warme Kartoffelcreme auf einem Teller verteilen. In die Mitte einen Löffel Tatar geben.
07:20
Jeden Tag eine kleine Pause im Alltag: Linda Lorin lädt auf eine Reise an besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches oder kulturelles Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Ischia: Pascal Quignards literarisches Exil / Dänemark: einer für alle, alle für einen / Schottland: Nells Reis mit Schellfisch / Nantes: Krieg der Konservendosen
08:05
Jeden Tag eine kleine Pause im Alltag: Linda Lorin lädt auf eine Reise an besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Shih-Li Kow erzählt von einem freien Malaysia / Frankreich: Die Sillon de Talbert / Demokratische Republik Kongo: Ein wichtiger Zeuge
08:55
Die Geschichte Asiens begann im heutigen Sibirien. Rund um den Baikalsee fanden Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die ältesten Gesteinsformationen des Kontinents. Im Laufe der Erdgeschichte lagerten sich immer mehr Landmassen an das ursprüngliche Sibirien an. Durch den Zusammenstoß mit Europa entstanden das Uralgebirge und die zusammenhängende Landmasse Eurasiens. Das wirft die Frage auf, warum dennoch zwischen Europa und Asien unterschieden wird. Ebenfalls in Sibirien ereignete sich vor etwa 250 Millionen Jahren eines der größten Massenaussterben der Erdgeschichte. Gewaltige Lavaausbrüche bedeckten Millionen Quadratkilometer, vernichteten über 90 Prozent der damaligen Tierwelt und formten den Sibirischen Trapp. Später verbanden sich weitere Landmassen mit Asien, darunter das heutige Thailand. Fossilien ähnlicher Tiere in China und Thailand belegen diese tektonische Annäherung. Entscheidend für Asiens heutige Gestalt war jedoch die Drift Indiens. Als Teil Gondwanas löste es sich ab, wanderte nach Norden und verursachte durch starke vulkanische Aktivität gewaltige Lavaflüsse und ein weiteres Massenaussterben. Beim Zusammenstoß mit Asien entstand der Himalaya. Dessen erodiertes Gestein wurde von Ganges und Brahmaputra abgetragen und bildete unter anderem das heutige Bangladesch. Bis heute schiebt sich Indien weiter nach Norden - und der Himalaya wächst.
09:40
Entscheidend für die Entwicklung des asiatischen Kontinents waren die Kollision mit dem indischen Subkontinent und das Aufeinandertreffen mit der Pazifikplatte. Als Indien nach Norden driftete, stieß es mit Asien zusammen, hob das tibetische Plateau an und führte zu Erdbeben sowie gewaltigen Erdspalten. Die Folgen sind bis heute in Nepal, China und insbesondere in der Gebirgsregion Kunlun Shan spürbar. Doch mitunter haben diese auch überraschende Folgen: In der Wüste Badain Jaran gelangte durch solche Spalten Wasser aus den Hochebenen unter die Dünen, sodass mitten in der Trockenheit kleine Seen entstanden. Beim Zusammenstoß mit Asien wurden südöstliche Teile des Kontinents in Richtung Meer gedrückt und teilweise zu Inseln. Auf Java war der Meeresspiegel zeitweise so niedrig, dass Urmenschen die Insel zu Fuß erreichen konnten. Besonders deutlich zeigt sich die Plattentektonik in Japan. Gegenüber dem Marianengraben gelegen, ist das Land stark von Erdbeben, Tsunamis und Vulkanismus geprägt, wie die Katastrophe von 2011 zeigte. Auch die Vulkane des Pazifischen Feuerrings in Japan und Indonesien gehen auf diese Prozesse zurück; zugleich brachten sie wertvolle Rohstoffe wie Gold an die Oberfläche. Wie es mit dem asiatischen Kontinent weitergeht, wird sich wohl im Zentrum des Erdteils entscheiden: Am Baikalsee öffnet sich eine Erdspalte, die sich eines Tages mit Wasser füllen und Asien teilen könnte.
10:25
Die beiden jungen Tierfilmer Sergi und Jordi Escandell haben sich auf eine zwei Jahre lange Reise durch Spanien begeben und dabei Landschaft und Tierwelt unberührter Wälder in Navarra gefilmt, die Steppen in La Rioja, die Flüsse Andalusiens. Spanien ist eines der artenreichsten Länder Europas. Mehr als 50 Prozent aller europäischen Tierarten sind hier heimisch. Mit ihren Kameras haben sie die Gipfel der Pyrenäen festgehalten, die Ufer der Balearen und auch in die Tiefen des Mittelmeers und des Kantabrischen Meers tauchen die Brüder ein. Zwischen wissenschaftlichen Betrachtungen und persönlichen Schilderungen teilen sie ihre Begeisterung für die Tierwelt mit dem Publikum. Dabei sind ihnen spektakuläre und ungewöhnliche Aufnahmen gelungen: von kämpfenden Bartgeiern, spielenden Ottern, dem sozialen Leben der Grindwale, den Reisen der Zugvögel und der Rückkehr des Bibers. Sie zeigen, wie Wassersäugetiere im Winter in eisigen Flüssen überleben. Außerdem werfen sie einen Blick auf die Umweltprobleme, die diese wunderschönen Landschaften bedrohen.
11:25
Familie jenseits der klassischen Kernfamilie: Immer mehr Menschen gründen heute eine Familie nach ihren eigenen Vorstellungen. Solo-Mutterschaft und Co-Parenting stehen für neue Formen von Elternschaft, die Selbstbestimmung versprechen, aber auch neue Herausforderungen mit sich bringen. Olivia (43) hat sich bewusst dafür entschieden, ihren Kinderwunsch ohne Partner zu verwirklichen. Noch während der Schwangerschaft zieht sie zu ihrer 72-jährigen Mutter. Doch als ihr Sohn Carl zur Welt kommt, verläuft der Start ins Familienleben anders als erhofft. Olivia ist nach einem Kaiserschnitt körperlich eingeschränkt. Ihr Baby leidet unter starken Schmerzen und kommt kaum zur Ruhe. Olivia kämpft gegen Erschöpfung, Schlafmangel und die Belastungen des Alltags. Unterstützung erhält sie nur begrenzt. Auch die Schweizerin Stefanie (26) wollte Mutter werden, ohne eine Paarbeziehung führen zu müssen. Gemeinsam mit Jorge, dem Vater ihrer Zwillinge, lebt sie ein Co-Parenting-Modell. Während Stefanie in der Schweiz lebt, wohnt Jorge mit seinem Ehemann in Amsterdam. Rund 800 Kilometer trennen die Eltern. Die Organisation von Betreuung, Verantwortung und gemeinsamen Entscheidungen wird dadurch zur täglichen Herausforderung. Als Stefanie nach einem Unfall zeitweise ausfällt, gerät das fragile Gleichgewicht ins Wanken. Die Reportage begleitet zwei Frauen auf ihrem Weg durch neue Familienmodelle und zeigt, wie viel Mut, Kraft und Kompromissbereitschaft es braucht, Elternschaft jenseits traditioneller Rollenbilder zu leben.
11:55
Die Kunst des Teilens auf Martinique: Trempage Créole / Ein Biss'chen Heimat: Line, eine Martinikanerin, in der Provence / Ran an die Töpfe!
12:25
Jeden Tag eine kleine Pause im Alltag: Linda Lorin lädt auf eine Reise an besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches oder kulturelles Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Irland: Colm Tóibíns Geschichten über Liebe und Identität / Marseille: Das Leben ist schöner / Albanien: Amalias frittierte Hefekrapfen / Deutschland: Jazz und Propaganda
13:10
Jeden Tag eine kleine Pause im Alltag: Linda Lorin lädt auf eine Reise an besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Puerto Rico: Hunter S. Thompsons erster großer Kater / Thailand: Die Wiedergeburt des Maskentanzes / Belgien: Die Welt wird porträtiert
14:00
An einem regnerischen Abend in Paris flieht die Dolmetscherin Mia vor dem Unwetter in ein Restaurant namens L'Étoile d'Or. Bei einem Getränk beobachtet sie die anderen Menschen: Das Personal bringt einem Mann eine Geburtstagstorte, die Gäste stimmen ein Geburtstagslied für ihn an. Doch Mias zufälliger Aufenthalt im L'Étoile d'Or wird zu einem Schicksalsmoment: Ein Anschlag wird im Restaurant verübt, viele Schüsse fallen. Mia überlebt, kann sich aber kaum an das Geschehen erinnern. Kleinigkeiten in ihrem Alltag, wie der Anblick einer Geburtstagstorte, lassen das Trauma wieder aufleben, und Mia versteht, dass sie die Erinnerung zurückgewinnen muss, um heilen zu können. Bei einem Treffen mit den Überlebenden lernt sie Thomas kennen. Er war der Mann, der an jenem Abend Geburtstag feierte. Mit seiner Hilfe versucht Mia, ihre Erinnerung wiederzufinden, und kann sich bald entsinnen, dass jemand ihre Hand gehalten hat, während sie sich versteckte. Wer war dieser Mensch, und hat er überlebt? Mia spürt, dass sie ihn finden muss ... Der Film ist dem Bruder der Regisseurin Alice Winocour gewidmet. Jérémie Winocour war während der Anschläge am 13. November 2015 in Paris im Bataclan anwesend und hat überlebt. Basierend auf den Gesprächen mit ihrem Bruder und ihren eigenen Erinnerungen entwickelte die Regisseurin das Drehbuch. Mia wird im Film von Virginie Efira gespielt, die für ihre Rolle 2023 den französischen Filmpreis César und den belgischen Filmpreis Magritte als beste Schauspielerin gewann.
15:50
Wasser wird zu einer der größten Herausforderungen unseres Jahrhunderts. Die Dokumentationsreihe beleuchtet inspirierende Initiativen auf der ganzen Welt, in denen jahrhundertealte Traditionen, lokale Innovationen und gemeinschaftliches Engagement neue Wege für die Zukunft ebnen. In dieser Folge: Im Gebirge des Bundesstaates Nagaland im Nordosten Indiens haben die Bewohnerinnen und Bewohner von Kikruma ein einfallsreiches System aus "Regenteichen" angelegt: Die Monsunniederschläge werden aufgefangen und in der Trockenzeit über ein Kanalsystem weitergeleitet, um die Reisterrassen zu bewässern. Doch mit dem Rückgang der Niederschlagsmengen schwinden die Reserven und das Dorf muss die Regeln der Wasserverteilung ständig anpassen. Zanehu und Acolé bemühen sich trotz aller Schwierigkeiten - zum Beispiel der Landflucht der jüngeren Generation - das traditionelle Know-how zu bewahren und weiterzugeben.
16:20
Die Reihe zeigt, wie in fünf britischen Gärten - in der Stadt, am Flussufer, auf dem Land, am Wald und in der freien Natur - Wildtiere gegen die Herausforderungen der Jahreszeiten um Nahrung, Fortbestand und Überleben kämpfen. Ein idyllischer englischer Landgarten im Lake District, liebevoll gepflegt von seinen Besitzern Chris und Liz, bietet Lebensraum für zahlreiche Tierarten. Im Frühjahr blühen die Obstbäume, im Blumenbeet summen unzählige Bienen, und im Teich tummeln sich Molche auf Partnersuche. Doch die Paarungszeit ist kurz. Nachts wagt sich eine Feldmaus trotz lauernder Fressfeinde ins Freie, angelockt von den Ultraschallrufen eines paarungsbereiten Männchens. Bevor sie den offenen Rasen überquert, setzt sie Wegmarkierungen, um den Rückweg zu finden - eine Überlebensstrategie, die bislang nur vom Menschen bekannt war. Eine Rauchschwalbe kehrt nach ihrem Heimflug aus Afrika in genau den Garten zurück, in dem sie einst selbst schlüpfte. Im Teich prüft ein Fadenmolchweibchen die Duftspur, die ihr ein balzendes Männchen zuwedelt. Nach der Paarung sucht es nach geeigneten Wasserpflanzen, um mit den Hinterbeinen jedes einzelne Ei sorgfältig einzuwickeln. Im Sommer spielen sich überall versteckte Szenen ab ... Cumbria ist Englands niederschlagreichste Grafschaft. Klart der Himmel wieder auf, lauern andere Gefahren: von Rasenmähern bis hin zum Turmfalken, der jedoch von den Schwalbeneltern verjagt wird, die einer Feldmaus so das Leben retten. Wer den Kreislauf von Fressen und Gefressenwerden überlebt, findet im Landgarten mit seinem reichhaltigen Nahrungsangebot einen idealen Rückzugsort - und seine Besitzer ein kleines Paradies.
17:05
Mitten in Bristol liegt ein nur zehn Meter breiter Stadtgarten, in dem es vor Leben nur so wimmelt. Für wildlebende Tiere ist das Gärtchen eine grüne Oase, die ihnen Schutz vor den umliegenden Straßen und dem Autoverkehr bietet. Das hätte sich Lou, Künstlerin, Bildhauerin und Besitzerin des Stadtgartens kaum vorstellen können. Ein Jungfuchs hat Lous Garten zum Quartier inmitten seines Reviers erklärt, das sich über rund hundert Nachbarsgärten erstreckt. Er bedient sich an den Hausabfällen und macht sich interessiert auf die Suche nach einer läufigen Füchsin, deren Rufer er hört. Tagsüber versucht eine junge Blaumeise, sich an Lous Futterhäuschen gegen aggressive Distelfinken, listige Tauben und den Nachbarskater Mister Fluffy zu behaupten. Mit den milderen Temperaturen erwacht ein Igelweibchen aus dem Winterschlaf und begibt sich auf Partnersuche. Lou und ihre Nachbarn haben eine "Igel-Autobahn" angelegt, die sechzehn Gärten miteinander verbindet. Entlang dieses grünen Korridors trifft das Igelweibchen auf gleich mehrere paarungsbereite Männchen. Nachwuchs in der Stadt großzuziehen ist nicht leicht. Aufgrund des Insektenschwunds kann die Blaumeise ihre zehn Küken nur mit Mühe satt bekommen. Beim ersten Flug begegnen die Küken Gefahren wie dem Nachbarskater Mister Fluffy. Zusammen mit den Gärten der Nachbarn bildet Lous Gärtchen ein Patchwork aus Grünflächen. Da Gärten ein Drittel der Stadtfläche Bristols ausmachen, sind sie ein wichtiger Rückzugsort für die Natur.
17:50
Die Kühe, Stiere und Ochsen der westlichen Welt stammen alle vom eurasischen Auerochsen ab, der inzwischen ausgestorben ist und dessen Verbreitungsgebiet sich früher vom heutigen Marokko bis nach Sibirien erstreckte. Domestizierte Rinder begleiteten ihre Hüter auf Migrations- und Handelsrouten und erreichten vor etwa 8.500 Jahren Westeuropa, Nordafrika und den Persischen Golf. Für optimale Leistungen bei Feld-, Zug- und Transportarbeiten wurde durch Züchtung die Widerristhöhe reduziert, die Schnauze verkürzt sowie Rücken und Körper insgesamt verbreitert. In Anatolien im Osten der heutigen Türkei haben die Menschen sehr früh damit begonnen, Rinder für landwirtschaftliche Arbeiten sowie zur Milch- und Fleischgewinnung zu nutzen. Hier wird das Tier in traditionellen Stierkämpfen gefeiert. In Portugal transportieren Ochsen noch heute Steine und Baumaterial und ermöglichen so den Menschen, auch in unwegsamem Gelände Terrassen anzulegen und das Land zu bewirtschaften. Zudem werden hier nach wie vor Stierkämpfe veranstaltet, die ursprünglich dazu dienten, das Leittier in großen Herden bei der Wanderweidewirtschaft zu bestimmen. Im Westen der USA hat das Rind einen besonderen Platz im Herzen der Menschen. Diese Liebe findet in den weltbekannten Rodeos ihren Ausdruck. Im Südwesten Frankreichs werden in der Gascogne und im Baskenland alte Rassen erhalten und traditionell genutzt. Im Mittelpunkt steht dabei die Doppelnutzung für Milch und Fleisch sowie der Erhalt von natürlichen Lebensräumen, Flussauen und unkultivierten Gebieten in den Pyrenäen.
18:30
Das Zebu, auch Buckelrind genannt, ist die domestizierte Form des indischen Auerochsen, einer heute ausgestorbenen Wildform des Rindes, die einst auf dem indischen Subkontinent lebte. Bereits vor 6.000 bis 8.000 Jahren war den Menschen im Industal zwischen dem heutigen Indien und Pakistan eine Besonderheit im Körperbau der Zebus aufgefallen: ein Buckel aus Fett auf dem Widerrist zwischen den Schultern. Wie der Höcker bei den Dromedaren dient er der Anpassung des Tieres an trockene Klimazonen, wo es teilweise wochenlang an Wasser und Nahrung fehlt. Die Menschen domestizierten das Zebu und machten es zu einem ausdauernden Arbeitstier - und das so erfolgreich, dass das Tier im Laufe der Jahrtausende bis an die Grenzen Europas und Afrikas gelangte. Heute bildet das Zebu ein zentrales Element im Alltag und spirituellen Leben der Völker Äthiopiens, die eng mit ihren Tieren zusammenleben. Dank ihrer Widerstandskraft gegen Hitze, Krankheiten, Insekten und Parasiten gibt es heute sogar in Brasilien Buckelrinder. Hier bilden sie die größte Rinderherde der Welt und ein gigantisches Versuchsfeld für genetische Forschungen. Unter der extensiven Weidewirtschaft leidet allerdings die Natur, vor allem der Amazonas-Regenwald. Alte Praktiken wie Flächenstilllegungen und Rotationsbeweidung sollen ein neues Gleichgewicht zwischen Rinderzucht und Naturschutz herstellen. Im Schweizer Mittelland will man das Zebu mit lokalen Rinderrassen kreuzen und so ein Vieh züchten, das bestmöglich an die neuen klimatischen Bedingungen angepasst ist.
19:20
"ARTE Journal", das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur.
19:35
19:40
In der Türkei gehören in Kleidern tanzende Männer seit Jahrhunderten zur Unterhaltungskultur. Weil es als sündhaft galt, wenn Frauen vor Männern tanzten, wurden Jungen zu Tänzern ausgebildet. Heute treten Köçeks in folkloristischen Röcken und Zennes in sinnlichen Bauchtanzkostümen auf. Doch seit die AKP-Regierung eine religiöse Moralpolitik verfolgt, sehen sich die Tänzer zunehmend gesellschaftlicher Ablehnung ausgesetzt. Baran Güney und sein Onkel Soner Barut verdienen ihren Lebensunterhalt als Köçeks - wie schon Generationen ihrer Familie vor ihnen. Doch sie hören öfter Sprüche wie: "Echte Kerle tragen doch keine Röcke und schwingen mit den Hüften." Die Absagen für Auftritte häufen sich. Stattdessen müssen sie auf den Straßen von Amasra für Trinkgelder von Touristen zu tanzen. Baran denkt deshalb darüber nach, den Beruf zu wechseln. Der 23-Jährige Can Koçak glaubt nicht, dass er als Köçek seine Verlobte versorgen kann. Nach der Hochzeit im kommenden Jahr will er aufhören und nur noch als Kartonsammler arbeiten. Auf der Feier, auf der er auftritt, zeigt sich der gesellschaftliche Wandel: Während einige Gäste die Köçeks als Teil der Feierkultur schätzen, stoßen sie bei anderen auf Kritik. Die Vorbehalte kommen nicht mehr nur aus religiös-konservativen Kreisen. Segah Demirdelen zählt zu den bekanntesten Bauchtänzern Istanbuls. Als Zenne und homosexueller Tänzer erlebt er besonders häufig Anfeindungen. Mit Sorge blickt er in die Zukunft. Er befürchtet, dass die Tradition der tanzenden Männer verschwindet. Denn die Regierung erhöht den Druck gegen Menschen wie ihn.
20:15
Ihre glanzvollste Ära erlebt die Passagierschifffahrt Anfang des 20. Jahrhunderts, als vor allem die transatlantischen Luxusliner zu Treffpunkten internationaler Prominenz werden. Einer der Bordfotografen, der das glamouröse Treiben auf den Flaggschiffen des Norddeutschen Lloyd ablichtet, ist Richard Fleischhut. Von den 190 Fahrten der legendären Bremen, die zwischen Bremerhaven und New York verkehrt, ist Fleischhut auf 154 Fahrten dabei. Sein Revier: das First-Class-Deck, zu dem er exklusiven Zutritt hat und wo er fast alle fotografieren kann, die seinerzeit prominent sind, darunter Fred Astaire und Max Schmeling. Immer wieder auch Marlene Dietrich, die gleich von der Premiere des "Blauen Engel" aus nach Bremerhaven aufbricht, um an Bord der Bremen ihre erste Reise in die USA anzutreten. Richard Fleischhut ist aber auch Zeuge bitterer historischer Ereignisse. Seine Bilder von der Selbstversenkung der Columbus im Jahr 1939 gehen um die Welt. Noch vom Rettungsboot aus fotografiert und filmt er das Inferno, das zu seiner ganz persönlichen Tragödie wird. Er muss zusehen, wie sein Bordarchiv in Flammen aufgeht. Das Ende seiner Laufbahn als Bordfotograf bei Ausbruch des II. Weltkriegs markiert auch das vorläufige Ende der zivilen Schifffahrt für Deutschland.
20:55
Aus heutiger Sicht erscheint es paradox: Ausgerechnet die sozialistische DDR unterhielt von drei Jahrzehnte lang ein Kreuzfahrtprogramm - ein Reiseangebot, das als Inbegriff westlichen Luxuslebens galt. Im Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde liegt quasi das Gründungsdokument der DDR-Kreuzfahrt: Eine Notiz von 1953 hält die Idee des Politbüros fest, Ferienschiffe für die Werktätigen zu bauen. In Rostock bezeugt ein Großmodell der "Fritz Heckert", dem einzigen in der DDR gebauten Kreuzfahrtschiff, den Stolz des Arbeiter- und Bauernstaates auf seine kleine Flotte. Doch nach dem Mauerbau gerät die Idee der Kreuzfahrten in einen Widerspruch: Welchen Zweck haben Schiffe, mit denen man die Welt bereisen soll, für einen Staat, der sich nach außen abschottet? Auch durfte nicht jeder teilnehmen, denn die Fluchtgefahr war groß, wie ein Fall auf der "Völkerfreundschaft" belegt. Damit alles geregelt zuging, waren viele Parteimitglieder an Bord und sogar inoffizielle Mitarbeiter der Stasi, wie auf der "Arkona". Für die DDR sind am Ende alle Anstrengungen zum Machterhalt vergebens. Nach dem Fall der Mauer geraten auch die Herrschaftsstrukturen auf See ins Wanken. Teilnehmer und Teilnehmerinnen der letzten DDR-Kreuzfahrten erinnern sich an die dramatischen Stunden des Mauerfalls - und machen so das Ende der DDR-Kreuzfahrten erlebbar. Die Dokumentation begibt sich auf Spurensuche zu einem kaum bekannten Kapitel der DDR-Geschichte: Welches Motiv steckte hinter dem Kreuzfahrtprogramm? Und warum hat die DDR-Führung trotz vieler Probleme so lange daran festgehalten?
21:50
Marokko, Mai 1976: Der belgische Wissenschaftler Arnaud de Toledo arbeitet leidenschaftlich an einem Verfahren, Grundwasser mit Hilfe von Gravitationswellen aufzuspüren. Seine Forschungsergebnisse sind vielversprechend, doch es mangelt an Finanzmitteln. De Toledo kehrt nach Belgien zurück und stellt dort potenziellen Geldgebern seine Idee vor, darunter ist der Wirtschaftsanwalt Paul Janvier. In Paris ist der junge Ingenieur Léo Sarda bei dem Mineralölkonzern Elf Aquitaine für Entwicklung und Innovation zuständig. Mitten in der Ölkrise steht er unter hohem Druck seitens des Vorstandsvorsitzenden Georges de Lestrade. Sarda wird angewiesen, sich mit dem Anwalt Janvier zu treffen, denn der habe ein revolutionäres Verfahren entdeckt. Sarda und Janvier nehmen Kontakt zu Arnaud de Toledo auf und bitten ihn, seine Erfindung den Führungskräften von Elf Aquitaine zu präsentieren. Toledo sträubt sich, seine Forschung in den Dienst der Ölindustrie zu stellen. Doch seine Schuldenlast ist erdrückend ... "Eldorado" ist eine französisch-belgische Fernsehserie unter der Regie von Louis Farge. Die Affäre der "Schnüffelflugzeuge", ein Betrugsfall der 1970er Jahre bei dem französischen Ölunternehmen Elf Aquitaine, inspirierte die Autoren Tarek Haoudy und Nacim Mehtar zu der sechsteiligen Comedy-Dramaserie. Sie feierte Premiere beim internationalen Serienfestival "Séries Mania" 2026 in Lille, dort gewann Karim Leklou den Preis als bester Darsteller im französischen Wettbewerb.
22:30
Bei einem Überflug Aquitaniens wird das Verfahren erstmals aus der Luft getestet. Die dortigen Erdölvorkommen werden von der Maschine realitätsgetreu erkannt. Sarda und seine Kollegen sind nun überzeugt. Elf-Präsident Lestrade will unbedingt diesen spektakulären Erfolg für sich verbuchen, bevor ihm die Konkurrenz zuvorkommt. In den Verhandlungen werden Toledo 80 Millionen Francs pro Jahr geboten. Doch Toledo weigert sich, denn er will unabhängig bleiben. Stattdessen fordert er, dass Techniker eingestellt werden, die von ihm selbst und seinem Kollegen Bonamici ausgebildet werden. Außerdem besteht er darauf, dass alle Tests mit seinem eigenen Flugzeug durchgeführt werden. Im Gegenzug soll Elf Aquitaine ein Jahr lang die Exklusivrechte an den Forschungsergebnissen erhalten. Toledos Unnachgiebigkeit verblüfft den jungen Sarda. Doch er weiß auch, dass Toledo in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Sarda schlägt vor, Toledo unerreichbare Leistungsanforderungen zu stellen und ihn so zu zwingen, Elf die Projektleitung zu überlassen. Lestrade lässt ihn gewähren, obschon Sardas Strategie riskant ist ...
23:10
1978, eineinhalb Jahre später: Bei Elf steht Lestrade kurz vor der Verabschiedung in den Ruhestand. Neuer Chef soll André Chenaille werden. Sarda sendet Toledo und Bonamici nach Gabun, in der Hoffnung auf Erdölfunde. Dort ist bereits der renommierte Experte Charrier bei der Bodenexploration. Sarda schickt auch die junge Geologin Emma Zenatti in das Gebiet, um sein Forschungsteam zu unterstützen. In der Vergangenheit ist sie zwar mit Charrier in Konflikt geraten, doch immerhin kennt sie sich vor Ort aus. Das Team kommt in Gabun an und stößt auf den feindselig gestimmten Charrier. Dennoch brechen sie zur Expedition auf. Als es mit den Geländewagen nicht mehr weitergeht, entschließen sie sich, zu Fuß die Maschinen zum Testgelände zu transportieren. Dabei stürzt Zenatti und verletzt sich. Die Gruppe steht vor einem Dilemma: Sollen sie Zenatti zurück ins Lager bringen oder die Expedition so kurz vor dem Ziel fortsetzen?
23:55
Ein ruchloser Ort im Wilden Westen: Murphy ist auf der Suche nach seiner entführten Tochter und zu allem bereit, um sie zu retten. Doch gerade, als sich ein klassischer Western-Plot anbahnt, geht es Jahrhunderte später im Pine-Ridge-Reservat in South Dakota weiter. Dort patrouilliert Polizistin Alaina Clifford durch die Nacht und versucht, inmitten von Alkoholmissbrauch, Gewaltbereitschaft und Perspektivlosigkeit ihren Dienst zu erfüllen. Alainas Nichte Sadie ist Basketballtrainerin und sucht nach einem Ausweg aus dem deprimierenden Leben im Reservat. Ein Zaubertrank ihres Großvaters verwandelt sie in einen Vogel, der weit weg in die Vergangenheit fliegt. Sie landet im Jahr 1970 im brasilianischen Regenwald und trifft dort auf ein intaktes indigenes Volk. Doch auch hier droht die Gemeinschaft zu zerreißen. Einer der jungen Männer verlässt den Stamm und begibt sich in ein Goldgräberlager, in der Hoffnung auf schnellen Reichtum. Eine Geschichte, die nie gut endet ... Der argentinische Regisseur Lisandro Alonso vertieft sich mit "Eureka" in die Geschichte der indigenen Bevölkerung Amerikas. Eine Geschichte der Unterdrückung, die bis heute andauert, wie die Pine-Ridge-Episode zeigt, in der die Perspektivlosigkeit indigener Menschen im Vordergrund steht. Einblicke in das Leben im Reservat verdankt der Regisseur auch seinen Darstellerinnen Sadie LaPointe und Alaina Clifford, die beide der Lakota Nation angehören. Alaina Clifford ist auch selbst Polizistin und hat bis kurz vor den Dreharbeiten in dem Beruf gearbeitet.