05:00
In einem Land, das vor allem wegen seiner Küsten bekannt ist, liegt seit zwei Jahrzehnten einer der größten Stauseen Europas: der Alqueva in Portugal. Seine Grundlage ist ein Megastaudamm, der im Jahr 2002 eine zuvor wüstenähnliche Gegend in einen riesigen See verwandelte. Über 85 Kilometer Länge zieht sich der Alqueva-See durch das südliche Landesinnere. Er hat ganze Dörfer verschlungen, versorgt aber heute die Landwirtschaft mit Wasser. Der Alqueva ist ein nicht unumstrittener Neuanfang in einer Region, die den Klimawandel vor allem im Sommer spürt, wenn immer größere Hitze Mensch und Tier zu schaffen macht. Trotz der massiven Veränderungen, die der Stausee mit sich bringt, hat er die Landschaft auch bereichert und Tourismus in die Gegend gebracht. Umweltschützer, Staudammbetreiber und Biobauern veranschaulichen die Vorteile und die Herausforderungen, vor die der Alqueva die Region und ihre Bewohner stellt. Zwar hat er Wasser in die Region gebracht, doch ist die Verteilung des teuren Guts noch immer problematisch. Werden große Betriebe, Großgrundbesitzer und internationale Investoren bevorzugt? Große Monokulturen prägen jetzt die Landschaft südlich des Alqueva, aber sind sie nicht genauso schädlich für den Boden wie die voranschreitende Wüstenbildung? Doch trotz so mancher Kontroversen: Die romantische Alentejo-Region mit ihren Weinbergen, Ibérico-Schweinefarmen, unzähligen Korkeichen und weiß leuchtenden Dörfern ist durch den See aufgewertet worden. Eine neue Kulturlandschaft ist entstanden, die ihresgleichen sucht. Die Reihe "Stille Wasser" erkundet große europäische Seen - den Saimaa in Finnland, den Vansee in der Türkei, den Alqueva-Stausee in Portugal und den Balaton in Ungarn. Die vier Folgen zeigen die Bedeutung dieser einzigartigen Ökosysteme und Möglichkeiten, diese zu schützen.
05:45
Stella Amony wurde als junges Mädchen aus ihrem Dorf verschleppt und dem Kommandanten einer berüchtigten Rebellenarmee als schutzlos ausgelieferte Kinderbraut zugeführt. Robert Onen war Kindersoldat, der zum Töten missbraucht wurde. Das sind nur zwei Schicksale aus Uganda. Die Menschen in dem zentralafrikanischen Land haben in den vergangenen 50 Jahren schwere Zeiten durchlebt: In den 1970er Jahren regierte der skrupellose Despot Idi Amin mit brutaler Gewalt. Mitte der 1980er Jahre wurde Uganda zum Brennpunkt eines der längsten und brutalsten Konflikte Afrikas. 20 Jahre lang kämpfte die Rebellenmiliz Lord's Resistance Army, um den Sturz der Regierung herbeizuführen. Laut Schätzungen von UNICEF entführten die Rebellen in jener Zeit zwischen 35.000 und 66.000 Kinder. Sie wurden als Soldaten zwangsrekrutiert und sexuell versklavt. Zehntausende Zivilisten wurden ermordet, verstümmelt und gefoltert. Über 90 Prozent der Bevölkerung Nordugandas lebte in Flüchtlingslagern. Diese Zeiten sind zwar vorbei, doch viele Menschen leiden noch immer unter post-traumatischen Folgeschäden. Um ihnen zu helfen, greift die Tierschutzorganisation Big Fix auf ein ungewöhnliches Mittel zurück: Straßenhunde. Zu Tausenden streunen sie durch Ugandas Orte, herrenlos und nicht selten verwahrlost. Dabei können diese Tiere vor allem einsamen und seelisch schwer belasteten Menschen Trost spenden. Dies ist auch deshalb neuartig, weil Hunden in afrikanischen Gesellschaften noch selten die Rolle eines Gefährten zukommt. Doch die ersten Teilnehmenden an dem Projekt profitieren bereits von ihren neuen Begleitern. So sieht man in Uganda immer öfter Menschen mit ihrem Hund an der Leine im Straßenbild. Zu ihnen gehört nun auch Stella Amony. Ihr Hund Kicaber hat der leidgeprüften und alleinstehenden Mutter von fünf Kindern geholfen, zurück ins Leben zu finden. Ein großer Erfolg. Und der ehemalige Kindersoldat Robert Onen ist sogar schon im Auftrag von Big Fix als Tierschutzbeauftragter unterwegs. Vorsichtige Hoffnungsschimmer in einem Land, in dem die Menschen so viel durchgemacht haben.
06:40
Sie ist gelb, krumm und in jeder Obstschale zu finden: Die Banane hat eine erstaunliche Karriere hingelegt. Als Millionen-Dollar-Kunstwerk an der Wand oder als Symbol der deutschen Wiedervereinigung - kaum eine Frucht hat so viele Geschichten zu erzählen. Auf Madeira bewirtschaftet die Familie Fernandes ihre Bio-Plantage und zaubert aus den Früchten traditionelle Gerichte. Moderatorin Lucie erforscht die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten: Sie macht aus Bananenschalen veganen Bacon und bereitet herzhafte Kochbananen mit Chili zu. Überraschender Fun Fact: Die Banane zählt botanisch gesehen zu den Beeren.
07:10
Linda Lorin lädt auf eine Reise an vier besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Marseille: Aufstand im Viertel Belle de Mai / Marokko: Die Macht des Suk / Schottland: Ronalds mit Whisky flambierten Langusten / Rumänien: Der Diktator und die Bären
07:55
"Stadt Land Kunst Spezial" am Wochenende - das sind drei spannende Entdeckungen an einem Ort. In dieser Folge - Österreich: Wien im Kalten Krieg mit Graham Greene / Wien: Eher rot als k. u. k. / Österreich: Andreas Kalbsrouladen / Der Spion, der die k. u. k.-Monarchie zu Grabe trug
08:45
Ganz am östlichen Rand der Alpen ist ein Bergkamm vorgelagert, der im Vergleich zu seinem "großen Bruder" weniger Beachtung findet: die Julischen Alpen, benannt nach Julius Caesar. Den schroffen Gebirgsstock charakterisiert neben seiner hoch aufschießenden Berge vor allem auch: Wasser. Ein malerischer Gebirgssee liegt neben dem nächsten - ein Tal mit reißenden, smaragdgrünen Gebirgsflüssen schmiegt sich an das andere. Wasserfälle durchziehen die Gegend. Über allem ragt der Triglav mit 2.864 Metern, der höchste Berg Sloweniens. Die Region umfasst auch einen Teil der italienischen Provinz Friaul, die Österreich Mitte des 19. Jahrhunderts an Italien abgab. Hier gibt es im Vergleich zu benachbarten italienischen Alpenregionen wie den Dolomiten nach wie vor kaum Tourismus. Aber der Klimawandel setzt dieser mitteleuropäischen Region zu, vor allem durch immer heißeres Wetter und größere Regenfälle, für die das nahe gelegene, immer wärmere Mittelmeer verantwortlich ist. So veranschaulicht ein Klimaforscher, wie die Eishöhlen Sloweniens langsam schmelzen. Ein Schlittenhundeführer in Italien muss im Winter auf immer größere Höhen ausweichen, denn die eigentlich schneesichere Gegend bleibt in den kalten Monaten immer öfter grün. Eine Borkenkäferexpertin erklärt Gründe für die Epidemie, die den größten Forst Italiens bedroht. Und auch das Bergsteigen in hohen Lagen wie an der Triglav-Nordwand wird gefährlicher - durch den fehlenden Permafrost hat sich die Stabilität der Felswände verringert.
09:40
Swanetien und Ratscha liegen im Großen Kaukasus, mit Gipfeln, die teilweise mehr als 5.000 Meter hoch in den Himmel ragen. Auf diesen atemberaubenden Höhen unmittelbar an der Grenze zu Russland hat der Massentourismus noch kaum Einzug gefunden - auch wenn vor allem Swanetien mit rund 150.000 Besuchern pro Jahr bei Individualreisenden zunehmend beliebt ist. Das oft noch unberührte Naturparadies zwischen reißenden Gebirgsflüssen und schneebedeckten Gipfeln verändert sich durch wärmeres Wetter. Große Trockenheit lässt die Landwirtschaft, in Georgien ohnehin ein Gewerbe in Not, weiter zurückgehen. Eine traumhafte und faszinierende Einöde kämpft mit den Folgen der Erderwärmung - auch durch Extremwettereignisse. Erdrutsche und Schlammlawinen suchen die Gegend heim, in der Frühwarnsysteme oder Schutz der Zivilbevölkerung noch unterentwickelt oder teilweise gar nicht existent ist. Auch der traditionelle Weinanbau leidet unter Dürre und Hitze, denn Bewässerungssysteme gibt es hier nicht. Tausende von Jahren konnte man hier auf verlässliche Niederschlagsmengen zählen, aber diese Zeiten scheinen vorbei. Die Dokumentation bewegt sich zwischen Tradition und Moderne in einem noch kaum entdeckten Gebiet am Rande Europas. Sie dringt vor zu den Geheimnissen der swanetischen Wehrtürme, dem althergebrachten Leben zwischen Wassermühlen und Goldwäsche im Enguri-Fluss - und trifft Umweltschützer, modern denkende Bauern sowie eine Augenzeugin des tödlichen Erdrutsches von 2023 im Kurort Shovi.
10:30
Die Iberische Halbinsel ist für ihre traumhaften Strände bekannt - dabei ist sie auch Heimat von Hochgebirgen. Im Norden Spaniens, entlang des Atlantiks, liegen die Picos de Europa. Hier zeigt sich das Land von einer anderen Seite: grün und regenreich. Die Gegend kämpft mit Landflucht und Klimawandel. Die Gebirgswelt verwildert, da die Felder nur noch wenig bestellt werden. Und das, obwohl seit Jahrhunderten die nomadische Weideform Transhumanz aufgrund der fruchtbaren Böden Tradition hat. Heißeres Wetter bedroht zudem die Artenvielfalt. Dieser unbekanntere Teil Spaniens könnte bald mehr in den Fokus von Urlaubern geraten, weil es am Mittelmeer im Sommer zu heiß wird. Die Picos de Europa sind eine keltisch geprägte Region, deren Stimmung oftmals eher an Irland als an Südeuropa erinnert, und in der alte Bräuche fortleben. So gehen junge Schäfer der Transhumanz nach, wenn auch anders als in den 1950er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Das Weiden der Tiere ist eine Waffe gegen Waldbrände, die durch Hitze und Dürre ausgelöst werden. Öko-Bauern produzieren Gamoneu-Käse, der Monate lang in Höhlen reift - und für den die Beständigkeit der Temperatur ein Muss ist. Der Klimawandel fordert Flora und Fauna der Picos de Europa heraus: eine Biologin überwacht Schmetterlingspopulationen, die Tiere sind wichtige Bio-Indikatoren. Und Experten versuchen, den Bartgeier zu erhalten, den größten Vogel Europas. Die wachsende Zahl von Mücken, auch in Hochlagen, setzt dem Tier zu: Sie können es mit Krankheiten infizieren.
11:25
Rom: Mitten im Trubel, an einer chaotischen Hauptstraße des hippen Viertels Trastevere, befindet sich ein ganz besonderer Ort, der weit mehr ist als ein herkömmliches Seniorenzentrum. Es ist ein Ort der Gemeinschaft und der Möglichkeit für einen Neuanfang. Ehrenamtlich geleitet von Gianfranco, bietet das Zentrum für einen kleinen Jahresbeitrag und günstige Kursgebühren ein breites Programm: Ob Schach, Aquarell, Pilates oder Tango - die Angebote sind gefragt. Die Mitgliedschaft kostet nur 15 Euro im Jahr, die Kurse höchstens 30 Euro monatlich. Irene hat sich für den Aquarellkurs entschieden, genau wie Maurizio, ein pensionierter Physiker und Meteorologe. Nach leichten Schlaganfällen trainiert Maurizio seine Koordination auch mit dem Tangokurs. Irene nutzt das Zentrum, um neue Freundschaften zu knüpfen. Die Gemeinschaft der Tagesstätte steht vor einer Bewährungsprobe: Eine neue Leitung muss gewählt werden. Gianfranco führt die Tagesstätte seit zwei Amtszeiten und die Stadt erlaubt keine Verlängerung. Darum endet seine Amtszeit endgültig in vier Wochen. Doch zunächst steht am Ende des Kursjahrs das Theaterstück "Tango der Erinnerungen" an - ein Abend über ein Lebensgefühl, das hier alle kennen. Die Reportage zeigt einfühlsam, dass alles im Leben im stetigen Wandel ist - gerade beim Altern - und dass es für neue Wege nie zu spät ist.
11:55
Typisches Fischgericht aus Dunkerque: Hering mit Kartoffeln / Kulinarische Mitbringsel / Ran an die Töpfe!
12:25
Linda Lorin lädt auf eine Reise an vier besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Im spanischen Baskenland: Sorolla entdeckt neue Farben / London: Schauplatz einer brutalistischen Utopie / Frankreich: Christophes Wildpflanzen-Quiche / Irland: Die Geburtsstunde des Irish Coffee.
13:15
Linda Lorin lädt auf eine Reise an vier besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Rio de Janeiro durch die Kamera von Walter Salles / Kaimaninseln: An Bord des Catboat / Malaysia: Die ganze Wahrheit über Magellans Weltumsegelung
14:00
Rachel ist 40, arbeitet als engagierte Lehrerin und führt ein erfülltes Leben mit Freunden, Familie und Schülern. Als sie sich in Ali verliebt, lernt sie auch dessen vierjährige Tochter Leïla kennen. Zwischen Rachel und dem Mädchen entsteht schnell eine enge Bindung: Rachel holt Leïla von der Schule ab, kümmert sich um sie und nimmt zunehmend einen Platz in Alis Familienleben ein. Gleichzeitig wird ihr immer deutlicher bewusst, dass sie selbst gerne Mutter wäre - und ihr dafür kaum mehr Zeit bleibt. Während ihre Gefühle für Leïla wachsen, muss Rachel akzeptieren, dass ihre Rolle im Leben des Kindes von ihrer Beziehung zu Ali abhängig ist und Leïlas Mutter Alice immer Teil der Familie bleiben wird. Rebecca Zlotowski liefert mit "Die Kinder der anderen" ein fein beobachtetes Drama über eine Frau, deren Liebe zu einem Kind ebenso selbstverständlich wie zerbrechlich ist - und über einen Kinderwunsch, der plötzlich eine neue Dringlichkeit bekommt. "Die Kinder der anderen" feierte 2022 im Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig Premiere. Rebecca Zlotowski griff für den Film eine Erfahrung auf, die sie selbst gemacht hat: die Beziehung einer kinderlosen Frau zum Kind ihres Partners. Gerade diese Figur, die im Kino häufig nur als Nebenfigur auftaucht, wollte sie bewusst ins Zentrum rücken. Virginie Efira wurde für ihre Darstellung der Rachel 2023 mit dem Prix Lumière als beste Schauspielerin ausgezeichnet. An ihrer Seite spielen Roschdy Zem und Chiara Mastroianni.
15:55
Die Black Mountains liegen im Südosten von Wales an der Grenze zur englischen Grafschaft Herefordshire und sind Teil des Nationalparks Bannau Brycheiniog (Brecon Beacons). Die Bergrücken der Black Mountains erstrecken sich wie lange Finger von Nord nach Süd. Steht die Sonne tief, erscheinen die Berge schwarz im Gegenlicht. Auch der Abbau von Sandstein und Torf bringt das Schwarz in die überwiegend grünen Berge. Wer hier lebt, liebt die Gemeinschaft und setzt sich für den Erhalt der einzigartigen Landschaft und Tierwelt ein. Besonders geschützt werden Rotmilane, Dachse sowie seltene Fledermausarten. Am Llangorse Lake züchtet Coline Preece Biber, um damit das empfindliche Ökosystem zu retten. Am Berg Bryn Arw arbeitet Keith Powell daran, die von Adlerfarn überwucherten Bergrücken wieder zu bewalden. Als Gletscher in der letzten Eiszeit die Berge, Hügel und Täler der Black Mountains formten, wurden in der ganzen Region Sedimente abgelagert. Gwenda Binns nennt die rote, besonders tonhaltige Erde "dirt". Shaun Bevan baut damit Mountainbike-Strecken auf ihrem Ackerland. Den Ursprung dieser besonders formbaren Erde hat Kerry Crosfield unter Tage gefunden: Die Black Mountains werden von einem der längsten Höhlensysteme Europas durchzogen.
16:35
Es ist das höchste Gebirge Norwegens und Skandinaviens - und seit Jahren immer wärmerem Wetter ausgesetzt: Jotunheimen, deutsch: das Heim der Riesen. Eine mythische Landschaft zwischen schneebedeckten Gipfeln, Holzkirchen und imposanten Bergseen. Ein stiller Rückzugsort, der aber immer mehr auch von Touristen besucht wird. Denn der Klimawandel erschwert den Urlaub im Süden Europa mancherorts, wegen zu großer Hitze. "Coolcation" dagegen - eine Mischung aus "cool" und "vacation" - ist ein Trend, der auf den Gletschern und Fjorden dieser Gebirgskette zu spüren ist. Und ihr Ökosystem unter Druck setzt. Im Mittelpunkt dieser Dokumentation stehen Menschen, die sich an neue Gegebenheiten anpassen müssen. Der Betreiber eines Sommerskizentrums muss immer mehr Kunstschnee produzieren, junge Bergsteigerinnen stellen beim Klettern fest, dass manche Routen nicht mehr begehbar sind. Denn die Gletscher sinken ab, massive Felsen kommen zum Vorschein. Lachsfischer müssen den Fischbestand selbst kontrollieren und aktiv Artenschutz leisten, um überhaupt weiter angeln zu können. Und schließlich besucht diese Episode auch eines der nördlichsten Weingüter der Welt am Sognefjord. Eine Reise durch Nordeuropa, wie man es so nur selten sieht - zum Zeitpunkt einer historischen Hitzewelle im Sommer 2025. So warm wie während der Dreharbeiten war es in Jotunheimen seit rund 150 Jahren nicht mehr. Noch hält die Waldgrenze auf nur rund 1.100 Metern; die spärliche Vegetation in Höhenlagen erinnert daran, wo man sich in Norwegen geografisch befindet. Aber wie lange noch?
17:30
Gletscher sind nicht nur Symbole einer unberührten Natur, sondern auch prägende Kräfte, die ganze Landschaften formen. Doch der Klimawandel verändert sie in atemberaubender Geschwindigkeit - und mit ihnen die Welt, die sie zurücklassen. Die Dokumentationsreihe besucht drei Gletscher, unter anderem den Vatnajökull in Island, den größten Gletscher Europas. Unter seiner gewaltigen Kappe wirken Eis, Wasser und Feuer zusammen und schaffen eine dynamische Landschaft. Die Gletscherzungen ziehen sich zurück, und wo einst Eis lag, entstehen neue Seen, freigelegte Landflächen und sogar Inseln. Doch der Wandel ist nicht nur faszinierend - er birgt auch Gefahren. Das Abschmelzen erhöht das Risiko von Gletscherläufen, plötzlichen Flutwellen, die ganze Täler bedrohen. Gleichzeitig wird der Vatnajökull zu einem einzigartigen Freiluftlabor. Auf den freigelegten Böden siedeln sich Moose, Flechten und Sträucher an, junge Wälder beginnen zu wachsen, und Wildtiere finden neue Rückzugsgebiete. Wissenschaftler beobachten diesen Prozess mit Spannung: Wie erobert das Leben diese neuen Räume? Welche Arten passen sich an, und wie verändert sich das Ökosystem? Die Menschen vor Ort stehen dem Wandel ambivalent gegenüber. Einerseits müssen sie sich auf die neuen Risiken einstellen, andererseits lassen sie die Natur bewusst gewähren - um zu verstehen, wie sich die Welt ohne Eis entwickelt.
18:25
Die Dokumentationsreihe untersucht drei Gletscher im Wandel und erklärt wie die Schmelze der Eisriesen die Landschaften verändert, neue Ökosysteme entstehen lässt und den Menschen zur Anpassung zwingt. Ob Peru oder Island - die schmelzenden Gletscher bringen neue Welten zutage und zeigen die außergewöhnlichen Anpassungsfähigkeiten von Flora und Fauna an die neuen Gegebenheiten. In den peruanischen Anden thront der Berg Nevado Ausangate mit seinem Gletscher über dem Hochland und wacht über das Quyllur Rit'i, eines der größten spirituellen Feste Südamerikas. Jedes Jahr versammeln sich dort Tausende Pilger, um unter anderem das für sie heilige ewige Eis zu verehren. Das Wasser des Gletschers versorgt die Hirtengemeinschaften, die Alpaka-Herden und die artenreichen Hochgebirgsfeuchtgebiete "Bofedales". Doch die Erderwärmung bringt dieses seit Urzeiten bestehende Gleichgewicht aus dem Lot. Aufgrund der rasanten Schmelze bündeln Anwohner und Wissenschaftler ihr Wissen, um sich dem Wandel anzupassen. Sie überwachen die ebenso spektakulären wie bedrohlichen Gletscherseen, sanieren alte Bewässerungssysteme, die Wasser speichern können, und versuchen, die Ökosysteme zu bewahren, von denen das gesamte Leben im Hochland abhängt. Diese Folge erzählt von der Gletscherschmelze und dem Kampf einer Region um ihre Zukunft - zwischen jahrtausendealten Traditionen und von den Vorfahren inspirierten Innovationen.
19:20
"ARTE Journal", das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur.
19:40
Was Europa bewegt Nah dran, authentisch, echt - der Mensch im Mittelpunkt. In 30 Minuten taucht "Re:" in Lebenswelten ein und macht Europas Vielfalt erlebbar. Von montags bis freitags um 19.40 Uhr und jederzeit im Netz.
20:15
An einem regnerischen Abend in Paris flieht die Dolmetscherin Mia vor dem Unwetter in ein Restaurant namens L'Étoile d'Or. Bei einem Getränk beobachtet sie die anderen Menschen: Das Personal bringt einem Mann eine Geburtstagstorte, die Gäste stimmen ein Geburtstagslied für ihn an. Doch Mias zufälliger Aufenthalt im L'Étoile d'Or wird zu einem Schicksalsmoment: Ein Anschlag wird im Restaurant verübt, viele Schüsse fallen. Mia überlebt, kann sich aber kaum an das Geschehen erinnern. Kleinigkeiten in ihrem Alltag, wie der Anblick einer Geburtstagstorte, lassen das Trauma wieder aufleben, und Mia versteht, dass sie die Erinnerung zurückgewinnen muss, um heilen zu können. Bei einem Treffen mit den Überlebenden lernt sie Thomas kennen. Er war der Mann, der an jenem Abend Geburtstag feierte. Mit seiner Hilfe versucht Mia, ihre Erinnerung wiederzufinden, und kann sich bald entsinnen, dass jemand ihre Hand gehalten hat, während sie sich versteckte. Wer war dieser Mensch, und hat er überlebt? Mia spürt, dass sie ihn finden muss ... Der Film ist dem Bruder der Regisseurin Alice Winocour gewidmet. Jérémie Winocour war während der Anschläge am 13. November 2015 in Paris im Bataclan anwesend und hat überlebt. Basierend auf den Gesprächen mit ihrem Bruder und ihren eigenen Erinnerungen entwickelte die Regisseurin das Drehbuch. Mia wird im Film von Virginie Efira gespielt, die für ihre Rolle 2023 den französischen Filmpreis César und den belgischen Filmpreis Magritte als beste Schauspielerin gewann.
21:50
Die "Magdalene Laundries" waren Einrichtungen, in denen Frauen unter dem Vorwand "moralischer Erziehung" gefangen gehalten, zur Zwangsarbeit gezwungen und gedemütigt wurden. In Mutter-Kind-Heimen für ledige Mütter wurden ihnen ihre Kinder entrissen und zur Adoption freigegeben. Die Überlebenden berichten von Demütigungen, Gewalt und lebenslanger Stigmatisierung - ein System, das von der katholischen Kirche mit staatlicher Unterstützung betrieben wurde. Der Dokumentarfilm begleitet eine Gruppe von Frauen, die mit Unterstützung der Aktivistengruppe "Justice for Magdalenes" gegen die irische Regierung und diesen staatlich organisierten Missbrauch vorgehen. Ihr Kampf um Gerechtigkeit führt sie bis vor die Vereinten Nationen beziehungsweise vor den UN-Ausschuss gegen Folter, wo ihre Aussagen eine internationale Untersuchung auslösen. Die Vereinten Nationen fordern Irland auf, die Verbrechen aufzuklären, Archive zu öffnen und Entschädigungen zu zahlen. Der Dokumentarfilm zeigt den unermüdlichen Einsatz der Frauen: für Wahrheit, juristische Aufarbeitung und ein Ende des Schweigens. Die Filmemacherinnen stellen drängende Fragen zu diesem dunklen Kapitel Irlands: Wer trägt die Verantwortung? Wie kann Gerechtigkeit aussehen? Und vor allem: Wie kann verhindert werden, dass sich solche Verbrechen wiederholen? Der Dokumentarfilm ist darüber hinaus eine Hommage an die Widerstandskraft der Überlebenden, aber auch ein Aufruf an die Gesellschaft, sich ihrer Mitschuld zu stellen.
23:30
Sohee ist eine selbstbewusste Schülerin, die kurz vor dem Abitur ein längeres Praktikum absolviert, wie es das koreanische Schulsystem vorsieht. Das Gymnasium vermittelt sie an ein Callcenter. In nur wenigen Monaten ist Sohee nur noch ein Schatten ihrer selbst. Die Zielvorgaben sind unmöglich zu erfüllen. Gleichzeitig muss sie sich anhören, wie männliche Gesprächspartner sie sexuell belästigen und übergriffig werden. Wenn Sohee sich lautstark wehrt und wütend auflegt, bekommt sie es mit ihren männlichen Vorgesetzten zu tun. Schließlich ist der Kunde König! Der Schuldirektor, von Sohees Eltern mit der Sache konfrontiert, will nicht eingreifen - er sei froh, wenn er seine Schülerinnen und Schüler überhaupt für ein Praktikum vermittelt bekomme. Als ein Mitarbeiter der Firma Suizid begeht, tritt Inspektorin Yoo-jin auf den Plan. Bei ihren Ermittlungen stößt sie auf eine Mauer des Schweigens, doch sie lässt sich nicht einschüchtern, sondern kämpft gegen ein System aus Bürokratie, Korruption und Gewinnoptimierung um die Wahrheit - und um Sohee. Regisseurin Jung July, geboren 1980 in Südkorea, machte 2014 mit ihrem Debüt "A Girl at My Door" auf sich aufmerksam, das in der Sektion Un Certain Regard in Cannes gezeigt wurde. Die Hauptfigur verkörperte bereits hier Bae Doona, die durch ihre Rollen bei Bong Joon-ho, Park Chan-wook und Hirokazu Koreeda mittlerweile ein Star ist. In Jungs zweitem Langfilm "In Sachen Sohee" spielt sie wieder eine Polizistin, die als hartnäckige Kommissarin den Kampf aufnimmt - allein gegen alle.