04:00
"28 Minuten" ist das Polit-Magazin bei ARTE, täglich frisch und frech aus Paris. Jede Sendung nimmt aktuelle Themen aus Gesellschaft, Politik, Wirtschaft oder Wissenschaft unter die Lupe. Montags bis donnerstags moderiert von Élisabeth Quin, freitags und samstags von Renaud Dély.
05:10
Europas Agrarlandschaften sind durch die Geschichte unseres Kontinents geprägt und untrennbar mit seiner Identität verbunden. Doch den Landwirten geht es schlecht. Sie stehen unter dem Zwang, immer mehr und preiswerter zu produzieren, und viele können der starken Konkurrenz nicht mehr standhalten. Die meisten Bauernhöfe in Europa sind noch immer Familienbetriebe, doch EU-Subventionen bleiben Großbetrieben vorbehalten. Viele von denen betreiben Intensivlandwirtschaft, deren schädliche Auswirkungen auf die Biodiversität und die menschliche Gesundheit längst bekannt sind. Diese Art der Landwirtschaft ist sehr schlecht für die Bodenbeschaffenheit und gilt als überholtes Modell. Ihre Mängel werden mit jeder Krise offensichtlicher. Der Klimawandel erfordert heute schnelle Antworten auf entscheidende Fragen: Wie sollen mehr als 500 Millionen Europäer nachhaltig ernährt werden? Wie kann die Katastrophe einigermaßen eingedämmt werden, die durch den drastisch gestiegenen Fleischkonsum (Anstieg um 60 Prozent in 60 Jahren) und den damit verbundenen intensiven Getreideanbau ausgelöst wurde? Lösungen sind vorhanden, und viele Landwirte haben bereits die Initiative ergriffen. Überall auf dem europäischen Kontinent sind sie die Hauptakteure einer lebensnotwendigen, landwirtschaftlichen Revolution des 21. Jahrhunderts: Rückkehr zum traditionellen Bauerntum, intelligente oder urbane Landwirtschaft, weniger Massenimporte, Forschung im Bereich In-vitro-Fleisch und Fleischersatz ... Diese Ansätze werden von europäischen Landwirten zum Schutz von Artenvielfalt, Landschaft und menschlicher Gesundheit verfolgt.
06:05
Stella Amony wurde als junges Mädchen aus ihrem Dorf verschleppt und dem Kommandanten einer berüchtigten Rebellenarmee als schutzlos ausgelieferte Kinderbraut zugeführt. Robert Onen war Kindersoldat, der zum Töten missbraucht wurde. Das sind nur zwei Schicksale aus Uganda. Die Menschen in dem zentralafrikanischen Land haben in den vergangenen 50 Jahren schwere Zeiten durchlebt: In den 1970er Jahren regierte der skrupellose Despot Idi Amin mit brutaler Gewalt. Mitte der 1980er Jahre wurde Uganda zum Brennpunkt eines der längsten und brutalsten Konflikte Afrikas. 20 Jahre lang kämpfte die Rebellenmiliz Lord's Resistance Army, um den Sturz der Regierung herbeizuführen. Laut Schätzungen von UNICEF entführten die Rebellen in jener Zeit zwischen 35.000 und 66.000 Kinder. Sie wurden als Soldaten zwangsrekrutiert und sexuell versklavt. Zehntausende Zivilisten wurden ermordet, verstümmelt und gefoltert. Über 90 Prozent der Bevölkerung Nordugandas lebte in Flüchtlingslagern. Diese Zeiten sind zwar vorbei, doch viele Menschen leiden noch immer unter post-traumatischen Folgeschäden. Um ihnen zu helfen, greift die Tierschutzorganisation Big Fix auf ein ungewöhnliches Mittel zurück: Straßenhunde. Zu Tausenden streunen sie durch Ugandas Orte, herrenlos und nicht selten verwahrlost. Dabei können diese Tiere vor allem einsamen und seelisch schwer belasteten Menschen Trost spenden. Dies ist auch deshalb neuartig, weil Hunden in afrikanischen Gesellschaften noch selten die Rolle eines Gefährten zukommt. Doch die ersten Teilnehmenden an dem Projekt profitieren bereits von ihren neuen Begleitern. So sieht man in Uganda immer öfter Menschen mit ihrem Hund an der Leine im Straßenbild. Zu ihnen gehört nun auch Stella Amony. Ihr Hund Kicaber hat der leidgeprüften und alleinstehenden Mutter von fünf Kindern geholfen, zurück ins Leben zu finden. Ein großer Erfolg. Und der ehemalige Kindersoldat Robert Onen ist sogar schon im Auftrag von Big Fix als Tierschutzbeauftragter unterwegs. Vorsichtige Hoffnungsschimmer in einem Land, in dem die Menschen so viel durchgemacht haben.
07:00
Eine Portion Tradition mit einer Prise Voodoo: Bomiwô-Hähnchen / Ein Biss'chen Heimat: Anita, eine Beninerin in Straßburg / Ran an die Töpfe!
07:30
Jeden Tag eine kleine Pause im Alltag: Linda Lorin lädt auf eine Reise an besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Island: ein Fjord im Heringsrausch / Paris: algerische Zuwanderung / Griechenland: die Pitas von Eleni und Annoula / Irland: Reitsport mit Tradition
08:15
Jeden Tag eine kleine Pause im Alltag: Linda Lorin lädt auf eine Reise an besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Jimmy Cliff, die Stimme Jamaikas / Demokratische Republik Kongo: Im Land der Kimbanguisten / Kanada: Kamele sind Gold wert
09:05
Vor rund 3,5 Milliarden Jahren bildeten sich an der Erdoberfläche die ersten Landmassen. Dass die älteste unter ihnen - das heutige Skandinavien - damals noch irgendwo in der südlichen Hemisphäre lag, konnte anhand winziger Kristalle nachgewiesen werden. Diese Kristalle heißen Zirkone: Sie haben zwar keinen wirtschaftlichen Wert, sind für Geologen jedoch von unschätzbarer Bedeutung. Anhand ihres Alters lässt sich das Gestein datieren, in dem sie eingeschlossen waren. Die Erdplatte, auf der sich das heutige Europa befindet, dehnte sich zunächst nach Westen, dann nach Süden aus. So entstanden auf der einen Seite Nordamerika und Grönland, auf der anderen das herzynische Gebirge - es liegt heute im Herzen Europas. Damals befand sich Europas Urkontinent nicht an seinem heutigen Ort, sondern in einer tropischen Klimazone. Im Nordosten spaltete sich das heutige Nordamerika von Europa ab - der Atlantische Ozean öffnete sich. Damals sah Europa bereits dem heutigen Kontinent erstaunlich ähnlich. Die Theorie der Plattentektonik, die die Entwicklung der Kontinente und Ozeane erklärt, ist für das Verständnis der Erdgeschichte ebenso bedeutsam wie die Darwin'sche Evolutionstheorie für die Erforschung des Menschen. In der Dokumentationsreihe "Kontinente in Bewegung" erläutern Wissenschaftler, wie ihre Entdeckungen die Theorie der Kontinentalverschiebung untermauern. Berichte über spektakuläre Funde und Besuche an geologisch relevanten Stätten nehmen das Publikum mit auf eine Reise durch die Erdgeschichte, die zeigt, wie sich das Bild der heutigen Welt zusammensetzt.
09:50
Die geologische Geschichte Europas beginnt mit der Öffnung des Atlantiks im Westen und der Annäherung Afrikas im Süden - Prozesse, bei denen das Mittelmeer und die Alpen entstanden. Und sie ist noch nicht abgeschlossen: Die Erdplatten bewegen sich weiter. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler rekonstruieren die Geschehnisse davor anhand geologischer Spuren der europäischen Vorgeschichte. So geben Zirkone - kleine Kristalle - Aufschluss über die Entstehung des Gebirges. Auch das Mittelmeer hat eine spannende Vergangenheit: Noch vor kurzer Zeit waren Korsika und Sardinien mit der Küste verbunden, ehe sie zu Inseln wurden. Diese Prozesse lassen sich heute mit Hilfe von Verfahren nachvollziehen, bei denen die magnetische Polung von Gestein analysiert wird. Einmal schloss sich die Straße von Gibraltar vollständig - das Mittelmeer trocknete aus. Durch Klimaveränderungen und minimale Verschiebungen der Erdplatten entstanden unterirdische Höhlen, die den Menschen vor rund 40.000 Jahren als Schutzraum dienten. Damals herrschten in Europa Temperaturen wie heute in Skandinavien. Die Rekonstruktion der Gletscherbewegungen hilft der Forschung dabei, tektonische Verschiebungen nachzuvollziehen. Diese Plattenbewegungen lösen Erdbeben, Vulkanausbrüche und Tsunamis aus - Naturkatastrophen, die vor allem die Mittelmeerregion und den Norden des Kontinents bedrohen. Die Kräfte im Erdinneren sind noch immer aktiv. Schon bald könnte es das Mittelmeer in seiner heutigen Form nicht mehr geben. Die Alpen hingegen wachsen weiter in die Höhe, und Amerika entfernt sich weiterhin vom alten Kontinent.
10:35
Australien blieb während seiner gesamten geologischen Geschichte weitgehend von Kontinentalkollisionen oder Abspaltungen verschont. Die sehr alten Gesteinsformationen in der nordwestlichen Region Pilbara liefern daher wertvolle Hinweise auf den Verlauf der frühen Erdgeschichte. Eine der wenigen Spuren einer Kollision findet sich im Herzen des Kontinents: der Berg Uluru - auch bekannt als Ayers Rock -, um den sich zahlreiche Legenden der australischen Ureinwohner ranken. Im Süden des Landes wiederum wurden die ältesten fossilen Spuren tierischen Lebens entdeckt: Die sogenannte Ediacara-Fauna lebte einst in flachen Küstengewässern. Eine tektonische Verschiebung reichte aus, um Teile des Meeresbodens an die Erdoberfläche zu heben - die Überreste der ersten Zweiseitentiere blieben im Gestein erhalten. Vor rund 200 Millionen Jahren trennten sich Australien, die Antarktis und Neuseeland vom südlichen Großkontinent Gondwana. Später driftete die Antarktis infolge eines Magmaaufstiegs, dessen Spuren bis heute an Australiens Südküste sichtbar sind, weiter südwärts und nahm ihre heutige Position am Südpol ein. Neuseeland hingegen versank größtenteils im Ozean, wurde aber durch den Zusammenstoß mit der Pazifischen Platte teilweise wieder emporgehoben. Der Kontinent Zealandia liegt noch heute zu etwa 70 Prozent unter Wasser. Die einzige nennenswerte geotektonische Erschütterung Ozeaniens betrifft daher den Kontakt der Pazifischen Platte mit Neuseeland - ein Prozess, von dem noch heute zahlreiche aktive Vulkane auf den umliegenden Inseln zeugen, etwa im Inselstaat Vanuatu.
11:25
Was Europa bewegt
11:55
Eine beliebte Geflügelspezialität aus Nordfrankreich: Taube In Nordfrankreich wartet man nicht, bis einem die gebratenen Tauben in den Mund fliegen! Der heutige Chefkoch bereitet für Alexis Sarini gleich drei Täubchen-Varianten zu, die hier zu den regionalen Spezialitäten zählen. Geograf und Ernährungswissenschaftler Pierre Raffard erklärt, warum Tauben in der nordfranzösischen Küche so beliebt sind und was man in Europa und der Welt von Taubenfleisch hält. Abschließend gibt er einen kurzen Überblick über die Länder, in denen rohes Fleisch verzehrt wird. Ein Biss'chen Heimat: Tommy, ein Nordfranzose in England Tommy zog aus beruflichen Gründen nach London, auf die andere Seite des Ärmelkanals. Auch die Esskulturen beider Länder sind sich an manchen Stellen ähnlicher, als man denkt. Um sich seiner Heimat noch näher zu fühlen, geht Tommy in einen örtlichen Lebensmittelladen. Dort findet er den für Nordfrankreich typischen Käse Maroilles, den er für sein Chicorée-Rezept benötigt. Anders als zuhause löscht er sein Gericht in London mit englischem Bier ab: ein wesentlicher Schritt der kulturellen Integration. Ran an die Töpfe! Appetit bekommen? Hier gibt es ein Täubchen-Rezept zum Nachkochen. -------------------------- Rezept für Tatar vom Täubchen Zutaten für zwei Personen: 1 Täubchen 1 EL Senfkörner 1 TL Essig 1 TL Honig 1/2 Bund Bärlauch 1 Schalotte 1 Knoblauchzehe 4 Stängel Schnittlauch 1 Kartoffel 150 ml Vollmilch 100 ml Sahne Zubereitung: - Mit einem langen, sehr scharfen Messer die Brustfilets entlang der Wirbelsäule der Taube herauslösen. Die Filets der Länge nach in Scheiben und anschließend in kleine Würfel schneiden. - Den Schnittlauch und die Schalotte fein hacken und beiseitestellen. - Den Bärlauch mit 100 Milliliter Öl pürieren, bis eine grüne Flüssigkeit entsteht. Milch hinzugeben. - Die Kartoffel 25 Minuten lang in der Bärlauch-Milch-Mischung kochen. Abkühlen lassen und anschließend die Sahne hinzufügen. Alles zu einer cremigen Masse pürieren. Sehr vorsichtig erwärmen. - In einer Rührschüssel Senfkörner, Essig und Honig vermischen. - Die Taubenwürfel dazugeben. - Mit dem Knoblauchöl beträufeln. Mit Fleur de Sel salzen und großzügig pfeffern. - Den Schnittlauch und die Schalotte hinzufügen. - Alle Zutaten mit einem Löffel sorgfältig vermengen. - Die warme Kartoffelcreme auf einem Teller verteilen. In die Mitte einen Löffel Tatar geben.
12:25
Jeden Tag eine kleine Pause im Alltag: Linda Lorin lädt auf eine Reise an besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches oder kulturelles Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Ischia: Pascal Quignards literarisches Exil / Dänemark: einer für alle, alle für einen / Schottland: Nells Reis mit Schellfisch / Nantes: Krieg der Konservendosen
13:10
Jeden Tag eine kleine Pause im Alltag: Linda Lorin lädt auf eine Reise an besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Shih-Li Kow erzählt von einem freien Malaysia / Frankreich: Die Sillon de Talbert / Demokratische Republik Kongo: Ein wichtiger Zeuge
14:00
Auf einem Bergpfad in den französischen Alpen stürzt ein Mann in die Tiefe und stirbt. An diesem Morgen war nur ein anderer Bergsteiger in etwas Entfernung auf dem gleichen Pfad unterwegs, Enzo Tovoli, und verständigt als Zeuge die Rettungskräfte. Überraschend wird Enzo am nächsten Morgen im Moment seiner Abreise von der Polizei festgenommen. Der Untersuchungsrichter hat noch Fragen. Er hat herausgefunden, dass Enzo wichtige Informationen zu dem Toten zurückhält. Denn Enzo verbindet eine gemeinsame Vergangenheit mit dem Opfer, das seit 40 Jahren in einem Zeugenschutzprogramm unter neuem Namen lebte. Für den jungen Untersuchungsrichter Dorieu ist es unmöglich vorstellbar, dass ausgerechnet diese beiden Männer Jahrzehnte später zufällig auf demselben abgelegenen Bergweg aufeinandergetroffen sein sollen. In mehreren Verhören versucht er, Enzo Widersprüche nachzuweisen, und unterstellt ihm einen lange geplanten Rachemord. Doch der ältere Mann bleibt bei seiner Version. Zwischen Richter und Verdächtigem entwickelt sich ein psychologisches Kräftemessen über Wahrheit und Beweis, politische Überzeugungen und die Frage, ob eine Tat nur deshalb wahrscheinlicher wird als ein unwahrscheinlicher Zufall, weil es ein Motiv gibt. Emmanuel Finkiel überträgt das Duell nach einer literarischen Vorlage von Erri De Luca als konzentriertes Drama auf den Bildschirm, mit dem dreifachen Donatello-Preisträger Fabrizio Bentivoglio als Enzo und dem dreifachen César-Preisträger Swann Arlaud als Untersuchungsrichter. Gedreht wurde unter anderem in den französischen Hochalpen rund um Gap und La Grave.
15:50
Island ist die größte Vulkaninsel der Erde und das am dünnsten besiedelte Land Europas. Am Ende eines einsamen Tals leben Arna Bjarnadóttir und Denni Karlsson mit ihren Kindern. Die Wege zu den nächsten Einkaufsmöglichkeiten sind weit und im Winter oft unpassierbar. Die Familie versorgt sich weitgehend selbst mit lokalen Produkten. Sie baut Kartoffeln und Rhabarber an und lagert sie ein. 2007 haben Arna und Denni begonnen, den verlassenen Hof zu renovieren. Arnas Sohn Bjarni war damals gerade ein Jahr alt, als sie und Denni ihrem alten Leben den Rücken kehrten. Arna hat als Kulturmanagerin in der Hauptstadt Reykjavík gearbeitet, Denni als Filmregisseur. Er ist in dem Tal aufgewachsen, in dem sich die Familie der Landflucht entgegenstellt. Fisch und Schafsfleisch bilden die Grundpfeiler der isländischen Küche. Meer, Flüsse und Seen bieten auch im Winter die Möglichkeit, sich mit frischem Fisch zu versorgen. Die Schafzucht hat in Island Tradition und mit ihr der Brauch, alles von einem Tier zu verwenden. Beim deftigen Thorrablót-Essen, mit dem das Mittwinterfest begangen wird, kommt alles auf den Tisch - in der Hoffnung, dass der lange Winter bald ein Ende hat.
16:20
Kirgisistan - ein Land, das die meisten Menschen auf Anhieb gar nicht auf der Weltkarte lokalisieren können. Umso überraschender ist, was das zentralasiatische Land zu bieten hat: Imposante Hochgebirge, uralte Traditionen und gastfreundliche Menschen, die mit ihrer einladenden Wärme der winterlichen Kälte trotzen. Traditionen wie der Reitsport Kok Boru oder das Manas-Epos gehören in ländlichen Regionen weiterhin zum Alltag. Das Nomadenleben war lange Zeit die beste Möglichkeit, in der Extremlandschaft zwischen Steppe, Halbwüste und Hochgebirge zu bestehen. Für viele Erwachsene ist Viehzucht auch heute noch die einzige Möglichkeit, sich einen Lebensunterhalt zu verdienen. Um aus dieser Armut zu entfliehen, gehen die Kinder hier voller Stolz und Ehrgeiz in die Schule. Denn sie wollen eines Tages ein besseres Leben führen als ihre Eltern. Doch gerade im harten kirgisischen Winter ist der Schulweg lang, beschwerlich und voller Gefahren. Sherali (8) und sein Bruder Ali (12) reiten eineinhalb Stunden vom Haus ihrer Großeltern zur Schule: durch Dunkelheit, über Felder und über einen vereisten Bergpfad. Akzholtoy (12) und ihre Schwester Akmarzhan (6) laufen eineinhalb Stunden zu Fuß. Sie müssen einen gefrorenen Flussarm überqueren.
17:05
Inmitten des Victoriasees, dem flächenmäßig größten See Afrikas, liegen die Ssese-Inseln. Eine tropische Inselwelt voller Schönheit - und voller Gefahren. Hier beginnt für die Brüder Filidaus (12) und Hamidhu (11) der Tag noch vor Sonnenaufgang. Ihr Ziel: der Schulbesuch. Der Weg ist eine wahre Odyssee: Es geht durch Dunkelheit und tropischen Regen auf ein Boot, das sie zur Nachbarinsel bringt, in die nahe gelegene Provinzstadt, wo sich ihre Schule befindet. Nicht selten ist das Wetter wechselhaft und der Victoriasee daher nicht befahrbar. Dann fällt der Besuch der Schule aus. Doch die Brüder träumen auch unter diesen widrigen Bedingungen von einer guten Ausbildung, um es einmal besser zu haben als ihre Eltern, die oft kaum lesen und schreiben können. Auch Daphine (12) von der Nachbarinsel Bugala macht sich in aller Frühe auf. Gemeinsam mit ihren Brüdern Dan (11) und Masereka (6) kämpft sie sich durch Felder, dichtes Buschwerk und schier endlose Palmölplantagen. Im Wald lauern Giftschlangen, vor denen sie sich fürchtet, denn sie wurde selbst schon einmal gebissen. Doch Aufgeben ist keine Option - denn Bildung ist ihre einzige Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
17:50
Für Shalani (11) und Siwadas (13) im zentralen Hochland Sri Lankas beginnt jeder Schultag lange vor dem Unterricht. Ihr mehrstündiger Schulweg führt über 14 Kilometer und fast tausend Höhenmeter durch Teeplantagen, dichten Nebel und gefährliche Wildnis. Nach Schulende geht es für die beiden steil bergauf zurück. Nur so können sie einen Schulabschluss erreichen. Ihre Eltern arbeiten auf dem Hochplateau der tropischen Insel als Teepflücker und kämpfen trotz großer Armut dafür, ihren Kindern durch Bildung eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Tief im Dschungel Sri Lankas lebt der elfjährige Akash mit seiner Familie in völliger Abgeschiedenheit. Jeden Tag läuft er allein eineinhalb Stunden zur Schule, überquert Flüsse, zerstörte Wege und gefährliche Straßen. Trotz aller Herausforderungen träumt Akash davon, später Schauspieler zu werden. Seine Eltern arbeiten hart, um ihm eine Schulbildung zu ermöglichen und ihn auf seinem Weg zu unterstützen.
18:35
Steinbrüche gelten als Sinnbild der Zerstörung. Doch ausgerechnet in diesen unwirtlichen Landschaften finden Tiere Zuflucht, die anderswo kaum noch Überlebenschancen hätten. An begradigten Flussläufen fehlen Kiesbänke und Steilwände und damit unverzichtbare Brutplätze für Flussregenpfeifer, Bienenfresser und Eisvogel. Im Steinbruch dagegen existieren genau diese Lebensräume noch. Ungestört, wild, dynamisch. Nur sehr wenige Menschen haben Zugang. Uhus, Rehe und Hasen fühlen sich wohl. Auch der Fuchs zieht hier seine Jungen groß. Für Bodenbrüter werden die Schotterflächen zur Kinderstube, Wasserlachen bilden Lebensraum für Insekten. Die seltene Kreuzkröte laicht in flachen Tümpeln. Selbst Sprengungen nehmen die Tiere in Kauf. Sie kennen den Ablauf der Arbeiten und haben die Scheu vor den schweren Maschinen verloren. Die ungewöhnlichen Biotope entstehen nicht zufällig: Gesetzliche Auflagen verlangen Ausgleichsflächen, Wissenschaftler begleiten die Umsetzung. Was zunächst Konflikte auslöste, entwickelt sich zunehmend hin zu Kooperation. Immer mehr Steinbruchbetreiber engagieren sich aktiv für den Artenschutz, kennen die tierischen Bewohner und schützen freiwillig Brutstätten. "Zuflucht Steinbruch" begleitet Menschen und Tiere übers Jahr und zeigt einen verborgenen Lebensraum - rau, überraschend und voller Leben.
19:20
"ARTE Journal", das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur.
19:35
19:40
Was Europa bewegt Nah dran, authentisch, echt - der Mensch im Mittelpunkt. In 30 Minuten taucht "Re:" in Lebenswelten ein und macht Europas Vielfalt erlebbar. Von montags bis freitags um 19.40 Uhr und jederzeit im Netz.
20:15
Justine, ihr Mann Albin und ihre Freundesclique sind in Geldnöten. Da trifft es sich gut, dass Justine für ihren Chef Franck, einen älteren Investor, ein romantisches Wochenende organisieren soll. Für unanständig viel Geld. Albin hat die Idee, einen Großteil des Budgets als eigenes Honorar abzuzwacken. Deshalb soll eine Kanalfahrt mit Eigenmitteln organisiert werden: mit einem Gratis-Schiff, viel Engagement und mehrfach verteilten Rollen. Mit einem Wort: Das Ganze ist ein Fake. Um so wichtiger, dass alles penibel vorbereitet wird. Dumm nur, dass niemand geahnt hat, wem Francks Interesse eigentlich gilt. Und schon droht der schöne Plan den Bach - oder Kanal - runterzugehen ... In "Alle in einem Boot" schippert Regisseur Bruno Podalydès in der Rolle des Kapitäns mit seiner Crew auf einem Kanal bis zum Meer. Mit Daniel Auteuil und Sandrine Kiberlain hat er große französische Stars verpflichtet. Wie immer ist auch sein Bruder Denis Podalydès dabei, Ensemblemitglied der Comédie-Française. Und wie immer erzählt Bruno Podalydès von der Fehlbarkeit der Menschen - vor allem der Männer. Bruno Podalydès, seit Ende der 1980er Jahre als Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler aktiv, ist für sein Gespür für skurrile Charaktere und absurde Situationen bekannt. Daraus entsteht liebenswertes Unterhaltungskino, das gleichwohl zum Nachdenken anregt.
21:50
1910, 2014, 2044: drei Zeitepochen und zwei Menschen, die sich jedes Mal wiederfinden. Mitte des 21. Jahrhunderts ist die Welt eine andere. Die sogenannte Künstliche Intelligenz gilt der menschlichen als überlegen. Gabrielle Monnier will sich beruflich verbessern, aber dazu muss sie ihre DNA reinigen lassen - um sich von lästigen Emotionen zu befreien. Eine Maschine versetzt sie durch Zeitreisen in ihre früheren Leben, um sie von alten Traumata zu heilen. Die erste Reise führt sie ins Jahr 1910: Gabrielle lebt als Pianistin und Gattin eines Puppenfabrikanten in Paris. In einem Pariser Salon sieht sie den Engländer Louis Lewansky wieder, dem sie einst in Neapel ihre Angst vor einer kommenden Katastrophe anvertraute. Die beiden kommen sich näher. Im Jahr 2014 versucht sich Gabrielle als Model und Schauspielerin in Los Angeles, wo sie einsam eine Villa hütet. Ihre Karriere kommt nur schleppend voran. Louis ist in dieser Zeitebene ein jungfräulicher 30-jähriger Mann, der noch nie eine Freundin hatte. Er will sich an den Frauen für sein unglückliches Leben rächen und begegnet ausgerechnet Gabrielle. Der Film aus dem Jahr 2023 von Bertrand Bonello, angelehnt an die Erzählung "Das Tier im Dschungel" von Henry James, ist eine Dystopie über den Verlust der Gefühle und von allem, was den Menschen ausmacht. Die Reflexion über Künstliche Intelligenz regte schon in ihrem Erscheinungsjahr zum Nachdenken an. Gabrielle wird von der französischen Star-Schauspielerin Léa Seydoux gespielt und Louis von dem Briten George MacKay, der für die Rolle Französisch lernte.