05:00
Nach einer Blutvergiftung müssen der Finnin Arja Ahtaanluoma beide Arme und Beine amputiert werden. Trotz Prothesen bleibt ihr Alltag stark eingeschränkt; sie ist rund um die Uhr auf Unterstützung angewiesen. Eine Handtransplantation könnte ihr ein Stück Selbstständigkeit zurückgeben - doch der Eingriff ist hochkomplex, risikoreich und wird in Europa bislang nur selten durchgeführt. In Indien werden Handtransplantationen seit 2015 praktiziert. Dort wurden Shreya Siddanagowder als erster Frau weltweit die Unterarme von einem männlichen Spender transplantiert. Arja nimmt Kontakt zu ihr auf, um mehr über den Ablauf der Operation und das Leben nach der Transplantation zu erfahren. Betroffene müssen lebenslang Medikamente gegen Abstoßungsreaktionen einnehmen und eine intensive Reha durchlaufen. Bei Shreya zeigen sich nach dem Eingriff unerwartete Veränderungen: Die anfangs dunkleren, männlich wirkenden Hände werden mit der Zeit schlanker, und der Hautton nähert sich ihrem an. Heute führt sie ein normales Leben. In Finnland ist das Team um Jorma Ryhänen bereit, Arjas Handtransplantation zu wagen. Über sechs Jahre wird jeder Schritt minutiös geplant - von der Operation bis zur Nachsorge. Bei der Transplantation werden Knochen, Muskeln, Gefäße und Nerven miteinander verbunden. Ob es dazu kommt, entscheidet sich jedoch erst mit einem passenden Spender. Denn nur, wenn alle Faktoren übereinstimmen, kann der Eingriff stattfinden. Als schließlich eine passende Spenderhand für Arja gefunden wird, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.
05:55
Als Transportmittel ist der Zug inzwischen für viele Wüstenbewohner absolut unverzichtbar geworden. Die 20-stündige Reise ist immer wieder aufs Neue ein Abenteuer. Der Abfahrtsort Zouérat war früher ein kleines, verschlafenes Dorf. Inzwischen leben hier etwa 50.000 Menschen, viele vom Abbau des wertvollen Bodenschatzes. Hier wird Eisenerz gefördert, vor allem für europäische Stahlproduzenten. Millionen Tonnen sind es pro Jahr. Auch Sidi Mohamed lebt in Zouérat, er ist seit 28 Jahren Zugführer. Den Zug, seine Ladung und seine Passagiere sicher durch die Sahara zu steuern, liegt in seiner Verantwortung. Sonne, Sand und das schiere Gewicht der über 100 Erzwaggons sind eine enorme Belastung für die Technik. Mauretaniens einzige Bahnstrecke verbindet zwei völlig gegensätzliche Regionen miteinander, einen der abgelegensten Zipfel der Sahara und die Atlantikküste. Es ist einer der spektakulärsten Rohstofftransporte der Welt. Bei extremen Temperaturen bahnt sich der kilometerlange Zug seinen Weg. Wanderdünen und Erosion blockieren immer wieder die Schienen. Doch für viele Menschen an der Strecke ist die Bahnlinie die wichtigste Lebensader, auch wenn es nur einen einzigen Passagierwaggon gibt. Wer kein Geld hat, darf umsonst oben auf den Erzcontainern mitfahren. Hauptsache, der Stahlkoloss fährt verlässlich, ob zum Erztransport oder für Ziegenhirten und Fischhändler. Selbst Nomaden wie der alte Mohamed nutzen den Zug. Eines seiner Kamele ist krank und benötigt dringend Medizin, die es nur in der Stadt gibt. Für einen waschechten Wüstenbewohner keine einfache Angelegenheit. Aber wer die Ruhe der Wüste liebt, für den ist die pulsierende Küstenmetropole Nouadhibou eine echte Nervenprobe. Doch Mohamed hat keine Wahl - denn das Wohl seiner Tiere steht für ihn an oberster Stelle.
06:50
(1): Käsekuchen auf Libanesisch: Halawet el-Jibn (2): Kulinarische Mitbringsel (3): Ran an die Töpfe!
07:20
(1): La Réunion: Maya Kamaty teilt aus (2): Island: Strick mir einen Pullover! (3): Baskenland: Christians Maisfladen (4): Kanada: Der Mann mit dem Bullauge
08:05
(1): Paris: Die Eleganz der Concierge (2): Türkei: Auf den Spuren der Pontosgriechen (3): Italien: Danieles Orecchiette al pomodoro (4): Polen: Der Sänger aus der Hölle
08:55
Von den ersten medizinischen Lehren der Antike über die anatomischen und chirurgischen Eingriffe der frühen Neuzeit bis zu den komplexen Operationen der Gegenwart war es ein langer und blutiger Weg. Ohne kontrollierbare Narkose und antiseptische Kenntnisse waren die Möglichkeiten der Chirurgen sehr begrenzt. Bis in die Neuzeit hinein scheuten sich selbst die Furchtlosesten, den Bauchraum aufzuschneiden - auch weil sie aus Erfahrung wussten, dass ihre Patienten den Eingriff wahrscheinlich nicht überleben würden. Um die Rätsel des menschlichen Körpers zu lösen und größere Operationen durchführen zu können, mussten mutige Pioniere und Pionierinnen wie Andreas Vesalius, Ambroise Paré, John Hunter, James Young Simpson, Joseph Lister, Elizabeth Blackwell, William Halsted oder Daniel Hale Williams zahlreiche Hindernisse überwinden. Mithilfe eines scharfen Skalpells oder Messers und einem ausgeprägten Forscherdrang entwickelten sie ihr Handwerk zu dem, was wir heute als moderne Chirurgie kennen. "Auf Messers Schneide" erzählt die spannende Geschichte von den Anfängen der Chirurgie bis zu ihrer Spezialisierung - eine faszinierende Reise von der Steinzeit mit den ersten Schädelöffnungen über die Antike und die frühe Neuzeit bis zur ersten Herzoperation. Gedreht wurde an den wichtigsten Schauplätzen der Chirurgie-Geschichte - unter anderem in Italien, Frankreich, Deutschland, Österreich, Großbritannien, Ungarn und den USA. Der Film enthält faszinierendes und zum Teil unveröffentlichtes Archivmaterial.
10:25
11:25
Was Europa bewegt
11:55
(1): Die gastronomische Seite des Aubrac: Die Forelle (2): Ein Biss'chen Heimat (3): Ran an die Töpfe!
12:25
(1): Bangkok: Die unkonventionellen Erzählungen einer spitzen Feder (2): Baskenland: Ein nationalistisches Pferd (3): Guatemala: Carmens Salat aus roten Bohnen (4): Kanaren: Die Insel, die nicht zu fassen war
13:10
(1): Portugal: Der Humor von Rafael Bordalo Pinheiro (2): Grönland: Naturmuseum Eisberglandschaft (3): Montenegro: Bobans Fischeintopf (4): Dänemark: Vom Winde bewegt
14:00
Mirko Talhammer, Mitte 30, ehrgeizig und selbstsicher, geht völlig in seinem Job bei einer Versicherung auf: Dank windiger Praktiken ist er zum Star-Verkäufer aufgestiegen. Doch droht sein Schneeballsystem aufzufliegen. Mirko braucht schnell sehr viel Geld, wenn er nicht alles verlieren will, was er sich aufgebaut hat. Als wäre das nicht genug, stehen plötzlich zwei zwielichtige Gestalten in seinem Büro: Träumchen und Schmied, zwei "Schrottis" aus Mirkos Heimat. Sie sind gekommen, um den verlorenen Sohn nach Hause zu holen - auf den Schrottplatz seines Vaters Fiete. Unversehens findet sich Mirko mit blutiger Nase auf dem Bock eines Lasters wieder, der ihn in die Heimat zurücktransportiert. Er erfährt, dass sein Vater Fiete gestorben ist und ihm den Schrottplatz hinterlassen hat - gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Letscho, der immer noch stinksauer ist, dass Mirko die Familie im Stich gelassen hat. Mirko will so schnell wie möglich wieder weg. Doch tritt nach Fietes Beerdigung der Unternehmer Wolfgang Kercher an ihn heran, der schon lange scharf auf den Schrottplatz der Talhammers ist. Er macht Mirko ein Angebot, das der in seiner prekären Lage nicht ablehnen kann. Nun muss er nur noch Letscho zum Verkauf überreden, der davon nichts wissen will: "Lieber tot als Sklave!" lautet seine Devise. Weil Mirko auf keinen Fall mit leeren Händen abreisen will, quartiert er sich erst mal in Fietes altem Büro ein. Dort fallen ihm Zeichen auf, die sein Vater in einen Bilderrahmen geschnitzt hat. Mirko, im tiefsten Innern ein Schrotti, weiß die Gaunerzinken zu entschlüsseln und was die Sippe plant: einen Zugraub! Luzi, die den Laden zusammenhält, weiht ihn in den genauen Plan ein ...
15:50
Im Süden Frankreichs, in der Region Languedoc, haben Mélanie und Bernhard Backhaus ein Weingut übernommen. Mit Hilfe von Eseln und Kühen bestellen sie ihre Weinberge nachhaltig. Der Klimawandel ermöglicht auch neue Anbaukulturen. Bjørn und Haldis Bergum haben sich der Herausforderung gestellt, am Sognefjord in Norwegen Weinbau zu betreiben; ein besonderes Mikroklima macht dieses Wunder möglich. Aufgrund des Rückgangs seiner Erträge im Zuge des Klimawandels organisiert der Winzer Thierry Daulhiac im französischen Bergerac die Verwertung seiner Kelterrückstände - einerseits, um sein Einkommen aufzubessern, aber auch, um seinen ökologischen Fußabdruck zu optimieren. Eine junge Start-up-Gründerin verwendet Thierrys Trester, um Sneaker aus veganem "Grapeskin"-Leder herzustellen. Von Süd bis Nord erfinden die Weinbauern ihr Geschäft neu, in Harmonie mit der Natur, und leisten damit ihren Beitrag zum ökologischen Wandel.
16:20
Estland ist der kleinste der drei baltischen Staaten. Rund die Hälfte des Landes ist bewaldet. Nahe der russischen Grenze liegt Alutaguse, das größte zusammenhängende Waldgebiet im Baltikum. Der dortige Nationalpark ist Lebensraum für Elche, Wölfe, Bären sowie zahlreiche seltene und gefährdete Tierarten. Die Dokumentation begleitet den Flughörnchen-Forscher Uudo Timm in die Taiga und trifft Triin Asi und Bert Rähni, die in ihrem "Bärenwald" arbeiten. Im Soomaa-Nationalpark fertigt Aivar Ruukel als einer der letzten Einbaum-Bootsbauer Kanus aus einem einzigen Espenstamm. Dieses Handwerk wird hier seit Jahrhunderten gepflegt - ein estnisches Kulturgut, das seit 2021 auf der Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes steht. Etwa eine Fährstunde von der Küste entfernt liegt die Insel Kihnu. In vier Dörfern leben um die 700 Menschen, doch die Insel lockt jährlich etwa zwölfmal so viele Touristen an. Die meisten wollen eine einzigartige Kultur erleben, die oft als Europas letzte matriarchalische Gesellschaft bezeichnet wird. "Die Frauen auf Kihnu haben eine sehr wichtige Rolle: Sie sind die Bewahrerinnen der kulturellen Traditionen", sagt die Lehrerin und Bäuerin Külli Laos. In Lettland liegt das Naturreservat Pape. Dort wechseln sich Feuchtwiesen mit Waldflächen, Küstenlagunen, Mooren, Sandstränden und Wanderdünen ab. Jedes Jahr ziehen Millionen von Zugvögeln durch diese Landschaft. Auch viele Wölfe, Luchse, Otter, Biber und Elche suchen die Ruhe dieser Gegend. Das ist nicht selbstverständlich: Der Zerfall der Sowjetunion löste einen Rückgang der Landwirtschaft aus und die Fläche drohte, überwuchert zu werden.
17:05
"Die Kurische Nehrung" - das antworten viele Litauer auf die Frage, was man in ihrer Heimat unbedingt sehen muss. Die schmale Halbinsel im Westen des Landes beherbergt die höchsten Dünen Nordeuropas. Mehr als eine Million Reisende zieht es jedes Jahr in die "Sahara der Ostsee". Doch die Nehrung ist bedroht. Dünen-Ranger wachen während der Hochsaison über die einzigartige Landschaft im Nationalpark. Das Fischerdorf Nida ist der bekannteste Ort des litauischen Teils der Nehrung. Alvidas, Laimis und Robertas Kazlauskas gehören zu den letzten Fischern im Haff und pflegen das alte Handwerk in dritter Generation. Auf der Kurischen Nehrung verläuft eine der wichtigsten Vogelzugrouten im gesamten Ostseeraum. Nahe des Kap Vente befindet sich seit 1929 eine Vogelwarte, die älteste ihrer Art in ganz Europa. Dort beringen Ornithologen Vögel, um mehr über deren Zugverhalten herauszufinden. Das Baltikum ist reich an unberührter Natur. Mitten im lettischen Naturpark Daugavas Loki haben sich die Auswanderer Alessa Beck und Sebastian Boldt ihren Lebenstraum als Selbstversorger erfüllt. Zahlreiche Burgen und Gutshäuser prägen die Landschaft im Baltikum. Gintaras Karosas engagiert sich für den Erhalt des kulturellen Erbes. Beim Herrenhaus Liubavas in Litauen sind die Restaurierungsarbeiten in vollem Gange.
17:50
Hoch oben auf dem Qinghai-Plateau in Tibet, dem "Dach der Welt", prägen extreme Höhen und lebenswichtige Wasserquellen eine einzigartige Landschaft. Trotz der harschen Bedingungen ist hier eine vielfältige Tierwelt beheimatet. Auf der Flucht vor einem Wolf wird eine junge Familie von seltenen Schwarzhalskranichen getrennt und es braucht viel Geduld und Glück, um sich in den weiten Wüstengebieten wiederzufinden. Wir verfolgen gespannt, wie auf der Ebene ein ganzes Rudel Wölfe tibetische Wildesel jagt. In den hohen Bergen liefern sich Weißlippenhirsche spektakuläre Paarungskämpfe und treiben eine ganze Herde von weiblichen Tieren kilometerweit vor sich her. Und im Quellgebiet des Jangtse, wo acht Monate im Jahr Eis und Schnee das Leben bestimmen, sehen wir Schneegeiern beim Fressen ihrer Beute zu. Die Hackordnung, wer zuerst fressen darf, ist dabei seit Jahrhunderten dieselbe und kann für den ein oder anderen durchaus gefährlich werden. Auf den Graslandschaften schließlich trainieren verspielte tibetische Fuchswelpen die Jagd auf Pikas, ihre Hauptnahrungsquelle.
18:35
Im Nordosten Chinas leben zwei der seltensten Großkatzen der Welt in unmittelbarer Nachbarschaft: Amur-Tiger und Amur-Leoparden. In den ausgedehnten Wäldern dieser Grenzregion haben sie Strategien entwickelt, um nebeneinander zu überleben. Den Amur-Tiger, den König des Waldes, in freier Wildbahn zu filmen, gelingt nur sehr selten. Das Filmteam hat es geschafft. Wir begleiten den majestätischen Jäger auf seiner Jagd nach Beute. Die Herde Sikahirsche, auf die er es abgesehen hat, ist jedoch auf der Hut und der heftig fallende Schnee spielt ihnen in die Karten. Im Frühling erwachen Dybowski-Frösche aus dem Winterschlaf und begeben sich auf Futtersuche, die manchmal ganz schön gefährlich werden kann. Und eine Ussuri-Grubenotter unternimmt große Anstrengungen, um eine Chinesische Rotbauchunke zu überwältigen. Aber die Unke weiß sich zu wehren. Im Winter jagen kleine Zobel nach Nahrung. Und wenn es für die Erlegung der schnellen Meise nicht reicht, werden eben die Vorräte von Eichhörnchen geplündert. Die Amur-Leoparden schließlich leben hier seit langer Zeit Seite an Seite mit den Amur-Tigern. Sie passen sich geschickt an die Bedingungen in ihrem Lebensraum an und meiden die Wege der Tiger. Eine bemerkenswerte Koexistenz, die nur unter sehr besonderen Voraussetzungen funktionieren kann.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:35
19:40
Cosplay ist für Sophy (22) ein Weg, mit Menschen in Kontakt zu kommen. Während ihrer Schulzeit fühlte sie sich oft als Außenseiterin. Aber seit sie in Kostümen ihrer Gaming-Heldinnen zu sogenannten Conventions geht, fühlt sie sich in einem stabilen sozialen Umfeld geborgen. Sarah (36) holt sich durch Cosplay Farbe in ihren Alltag aus Bürojob und Carearbeit. Monatelang bringt sie damit zu, bis ins kleinste Detail durchdachte Kostüme herzustellen, die sie dann auf ihrem Insta-Profil veröffentlicht. Für Lisa (33) ist Cosplay eine berufliche Perspektive. Die gelernte Bühnenplastikerin hat früher bei Hollywoodproduktionen Requisiten gebaut und Schauspieler gestylt. Doch das langweilte sie irgendwann. Jetzt gestaltet sie professionelle Cosplay-Outfits und hofft darauf, dass Gaming-Firmen sie für Marketingzwecke buchen. Außerdem verdient sie als Influencerin über ihre Reichweite auf Social-Media-Plattformen. Auf circa fünf Milliarden US-Dollar wird der internationale Markt mit Kostümen und Accessoires geschätzt. Doch hinter dem Trend steckt mehr als nur Spielerei: Die meisten Cosplayer finden im Experiment mit den Identitäten neue Freiräume für ihre eigene Persönlichkeitsentwicklung.
20:15
Ende des 19. Jahrhunderts galt das Automobil als ultimativer Beweis menschlichen Erfindergeistes: eine Supermaschine wie aus einem Roman von Jules Verne! In nur 30 Jahren veränderte das Auto Stadtbilder, Landschaften und den Alltag der Menschen. Wie konnte diese Erfindung, die die komplexesten technischen Errungenschaften ihrer Zeit in sich vereinte, zum Massenprodukt werden? Die Dokumentation erzählt vom rasanten Aufstieg der Automobilherstellung zu einem der bedeutendsten Industriezweige der Welt. Dabei unternimmt sie eine Zeitreise von den Pariser Boulevards, auf denen die ersten "pferdelosen Kutschen" fuhren, bis zu Hitlers Autobahnen, vom Ford T bis zum Citroën Traction Avant. Problematisiert wird jedoch auch der wachsende Rohstoffbedarf, den die Europäer als rücksichtslose Kolonialmächte zum Beispiel mit Gummibaumplantagen in Afrika deckten. Besonders eindrucksvoll schildert die Dokumentation auch die Wandlung der Herstellungsverfahren: Ausgehend von einem Werkstatt- und Manufakturprodukt steht das Automobil in den 1930er Jahren für eine Revolution der industrialisierten Fertigung bis hin zur systematischen Massenproduktion, die in den gigantischen Fabriken von Detroit ihren Anfang nimmt. Lobbygruppen begannen in den USA damit, den Siegeszug des Autos unter anderem durch die Verdrängung der Straßenbahnen weiter zu forcieren.
21:05
Das Auto ist mehr als ein Gebrauchsgegenstand - es verkörpert ein Lebensgefühl. Im Zuge des Wirtschaftsaufschwungs der Nachkriegszeit avancierte es zum Symbol der aufstrebenden Konsumgesellschaft: Küstenstraßen wurden asphaltiert, der Massentourismus nahm Fahrt auf und bald durchzog ein engmaschiges Straßennetz die Landschaften. Malerische Stadt- und Dorfplätze verwandelten sich in riesige Parkflächen, parallel dazu entwickelte sich das "Road Movie" zu einem eigenen Filmgenre. Familienkutschen wurden ebenso sorgfältig ausgewählt wie die Limousinen von Staatsoberhäuptern und Stars. Das Automobil stand für Emanzipation, Freiheit und Männlichkeit - aber auch für Entfremdung, neue Zwänge, Ängste und Tragödien. Die erschreckend hohe Zahl der jährlichen Verkehrstoten ist nur eines der dunklen Kapitel in der Geschichte des Kraftfahrzeugs. "Die Geschichte des Automobils" erzählt, wie das Auto zum Aushängeschild einer Epoche wurde, in der unermüdlicher Konsum noch als Versprechen ewigen Wohlstands galt.
22:00
In nur rund 100 Jahren hat das Automobil die Lebens- und Arbeitswelten der Menschen auf allen Kontinenten grundlegend verändert, dazu Städte und Landschaften geprägt. Ende des 19. Jahrhunderts als Meisterwerk gefeiert, im 20. Jahrhundert zur Ikone stilisiert, wird es seit der Jahrtausendwende zunehmend als Umweltzerstörer und Luftverschmutzer gegeißelt und ist zum Sinnbild für die Schattenseiten des menschlichen Fortschritts geworden. Wie kaum ein anderes Objekt verkörpert das Auto die Widersprüche westlicher Gesellschaften, die einerseits nach stetigem Wirtschaftswachstum streben und andererseits ihren ökologischen Fußabdruck verringern wollen. Von der Ölkrise 1973 über die Hoffnung auf einen neuen Wirtschaftsaufschwung durch das Elektroauto dokumentiert "Die Geschichte des Automobils" den unaufhaltsamen und permanenten Fortschrittsdrang der Menschheit - bis hin zu der Erkenntnis, dass heute ein umfassendes Umdenken erforderlich ist, um den Herausforderungen des Klimawandels gerecht zu werden.
22:55
"Lebensgefahr: Umweltschützer im Visier" erzählt die erschütternden Geschichten von Berta Cáceres, Paulo Paulino Guajajara und Aldo Zamora - drei Umweltaktivisten, die in Lateinamerika für den Schutz ihrer Heimat, der Wälder und Flüsse eintraten und dafür mit dem Leben bezahlten. Ihr Verbrechen? Sie stellten sich den Interessen mächtiger Konzerne entgegen, die mit Rückendeckung lokaler Handlanger und oft korrupter Behörden die natürlichen Ressourcen der Region schonungslos ausbeuten. Der Dokumentarfilm rekonstruiert nicht nur die Lebenswege der drei Aktivistinnen und Aktivisten, sondern enthüllt auch die systematischen Strukturen hinter ihrer Ermordung. Durch Gespräche mit Weggefährten, Familienmitgliedern, Klimaexperten und Soziologen wird deutlich, wie wirtschaftliche Gier, politische Untätigkeit und das Wegschauen der Justiz den Raubbau an der Natur vorantreiben. Immer wieder zeigen sich dieselben Muster: Bedrohungen, Einschüchterungen, schließlich Morde - und am Ende Täter, die selten zur Rechenschaft gezogen werden. Doch die Konsequenzen dieser Verbrechen beschränken sich nicht auf Lateinamerika: Die tropischen Regenwälder des Amazonas sind einer der wichtigsten CO2-Speicher der Erde. Ihre Abholzung verschärft die Klimakrise - mit globalen Folgen. Der Beitrag macht unmissverständlich klar: Der Kampf der indigenen Gemeinschaften und Umweltaktivisten ist kein lokaler Konflikt, sondern eine Frage von weltweiter Bedeutung. Solange Umweltaktivisten nicht ausreichend geschützt werden, ist auch der Schutz der Erde in Gefahr.