05:05
Der neue Roboter, den die NASA auf den Mars geschickt hat, heißt "Perseverance" - auf Deutsch: Durchhaltevermögen. Er soll nach Hinweisen auf früheres Leben auf dem Roten Planeten suchen - eine bedeutende und ehrgeizige Mission. Die Konzeption von "Perseverance" und seiner kleinen Helikopterdrohne "Ingenuity" hat Jahre gedauert. Die Dokumentation verfolgt die Entwicklung des Rovers bis hin zu seiner Landung im Jezero-Krater am 18. Februar 2021. Die Mission erweist sich als voller Erfolg: Der Roboter ist gut gelandet, und sämtliche Instrumente an Bord funktionieren reibungslos - "Perseverance" liefert hochaufgelöste Bilder vom Mars. Doch bis dahin war es ein mühevoller Weg für die Teams. Vor Ort entnimmt "Perseverance" Proben aus dem Krater, einem ausgetrockneten Flussdelta, da im Gestein geologische Spuren früheren Lebens - so genannte Biosignaturen - vermutet werden. So könnten unter anderem Erkenntnisse über etwaiges Leben auf dem Mars gewonnen werden. Jahre später sollen diese Proben zur Auswertung auf die Erde gebracht werden. Der knapp zwei Kilogramm schwere Mini-Hubschrauber "Ingenuity", der im Bauch des Rovers mitgereist war, führt mittlerweile eine Reihe von Versuchsflügen durch. Es sind die weltweit ersten auf einem anderen Planeten. Eine weitere Aufgabe von "Perseverance" besteht in der Testung einer Technologie zur Gewinnung von Sauerstoff aus der Atmosphäre. So hofft man, das Gas als Treibstoff verwenden zu können - oder zur Sauerstoffversorgung für zukünftige bemannte Marsflüge.
05:55
Als Transportmittel ist der Zug inzwischen für viele Wüstenbewohner absolut unverzichtbar geworden. Die 20-stündige Reise ist immer wieder aufs Neue ein Abenteuer. Der Abfahrtsort Zouérat war früher ein kleines, verschlafenes Dorf. Inzwischen leben hier etwa 50.000 Menschen, viele vom Abbau des wertvollen Bodenschatzes. Hier wird Eisenerz gefördert, vor allem für europäische Stahlproduzenten. Millionen Tonnen sind es pro Jahr. Auch Sidi Mohamed lebt in Zouérat, er ist seit 28 Jahren Zugführer. Den Zug, seine Ladung und seine Passagiere sicher durch die Sahara zu steuern, liegt in seiner Verantwortung. Sonne, Sand und das schiere Gewicht der über 100 Erzwaggons sind eine enorme Belastung für die Technik. Mauretaniens einzige Bahnstrecke verbindet zwei völlig gegensätzliche Regionen miteinander, einen der abgelegensten Zipfel der Sahara und die Atlantikküste. Es ist einer der spektakulärsten Rohstofftransporte der Welt. Bei extremen Temperaturen bahnt sich der kilometerlange Zug seinen Weg. Wanderdünen und Erosion blockieren immer wieder die Schienen. Doch für viele Menschen an der Strecke ist die Bahnlinie die wichtigste Lebensader, auch wenn es nur einen einzigen Passagierwaggon gibt. Wer kein Geld hat, darf umsonst oben auf den Erzcontainern mitfahren. Hauptsache, der Stahlkoloss fährt verlässlich, ob zum Erztransport oder für Ziegenhirten und Fischhändler. Selbst Nomaden wie der alte Mohamed nutzen den Zug. Eines seiner Kamele ist krank und benötigt dringend Medizin, die es nur in der Stadt gibt. Für einen waschechten Wüstenbewohner keine einfache Angelegenheit. Aber wer die Ruhe der Wüste liebt, für den ist die pulsierende Küstenmetropole Nouadhibou eine echte Nervenprobe. Doch Mohamed hat keine Wahl - denn das Wohl seiner Tiere steht für ihn an oberster Stelle.
06:50
(1): Sansibars Gewürzvielfalt: Pilaw-Reis (2): Ein Biss'chen Heimat: Sebastian, von Sansibar in die Pariser Vorstadt (3): Ran an die Töpfe!
07:25
(1): Louisiana: Clementine Hunter malt die Sklaverei (2): Japan: Shikoku, die indigoblaue Insel (3): Senegal: Rindfleisch mit Erdnusspaste (4): Paris: Eine Sportlerin tanzt aus der Reihe
08:10
(1): Paul Lynchs Irland-Odyssee (2): Kosovo: Gesänge erzählen die Geschichte der Albaner (3): Ibiza: Jaimes Tortilla (4): Japan: Frauen am Netz
08:55
Der Grand Canyon wird über seine gesamte Länge vom Colorado River durchzogen, der sich tief in den Fels eingrub und geologische Schichten von prächtigem Form- und Farbreichtum freilegte. Diese Strukturen sind so gut erhalten, dass sie einen Blick auf eine rund zwei Milliarden Jahre zurückreichende Erdgeschichte ermöglichen. Der Grand Canyon wurde erst spät wissenschaftlich erforscht: 1869 begann John Wesley Powell eine Expedition in das "Große Unbekannte", wie er es nannte. Unter Lebensgefahr erkundete er einen grandiosen Ort voller geologischer Wunder und menschlicher Spuren. Auch die Geologen Karl Karlstrom und Laura Crossey erforschen dieses Naturwunder und waren bereits dutzende Male auf dem Fluss unterwegs. Die Reise ist jedes Mal ein neues Abenteuer, das ohne das Wissen und Können der "River-Runner" nicht realisierbar wäre. Glade ist seit 15 Jahren River-Runner und sorgt auf dieser Expedition nicht nur für eine sichere Navigation und gute Stimmung, sondern teilt auch seine Kenntnisse über den Grand Canyon. Ebenfalls dabei ist Naturforscher Geoff Carpenter. Er hat den Grand Canyon bereits etwa 50-mal durchquert, oft auf den Spuren von Reptilien. Auf ihrer achttägigen Expedition bestimmten Karl und Laura geologische Schichten und blicken auf die geheimnisvolle Geschichte der Landschaft zurück - von der Explosion des Lebens vor rund 500 Millionen Jahren bis zur Eiszeit. Der Grand Canyon - mittlerweile zwar von Talsperren und anderem menschlichen Einfluss geprägt - ist dank der Kraft der Erosion in ständiger Bewegung. Am Beispiel der Stromschnellen wird deutlich, wie die Elemente ihn auch heute noch formen.
10:30
Im sogenannten Hadaikum prägten gewaltige Kollisionen mit anderen Himmelskörpern unseren Planeten. Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass in dieser unwirtlichen, von gewaltigen Einschlägen geprägten Welt kein Leben hätte entstehen können. Doch was, wenn genau diese Einschläge nicht das Ende, sondern den Anfang allen Lebens markierten? Ein internationales Forschungsteam geht dieser Frage nach - von den Gebirgen Südafrikas, wo die ältesten Gesteine der Erde aus dem Archaikum erhalten sind, bis zu den Laboren der NASA, in denen Proben des Asteroiden Bennu analysiert werden. Die ältesten Mikrofossilien, die auf der Erde gefunden wurden, belegen, dass es bereits vor 3,5 Milliarden Jahren Leben gab. Geochemische Spuren deuten sogar darauf hin, dass erste Lebensformen noch früher entstanden sein könnten - zu einer Zeit, als Asteroideneinschläge noch in vollem Gange waren. Um dieses scheinbare Paradox zu erklären, untersuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedene Spuren: die seit Milliarden Jahren unveränderten Einschlagkrater auf dem Mond, die großen Impaktkrater der Erde wie den Chicxulub-Krater in Mexiko oder das Nördlinger Ries in Deutschland. Doch nicht nur die Energie der Einschläge könnte eine Rolle bei der Entwicklung des Lebens gespielt haben. Meteoriten enthalten organische Moleküle wie Aminosäuren, die als Grundbausteine des Lebens gelten. Mithilfe modernster digitaler Modellierungsmethoden, die die Bedingungen auf der Urerde simulieren, und der Analyse außerirdischer Gesteinsproben entwickeln die Forschenden eine neue Theorie: Die Einschläge könnten nicht nur die Oberfläche unseres Planeten geformt, sondern auch die notwendigen Zutaten für die Entstehung erster Zellen geliefert haben. Doch die Bedeutung dieser Erkenntnisse reicht noch weiter. Wenn Asteroideneinschläge tatsächlich Leben ermöglicht haben - könnte dann derselbe Mechanismus auch auf anderen Planeten im Universum wirken?
11:25
Was Europa bewegt
11:55
Einst als "Liebesapfel" gefürchtet, heute aus kaum einer Küche wegzudenken: Die Tomate ist ein echtes Multitalent - ob als Ketchup, Sugo oder Kosmetik. Mit über 31.000 Genen besitzt die Tomate sogar mehr Erbinformationen als der Mensch. Im Burgenland pflegen Anette und Margarethe alte Tomatensorten und bewahren damit ein Stück kulinarisches Kulturerbe. Moderatorin Lucie verrät zwei besondere Tomaten-Rezepte: Kirschtomaten im Karamellmantel als raffiniertes Fingerfood und selbst gemachten Ketchup ohne künstliche Zusätze. Von Südamerika bis ins All, von der Küche bis ins Kosmetikregal - die Geschichte einer Frucht, die zur Ikone wurde.
12:25
(1): Rafael Tufiño, Maler des puerto-ricanischen Volkes (2): Chamonix: Wie man Berge versetzt (3): Kroatien: Bimbos geschmortes Kalbfleisch mit Gemüse (4): Ghana: Tanz mit der Queen
13:10
(1): Charlotte Perriands inspirierendes Japan (2): Die geheimnisvollen Damen von Kyoto (3): Mayumis Bento (4): Jagd auf Schwerter
14:00
Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht folgt Oskar Schindler 1939 den Besatzern nach Krakau. Der charmante Opportunist will im Chaos des Krieges Karriere machen: Er übernimmt eine beschlagnahmte Emailwarenfabrik, knüpft Kontakte zu NS-Funktionären, organisiert Material über den Schwarzmarkt und hält die Produktion mit Bestechung am Laufen. Auf Vorschlag seines Buchhalters Itzhak Stern setzt Schindler zunehmend auf jüdische Zwangsarbeiter aus dem nahen Krakauer Ghetto. Für ihn zunächst ein kalkulierter Vorteil, für die Beschäftigten ein schmaler Schutz vor dem Zugriff der Behörden. Mit der Errichtung des Lagers Plaszow und der Räumung des Krakauer Ghettos macht die Gewalt des Systems auch nicht vor Schindlers Geschäft halt. Lagerkommandant Amon Göth entscheidet mit sadistischer Willkür über Leben und Tod; Deportationen, Selektionen und Erschießungen werden zum Alltag. Inmitten dieser Eskalation verändert sich Schindlers Haltung: Seine Fabrik wird für viele zu einem Ort, wo sie Unterdrückung und Willkür entkommen können, weshalb Schindler beginnt, seine Stellung nicht nur für den eigenen Gewinn zu nutzen, sondern sich auch für seine Arbeiter einzusetzen. Als 1944 die Vernichtungspolitik ihren Höhepunkt erreicht, versucht Schindler, seine Arbeiter aus der unmittelbaren Gefahr herauszubringen. Der Plan wird zum Wettlauf gegen eine bürokratisch organisierte Mordmaschinerie.
17:20
Der Mercado de Sonora in Mexiko-Stadt ist landesweit bekannt. In Gang 11 bieten selbsternannte Hexer oder Schamanen beiderlei Geschlechts Talismane, Lotionen, Kerzen und eine Vielzahl esoterischer Produkte aus allen möglichen Traditionen an. Doch neben skurrilen Objekten oder Heilmitteln interessieren sich die zahlreichen Besucher vor allem für spirituelle Dienste: Liebesrituale, Kartenlesen - und die "Limpias" genannten spirituellen Reinigungen. Karina, die sich selbst als "weiße Hexe" bezeichnet, ist eine der bekanntesten Figuren des Marktes. Die Menschen kommen zu ihr, um sich von negativen Energien oder bösen Geistern befreien und reinigen zu lassen. Ihre Schwester Santa ist als "schwarze Hexe" Karinas Gegenstück: Sie verkauft ihren Kunden Schadenzauber. Eine schwarze Hexe hat viele Dämonen zur Auswahl, die sie beschwören kann, doch seit einigen Jahren ist Santa Muerte, das weibliche Pendant zum Sensenmann, besonders beliebt. Als Figur des "heiligen Todes" unterstützt sie nicht nur böse, sondern auch gute Absichten. Die Mexikaner haben ein besonderes Verhältnis zum Tod und zum Jenseits, das sich besonders beim Totenfest zeigt. Der Cartonería-Handwerker Leonardo beispielsweise fertigt dann zahlreiche Skelette aus Pappmaché an, die bei seinen Kunden sehr beliebt sind. Alejandra geht zu Beginn der Feierlichkeiten auf den Hexenmarkt und kauft dort Cempasúchil-Blumen, eine Tagetesart, die für ihren besonderen Duft geschätzt wird. Sie wird die Blumen auf den Hausaltar legen, um mit ihrer verstorbenen Großmutter in Kontakt zu treten. Am nächsten Tag wird sie zum Friedhof gehen und ihr einen Strauß auf das Grab legen, als Ausdruck ihrer ewigen Liebe.
17:50
Das irische Wort "boireann" bedeutet etwa "felsiger Ort", denn charakteristisch für den Burren ist seine hügelige Karstlandschaft aus silbrig glänzendem Kalkstein, die von zahllosen Spalten und unterirdischen Höhlen durchzogen ist. Auf den ersten Blick wirkt der Burren wie ausgestorben, doch das Leben gedeiht hier in einer Vielfalt, wie sie sonst nirgendwo in Irland zu finden ist. Seltene arktische und mediterrane Blühpflanzen entfalten ihre Pracht in den Felsspalten, mächtige Raubvögel nisten in den Ruinen mittelalterlicher Abteien, Singschwäne aus Island überwintern auf geheimnisvollen, plötzlich verschwindenden Seen, und die riesige Unterwelt des Burren mit ihren Höhlen und Einflugöffnungen für Schwalben ist ein perfektes Versteck für unzählige gefährdete Tiere. Die Höhlen bergen auch viele Geheimnisse aus der Vergangenheit und Naturgeschichte Irlands. Mit mehr Schmetterlingsarten als irgendwo sonst im Land und einigen der stärksten Säugetierpopulationen - vor allem des beliebten irischen Hermelins und des scheuen Baummarders - ist der Burren aufgrund seiner biologischen Vielfalt von internationaler Bedeutung. Es ist dank der umsichtigen Pflege durch Menschen, die dieses steinige Land seit Jahrtausenden bewirtschaften und verwalten, auch aus botanischer Sicht ein echtes Paradies. Die Dokumentation zeigt die Widersprüche einer Naturlandschaft, die vor Tausenden von Jahren durch menschliche Zerstörung entstanden ist und auch heute noch menschlicher Eingriffe bedarf, um sie als den Schatz zu erhalten, zu dem sie geworden ist.
18:35
Die schottische Waldkiefer trotzt dem unbeständigen Klima und bildet das Herzstück eines faszinierenden Ökosystems, das unter anderem dem Steinadler, dem seltenen Auerhahn und dem quirligen Roten Eichhörnchen ein Zuhause bietet. Als eine der langlebigsten Baumarten ist sie aber auch Zeuge der schottischen Geschichte und der tiefgreifenden Veränderungen, die die wilden Highlands und ihre Bewohner in den vergangenen 500 Jahren durchgemacht haben. Seit die Menschen ihre Beziehung zur Natur überdenken und die Rewilding-Bewegung verstärkt Zulauf gewinnt, werden wieder Waldkiefern angepflanzt. Sie erobern ihre alte Heimat zurück und schenken den Wildtieren der schottischen Highlands ein neues Zuhause. "Natura Europa" erzählt die Geschichte einer ganz besonderen, uralten schottischen Waldkiefer. Die Zuschauer verfolgen ihr Wachstum über fünf Jahrhunderte hinweg, begegnen nebenbei einigen legendären Figuren aus der schottischen Geschichte und lernen viel über die wilden Tiere, die den Baum und den umliegenden Wald bevölkern. Die atemberaubenden Bilder lassen eine legendäre Landschaft wiederaufleben und verweben die Kreisläufe der Natur mit Geschichte und Gegenwart der schottischen Highlands.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:35
19:40
Retro ist längst mehr als eine Mode - es ist für einige Menschen ein Lebenskonzept. So wie für Hebe (27) und Henk (34), die in Antwerpen leben. In ihrem Alltag dreht sich alles um 20er und 30er Jahre. Kleidung, Möbel, Musik und viele Gebrauchsgegenstände stammen aus vergangenen Zeiten. Sie sehen es als Möglichkeit, Geschichte hautnah zu erleben und ihr Leben zu entschleunigen. Dabei bleiben Hebe und Henk aber sehr pragmatisch: Sie schätzen moderne Technik ebenso wie die Freiheiten der heutigen Gesellschaft. Auch Sébastian (55) aus Lyon hat seine Leidenschaft für frühere Jahrzehnte zum Lebenskonzept gemacht. Mit seiner Frau Lesley organisiert er in Chamrousse in den französischen Alpen das Vintage-Event "Alpine Classique", bei dem Retro-Fans aus ganz Europa zusammenkommen. In einer Zeit, die ihnen nicht sehr vielversprechend erscheint, ist die Flucht in die Vergangenheit eine Art Ventil für sie. Höhepunkt ist jedes Jahr das Fest in den Alpen. Zwischen Holzskiern, Oldtimern und Vintage-Kleidung entsteht dort eine eigene nostalgische Welt. Die niederländische Musikerin Floor (30) lebt den Retro-Gedanken über die Musik der 60er und 70er Jahre. Ihre Eltern sind beide Musiker und sie ist mit dem Sound der 60er und 70er Jahre aufgewachsen. Schon als Teenager hat sie angefangen, Schallplatten und Kleidung aus dieser Zeit zu sammeln. Floor ist ein Fan von Musikern wie Bob Dylan und David Bowie, von denen sie sich inspirieren lässt. Nun geht sie auf Tour. Was alle verbindet, ist der Wunsch, für einen Moment auszusteigen aus einer komplexen, oft überfordernden Gegenwart.
20:15
Eine junge Journalistin will Jahrzehnte später verstehen, was 1942 in Finnland geschah und welche Rolle Abraham Stiller dabei spielte. Als sie ihn befragt, ringt der inzwischen alte Mann mit seinen Erinnerungen - und seinen Schuldgefühlen. Aus der Interviewsituation führen Rückblenden nach Helsinki: Ende der 1930er Jahre will das Land kaum noch jüdische Flüchtlinge aufnehmen. Stiller, eine zentrale Stimme der jüdischen Gemeinde Finnlands und Inhaber eines Mode- und Textilgeschäfts, verspricht Hilfe in Form von Arbeit, Papieren, Unterkunft. Er nimmt Menschen bei sich auf, nutzt seine Beziehungen und glaubt, mit Pragmatismus und Zuversicht das Schlimmste verhindern zu können. Sehr zum Unbehagen seiner Frau und jener Gemeindemitglieder, die lieber unsichtbar bleiben möchten. Mit dem Krieg verschärft sich die Lage. Antisemitische Stimmung dringt in den Alltag und in Stillers Geschäft. Die Staatspolizei interessiert sich zunehmend für Arbeitserlaubnisse und Herkunft. Während Stiller bei Beamten und Ministern interveniert, geraten einzelne Geflüchtete, wie Stillers Schützling Georg Kollmann, ins Fadenkreuz. Im Norden, in der Nähe der dort stationierten deutschen Truppen, müssen jüdische Männer unter härtesten Bedingungen arbeiten. Zugleich wird in Helsinki über "Lösungen" verhandelt, die zunächst die ausländischen Juden treffen sollen. Stiller versucht zu helfen, wird aber selbst zum Spielball eines Apparats, der Vertrauen ausnutzt und Fakten verdreht. Die Journalistin folgt schließlich den Spuren des einzigen Überlebenden und bringt Stiller dazu, sich seinen Schuldgefühlen zu stellen.
21:30
1945, der Zweite Weltkrieg ist fast vorbei und die Nazigrößen sind bereits aus Wien getürmt. Doch im Salzkammergut herrschen sie nach wie vor. In den Stollen des Salzbergwerks Altaussee lagern Kunstschätze, die in Europa für das geplante Führermuseum in Linz zusammengeraubt wurden. Gauleiter Eigruber ordnet die Sprengung an, doch die Dorfbewohner widersetzen sich. An der Spitze des Widerstands stehen die ungleichen Freunde Sepp Rottenbacher und Franz Mitterjäger. Während Franz seit langem aktiv im Kampf gegen die Nazis ist, versucht Sepp sich lange herauszuhalten. Bis Franz erschossen wird ... 1945: Nach und nach werden Deutschland und Österreich von den Nazis befreit. Doch in Altaussee im Salzkammergut ist ihre Herrschaft noch nicht zu Ende. Hier haben sich Nazigrößen wie Ernst Kaltenbruner, Chef der Gestapo, in der Nähe des alten Salzbergwerks verschanzt. In dessen Stollen lagern Kunstschätze, die in ganz Europa für das geplante Führermuseum in Linz geraubt wurden. Der Gauleiter von Oberdonau, August Eigruber, ordnet die Sprengung an, damit die Meisterwerke nicht in die Hände der Alliierten fallen. Doch bei den Bergleuten beginnt sich Widerstand zu regen. Aber im Gegensatz zu seinem Freund Franz, der mit seiner Frau Elsa die Deserteure und Partisanen in den Bergen heimlich versorgt, versucht der eigenbrötlerische Sepp, sich möglichst aus allem rauszuhalten. Erst als sein Freund von der Gestapo erschossen wird und wie ein Hund verscharrt werden soll, kommt er aus der Reserve ... Zusammen mit den Bewohnern des kleinen Dorfs stellt er sich gegen den Befehl des Gauleiters und versucht die Sprengung des Bergs in letzter Minute zu verhindern, um die Mine als ihre Existenzgrundlage zu sichern. Dabei begibt sich die Dorfgemeinschaft in große Gefahr, denn auf Widerstand steht immer noch die Todesstrafe ...
23:20
Ludwig van Beethoven war ein Humanist, ein Moralist und ein Künstler, der aufgrund seiner umfassenden Vision für die Menschheit zur Unsterblichkeit bestimmt war. Alle seine Werke und die Bandbreite seines Schaffens weisen auf seine universellen Menschheitsideale hin, aber keines verkörpert sie mehr als seine letzte vollendete Symphonie - die Neunte. Am 7. Mai 1824 wurde sie in Wien uraufgeführt. Beethoven war mit auf der Bühne, doch selbst dirigieren konnte er nicht mehr. Er war zu diesem Zeitpunkt schon völlig taub. Dennoch gelang ihm mit der "Neunten" ein Werk, das die symphonische Komposition völlig neu prägen sollte. Vielleicht war das mit einer der Gründe, warum er Friedrich Schillers Text mit in die Symphonie aufnahm. Schiller schrieb 1785 sein Gedicht "Ode an die Freude" mitten in der Aufbruchsstimmung des Sturm und Drang im Leipziger Exil. Beethoven wählte aus dem Text die Passagen, die zu seinen humanistischen Idealen passten. Am 7. Mai 2024, zum 200. Jahrestag der Uraufführung feierte ARTE Beethovens "Neunte" in vier europäischen Städten. Aus Mailand erklang der dritte Satz - "Adagio molto e cantabile - Andante moderato". ARTE zeigt nun die gesamte Mailänder Aufführung mit Riccardo Chailly am Pult des Orchesters der Mailänder Scala. Es singen Polina Pastirchak (Sopran), Wiebke Lehmkuhl (Mezzosopran), Benjamin Bruns (Tenor) und Markus Werba (Bariton).