04:00
Das Kulturmagazin des Senders ARTE wird täglich aus Paris gesendet. Aktuelle Themen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft stehen im Zentrum der Sendung und werden versiert unter die Lupe genommen.
05:10
In Südfrankreich haben menschliche Eingriffe in die Natur zum Verschwinden charakteristischer Arten in den Gebirgsregionen geführt - insbesondere großer Greifvögel und felsbewohnender Huftiere. Zwischen den Pyrenäen und den Alpen wird ein Luftkorridor wiederhergestellt. Dieser weitläufige ökologische Bereich, der Lebensräume und Nahrung bietet, ist für große Greifvögel wie den Geier unerlässlich. Im Lauf der Geschichte hat sich jedoch der Mensch entlang des etwa tausend Kilometer langen Korridors niedergelassen, wodurch die Geier fast ausgerottet wurden. Dank der 1986 eingeführten Schutzmaßnahmen sind Gänsegeier, Mönchsgeier und Schmutzgeier wieder in ihre alte Heimat zurückgekehrt. Nur der Bartgeier hat Mühe, sich wieder niederzulassen. Der Einzelgänger, der sich nur langsam fortpflanzt, kommt nicht über die Randbereiche des Korridors hinaus. Mittlerweile ist sein Überleben gefährdet. Durch die gezielte Ansiedlung des Bartgeiers an strategisch wichtigen Punkten wird nun untersucht, wie diese Art und der Mensch künftig dauerhaft koexistieren können.
05:55
Ursulae ist schwer gefordert: Die Mitarbeiterin des Waldkindergartens im indonesischen Nyaru Menteng ist mit zwei ihrer Schützlinge unterwegs, um ihnen das Leben im Regenwald beizubringen. Selfie und Nia sind Orang-Utan-Waisen, die von der Nichtregierungsorganisation Borneo Orangutan Survival Foundation (BOSF) krank und unterernährt aus Privathaushalten gerettet wurden. Die Organisation bemüht sich seit Jahren darum, Waisen wie diese beiden nach der Rettung auf ein Leben in der Natur vorzubereiten. Eine Arbeit, die Jahre dauert - denn nach uns Menschen pflegen Orang-Utans die längste Bindung zu ihren Nachkommen: Bis zu neun Jahre verbringen die Mütter mit ihrem Nachwuchs, bevor sie diesen in die Selbstständigkeit entlassen. In dieser Zeit bringen sie ihren Jungen alles bei, was sie wissen müssen, um zu überleben. Eine Aufgabe, die nun die Mitarbeitenden der Auffangstation übernehmen. Um jedem Alter gerecht zu werden, ist die Aufzucht der jungen Menschenaffen in mehrere Teile gegliedert - in einen Kindergarten, eine Schule und einen anschließenden mehrjährigen Aufenthalt auf sogenannten Vorauswilderungsinseln. Erst wenn sie all diese Stationen durchlaufen haben, sind die jungen Tiere bereit, in ihre ursprüngliche Heimat, die Wildnis, zurückzukehren. Seit Bestehen der Auffangstation in Nyaru Menteng erlangten mehr als 800 Orang-Utans ihre uneingeschränkte Freiheit in einem der sicheren Waldschutzgebiete auf Borneo. Auch Selfie und Nia sollen eines Tages dorthin zurückgebracht werden. Und Ursulae wird sie auf diesem langen Weg ein gutes Stück begleiten.
06:50
(1): Heirat auf Irländisch - Lachs an Whiskey-Soße (2): Kulinarische Mitbringsel (3): Ran an die Töpfe!
07:20
(1): Chad Taylor und die dunkle Seite von Auckland (2): Martinique: Im Land der Mangroven (3): Taiwan: Mas Hühnchen mit Sesamöl (4): Arras: Die unterirdische Stadt
08:05
(1): Victor del Árbols gnadenlose Extremadura (2): Frankreich: Von Schafen und Menschen (3): Montenegro: Pashas Thunfischsteaks (4): Kairo: Ein blutiger Empfang
08:55
Gebaut wird das gotische Gotteshaus als steinernes Reliquiar für den "Dreikönigenschrein" - den Schrein der Heiligen Drei Könige. Zunächst wächst zwischen 1248 und 1322 der Chor in die Höhe: Mit strenger Geometrie und riesigen Maßwerkfenstern wollen die Dombaumeister ein Abbild des Himmels auf Erden schaffen. Den Abschluss im Westen soll die bis heute größte Kirchenfassade der Welt bilden, ihr berühmter Bauplan "Riß F" aus dem Mittelalter ist noch erhalten. Doch das Vorhaben ist so gigantisch, dass der Dombau nur langsam vorankommt, bis er im Zuge der Reformation eingestellt und erst im 19. Jahrhundert vollendet wird. Wie keine andere Kathedrale spiegelt der Kölner Dom die wechselhaften deutsch-französischen Beziehungen. Sein Bau wurde inspiriert von den gotischen Gotteshäusern der Île-de-France. Angefangen mit Meister Gerhard, dem ersten namentlich bekannten Dombaumeister, hat man in Köln versucht, den "französischen Stil" zu perfektionieren. Heute gilt der Dom als vollkommene gotische Kathedrale - ein einzigartiges Gotteshaus, das ebenso am Ufer der Seine stehen könnte wie am Rhein.
10:25
Ljubljana ist eine mittelalterliche Stadt mit starkem barockem Einfluss. Der Zentralmarkt am Flussufer der Ljubljanica erstreckt sich über zwei offene Plätze, die an der Kathedrale und einem Priesterseminar vorbeiführen. Hier werden Kirschen aus der hügeligen Region an der Grenze zu Italien angeboten, Sirup aus Holunderbeeren, die in den Wäldern am Fuße der Alpen wachsen, sowie Wurstwaren, Frischfleisch und die berühmte Krainer Wurst. In der gleichen Abteilung kann man verschiedene regionale Käsesorten, im Holzofen gebackenes Brot, Kekse und Gebäck kaufen. Diese kulinarische Vielfalt verdeutlicht, wie sich dieses kleine Land und seine Hauptstadt zu einem Zentrum für Feinschmecker entwickelt haben. Ein Säulengang, der an das antike Griechenland erinnert, begrenzt den Bereich entlang des Flusses und beherbergt den Fischmarkt und verschiedene Cafés. Das von Joze Plecnik in den 30er Jahren entworfene Gebäude mit deutlichen Renaissance-Einflüssen ist ein slowenisches Nationaldenkmal und zählt zu den interessantesten Marktkomplexen in Europa. Zudem ist Ljubljana eine der grünsten Städte Europas. So durchzieht beispielsweise ein Bienenpfad die Stadt: Auf über 800 Dächern stehen Bienenstöcke, die für einen delikaten Honig sorgen, der ebenfalls auf dem Markt verkauft wird. Und in einem Geschäft ganz in der Nähe wird das berühmte Piran-Salz angeboten, das an der Adriaküste nach 700 Jahre alten Methoden gewonnen wird.
11:25
Was Europa bewegt
11:55
(1): Libanesischer Couscous, oder besser: Moghrabieh (2): Ein Biss'chen Heimat: Raya, eine Libanesin in Paris (3): Ran an die Töpfe!
12:25
(1): Anna Moï und die bittersüße Geschichte Vietnams (2): New Orleans: Baby Dolls, süß und subversiv (3): Belize: Christys Maniok-Porridge (4): Thiers: Die Kunst der Geburt
13:10
(1): Deutschland: Georg Philipp Telemann, Avantgardist der Barockmusik (2): Frankreich: Die Hüter der Loire (3): Mexiko: Leticias frittierte Tortillas (4): Dänemark: Der andere Eiserne Vorhang
14:00
1945, der Zweite Weltkrieg ist fast vorbei und die Nazigrößen sind bereits aus Wien getürmt. Doch im Salzkammergut herrschen sie nach wie vor. In den Stollen des Salzbergwerks Altaussee lagern Kunstschätze, die in Europa für das geplante Führermuseum in Linz zusammengeraubt wurden. Gauleiter Eigruber ordnet die Sprengung an, doch die Dorfbewohner widersetzen sich. An der Spitze des Widerstands stehen die ungleichen Freunde Sepp Rottenbacher und Franz Mitterjäger. Während Franz seit langem aktiv im Kampf gegen die Nazis ist, versucht Sepp sich lange herauszuhalten. Bis Franz erschossen wird ... 1945: Nach und nach werden Deutschland und Österreich von den Nazis befreit. Doch in Altaussee im Salzkammergut ist ihre Herrschaft noch nicht zu Ende. Hier haben sich Nazigrößen wie Ernst Kaltenbruner, Chef der Gestapo, in der Nähe des alten Salzbergwerks verschanzt. In dessen Stollen lagern Kunstschätze, die in ganz Europa für das geplante Führermuseum in Linz geraubt wurden. Der Gauleiter von Oberdonau, August Eigruber, ordnet die Sprengung an, damit die Meisterwerke nicht in die Hände der Alliierten fallen. Doch bei den Bergleuten beginnt sich Widerstand zu regen. Aber im Gegensatz zu seinem Freund Franz, der mit seiner Frau Elsa die Deserteure und Partisanen in den Bergen heimlich versorgt, versucht der eigenbrötlerische Sepp, sich möglichst aus allem rauszuhalten. Erst als sein Freund von der Gestapo erschossen wird und wie ein Hund verscharrt werden soll, kommt er aus der Reserve ... Zusammen mit den Bewohnern des kleinen Dorfs stellt er sich gegen den Befehl des Gauleiters und versucht die Sprengung des Bergs in letzter Minute zu verhindern, um die Mine als ihre Existenzgrundlage zu sichern. Dabei begibt sich die Dorfgemeinschaft in große Gefahr, denn auf Widerstand steht immer noch die Todesstrafe ...
16:20
In der Region Kunene im Nordwesten Namibias stellt das tägliche Leben eine Herausforderung dar, denn die Ressourcen sind knapp. In dieser Wüste im südwestlichen Afrika, die zu den unwirtlichsten Gegenden der Welt zählt, teilt sich der Mensch den Lebensraum mit vielen Tierarten: Elefanten, Giraffen, Oryxantilopen, Springböcke und Paviane leben hier. Noch vor 30 Jahren errichteten die Menschen Zäune, um sich vor wilden Tieren zu schützen, und töteten sie, wenn sie ihnen zu nahe kamen. Zudem wurde intensiv gejagt, wodurch die Bestände stark dezimiert wurden. Heute sind viele Zäune abgebaut, der Wildkorridor ist wiederhergestellt, und die Tierwelt kehrt allmählich zurück. Innerhalb von drei Jahrzehnten hat sich die Situation grundlegend gewandelt. Ein Tier steht sinnbildlich für diese Entwicklung: der Wüstenlöwe. Vor 30 Jahren lebten nur noch 20 Exemplare in der Region, heute sind es siebenmal so viele. Die Hoffnung auf ein neues natürliches Gleichgewicht wächst. Doch der Zustand bleibt fragil - dieser Erfolg muss jeden Tag aufs Neue gesichert werden.
17:05
Am Fuße des Himalayas, zwischen Indien und Nepal, liegt das Terai - eine Region mit einer der größten Tigerpopulationen der Welt. Im 2001 vom WWF eingerichteten Khata-Korridor bewegen sich die Raubkatzen frei zwischen zwei großen Nationalparks. Vor 20 Jahren existierte zwischen diesen beiden Schutzgebieten kaum noch intakte Natur: ein durch Abholzung verwüstetes Land, eine durch Wilderei stark dezimierte Tierwelt und eine Dorfbevölkerung, die nur ein karges Auskommen hatte und nach und nach abwanderte. Dank umfangreicher Aufforstungsmaßnahmen ist es gelungen, diese Naturräume zu regenerieren und wieder zwei unterschiedliche Tigerpopulationen anzusiedeln. Die neuen Ressourcen zogen pflanzenfressende Arten an, die wiederum die Tiger anlockten, sodass sich die Bestände vermischen und genetisch erneuern konnten. Der Artenreichtum lockte weitere Tiere an, setzte zusätzliche Ressourcen frei und ermutigte die Menschen, ihre Bemühungen fortzusetzen. 20 Jahre systematischer Wiederaufforstung haben ein sterbendes Land in eine fruchtbare Landschaft verwandelt. Doch jüngste Zwischenfälle zwischen Tigern und der Dorfbevölkerung werfen die Frage auf, wie dieser Erfolg nachhaltig gesichert und ein stabiles natürliches Gleichgewicht bewahrt werden kann.
17:50
Zum Ende der kalten Trockenzeit wird das Wetter im Norden Australiens wieder wärmer. Kurzkopf-Gleitbeutler kommen aus ihren Baumhöhlen und erkunden die Blütenpracht. Vor der Zeit der großen Hitze nimmt die indigene Bevölkerung gemeinsam mit Umweltschützern kontrollierte Brandrodungen vor. So minimieren sie das Risiko von gefährlichen Steppenbränden in der Trockenzeit und machen die Savanne auch für Tiere wie die prächtige Gouldamadine sicher. Wenn das Wetter umschlägt, beginnt in einem anmutigen Luftschauspiel für Tausende von Libellen die Paarungszeit. In der sogenannten Wilbooroo-Zeit steigen die Temperaturen, die Landschaft trocknet weiter aus. Das Schwinden der Feuchtgebiete zwingt die großen Krokodile in die übrig gebliebenen Wasserläufe. Der Platzmangel führt zu Kämpfen zwischen den mächtigen Raubtieren. In der extremen Hitze der sogenannten Lalin-Zeit sind die meisten Wasserstellen versiegt. Nur noch hoch spezialisierte Tiere überleben diese Zeit in der Savanne und der Wüste in Kimberley - so wie die Schmalfuß-Beutelmaus. Wenn sich die Luft in der trockenen Savanne in der sogenannten Jirrbal-Zeit elektrisch auflädt, kommt es zu spektakulären Blitzschlägen. Einer von ihnen löst ein verheerendes Feuer aus und ein junger Kurzkopfgleitbeutler muss sich aus den Flammen flüchten. Wenn sintflutartige Regenfälle den Durst des Landes stillen, ist die Wilkarra-Zeit gekommen: Das Leben kehrt zurück und entfaltet sich einmal mehr in voller Pracht.
18:35
Nordöstlich von Australien liegt eines der größten Naturwunder der Erde: das Great Barrier Reef. Über Millionen von Jahren hat das Meer an dieser Stelle ein Labyrinth aus Korallen, Mangroven und offenen Gewässern geformt und so ein Ökosystem von atemberaubender Vielfalt geschaffen. Doch diese Welt ist kein friedliches Idyll. Sie wird von perfekt angepassten Jägern beherrscht: Tigerhaie halten sich bei den Riffen auf, Salzwasserkrokodile lauern in Flussmündungen und hochgiftige Quallen durchziehen die Strömungen. Ihre Anwesenheit ist kein Zufall, sondern Voraussetzung für das Gleichgewicht dieses fragilen Systems. Die Dokumentation zeigt die spektakulärsten Jagdszenen der Region, sei es im Mangrovendickicht, in trüben Flussmündungen oder auf offener See. Hier wird deutlich, wie die Evolution diese Räuber geformt hat. Manche warten stundenlang regungslos auf den perfekten Moment, andere nutzen Geschwindigkeit und Präzision, um ihre Beute zu überraschen. Energie sparen, Gelegenheiten erkennen und im richtigen Augenblick zuschlagen: Das sind die Regeln, die über Leben und Tod entscheiden. Doch dieses Gleichgewicht ist in Gefahr. Die Erwärmung und Übersäuerung der Weltmeere sowie Eingriffe des Menschen setzen dem Riff zu. Korallen bleichen aus, Arten verschwinden und die Nahrungsketten geraten ins Wanken. Die Dokumentation zeigt nicht nur die Schönheit dieser Jäger, sondern auch die Zerbrechlichkeit ihres Lebensraums. Wenn ein Glied in der Nahrungskette wegbricht, könnte das gesamte System kollabieren - und eines der letzten Paradiese der Erde für immer verschwinden.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:35
19:40
Die vietnamesische Community in Tschechien ist die viertgrößte Minderheit des Landes. Sie blieb mehrere Jahrzehnte weitgehend unter sich. Die zweite Generation der vietnamesisch-stämmigen Vertragsarbeiter öffnet sich und ihre Kultur zunehmend. Am Marktgelände Sapa, dem Geschäfts- und Kulturzentrum der vietnamesischen Community am Rande von Prag, wird das sichtbar. Auf 35 Hektar finden sich dort vietnamesische Restaurants, Supermärkte und ein Kindergarten. Gemeinsam mit anderen Tschecho-Vietnamesen ihrer Generation veranstalten der 27-jährige Duc Anh Le und der 35-jährige Manh Tung Nguyen Führungen über das Marktgelände, um den Tschechen ihre Lebensweise und Kultur näherzubringen. Dabei kennen viele der Jüngeren die vietnamesischen Traditionen und auch die Sprache selbst nicht mehr so genau. Oft bestehen deshalb Sprachbarrieren zwischen Eltern und Kindern. Duc etwa hat erst zu seinen vietnamesischen Wurzeln gefunden, als seine Eltern ihn nach Sapa mitnahmen. Auch Tung war früh mit seiner Identität als Tschecho-Vietnamese konfrontiert: In seiner Kindheit war er rassistischen Anfeindungen ausgesetzt. Heute führt er mehrere Firmen in Sapa, während Duc für ein großes Finanzunternehmen arbeitet. Ihren Aufstieg haben sich beide hart erarbeitet, und engagieren sich noch zusätzlich für ihre Gemeinschaft. Sie sind Mitbegründer des Kultur-Vereins Viet Up, der im Herbst das "Bananen-Fest" im Zentrum von Prag veranstaltet, um Tschechen die vietnamesische Kultur zu zeigen.
20:15
Mehr als 2.000 Jahre lang wähnte sich China im Zentrum der Welt, ohne ernstzunehmende Gegner und hermetisch abgeriegelt von Fremden, die allesamt als unbedeutende Barbaren galten. Doch im 19. Jahrhundert sah sich das Reich der Mitte mit der geballten Macht Europas konfrontiert. Ein brutaler Schock, der das Land fast vernichtet hätte. Aber China gab sich nicht geschlagen, sondern interessierte sich zunehmend für neue Ideen aus aller Welt - aus Russland, Deutschland, Japan und den USA - und machte sie sich zunutze. Von den luxuriösen Kaiserpalästen bis zu den überfüllten Straßen Pekings, von durch Krieg und Hungersnot verwüsteten Landstrichen bis zu den Kreisen der im Exil lebenden chinesischen Intellektuellen erfanden außergewöhnliche Frauen und Männer das Land neu. Wie wurde China in anderthalb Jahrhunderten wieder zu dem, was es zwei Jahrtausende lang war: eine führende Weltmacht? Die dreiteilige Dokumentation sucht nach Antworten. Die erste Folge beginnt in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als China angegriffen wird und begreift, dass es sich verändern muss, um nicht unterzugehen. Rebellenführer, Mandarine und mächtige Frauen kämpfen im Namen von Idealen, die uns heute widersprüchlich erscheinen, und verbinden dabei Anschauungen aus der chinesischen Tradition mit Elementen des Christentums, des Nationalismus und des Feminismus. In diesem halben Jahrhundert steht das Land am Rande des Abgrunds und sucht nach einem Weg zu überleben. Ohne seine Identität preiszugeben, passt es sich der neuen Lage an.
21:05
Diese Folge der Dokumentationsreihe thematisiert einen entscheidenden Moment in der chinesischen Geschichte: Von den westlichen Staaten umworben und von Japan bedroht, muss China sich zwischen liberaler Demokratie, Konfuzianismus und Kommunismus entscheiden. Der Konflikt zwischen zwei unerbittlichen Rivalen gefährdet das Erbe von Sun Yat-sen: Ein Kampf auf Leben und Tod entscheidet über die Zukunft Chinas zwischen Mao Zedongs aufsteigendem Kommunismus und der nationalistischen Bewegung unter Chiang Kai-shek.
22:05
In dieser Folge geht es um die Ideale und den Terror der Kulturrevolution, die Millionen Opfer fordert. Auch im Westen begeisterte Maos "kleines rotes Buch" zunächst viele. Später etabliert sich China zunehmend als wirtschaftliche Großmacht. Mit dem Beitritt zur Welthandelsorganisation entstehen hohe Erwartungen. Maoistinnen und Maoisten aus Afrika, Amerika und Europa sowie Politikerinnen und Politiker, Staatsmänner und Geschäftsleute berichten aus ihrer Sicht über dieses Kapitel der chinesischen Geschichte. Es ist der Weg eines Landes zwischen kapitalistischer Marktwirtschaft und chinesischem Sozialismus - bei anhaltenden, flächendeckenden Menschenrechtsverletzungen.
23:00
China verfolgt auf dem Balkan eine besondere Geostrategie. Anhand von Investitionen und Infrastrukturprojekten in Serbien und Montenegro analysiert die Dokumentation, wie China diese Länder an sich bindet. Eine Abhängigkeit zu einem hohen Preis - für sein Engagement erwartet China im Gegenzug politische Solidarität. Wenn es etwa bei den UN um Menschenrechtsfragen geht, steht Serbien stets auf Chinas Seite. "Stille Invasion" zeigt, wie geheime Verträge chinesischer Staatsunternehmen mit den Westbalkan-Ländern die lokale Zivilgesellschaft von der Teilhabe ausschließen. Doch die Bürger werden aktiv: Beim Bau der größten Reifenfabrik Europas durch den chinesischen Linglong-Konzern sind es journalistische Recherchen, die die Ausbeutung von Arbeitern aufdecken. Bei der Übernahme der Kupfermine in Bor durch den chinesischen Zijin-Konzern machen Journalisten und Experten die entstandene Luftverschmutzung öffentlich. Kritiker der zuständigen staatlichen Behörde werden daraufhin von der Regierung zum Schweigen gebracht. Als in Belgrad - trotz einer der niedrigsten Kriminalitätsraten Europas - flächendeckend Überwachungskameras von Huawei installiert werden, machen Belgrader Aktivisten auf den stillen Pakt zwischen ihrer Regierung und China aufmerksam. Die Dokumentation untersucht, wie rücksichtslos durchgeführte Großprojekte die Umwelt gnadenlos zerstören und wie Chinas "Stille Invasion" den autoritären Charakter der Westbalkanstaaten festigt, indem sie bewusst die Grundsätze der Rechtsstaatlichkeit verletzt.
23:55