04:05
Die Kunstfotografie eröffnet neue Perspektiven auf die Tierwelt. Die zweite Staffel der Serie "Tierisch fotogen" stellt fünf internationale Fotografen und Fotografinnen vor, die Tiere in ungewöhnlichen künstlerischen Zusammenhängen zeigen und die Beziehung zwischen Mensch und Tier neu hinterfragen. Der polnische Fotograf Tomasz Gudzowaty arbeitet mit seriellen Motiven, seine eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Bilder erinnern an Gemälde. Die Italienerin Diana Bagnoli richtet ihren Blick auf das Zusammenleben von Mensch und Haustier und entdeckt darin oft skurrile Momente. Der Spanier Miguel Vallinas erschafft surreale Figuren: Tierköpfe mit menschlichen Körpern. Die französische Fotografin Clarisse Rebotier inszeniert ungeliebte Tiere wie Spinnen oder Ratten mit Humor und Theatralik. Die deutsche Fotografin Yana Wernicke richtet ihren Blick auf die Beziehung zwischen Mensch und sogenannten Nutztieren. In poetischen, oft in Schwarz-Weiß gehaltenen Bildern zeigt sie Kühe, Schweine oder Wasserbüffel als individuelle Persönlichkeiten. Ihre Fotografien entstehen meist aus der Beobachtung heraus und leben von Gesten, Berührungen und dem Vertrauen zwischen Mensch und Tier. Wernicke interessiert sich besonders für Details und ungewohnte Ausschnitte von Tierkörpern, die Nähe herstellen und neue Perspektiven eröffnen. Auch das Rehkitz taucht in ihren Bildern auf - ein vertrautes Naturmotiv, dessen symbolische Aufladung sie hinterfragt. So entstehen sensible Bilder, die den Blick auf Tiere verändern und sie als fühlende Wesen sichtbar machen.
05:00
05:55
Serge Denoix und seine Partnerin Laurence Beaufils haben den sprichwörtlichen grünen Daumen. Die Liebe zur Gartenkunst hat sie schon immer verbunden. Doch nicht nur das: Neben allem, was blüht und grünt, interessieren sich die beiden auch für die alten Werkzeuge, mit denen ihre Gärtnerkolleginnen und -kollegen über die vergangenen Jahrhunderte hinweg ihren Beruf ausgeübt haben. Doch die Funktion manch eines Gerätes ist heute kaum mehr auf Anhieb ersichtlich. So haben die passionierten Sammler immer wieder Fundstücke vor sich, deren Zweck und Ursprung sie erst in mühevoller Recherche herausfinden müssen. Neben dem Durchforsten alter Nachschlagewerke helfen ihnen dabei befreundete Landwirte, Handwerker oder auch Antiquitätenhändler. Bei vielen der alten Werkzeuge hat das enorme Alter zudem seine Spuren hinterlassen. Sie sind kaputt oder abgenutzt und müssen erst in aufwändiger Arbeit von Hand restauriert werden. Eines dieser Stücke ist ein alter Blumenpflücker, den Serge und Laurence nun bei einem Goldschmied in Ordnung bringen lassen wollen. Wird es der Experte schaffen, das fragile Kleinod wieder funktionsfähig zu machen?
06:50
Gurken, Kimchi und Kombucha: Was früher reine Vorratshaltung war, ist heute Trendthema in Küche, Wissenschaft und Popkultur. Beim Fermentieren überlässt man Mikroben die Arbeit - für mehr Geschmack, Haltbarkeit und auch mehr Gesundheit. In Oberfranken entdeckt eine solidarische Landwirtschaft die Kunst der Haltbarmachung wieder, im Elsass zeigt ein Landwirt, wie er den Kohl für sein feines Sauerkraut anbaut und verarbeitet. Und im Spreewald verrät Manuela Filko das Rezept für ihre saftigen Spreewaldgurken. Köchin Lucie Fischer-Chapalain bereitet scharfes Kimchi und rosiges Kombucha zu. Außerdem testet sie fermentierte Köstlichkeiten von Camembert bis Surströmming - das wird auch mal zur geschmacklichen Herausforderung ...
07:20
(1): Kasachstan: Kamera läuft! (2): Le Havre, eine transatlantische Stadt (3): Kroatien: Renés Truthahnbraten (4): Elfenbeinküste: Die Legende Picassos
08:05
(1): Usbekistan: Die Odyssee des Fotografen Paul Nadar (2): Mauges: Ein Industriegebiet auf dem Land (3): Hamburg: Alex' Rundstück warm (4): Washington: Spiel mit der Angst
08:55
Lange Tage, kaum Freizeit und viel Schufterei - Landwirtschaft war schon immer ein harter Job. Mit ländlicher Idylle hat das Leben auf dem Bauernhof auch heute wenig zu tun. Die Produktion unserer Lebensmittel hat sich im vergangenen Jahrhundert zunehmend industrialisiert. Die Landwirtschaft in Deutschland und im Nachbarland Frankreich hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1990er Jahre dramatisch verändert. In den harten und entbehrungsreichen Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg dienten noch Pferde und Ochsen als Zugtiere, und ein Großteil der Arbeit auf den Feldern wurde von Hand erledigt. In den 1950er und 1960er Jahren erleichterte der Einsatz von Traktoren, Mähdreschern und Melkmaschinen die bäuerliche Arbeit und führte zu einer erheblichen Steigerung der Erträge. Gleichzeitig brachte die Mechanisierung eine drastische Reduzierung der in der Landwirtschaft beschäftigten Personen mit sich, was sich auch auf das Leben in den Dörfern auswirkte. Historische Aufnahmen und emotionale Berichte von Zeitzeugen beleuchten, wie unterschiedlich die Entwicklung in Ost und West verlief. Während man in der Bundesrepublik und in Frankreich vor allem auf kleinere, familiengeführte Betriebe setzte, wurden in der DDR Großgrundbesitzer entschädigungslos enteignet und das konfiszierte Land wurde neu verteilt. Für mehr als 200.000 Landlose und ihre Familien bot sich so die Chance, eine Existenz als selbstständige Kleinbauern aufzubauen. Später wurden jedoch alle selbstständigen Bauern zum Eintritt in landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften gezwungen. Um dieser Zwangskollektivierung zu entgehen, flohen viele Bauern in den Westen, wo die rasche Modernisierung der Landwirtschaft erheblich zum sogenannten Wirtschaftswunder beitrug.
09:40
Seit den 1960er Jahren hält moderne Technik Einzug in die Landwirtschaft. Auch in der DDR spielen Maschinen eine immer größere Rolle. Immer größere Flächen, immer leistungsstärkere Maschinen - nur auf diese Art, so scheint es, können landwirtschaftliche Betriebe überleben. Durch die Mechanisierung nimmt die Zahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft immer mehr ab. Das hat auch Einfluss auf das Leben in den Dörfern. "Wachsen oder weichen", war das Motto in Westdeutschland - und wer bei diesem Modernisierungsrausch nicht mitzog, blieb auf der Strecke. Jeder musste mit anpacken, selbst die Kinder. So erging es auch Ewald Frie, der einen Bestseller über seine Familie und das Landleben veröffentlichte. Doch trotz Mechanisierung musste in den 1970er Jahren jeder fünfte landwirtschaftliche Betrieb in der Bundesrepublik aufgeben. Daran änderten die Subventionen der EU-Agrarpolitik nichts. Auch in der DDR schritt die Industrialisierung der Landwirtschaft unaufhaltsam voran: Bereits in den 1960er Jahren entstanden dort gigantische Anlagen, in denen Tausende Nutztiere auf engstem Raum gehalten wurden. Doch die Massentierhaltung sowie der starke Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden schadeten der Umwelt - im Osten wie im Westen. Anfang der 1980er Jahre kam es bei einigen zu einem Bewusstseinswandel: Inspiriert durch die aufkommende Öko-Bewegung entschlossen sich die ersten Landwirte, ganz auf den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel zu verzichten. Es ist der Beginn des Bio-Booms in der Landwirtschaft.
10:25
Es ist wie eine Zeitreise zurück ins Mittelalter. Damals kamen auch am Fuß der Karpaten erste Siedler an. Sie fällten den Urwald, schufen Kirchenburgen, Dörfer, Äcker. Viele wurden freie Bauern und nannten ihre neue Heimat Siebenbürgen. Sie drängten die Wildnis zurück - und die Natur wurde bunter und vielfältiger als je zuvor. Wie ging das? Damals war eine solche Artenvielfalt in Europa weit verbreitet. Aber heute finden wir sie nur noch in Rumänien. Die Brüder Wolfgang und Hermann Baak sind die letzten Kleinbauern im Dorf Malmkrog, die ihr Land mit einfacher Technik und Pferden noch fast mittelalterlich bewirtschaften. Sie zeigen uns, wie seit der Besiedelung aus Wildnis Kulturland geschaffen wurde und bis heute erhalten wird. Hier können auf nur zehn Quadratmetern Wiese 99 Pflanzenarten wachsen - ein Rekord der Artenvielfalt. Und das alles nur, weil die Bauern hier wie früher nicht düngen, und einmal im Jahr mähen. Von der Pflanzenvielfalt profitieren Schmetterlinge, von denen manche als Raupe nur an einer einzigen Pflanzenart fressen. So können hier auf nur zwei Quadratkilometern unglaubliche 1.500 Schmetterlingsarten leben. Braunbären kommen aus dem Schutz des Waldes auf die Wiesen, um wie Kühe die Vielfalt der Kräuter abzuweiden. Rotfüchse füttern ihre Welpen mit den Wühlmäusen, die hier seit dem Mittelalter bevorzugt leben. Weil die Bauern Heu und Weideland für ihr Vieh brauchten, schufen sie mit den Heuwiesen unabsichtlich Siebenbürgens größten Naturschatz. Aber jetzt geben immer mehr Kleinbauern auf, und die industrielle Landwirtschaft übernimmt. Heuwiesen werden zu Äckern umgepflügt, ihre Lebensgemeinschaft zerstört. Noch ist Siebenbürgens Natur mit ihrem Artenreichtum einzigartig in Europa. Aber wird sie in ihrer mittelalterlichen Fülle weiterbestehen?
11:25
Was Europa bewegt
11:55
(1): Sartù di riso, Neapels Antwort auf Risotto (2): Nostalgiegeschmack: Erminia, eine Neapolitanerin im Burgund (3): Ran an die Töpfe!
12:25
(1): Dédé Saint-Prix, der Barde von Martinique (2): Kasachstan: Viel besungenes Nomadenleben (3): Bretagne: Jakobsmuscheln und Andouille von Sandrine (4): Bayern: Die Abtei der Überlebenden
13:10
(1): Thessaloniki: Nìkos Kokàntzis' verlorene Liebe (2): Québec: Eishockey - König des Sports (3): Guatemala: Nohelias Festtagsragout (4): Rom: Zeit, halte inne!
14:00
Yvonne Gaspers, 37 Jahre alt und ledig, ist seit zehn Tagen verschwunden. Sie arbeitet als Steuerprüferin beim Finanzamt, und auch dort wundert man sich, wo sie steckt. Ihre Schwester alarmiert die Polizei Mönchengladbach. Lee Sooyoung von der Vermisstenstelle nimmt sich der Meldung an. Überraschend findet sie Ingo Thiels Visitenkarte in der Manteltasche der Vermissten. Sooyoung zögert nicht lange und ruft den Kollegen hinzu. Er kenne sie, sagt Thiel, aber nur flüchtig. Er sei mit Yvonne auf ein Date gegangen, es sei jedoch bei nur einem Treffen geblieben. Als Thiel dann in der Wohnung der Vermissten steht, bemerkt er einen flüchtigen, aber unverwechselbaren Geruch. Sofort ruft er die Spurensicherung hinzu. Und sein Instinkt trügt keineswegs: Hier wurde akribisch und mit Hilfe von Chemikalien geputzt. Für Thiel scheint klar, dass hier jemand die Spuren eines Verbrechens verwischt hat. Trotzdem: Ohne Leiche und entsprechende Indizien fehlen die Voraussetzungen, um ein Ermittlungsteam zusammenzustellen. Das sehen zumindest Thiels Kollegen so und werfen ihm vor, dass ihm in dem Fall die emotionale Distanz fehle. Sie haben den Eindruck, ihr Chef verheimliche ihnen etwas, und warnen ihn, sich nicht zu verrennen. Doch er lässt nicht locker, denn Yvonne könnte noch am Leben sein. Entgegen den Mahnungen seines Teams nimmt Thiel die Ermittlungen auf eigene Faust auf. Für ihn ist es längst ein Fall. Und zwar einer, der ihn auf der Suche nach Antworten bis ans Mittelmeer führt.
15:35
Durch Wind, Gischt und Stürme getrieben, sind Dünen ständig in Bewegung. Bisweilen drohen sie, ganze Straßen oder sogar Städte unter sich zu begraben. Zur Befestigung der wandernden Sandriesen wurden Bäume und andere Gewächse gepflanzt. Doch heute gefährden Klimawandel, Urbanisierung und invasive Pflanzenarten diese einzigartige Landschaft. Im Golf von Biskaya bewegt sich die höchste Düne Europas, die Düne von Pilat, unter dem Einfluss von Wind und Gezeiten um ein bis fünf Meter pro Jahr. Seit ein verheerender Brand im Jahr 2022 das dortige Waldgebiet verwüstete, arbeitet der zuständige Forstwirt Fabrice Carré unermüdlich daran, das Gleichgewicht zwischen Düne und Kiefernwald wiederherzustellen. Weiter im Süden, in Capbreton, belebt Kellermeister Alan Lesbordes die lokale Tradition des Weinbaus im Sand wieder. Auf der Halbinsel Quiberon, wo sich die größte Dünenlandschaft der Bretagne befindet, wird die geschützte Flora allmählich von invasiven Pflanzenarten verdrängt. Mithilfe der beiden Zugpferde Sorgho und Coco reißt Sabine Ledan Kreuzsträucher aus dem Boden, die sich stark vermehrt haben. Parallel dazu katalogisiert Mickaël Ouisse vom Französischen Nationalforstamt die vorhandenen Pflanzenarten. Gemeinsam bemühen sie sich um eine Zukunft mit der Natur im Schatten der Dünenriesen.
16:00
Uneinnehmbare Festungen, Heimstätten der Schönen und Reichen, machtstrotzende Prachtbauten: Europa ist von Burgen übersät. Bis heute regen diese stummen Zeugen des Mittelalters die Fantasie an. Für den Menschen sind sie Portale in eine weit entfernte Welt und in eine Zeit, in der Burgen entscheidend waren für die Ränkespiele und Kriege der Mächtigen. Sie dienten der Abwehr von Angriffen, wurden belagert, bargen Schätze, hielten Gefangene fest. Mancherorts hat jedoch die Legende die Realität überlagert: Kerker, in denen nie ein Gefangener saß; Fluchttunnel, durch die niemand in die Freiheit floh; und Turniere, für die auf Burgen in Wahrheit gar kein Platz war. Schon die Menschen im Mittelalter arbeiteten gern am "Mythos Burg". Dieser Mythos hat sich bis in die heutige Zeit erhalten. Dabei gibt es jenseits des Mythos erstaunliche Fakten über die mittelalterlichen Bauten zu entdecken. Wer weiß schon, dass Burgen lange Zeit aus Holz errichtet wurden? Dass Windsor Castle anfangs nur aus einem einzigen Turm bestand? Und dass eine der meistbesuchten deutschen Burgen noch heute in Familienbesitz ist? Weil die Quellenlage dünn ist, werden Erkenntnisse über den Burgenbau oft nur durch Experimente wie im französischen Guédelon gewonnen. "Heimat Burg", der erste Teil der zweiteiligen Dokumentation, erzählt abwechslungsreich vom Leben und Alltag auf Burgen. Vom Bau mit seinen finanziellen und technischen Herausforderungen über die Heiztechnik in den alten Gemäuern bis hin zu den gesellschaftlichen Höhepunkten der Feste und Bankette, die vor allem im ausgehenden Mittelalter Glanz in die alten Gemäuer brachten.
16:55
Uneinnehmbar sollten sie sein, diese Machtsymbole des Mittelalters. Burgen wurden genutzt, um einzelne Regionen, sogar ganze Reiche zu sichern. Im Frühmittelalter gab es noch kaum Belagerungsgerät, um die kolossalen Mauern zu durchbrechen. Dennoch fanden Angreifer Mittel und Wege, um eine Burg zu erobern: Wer den längeren Atem hatte, sollte am Ende siegreich sein. Wie sorgten Burginsassen vor, um jahrelange Belagerungen zu überstehen? Wie effektiv waren Katapulte wie die berüchtigte Blide, die damals als "instrumentum diabolicum", ("Teufelswerkzeug") bezeichnet wurde? Und welche Rolle spielte die sogenannte psychologische Kriegsführung beim Kampf um die Burg? Das Ende der Burgen als Bollwerke der Macht läutete der Kanonendonner der ersten Feuerwaffen ein. Eine Modernisierung wäre aufwendig und kostspielig gewesen - aber möglich. Nur wenige Burgherren wagten diesen Schritt. Die meisten verließen ihre Burgen. In den Machtspielen der frühen Neuzeit hatten die Bauwerke nur noch als Reminiszenz an eine vergangene Epoche Platz. Und dies ist bis heute so geblieben, auch wenn moderne Sicherheitsgebäude noch immer auf Elemente aus dem Burgenbau zurückgreifen. Der zweite Teil der Dokumentation, "Bollwerk Burg", erzählt vom Aufstieg und Fall mächtiger Burgen: von den Sicherungsbauten gegen die Ungarneinfälle im 9. und 10. Jahrhundert über den staufischen Burgenboom im 13. Jahrhundert bis zum Bedeutungsverlust durch neue Waffentechnik sowie politische und gesellschaftliche Umbrüche im 15. und 16. Jahrhundert.
17:50
Die Inselgruppe der Magdalenen liegt im Herzen des Sankt-Lorenz-Golf und gehört zur kanadischen Provinz Québec. Ein paradiesischer Archipel, der zugleich als berüchtigtes Hindernis für die Seefahrt gefürchtet ist. Die Nachkommen der Schiffbrüchigen leben noch heute hier gemeinsam mit den französischsprachigen Akadiern. Der Archipel besteht aus einem Dutzend verschiedener Inseln. Sieben sind bewohnt und sechs mit einer Landstraße verbunden, der Route 199. Die Île d'Entree ist nur mit dem Boot erreichbar. Laurence ist eine von knapp sechzig Personen, die hier dauerhaft leben und sich der Entvölkerung der Insel widersetzen. Auf Cap aux Meules betreibt Bernard eine Fahrradwerkstatt und setzt sich für den Ausbau von Fahrradwegen ein. Mit der Umrüstung auf Elektroantriebe will er die Insulaner motivieren, trotz ständigem Gegenwind aufs Rad umzusteigen. Einige Wege wurden durch die starke Erosion weggespült. Die lokale Umweltorganisation Attention Fragile arbeitet mit der Bevölkerung an der Befestigung der Küstenlinie. Auch manche der bedrohten Tierarten suchen auf den Magdalenen Unterschlupf. Für den Gelbfuß-Regenpfeifer ist der Archipel die einzige verbliebene Brutstätte in ganz Québec. Eine seltene Kuhherde produziert die Milch für den Käse und ist Teil der lokalen Kreislaufwirtschaft. Den Elementen der Natur ausgeliefert, sind die Madelinots weitgehend auf sich allein gestellt. Zwischen Wind und Dünen pflegen sie eine lebhafte Kultur, die ihnen hilft, mitten im Sankt-Lorenz-Golf zu überleben.
18:35
Ein kleines Paradies liegt mitten im Sankt-Lorenz-Golf: die Inselgruppe der Magdalenen. Im Nordosten des Archipels hat sie eine eigene Hummerkooperative gegründet. Zwischen Feuer und Wasser pflegen die Madelinots eine lebhafte Kultur, die ihnen hilft im St. Lorenz Golf zu überleben. Der Archipel besteht aus einem Dutzend verschiedener Inseln. Sieben sind bewohnt und sechs mit einer Landstraße verbunden, der Route 199. Rund 300 Kilometer Strand sind gesäumt von Schiffsracks, meist aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Charles war 38 Jahre bei der Küstenwache und versucht seit Jahren das Geheimnis um die verschollene Simcoe zu lösen. Was es bedeutet auf See zu verunglücken, musste Claude erleben. Der ehemalige Hummerfänger hat sich ein neues Leben aufgebaut. Der Hummerfang gehört zur Identität der Madelinots. Während der neunwöchigen Saison fährt Gaston jeden Morgen um fünf Uhr raus. Der Bestand hat sich aufgrund der strengen Regularien erholt. Nicht so beim Hering. Die traditionelle Hering-Räucherei ist weitgehend ausgestorben. Benoit ist der Einzige, der seinen Betrieb aufrechterhalten hat und innerhalb der lokalen Kreislaufwirtschaft, aus Kunst, Handwerk und Lebensmittelherstellung geräucherten Fisch produziert. Zusammenhalt ist hier draußen überlebenswichtig.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Seit einigen Jahren erlebt der Nachtzug eine leise Renaissance. Zwischen Ost und West entsteht ein Netz, geprägt von Idealismus, wirtschaftlichem Risiko und wachsendem Druck, klimaschonender zu reisen. Michal Jaros (29), ein junger Steward aus Prag, schaute schon als Kind sehnsüchtig den Zügen hinterher. Inzwischen arbeitet er für das tschechische Bahn-Unternehmen CD Night und fährt regelmäßig mit dem Nachtzug Canopus von Prag nach Zürich. CD Night arbeitet in Kooperation mit der Deutschen Bahn, die 2016 alle ihre Nachtzüge als unrentabel abgestoßen hat. Michal und seine Kollegen blicken mit Idealismus in ihrem Glauben in die Zukunft der Nachtzüge. "Prag ist ein Knotenpunkt zwischen Ost und West", sagt er begeistert. "Unsere Züge verbinden Europa - das macht diesen Job so spannend." Gegen Abend erwacht der Bahnhof zum Leben: Nachtzüge rollen in alle Richtungen - nach Österreich, in die Ukraine, nach Polen und Richtung Norden nach Deutschland. Aber die unterschiedlichen nationalen Regelungen und die Verspätungen durch die Baustellen der Deutschen Bahn machen ihnen sehr zu schaffen. Europa brauche ein vereintes Netz an Nachtzugverbindungen und keinen Flickenteppich, meint Bernhard Knierim vom Bahnnetzwerk Back on Track. Er organisiert eine Pyjamademo in Berlin, bei der Menschen in Schlafanzügen mehr Schlafwagen und bezahlbare Nachtzugverbindungen fordern. Das Besondere an der Demo: Sie findet auf 20 Bahnhöfen in ganz Europa gleichzeitig statt. Ein Symbol! Auch in Malmö, Paris, Stockholm oder Lissabon fordern Menschen, dass Reisemöglichkeiten auf der Schiene ausbaut werden.
20:15
Südstaaten der USA, 1940er Jahre: Als die jüdische Witwe Daisy eines Morgens den Vorwärts- mit dem Rückwärtsgang vertauscht und ihren Chrysler in den Vorgarten der Nachbarn setzt, entscheidet ihr Sohn Boolie, dass sie nicht mehr selbst Auto fahren soll. Er engagiert den ebenso betagten Hoke als Chauffeur. Die pensionierte Lehrerin schämt sich für ihren Unfall, versucht jedoch, sich davon nichts anmerken zu lassen. Verbissen und schlagfertig wehrt sie sich gegen die Bevormundung durch ihren Sohn und gegen Hoke, einen Schwarzen, von dem sie sich nicht fahren lassen will und den sie tagelang nur im Haus herumsitzen lässt. Doch Daisy braucht das Auto, und Hoke braucht einen Job. Langsam nähern sich die beiden an. Können sie vielleicht etwas voneinander lernen? Der Film thematisiert Sklaverei und Rassismus in den USA ebenso wie antisemitische Vorurteile und einen Bombenanschlag auf eine Synagoge. Die vielfach preisgekrönte Tragikomödie entblößt unverhohlen eine bittere Realität.
21:50
Als der Mexikaner Juan Miranda ausnahmsweise in eine komfortable Reisekutsche zusteigen darf, kommt ihm zu Ohren, was feine Herrschaften über ihn und seinesgleichen denken. Es dauert allerdings nicht lange, da zittert die hochnäsige Gesellschaft vor ihm, denn Juan entpuppt sich als Wegelagerer und Anführer einer Bande. Kurz darauf lernt Juan auf spektakuläre Weise Sean Mallory kennen. Der irische Ex-Revolutionär knattert auf einem Motorrad durch die Gegend und trägt so viel Dynamit und Nitroglyzerin am Leibe, dass er ganz Mexiko in die Luft jagen könnte. Juan will Mallory unbedingt dafür gewinnen, mit ihm die Bank in Mesa Verde auszurauben. Zunächst zeigt sich der Ire wenig begeistert, aber nach anfänglichen Schwierigkeiten kommen die beiden doch zusammen. Als Mallory schließlich für Juan den Weg freisprengt, erlebt der eine Überraschung ... und wird bald als revolutionärer Held gefeiert, obwohl er gar nichts von der Revolution hält. Rod Steiger und James Coburn spielen die Hauptrollen in Sergio Leones actionreichem Italo-Western. Die mexikanische Revolution bietet den effektvollen Hintergrund für diese Geschichte einer Freundschaft zwischen zwei sehr verschiedenen Männern.