05:20
Seit 50 Jahren widmet sich Jean-Paul Salasse dem Erhalt der Garrigue. Er kennt die Pflanzen hier und ist mit den typischen Gerüchen der Strauchheide vertraut. Auf geführten Wanderungen sensibilisiert er die Menschen für die Schönheit dieser wenig bekannten Landschaft und wirbt so für ihren Schutz. Eric Prioré durchstreift die Garrigue mit seiner Rove-Ziegenherde. Die Gemeinde Septème-les-Vallons hat ihm für die 125 Tiere insgesamt 600 Hektar Land zur Verfügung gestellt. Rove-Ziegen ernähren sich von Büschen und Pflanzen, halten die Vegetation kurz und verhindern so die Ausweitung von Bränden. So findet die lokale Ziegenrasse, die schon fast ausgestorben war, in der Garrigue wieder ihren Platz. Im Herzen der korsischen Macchia ernten Sophia und ihr Vater Albrecht italienische Immortellen. Aufgrund der steigenden Nachfrage nach den für die Region so symbolträchtigen Blumen sind die beiden vom Sammeln wilder Exemplare der gelben Strohblumen auf nachhaltigen Anbau umgestiegen - ganz ohne Bewässerung und Dünger. Yves Elie und seine Frau Chantal wollen das Gleichgewicht zwischen Pflanzen und Bienen wiederherstellen. Dazu haben sie die Wildform der Dunklen Europäischen Honigbiene erfolgreich wieder angesiedelt, um die Flora auf den Heideflächen zu erhalten und der Garrigue so neues Leben einzuhauchen.
05:45
Die größte Artenvielfalt herrscht dort, wo große Weidetiere Teil des Lebensraums sind. Große Teile Europas müssen einmal halboffene Graslandschaften gewesen sein und nicht etwa dicht bewaldet, wie man bislang vielfach angenommen hat. Das legen einerseits die Pflanzen des Grünlandes nahe, die enorm artenreich und samt und sonders mit zahllosen Anpassungen an große Weidetiere ausgestattet sind. Doch die artenreiche Großtierfauna ist mit dem Auftreten des modernen Menschen nahezu aus Europa verschwunden. Die schiere Anzahl an Offenlandarten belegt, dass es sich beim Grasland kaum um ein künstliches, vom Menschen "erfundenes" System handelt. Die Dokumentation zeigt, dass Gebiete mit sogenanntem Rewilding und naturnaher Ganzjahresbeweidung viel artenreicher sind als jene, die sich selbst überlassen sind und in denen keine Beweidung stattfindet. Letztlich bleibt die Erkenntnis, dass wilde Weiden, auf denen Wald und Offenland untrennbar miteinander vermischt sind, einer echten Wildnis ziemlich nahekommen, weil auf ihnen Haustiere als Stellvertreter für die ausgerotteten großen Pflanzenfresser grasen. Die Dokumentation stellt nicht nur Tiere und Pflanzen vor, die in solchen Gebieten zu finden sind, sondern offenbart auch die große Chance, die in diesem Thema liegt - nicht nur, weil wilde Weiden nachweislich mehr Kohlenstoff speichern als der Wald. Der Mensch hat durch das Verdrängen der großen Pflanzenfresser die Welt für alle Zeiten verändert. Nun muss er sich entscheiden, welche natürlichen oder naturnahen Prozesse er in seiner Umwelt zulässt.
06:30
Die Dokumentation erzählt von dem ehrgeizigen Versuch, eine ausgestorbene Tierart wieder zum Leben zu erwecken: den Auerochsen. Wie kein anderes prägte das mythische Tier die Landschaft dieses Kontinents. Durch ein großangelegtes Programm, das mehrere europäische Länder und Universitäten umfasst, soll das ehemals größte Landtier des Kontinents in die Natur zurückkehren - mit Hilfe einer Kombination aus moderner Gentechnik und wissenschaftlichen Zuchtmethoden. In einer filmischen Reise vom trockenen Spanien bis zur Bergwildnis des Velebit in Kroatien erleben wir einige der großartigsten Landschaften Europas. Mit modernsten technischen Mitteln wird das bisher unbekannte Leben eines mythischen Tieres enthüllt. Zum ersten Mal sehen wir, wie Auerochsen in der Wildnis leben, wie sie ihre Jungen aufziehen, sich vor Feinden schützen, die Rangordnung innerhalb der Herde festlegen und wie sie noch nach ihrem Leben zum Erhalt ihres Lebensraumes beitragen. Der Film schlägt aber nicht nur geografisch eine Brücke vom äußersten Westen bis zum Osten des Kontinents, sondern verbindet auch die Vergangenheit mit der Zukunft. Vor 30.000 Jahren entstanden die ältesten Kunstwerke der Menschheit in unzugänglichen Höhlen in Frankreich. Sie zeigen das für unsere Vorfahren bedeutendste Tier, den Auerochsen. Heute wird in futuristischen Hightech-Labors an der Rückkehr des "Königs der Wildnis" gearbeitet.
07:15
Das irische Wort "boireann" bedeutet etwa "felsiger Ort", denn charakteristisch für den Burren ist seine hügelige Karstlandschaft aus silbrig glänzendem Kalkstein, die von zahllosen Spalten und unterirdischen Höhlen durchzogen ist. Auf den ersten Blick wirkt der Burren wie ausgestorben, doch das Leben gedeiht hier in einer Vielfalt, wie sie sonst nirgendwo in Irland zu finden ist. Seltene arktische und mediterrane Blühpflanzen entfalten ihre Pracht in den Felsspalten, mächtige Raubvögel nisten in den Ruinen mittelalterlicher Abteien, Singschwäne aus Island überwintern auf geheimnisvollen, plötzlich verschwindenden Seen, und die riesige Unterwelt des Burren mit ihren Höhlen und Einflugöffnungen für Schwalben ist ein perfektes Versteck für unzählige gefährdete Tiere. Die Höhlen bergen auch viele Geheimnisse aus der Vergangenheit und Naturgeschichte Irlands. Mit mehr Schmetterlingsarten als irgendwo sonst im Land und einigen der stärksten Säugetierpopulationen - vor allem des beliebten irischen Hermelins und des scheuen Baummarders - ist der Burren aufgrund seiner biologischen Vielfalt von internationaler Bedeutung. Es ist dank der umsichtigen Pflege durch Menschen, die dieses steinige Land seit Jahrtausenden bewirtschaften und verwalten, auch aus botanischer Sicht ein echtes Paradies. Die Dokumentation zeigt die Widersprüche einer Naturlandschaft, die vor Tausenden von Jahren durch menschliche Zerstörung entstanden ist und auch heute noch menschlicher Eingriffe bedarf, um sie als den Schatz zu erhalten, zu dem sie geworden ist.
08:00
Tausende Amphibien erwachen aus der Winterstarre und machen sich instinktiv auf den Weg zu ihren Laichgebieten: Der Frühling ist in Estland eingekehrt. Die Biologin Katerina Pesocki vom Estnischen Naturkundemuseum in Tallinn kämpft für den Naturschutz der Amphibien. Zusammen mit Helferinnen und Helfern, Aktivistinnen und Aktivisten vom Estnischen Naturfonds organisiert sie seit einigen Jahren groß angelegte Rettungsaktionen, speziell zur alljährlichen Massenwanderung der Kröten im Frühjahr. Wenn die Tiere ihren Instinkt-geleiteten Marsch antreten, engagieren sich Freiwillige in ganz unterschiedlichen Teilen Estlands. Sie befördern in wenigen Tagen und Nächten Tausende Kröten und Frösche sicher über die Straßen. Doch wo genau werden die Tiere wandern? Und vor allem wann? Katerinas Fachkenntnisse sind gerade für die Einsatzplanung unabdingbar. Mit Beginn der warmen Frühlingstage kriechen zunächst nur vereinzelt die ersten Frösche und Kröten aus ihrem Erdunterschlupf an die Oberfläche. Alle versuchen, zu ihrem jeweils individuellen Heimatteich zurückzukehren, um sich fortpflanzen. Oft wird es eine beschwerliche Wanderung. Zur Laichablage und Befruchtung herrscht ein großes Gewimmel unter der Wasseroberfläche. Die größeren Weibchen werden von unzähligen Männchen umworben, die sich rücklings an ihre Auserwählte klammern. Die eigentliche Herausforderung aber ist der Autoverkehr, gerade in und um Tallinn. Viele Frosch- und Krötenwanderwege führen über Straßen, weshalb zur Krötenwanderung viele Tiere überfahren werden. Die Helferinnen und Helfer werden also dringend gebraucht, damit Estlands Kröten und Frösche ihren Platz in der Natur des Landes behalten können.
08:55
Der kultige Motorsport ist vor allem Hobby der "Chicanos", wie sich die Bevölkerung mit mexikanischen Wurzeln selbst nennt. Während andere Autos immer höher gelegt wurden, legten sie ihre Karosserien derart tief, dass sie den Asphalt zu berühren scheinen. Hydraulikmotoren von Müll-Lastern waren die Inspiration der ersten Lowrider, ihre Wagen auch in schiefe Lagen zu bringen oder sogar springen zu lassen. Die "First Class Ladies" gehören zu den ersten Frauenclubs in der Szene. Die sechs Mitglieder wollen das Image der Lowrider aufpolieren, denn die tätowierte Menge mit den schrägen Autos ist vielen suspekt. Der Club will Gutes tun und sammelt Spenden für die Obdachlosen von L.A. Gladys Ramos hingegen geht ihren ganz eigenen Weg. Die 43-Jährige hat es auch satt, sich von Männern Vorschriften machen zu lassen. Sie will das "Hoppen" unbedingt lernen, auch wenn das nicht einfach wird. Die 28-jährige Jazmin Lopez ist noch viel provokanter: Die Mutter zweier Kinder lässt bereits ihren Wagen beachtlich hochspringen. Es kracht und knarzt dabei - nicht selten fliegen durch die Wucht des Hüpfens Teile durch die Luft. Ein schräger Freizeitspaß, bei dem immer wieder auch mal Batterien explodieren oder Autos brennen können.
09:50
(1): Neshani Andreas, die Stimme der Frauen Namibias (2): Namibia: Ein Wüstenvolk unter sich (3): Namibia: Diamantensicherung in der Wüste
10:30
(1): Jorge Amados Laudatio auf die Arbeiterklasse (2): Kakao, das schwarze Gold von Bahia (3): Iracemas pikante Garnelenkrapfen (4): Der Sklavenaufstand von Salvador de Bahia
11:20
Früher stand fast vor jedem Haus ein Holunderstrauch - man schrieb ihm schützende Kräfte zu. Nach alten germanischen Legenden wohnte die Göttin Holla zwischen seinen Zweigen. Schüttelte sie die Äste, fielen die Blüten wie Schneeflocken zu Boden - ein Bild, das später in das Märchen "Frau Holle" der Brüder Grimm einging. Elfi und Lars Triebe bewirtschaften seit 30 Jahren ein Obstgut, auf dem sie Äpfel, Birnen, Kirschen und Zwetschgen anbauen. Am Rande ihrer Plantagen wächst wilder Holunder, dessen weiße Blüten sich im Sommer in tiefschwarze Beeren verwandeln. Diese sind nicht nur reich an Vitaminen, sondern auch kulinarisch vielseitig. Mit ihrem süß-säuerlichen Aroma verfeinern sie zahlreiche Rezepte der spätsommerlichen Küche. Aus den Beeren stellen die Triebes Saft und Gelee für den Eigenbedarf her. Ganz in der Nähe bauen Dorothea Ulrich und Maria Wahle Gemüse an, das sie wöchentlich an Abnehmer aus der Umgebung liefern. Sie setzen auf sogenannte solidarische Landwirtschaft, ein moderner Trend, bei dem Profit zur Nebensache wird. Zum Ende der Erntezeit laden die "SoLaWis" die Familie Triebe und andere Landwirte aus der Gegend zum Erfahrungsaustausch und zum Plauschen bei Zwiebelkuchen und Holunder-Mousse ein.
11:50
Es handelt sich um einen der wichtigsten und spektakulärsten Fälle der Archäologie Mitteleuropas: Das Grab der Schamanin von Bad Dürrenberg ist ein Schlüsselfund aus jener Zeit, als die letzten Gruppen von Jägern und Sammlern durch das heutige Deutschland zogen - einer Zeit, aus der es keine schriftlichen Überlieferungen gibt. Zuerst wurde das Grab von den Nazis geborgen, die das Skelett dem "Ur-Arier" zuordneten. Tatsächlich gehört das Grab einer Frau, die in ihrer Zeit eine machtvolle Position ausübte. Genetische, medizinische und archäologische Untersuchungen zeigen, dass sie dunkelhäutig war, blaue oder graue Augen sowie eine auffällige körperliche Fehlbildung hatte. Als Schamanin war sie wohl eine spirituelle Leitfigur. Die Dokumentation geht von der gravierenden Fehlinterpretation des Grabfundes und seiner Instrumentalisierung im Sinne der nationalsozialistischen Rassentheorie aus und zeigt, wie sich heutige Forschergenerationen fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse akribisch erarbeiten, Artefakte sammeln und von den unterschiedlichsten Disziplinen untersuchen und bewerten lassen. Der Fund kann zudem die These untermauern, welche starken Rollen auch Frauen in der Vorgeschichte einnehmen konnten. Die Geschichte dieser Frau, die mit einem Baby im Arm begraben wurde, fasziniert uns noch 9.000 Jahre nach ihrem Tod. Sie stammt aus einer Zeit, über die immer noch erstaunlich wenig bekannt ist. So führt uns die Schamanin von Bad Dürrenberg zu unseren eigenen europäischen Anfängen zurück.
12:45
An der Seite weltweit bedeutender Maya-Experten unternimmt ARTE eine Reise zu den antiken mittelamerikanischen Monumentalstädten Teotihuacán, Tikal, Calakmul, El Mirador und Copán, die sich mal mit Naachtun verbündeten, mal mit ihm rivalisierten. Bis heute ist es ein Rätsel, warum Naachtun fast 200 Jahre lang den Zusammenbruch der Maya-Zivilisation überlebte. Die klassische Archäologie suchte die Erklärung in der politischen Geschichte der Stadt und in den zahlreichen gefundenen Stelen. Das aus Archäobotanikern, Geografen und Archäozoologen bestehende Ausgrabungsteam von Naachtun verfolgt darüber hinaus einen speziellen, bisher einzigartigen Ansatz: Es interessiert sich auch für die Untersuchung der Umwelt, das heißt für die Beziehungen zwischen den Mayas und dem sie umgebenden Dschungel. So können die Forscher das Alltagsleben der Mayas im Wald, insbesondere die zahlreichen Rituale und Zeremonien, vor Ort untersuchen und neue Erkenntnisse über den Untergang der Maya-Kultur erhalten. "Naachtun: Verborgene Stadt der Mayas" verbindet das archäologische Abenteuer, die historische Untersuchung und den ethnologischen Blick auf das gegenwärtige Naachtun. Durch die gelungene Verknüpfung der geschichtlichen Ereignisse mit den Glaubensvorstellungen der Mayas zeichnet der Film ein lebendiges Bild von der blühenden Kultur der präkolumbischen Welt, von gewaltigen Palästen und Tempeln und großartigen Städten aus Stuck und Stein.
14:20
Italien, 1978: Das gesamte Leben im süditalienischen Apulien scheint in der brütenden Hitze des Sommers fast stillzustehen. In einem kleinen Dorf, dessen wenige Häuser wie verloren zwischen endlosen Weizenfeldern liegen, lebt der neunjährige Michele mit seinen Eltern und seiner Schwester Maria. Während die Erwachsenen vergeblich versuchen, der Hitze zu entgehen, durchstöbern Michele und seine Freunde die Gegend nach Abwechslung und Abenteuern. Auf einem dieser Streifzüge entdeckt der Junge beim Spielen in der Nähe eines verlassenen Gutshauses ein tiefes Loch im Erdboden. Neugierig inspiziert Michele die geheimnisvolle Grube - und macht in der Dunkelheit plötzlich eine gespenstische Gestalt aus. Voller Entsetzen ergreift er die Flucht. Doch die bizarre Begegnung lässt ihm keine Ruhe. Vorsichtig schleicht er sich zu dem Loch zurück und erkennt: Ein Junge wird wie ein Tier in der dunklen Grube gefangen gehalten. Die Finsternis, die Isolation und die Angst haben den Jungen zermürbt; er kann sich kaum mehr klar ausdrücken und ist überzeugt davon, bereits tot zu sein. Michele, der den verwilderten Filippo fortan mit Nahrung versorgt, traut sich nicht, mit seinen Eltern oder seinen Freunden über seine unheimliche Entdeckung zu sprechen. Schließlich kommt er dahinter, dass Männer aus seinem Dorf, darunter auch sein Vater Pino, hinter der ebenso grausamen wie mysteriösen Tat stecken. Fest entschlossen, dem Jungen zu helfen, startet Michele eine gefährliche Rettungsaktion.
15:55
Im Juni 2017 erschütterten zwei Veröffentlichungen in der angesehenen Zeitschrift "Nature" die Wissenschaft. In Marokko hatten Forscher die Überreste von fünf Homo-sapiens-Individuen entdeckt. Sie datierten die Knochen auf ein Alter von etwa 315.000 Jahren - damit war die menschliche Spezies rund 100.000 Jahre älter als bislang angenommen. Mit Hilfe virtueller Paläontologie können neue Informationen aus diesen Fossilien gewonnen werden. Ein Schädel war bereits in den 1960er Jahren gefunden, damals jedoch falsch interpretiert worden. Die jüngsten Funde stellen die bisher gültige Geschichte des Homo sapiens auf den Kopf und machen die marokkanische Fundstätte Jebel Irhoud zum Schauplatz eines der größten wissenschaftlichen Abenteuer des 21. Jahrhunderts.
17:25
Ob über den Aufstand von Landarbeitern in Südafrika, die Situation von Prostituierten in Mexiko oder über die neuen Gastarbeiter in Deutschland ... Das internationale Nachrichtenmagazin berichtet von den Brennpunkten der Welt.
18:20
Paradiesische Strände, Vulkane, Flüsse, Urwälder und eine außergewöhnliche Artenvielfalt: Costa Rica, zwischen Pazifik im Westen und Karibischem Meer im Osten, ist ein beliebtes Urlaubsziel für Ökotouristen. Nicht zuletzt aufgrund seiner zahlreichen Naturschutzgebiete baute sich das nur fünf Millionen Einwohner zählende Land einen soliden Ruf als "grünes Paradies" auf. Der ökologische Garten Eden hat allerdings auch Schattenseiten: Vorherrschen intensiver Landwirtschaft, anarchische Stadtentwicklung, umweltschädlicher Flugverkehr, starkes sozioökonomisches Gefälle, Drogenhandel Dennoch fährt Costa Rica seinen Kurs weiter und präsentiert sich der Welt als Vorzeigeland - ein Erfolg aus eigener Kraft. Die Spanier interessierten sich in den ersten Jahrhunderten der Kolonialisierung nur wenig für das Gebiet, da es offenbar kaum Bodenschätze besaß. Inzwischen hat Costa Rica seine Nische gefunden. Während die meisten Nachbarländer im Verlauf der Jahrhunderte unter bewaffneten Konflikten und grassierender Kriminalität zu leiden hatten, baute sich Costa Rica eine eigene Identität auf: frühe Einführung der Demokratie, innovative Sozialpolitik, Abschaffung der Armee und proaktiver Umweltschutz. Allerdings hat auch dieses Paradies seine Probleme ...
18:35
Weil es nicht mehr genug alte Bäume mit natürlichen Hohlräumen gibt, schlagen die Zeidler - die Waldimker - mit selbst geschmiedeten Werkzeugen Baumbeuten in die Stämme und hoffen, dass sich dort Bienen niederlassen. Wenn das gelingt, greifen sie in das Leben der Bienen so wenig wie möglich ein. Honig wird nur einmal im Jahr geerntet, und das auch nur, wenn die Bienen genug Vorräte für den Winter gesammelt haben. Piotr ist nach seinem Studium in der Stadt mit seiner Familie in den Wald seiner Kindheit zurückgekehrt. Aber der Wald hat sich durch die Forstwirtschaft verändert. Viele Flächen liegen brach. Mit der aus dem Mittelalter stammenden Kunst der Bienenhaltung will Piotr ein Zeichen setzen und zeigen, wie ein Leben im Einklang mit der Natur möglich ist. Dazu hat er sich mit weiteren Zeidlern zu einer Gruppe zusammengeschlossen. Und die Gemeinschaft wächst. Denn diese Art der Bienenhaltung ist für viele eine Inspiration für eine artgerechte Form der Imkerei und für ein Leben im Einklang mit der Natur. Die Dokumentation begleitet Piotr und die Bruderschaft der Zeidler durch den Spätsommer auf dem Weg zum großen Erntefest. Hier steht nicht der Ertrag im Mittelpunkt, hier wird die Zeidlerei gefeiert, die seit 2020 in Polen und Belarus von der Unesco als immaterielles Kulturerbe anerkannt ist.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Luciano Ellena liebt Mulis, seit er denken kann. Nach Jahren in der Stadt Cuneo kehrte er in sein Heimatdorf Chiusa di Pesio zurück und kaufte seinen ersten Muli - Katty. Das war vor 20 Jahren. Er widmet seitdem sein Leben dem aussterbenden Beruf des Säumers - "säumen" bedeutet so viel wie packen, ein Lastentier bepacken. Dafür eignen sich besonders Mulis, eine Kreuzung aus Pferd und Esel. Streng genommen sind es zwei verschiedene Kreuzungen: das Maultier - eine Kreuzung aus Eselhengst und Pferdestute - und der Maulesel - eine Kreuzung aus Pferdehengst und Eselstute. Egal ob Maulesel oder Maultier, die robusten Huftiere existieren nur, weil der Mensch sie miteinander gekreuzt hat. Und ohne Zutun des Menschen würden sie auch nicht weiter existieren: Als Hybriden sind sie in aller Regel nicht fortpflanzungsfähig. Und so arbeitet Luciano nicht nur mit den Mulis, er züchtet sie auch. Seinen Lebensunterhalt bestreitet Luciano ausschließlich mit seinen Mulis; der Sommer zählt zur Hauptsaison. Mal werden die trittsicheren Tiere zum Abgrasen von Wiesen engagiert oder er unternimmt mit Katty als Säumer Transporte ins Gebirge. Wie jetzt, wo Hüttenwirt Paolo seine Schutzhütte in rund 2.350 Meter Höhe für die kommenden drei Monate eröffnen muss. Doch das Wetter ist unberechenbar, und der geplante Lebensmitteltransport mit dem Helikopter zur Hütte droht auszufallen. Zur Eröffnung der Hütte soll Luciano nicht nur mit Muli Katty Lebensmittel zur Hütte transportieren, sondern er will auch seine beste Schülerin Elisa auf den beschwerlichen Weg mitnehmen. Wie wird sich Elisa mit ihrem Muli schlagen - und werden sie rechtzeitig zur Hütteneröffnung oben sein?
20:15
Im Herzen der Wüste von Sakkara - einem der bedeutendsten Friedhöfe des alten Ägyptens, 35 Kilometer südlich von Kairo - liegt die Nekropole von König Pepi I., der vor über 4.200 Jahren über das Land herrschte. Hier liegen auch die wichtigsten Persönlichkeiten des damaligen Königreichs. Bei Ausgrabungen stieß das französisch-schweizerische Archäologen-Team auf ein Rätsel: Die monumentale Autobiografie des dort beigesetzten Mannes ist identisch mit der, die im Grab eines gewissen Ouni, einst Wesir von Pepi I., gefunden wurde - allerdings 400 Kilometer entfernt, in Abydos. Bis auf wenige Details sind die Reliefs, die Höhepunkte im Leben und Heldentaten beschreiben, absolut identisch. Für die Archäologinnen und Archäologen, Ägyptologinnen und Ägyptologen beginnt nun die Forschungsarbeit. Zunächst muss ausgeschlossen werden, dass es sich um einen Usurpator handelt. Als schließlich feststeht, dass das Grab in Sakkara tatsächlich demselben Ouni gehört, kommen drängende Fragen auf. Warum besaß der Mann zwei Gräber? Wo wurde er tatsächlich beigesetzt? Im Zuge der Ausgrabungen bringen zahlreiche Hinweise Licht in das Geheimnis der Mastaba des Wesirs. Doch die Archäologen stoßen auch auf ein Grab von bescheideneren Ausmaßen, das an Ounis Mastaba angrenzt und dem bedeutenden Arzt Teti Nebe Fu gehörte. Dieses Grab aus derselben Epoche ist perfekt erhalten: Die behauenen Blöcke sind intakt und seine prächtigen Malereien sehen aus, als seien sie erst gestern entstanden. Ein selten gut erhaltenes Zeugnis der Grabkunst im Alten Reich, dem ersten goldenen Zeitalter des alten Ägyptens.
21:50
Gut ein Jahrhundert nach seiner Entdeckung erscheint der Schatz des Tutanchamun in neuem Licht. Die Grabbeigaben wurden an einem einzigen Ort zusammengeführt, dem 2025 eröffneten Großen Ägyptischen Museum, das etwa zwei Kilometer von der Nekropole von Gizeh entfernt liegt. Aus diesem Grund befassten sich Forscher erneut mit dem Grab des Tutanchamun - mit erstaunlichen Ergebnissen. Tatsächlich soll ein Großteil des Grabschatzes von Tutanchamun nicht für ihn, sondern für seine ältere Schwester Meritaton bestimmt gewesen sein. Die historische Rolle dieser vergessenen Pharaonin muss neu beurteilt werden: Sie hätte nach dem Tod ihres Vaters für ihren unmündigen Bruder regiert und Ägypten aus einer strategisch schwachen Lage herausmanövriert. Während ihrer kurzen Herrschaft soll sie sich einen prächtigen Grabschatz zusammengestellt haben, den Tutanchamun, einmal zum Pharao gekrönt, schließlich für sich beanspruchte. Auch der berühmte goldene Thron des Tutanchamun soll ursprünglich für seinen Vater, Pharao Echnaton, angefertigt worden sein. Andere Grabbeigaben wie Gehstöcke, Zepter und Bekleidung weisen darauf hin, dass der Pharao unter einer Gehbehinderung litt und offenbar nicht lange stehen konnte. Weitere Enthüllungen betreffen die Entdeckung des Grabschatzes durch Howard Carter: Der britische Archäologe und sein Finanzier Lord Carnarvon sollen einige Grabbeigaben entwendet haben, die heute in alle Welt verstreut sind. Drei renommierte Forscher kommen in der Sendung zu Wort: Marc Gabolde, Professor an der Universität Montpellier und Experte für das Tutanchamun-Grab, Dimitri Laboury, Professor an der Universität Lüttich und weltweit anerkannter Experte der Amarna-Zeit, und Christian Loeben, Ägyptologe im Landesmuseum Hannover. "Tutanchamun, Neues aus dem Grab" ist eine spannende Ermittlung über eine der spektakulärsten archäologischen Entdeckungen aller Zeiten.
23:25
Schon als Kind war er ständig unterwegs: Carl Maria von Weber wuchs in einer reisenden Schauspielerfamilie ohne festes Zuhause auf, die von Stadt zu Stadt zog und an verschiedenen Theaterbetrieben arbeitete. Doch diese Kindheit formte sein Gespür dafür, wie Klänge Menschen bewegen können. Ein Empfinden, das später Webers gesamtes Schaffen prägte. Früh zeigte sich seine Faszination für die Wirkung von Musik auf Menschen - eine Kraft, die seine Opern, Lieder und Instrumentalwerke durchdringen sollte. Carl Maria von Weber verstand das Orchester als erzählende Instanz, experimentierte mutig und öffnete neue musikalische Räume, deren Wirkung bis in die Moderne und in die Filmmusik reicht. Zugleich zeigt sich sein Leben voller Brüche, geprägt von Krankheit, finanzieller Belastung, unermüdlicher Arbeit und der Suche nach einer eigenen künstlerischen Sprache jenseits etablierter Traditionen. Seine Musik verbindet emotionale Wucht mit einer zeitlosen Eigenart, die bis heute überrascht. Die berühmte Oper "Der Freischütz" (Uraufführung 1821 in Berlin) ist bis heute Inbegriff der deutschen romantischen Oper und wurde zum Meilenstein deutscher Kulturgeschichte. Weber war einer der Wegbereiter, der bewusst eine eigenständige deutsche Opernkultur schaffen wollte - sprachlich, musikalisch und thematisch. "Der Freigeist - Carl Maria von Weber" führt in die Welt eines Komponisten, der bis zu seinem frühen Tod im Alter von 39 Jahren unermüdlich daran arbeitete, den Klang seiner Zeit zu erneuern und der Musik eine eigene Ausdruckssprache zu schenken, um dem Publikum eine neue Art des Hörens zu eröffnen.