05:25
Energiekrise, Klimawandel und Krieg: Das sind nur einige von vielen Herausforderungen, die die Menschheit heute in Alarmbereitschaft versetzen. Eng verbunden mit all diesen Katastrophen ist auch der mögliche Einsatz von Atomkraft - im guten wie im schlechten Sinne. Das nukleare Zeitalter steht für Energie und Bedrohung, Hoffnung und Schrecken - es vereint Utopie und Dystopie. Zu Gast in dieser Ausgabe von "Geschichte schreiben" ist die Historikerin Karena Kalmbach. Als Expertin für Nukleargeschichte skizziert sie deren Entwicklung - angefangen bei physikalischen Meilensteinen bis hin zu den Anti-Atomkraft-Bewegungen der jüngsten Vergangenheit. Sie zeigt, dass das nukleare Zeitalter weit mehr umfasst als die zerstörerische Kraft der Atombombe oder die Utopien, die mit der zivilen Nutzung der Atomtechnologie verbunden sind. Es steht im Mittelpunkt wissenschaftlicher Betrachtungen über die Beziehungen zwischen Mensch und Technologie sowie zwischen Mensch und Umwelt.
05:40
Mit der Kutsche, dem Fahrrad oder zu Fuß auf der Autobahn unterwegs? Für viele Deutsche rufen diese Bilder nostalgische Erinnerungen an eine Reihe von vier autofreien Sonntagen im November 1973 hervor. Nach der ersten Ölkrise, die die westliche Welt erschüttert, ordnet die Bundesrepublik ein Sonntagsfahrverbot an. Ausgelassen feiern die Bürgerinnen und Bürger diese Tage inmitten einer wirtschaftlichen Krise. Im Herbst 1973 überfallen ägyptische und syrische Truppen Israel. Besonders die Vereinigten Staaten stehen ihrem Verbündeten im sogenannten Jom-Kippur-Krieg zur Seite. Als Reaktion auf die Unterstützung der USA verhängen die arabischen erdölexportierenden Staaten ein Ölembargo gegen Washington und verkünden zudem, dass sie die Fördermenge reduzieren werden. Das führt zu einem Ölschock und zwingt die Regierungen des Westens zum Energiesparen. Für manche beginnt mit der Ölkrise auch ein neuer Lebensabschnitt: Andreas Nemitz wohnt auf dem Land - kilometerweit von öffentlichen Verkehrsmitteln entfernt. Kurzerhand kauft er ein Pferd. Als das Fahrverbot endet, behält er die Stute samt Kutsche und macht ein Geschäft daraus. Die Ölkrise von 1973 entpuppt sich als Zäsur. Der wirtschaftliche Nachkriegsboom findet ein jähes Ende. Die Umweltbewegung erhält immer mehr Zulauf, und es entwickelt sich ein neues Bewusstsein für Ressourcenverbrauch, Konsum und daraus resultierende Umweltschäden.
06:25
Das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gilt als die größte Herausforderung im Motorsport. Seit 1923 wird auf der traditionsreichen Strecke in Westfrankreich rund um die Uhr gefahren, bei Tag und Nacht, Sonne und Regen. Über 13,6 Kilometer Asphalt, der Mensch und Maschine gleichermaßen alles abverlangt. Der Name Le Mans ist auch verbunden mit der größten Katastrophe des Motorsports, bei der im Jahr 1955 mehr als 80 Menschen starben. Hinter diesem Motorsport-Event mit jährlich bis zu 300.000 Besuchern stecken ein enormer finanzieller und logistischer Aufwand und eine minuziöse Vorbereitung der Teams. Das Rennen selbst ist ein permanenter Balanceakt zwischen technischer Perfektion und menschlicher Belastbarkeit. Fahrer und Fahrerinnen, Ingenieure und Strategen werden in der Vorbereitung und während der aufregenden 24 Stunden des Rennens begleitet. Über die Jahrzehnte hat sich das Rennen verändert und immer wieder angepasst - von den gefährlichen Anfangsjahren über die Hochphase der Werksteams bis zur modernen Ära hybrider und elektrischer Antriebe. Le Mans ist mehr als ein Rennen - es ist ein Prüfstand für Ideen, Emotionen und den Glauben an das Machbare. Seit mehr als 100 Jahren haben diese intensiven 24 Stunden ihre Magie bewahrt: als Bühne für Innovation, Mut und Durchhaltevermögen. Zu Wort kommen unter anderem die Rennfahrer Timo Bernhard, Kévin Estre, Antonio Fuoco, Ferdinand Habsburg und Mick Schumacher, die Pilotinnen des "Iron Dames"-Teams und in historischen Aufnahmen Sir Stirling Moss.
07:10
Gregory Peck gehörte zu den herausragenden Schauspielern seiner Generation, die den Film dauerhaft geprägt haben. 1953 eroberte er in "Ein Herz und eine Krone" das Herz der Filmfigur Audrey Hepburns - und mit ihr das Publikum. Er spielte den rachsüchtigen Kapitän Ahab in "Moby Dick" (1956) und verkörperte in "Wer die Nachtigall stört" (1962) den Anwalt Atticus Finch, der gegen Rassismus kämpfte. Für sein Talent, seinen Stil und sein politisches Engagement wurde er gleichermaßen geschätzt. Wie bei so vielen Schauspielern und Schauspielerinnen führt sein Weg in den Olymp der Hollywoodstars über Umwege. An der Universität in San Diego entdeckt er seine Leidenschaft für das Theater und hängt sein Studium an den Nagel. Er verlässt den Westen und reist mit neuem Namen und Lust auf Abenteuer nach New York, wo er sich völlig mittellos durchschlägt, bis ihm der Durchbruch am Broadway gelingt. Damals schwört er noch, der Bühne treu zu bleiben und nie zum Film zu gehen. Doch schon wenige Monate später dreht er unter der Regie von Jacques Tourneur zum ersten Mal in Hollywood. Schon bald arbeitet er auch mit Alfred Hitchcock und Elia Kazan. Dabei kommen ihm seine attraktive Erscheinung, seine Intelligenz und sein subtiler Humor zugute. Schnell wird er zu einem der begehrtesten Schauspieler. Bei der Wahl seiner Rollen lässt Peck sich in seiner langen Karriere nicht selten von seinem Humanismus und Pazifismus leiten. In der Dokumentation, die mit vielen Filmausschnitten an die beeindruckende, lange Karriere Pecks erinnert, geht es auch um den Privatmann Gregory Peck: sein politisches Engagement, seine beiden Ehen, seine Freundschaften und die - wie er es sagte - "Tragödie seines Lebens".
08:05
Hundert Jahre vor Beyoncé lebte Josephine Baker. Sie wuchs in armen Verhältnissen in Missouri auf, wurde in Frankreich zur berühmten Tänzerin und Sängerin, setzte sich im Zweiten Weltkrieg an der Seite von General de Gaulle für die Résistance ein und adoptierte zwölf Kinder aus verschiedenen Teilen der Welt. Ihr Leben klingt wie ein Roman. Doch das ist nur die eine Hälfte der Wahrheit und sich damit zu begnügen, würde ihr nicht gerecht. Wer Josephine Baker wirklich verstehen will, muss ihre Ursprünge kennen. Ihr unstillbares Verlangen, alles zu verändern, ist einer Kindheit geschuldet, in der Gewalt und harscher Rassismus Alltag waren. Als Josephine Baker zur Welt kam, lag die Sklaverei erst 40 Jahre zurück. Im Mittleren Westen der USA, wo Baker aufwuchs, wurden Schwarze immer noch behandelt wie Menschen zweiter Klasse. Sie wohnten in Elendsvierteln und wurden regelmäßig von Weißen angegriffen, die den Ausgang des Bürgerkriegs nicht verkraften konnten. Aus dieser Situation floh Josephine Baker. Doch jedes Mal, wenn sie in ihre Heimat zurückkehrte, holten sie Hass und Rassismus wieder ein. Ihre USA-Reisen waren leidvolle Erfahrungen, die sie nachhaltig prägten. Fortan und bis ans Ende ihres Lebens nutzte Josephine Baker ihre Berühmtheit, um für ihre Ideale zu kämpfen. Die Dokumentation zeigt die Entwicklung von der Tänzerin im Bananenröckchen zur politischen Figur, die 1963 beim Marsch auf Washington als einzige Frau an der Seite von Martin Luther King das Wort ergriff. Es ist die Geschichte des politischen Erwachens des ersten schwarzen Superstars.
09:00
Wer wir sind - ist das Schicksal? Die Suche nach dem Kern des menschlichen Wesens ist alt: Während die Antike den Charakter in Körpersäften wie Galle und Schleim zu finden glaubte, versuchte die Phrenologie des 19. Jahrhunderts, Eigenschaften an der Form des Schädels abzulesen. Inzwischen blickt die Wissenschaft tiefer. Persönlichkeit wird als dynamisches Zusammenspiel aus Genetik, neuronalen Netzwerken, sozialen Beziehungen und Umweltbedingungen verstanden. In der modernen Psychologie dominiert das Big-Five-Modell. Es beschreibt uns anhand von fünf Dimensionen: Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus. Doch wie viel Spielraum haben wir innerhalb dieser Koordinaten? Die Psychologieprofessorin Wiebke Bleidorn von der Universität Zürich erforscht, ob sich Neurotizismus gezielt per App reduzieren lässt. Dabei ist der Mensch kein isoliertes Projekt. "Die Bedeutung sozialer Einflüsse kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden", betont Franz Neyer von der Universität Jena. Unsere Umwelt fungiert als unsichtbarer Architekt unserer Identität. Zwischen dem biologischen Erbe und dem Wunsch nach Optimierung stellt sich die Frage: Wie viel von unserem Ich können wir tatsächlich selbst gestalten - und wo liegen die Grenzen der Selbsterfindung?
09:25
Die Kunstfotografie eröffnet neue Perspektiven auf die Tierwelt. Die zweite Staffel der Serie "Tierisch fotogen" stellt fünf internationale Fotografen und Fotografinnen vor, die Tiere in ungewöhnlichen künstlerischen Zusammenhängen zeigen und die Beziehung zwischen Mensch und Tier neu hinterfragen. Der polnische Fotograf Tomasz Gudzowaty arbeitet mit seriellen Motiven, seine eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Bilder erinnern an Gemälde. Die Italienerin Diana Bagnoli richtet ihren Blick auf das Zusammenleben von Mensch und Haustier und entdeckt darin oft skurrile Momente. Der Spanier Miguel Vallinas erschafft surreale Figuren: Tierköpfe mit menschlichen Körpern. Die französische Fotografin Clarisse Rebotier inszeniert ungeliebte Tiere wie Spinnen oder Ratten mit Humor und Theatralik. Die deutsche Fotografin Yana Wernicke richtet ihren Blick auf die Beziehung zwischen Mensch und sogenannten Nutztieren. In poetischen, oft in Schwarz-Weiß gehaltenen Bildern zeigt sie Kühe, Schweine oder Wasserbüffel als individuelle Persönlichkeiten. Ihre Fotografien entstehen meist aus der Beobachtung heraus und leben von Gesten, Berührungen und dem Vertrauen zwischen Mensch und Tier. Wernicke interessiert sich besonders für Details und ungewohnte Ausschnitte von Tierkörpern, die Nähe herstellen und neue Perspektiven eröffnen. Auch das Rehkitz taucht in ihren Bildern auf - ein vertrautes Naturmotiv, dessen symbolische Aufladung sie hinterfragt. So entstehen sensible Bilder, die den Blick auf Tiere verändern und sie als fühlende Wesen sichtbar machen.
09:55
"Twist" ist das Kulturmagazin für relevante Themen unserer Zeit. Jede Woche steht eine andere europäische Stadt im Fokus: Lokale Kulturschaffende sprechen über große Fragen der Gegenwart, und die Beiträge leuchten aus, wie in verschiedenen Kunstdisziplinen dazu gearbeitet und gedacht wird. Eine halbe Stunde voller neuer Perspektiven!
10:25
Das Meer gilt als unerschöpfliche Nahrungsquelle und Lebensgrundlage. Aus dem globalen Handel ist es kaum wegzudenken. Darüber hinaus reguliert es das Gleichgewicht des Klimasystems - und ist somit unentbehrlich. Allerdings leiden die Weltmeere unter den anthropogenen Umweltveränderungen. Einige Menschen haben ihre Beziehung zum Meer neu definiert: Sie möchten diese wertvolle Ressource nicht ausbeuten. Stattdessen setzen sie auf umweltschonende Maßnahmen, um den Zustand des Meers zu verbessern. So etwa Délia Bernardi, die in der Bucht von Arcachon an der Atlantikküste, die sich zwischen der Dune du Pilat und Cap Ferret im Südwesten Frankreichs erstreckt, arbeitet. Sie ist die einzige Fischerin in diesem kleinen Binnenmeer von 80 Kilometern. Dort praktiziert sie nachhaltigen Fischfang, der sich nach den Jahreszeiten und dem Reproduktionszyklus der Fische richtet. Dadurch möchte sie die Ressource Meer und ihr fragiles Ökosystem schonen. Auf der Halbinsel Quiberon bietet die wilde Küste des Golfs von Morbihan atemberaubende Landschaften. Jedes Jahr lockt sie über eine Million Touristen an, die mit der Fähre von Quiberon nach Belle-Île-en-Mer übersetzen. Damit tragen sie jedoch zur Übersäuerung des Meeres bei. Aus diesem Grund bieten Léon und Jonas eine klimaneutrale und meeresschonende Alternative zur Überfahrt an: einen Segelkatamaran als Transportmittel. Im Mittelmeer vor Beaulieu-sur-Mer sind Sebastien Personnic und ein Team von Ozeanographen wiederum am Meeresgrund von Hand aktiv: Sie pflanzen Neptungräser neu an, wo diese von Schiffsankern ausgerissen wurden. Das Seegrasgewächs bildet die Grundlage für ganze Ökosysteme.
10:55
Vor rund hundert Jahren wurde in Split ein ungewöhnliches Ballspiel erfunden: Picigin. Eine Art Wasservolleyball im seichten Wasser. Eine der ältesten Spielerinnen ist die 76-jährige Stanka Bucan, die hier seit 15 Jahren täglich mit ihrer Seniorenmannschaft spielt. Der Lastovo-Archipel ist die am weitesten vom Festland entfernte Inselgruppe. Schwer zugänglich, dünn besiedelt und kaum erschlossen, zählt der Archipel zu den am besten erhaltenen Naturgebieten im Mittelmeer. Und wegen seiner artenreichen Unterwasserwelt zu den attraktivsten Tauchrevieren der Adria. Etwas weiter südlich liegt die Insel Korcula, die für ihren Artenreichtum und ihr großes Vorkommen an wilden Orchideen bekannt ist. Entlang der dalmatinischen Küste erstrecken sich die Felsmassive des Dinarischen Gebirges. Besonders imposant sind sie rund um die Stadt Omis. Kletterfans finden hier über 500 Routen. Die Route in einer kleinen Höhle südlich der Stadt wurde bisher nur von einem Menschen durchstiegen. Nikola Kramaric und Ivan Kuvacic wollen die nächsten sein. Das weiter südlich gelegene Dubrovnik gilt wegen seines malerischen historischen Stadtkerns als eine der schönsten Städte an der Adria.
11:50
Am Sporn des italienischen Stiefels liegt ein kleines Naturparadies: die Tremiti-Inseln mit einer Unterwasserwelt voller Überraschungen. Eine bunte Vielfalt an Meereslebewesen, Schiffswracks aus mehreren Jahrhunderten und eine riesige Unterwasserstatue locken jedes Jahr Tauchbegeisterte aus aller Welt auf den Archipel. Südlich der Inseln beginnt die Lagunenlandschaft von Varano. Der Lago di Varano ist über Kanäle mit der Adria verbunden. An seinen Ufern gedeihen Kapern und Olivenbäume, zahlreiche Zugvögel rasten hier und das nährstoffreiche Wasser bietet Fischen und Muscheln reichlich Nahrung. Doch in den letzten Jahren ist die gefräßige, invasive Blaukrabbe zu einem großen Problem für die Fischerei geworden. Die Meeresbiologin Lucrezia Cilenti hat eine kulinarische Idee gegen die Plage entwickelt: einfach den Eindringling essen, wie in den USA. Die Tremiti-Inseln und die Lagune von Varano sind Teil eines großen Nationalparks, der sich über die Halbinsel Gargano erstreckt. Eines ihrer Wahrzeichen sind die Trabucchi, einzigartige Holzkonstruktionen, deren große Netze ganze Fischschwärme einfangen können. Eine halbe Autostunde von der Adria entfernt liegt ein ganz besonderer Garten: I Giardini di Pomona. Paolo Belloni hat ihn angelegt, um Feigen- und andere Obstsorten aus aller Welt vor dem Aussterben zu bewahren. Der Badeort Santa Maria di Leuca ist der südlichste Punkt Apuliens. Von seinem beeindruckenden Leuchtturm aus kann der Leuchtturmwärter Antonio Maggio zwei Meere sehen: das Adriatische und das Ionische Meer.
12:45
In der Bucht von Kotor wird leidenschaftlich Boccia gespielt. Bei der jährlichen Boccia-Olympiade haben Bozica Celanovic und ihre weiblichen Verwandten schon den ersten Platz belegt. Im Training spielen sie meist gegen die Männermannschaft der Familie, die es gegen die selbstbewussten Olympiasiegerinnen nicht leicht hat. Rund um Ulcinj, der südlichsten Stadt Montenegros, ist die Küste flach. Hier befindet sich nicht nur der längste Sandstrand Montenegros, sondern auch eine der größten Salinen des Mittelmeers. Der Bau der Saline begann 1926. Nach der Privatisierung wurde sie als Spekulationsobjekt heruntergewirtschaftet und 2013 endgültig geschlossen. Seitdem verfällt sie von Tag zu Tag mehr. Tausende von Vögeln, mehr als 250 verschiedene Arten, sind auf dieses besondere Feuchtgebiet angewiesen, ihr Lebensraum ist bedroht. Umweltorganisationen versuchen, das Biotop zu retten. Weiter südlich prägen ausgedehnte Lagunenlandschaften die albanische Adria. Die Lagune von Narta ist ein bedeutendes Küstenfeuchtgebiet und steht unter Naturschutz. An dem kilometerlangen einsamen Strand finden Meeresschildkröten ideale Bedingungen, um ihre Eier abzulegen. Auch für die seltenen Krauskopfpelikane und Rosaflamingos ist die Lagune ein wichtiger Brut- und Rastplatz.
13:35
Der tapfere Edelmann Sir Lancelot schließt sich Ritter Artus an, den er zutiefst bewundert. Artus besiegt die wilden Stämme des Landes und wird König des vereinten Englands. Doch sein aufrührerischer Neffe Sir Mordred deckt Lancelots heimliche Liebe zu Königin Guinevere auf und benutzt den Skandal, um einen Krieg zu entfachen. England in der Zeit des beginnenden Rittertums: Der Edelmann Lancelot bricht auf, um sich dem berühmten Ritter Artus von Pendragon anzuschließen, der die verfeindeten Stämme des Landes in einem Königreich vereinen will. Unterwegs gerät Lancelot jedoch in einen Hinterhalt, dem er mit Hilfe eines Fremden entkommt. Der tapfere Helfer entpuppt sich als Artus selbst. Schon bald werden sie zu engen Vertrauten im Kampf gegen die Truppen von Artus' Neffen Mordred, seinem stärksten Rivalen. In einer wagemutigen Schlacht bezwingen sie schließlich dessen Truppen und Artus wird König. Auf dem Weg zur Krönungszeremonie in Camelot befreit Lancelot das gefangen gehaltene Burgfräulein Guinevere. Artus macht sie zur Königin - nicht wissend, dass ihr Herz Lancelot gehört. Das nutzt der aufrührerische Mordred für eine Verschwörung. Als Guinevere Lancelot heimlich in seiner Kammer besucht, wird das Liebespaar von Mordred überrascht. Nun nutzt Mordred Artus' geschwundene Autorität und löst einen Krieg aus, der erneut das Land verwüstet.
15:30
Im ersten Jahrhundert nach Christus wurde mitten in Rom das größte Amphitheater aller Zeiten errichtet. Kaiser Vespasian, der mit dem Kolosseum seine neu begründete Dynastie legitimieren und das Volk Roms mit Brot und Spielen für sich gewinnen wollte, stellte dafür unbegrenzte Mittel zur Verfügung. Für die Demonstration der kaiserlichen Autorität bot das Bauwerk eine fantastische Kulisse: Zahlreiche Statuen, Säulen und Fresken an der Außenfassade und im Innenraum rühmten das Römische Reich als Nachfolger des antiken Griechenlands und als unbezwingbare Großmacht. Durch seine ovale Form bot das Kolosseum nach heutigen Berechnungen etwa 50.000 Zuschauern Platz. Die von der römischen Verwaltung für das Volk veranstalteten Spiele und Theateraufführungen wurden im Beisein des Kaisers abgehalten und hatten auch eine wichtige politische Funktion. Archäologische Ausgrabungen zeigen, mit welchem Einfallsreichtum alles darangesetzt wurde, um den Erfolg dieses PR-Instruments der kaiserlichen Macht sicherzustellen. Archäologische Funde an mehreren Grabungsorten zeugen vom kulturellen und wirtschaftlichen Stellenwert der Spiele im alten Rom. So verdeutlicht die Untersuchung der Gebeine von Gladiatoren, dass Technik und Strategie ihrer Kampfkunst ebenso wichtig waren wie heute beim Fußball. Die afrikanischen Mosaiken wiederum veranschaulichen die Bedeutung des Raubtierhandels für die Versorgung der Arenen. Im gesamten Reich entstanden Dutzende Amphitheater, die ab dem späten 5. Jahrhundert im Zuge des Untergangs des Römischen Reiches ebenso wie das Kolosseum allmählich verfielen.
17:00
Der Parthenon, der Athena-Tempel auf der Akropolis, zählt zu den berühmtesten Bauwerken der Welt. Er gilt als Symbol der griechischen Kultur und steht für Schönheit und Demokratie - Werte, die in aufgeklärten Gesellschaften als grundlegend gelten. Kaum jemand kann sich seiner Anziehungskraft entziehen. Doch gerade sein Ruhm und seine Schönheit wurden ihm zum Verhängnis: Im Laufe der Zeit wurde er schwer beschädigt und entstellt. Einst war der Parthenon ein prachtvoller Tempel, reich verziert mit Skulpturen und Reliefs. Doch heute sind davon nur noch Fragmente übriggeblieben. Die übrigen Teile sind über verschiedene europäische Museen verstreut, darunter der Vatikan, der Louvre, Wien, München, Würzburg, Kopenhagen - vor allem aber das British Museum in London. Dort wird die Hälfte des noch erhaltenen Bauschmucks ausgestellt, ein wahrer Schatz, der jährlich Millionen von Besuchern anlockt. Seit über 200 Jahren wird um diese Skulpturen gestritten, die als Höhepunkt der Kunst und Vermächtnis der Athener Demokratie gelten. Doch das British Museum weigert sich bis heute, sie zurückzugeben. Selbst der Charme einer Melina Mercouri, der früheren griechischen Kulturministerin und ehemaligen Filmdiva, die in den 1980er Jahren für die Rückführung der Skulpturen kämpfte, vermochte nichts daran zu ändern. Der Fall ist so prominent, dass sogar Hollywoodschauspieler wie George Clooney sich für die Rückgabe an Griechenland aussprechen. Seine Frau Amal war als Anwältin ebenfalls in den Fall involviert. Ist es Raubkunst oder Weltkunst? Der Fall ist äußerst komplex. Wie konnte ein einzelnes Bauwerk eine derartige Bedeutung erlangen? Und wann werden die Skulpturen endlich in Athen wiedervereint?
17:50
In dieser Folge lädt die lettische Mezzosopranistin Elina Garanca zu einer ebenso klangvollen wie persönlichen Reise ein. Sie entführt die Zuschauerinnen und Zuschauer in die Musikstadt Wien und auf die großen Bühnen der Welt. Von Georges Bizets verführerischer "Carmen" über Agustín Laras temperamentvolles "Granada" und Gustav Mahlers berührende Rückert-Lieder bis hin zu Richard Wagners mystischem "Parsifal" - Garanca beweist eindrucksvoll ihre enorme Wandlungsfähigkeit. Zahlreiche magische Momente lassen die vielfältigen Facetten des künstlerischen Schaffens dieser Ausnahmesängerin aufleuchten. Elina Garancas "Playlist" ist ein Erlebnis, das die Seele berührt und das Herz höher schlagen lässt.
18:40
Alljährlich feiert Scheibenhard(t) im Juni sein Brückenfest mit Ochsen vom Spieß, groben Bratwürsten oder Rebknorzenspießen aus Schweinenacken. Kulinarisch ist sich die deftige Pfälzer und die Elsässer Küche entlang der Grenze recht ähnlich. Oftmals wird das gleiche gekocht, nur unter anderem Namen. So heißt der elsässische Baeckeoffe, ein Gemüse-Fleisch-Eintopf, bei Christian Müller auf der Pfälzer Seite Backesgrumbeere. Als Hobbyjäger bereitet er seine Variante mit Wildfleisch zu. Diese kommt auf den Tisch, als Fabienne Buhl zu einem Treffen der Gemeinderäte aus beiden Ländern bei ihm zu Hause ist. Fabienne hingegen kocht am liebsten Fleischknöpfle mit weißer Soße und Kartoffelpüree. Bereits 1815 wurde Scheibenhard(t) in einen deutschen und einen französischen Ortsteil getrennt.
19:10
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:30
"Es ist die Aufgabe der Alten, dafür zu sorgen, dass alles läuft", sagt Whang Od. Und tatsächlich: Unter ihrer Führung hat sich das Dorf verändert. Es gibt Arbeit, weil viele Gäste kommen; es gibt größere Häuser und endlich Strom für alle. Für viele Filipinos ist es zu einem Ritual geworden, sich von Whang Od tätowieren zu lassen. Mit Ruß und Wasser mischt sie die Tinte, mit dem Dorn eines Zitrusbaums klopft sie ihre Signatur - drei Punkte - in die Haut der Gäste. Batok heißt diese uralte Technik, die sie einst von ihrem Vater lernte. Damals waren die Männer ihres Stammes noch Kopfjäger, die ihre Feinde töteten. Gelang ihnen das, erhielten sie zur Bestätigung ihres Mutes ein Krieger-Tattoo. Seit einigen Jahren bereitet Whang Od ihre Nachfolge vor. Dafür hat sie ihre Großnichten Grace und Elyang ausgewählt. Sie sollen die Batok-Tradition in die Zukunft tragen: Whang Od hat sie die Technik gelehrt und ihnen die alten Motive erklärt - nun tragen die beiden jungen Frauen die Verantwortung. Doch viele Besucher kommen vor allem wegen der legendären alten Meisterin. Können Grace und Elyang aus dem Schatten der Matriarchin treten? Was passiert, wenn Whang Od irgendwann nicht mehr da sein wird? Wird das Dorf Buscalan seinen Wohlstand halten können? Und werden die Menschen weiterhin den beschwerlichen Weg in die Berge auf sich nehmen? Ein Film über Tradition und Wandel, über weibliche Autorität und kulturelles Erbe - und über ein Dorf, dessen Zukunft untrennbar mit dem Leben einer außergewöhnlichen Frau verbunden ist.
20:15
Der wegen schweren Raubes zu einer langen Haftstrafe verurteilte Frank Morris kann bereits mehrere erfolgreiche Gefängnisausbrüche verzeichnen, und so wird er auf die Gefängnisinsel Alcatraz verlegt. Die dort erbaute Hochsicherheitsanlage gilt als unüberwindbar, umgeben von einem Todesstreifen, scharfen Klippen und eiskaltem Wasser. Gleich zum Haftantritt macht der zynische Gefängnisdirektor dem intelligenten, charismatischen Morris klar, was seine Ziele für das berühmt-berüchtigte Alcatraz sind: Man wolle keine besseren Menschen aus den Gefangenen machen, sondern dass sie sich bewusst würden, eine Anomalie der Gesellschaft zu sein. Das führt unter anderem dazu, dass der sensible Häftling Doc sich vor den Augen der Wärter und Mitgefangenen die Finger abhackt, nachdem der Direktor dem leidenschaftlichen Maler aus Willkür sein Handwerk verboten hatte. Morris entwickelt schließlich einen ausgeklügelten Fluchtplan, und er findet Verbündete. Eines Nachts bricht er gemeinsam mit seinem Zellennachbarn Charley Butts und den Brüdern Clarence und John Anglin auf, um die Freiheit zu erlangen. Doch nach langer Vorarbeit könnte sich die Naturgewalt des eiskalten Wassers in der San Francisco Bay als größter Gegner herausstellen ... Der Film nimmt sich Zeit für die Planung der Flucht, die strategische Intelligenz, die Akribie und das Geschick hinter dem Wagnis. In diesem Plot liegt eine Botschaft, die über die Mauern des Gefängnisses hinausweist: Nicht unbedingt das Ergebnis, sondern die zielführende, sinnstiftende Tätigkeit ist es, die das Leben eines Menschen zu erfüllen vermag.
22:00
1959 beginnt Clint Eastwood, Sohn eines Stahlarbeiters aus San Francisco, seine beispiellose Karriere - als Cowboy in der Westernserie "Rawhide". Weltbekannt wird er als unbarmherziger Rächer in Sergio Leones Italowestern "Für eine Handvoll Dollar" (1964), "Für ein paar Dollar mehr" (1965) und "Zwei glorreiche Halunken" (1966) - sowie als knallharter Polizist in "Dirty Harry" (1971). Nach unzähligen Action-Rollen, meist als wortkarger Macho, zeigt Eastwood in den 1990er Jahren als Darsteller und Regisseur eine einfühlsame, komplexere Seite. In der melancholischen Romanze "Die Brücken am Fluss" (1995) ist er der Liebhaber einer einsamen Farmersfrau, gespielt von Meryl Streep. Eastwood produziert den Film und führt selbst Regie. Mit dem Westernepos "Erbarmungslos" (1992) und dem Box- und Sterbehilfedrama "Million Dollar Baby" (2004) kommt er in Hollywood mit mehr als 60 Jahren schließlich zu den höchsten Ehren. Seine vier Oscars gewinnt er als Produzent und Regisseur mit diesen beiden Werken. Fast jedes Jahr stellt er seitdem ein neues Regiewerk vor, darunter die Kriegsdramen "Letters From Iwo Jima" und "Flags of Our Fathers" (2006), den Politfilm "Invictus - Unbezwungen" (2009), das Scharfschützendrama "American Sniper" (2014) oder "Sully" (2016) mit Tom Hanks als Pilot Chesley Sullenberger, dem 2009 eine spektakuläre Notwasserung gelang. 2021 kam "Cry Macho" in die Kinos - mit Eastwood in der Hauptrolle und als Regisseur. Der 95-Jährige hat nichts von seiner Leinwandpräsenz eingebüßt: In "Cry Macho" soll der Cowboy Mike Milo nach Mexiko reisen, um den Sohn seines Chefs zurück in die USA zu bringen - gegen den Willen von dessen alkoholsüchtiger Mutter. In Hollywood genießt der Alt-Star längst Kultstatus. Sein Spätwerk beeindruckt. Eastwoods Gesicht erzählt eine bewegte Geschichte - und trug schon in jungen Jahren zwei seiner Markenzeichen: charakteristische Falten und ein verächtliches Lächeln im Mundwinkel. Ein Antlitz wie in Stein gemeißelt. Eastwood, so scheint es, war immer da. Er ist Teil der amerikanischen Geschichte - und einer ihrer letzten lebenden Legenden. Der Dokumentarfilm erzählt Eastwoods Karriere wie einen spannenden Roman - mit allen Hindernissen, Brüchen und Wendungen. Anhand selten gezeigten Archivmaterials und zahlreicher Filmausschnitte zeichnet die Dokumentation sein beeindruckendes Gesamtwerk nach.
23:20
Der 25. März 2016 ist ein Tag, der sowohl in die Geschichte Kubas als auch in die des Rock 'n' Rolls einging. Als erste britische Band überhaupt spielten die Rolling Stones ein Open-Air-Konzert in Havanna. Kurz nach dem historischen Besuch des damaligen US-Präsidenten Barack Obama, der von der Presse scherzhaft als "Warm-up-Act" bezeichnet wurde, begeisterte die legendäre Rockband unter freiem Himmel und bei freiem Eintritt Hunderttausende von Fans, die ihr Glück kaum fassen konnten. Ein unvergessliches Konzert, nicht nur für die Zuschauenden, sondern auch für die Band selbst. "Die Show in Kuba war einfach atemberaubend. Es war ein unglaublicher Moment, diese riesigen Menschenmassen zu sehen. Man konnte den Enthusiasmus des Publikums förmlich spüren", sagte Mick Jagger danach. Auch Keith Richards war sichtlich bewegt: "Kuba endlich so abrocken zu sehen, war etwas ganz Besonderes, eine unvergessliche Nacht!" Die Stones spielten dabei all ihre großen Hits, wie "Start Me Up", "Brown Sugar", "You Can't Always Get What You Want", " (I Can't Get No) Satisfaction" und noch viele mehr.