05:00
An Dänemarks Nordseeküste gibt es spektakuläre Dünenlandschaften, verwunschene Küstenwälder und endlose Sandstrände. Selbst in den kurzen Sommermonaten weht hier ein frischer Wind. Die Küste ist wegen ihrer Wellen bei Surfern aus ganz Europa beliebt. An Dänemarks Nordspitze, bei Skagen, treffen zwei Meere aufeinander: die Nordsee und das Kattegat. Über Jahrhunderte verhinderten der lockere Sand und die Dünen, dass richtige Häfen gebaut werden konnten. Fischer nutzen bis heute den Strand als Liegeplatz. Sten Christensen hat hierbei den wohl wichtigsten Job. Als "Windenmann" bedient er die Seilwinde, mit der die Boote vom Strand aufs Wasser und vom Wasser auf den Strand gezogen werden. Bei Skagen ziehen seit rund zehn Jahren wieder große Thunfischschwärme vorbei. Seit 2017 organisiert Meeresbiologe Kim Aarestrup einmal im Jahr das große "Thunfisch-Rennen". Rund 70 Hobbyangler stechen in See, um im Auftrag der Wissenschaft Thunfische zu fangen. Die Tiere bekommen Sender, die den Wissenschaftlern ein Jahr lang wichtige Daten schicken. Nur etwa sechzig Kilometer Luftlinie entfernt liegt Schweden. Hier ist das Meer überall, wenn der Skagerrak sich in etwa 3.000 Schären auflöst. Diese kleinen Inseln entstanden als Folge der Eiszeit, als die Eismassen sich zurückzogen und die darunter liegenden Gesteinsmassen durch den Druck erodierten. Im malerischen Fjällbacka beginnt Ende September die Hummersaison. Fischer Ingemar Granqvist darf zur legendären Hummerpremiere 40 Fangkörbe im Wasser auslegen - das Fest zur Eröffnung der Saison ist in dem kleinen Ort fast so wichtig wie Weihnachten.
05:55
Pferdenation Argentinien: Bis heute spielen die Tiere hier eine wichtige Rolle - bei Arbeit und Vergnügen. Im Umgang mit ihren Pferden sind die Gauchos und die Besitzer der riesigen Estancias nicht gerade zimperlich. Gerade bei der "Doma tradicional" - dem traditionellen Zähmen und Zureiten - werden die Tiere hart an die Kandare genommen. Das versetzt die Tiere jedoch in Angst - ein Problem vieler Pferdebesitzer und eine Gefahr. Denn ein ängstliches, schreckhaftes Pferd wird in Stresssituationen schnell unberechenbar. Der Argentinier Oscar Scarpati verfolgt einen ganz anderen Ansatz, denn er versteht die Sprache der Pferde. Er weiß, wie sie sich ausdrücken - mit ihren Ohren, ihren Beinen, ihrem ganzen Körper. Der Pferdeflüsterer wendet diese Sprache selbst an, um mit den Tieren in Kontakt zu treten und sie so auf sanfte Art zu zähmen. Viele Probleme, sei es beim Zureiten besonders temperamentvoller Pferde oder in der Kommunikation zwischen einem Besitzer und seinem Pferd, konnte Oscar mit seinem Wissen und seiner Fähigkeit schon lösen. Der Wechsel zwischen Berührungen an den empfindlichsten Stellen und dem Beruhigen des Pferdes mindert Berührungsängste und die Scheu vor unerwarteten Reizen. Eine Methode, die immer wieder funktioniert - der Erfolg gibt Oscar und seinen Söhnen recht.
06:50
(1): Sansibarisches Blattgemüse in Kokosmilch: Mchicha wa nazi (2): Ein Biss'chen Heimat: Dina, von Sansibar nach England (3): Ran an die Töpfe!
07:20
(1): Peru: Virgilio Martínez, neue Küche mit Tradition (2): Istanbul: Anadolu Rock, der Sound der Freiheit (3): Österreich: Walters Topfenknödel (4): Banyuls-sur-Mer: Fotos aus der Tiefe
08:05
(1): Elfenbeinküste: Frédéric Bruly Bouabré, der malende Prophet (2): Portugal: Wenn Pferde zum Tanz bitten (3): Spanien: Rosas geschmorte Schweinebäckchen (4): Polen: Eine gesalzene Sprechstunde
08:55
Hawai'i (oder Big Island) ist die größte und jüngste Insel des gesamten Archipels sowie dessen Namensgeberin. Der aktive Vulkanismus auf dem Eiland offenbart die Urkräfte des Planeten. Der Kilauea gehört zu den aktivsten Vulkanen der Erde. Die Einsamkeit und die Erhabenheit der Landschaft machen das Leben am Rande des Kilauea für Menschen wie Jade Chen so lebenswert. Die aus New York stammende gebürtige Taiwanerin kann sich keinen besseren Ort zum Leben vorstellen. Sie hat sich regelrecht in die Lava verliebt. Auch Sig Zane hat sich verliebt - in die atemberaubende Natur von Big Island. Die Folge: Der berühmte Hawaiihemd-Designer würdigt auf seinen Entwürfen die einzigartige Pflanzenwelt der Insel. Ihre Motive finden sich auf all seinen Kreationen wieder. Big Island ist nicht nur Vulkan-, sondern auch Rinderland. Hier befinden sich einige der ältesten und größten Rinderfarmen der USA. Michelle Galimba leitet seit knapp 25 Jahren die Kuahiwi Ranch, einen Familienbetrieb an der Südspitze der Insel. Ihre Weiden liegen in unmittelbarer Nähe vom South Point, dem südlichsten Landpunkt der USA. Den Überlieferungen nach erreichten hier die Polynesier vor rund 1.500 Jahren die Hawai'i-Inseln. Kailua-Kona an der Westküste ist das sonnige und trockene Zentrum der Insel. Hier trainiert Melanie Kelekolio ein Damenteam in sogenannten Auslegerkanus. Outrigger-Paddeln kennt keine Altersgrenze. Die Frauen in Melanies Team sind zwischen 20 und 75 Jahre alt. Das Auslegerpaddeln ist auf Hawai'i so beliebt wie Fußball in Deutschland. Die Dokumentation entstand vor den verheerenden Bränden auf der Insel Maui im August 2023.
09:40
In dieser Folge der Dokumentationsreihe wirft Frank Gensthaler einen Blick auf Maui und Moloka'i. In der Mitte des Archipels bilden sie das Herz Hawai'is. Die zweitgrößte Insel Hawai'is - Maui - ist ein wahres Paradies für Surfer. Archie Kalepa war einer der ersten Big-Wave-Surfer und jagt heute noch dem Nervenkitzel hinterher. Für den Klang der Insel steht die Ukulele wie kein anderes Instrument. Eric DeVine baut das kleine Zupfinstrument seit 20 Jahren. In Kula macht er sich auf die Suche nach dem perfekten Holz. Der Tanz der Insel - da gibt es keinen Zweifel - ist der Hula. Pi'ilani Lua ist eine Hula-Lehrerin der vierten Generation. Die Kumu Hula will nun diese alte Tradition auch an die nächste Generation, an ihre Kinder und Enkelkinder, weitergeben. Moloka'i ist das komplette Gegenteil von Maui: Vom Massentourismus verschont, scheint hier die Zeit stehengeblieben. Auf der ganzen Insel gibt es nur ein Hotel und keine einzige Verkehrsampel. Umweltschützerinnen und -schützer wie Matt Yamashita kämpfen hier für den Erhalt der vom Aussterben bedrohten Mönchsrobbe. Eine Besonderheit der fünfgrößten Insel Hawai'is: Vom örtlichen Postamt können bemalte Kokosnüsse in die ganze Welt verschickt werden. Diese skurrile Idee rettete das Postamt vor 30 Jahren vor der Schließung. Die Dokumentation entstand vor den verheerenden Bränden auf der Insel Maui im August 2023.
10:25
Die Dokumentation über O'ahu beginnt in Honolulu, der Hauptstadt von Hawai'i, dem 50. Bundesstaat der USA. Hier drängen sich 350.000 Einwohnerinnen und Einwohner auf engstem Raum. Auf der drittgrößten Insel des Archipels befindet sich der legendäre Waikiki Beach. An der malerischen Ostküste O'ahus bereitet Bonnie Kahapea-Tanner ihr traditionelles polynesisches Segelkanu vor. Seit vielen Jahren arbeitet sie mit Jugendlichen und vermittelt ihnen neben dem Spaß am Segeln auch ein Stück hawaiianische Kultur. Kako'o 'Oiwi - das ist O'ahus ehrgeizigstes landwirtschaftliches Projekt. Eine Fläche von rund 400 Hektar Brachland soll wieder fruchtbar gemacht werden, um Taro anzubauen. Die knollenartige Nutzpflanze hat auf Hawai'i eine lange und ist ein Vermächtnis für zukünftige Generationen. Vor den Küsten O'ahus tummeln sich unzählige Haie im Pazifik. Sie sind enorm wichtig für das ökologische Gleichgewicht der Ozeane. Doch sie werden millionenfach gejagt. Um sie zu schützen, gründete Stefanie Brendl auf O'ahu ihre Organisation Shark Allies, mit der sie sich weltweit für den Schutz der bedrohten Jäger einsetzt. In der polynesischen Kultur spielen Tätowierungen eine wichtige Rolle, weil keine Schrift bekannt war. Tattoos waren Ausdruck der Identität und Persönlichkeit. Heute sind es Tätowierer wie Keli'i Makua, die diese Tradition fortsetzen und die uralte Methode des handgeklopften Tattoos auf Hawai'i wiederbeleben.
11:25
Was Europa bewegt
11:55
(1): Rentiersteak aus Schwedisch Lappland (2): Ein Biss'chen Heimat: Johanna, eine Schwedin in England (3): Ran an die Töpfe!
12:25
(1): Tokio: Von der Kunst, allein zu genießen (2): Äthiopien: Im Land der Langstreckenläufer (3): Neuseeland: Paulines Steak mit Honig (4): Avignon: Tanz der Zombies
13:10
(1): Griechenland: Voula Papaioannou fotografiert die Besatzungszeit (2): München: Der erste Hippie (3): Argelès-sur-Mer: Simons katalanischer Tintenfisch (4): Türkei: Spionagehochburg Ankara
14:00
Als Rod Slater zum Generalmanager einer südafrikanischen Goldmine ernannt wird, ahnt er nicht, dass er das Werkzeug einer Börsenspekulation wird. Während er sich auf eine Affäre mit der Frau seines Vorgesetzten einlässt, geht eine riskante Bohrung unter Tage schief und er setzt alles daran, die eingeschlossenen Arbeiter zu retten. Abenteuerthriller von Peter Hunt mit Roger Moore. Rod Slater wird zum Generalmanager einer Goldmine in Südafrika ernannt. Kaum im Amt, drängt ihn sein Vorgesetzter Manfred Steyner zu einer äußerst riskanten Bohrung. Steyner legt Slater ein gefälschtes Gutachten vor, nach dem sich hinter einer Grünsteinschicht, dem sogenannten Damm, nicht Wasser, sondern Gold befinden soll. Slater bleibt keine Wahl - wenn er den Job behalten will, muss er mitmachen. Was er nicht ahnt: Steyner ist in eine Börsenspekulation verstrickt und legt es darauf an, dass der Damm durch die Bohrung bricht und die Mine überflutet, so dass eine Verknappung den Goldpreis in die Höhe treibt. Parallel dazu verliebt sich Slater in Terry, Steyners Frau. Während das Liebespaar einige Tage in einer abgelegenen Jagdhütte verbringt, lässt Steyner die Bohrung heimlich fortsetzen, damit Slater nicht den Sicherheitsmechanismus auslösen kann, den er zum Schutz vor einem Wassereinbruch einbauen ließ. Und so beginnt für Slater ein Wettlauf gegen die Zeit, rechtzeitig zur Mine zurückzukehren und unter Tage das Leben der Arbeiter zu retten, die in den gefluteten Stollen eingeschlossen sind. Steyner, der eine Reise vorgetäuscht hat, beobachtet das Geschehen von einem Hang aus ...
16:20
Der erste Teil der Dokureihe beginnt mit dem Abzug der Gnuherden aus der Masai Mara in Kenia. Während sie den Fluss durchqueren, bleiben zahlreiche Arten zurück, die an ihre Reviere gebunden sind und nicht mitziehen können. Im Mittelpunkt steht eine junge Giraffe, deren erste Lebensmonate stellvertretend für die Situation vieler Tiere stehen. Die Dokumentation zeigt Geburt, Aufzucht und Überlebensstrategien verschiedenster Arten. Dazu zählen Zebras, die ein ausgeprägtes Schutzverhalten an den Tag legen. Sie versuchen, sich der Jungtiere der Thomson-Gazellen zu entledigen, da diese Hyänen anlocken - eine potenzielle Gefahr für die Zebra-Fohlen. Auch eine Elandantilope, die gerade gekalbt hat, hat Probleme mit einem Hyänenrudel, das es auf sie abgesehen hat, um den eigenen Nachwuchs zu füttern. Sie hält sich die Angreifer mit ihren gekrümmten Hörnern vom Leib, die sie wie Säbel schwingen kann. Darüber hinaus zeigt die Dokumentation Bilder aus dem Leben junger Leoparden, Schakale und Elefanten. Denn die Gnuwanderung - samt der Fressorgie für Krokodile, wenn die Gnus den Fluss durchqueren - macht nur einen Bruchteil des Jahres aus. Der erste Teil der Dokureihe endet mit dem Eintreffen der Zebraherden aus dem Norden. Kurzzeitig verändert sich das ökologische Gleichgewicht: Beutetiere sind wieder zahlreicher und ihre Jäger passen ihr Verhalten entsprechend an. Mit Beginn der Regenzeit wandelt sich die Landschaft erneut. Die Ebenen werden grün und üppig, bieten für Großkatzen aber nur eingeschränkte Möglichkeiten zu jagen.
17:05
Mit dem Abzug der Zebraherden beginnt in der Masai Mara in Kenia eine neue Phase: die Regenzeit. Flüsse schwellen an, Überschwemmungen und starke Strömungen prägen nun das artenreichste Savannen-Ökosysteme der Erde. Die Bedingungen werden dadurch für viele Tierarten deutlich anspruchsvoller. Nach Abklingen der Regenfälle wird das Ausmaß der Veränderungen deutlich. Löwenrudel geraten in Konflikte um knappe Nahrungsressourcen. Mit dem Verschwinden von Gnus und Zebras müssen sie ihre Jagdstrategien anpassen: Einige versuchen sich an kleineren Beutetieren wie Warzenschweinen, andere nehmen das hohe Risiko auf sich, Mara-Büffel zu jagen. Ihre Herden zeigen ein ausgeprägt aggressives Verhalten und greifen Löwen auch aktiv an. Doch die Raubtiere sind gezwungen, alles zu riskieren und es kommt zu harten Kämpfen. Auch andere Arten wie Servale, Giraffen und Leoparden zeigen, wie sie mit den extremen Bedingungen umgehen. Eine Servalmutter, deren Bau überflutet wurde, hat überlebt - ebenso ihr Junges. Die Savanne kennt keine Beständigkeit - nur den ständigen Wandel zwischen Trocken- und Regenzeit, zwischen Überfluss und Mangel. Doch der Kreislauf schließt sich: Die ersten Gnuherden kehren zurück, durchqueren den Sand River und leiten damit den nächsten Zyklus ein. Ihre Wanderung ist lebensnotwendig für das ökologische Gleichgewicht der Region.
17:50
In der Region Kunene im Nordwesten Namibias stellt das tägliche Leben eine Herausforderung dar, denn die Ressourcen sind knapp. In dieser Wüste im südwestlichen Afrika, die zu den unwirtlichsten Gegenden der Welt zählt, teilt sich der Mensch den Lebensraum mit vielen Tierarten: Elefanten, Giraffen, Oryxantilopen, Springböcke und Paviane leben hier. Noch vor 30 Jahren errichteten die Menschen Zäune, um sich vor wilden Tieren zu schützen, und töteten sie, wenn sie ihnen zu nahe kamen. Zudem wurde intensiv gejagt, wodurch die Bestände stark dezimiert wurden. Heute sind viele Zäune abgebaut, der Wildkorridor ist wiederhergestellt, und die Tierwelt kehrt allmählich zurück. Innerhalb von drei Jahrzehnten hat sich die Situation grundlegend gewandelt. Ein Tier steht sinnbildlich für diese Entwicklung: der Wüstenlöwe. Vor 30 Jahren lebten nur noch 20 Exemplare in der Region, heute sind es siebenmal so viele. Die Hoffnung auf ein neues natürliches Gleichgewicht wächst. Doch der Zustand bleibt fragil - dieser Erfolg muss jeden Tag aufs Neue gesichert werden.
18:35
In Südfrankreich haben menschliche Eingriffe in die Natur zum Verschwinden charakteristischer Arten in den Gebirgsregionen geführt - insbesondere großer Greifvögel und felsbewohnender Huftiere. Zwischen den Pyrenäen und den Alpen wird ein Luftkorridor wiederhergestellt. Dieser weitläufige ökologische Bereich, der Lebensräume und Nahrung bietet, ist für große Greifvögel wie den Geier unerlässlich. Im Lauf der Geschichte hat sich jedoch der Mensch entlang des etwa tausend Kilometer langen Korridors niedergelassen, wodurch die Geier fast ausgerottet wurden. Dank der 1986 eingeführten Schutzmaßnahmen sind Gänsegeier, Mönchsgeier und Schmutzgeier wieder in ihre alte Heimat zurückgekehrt. Nur der Bartgeier hat Mühe, sich wieder niederzulassen. Der Einzelgänger, der sich nur langsam fortpflanzt, kommt nicht über die Randbereiche des Korridors hinaus. Mittlerweile ist sein Überleben gefährdet. Durch die gezielte Ansiedlung des Bartgeiers an strategisch wichtigen Punkten wird nun untersucht, wie diese Art und der Mensch künftig dauerhaft koexistieren können.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:35
19:40
Was Europa bewegt
20:15
Julie lebt mit ihren zwei kleinen Kindern außerhalb von Paris. Dort ist es bezahlbar und ruhiger, doch jeder Arbeitstag wird zur logistischen Herausforderung: Noch im Dunkeln weckt sie die Kinder, organisiert Frühstück und Schultaschen, bringt sie zu einer älteren Nachbarin und hetzt zum Bahnhof. In der Hauptstadt arbeitet Julie in einem Luxushotel als Hausdame, das heißt sie leitet das Team der Zimmermädchen. Sie ist schnell, belastbar und zugleich unsichtbar in einem Betrieb, der reibungslos funktionieren muss, während die Gäste kommen und gehen. Julie will aus diesem Kreislauf heraus. Einst für einen anderen Beruf ausgebildet, hofft sie auf einen Neustart und bekommt endlich die Chance auf ein Vorstellungsgespräch. Doch ausgerechnet jetzt lähmt ein Streik den Nahverkehr. Züge fallen aus, Ersatzbusse sind überfüllt, Fahrtzeiten verlängern sich. Während Julie im Hotel ihre Schichten abdeckt und Konflikte mit Vorgesetzten auffängt, reißen zu Hause die Nerven: Die Kinderbetreuung gerät ins Wanken, die Bank meldet sich wegen überzogener Konten, der Ex-Mann bleibt beim Unterhalt unzuverlässig. Jede Stunde verlangt neue Improvisationen, kleine Gefälligkeiten und riskante Entscheidungen. Julie versucht, vor den Kindern die Fassade zu wahren, im Hotel Stärke zu zeigen und beim Bewerbungsgespräch die Zukunft im Auge zu behalten, obwohl ihr Sicherheitsnetz immer dünner wird. Mit jedem verpassten Anschluss und jeder geschlossenen Tür wächst der Druck, bis Alltag und Existenz nicht mehr vereinbar sind. Eric Gravel inszeniert Julies Woche mit fast dokumentarischer Nähe.
21:40
Jeden Morgen um halb sechs klingelt für Alma, Chaily, Elias, Sarah und Abdul der Wecker in der Pariser Banlieue. Ihre Berufsschule für Hotel- und Gaststättengewerbe ist mitten im Zentrum der französischen Hauptstadt - eine lange Strecke liegt nun vor ihnen. Die Dokumentation begleitet eine Vorabschlussklasse. Mit Handkamera und ohne Drehbuch dokumentiert sie den Alltag von Schülerinnen und Schülern, die sich in einem Alter befinden, in dem der Spagat zwischen Sorglosigkeit und Zukunftssicherung nicht leichtfällt. Sowohl in den praktischen Unterrichtsstunden als auch in den Küchen und Lernrestaurants liegt der Fokus auf Disziplin und Präzision. Doch es gibt auch Gelegenheiten für Lachanfälle und geflüsterte Vertraulichkeiten. Neben dem Alltag in der Berufsschule wird die theoretische Ausbildung in Praktika mit der echten Arbeitswelt konfrontiert. In Hotels, Restaurants und als Bedienung erfahren die Auszubildenden, wie Hierarchie funktioniert, müssen Erschöpfung, Erwartungsdruck, unfreundliche Kunden und strenge Aufseher aushalten. Die Grenze zwischen Schule und Erwachsenenleben verschwimmt immer mehr und lässt durchscheinen, was es bedeutet, sich in einem Leistungssystem hocharbeiten zu müssen. "Stets zu Diensten" begleitet die Jugendlichen in ihrem Alltag, dokumentiert ihre Zweifel, ihre Wut, aber auch ihre Träume und Lachanfälle. Hinter jeder Uniform steckt eine eigenständige Persönlichkeit und ihr Wunsch nach Selbstbestimmung.
22:40
Mira hat ihr Leben im Griff - zumindest sieht es von außen so aus. In einer anonymen Wohnsiedlung erledigt die 60-Jährige routiniert den Haushalt, füttert die Fische, kocht, wäscht und geht zur Arbeit ins Krankenhaus, wo sie als Hebamme zuverlässig für andere da ist. Zu Hause jedoch sitzt ihr Mann vor dem Fernseher, der erwachsene Sohn wirkt abwesend, Gespräche versanden. Mira trägt vieles allein. Auch das, was niemand sehen soll: Schulden, die sich über Jahre angesammelt haben, weil sie geholfen, geliehen, ausgeglichen und geschwiegen hat. An einem scheinbar gewöhnlichen Morgen steckt Mira nach den vertrauten Handgriffen ein Küchenmesser ein und geht zur Bank. Mit dem Überfall, der innerhalb von Minuten scheitert, bricht sie aus ihrem geordneten Leben aus. Die Polizei ist alarmiert, Mira flieht und wird kurz darauf verhört. Sie wirkt wie betäubt, kann ihre Tat kaum erklären, gesteht und kehrt zunächst nach Hause zurück. Dort ist sie konfrontiert mit dem Gerede der Nachbarn und der Hilflosigkeit ihrer Familie. Mira rutscht zwischen Schuld, Scham und Erschöpfung in eine Krise, die sie schließlich in die Psychiatrie führt. Dort muss sie sich mit Fragen auseinandersetzen, die sie bisher ignoriert hat: Wofür hat sie ihr Geld geopfert? Warum hat niemand ihre Not bemerkt? Während Job und familiäre Sicherheiten bröckeln, beginnt Mira, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen und Grenzen zu ziehen. Anna Jadowska erzählt dieses leise Drama in hellen, fast ausgeblichenen Bildern und mit großer Nähe zur Hauptfigur; Dorota Pomykala trägt den Film mit einer zurückgenommenen, eindringlichen Präsenz.