05:30
Alain Altinoglu sind die "Bilder einer Ausstellung" sehr vertraut. Bereits als junger Klavierschüler war er von Modest Mussorgskys abwechslungsreichem Werk, das von Gemälden und Zeichnungen von Viktor Hartmann inspiriert ist, begeistert. Geradezu überwältigt war Altinoglu, als er zum ersten Mal die Orchesterfassung von Maurice Ravel hörte: was für ein Feuerwerk an Farbigkeit und Dynamik! Sie bringt Nuancen vom zartesten Oboenton bis zum gewaltigen Orchester-Tutti samt Glockengeläut im Schluss-Bild, dem "Großen Tor von Kiew" zur Geltung. Die "Bilder" gehören zu Altinoglus Lieblingsstücken, und er hat sie bei seinem Amtsantritt als Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters gleich ins Konzertprogramm aufgenommen.
06:15
Jamie Klaes ist in Bettles, einer ehemaligen Goldgräbersiedlung, geboren. Heute leben hier nur noch 23 Menschen. Der kleine Ort liegt nördlich des Polarkreises und ist nur im Winter über eine Eisstraße zu erreichen. Im Sommer ist das Flugzeug die einzige Verbindung zur Außenwelt. Das Aufwachsen im ländlichen Alaska und das Fliegen haben Jamie und ihren Blick auf die Welt geprägt. Leidenschaftlich setzt sie sich dafür ein, indigenen Jugendlichen ein besseres Leben zu ermöglichen, indem sie ihnen kostenlosen Flugunterricht gibt. Die Dokumentation begleitet Jamie zu Menschen und Orten, die ihr wichtig sind. Ein Übungsflug mit Schülerin Lori führt die Pilotin zum atemberaubenden Knik-Gletscher, der nur per Helikopter oder Kleinflugzeug erreichbar ist. Über weite Täler, wilde Flussläufe und gigantische Bergketten geht es auch zum Denali, zum "Großen", wie der höchste Berg Nordamerikas in der Sprache der Ureinwohner heißt. In Talkeetna, Ausgangspunkt für viele Touren zum Denali-Nationalpark, trifft Jamie ihre Mutter, die ebenfalls als Pilotin arbeitet.
06:40
Zwei berühmte archäologische Stätten in Peru, die im 15. Jahrhundert gegründete Inka-Hauptstadt Cusco und der sagenumwobene königliche Palast in Machu Picchu von circa 1450, bergen kaum noch Geheimnisse für die Wissenschaft. Das Interesse der Forschung konzentriert sich derzeit ganz auf ein anderes, weit weniger bekanntes Juwel der Inka-Architektur: die Ruinenstadt Choquequirao. Sie liegt rund 100 Kilometer von Machu Picchu entfernt und erhebt sich in über 3.000 Meter Höhe über einen der tiefsten Canyons der Welt. Im 15. Jahrhundert bauten die Inka die spektakuläre terrassenförmige Anlage, die sich über mehr als 100 Hektar erstreckt, mit bloßen Händen in den Berg. Warum verwendeten sie eine solche Energie darauf, in dieser entlegenen Andenregion eine Stadt zu errichten? Was mag sie dazu bewogen haben, ein Zeichen ihrer Kultur in die schroffe Landschaft zu setzen? Um den Geheimnissen von Choquequirao auf die Spur zu kommen, bedienten sich die Wissenschaftler um den Archäologen Thibault Saintenoy der Methoden der Landschaftsarchäologie. Diese untersucht, wie eine Kulturlandschaft durch den Eingriff des Menschen in seine natürliche Umwelt entsteht. Mittels einer Drohne filmte Thibault Saintenoy mehrere Tausend Luftbilder von der Anlage. Anschließend erstellten die Forscher eine Fotogrammetrie und ein dreidimensionales Modell von Choquequirao. Die Analyse des Stadtplans und der Ausrichtung der Bauten innerhalb der Landschaft ergab, dass jedes Element der Umgebung - Berge, Gletscher, Fluss und selbst der Sternenhimmel - eine tiefere Bedeutung für die Inka hatte. Die Andenstadt entspricht also einer "heiligen Geografie": einer in die Gebirgslandschaft eingeschriebenen Weltvorstellung.
07:10
Die präkolumbianische Kultur der Maya existierte über 2.000 Jahre im Dschungel Mittelamerikas. Ihre Städte lagen im heutigen Mexiko, in Guatemala, Belize und Honduras. Die alten Maya waren eine der beeindruckendsten Kulturen auf dem amerikanischen Kontinent, sie entstand mitten in den Urwäldern. Die Maya bauten kolossale Pyramiden und verwinkelte Tempel, sie waren bewandert in Mathematik und Architektur. Wie konnte es ihnen gelingen, inmitten des Dschungels eine so beispiellose Zivilisation aufzubauen? Die Geschichte der Hochkultur kann nun dank neuer wissenschaftlicher Entdeckungen noch fundierter erzählt werden. Tief verborgen in verschiedenen Höhlen, die für die Maya Heimstatt der Götter waren, finden sich Nachweise. Die Analyse von Knochen aus Hunderten von Gräbern liefert außerdem wertvolle Hinweise auf Ernährung und geografische Herkunft der Maya, aber auch auf Umstände, die ihr Leben veränderten. Die Archäologen arbeiten mit einer Technologie namens LiDAR. Dieses System sendet Tausende Laserstrahlen unterschiedlicher Wellenlänge aus und misst die Zeit bis zur Rückkehr der reflektierten Strahlen. Die Laser sind in der Lage, das Dschungeldach zu durchdringen und hochauflösende Bilder des darunterliegenden Bodens aufzunehmen. So offenbart sich nicht nur die komplexe Herangehensweise der Maya bei der Errichtung ihrer gewaltigen Stadtstaaten, sondern auch der Zusammenbruch der Kultur. Es ist die Geschichte eines Kriegs, die Geschichte von intensiven Machtkämpfen zwischen den Gottkönigen und von Machtlosigkeit der Herrschenden angesichts klimatischer Veränderungen, die zum Zerfall führten. Dazu gehören auch unzählige Menschenopfer, die die Maya ihren Göttern darbrachten. Ihren Untergang konnten sie jedoch auch dadurch nicht verhindern.
08:00
Zu den Hauptabbaugebieten von Kurkuma gehören die Berge von Andhra Pradesh. Hier verarbeiten auch Veni Macs und Dr. Sudheer Krishna gemeinsam mit lokalen Bauern die Wunderknolle. Die beiden haben eine Kooperative gegründet, um Bio-Kurkuma zu produzieren. Denn nicht jedes Kurkumapulver ist auch Gold wert. Minderwertige Sorten, schlechte Verarbeitung und gepanschte Pulver finden ihren Weg auf den Markt. Dabei ist Kurkuma in der Kultur und Religion Indiens stark verwurzelt und begleitet das tägliche Leben vieler Bewohner als Gewürz und auch als Heilmittel. Der Wurzel wird desinfizierende, schmerzlindernde und antibiotische Wirkung zugesprochen. Sie soll gut für den Magen sein und zum Beispiel bei Gelenkschmerzen und Alzheimer helfen. Veni Macs betreibt in ihrem alten Dorf Chintapalle im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh gemeinsam mit ihrem Lebenspartner, dem Arzt Dr. Sudheer Krishna, eine Kurkuma-Kooperative. Veni ist überzeugt, dass sie durch ihre Arbeit vor allem für die vielen Frauen der umliegenden Stammesdörfer eine sicherere Existenzgrundlage schaffen kann. So lernen alle Feldarbeiterinnen, wie sie wertvolle einheimische von minderwertigen Sorten trennen und durch gezielte Anbaumethoden eine besonders reichhaltige Ernte erzielen können. Und sollte dies gelingen, steht einem ausgelassenen Kurkumafest nichts im Wege!
08:55
Es ist Frühlingsanfang, noch liegt die Insel in winterlichem Grau, doch ein junger Mann arbeitet ganz alleine mit einem Holzschieber an seinen riesigen Salzbecken: Arnaud Jégat ist einer von mehr als 100 Salzproduzenten der Insel vor der französischen Atlantikküste. Sauniers, Salzbauern, werden sie hier genannt. Mit dem Beginn des warmen Wetters ist es Zeit, die Salinen aus dem Winterschlaf zu holen. Für die vorbereitenden Arbeiten braucht Arnaud fast das ganze Frühjahr, sorgenvoll blickt er jeden Morgen in den Himmel, denn das Wetter entscheidet über den Erfolg seiner Arbeitsabläufe. Arnaud und seine Frau Audrey leben von der Produktion des groben Salzes, das ein ganzes Jahr getrocknet werden muss, bevor es vermarktet werden kann, und vom Verkauf des feineren, legendären Fleur de Sel. Anders als viele ihrer Kollegen haben sich die beiden entschieden, unabhängig zu bleiben. Sie bringen ihr Salz unter dem Namen ihres Salzgartens Le Marais Breteau selbst auf den Markt, und das Paar schließt sich auch keinem Label an: "Ich denke, dass die Leute heute eher darauf achten, meinen Namen zu lesen, mich zu treffen, mich und Audrey ... unseren Betrieb. Ich glaube, das ist unsere beste Auszeichnung." Zu Arnauds Kunden gehört mittlerweile auch eine große Supermarktkette auf dem Festland sowie andere Unternehmen und Privatleute, die die Qualität seines Salzes zu schätzen wissen.
09:50
(1): Rudyard Kiplings verlorenes Paradies (2): Im indischen Meghalaya haben die Frauen das Sagen (3): Niranjans Ziegenfleisch mit Piment und Koriander (4): Kalkutta: Im Auge des Zyklons
10:35
(1): Schottland: Monty Python und der Heilige Gral (2): Schottland: Schatz der Highlands (3): Schottland: Eine verhängnisvolle Mahlzeit
11:25
Über 25.000 Feigenbäume wachsen in den "Feigendörfern" rund um das Städtchen Kymi. Im Spätsommer ist Erntezeit. Familie Karawa pflückt jeden Tag 100 Kilogramm Feigen. Danach müssen die Früchte getrocknet werden. Dazu werden sie aufgeschnitten, auf Paletten ausgebreitet und in die Sonne gestellt. Großmutter Vassiliki, 90 Jahre alt, presst dann jeweils zwei Feigenhälften zur "Askada" aufeinander. Das darf sonst niemand, denn die Paare müssen gut zusammenpassen - was laut Vassiliki bei den Feigen nicht anders sei als bei den Menschen. Die Familie bereitet aus den Feigen traditionelle und neue Gerichte zu: Schwein mit Feigen, Feigen im Speckmantel, Salat mit Feigen, Feigenbrot oder auch Chutney.
11:50
Das Piemont, die italienische Region "am Fuß der Berge", grenzt an Frankreich und die Schweiz. Aus den Höhen fließt der Po in die Ebene mit der Hauptstadt Turin. Weiter östlich erstreckt sich die Po-Ebene, wo der Reisanbau die Landschaft prägt. Das Wasser für die Reisfelder kommt aus den Alpen; die Schneeschmelze im Frühjahr spült es ins Tal. Der kleine Ort Barolo in der Hügellandschaft des Piemont steht für einen der besten Rotweine Italiens. Ein beliebter Begleiter zum Aperitivo auf der Dorfpiazza sind die typischen Grissini. Die Geschwister Cravero stellen sie in ihrer Bäckerei auf traditionelle Weise her: Gezogen werden sie von Hand und dann im Steinofen gebacken. Und mit Glück findet man auch den edelsten unter den Edelpilzen: Trüffel aus dem Piemont gelten als die besten der Welt und werden zu Spitzenpreisen gehandelt. Rund um Alba werden die Wälder im Herbst zum Jagdgebiet für die heiß begehrte Köstlichkeit. Auch Trüffelsucherin Martina Aloi und ihre Hündin Edvige haben es auf die schmackhaften Knollen abgesehen. Als Storchenhauptstadt Italiens gilt Racconigi. Hier machen die Langbeiner Rast auf ihrem Weg nach Afrika. Und viele Storchenpaare haben sich auch langfristig niedergelassen. Bruno Vaschetti hat auf seinem Hof Sumpfgebiete angelegt für heimische Vogelarten, aber auch für Zugvögel, die hier eine Rast einlegen.
12:45
Die Emilia-Romagna ist bekannt für Parmesan, Parmaschinken und den Balsamico-Essig aus Modena. Die Region im Nordosten Italiens ist auch ein Paradies für Tiere: In der Lagune um Comacchio lebt eine der größten Flamingo-Kolonien Europas. Die Flamingos wanderten erst vor wenigen Jahren ins Po-Delta ein, wo sie ideale Lebensbedingungen vorfanden. Auch Wildpferde aus der Camargue sind heute hier heimisch. Ein Pferdenarr hat vor Jahrzehnten ein paar Pferde ausgesetzt. Mittlerweile sind es schon Dutzende weißer Wildpferde. Die Valli di Comacchio bilden eine der größten Lagunenlandschaften Italiens - und das mitten in der Emilia-Romagna. Fast 4,5 Millionen Einwohner zählt die Region mit der Hauptstadt Bologna, einer der ältesten Universitätsstädte Europas und Metropole des guten Essens. Zu den berühmtesten Nudelmacherinnen gehören die Schwestern Zappoli. Ihr Geheimnis? Eine gute Pastamacherin braucht Gespür für das Wetter. Am Wochenende lädt einer der berühmtesten Strände Europas zum Spaziergang ein. Der 15 Kilometer lange Sandstrand von Rimini ist in der Nebensaison Naherholungsgebiet. Hinter der Küste wird seit Jahrhunderten Reis angebaut - meist von Frauen, den "mondine". Sie wurden berühmt, weil sie auf den Feldern Lieder gegen die ehemals schlechten Arbeitsbedingungen sangen. Noch heute singen Alt und Jung gemeinsam, um das Kulturerbe zu bewahren. Der Süden der Emilia-Romagna ist geprägt von mittelalterlichen Festungen, Kreidefelsen und Weinbergen. Aus den Trauben wird nicht nur der Perlwein Lambrusco hergestellt, sondern auch der traditionelle Balsamico-Essig aus Modena.
13:35
Die Marken gelten als die letzte unentdeckte Region der italienischen Halbinsel. Dabei bietet die mittelitalienische Region idyllische kleine Bergdörfer, liebliche Hügellandschaften, schroffes Gebirge und ursprüngliche italienische Lebensweise. Für die Bewahrung der Traditionen setzen sich vor allem junge Einheimische ein. Viele kehren nach dem Studium in ihre alte Heimat zurück. Hier versucht Danila Versini mit einem Start-up die alte Papierhandwerkskunst in der Stadt Fabriano wiederzubeleben. Die Geschwister Cardinali produzieren Wein aus Sauerkirschen und eine Kooperative fördert den Anbau einer regionalen Spezialität: der Platterbse. Die Landschaft der Marken mit dem fruchtbaren Boden ist von Landwirtschaft geprägt. Erst vor 30 Jahren wurden die Sibillinischen Berge als Nationalpark unter besonderen Schutz gestellt. Fast zu spät, denn einige Tierarten waren da schon akut bedroht. Darunter die Apenninischen Gämsen. Allmählich erobern die Tiere ihre alte Heimat rund um den Monte Bove zurück. Auf einem Hochplateau trägt Marco Scolastici zum Artenschutz bei: Die Sopravissana-Schafe waren fast ausgestorben, weil sie weniger Milch geben als andere Rassen. Dafür sind sie robuster und halten die niedrigen Temperaturen im Winter aus. Das verheerende Erdbeben von 2016 hatte Marcos Hof zerstört. Ein neuer Stall schafft gutes Raumklima für seine Tiere und ist erdbebensicher. So kann er ruhiger schlafen.
14:30
Wenn Menschen ihren Job verlieren, dann beginnt für Ryan Bingham die Arbeit. Im Auftrag feiger Chefs, die gefeuerten Angestellten nicht mehr in die Augen zu sehen wagen, überbringt er die schlechte Nachricht, verpackt als Chance für einen Neubeginn. Dank der Wirtschaftskrise ist er sehr gefragt - 322 Tage im Jahr jettet der Kündigungsspezialist von Firma zu Firma quer durchs Land. Die nomadische Existenz in Airport-Hotels und Businesslounges kultiviert der überzeugte Single mit sportlichem Ehrgeiz. Sein großes Ziel: Er will unter all den Vielfliegern als Siebter die sagenumwobene 10.000.000-Meilen-Schallmauer durchbrechen. Da lernt er die eloquente Geschäftsfrau Alex kennen, eine verwandte Seele, die vergessen geglaubte menschliche Regungen in ihm weckt. Zudem bringt die ehrgeizige Harvard-Absolventin Natalie Ryans penibel strukturiertes Leben durcheinander. Die neue Kollegin schlägt vor, die "Freistellungen" künftig nur noch vom Büro aus per Videokonferenz abzuwickeln. Das geht jedoch selbst dem abgebrühten Ryan zu weit ...
16:15
Im heutigen Jordanien, an der Grenze dreier Wüsten - der Syrischen Wüste, der Arabischen Wüste und der Wüste Negev - liegt die geheimnisvolle Felsenstadt Petra, eine der großartigsten und faszinierendsten Stätten der Antike. Heute ist Petra die größte Touristenattraktion in Jordanien. Europäische Forschungsreisende haben die rätselhaften Ruinen im 19. Jahrhundert entdeckt: Die in den Fels gemeißelten Grabtempel mit ihren monumentalen Fassaden wurden vor ungefähr 2.000 Jahren errichtet und ihre Bauweise steht der Architektur der größten Gebäude Roms oder Alexandriens in nichts nach. Aber die Zivilisation, die sie hervorgebracht hat, war zu jener Zeit völlig unbekannt. Wer hat diese Bauten an diesem entlegenen Ort erschaffen? Und vor allem wie und wozu? Zwei griechische Autoren erwähnen Petra in ihren Berichten als das Herz eines florierenden Königreichs inmitten der von nabatäischen Nomaden bewohnten Wüste. Der eine beschreibt Petra als eine gigantische Nomadensiedlung, während der andere von einer luxuriösen Stadt spricht, deren Bewohner einen gehobenen Lebensstil pflegten. Wie hätte sich eine solche Stadt in dieser kargen Umgebung entwickeln können? Im Laufe der letzten 20 Jahre arbeiteten internationale Archäologenteams daran, diesen Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Am Fuße der Grabstätten gibt der Sand die Reste einer Metropole frei, die über eine raffinierte Infrastruktur verfügte. 200 Kilometer weiter im Süden, im heutigen Saudi-Arabien, liefern die Ausgrabungen an einer anderen nabatäischen Stätte, Hegra, wertvolle Informationen, die es uns heute ermöglichen, die Geschichte dieser einzigartigen antiken Überreste zu rekonstruieren. Ein Puzzlestück fügt sich zum anderen, und so ergibt sich eine komplett neue Sicht auf das sagenumwobene Petra mit seinen Kulturdenkmälern, die heute zum UNESCO-Welterbe gehören.
17:40
(1) Russland: Der Buchstabe "Z" steht in Russland für den Krieg und ist seit Februar 2022 bis heute das offizielle Symbol für die Invasion in die Ukraine. Wie sehen junge Russen der Generation Z die Entwicklung ihres Landes unter Putin? (2) Madagaskar: Jeden Tag klicken rund 100.000 Menschen, um die Algorithmen der künstlichen Intelligenz zu trainieren.
18:30
Einen halben Tagesmarsch dauert der Aufstieg mit Packpferden in das Sommerlager der Schäferin Laqe und ihrer Familie, auf einer Hochebene in den Bergen nördlich des kleinen Dorfes Lepushe. Jedes Jahr wandert die Familie mit ihrer Schafherde hinauf und bleibt, bis der erste Schnee fällt. Das Weideland weit oben in den Bergen empfindet Laqe als Paradies: "Mein halbes Leben habe ich hier verbracht", so die Schäferin. "Und ich bete zu Gott, dass ich hier sterben darf." Hoch über dem Bergfluss Shala lebt Gjelosh Preka mit seiner Frau Mirja. Er betreibt den letzten Laden in den Bergen. Wer etwas kaufen will, ruft so lange nach Gjelosh, bis er den Hang herunterklettert und seinen Laden aufschließt: "Ich verkaufe alles, was die Menschen hier oben brauchen. Heute leben nur noch etwa 30 Menschen hier." Hauptberuflich arbeitet Gjelosh im alten Wasserkraftwerk im Tal, repariert ehrenamtlich die maroden Stromleitungen in halsbrecherischer Höhe und schleppt mit seinem Allradwagen liegengebliebene Autos ab. Denn hier oben gibt es kaum befahrbare Straßen - oft führen nur felsige Pfade weiter.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Provokation ist politisches Kapital. Kaum jemand nutzt sie so gezielt wie US-Präsident Donald Trump. Polarisieren, empören, Grenzen verschieben: Das ist seine Strategie. In einer Zeit, in der Algorithmen starke Reaktionen belohnen - egal, ob negativ oder positiv - wird Provokation zur Währung. Der Reporter Jean-Michel Scherbak, der in Russland schon allein wegen seiner Hautfarbe und seiner sexuellen Orientierung aneckt, fragt: Macht Provokation Demokratien lebendiger oder gefährlicher? "Tracks East" trifft Menschen, die mit Provokation arbeiten oder gegen sie ankämpfen. In New York mischen junge Aktivisten und Aktivistinnen die Politik auf: Die "Hot Girls 4 Zohran" verhalfen dem linken Politiker Zohran Mamdani mit reichlich Humor und Memes zum Sieg als Bürgermeister von New York. Besonders die Gen Z feiert seine radikale Ehrlichkeit. Kritiker warnen vor Populismus im progressiven Gewand. In der Türkei musste die Girlband Manifest erleben, wie schnell weibliche Selbstbestimmung kriminalisiert werden kann. Ein Konzert in freizügigen Outfits führte zu Ausreiseverbot und Zensur. Die Musikerin und Labelbetreiberin Aisu aus Istanbul spricht trotz Risiko offen darüber, wie Provokation für Frauen zum Balanceakt wird. Die polnische Künstlerin Ivana Vladislava nutzt ästhetische Übertreibung, um die Doppelmoral der Gesellschaft zu entlarven: Wer bestimmt, was "zu viel" ist, und wer darf sich schön finden? In Moskau werden trotz des Krieges und der autokratischen Regierung Sex-Partys veranstaltet - und zwar direkt gegenüber der Zentrale des Geheimdienstes FSB. Organisator Ilja beobachtet Veränderungen in der Szene, weiß jedoch auch, dass das Bedürfnis nach Sex in Kriegszeiten sogar größer wird.
20:15
Von außen wirkt die Alhambra mit ihrer 2.000 Meter langen Mauer und den zahlreichen Türmen wie eine schmucklose Festung, doch sie birgt einen weltweit einzigartigen Schatz: eine mit unzähligen Ornamenten verzierte Palastanlage, die zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert von den Nasridensultanen, den Herrschern des letzten muslimischen Reichs in Spanien, auf einem Hügel in Granada errichtet wurde. Die Nasridensultane schöpften aus dem Wissen und Können einer jahrhundertealten Kultur, beschäftigten die begabtesten Handwerker und perfektionierten ihre Kunst bis ins kleinste Detail, um ihre Stadt in eine idyllische Oase zu verwandeln - die letzte Demonstration der Talente und Zufluchtsort einer Welt, die durch den unaufhaltsamen Vormarsch der Reconquista bereits dem Untergang geweiht und zwischen der Notwendigkeit, ihr Territorium zu verteidigen, und einem fast philosophischen Streben nach Wohlbefinden hin- und hergerissen war. Der Film begleitet Archäologen, Restauratoren und Historiker bei der Arbeit. Sie erforschen die Geheimnisse der Herstellung der unzähligen Sterne in den Palastkuppeln, ergründen die Bedeutung der seltsam anmutenden Deckenmalereien in manchen Gewölben und die Feinheiten der komplexen Geometrie. Und sie beschäftigen sich auch mit den bisher kaum erforschten Palastwerkstätten, in denen die in ganz Europa begehrten Keramiken hergestellt wurden. Welch außergewöhnliches Zusammenspiel von Kunst und Wissenschaft brachte die meisterhaften Ornamente hervor? Woher stammt das für die Planung und Ausführung erforderliche Wissen? Wovon erzählen die mehreren Tausend kalligraphischen Inschriften auf den Wänden des Palastes? Wie konnte diese letzte Bastion der muslimischen Herrschaft in Spanien zweieinhalb Jahrhunderte überdauern - auf der Spitze eines Hügels, als die schillerndste mittelalterliche Akropole im Mittelmeerraum? Er wird noch lange dauern, bis alle Geheimnisse der zehn Hektar umfassenden Alhambra gelüftet sind.
21:45
In der Neuproduktion der Salzburger Festspiele verkörpert Opernstar Asmik Grigorian Carmen als vielschichtige, starke Frau zwischen Freiheitspathos und Verwundbarkeit. Gabriela Carrizo inszeniert mit ihrer Compagnie Peeping Tom und Jonathan Tetelman (Don José) eine radikal zeitgenössische "Carmen" als verstörend aktuelle Geschichte von Femizid. Souverän, verführerisch und unberechenbar: Asmik Grigorian spielt die Titelrolle in "Carmen" als vielschichtige und starke Frau: Diese Interpretation legt aber auch die Risse unter der ikonischen Oberfläche frei und lässt Carmens Freiheitspathos ebenso hörbar werden wie ihre Verwundbarkeit. "Carmen" ist eine der populärsten Opern. Komponiert von Georges Bizet und uraufgeführt 1875 in der Opéra-Comique in Paris. Schauplatz der Handlung ist Sevilla. Das Libretto haben Henri Meilhac und Ludovic Halévy nach der gleichnamigen Novelle von Prosper Mérimée verfasst. In über 150 Jahren wurde Carmen zum Symbol radikaler weiblicher Selbstbestimmung. Dem bürgerlich-patriarchalen Besitzanspruch von Frauen abtrünnig, beansprucht Carmen in der Habanera und Seguidilla das Recht auf freie Partnerwahl. Ihre Unabhängigkeit und sexuelle Autonomie provozieren, und sie wird zu einer Projektionsfigur als Gegenentwurf zu Konvention und Zwang. Die Inszenierung der Regisseurin und Choreographin Gabriela Carrizo rückt Carmen und Don José, gesungen von Jonathan Tetelman, gleichermaßen ins Zentrum. Mit ihrer Tanztheater-Compagnie Peeping Tom zoomt sie mit der typischen intensiven Körperlichkeit und der präzisen Bildsprache tief in die Psyche und das Unbewusste der Figuren. Sie zeigt familiäre Prägungen, gesellschaftliche Zwänge und die Dynamik eines toxischen Begehrens. So entsteht gemeinsam mit dem Utopia Orchestra unter der Leitung von Teodor Currentzis eine neue "Carmen" zu den Salzburger Festspielen 2026 - eine verstörend aktuelle Geschichte von Femizid.