05:00
Tiere verfügen über eine beeindruckende Vielfalt an Kommunikationstechniken, die sie nutzen, um zusammenzuarbeiten. So können beispielsweise Laute, Berührungen oder visuelle Darstellungen dazu beitragen, dass sie zusammenkommen und als Gruppe arbeiten können. Ein Beispiel dafür ist das erstaunliche Starengemurmel, bei dem Tausende Vögel als eine einzige wirbelnde Masse fliegen. Wissenschaftler vermuten, dass sie damit Raubvögel wie Falken verwirren, damit diese sich nicht auf einen einzelnen Vogel konzentrieren können, um ihn anzugreifen. Auch Wölfe geben sich Signale durch Laute: Sie kommunizieren, indem sie auf verschiedene Arten heulen, um in der Wildnis als Rudel zusammenzubleiben, falls sie getrennt werden. Ameisen haben eine besondere Technik entwickelt, um als Team kommunizieren zu können. Im wissenschaftlichen Experiment folgen sie sich gegenseitig zu einer Nahrungsquelle und verwenden dabei ein System, das Tandemlauf genannt wird. Dabei führt eine Ameise eine andere an, um sie in der richtigen Richtung zu halten. Eine der wohl ausgefallensten Kommunikationsarten haben Flamingos. Die korallenfarbigen Vögel führen unglaubliche Gruppentänze auf, bei denen sie sich zu Tausenden in einem atemberaubenden Schauspiel der Synchronität gemeinsam drehen. Auch Delfine bewegen sich synchron, indem sie sich zusammenschließen und gemeinsam durch das Wasser schwimmen - häufig führen auch sie ausgeklügelte Pirouetten als Gruppe aus. Afrikanische Wildhunde kooperieren beispielsweise als Team, um gemeinsam leichter Beute zu machen und um den Familienverband zu erhalten.
05:55
Lison de Caunes hat einen wichtigen Termin bei einem Luxusjuwelier in Paris. Die französische Künstlerin und Möbeldesignerin, deren Markenzeichen die Arbeit mit dem veredelten Stroh ist, das sie stilgemäß über Möbelstücke oder Wände spannt, soll eine aufwendige Dekoration für eine geplante Boutique in Chicago entwerfen. Das Material dafür bezieht sie aus dem Burgund, einer ländlich geprägten Gegend im Herzen Frankreichs, deren Bauern lange Zeit mit dem derben und haltbaren Roggenstroh arbeiteten, um damit etwa ihre Dächer zu decken oder Wände abzudichten. Aufgrund neuer maschinell erstellter Alternativen sank die Nachfrage in den letzten Jahren jedoch, so dass nur noch wenige kleine Betriebe überlebten, die das Naturprodukt verarbeiteten. Im Dorf L'Abergement-de-Cuisery war Jean-Jacques Rodot der Letzte, der Roggen eigens wegen der baulichen Qualitäten des Materials anbaute. Mangels Kunden war er kurz davor, ebenfalls aufzugeben, doch seine Begegnung mit Lison de Caunes änderte alles. Sie nutzte das von Jean-Jacques Rodot gefärbte Stroh, um damit Möbelstücke zu veredeln und sie so zu exquisiten Unikaten werden zu lassen. Ein Trend, der auch andere Kunsthandwerker inspirierte und bis heute anhält. So gibt es mancherorts wieder kleine Ateliers und Werkstätten, die für teures Geld exklusive Stühle bespannen oder Kommoden beschichten. Lison de Caunes hat sich derweil mit dem Juwelier auf einen Auftrag geeinigt. Ein mehrere Meter hoher Paravent, dessen Oberfläche an das farbenfrohe Rad eines Pfaus erinnern wird, soll die Niederlassung in Chicago zieren. Eine Herausforderung für die Künstlerin und ihr Team. Schon in wenigen Wochen soll das exquisite Objekt auf die Reise geschickt werden.
06:50
(1): Rundstück warm, der heimliche Verwandte des Hamburgers (2): Kulinarische Mitbringsel (3): Ran an die Töpfe!
07:20
(1): Die Bretagne in den Liedern von Alan Stivell (2): El Salvador: Wie der Xuc ein Volk zum Tanzen brachte (3): Irland: Camillas Apfel-Brombeer-Kuchen (4): New York: Aufruhr am Theater
08:05
(1): Anjou: Étienne Davodeaus dokumentarische Kunst (2): Levittown: US-amerikanische Vorstadt-Utopie (3): Deutschland: Rayks Forelle mit Gemüse (4): Madrid: Ein tödliches Gerücht
08:55
Tiere können sich je nach Situation mit vielen verschiedenen Lauten verständigen. Mit neuen Methoden versuchen Wissenschaftler, die Bedeutung dieser Laute zu erforschen und zu verstehen. Eine faszinierende Auswahl zeigt die unglaubliche Vielfalt der verschiedenen Geräusche, mit denen Tiere kommunizieren. So haben Königspinguine einen besonderen Ruf, der es ihnen ermöglicht, sich gegenseitig in einem riesigen Getümmel auszumachen, selbst wenn Tausende anderer Pinguine ebenfalls schreien. Elefanten wiederum erzeugen spezielle Infraschall-Laute, um über große Entfernungen hinweg miteinander in Kontakt zu bleiben. Diese Töne haben eine zu niedrige Frequenz, als dass das menschliche Ohr sie hören könnte. Auch Fledermäuse verwenden eine Form der Kommunikation, die Menschen normalerweise nicht hören können, da viele ihrer Rufe im Ultraschallbereich liegen. Die Frequenz ist somit zu hoch, um für das menschliche Ohr hörbar zu sein. Mit einem speziellen Gerät, dem Fledermausdetektor, übersetzt ein Fledermausexperte diese Rufe und entschlüsselt, was sie bedeuten. Neueste technologische Entwicklungen ermöglichen es, den geheimen Gesprächen zu lauschen, die sich im Tierreich um uns herum abspielen.
09:45
Forscherinnen und Forscher fanden heraus, dass Tiere mittels visueller Signale und Körperbewegungen interagieren und kommunizieren. Zum Beispiel kann die Art und Weise, wie der Pfau seine Federn präsentiert, als visuelle Methode eingeordnet werden. Einige Wissenschaftler glauben, dass die Augenflecken auf seinen Federn durch besondere Bewegungen und die leuchtenden Farben "hypnotisierend" auf das Weibchen wirken. Ähnlich spektakulär ist das Verhalten des männlichen Buckelwals, der aus dem Meer auftaucht, in die Luft springt, um sich dann wieder ins Wasser fallenzulassen. Es ist ein unglaublich beeindruckendes Schauspiel, von dem Wissenschaftler glauben, dass es sich dabei um eine Form der Kommunikation handelt. Die Theorie besagt, dass er damit anderen Walen über Entfernung mitteilt, dass er bereit ist, sich zu paaren. Außerdem erforscht die Wissenschaft den komplexen "Schwänzeltanz" der Honigbiene, bei dem sie mit ihrem Hinterleib wackelt, um anderen Bienen im Bienenstock mitzuteilen, wo sich eine Futterquelle befindet. Wissenschaftler setzen KI-Technologien ein, um diese "Tänze" zu erfassen und ein klareres Bild davon zu bekommen, was sie aussagen. All diese Beispiele zeigen, wie vielfältig die tierische Kommunikation ist und wie viele bemerkenswerte körperliche Bewegungen Tiere einsetzen, um miteinander zu kommunizieren.
10:40
Die Welt der tierischen Kommunikation ist komplex und geht über Sehen und Hören hinaus. Tiere nutzen eine Vielzahl von Methoden, darunter Duftstoffe, Chemikalien, Licht und Elektrizität, um Botschaften zu übermitteln, die für ihr Überleben, die Paarung und den sozialen Zusammenhalt von entscheidender Bedeutung sind. Wissenschaftler wollen diese "Geheimsprache" entschlüsseln und herausfinden, wie und wann Tiere diese verschiedenen Arten der Kommunikation einsetzen. Eine weit verbreitete Methode der Kommunikation unter Tieren ist die Sprache der Gerüche. Diese stillen Botschaften bestehen aus chemischen Substanzen, den sogenannten Pheromonen. Tiere geben sie in die Luft ab, damit andere - insbesondere potenzielle Partner - sie wahrnehmen können. Pheromone helfen beispielsweise Wild- und Hauskatzen, um miteinander zu "kommunizieren" und Nachrichten zu hinterlassen. Schmetterlinge wiederum nutzen ultraviolettes Licht zur Verständigung. Sie sind in der Lage, dieses Licht auf ihren Flügeln zu fluoreszieren. Es wird angenommen, dass die UV-Signale den Schmetterlingen bei der Partnerwahl helfen und Teil des Rituals sind. Andere Tiere wie Zitteraale nutzen Elektrizität zur Kommunikation. In den dunklen Tiefen des Amazonas nutzen diese außergewöhnlichen Lebewesen Niederspannungsstromstöße nicht nur, um ihre Beute zu töten. Sie teilen sich damit auch ihr Geschlecht und ihre Paarungsbereitschaft mit.
11:55
(1): Poulet Yassa, ein senegalesischer Gruß an Europa (2): Nostalgiegeschmack: Manbiron, eine Senegalesin in Paris (3): Ran an die Töpfe!
12:25
(1): Norwegen: Die verschwundenen Fjorde von Anne B. Ragde (2): El Salvador: Die Farbenpracht der Wandmalereien (3): Papua-Neuguinea: Trishs Kokosbananen (4): Athen: Eine musikalische Arche Noah
13:10
(1): Celia, Elena Fortúns kleine Heldin aus Madrid (2): Bordeaux: Die Stadt der zehntausend "Échoppes" (3): Hawaii: Lasagne mit Brotfrüchten von Heidi (4): Irland: Piraten außer Kontrolle
14:00
Hanni Schwaiger lebt mit ihrem Mann Sepp, ihren drei Kindern und ihrer Schwiegermutter auf einem Bauernhof in Bayern. Hier prägt weniger die Idylle als vor allem harte Arbeit den Alltag. Und dann sind da die Sorgen um Tochter Magdalena, die kaum noch isst, sich ständig erbricht, unter schweren Kopfschmerzen leidet und offenbar ihre Sehkraft verliert. Doch außer Hanni scheint niemand die Symptome ernst zu nehmen. Nicht Sepp, nicht die beiden Söhne, schon gar nicht die Schwiegermutter. Sie fühlen sich zunehmend von Hanni vernachlässigt. Auch die Ärzte glauben ihr nicht. Sie verschreiben Placebos wie etwa eine Brille mit Fensterglas. Doch Hanni gibt so leicht nicht auf. Auf sich allein gestellt, bildet sie sich als Autodidaktin anhand medizinischer Fachliteratur weiter und lässt auf eigene Kosten die Wachstumshormone ihrer Tochter bestimmen. Das führt endlich zur richtigen Diagnose: Magdalena hat einen Hirntumor, der mittlerweile so groß ist, dass nur ein in New York praktizierender Chirurg noch die Operation wagen würde. Hanni nimmt ihren Mut zusammen und fliegt zu ihm. Tatsächlich gelingt es ihr, den Arzt und sein Team nach Deutschland zu holen. Schon als junges Mädchen war Hanni ganz auf sich allein gestellt. Die ganze Dorfgemeinschaft und vor allem auch die eigene Mutter sahen weg, als sie missbraucht wurde. Nur ein Richter glaubte ihr Jahre später. Nach den schweren ärztlichen Versäumnissen an Hannis Tochter stellt erneut ein Gericht wieder Gerechtigkeit her ...
15:45
Eine Reise zu den Anfängen des Speiseeises: von chinesischem und arabischen Schneesorbets bis zur Erfindung der ersten Kühlmethoden mit Eis-Salz-Mischungen in Eiskellern - denn: ohne Eis kein Eis! Von da war es nicht mehr weit zum italienischen Gelato und den ersten Kühlschränken. Der technische Wandel ließ Eis vom Luxus- zum Alltagsprodukt werden. Im schwedischen Västerbotten besuchen wir eine Familie, die die Milch ihrer Kühe mit der Hand zu Eis verarbeitet. Lucie zeigt ein schlichtes Rezept für eine spektakuläre Eistorte und wie Eis auch ohne eine Maschine cremig wird. Bei einer Blindverkostung wagt sie sich an ungewöhnliche Sorten: Wie wär's mit Colablatt- und Estragon-Eis? Außerdem erklären Expertinnen, warum Gehirnfrost entsteht und wie man den Schmerz schnell wieder loswird.
16:20
Kiribati ist einzigartig: Als einziges Land der Erde erstreckt sich der pazifische Inselstaat über alle vier Hemisphären. Seine 32 Atolle verteilen sich über einen Ozeanraum, so groß wie ein Kontinent. Die Insel Kiritimati, auch bekannt als Christmas Island, liegt direkt auf der internationalen Datumsgrenze und gehört damit zu den ersten Orten weltweit, an denen ein neuer Tag beginnt. Doch die extreme Abgeschiedenheit im zentralen Pazifik wurde der Insel in den 1950er und 1960er Jahren zum Verhängnis: Die USA und Großbritannien testeten hier Atom- und Wasserstoffbomben. Dass sich die größte Koralleninsel der Welt heute wieder als Naturparadies mit unberührten Lagunen und Millionen von Seevögeln präsentiert, grenzt für Ranger Bauro Kampei an ein Wunder. Seit Jahren überwacht er Cook Island, ein streng geschütztes Vogelreservat. Zehntausende Seevögel brüten hier - abgeschirmt von äußeren Einflüssen. Für Bauro ist Naturschutz keine abstrakte Idee, sondern eine Verantwortung gegenüber seinen Kindern und Enkeln. Fast 3.500 Kilometer weiter westlich hat der Fischer Iotebwa Temwakei ein Leben geführt, von dem viele in Kiribati träumen. Auf Containerschiffen bereiste er die Weltmeere. Zufrieden war er auf den Ozeanen - wirklich glücklich jedoch erst, seit er in seine Heimat zurückgekehrt ist: auf die Insel Abaiang. Abaiang ist ein Ort, an dem die Zeit langsamer vergeht. Die Lagune ist viermal so groß wie die Insel selbst, das Korallenriff weitgehend intakt. Viele Menschen leben hier noch immer von dem, was das Meer ihnen gibt.
17:05
Niue unterscheidet sich von den meisten Inseln im Südpazifik. Der gewaltige Kalksteinfelsen, der sich aus dem Meer erhebt, wirkt wie eine natürliche Festung - mit schroffen Steilküsten, spektakulären Höhlen und schwer zugänglichen Schluchten. Eine Landschaft wie von einer anderen Welt, bewohnt von nur rund 1.700 Menschen. Vor mehr als 20 Jahren kam der Imker Andy Cory wegen einiger verlassener Bienenstöcke nach Niue - und fand seine Lebensaufgabe. Seine Bienenvölker zählen zu den letzten krankheitsfreien der Erde. In Zeiten des weltweiten Insektensterbens bewahrt er auf dieser kleinen Insel einen Schatz von unschätzbarem Wert. 2022 stellte Niue seine gesamte Meeresfläche unter Schutz - ein Gebiet von 320.000 Quadratkilometern. Walbeobachter BJ Rex kennt die Gewässer rund um seine Heimat wie kaum ein anderer. Gemeinsam mit der Meeresbiologin Enorha Guimard begleitet er Buckelwale, die hier jedes Jahr ihre Jungen zur Welt bringen und aufziehen. Ein Naturschauspiel, das nur an wenigen Orten der Erde in dieser Intensität zu erleben ist. Seit jeher bestimmt der Ozean das Leben der Menschen auf Niue. Im Dorf Hakupu im Südosten der Insel arbeitet der Künstler Sully Paea mit Kindern an einem traditionellen Kanu. Er will altes Wissen bewahren und weitergeben. Sein Traum: eines Tages mit einem selbstgebauten Boot nach Tonga zu segeln, so wie es seine Vorfahren einst taten. Niue ist nicht nur ein ökologisches Refugium, sondern auch kulturell einzigartig, mit eigener Sprache, starker Identität und als weltweit erste "Dark-Sky-Nation". Eine faszinierende Reise in eine nahezu unbekannte Südseewelt - über und unter Wasser, bei Tag und bei Nacht.
17:50
Wallis und Futuna gehören zu den Orten im Pazifik, an denen traditionelle Südseekultur bis heute lebendig ist. Das französische Überseegebiet liegt rund 5.000 Kilometer nordöstlich von Australien und mehr als 16.000 Kilometer vom Mutterland entfernt. Die Schwesterinseln gehören zu Frankreich, doch zugleich werden sie von eigenen Königen regiert, tief verwurzelt in polynesischer Tradition. Das Leben in diesem abgelegenen Paradies ist nicht einfach. Viele junge Menschen verlassen die Inseln auf der Suche nach besseren Perspektiven. Der 19-jährige Esaia Kafikaila jedoch ist geblieben. Wie sein Vater arbeitet er als Fischer, taucht nach Muscheln und lebt von dem, was Meer und Felder hergeben. Für ihn ist Futuna kein Ort des Mangels, sondern der Freiheit - ein Leben ohne Hast, ohne Termindruck. Nur zehn Bootminuten entfernt liegt die kleine Nachbarinsel Alofi. Dort lebt Atelemo, bekannt als der "Eremit von Alofi". Allein bestellt er sein Land, geht täglich mit seinen Hunden zur kleinen Kapelle - und wünscht sich nichts sehnlicher, als eines Tages hier begraben zu werden. Zwischen königlichen Empfängen und Kava-Zeremonien, Familienfesten und sportlichen Wettkämpfen am französischen Nationalfeiertag zeichnet die Dokumentation das eindrucksvolle Porträt einer fernen Inselwelt. Die Landschaften wirken wie ein Kaleidoskop der Natur: Futuna mit steilen Bergen und dichtem Regenwald, Wallis mit geheimnisvollen Vulkankraterseen und vorgelagerten Inseln, die in der Lagune ein leuchtendes Mosaik aus türkisfarbenem Wasser und schimmernden Sandbänken bilden.
18:35
Entlang der pazifischen Küsten Nordasiens leben Braunbären, Eisbären und Kragenbären. Die Region weist eine der höchsten Bärendichten der Welt auf. In einer Welt aktiver Vulkane, stürmischer Kaltsteppen und nordischer Urwälder liegt ihr "Bärland". Sie gelten als Herrscher dieser Wildnis. Doch um sie herum walten Mächte, die größer sind als sie. Im Norden warten die Eisbären auf Packeis. Doch in diesem Jahr gefriert das Meerwasser nicht. Damit fehlt der Kitt, der Schollen und Eisberge zusammenschweißt und den Eisbären die Jagd auf Robben ermöglicht. In ihrer Not suchen sie Nahrung in verlassenen Siedlungen. Ein riesiger Vulkansee ist das Ziel zahlloser Braunbären. Sie warten nach den Monaten der Winterruhe auf die Rotlachse, die aus dem Meer heraufkommen. Ein Tsunami von Fischkörpern ergießt sich in den See, und das große Fressen beginnt. Ein Naturwunder, verantwortlich für die höchste Bärendichte auf unserer Erde. Aber wenn die Lachsflut zu früh endet oder ausbleibt, wird auf die eigenen Artgenossen Jagd gemacht. Gerade für junge Bären ist das Überleben ein Kampf. In den Urwäldern an der Südküste "Bärlands" herrscht eher Überfluss. Doch Kragenbären müssen auf der Hut sein. Tiger und Leoparden bestimmen hier die Reviere und den Gang der Dinge. Dafür nutzen sie ein Kommunikationssystem aus Gerüchen. Baumstämme sind die "Funkmasten", die von allen Bewohnern gezielt markiert und deren Botschaften schnuppernd dekodiert werden. Die Dokumentation wirft erstmalig einen Blick auf die drei Bärenarten in ihren benachbarten Lebensräumen und zeigt, wie dort die Räder der Natur ineinandergreifen und sich ihr Lauf verändert.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Industriekletterer arbeiten an einem Seil befestigt an den Außenwänden von Bürogebäuden, Windrädern, Silos oder Steilhängen in schwindelerregender Höhe von mehreren Hundert Metern. Die Schweißer, Maurer, Reinigungskräfte und von den Gemeinden beauftragten Arbeiter gehen dabei enorme Risiken ein: In Frankreich kommen die meisten tödlichen Arbeitsunfälle beim Verrichten von Tätigkeiten mit Seilzugangstechnik vor. Die ehemals freischaffende Grafikerin Ella Freeman hat den Beruf wie viele andere Höhenarbeiter erst über Umwege für sich entdeckt und irgendwann den Bildschirm gegen die Arbeit am Seil eingetauscht. An Steilhängen in ganz Frankreich bringt sie Vorrichtungen zum Schutz vor Steinschlag an. Mit ihrem Lebensgefährten und Kollegen Yohann tourt sie durch das Land und fährt - für ihren Beruf typisch - als Leiharbeiterin von einer Baustelle zur nächsten. Grégory Molina ist seit rund zehn Jahren Industriekletterer. Nachdem er Zeuge zahlreicher Berufsunfälle wurde, hat er die erste Gewerkschaft für Höhenarbeiter gegründet: "Cordistes en colère, cordistes solidaires" (Wütende und solidarische Höhenarbeiter). Ziel ist es, Industriekletterer zu unterstützen, die einen Berufsunfall hatten, Sicherungsschulungen für das Arbeiten mit Seilzugangstechnik anzubieten und für bessere Arbeitsbedingungen einzutreten. Liam Bouttémy ist 22 Jahre alt und träumt davon, Höhenarbeiter zu werden. Der Beruf reizt ihn trotz seiner Gefahren. Wie viele Industriekletterer kommt auch er aus dem Bergsport: Mit fünf oder sechs Jahren hat seine Mutter ihn zum Klettern angemeldet. Der Höhenarbeiter in Ausbildung wünscht sich, später auf Baustellen inmitten der Natur zu arbeiten.
20:15
London, Anfang der 1950er Jahre: Vera Drake lebt mit ihrem Mann und den beiden erwachsenen Kindern in bescheidenen Verhältnissen. Sie arbeitet als Putzfrau, kümmert sich um ihre kranke Mutter und ist im Viertel für ihre Hilfsbereitschaft bekannt. Doch neben ihrem Alltag hat sie ein streng gehütetes Geheimnis: Vera hilft jungen Frauen, ungewollte Schwangerschaften heimlich zu beenden - nicht aus Gewinnstreben, sondern aus dem aufrichtigen Wunsch, Menschen in ausweglosen Situationen beizustehen. Als es bei einem Eingriff zu Komplikationen kommt, gerät Vera ins Visier der Behörden. Mit einem Schlag zerbricht die mühsam gewahrte Ordnung ihres Familienlebens. Veras Verhaftung erschüttert nicht nur sie selbst, sondern auch ihren Mann und die beiden Kinder, die mit einer Wahrheit konfrontiert werden, die sie weder erwartet haben noch einordnen können. Aus der warmen Beobachtung eines Familienalltags wird ein schmerzhaftes Familiendrama über Schuld, Mitgefühl und gesellschaftliche Doppelmoral. Mike Leighs Sozialdrama macht die gesellschaftliche Ungleichheit beim Thema Schwangerschaftsabbruch sichtbar: Wohlhabende Frauen finden legale Auswege, arme Frauen sind auf gefährliche, illegale Hilfe angewiesen. Inszeniert vor der Kulisse des Nachkriegs-Londons wird die sozial enge Welt in gedämpften Farben und ruhiger Bildsprache gezeichnet. Im Zentrum steht eine vielschichtige Hauptfigur zwischen Energie und Verzweiflung, verkörpert von Imelda Staunton.
22:15
Lady Gaga verweigert sich konsequent der Rolle des klassischen Popstars und ist doch längst zur Ikone geworden. Mit ihrem aktuellen Album "Mayhem" und der dazugehörigen "Mayhem Ball"-Tour zeigt sich die 40-Jährige auf einem weiteren Höhepunkt ihres künstlerischen Schaffens. Wieder einmal bewegt sie sich dabei erfolgreich jenseits aller Konventionen. Die Dokumentation nähert sich dieser außergewöhnlichen Künstlerin über das Herzstück ihres Schaffens: die Musik. Entlang prägender Songs zeichnet Regisseurin Schyda Vasseghi in mehreren Kapiteln den Weg einer Künstlerin nach, die sich kontinuierlich weiterentwickelt. Ihr expressiver Stil und ihre radikale Offenheit prägen nicht nur ihre Kunst, sondern auch ihr Leben - und lassen die Grenzen zwischen Inszenierung und Persönlichkeit verschwimmen. Basierend auf zahlreichen Interviews - unter anderem mit den für Lady Gaga in unterschiedlichen Phasen tätigen Designern Asher Levine und Rebar Aziz, der Bestseller-Autorin Melanie Raabe, der Musikjournalistin Hadnet Tesfai und dem Podcaster Robin Solf - gewährt der Film intime Einblicke in die musikalischen Einflüsse und persönlichen Geschichten hinter Gagas Werk. Die Dokumentation zeichnet den "Soundtrack ihres Lebens" nach - von den Anfängen im Underground bis zu den größten Bühnen der Welt. Sie zeigt Lady Gaga als Sängerin, als Persönlichkeit und als engagierte Stimme für soziale Gerechtigkeit. Ein emotionales Porträt über künstlerische Freiheit, Identität und den Mut, sich selbst treu zu bleiben.
23:10
Dua Lipa hat sich aus eigener Kraft an die Spitze der internationalen Popmusik gearbeitet. Sie ist die Kuratorin ihrer eigenen Karriere, kontrolliert und cool zugleich, eine junge Frau, die sich bereits früh dafür entschieden hat, auf eigenen Füßen zu stehen, und entschlossen ist, einen festen Platz zwischen ausverkauften Stadien und digitalen Social-Media-Welten einzunehmen. Wie aber hat es die Künstlerin quasi aus dem Nichts in den Pop-Olymp geschafft? Die Dokumentation von Oliver Schwabe zeichnet die Geschichte einer außergewöhnlichen Karriere nach, von London über den Kosovo bis auf die größten Bühnen der Welt. Dort bewegt sich Dua Lipa inzwischen souverän zwischen Disco, Dance und zeitgenössischem Pop - und erschafft einen Sound, der gleichermaßen nostalgisch wie zukunftsweisend wirkt. Ihre visuelle Sprache, ihre Bühnenpräsenz und ihr Gespür für Trends machen sie zu einer Künstlerin, die weit über die Musik hinaus kulturelle Impulse setzt. Die Choreografin Teresa Barcelo, die an Dua Lipas "New Rules"-Video mitwirkte, blickt auf die Anfänge der Sängerin zurück. Der britische Musiker RY-GUY erklärt seine Faszination für das Pop-Konzept der Sängerin, während Haiyti den Aufstieg des Weltstars aus der Perspektive einer deutschen Rapperin betrachtet. Die Musikjournalistin Laura Ewert ordnet Dua Lipas wichtigste Karriere-Stationen ein. "Dua Lipa - Unstoppable" zeigt eine Musikerin, die weit über die Popmusik hinauswirkt: vom Social-Media-Hype hin zur Stilikone, voller Kraft, moderner Identität und unbeirrbarer Konsequenz.