22:00
Ein afro-karibischer Seemann wurde 1944 ins Konzentrationslager Mauthausen deportiert. Jahrzehnte nach dem Krieg vertraute Lionel Romney seine Erinnerungen seiner Tochter Mary an. Ihre Reise von der Karibik über Italien bis nach Österreich bildet den Rahmen des Dokudramas. Lionel, 1912 in Santo Domingo geboren und auf Sint Maarten aufgewachsen, heuert als junger Mann auf einem Frachtschiff an, um die Welt zu sehen. Doch seine Sehnsucht nach Freiheit wird zur tragischen Odyssee: Sein Schiff gerät in die Wirren des Zweiten Weltkriegs, wird beschossen und sinkt. Die Besatzung überlebt, doch Lionel landet in italienischer Gefangenschaft und wird nach Jahren in Lagern schließlich ins Konzentrationslager Mauthausen deportiert. Dort übersteht er elf Monate, bis amerikanische Truppen das Lager befreien. Die Dokumentation rückt ein verdrängtes Kapitel europäischer Geschichte in den Fokus: die Lebensrealität von People of Color im Nationalsozialismus. Diese war geprägt von kolonialen Kontinuitäten, Rassismus, Zwangsarbeit und politischer Willkür. Lionel Romney steht stellvertretend für viele, die zu Propagandazwecken missbraucht wurden oder der Verfolgung ausgesetzt waren. Expertinnen und Experten wie Clarence Lusane, Katharina Oguntoye, Walter Sauer und Serge Bilé erweitern die historische Perspektive. Archivmaterial und künstlerische Reenactments verweben sich zu einer dichten visuellen Erzählung.
22:45
Die sogenannten Edelweißpiraten waren eine ursprünglich unpolitische Jugendbewegung, die gegen das Nazi-Regime Widerstand leistete. Der Gruppe gehörten Mädchen und Jungen an, die zumeist aus der Arbeiterklasse stammten. Gegen Kriegsende radikalisierte sich ein Teil von ihnen: Sie verbreiteten regimefeindliche Parolen und verübten Anschläge auf NS-Einrichtungen und -Funktionäre. Zentrum des Widerstandes war das Kölner Arbeiterviertel Ehrenfeld. Die Gruppe lebte versteckt in den Kellern der ausgebombten Häuser. Dort hatten die Jugendlichen Lebensmittel- und Waffenlager eingerichtet und geflüchteten Juden, Deserteuren und Zwangsarbeitern Unterschlupf gewährt. Nach der Ermordung eines NSDAP-Ortsgruppenleiters Ende Oktober 1944 setzte die Gestapo ein Sonderkommando ein, um die von ihnen so bezeichnete "Ehrenfelder Terrorgruppe" zu verfolgen und an den Galgen zu bringen. Die Autoren Georg Wellmann und Ingolf Gritschneder haben Dokumente, Fotos, Interviews und persönliche Erinnerungen zusammengetragen und schildern fast 80 Jahre nach Kriegsende ein nun vollständiges Bild der Ereignisse. Zu Wort kommen neben Zeitzeuginnen auch der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum und die deutsch-französische Journalistin Beate Klarsfeld.
23:35
Der "American Dream" - einst Symbol für Aufstieg, Freiheit und Selbstverwirklichung - steht heute mehr denn je auf dem Prüfstand. In den USA, einem Land, das lange als Ort unbegrenzter Möglichkeiten galt, erleben viele Menschen eine von Unsicherheit und Angst geprägte Realität. "Tracks East"-Reporter Jean-Michel Scherbak zeigt, was aus dem amerikanischen Traum geworden ist. Cain Culto ist ein amerikanischer Rapper und Latino. In seiner Musik übt er harte Kritik an Trump und der Immigrationsbehörde ICE. Inspiriert von den Hymnen südamerikanischer Freiheitskämpfe schreibt er Songs, die seine wachsende Fangemeinde mitreißen und berühren. In einer ihrer Kolumnen lotet die Journalistin Masha Borzunova aus, wie der Begriff "American Dream" politisch genutzt wird. Von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart zeigt sie, wie Politiker den Traum immer wieder neu definieren. Während sich die Menschen in den USA keine Illusionen mehr machen, ist das Leben im Westen für viele Inder ein erstrebenswertes Ziel. Der Bildhauer Manjit Singh Gill findet, dass sich die Menschen vom Glamour des westlichen Lebens blenden lassen. Doch sein Neffe Ranjit Singh Sangha möchte nichts mehr, als sich in den USA ein besseres Leben aufzubauen - genau wie sein Onkel es bereits getan hat.