21:05
1968: Mit dem Wahlkampfthema "Recht und Ordnung" sichert sich der Zentrist Richard Nixon die Nominierung als republikanischer Kandidat für die Präsidentschaftswahl und schlägt damit seinen konservativen Herausforderer Ronald Reagan. Nixon hat außerordentliches politisches Geschick. Seine Kampagne richtet sich an die "stille Mehrheit" des amerikanischen Volkes, die genug hat von Rassenunruhen und Friedensdemonstrationen. Und der Erfolg gibt ihm recht: Die "stille Mehrheit" verhilft ihm zum Wahlsieg. Der neue Präsident greift hart durch. 1970 eröffnet die Nationalgarde das Feuer auf Studierende der Universität Kent State - vier von ihnen sterben. In Manhattan greifen Arbeiter der Baustelle des World Trade Centers studentische Anti-Vietnam-Demonstranten an. Und zum ersten Mal stellt sich die evangelikale Rechte offen hinter einen amerikanischen Präsidenten. Aber diese Radikalisierung der amerikanischen Gesellschaft kommt nicht der konservativen Bewegung zugute, sondern einzig und allein dem amtierenden Präsidenten. Für Reagan bleibt Nixon - obwohl er ausgesprochen rechte Ideen vertritt - ein unverbesserlicher Liberaler. Nixon steht weiterhin für den Wohlfahrtsstaat ein, bekämpft Armut und institutionalisiert die Umweltpolitik. Gleichzeitig ist überall in der Gesellschaft eine Radikalisierung spürbar. 1973 mobilisieren sich Millionen Hausfrauen gegen die Gleichstellung von Mann und Frau. Im selben Jahr stürzt die erste Ölkrise Amerika in eine tiefe Rezession, der die Regierung machtlos gegenübersteht. Das Kapitel Nixon endet kläglich mit dem Watergate-Skandal. Ronald Reagan ist überzeugt, dass jetzt die Stunde der konservativen Revolution gekommen ist.
22:00
1974 stecken die USA in einer tiefen Krise: Der verlustreiche Abzug aus Vietnam und eine ungebremste Inflation erschüttern das Land. Präsident Gerald Ford, der nach Richard Nixons Rücktritt ins Amt kam, gilt als unpopulär und wenig charismatisch. Ronald Reagan ist überzeugt, ihn 1976 mühelos als republikanischer Präsidentschaftskandidat abzulösen. Doch zunächst steht New York vor dem Bankrott - nicht zuletzt wegen seines großzügigen Sozialsystems. Ford verweigert der Stadt finanzielle Hilfe, woraufhin massiv gespart wird: Feuerwehrleute, Polizisten, Lehrer und Beamte werden entlassen. Die Stadt verfällt, der "liberale Konsens" der Nachkriegszeit ist endgültig gescheitert - ein Erfolg für die Konservativen. Auf dem republikanischen Parteitag 1976 unterliegt Reagan Ford nur knapp. Doch Ford verliert die Wahl gegen den Demokraten Jimmy Carter, der ein wirtschaftlich und sozial zerrüttetes Land übernimmt. Reagan und die Konservativen formieren sich zum Widerstand: Sie bekämpfen die Frauenrechtsbewegung und das "Equal Rights Amendment" (ERA), instrumentalisieren die Waffenlobby und hetzen gegen Sozialhilfeempfänger. In Kalifornien lösen sie eine Steuerrevolte aus und gewinnen die evangelikale Rechte als Verbündete. 1980 wird Carter durch die Geiselkrise im Iran geschwächt. Reagan nutzt den Slogan "Let's Make America Great Again" und schafft damit die Grundlage für die MAGA-Bewegung. Diesmal siegt er - nicht weil sein Diskurs weniger radikal wäre als 20 Jahre zuvor, sondern weil die USA jetzt dafür bereit sind.
22:55
Der Aufstieg der konservativ-puritanischen Ideologie des christlichen Nationalismus führte in den USA zu einer massiven Einschränkung der Grundrechte von US-Bürgerinnen. Vielerorts sterben Frauen, weil es an gynäkologischer Versorgung fehlt. In Bundesstaaten mit radikalem Abtreibungsverbot sahen sich bereits mehr als 100.000 Frauen dazu gezwungen, nach einer Vergewaltigung ein Kind zu gebären. Seit der Rückkehr von Donald Trump als US-Präsident sieht die Zukunft der Frauen in den USA düster aus. Der Dokumentarfilm blickt auf die Machenschaften der Anti-Abtreibungszentren und enthüllt in Interviews die Mechanismen dieser freiheitsbeschränkenden und rückwärtsgewandten Politik. Doch er zeigt auch den Widerstand all jener, die sich mit diesen Entwicklungen nicht abfinden wollen.