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In den 70er Jahren erfand eine Handvoll Klangmagier eine Zauberformel für eine tanzbare Musik, die mit dem gängigen Radioformat von Pop und Rock brach. Die sinnlich pulsierenden Rhythmen der Disco-Kultur wurden zum Soundtrack der sexuellen Befreiung. Zeitgleich mit dieser musikalischen Explosion eroberte die Erotik das Kino, Erotik- und Pornofilme erlebten einen kommerziellen Boom, und Sex war nicht mehr nur Privatsache, sondern ein öffentliches Thema in Kultur und Gesellschaft. War Disco der musikalische Spiegel eines von allen Tabus befreiten Zeitgeistes? Ist es Zufall, dass die Blütezeit dieses Musikstils mit dem Höhenflug des Pornos zusammenfiel? Beiden Phänomenen gemein ist eine bis dato beispiellose Inszenierung von Körper und Lust. Es geht um das Zeigen von Nacktheit, um Grenzüberschreitung und die Sprengung der letzten Schranken einer Gesellschaft im Umbruch. Die Disco-Kultur ist nicht nur Glitzer und Glamour, sie steht auch für eine Epoche. Ihre Leitfiguren, etwa Amanda Lear, Marc Cerrone sowie Brigitte Lahaie, die in diesen Jahren zum ersten französischen Pornostar wurde, erzählen von den damaligen Kämpfen um Integration und vom Wind der Freiheit, der mit den 80er Jahren wieder abflauen sollte ...
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Die Dokumentation ist eine Liebeserklärung an einen Ort, an dem das Leben für ein paar Stunden lauter, bunter und intensiver wird: die Dorfdisco. Neonlicht flackert, der Bass drückt, der Boden klebt. Draußen knattern Mopeds, drinnen beginnen die Nächte, die man nie vergisst. Hier wird geflirtet, getanzt, gestritten - und wieder versöhnt. Für viele ist es der erste Ort gelebter Freiheit. Die Dorfdisco ist mehr als ein Ort - sie ist ein Versprechen. Mitten in der Provinz öffnet sich eine andere Welt. Hier wird ausprobiert, wer man sein könnte: erster Kuss, erster Rausch, der Mut anders zu sein als vorgesehen. Große Sehnsüchte in kleinen Orten. Doch diese Welt verschwindet. Die Lichter gehen aus, die Tanzflächen bleiben leer, ganze Diskotheken werden zu Relikten - manchmal sogar zu Museumsstücken. Was geht verloren, wenn diese Nächte verschwinden? Mit Archivmaterial, persönlichen Geschichten und tanzbarer Musik - von Nena über France Gall bis zu den Bee Gees - erzählt die Dokumentation von einem prägenden Kosmos zwischen Aufbruch und Abschied. Auf diese Reise führen unter anderem die Schauspielerin Anne Ratte-Polle, der Musiker Nikko Weidemann und der Rapper Finch. Ergänzt wird der Blick durch den Fotografen François Prost und den Musikverleger Frédéric Leibovitz, der an seinen Vater, den DJ-Pionier Lucien Leibovitz, erinnert.