05:10
Im australischen Kimberley bestimmt der Wechsel der Jahreszeiten das Überleben. Die Trockenzeit, Lalin genannt, verwandelt die Region in eine ausgedörrte Landschaft. Wallabys und ihre Jungtiere riskieren an den letzten Wasserstellen ihr Leben - zwischen lauernden Leistenkrokodilen und hungrigen Raubvögeln. Mit der Jirrbal-Zeit kündigt sich Veränderung an. Die Luft wird schwül, Gewitter ziehen auf, und Blitze erhellen den Himmel. In der Savanne kommt es in der Paarungszeit der Kragenechsen - Koolamana - zu erbitterten Kämpfen. Die Weibchen suchen unterdessen sichere Plätze, um ihre Eier abzulegen. Dann bricht die Wilakarra-Regenzeit herein. Starkregen überschwemmt das Land, und das Quaken der Frösche erfüllt die Luft. Hier gibt es über 40 Arten, darunter der Kimberley-Spatenfußfrosch. Der Martuwarra, der Fitzroy River, erwacht zu neuem Leben. Auf rund 700 Kilometern schwillt er an, reißt alles mit sich und schafft gleichzeitig Lebensraum für unzählige Arten. Der Musiker und Schauspieler Mark Coles Smith aus dem Volk der Nyikina begibt sich mit einem Kajak auf eine Expedition, um die Flusslandschaft zu erkunden. Gemeinsam mit dem Biologen Ian Bool und weiteren Begleitern kämpft er sich durch Stromschnellen. Die Reise ist beschwerlich, doch sie zeigt die enge Verbindung zwischen den Nyikina und ihrem Fluss - einem Ort von kultureller und biologischer Bedeutung. Wenn die Nacht hereinbricht, wird die Kimberley-Region von einer einzigartigen Kakofonie erfüllt: Tausende Frösche quaken um die Wette, während Insekten in Schwärmen umherfliegen. Für die frisch geschlüpften Kragenechsen ist dies die perfekte Zeit, um heranzuwachsen. Sobald die Regenzeit endet, verlassen sie ihre Nester und beginnen ihr eigenes Leben in Kimberley. So schließt sich der Kreislauf: Aus Dürre wird Fülle, aus Stille wird Leben - bis die nächste Trockenzeit beginnt.
05:55
In der Wildnis ist Martin Mikolas in seinem Element. Der slowakische Waldökologe und Naturschützer macht Crossläufe durch unwegsames Gelände, campiert unter freiem Himmel, kennt jede Fährte, jeden Vogel. Seine Leidenschaft hat er zum Beruf gemacht: Er leitet wissenschaftliche Expeditionen in die letzten Urwälder Europas. Die Forscher wollen verstehen, wie diese einzigartigen Ökosysteme überdauern konnten. Lassen sich aus den letzten Urwäldern Lehren für die heutigen Wirtschaftswälder. Martins aktuelles Expeditionsziel: ein schwer zugänglicher Buchenwald in den Albanischen Alpen. In der abgelegenen Region gibt es keine Straßen, keinen Strom, keinen Netzempfang. Dafür verwaiste steinerne Dörfer, ungezähmte Wildbäche und Bären. Martins Team muss stundenlang wandern, um den Urwald zu erreichen, auf dem Rücken die wissenschaftliche Ausrüstung, Zelte und Essen für eine Woche. Fit und nervenstark müssen die Beteiligten sein. An steilen Hängen vermessen sie Bäume, nehmen Bodenproben und Bohrkerne aus Stämmen. Der Lohn ihrer Mühen wird später in Prag ermittelt, am Fachbereich für Waldökologie der Universität. Dort lagern bereits Zehntausende Bohrkerne aus den letzten Primärwäldern Europas und offenbaren, wie Bäume in der Vergangenheit Veränderungen standhalten konnten - ein Urwaldarchiv, das auch Antworten auf den Klimawandel liefern könnte.
06:50
(1): Tlayuda, Mexikos knuspriger Pizzaklassiker (2): Nostalgiegeschmack: David, ein Mexikaner in Hamburg (3): Ran an die Töpfe!
07:20
(1): Alexander Hendersons bildschönes Kanada (2): Legendäre Bewohner der Pyrenäen (3): Guatemala: Martas Hühnersuppe (4): Vietnam: Operation Opium
08:05
(1): Vogesen: Claudie Hunzinger und die Poesie des Landlebens (2): Armenien: Schach ist König (3): Neuseeland: Renates Shepherd's Pie (4): Baltimore: Lincolns Hut
08:55
Südafrika - das sind die riesige Kalahari-Wüste im Norden und die langgezogenen Bergketten, die das Land umschließen. Am Westkap hebt Naturschutzfotograf Jean Tresfon mit dem Tragschrauber ab, auf der Suche nach dem perfekten Motiv. Dieses Paradies für Meeresbewohner ist ein Hotspot der Biodiversität. Unzählige Fischarten, Haie und Wale sind zu allen Jahreszeiten anzutreffen. Zu Wasser setzt ein Forschungsteam alles daran, die Buckelwale, die hier vorüberziehen, zu schützen. Biologe Simon Elwen und sein Team erforschen das Verhalten der sanften Riesen, um Kollisionen mit Schiffen zu vermeiden. Gewaltige Ausmaße hat der Zug, der Erze von der Sishen-Mine über 861 Kilometer bis in die Saldanha Bay transportiert. Unweit von Kapstadt erstrecken sich Seetangwälder im Meer, die zu den produktivsten Ökosystemen der Erde zählen. Apnoetaucher Shamir lädt junge Südafrikaner ein, die einzigartige Welt der Großalgen zu erleben. In der Township Masiphumelele bringt Vuyo den Kindern das Skateboardfahren bei und gibt ihnen eine Beschäftigung. Waghalsige Bungee-Springer stürzen sich von Afrikas höchster Brücke. Und im Nordosten des Landes liegt eines der berühmtesten Wildtierreservate der Welt: der Kruger-Nationalpark. Dort kämpfen Wildhüter für das Überleben der Nashörner, damit auch künftige Generationen diese Tiere noch in freier Wildbahn erleben können.
09:35
Fruchtbare Vulkanerde hat im Hell's-Gate-Nationalpark ein Paradies für Pflanzenfresser wie Zebras und Büffel entstehen lassen. Wasser vom Kilimandscharo speist die Graslandschaften im Amboseli-Nationalpark. Die Elefanten wandern von hier zum Tsavo-Nationalpark. Sie vor Wilderei zu schützen, hat sich die Big Life Foundation zur Aufgabe gemacht. Aus der Luft spürt Pilot Craig Miller die Herden auf. Am Boden behalten erfahrene Ranger die Tiere im Blick. Die Versorgung mit Wasser stellt auch das Volk der Massai vor Herausforderungen. Frauen wie Lucy nehmen oft kilometerlange Fußmärsche in Kauf, um ein Wasserloch zu finden. Gibt es kein Wasser mehr für die Herden, zieht das Dorf weiter. Neben den berühmten Savannenlandschaften verfügt Kenia auch über eine 500 Kilometer lange Küste. Meeresschildkröten steuern die Strände an, um ihre Eier abzulegen. Doch ihr Lebensraum ist in Gefahr. Kenias einst unberührte Strände werden immer mehr von angespültem Plastikmüll übersät. Die Frauen aus dem Dorf Watamu organisieren sich, um die Umweltverschmutzung einzudämmen. Jede Woche sammeln sie Plastik vom Strand. Matilda Mathius und ihr Team versuchen so, zur Rettung des Ozeans beizutragen. Eine Herzensangelegenheit.
10:20
Unter den Primaten in Kamerun ist besonders der Mandrill gefährdet. Im Limbe Wildlife Center werden Opfer des illegalen Tierhandels gepflegt und auf die Rückkehr in die Wildnis vorbereitet. Kameruns größter Fluss, der Sanaga, speist den größten See des Landes. Im Ossa-See leben Rundschwanzseekühe. Ihr Lebensraum wird durch einen aggressiven Schwimmfarn bedroht. Die invasive Pflanzenart Salvinia molesta verbreitet sich rasant und verdrängt die Pflanzen, von denen sich die Seekühe ernähren. Doch es gibt einen Plan: Ein Rüsselkäfer soll die Plage beenden. Eine große Tradition zu bewahren, hat sich Pierre Bala zur Aufgabe gemacht. Er ist einer der letzten Geschichtenerzähler in Kamerun. Mit seinem Musikinstrument, einer handgefertigten Mvet, und in seinem Kostüm aus Rindenmulch unterhält er sein gebanntes Publikum. Die 17-jährige Brenda Tabe hingegen ist ein angehender Star in Kameruns Fußballszene. Sie will andere Mädchen ermutigen, Fußball zu spielen. Clever und einfallsreich ist auch Mechaniker Emmanuel Wembe. Er macht aus einem normalen Motorrad eine Limousine auf zwei Rädern. Bis zu neun Personen kann sein Fahrzeug transportieren, selbst in schwierigem Gelände.
11:25
Was Europa bewegt
11:55
(1): Gâteau patate, die süße Seele von La Réunion (2): Kulinarische Mitbringsel (3): Ran an die Töpfe!
12:25
(1): MC Solaar, der französische Rap-Poet (2): Tai Shan: Der Berg, der China vereint (3): Spanien: Rosalias winterlicher Salat (4): Pennsylvania: Ein erbitterter Kampf
13:10
(1): Marseille tanzt zum Sound von IAM (2): Assisi: Der Weg des Franziskus (3): Hawaii: Jessicas Poke (4): Falklandinseln: Keine Kompromisse
14:00
Der junge Louis Mazzini, ein Enkel des Herzogs von Chalfont aus dem Geschlecht der D'Ascoynes, ist zwar von vornehmer Gesinnung, aber von Bitternis geplagt: Seine Mutter, die Tochter des Herzogs, wurde einst von der hochnäsigen Adelsfamilie verstoßen, weil sie nicht standesgemäß heiratete - einen italienischen Tenor. Louis, Sohn aus dieser Ehe, hat daher keine Aussichten, Titel und Vermögen zu erben, und muss sich als kleiner Ladengehilfe verdingen. Grund genug, alle acht verbleibenden D'Ascoynes zu beseitigen, um so den Weg zu Titel und Reichtum frei zu machen - natürlich standesgemäß, denn "Adel verpflichtet": Jagdunfall, Feuer, Schiffsuntergang und andere Katastrophen lichten die Reihen derer von D'Ascoyne, bis Louis schließlich seine Erbschaft antreten kann. Aus strategischen Gründen macht Louis der kühlen, vernünftigen Witwe Edith D'Ascoyne den Hof, um seine Stellung zu verbessern. Wenn da nur nicht seine freche Jugendfreundin und Geliebte Sibella wäre, die sich mit zunehmend hohem Rang in der Erbfolge immer mehr für Louis interessiert.
15:50
Christophe Lebrun züchtet seit über 30 Jahren Milchkühe im Département Maine-et-Loire. Um seinen Tieren mehr Gras und schattige Rückzugsflächen auf den Weiden zu bieten, hat er einst entfernte Hecken neu gepflanzt. Inspiriert von der lokalen Tradition der Region Anjou, sind die Hecken wieder mit Obstbäumen durchsetzt, was sich positiv auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere auswirkt. Im Département Deux-Sèvres leitet Benoît Manceau eine experimentelle Baumschule, in der nach geeigneten Samen zur Wiederherstellung des Bocage gesucht wird. Freiwillige sammeln in der Region Samen lokaler Pflanzenarten, die in der Baumschule herangezüchtet werden. So lässt sich die Heckenlandschaft in ihrer ursprünglichen Form wiederherstellen - perfekt angepasst an die örtlichen Gegebenheiten und widerstandsfähiger gegen Klimaveränderungen. Der Bocage des Antonins im Herzen des Poitou ist seit 2015 ein geschütztes Gebiet. Alexandre Boissinot und Étienne Berger vom Verein "Bocage Pays Branché" beobachten dort eine Vielzahl geschützter Arten, von Nattern über Frösche bis zu den seltenen Marmormolchen. Es ist ein wahrer Hort der Artenvielfalt, der den traditionellen Bocage perfekt veranschaulicht.
16:15
Nördlich von Barcelonas Altstadt, im Stadtteil Eixample, ragen die organisch geformten Türme der Sagrada Família in den Himmel. Im Inneren taucht man in eine floral-botanische, wie in Stein gemeißelte Pflanzenwelt ein. Im Februar 2026 wurde das Kreuz auf den zuletzt fertiggestellten Hauptturm gesetzt - seitdem ist die Sagrada Família die höchste Kirche der Welt. Warum braucht es über ein Jahrhundert, um Gaudís Lebenswerk zu vollenden? Was inspirierte ihn bei der Entwurfsanfertigung und vor allem: Wie beendet man ein Werk ohne seinen Schöpfer? Um diesen Fragen nachzugehen, taucht der Film in die älteste aktive Baustelle der Welt ein und zeichnet ihre Entstehungsgeschichte sowie die jüngsten architektonischen Entscheidungen nach. Fachleute aus Geschichtswissenschaft und Architektur gehen auf Gaudí und sein Schaffen ein. Beleuchtet werden zudem die Herausforderungen, die mit dem Weiterbau einhergingen, und wie die die Nachfolger des katalanischen Meisters das visionäre Projekt auslegten und umsetzten. Als Gaudí 1926 verstarb, war lediglich die Geburtsfassade fertiggestellt. Erschwerend kommt hinzu, dass Gaudís Atelier 1936 niederbrannte und zahlreiche Entwürfe zerstört wurden. Der Weiterbau forderte daher aufwändige Deutungsarbeit, die auf den wenigen Überresten der Bauhütte beruhte, sowie auf privaten Schriften Gaudís, in denen er seine Ideen, Obsessionen und Leiden festhielt.
17:50
Teneriffa ist die artenreichste Insel des gesamten Atlantiks. Viele Pflanzen wachsen nur hier. Noch heute bebt auf Teneriffa regelmäßig die Erde. Denn der Inselvulkan lebt. Jeden Monat kommen Mitarbeitenden von INVOLCAN in den Krater des Teide, um die vulkanische Aktivität zu überwachen. Sie sind für die Gefahrenabwehr auf dem Inselarchipel zuständig. Die Kegelform der Vulkaninsel ist verantwortlich für ein besonderes Mikroklima. 300 wolkenfreie Tage im Jahr machen den Teide zu einem idealen Ort für Sonnenbeobachtung. In der Caldera des Teide stehen wissenschaftliche Einrichtungen von Weltrang, darunter auch das größte Sonnenteleskop Europas: GREGOR. Die Kanarischen Inseln gehören zu den letzten Rückzugsgebieten weltweit für einen seltenen Unterwasserbewohner: den Engelhai. Ausgerechnet vor den Toren der Hauptstadt Teneriffas an einem künstlich angelegten Badestrand liegt seine Kinderstube. Meeresbiologen vom Angel Shark Project erforschen hier Jungtiere und beraten die Regierung. Mit großem Erfolg: Heute steht der Engelhai unter Schutz.
18:35
Die El-Hierro-Rieseneidechse ist eine naturgeschichtliche Sensation. Sie galt bereits als ausgestorben und wurde vor etwa 50 Jahren von Hirten wiederentdeckt. Sie ist eines der am stärksten bedrohten Reptilien Europas. Im Herzen La Gomeras liegt der Garajonay-Nationalpark, ein urzeitliches Relikt. Ein ähnlicher Wald bedeckte vor Millionen von Jahren die gesamte Mittelmeerregion. Doch während in Mitteleuropa die Eiszeit wütete und viele Arten auslöschte, blieb dieser Klimaumbruch auf den Kanaren aus. Isolation und Anpassung an neue Gegebenheiten waren Motoren der Evolution und schufen Arten, die weltweit einzigartig sind. Fast die Hälfte der Pflanzen auf La Gomera wächst nur hier. Steil sich auftürmende Lavamassen schufen zwischen den Vulkaninseln Meerestiefen von 2.000 bis 3.000 Metern. Viele Tiefseetiere sind hier zu Hause. Zwischen La Gomera und der Nachbarinsel Teneriffa liegt das erste Walschutzgebiet Europas: Teno-Rasca. Weltweit ist es das dritte. Hier leben 22 Walarten, und mehr als 350 Grindwale bilden eine der weltweit größten Kolonien dieser seltenen Spezies.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:35
19:40
Was Europa bewegt
20:15
Frankreich, Ende des 19. Jahrhunderts: Rosalie ist jung, schön und liebenswürdig. Doch seit ihrer Kindheit hütet sie ein besonderes Geheimnis: Rosalie wurde mit ungewöhnlicher Behaarung an Gesicht und Körper geboren. Um nicht aufzufallen und die Chance auf eine Ehe zu wahren, lebt sie zurückgezogen bei Ihrem Vater. Damit niemand etwas merkt, rasiert sie sich regelmäßig. Ihr zukünftiger Ehemann Abel, ein gutmütiger, verschuldeter Wirt, der sie nur wegen ihrer Mitgift heiratet, ahnt nichts von ihrem Geheimnis. Doch Rosalies Besonderheit lässt sich in der Ehe nicht verstecken. Abel ist entsetzt. Und auch die Schulden kommen schnell wieder. Da hat Rosalie eine Geschäftsidee: Indem sie ihren Bart einfach wachsen lässt, will sie sich über die gesellschaftlichen Zwänge hinwegsetzen und aus ihrem vermeintlichen Makel und der Neugier der Menschen Profit schlagen, um so das Wirtshaus zu retten. Rosalie will sich nicht länger verstecken, sondern als die Frau, die sie ist, akzeptiert werden. Ist Abel auch imstande, Rosalie den Respekt und die Liebe entgegenzubringen, die sie verdient? Stéphanie Di Giusto erzählt die Geschichte eines ungleichen Paares, das von der Außenwelt misstrauisch beäugt wird. Trotz ihrer Differenzen ergänzen sich Rosalie und Abel zunächst als Team, das sich gemeinsam gegen die Widrigkeiten des Alltags stemmt, unerwartet gut. Mit der Zeit entwickeln sie eine emotionale Nähe zueinander, deren Intensität die Stimmung des Historienfilms maßgeblich prägt. "Rosalie" ist eine Erzählung über das Anderssein und das Potenzial, aneinander und miteinander zu wachsen.
22:05
Ob lockig oder glatt, geschoren oder wallend: Haar ist weit mehr als nur ein modisches Accessoire. Es erzählt von Macht, Lust und Rebellion, von gesellschaftlichen Zwängen und dem Wunsch nach Selbstbestimmung. "Hairy Tales - Das Haar in der Kunst" begibt sich auf eine sinnliche Spurensuche durch mehrere Jahrhunderte Kulturgeschichte und zeigt, wie eng Körper und Kunst, Schönheit und Politik miteinander verflochten sind. Von der Antike bis heute spielt Haar in der Kunst eine zentrale Rolle. Albrecht Dürer, Sandro Botticelli und Leonardo da Vinci feierten es als Symbol göttlicher Schöpfung und irdischer Verführung, während Frida Kahlo und Marina Abramovic es zum Ausdruck existenzieller Fragen von Identität, Wut und Weiblichkeit machten. Die Kamera folgt diesen Bildwelten und den Menschen, die Haar heute immer wieder neu interpretieren. Die ivorische Künstlerin Laetitia Ky formt mit ihrem eigenen Haar skulpturale, feministische Statements. Eine Friseurmeisterin erhebt ihr Handwerk zur Kunst. Eine junge Frau gewinnt nach einer Chemotherapie in einem Fotoshooting neue Stärke. Und Haarkünstler Charlie Le Mindu präsentiert in Paris eine Haute-Couture-Kollektion aus echtem Menschenhaar. So entsteht ein Kaleidoskop, in dem sich persönliche Geschichten mit gesellschaftlichen Fragen verbinden - über Schönheit und Scham, Freiheit und Kontrolle, Identität und Zugehörigkeit.
23:00
Die Dokumentation erzählt, wie Ingeborg Bachmann zum Mythos wurde. Am 25. Juni 2026 feiert die literarische Welt den 100. Geburtstag der Namenspatronin eines der wichtigsten Literaturpreise im deutschsprachigen Raum. Regisseurin Barbara Frank zeichnet das Porträt einer widersprüchlichen Frau, die vieles war: das Mädchen aus der österreichischen Provinz, das zur Diva der Dichtkunst aufstieg. Eine Frau, die die Männer gleichermaßen liebte und unter ihnen litt. Eine Widerständige, die den Menschen unangenehme Wahrheiten zumutete. Aber auch eine zutiefst Verletzte, die ihr Ende - nach einem mysteriösen Brandunfall in Rom - durch unzählige Feuermetaphern in ihrem Werk literarisch vorweggenommen zu haben schien. Die "zündende Kraft" im Werk Ingeborg Bachmanns wurde dagegen lange Zeit ausgeklammert und ignoriert. Gerade sie gilt es - neben der wirklichkeitsverändernden Kraft der Sprache - vor dem Hintergrund erschütternder Skandale rund um männliches Vorherrschaftsdenken wiederzuentdecken. Frank präsentiert ihren Sensationsfund: Bachmanns jahrzehntelang verschollen geglaubtes Drehbuch zur Verfilmung ihres Hörspiels "Der gute Gott von Manhattan", das nicht realisiert wurde, aber einen neuen Blick auf ihr Schreiben zulässt. Zu Wort kommen der Literatur-Nobelpreisträger Peter Handke, die französische Bachmann-Expertin Françoise Rétif, ihr Wegbegleiter, der Celan-Übersetzer Moshe Kahn, sowie Bachmanns Bruder Heinz Bachmann.
23:55
Adam ist Single und fühlt sich eines Tages von einem fremden Wesen mit langen Haaren verfolgt. Dieses Wesen, das darauf besteht, dass es eine "Sie" ist, weiß, was es will: Sie will wissen, ist neugierig, dazu künstlerisch veranlagt. Sie will allem einen Namen geben, bringt überall Schilder an, aber vor allem redet Eva, wie sie gerufen werden will, zu viel. Soweit Adams Tagebuch. Aus Evas Aufzeichnungen erschließt sich das Aufeinandertreffen ganz anders. Sie findet Adam ein wenig einfältig, was wahrscheinlich auch der Grund dafür sei, dass er so wenig spricht und Angst vor ihr hat. So richtig erklären kann sie sich nicht, warum sie sich zu diesem stoffeligen Typen hingezogen fühlt. Viel besser versteht sie sich mit den Tieren und ihrer besten und ältesten Freundin, ihrem Spiegelbild. Aber dieser Mann - und es war ihr sofort klar, dass es sich um einen Mann handeln muss - hat eben was. Im Übrigen hat sie das Gefühl, dass er es dankbar annimmt, wenn sie ihm das Verstehen und Erklären der Welt abnimmt. Franz Müller inszeniert mit dem Originaltext von Mark Twain einen Familien- und Beziehungsfilm, in dem es um das Kennenlernen, Zulassen von Nähe und Zueinanderfinden geht. Der wundervolle, melancholische Ton der Originalvorlage ist gespickt mit Witz, genauen Beobachtungen und immer wieder auch überraschenden Wendungen. Gedreht wurde sowohl in der argentinischen Wildnis als auch in der modernen Großstadt Berlin. So werden zwei Erzählebenen - damals und heute - frei miteinander im Schnitt verschränkt.