BR Story: Geheimtipp Montenegro - Aufbruch oder Ausverkauf?
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Montenegro lockt mit Naturschönheiten sowohl an der 300 Kilometer lange Adriaküste als auch im bergigen Hinterland. Außerdem ist es ein Steuerparadies mit Einkommenssteuersätzen zwischen 9 und 15 Prozent. Der Deutsche Michael Bader hat sich 2009 in das Land verliebt und sich hier ein Business aufgebaut. Er begleitet deutsche Auswanderer durch den komplizierten montenegrinischen Behördendschungel. Viele Deutsche wollen sich hier den Traum vom Haus mit Meerblick erfüllen - haben aber mangels Bebauungspläne ohne Baugenehmigung gebaut. Sie hoffen nun auf nachträgliche Legalisierung und suchen Rat bei Michael Bader.
Auch die meisten Urlaubsgäste zieht es an die Küste: Nach wie vor viele Russen, vor allem aber Serben und Türken. Deutsche und englische Gäste bilden noch das Schlusslicht. Gerade am Meer versuchen sich seit der Unabhängigkeit Montenegros von Serbien auch ausländische Großinvestoren die schönsten Plätze zu sichern. Sehr zum Ärger der Einheimischen, die sich übervorteilt sehen und um den Zugang zum Strand fürchten.
Ein Schauplatz des Machtkampfes zwischen Zivilbevölkerung und den gut vernetzten Investoren: der einzige Sandstrand an der östlichen Adria, die 13 km lange und nahezu unverbaute Velika Plaza nahe der Stadt Ulcinj. Ein Großinvestor aus den Vereinigten Arabischen Emiraten bekam den Zuschlag der Landesregierung für den größten Abschnitt und wollte dort Luxusressorts entwickeln. Die einheimischen Strandpächter wären leer ausgegangen. Doch Nichtregierungsorganisationen und der Bürgermeister von Ulcinj stemmten sich dagegen. Unter ihnen die Architektin Zenepa Lipa, eine der wichtigsten Stimmen Montenegros, wenn es um Umweltschutz und die Bewahrung der Naturschönheiten des kleinen Gebirgslandes geht. Die europaweit bekannte Saline im Hinterland, ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel, hat sie bereits vor dem Zugriff von Investoren retten können. Trotz dieses Erfolgs ist Zenepa Lika ernüchtert, die Gier der Investoren sei in ihren Augen noch nicht gestillt und der Ausverkauf des Landes noch lange nicht vom Tisch.
Der Tourismus ist Fluch - und Segen für Montenegro. Denn natürlich schafft er Arbeitsplätze und Wohlstand. Auch im Hinterland möchten die Einheimischen davon profitieren, aber eher in Maßen und im Einklang mit der Natur. So auch Marko Mugoša. Er betreibt ein kleines Familienunternehmen, das "wooden village". Es liegt in nächster Nähe zum Skadarsee, einem landschaftlichen Highlight. Hier erlebt der Tourist noch das ursprüngliche Montenegro, das an den familiären Strukturen festhält und besonders Individualtouristen anzieht.
Montenegro steht an einem Scheideweg: Es möchte sich entwickeln und den Einheimischen ein Auskommen sichern - und gleichzeitig den Ausverkauf verhindern. Könnte der EU-Beitritt ein Teil der Lösung sein?
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