04:00
"28 Minuten" ist das Polit-Magazin bei ARTE, täglich frisch und frech aus Paris. Jede Sendung nimmt aktuelle Themen aus Gesellschaft, Politik, Wirtschaft oder Wissenschaft unter die Lupe. Montags bis donnerstags moderiert von Élisabeth Quin, freitags und samstags von Renaud Dély.
05:00
Die Dokumentation erzählt vom Boxerkrieg und beleuchtet dabei auch die Rolle des Deutschen Reiches, das den Konflikt zur Bühne imperialer Ambitionen machte. Befeuert unter anderem durch die berüchtigte "Hunnenrede" Kaiser Wilhelms II. kamen am Ende über 100.000 Menschen ums Leben, vor allem chinesische Zivilisten. Am Ende der Eskalation steht das Boxerprotokoll von 1901 (Xinchou-Vertrag), das China zu Reparationszahlungen, politischen Zugeständnissen und symbolischer Demütigung verpflichtete. Eine zentrale Forderung war die sogenannte "Sühnemission" des 18-jährigen Prinzen Chun nach Deutschland - geprägt von Machtungleichgewicht, rassistischen Vorstellungen der "Gelben Gefahr" und tiefen kulturellen Missverständnissen. Die ARTE-Geschichtsdokumentation von Minh An Szabó de Bucs und Grit Lederer zeigt mit Unterstützung namhafter Historiker und Expertinnen, wie leicht Konflikte eskalieren, wenn zivilisatorische Normen missachtet werden - und wie stark der Boxerkrieg das Verhältnis zwischen China und der westlichen Welt bis heute prägt.
05:55
Im Norden der Insel Sulawesi leitet Isac die Arbeiter an, die seit Wochen damit beschäftigt sind, ein provisorisches Dorf für die Bestattungsfeierlichkeiten seiner Mutter zu bauen. Isac legt großen Wert darauf, die Bestattungsrituale seiner Kaste zu wahren. Doch die immensen Kosten, die er und seine Geschwister dafür auf sich nehmen müssen, kann er erst jetzt, 21 Jahre nach ihrem Tod, aufbringen. Tausend Gäste sollen auf der siebentägigen Feier bewirtet werden, dafür werden nur zu diesem Anlass die typischen Häuser mit Dachvorsprüngen gebaut, die an riesige Schiffe erinnern. Eine genaue Abfolge opulenter Abschiedsrituale nimmt seinen Lauf, auch eine Tau-Tau-Figur, nach dem getreuen Abbild der Mutter, wird von einem erfahrenen Bildhauer aus speziellem Holz gefertigt. Und nicht zuletzt sollen viele Büffel aus Anlass der Zeremonie geopfert werden, zur Verpflegung der Arbeiter und Gäste, aber auch, weil der Büffel das zentrale Symbol in der Kultur der Toraja darstellt. Der Büffel gilt als Bindeglied zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten. Je mehr Büffelopfer, desto mehr Wohlstand, und der wird gerne zur Schau gestellt. Doch es läuft nicht so, wie Isac sich das vorgestellt hatte. Seine verstorbene Mutter wird wohl noch etwas warten müssen, bis sie ins Reich der Toten darf. 40 Kilometer weiter von Isacs Dorf jedoch hat eine andere Familie alle Hürden genommen und geleitet ihre Tote in einer aufwendigen Zeremonie ins Jenseits.
06:50
Zartes Lamm nach Omanischer Tradition: Shuwa / Ein Biss'chen Heimat: Alexandre, ein Omaner in Paris / Ran an die Töpfe!
07:20
Linda Lorin lädt auf eine Reise an vier besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Kate Bushs geliebtes London / La Réunion: Die Kraft der Heilpflanzen / Norwegen: Henriks Kabeljau / Griechenland: Sesam, öffne dich!
08:05
Linda Lorin lädt auf eine Reise an vier besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Paris: Kateb Yacines literarisches Exil / New York: Die Baumeister der Maßlosigkeit /Japan: Rettet die Nori-Alge!
08:55
Bis heute bilden Indien und Pakistan einen geheimnisvollen Subkontinent. In der Kolonialzeit bauten die Briten eine Straße durch das riesige Reich und nannten sie "Grand Trunk Road". Heute kommt der über 2.400 Kilometer langen historischen Route, die von Kolkata über Benares am Ganges entlang nach Delhi und über die pakistanische Grenze nach Lahore und Peshawar verläuft, eine besondere Bedeutung zu: Sie führt durch die verfeindeten Nachbarstaaten Indien und Pakistan, die kulturell immer zusammengehört haben. In Kolkata, dem Ausgangspunkt der Reiseetappe, wird gerade das religiöse Fest Durga Puja gefeiert, ein farbenprächtiges Ereignis. Von dort aus führt die Grand Trunk Road weiter durch den Bundesstaat Bihar bis in die Stadt Bodhgaya. Dort soll Buddha unter dem Bodhibaum Erleuchtung erlangt haben. In Varanasi streift die historische Straße den heiligsten Ort Indiens: Für jeden Hindu ist es wichtig, einmal im Ganges ein rituelles Bad genommen zu haben und wenn möglich auch in Varanasi ins Nirwana einzugehen. Über Delhi geht es weiter bis zur Grenze nach Pakistan, wo allabendlich die Flaggenparade als martialische Show stattfindet. Für kurze Zeit öffnet sich die Grenze, und im Stechschritt zeigen historisch gekleidete Soldaten unter dem Jubel der Zuschauer ihre Gefährlichkeit. In der pakistanischen Stadt Lahore spielen Mädchen Fußball, und Journalistin Xari Jali erzählt vom Werk Rudyard Kiplings, der die Grand Trunk Road in seinem Roman "Kim" verewigte. Mit Eindrücken aus dem afghanischen Viertel von Peshawar, wo Lapislazuli bearbeitet und gehandelt wird, endet die abenteuerliche Reise.
09:40
Die abenteuerliche Route durch das Pamir-Gebirge auf das Dach der Welt steckt voller Geheimnisse und Überraschungen. Die Reise beginnt in Duschanbe, der Hauptstadt Tadschikistans. Von dort führt die Fahrt den Fluss Pandsch entlang, durch den Wachan-Korridor und weiter bis in die kirgisische Hauptstadt Bischkek. Der Reiseweg wurde 1932 als Geschenk des Sowjetstaates an die entlegene Region fertiggestellt. Die Nähe zu Afghanistan und China gibt dem Pamir-Highway die Aura einer Abenteuerroute. In den Dörfern am Wegrand ähneln sich die Eindrücke: kleine Gehöfte mit Garten und wenigen Haustieren. Zu sehen sind nur Frauen und Kinder. Die Männer seien fort, heißt es überall, im Ausland zum Arbeiten. Die Berge sind höher als 7.000 Meter und nach Marx, Engels oder dem Kommunismus benannt - so ehrte die Sowjetunion ihre höchsten Gipfel. Will man das Leben der Familien im Pamir kennenlernen, sollte man in "Homestays" übernachten. Pässe, die in über 4.000 Meter Höhe liegen, sorgen für wechselnde Eindrücke und verzaubernde Stimmungen. Auf fast 5.000 Metern leben Nomaden auf ihren Sommerweiden, wo sie aus der Milch von Yaks und Ziegen Käse herstellen. In Kirgistan ändert sich die Kultur. Steppenland mit Pferdeherden bestimmt dort das Bild. Am Yssykköl-See erleben die Besucher einen erstaunlichen Kulturpark: Der Pavillon über den Schriftsteller Tschingis Aitmatov zieht Menschen aus dem ganzen Land an. Der Park würdigt auch die Weltreligionen: Christliche, jüdische, islamische oder buddhistische Zeichen stehen dort für religiöse Toleranz.
10:25
In der Wüstenstadt Jasd gibt es noch die Türme des Schweigens, auf denen ehemals Feuerbestattungen durchgeführt wurden, und Tempel mit der ewigen Flamme Zarathustras. Früh am Morgen treffen sich heutzutage dort die Männer zum Souchane, einem traditionellen Muskeltraining, gepaart mit islamischen Gebetsformen. Weiter geht es nach Kerman. Das Neujahrsfest Nouruz steht bevor und jede Familie erwirbt Sofreh-e-Haft-Sin, sieben Symbole, darunter Knoblauch, Apfel, Weizenpudding und Essig, die zum Jahreswechsel in keinem Haushalt fehlen dürfen. Dann wird der Reiseweg abenteuerlich: Schneeberge, hohe Pässe, Salzwüsten und schließlich die Kaluten - einzigartige Formationen in der Wüste, die von Wind und Erosion gestaltet wurden. In der kaum besiedelten Wüste Lut zeigt sich das Leben eines Kamelzüchters und das der Frauen auf dem Land. Nach einem Besuch in Mesched, der heiligsten Stadt im Iran, geht es weiter in die Berge Usbekistans zum Neujahrsfest. Ein Sufimeister und Kräuterarzt weiht in die Geheimnisse seines Berufes und die religiösen Praktiken ein. Buchara und Samarkand, die Endpunkte der Reise, sind heute wieder wunderschöne Zentren des Orients und erinnern an die Blütezeiten der Seidenstraße.
11:25
Was Europa bewegt
11:55
Ein polynesisches Gericht mit chinesischen Wurzeln: Chao Men / Ein Biss'chen Heimat: Manutahi, ein Polynesier in Südfrankreich / Ran an die Töpfe!
12:25
Linda Lorin lädt auf eine Reise an vier besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Harvey Pekars Cleveland-Comics / Schweiz: Rebellisches Genf / China: Qiangs Fischsuppe / Frankreich: Die Geburtsstunde des Profilings
13:10
Linda Lorin lädt auf eine Reise an vier besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Irland: The Cranberries / Angola: Die bittere Geschichte des Kaffees / Ägypten: Der grausame Vater der Anatomie
14:00
Robert Stroud wird nach einer Gefangenenrebellion in die Strafanstalt Leavenworth verlegt. Er sitzt wegen Mordes zwölf Jahre Zuchthaus ab und gilt als gewalttätig und verbittert. Als er einen Wärter ersticht, soll er hingerichtet werden, doch seine Mutter erreicht die Umwandlung des Urteils in lebenslange Einzelhaft. In der Isolation hat Stroud nur wenig Kontakt, bis er im Hof einen verletzten Sperling findet und ihn in seiner Zelle aufzieht. Später darf er Kanarienvögel züchten und entdeckt darin einen neuen Lebenssinn. Er entwickelt ein Heilmittel gegen eine gefährliche Vogelkrankheit und wird als Vogelexperte bekannt. Durch die Züchterin Stella Johnson entsteht erstmals eine persönliche Bindung, die jedoch zum Bruch mit seiner Mutter führt. Er wartet auf eine Begnadigung ... "Der Gefangene von Alcatraz" basiert auf der Lebensgeschichte des Amerikaners Robert Stroud, der 1963 in einem Gefängnishospital starb, nachdem er 54 Jahre in Zuchthäusern verbracht hatte, davon 43 Jahre in Einzelhaft. Der Film, auch ein Plädoyer für einen humaneren Strafvollzug, erhielt mehrere bedeutende Preise. Burt Lancaster wurde als bester Hauptdarsteller für den Oscar nominiert, gewann den BAFTA Film Award und in Venedig die Coppa Volpi. Weitere drei Oscarnominierungen gingen an Telly Savalas und Thelma Ritter für ihre Nebenrollen und an Burnett Guffey für die beste Bildgestaltung in Schwarz-Weiß. Für Telly Savalas war es der Start seiner Schauspielkarriere, die im TV als Polizist Kojak mit "Einsatz in Manhattan" ihren Höhepunkt fand.
16:30
Der Katamaran nimmt Kurs auf den Inselstaat Taiwan, der zu den größten Elektronikproduzenten der Welt gehört. Die von Corentin so geschätzte Open-Source-Philosophie beruht auf dem Zugang zu einem Computer und zum Internet - zwei großartigen Erfindungen, von denen noch immer viele Menschen ausgeschlossen sind. Corentin fragt sich, wie mit Hilfe von Recycling-Komponenten jeder Mensch auf der Welt mit einem Computer ausgestattet werden könnte. Seine Herausforderung: im Hightech-Paradies einen Lowtech-Computer herstellen! Doch wie lässt sich ein kostengünstiger Computer mit geringem Energieverbrauch realisieren, während alle Welt immerzu der modernsten Technik hinterherjagt?
16:55
Die Langschwanzmakaken kommen im Vergleich zu anderen Primatenarten am häufigsten auf der Welt vor. In Thailand bevölkern sie zu Hunderten die Städte, ähnlich wie in Europa die Tauben. Am Morgen verlassen sie die Hügel und ziehen in die Städte, um in Mülltonnen und Häusern nach Nahrung zu suchen. Dennoch ist nicht viel über sie bekannt. Auf der thailändischen Insel Ko Kho Ram ernähren sich die Langschwanzmakaken von Austern, Muscheln und Krabben. Um die Schalentiere zu öffnen, greifen sie auf Werkzeuge wie Hammer und Amboss zurück, von denen man lange annahm, dass nur der Mensch und die Menschenaffen sie beherrschen. Die Langschwanzmakaken sind außerdem ausgezeichnete Taucher und Schwimmer, denn sie können unter Wasser hervorragend sehen. Fasziniert von diesen Primaten begeben sich die Filmemacher Dominique Hennequin und Cyril Ruoso auf Spurensuche. Die Dokumentation lässt die Zuschauer und Zuschauerinnen zunächst die schönen Facetten des Lebens im Affenrudel entdecken, wie die wilden Spiele im Swimmingpool und im Mangrovenwald sowie das beeindruckende Miteinander bei der gegenseitigen Fellpflege während der langen Siesta. Doch der Film gewährt auch seltene Einblicke in die dunklen Seiten dieses Zusammenlebens: In diesen sehr hierarchisch organisierten Affenstämmen gilt das Gesetz des Stärkeren und "Lynchjustiz" ist durchaus nicht selten.
17:50
Namibia ist ein Land voller einzigartiger Geschichten und atemberaubender Landschaften, die in der Dokumentation "Namibias Naturwunder - Leben am Limit" erforscht werden. Die Namib, eine der ältesten und trockensten Wüsten der Welt, ist das Reich der Anpassungskünstler, in dem das Überleben eine Herausforderung darstellt. Die Trockenheit und Hitze prägen hier das Leben. Die letzten Wüstenelefanten leiden unter der längsten Dürre seit Jahrzehnten, und nur noch etwa 150 dieser majestätischen Tiere leben in kleinen Herden und wandern täglich weite Strecken auf der Suche nach Futter und Wasser. Doch auch in einem ausgetrockneten Flussbett finden sie noch etwas Fressbares wie die Früchte des Kameldornbaumes. Die Sandwüste der Namib ist ein dynamischer Lebensraum, in dem Wind die Dünen formt und organische Materialien an den Grund der Dünen trägt, die für die Lebensgemeinschaften der Wüste von großer Bedeutung sind. Die Küste Namibias ist vollkommen anders als das Landesinnere. Hier treffen die Wellen des Atlantiks auf schroffe Klippen und weite Strände. Der Benguelastrom trägt sauerstoff- und nährstoffreiches Wasser in den Norden und zieht große Fischschwärme an, von denen Seebären profitieren. "Namibias Naturwunder - Leben am Limit" zeigt die Herausforderungen, mit denen die Tiere in Namibia in einer so extremen Umgebung konfrontiert sind und wie sie sich angepasst haben, um zu überleben. Von den Wüstenelefanten und Welwitschien bis hin zu den Küstenbewohnern wie Strandwölfen bietet die Dokumentation einen faszinierenden Einblick in die vielfältige Natur und Tierwelt Namibias.
18:35
Die Kalahari ist eine trockene und karge Wüste, die dennoch eine überraschende Artenvielfalt bietet. Eines der seltenen und faszinierenden Geschöpfe, die hier leben, ist das Steppenschuppentier. Es ähnelt einem possierlichen Dinosaurier und ist das einzige Säugetier, das Hornschuppen trägt. Über seine Lebensweise ist noch immer wenig bekannt. Als kleiner Wächter der Wüste beobachtet das Erdmännchen aufmerksam seine Umgebung und hält stets Ausschau nach Feinden. Zusammen mit seiner Kolonie geht es auf Futtersuche und buddelt sich durch den Boden auf der Suche nach Leckereien. Die wahre Leibspeise der Erdmännchen ist dabei überraschenderweise der Skorpion, den sie nach dem Entfernen des Giftstachels genüsslich aufessen. Im Nordosten Namibias liegen die großen Flüsse - der größte von ihnen ist der Sambesi. Hier führt eine Leitkuh eine Elefantenherde an. Elefantengesellschaften sind sehr komplex. Mütter mit ihren Kindern, Schwestern und Tanten mit ihrem eigenen Nachwuchs - sie alle bilden eine eng verbundene Familienherde. Wohl nirgendwo sonst in Afrika gibt es so viele Dickhäuter wie hier. Einst waren sie weit über den Kontinent verbreitet. Doch Afrikanische Elefanten werden immer seltener. Von den trockenen Savannen bis zu den weiten Flusslandschaften: Namibia ist das Land der tausend Gesichter, Wunder und Geschichten. Es ist eine Welt der kleinen Helden und großen Jäger.
19:20
"ARTE Journal", das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur
19:35
"Mit offenen Karten im Fokus": Täglich drei Minuten Aktuelles und Analysen
19:40
Was Europa bewegt Nah dran, authentisch, echt - der Mensch im Mittelpunkt. In 30 Minuten taucht "Re:" in Lebenswelten ein und macht Europas Vielfalt erlebbar. Von montags bis freitags um 19.40 Uhr und jederzeit im Netz.
20:15
Das Prag der 1920er und 1930er Jahre ist eine pulsierende europäische Metropole, die weit über die Grenzen der Tschechoslowakei hinaus strahlt und Menschen anzieht. Auf den ersten Blick scheint fast alles möglich in den zwei Jahrzehnten zwischen der Gründung der Ersten Tschechoslowakischen Republik 1918 und dem deutschen Einmarsch im März 1939: Die Stadt ist eine internationale Literatur-, Theater-, Jazz- und Tanz-Hochburg - mit Galerien und Theatern und mit einem pulsierenden Nachtleben in Bars und Varietés. Josephine Baker kommt in die Stadt, die mit New York, mit Paris und Berlin gleichzieht. Tschechische, deutsche und jüdische Künstlerinnen und Künstler machen aus der Moldau-Metropole ein "Babylon Prag". Doch auf den zweiten Blick zeigt sich, dass die Kulturen dieser Stadt eher neben- als miteinander existierten, getrennt wie durch eine unsichtbare Mauer. Die Dokumentation "Babylon Prag" taucht ein in die zweisprachige Welt der Prager Kultur jener beiden Jahrzehnte, in denen Prager Künstler Großes geleistet haben, allen voran Kafka mit seinen Romanen und Romanfragmenten. Dabei ist dieses erste Jahrzehnt der jungen Republik von latenten Konflikten zwischen Tschechen und Deutschen geprägt. Obwohl in der Minderzahl, hatten die Deutschen unter der Herrschaft der Habsburger großen Einfluss. Jetzt verweisen die Tschechen die ehemals dominierende Minderheit auf den zweiten Platz, was Unmut schürt. Und so kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen, deren innere Triebfeder der Nationalismus ist - das unselige Erbe des 19. Jahrhunderts.
20:55
Die Weltwirtschaftskrise nach dem Schwarzen Freitag 1929 gießt Öl in die schwelenden Konflikte zwischen den Deutschen und den Tschechen. Die Deutschen dominierten früher das öffentliche Leben und finden sich plötzlich auf dem zweiten Platz wieder. Tschechen und Slowaken sehen die Erste Tschechoslowakische Republik vor allem als ihre Republik. Keine Seite bemüht sich um Gemeinsamkeit. Man lebt nebeneinanderher. Die schwierige wirtschaftliche Lage trifft vor allem die sudetendeutschen Gebiete nahe der Grenze zum Deutschen Reich, die ihre Absatzmärkte verlieren. Mit der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 spitzt sich die komplizierte Lage noch weiter zu. Auf der tschechischen wie auf der deutschen Seite drängen sich nationalistische Kräfte immer stärker in den Vordergrund. Zudem kommen Exilanten aus dem Deutschen Reich in das nahegelegene Prag. Einige, wie die Brüder Thomas und Heinrich Mann, erhalten sogar die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft. Künstler wie Karel Capek und Max Brod und Journalistinnen wie Milena Jesenská bemühen sich um Vermittlung bemühen - doch die Menschen hören nicht auf sie. Hitler allerdings nutzt die Gunst der Stunde. Bei der Münchner Konferenz werden die Sudeten 1938 dem Deutschen Reich zugesprochen. Die Tschechen dort fliehen nach Prag. Als die Wehrmacht 1939 einmarschiert, endet die politische Eigenständigkeit der Zweiten Tschechoslowakischen Republik. Der Naziterror beginnt, der viele Literaten und bildende Künstler ins Exil treiben wird. Wer bleibt, dem drohen oft Verhaftung und Konzentrationslager.
21:40
Ende November 1983 in Narborough, einem kleinen bürgerlichen Vorort der englischen Stadt Leicester: Die 15-jährige Lynda Mann ist auf dem Weg nach Hause, als sie vergewaltigt und erdrosselt wird. Nachdem ihre Leiche auf einem nahe gelegenen Sportplatz gefunden wurde, übernimmt Kriminalhauptkommissar David Baker die Ermittlungen. Zur gleichen Zeit arbeitet der Wissenschaftler Alec Jeffrey an der Universität von Leicester daran, DNA zu entschlüsseln. Mit dieser Entdeckung könnten einmalige Muster und Verwandtschaftsverhältnisse nachgewiesen werden. Doch die bisherigen Ergebnisse sind unbrauchbar. Trotzdem ist Alec so fasziniert von seiner Arbeit, dass er seine Familie vernachlässigt. Ein Jahr nach Lyndas Ermordung ist der Täter noch nicht gefasst und David Baker kann die Ermittlungen nur mit einem reduzierten Team fortführen, ohne viel Hoffnung auf Erfolg. Alec Jeffreys gelingt hingegen endlich der erhoffte Durchbruch: die perfekte Entschlüsselung einer DNA-Sequenz. Doch kann die Technik auch bei einem Mordfall eingesetzt werden? Die dreiteilige Serie basiert auf den wahren Mordfällen zweier Mädchen aus Leicester in den Jahren 1983 und 1986. Die Entdeckung des genetischen Fingerabdrucks durch Alec Jeffreys im Jahr 1984 wurde erstmals zur Überführung eines Mörders genutzt. Die Serie wurde mit dem inzwischen pensionierten Alec Jeffreys und dem ehemaligen Chefermittler David Baker entwickelt. Regie führte James Strong. Hauptdarsteller John Simm ist dem ARTE-Publikum aus der Serie "Life on Mars: Gefangen in den 70ern" bekannt.
22:30
Die kleine Gemeinde Narborough hat die Vergewaltigung und Ermordung der 15-jährigen Lynda Mann vor drei Jahren noch nicht verarbeitet. Damals fand sich trotz intensiver Ermittlungen kein Täter. Nun scheint der Mörder wieder zugeschlagen zu haben: Die gleichaltrige Dawn Ashworth wird vermisst und nach zwei Tagen auf einer Weide vergewaltigt und erdrosselt aufgefunden. Kriminalhauptkommissar David Baker und sein Team jagen nun einen Serienmörder. Am Tatort fällt der junge Gavin Hopkirk mit einer Aussage auf: "Ihr habt sie also gefunden? Ich wusste, ihr habt am falschen Ort geschaut." Die Ermittler verhaften den jungen Mann, und nach einiger Zeit in der Vernehmung gesteht er Dawns Ermordung. Zwar streitet er den Mord an Lynda vehement ab, aber Davids Team freut sich, endlich einen Schlussstrich unter die Fälle zu setzen. Doch im Detail passen Gavins Aussagen nicht: Dawn trug ein Kleid, keine Hose. David Baker will sichergehen. Er erfährt von einer neuen DNA-Methode und erhofft sich davon ein einwandfreies Ergebnis. Dafür besucht er Alec Jeffreys, den Entdecker des genetischen Fingerabdrucks, der einige Kilometer entfernt an der Universität von Leicester forscht. Die erst zwei Jahre zuvor entwickelte Technik der DNA-Bestimmung könnte helfen, die Spermaproben vom Tatort mit Gavins Blut zu vergleichen.
23:15
1987 in Narborough, einem Vorort von Leicester: Kriminalhauptkommissar David Baker und sein Team ermitteln in zwei ähnlichen Mordfällen. 1983 wurde die 15-jährige Lynda Mann vergewaltigt und erdrosselt, drei Jahre später die gleichaltrige Dawn Ashworth. Ein Tatverdächtiger, der bereits gestand, kann mit Hilfe einer DNA-Analyse von Wissenschaftler Alec Jeffreys als Täter ausgeschlossen werden. Allerdings kann Alec beweisen, dass die Spermaspuren an beiden Tatorten von derselben Person stammen. Ohne weitere Anhaltspunkte kommt Kriminalhauptkommissar David Baker plötzlich die Idee: Statistisch gesehen leben die meisten Täter in einem Umkreis von fünf Meilen um den Tatort. Wenn nun alle Männer zwischen 18 und 34 Jahren in diesem Gebiet auf ihre DNA getestet werden würden, könnte man die genetischen Fingerabdrücke vergleichen und so den Täter finden. Aber wie soll man 5.000 Männer dazu bringen, freiwillig eine Blutprobe abzugeben? Außerdem ist die Analyse jeder Probe kostspielig. Nach anfänglichem Widerstand des sparsamen Innenministeriums gelingt es David, die Finanzierung zu sichern, und Alecs Team kann in der Stadthalle von Narborough die ersten Proben nehmen. Einen solchen Massentest hat es noch nie gegeben. Immer mehr Männer können so als Täter ausgeschlossen werden. Doch im Labor stauen sich die Proben, die Analyse dauert lange. Die größte Herausforderung: Gelingt es dem Täter, das System zu umgehen, würde die Glaubwürdigkeit des DNA-Verfahrens erschüttert. Das Team steht unter Druck. Dann taucht eine Zeugin mit einem Hinweis auf, der die entscheidende Wendung bringt ...