20:15
Erzherzogin Sophie von Bayern gilt als eine Schlüsselfigur der Habsburger Monarchie - und doch ist sie bis heute weitgehend im Schatten ihrer berühmten Schwiegertochter Elisabeth, genannt Sisi, geblieben. So wird Sophie meistens reduziert auf die Rolle der bösen Schwiegermutter. Die Dokumentation rückt jene Frau in den Mittelpunkt, die mit unerschütterlichem Pflichtgefühl, Selbstdisziplin und klarem politischen Kompass das Machtgefüge der Dynastie über Jahrzehnte prägte. Sophie kommt 1805 in München zur Welt und wächst mit dem strengen Wertekanon von Loyalität, Ordnung und Glauben auf. Nach ihrer Heirat an den Wiener Hof betritt sie ein Reich im Spannungsfeld zwischen Erneuerung und Tradition. Inmitten eines verunsicherten Hofes und eines schwachen Herrschers füllt Sophie das Vakuum - als moralischer Bezugspunkt und entschlossene Strippenzieherin hinter den Kulissen. Als ihr Sohn Franz Joseph 1830 in Schönbrunn zur Welt kommt, beginnt Sophie sofort, aus ihm den "perfekten Herrscher" zu formen. Strenge, Militarismus, Disziplin bis zur Selbstaufgabe: Sie schafft die Voraussetzungen für einen Kaiser, der - so hofft sie - Stabilität in einer unruhigen Zeit bringen soll. Während der Revolution von 1848 übernimmt Sophie faktisch die Führung des Hauses. Sie orchestriert den Austausch der politischen Spitze, bewegt zunächst ihren Schwager zum Abdanken und schließlich ihren eigenen Mann zum Verzicht auf die Krone. Mit nur 18 Jahren besteigt Franz Joseph den Thron - ein Schritt, der ohne Sophies Entschlossenheit nicht möglich gewesen wäre.
21:05
Kaiserin Elisabeth von Österreich sucht zeitlebens nach Freiheit und Sinn. Im Achilleion auf Korfu, einem romantischen Palast am Ionischen Meer, hofft sie, eine Heimat für ihre rastlose Seele zu finden. Das Dokudrama zeigt Elisabeth als widersprüchliche, moderne Frau jenseits der bekannten "Sisi"-Romantik - eindrucksvoll verkörpert von Sunnyi Melles. Kaiserin Elisabeth von Österreich sucht zeitlebens nach Freiheit und Sinn. Kurz vor ihrem Tod hofft sie, im Achilleion auf Korfu, ihrem "Zauberschloss" am Ionischen Meer, endlich eine Heimat für ihre rastlose Seele zu finden. Doch auch dort findet sie keine Ruhe. Auch im Achilleion wird sie keine Ruhe finden. Für die Titelrolle der alternden Kaiserin konnte mit Sunnyi Melles eine der renommiertesten deutschsprachigen Charakterdarstellerinnen gewonnen werden. Sie verkörpert Elisabeth als widersprüchliche und faszinierend moderne Frau - jenseits der bekannten "Sisi"-Romantik, geprägt von den weltberühmten Filmen mit Romy Schneider. Tatsächlich entsprach Elisabeth kaum dem populären Bild einer volksnahen, kindlich-naiven und warmherzigen Kaiserin. Vielmehr war sie eine Frau voller Widersprüche: großzügig und leidenschaftlich, zugleich aber auch kühl und berechnend. Eine Frau, die andere in ihren Bann schlug und sich den Erwartungen an ihre Rolle konsequent entzog. Selbst in Zeiten politischer Krisen hielt sie Distanz zum Hofleben der Habsburgermonarchie. Das Dokudrama nähert sich Elisabeth über ihren engen Vertrauten Alexander von Warsberg. Er plant und baut für sie das Achilleion auf Korfu - jenen Palast, in dem sie nach Jahren rastlosen Reisens endlich Heimat finden will.
22:00
"Die Zauberflöte" entwirft das Bild einer utopischen Gemeinschaft, die Sarastro als Gegenentwurf zur nächtlichen Welt verwirklichen möchte. Doch das vermeintliche Happy End entpuppt sich als trügerisch. Der Filmemacher und Künstler Clément Cogitore greift auf Bilder zurück, die im kollektiven Gedächtnis verankert sind, und legt dabei auch ihre Schattenseiten offen. Er verbindet Archivmaterial mit dem Bühnengeschehen, hält den Figuren ihre eigenen Widersprüche vor Augen und schafft so eine vielschichtige Inszenierung. Die Produktion der 78. Ausgabe des Festivals in Aix-en-Provence besticht durch eine leichte, fast tänzerische Umsetzung, zu der die Choreographin Evelin Facchini entscheidend beiträgt. Besonders reizvoll ist das Zusammenspiel zwischen Darstellern und Videoprojektionen: Cogitores Interpretation wird so auch zur Komödie der Illusionen. Am Dirigentenpult steht Leonardo García-Alarcón, der mit seinem Ensemble Cappella Mediterranea sowie dem Choeur de chambre de Namur und dem Knabenchor der Chorakademie Dortmund die Aufführung musikalisch gestaltet. Der Dirigent, der als prägende Figur der Barockrenaissance und ausgewiesener Mozart-Experte gilt, bringt "Die Zauberflöte" hier erstmals auf die Bühne. Die Besetzung ist prominent: Die französische Sopranistin Sabine Devieilhe, eine der bedeutendsten Stimmen ihrer Generation, übernimmt die Rolle der Königin der Nacht. Der britische Bass Brindley Sherratt verkörpert Sarastro, während der Schweizer Tenor Mauro Peter - bekannt unter anderem von der Pariser Oper - den Tamino gibt. Die chinesische Sopranistin Ying Fang ist als Pamina zu hören, und der amerikanische Bariton Sean Michael Plumb gestaltet seinen Lieblingspart, den schelmischen Papageno, den Cogitore mit lyrischer Zärtlichkeit anlegt. Die Produktion wurde für ARTE aufgezeichnet und wird am 11. Juli ausgestrahlt. Durch den Abend führt Saskia De Ville.