19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:35
19:40
Im Zentrum der Entwicklung steht die 13-jährige Stella: Sie war das erste Mädchen, das in den Verein der Mini-Macchina aufgenommen wurde - jener Kindertradition, aus der später die Träger der großen Macchina hervorgehen. Nun bereitet sie sich auf ihre wichtigste Herausforderung vor: Zum ersten Mal darf sie die steile Etappe zum Santuario di Santa Rosa tragen, ein symbolisches Highlight des Rituals. Stellas Vater David ist selbst Träger und unterstützt den Traum seiner Tochter - auch wenn der Wunsch für Mädchen noch immer ungewöhnlich ist. Stellas Cousin Matteo erlebt die Tradition hingegen selbstverständlich aus der männlichen Perspektive - ein Kontrast, der zeigt, wie tief verwurzelt die Rollenbilder in Viterbo sind. Eine Schlüsselfigur dieser kleinen Revolution ist Gianni Baiocco, selbst Träger und Vorsitzender des Vereins der Mini-Macchina des historischen Zentrums. Er war einer der Initiatoren, die vor zwei Jahren die Aufnahme von Mädchen ermöglichten - ein mutiger Schritt, denn diese Entwicklung ist nicht nur auf Befürworter gestoßen. Doch er sichert auch die Zukunft der Tradition, denn die dünn besiedelte Gegend hat ein Nachwuchsproblem. Am Tag des Mini-Macchina-Umzugs wird sich zeigen, wieweit Wille und Kraft von Stella ausreichen. Und Viterbo fiebert mit. Die Frage bleibt, wie weit eine jahrhundertealte, männlich geprägte Tradition bereit ist, sich zu öffnen. Eine 30-minütige Reportage über Mut, kulturelles Erbe und den Wandel einer Stadt zwischen Glauben, Tradition und einer neuen Generation.
20:15
In einer Zeit der Industrialisierung und Uniformisierung fühlte Käthe Kruse (1883-1968) sich intensiv in die Welt der Kinder ein. Ihr Lebensweg entsprach dabei kaum den traditionellen Erwartungen an Frauen. Nach einer kurzen Karriere als Schauspielerin lebte sie als junge Mutter alleinerziehend mit ihren beiden kleinen Töchtern in einer Freidenkerkolonie bei Ascona in der Schweiz. Dort kam sie mit verschiedenen Reformbewegungen in Berührung. Das naturnahe Leben prägte sie. Ihre weichen, handgefertigten Puppen, die die natürliche Schönheit und Individualität von Kindern widerspiegeln, waren ein Ausdruck dieser Ideale. Anhand der Lebensgeschichte von Käthe Kruse zeigt die Dokumentation, dass Puppen immer auch ein Spiegel ihrer Zeit sind. Sie bilden Familie und Gesellschaft im Kleinen ab. Damit sind sie auch anfällig für ideologische Einflüsse. Die Kriegs- und Krisenzeiten überstand die Puppenmacherin mit immer neuen Geschäftsideen und Anpassung an die politischen Verhältnisse. So schuf sie während des Dritten Reiches auch Puppen in NS-Uniform. Dem Fortbestand ihres Unternehmens ordnete sie alles unter. Dazu gehörte auch der Mut, gegen den damals größten Spielzeughersteller zu klagen, der ihre Puppen kopiert hatte. Käthe Kruses Leben war voller Widersprüche: Als Mutter und Ehefrau vertrat sie traditionelle Werte, aber ihre Beziehung lebte sie unkonventionell. Als Unternehmerin war sie emanzipiert, mit ihren Puppen jedoch passte sie sich an die Familien- und Weiblichkeitsvorstellungen ihres bürgerlichen Publikums an.
20:55
Sie war Präsidentin oder Astronautin - lange, bevor die Realität ihr folgte: Barbie. Es gibt sie in allen Hautfarben, im Rollstuhl - Diversität und Inklusion sind längst Teil des Konzepts. Keine andere wird so geliebt und gehasst wie sie. Im Sommer 2023 eroberte "Barbie" als Hollywoodfilm die Kinoleinwand. Die Welt war im Barbie-Fieber, Pink die Modefarbe der Saison. Doch was viele nicht wissen: Barbie ist das Produkt der ehrgeizigen Geschäftsfrau Ruth Handler, einem amerikanischen Einwandererkind mit jüdisch-polnischen Wurzeln. Gemeinsam mit ihrem Mann und einem Geschäftspartner gründete sie das Spielzeugunternehmen Mattel. Auf einer Europareise entdeckte sie die Puppe "Lilli", ein Merchandise-Produkt einer Boulevardzeitung. Handler erkannte sofort das Potenzial: Zum ersten Mal sah sie eine erwachsene Puppe mit eigenem Stil. Zuvor gab es nur Babypuppen, die Mädchen früh auf die Mutterrolle vorbereiten sollten. 1959 wurde Barbie auf der Spielwarenmesse in New York vorgestellt. Bereits im ersten Jahr verkaufte Mattel rund 350.000 Exemplare - das Barbie-Universum war geboren. Das Konzept war schlüssig und wirtschaftlich durchdacht: Barbie wurde zum Sinnbild einer selbstständigen Frau - mit eigenem Haus, Auto und Beruf. Heute ist sie mit Millionen Followern auf Instagram auch Influencerin. Viele erfolgreiche Frauen wurden als Barbie verewigt - darunter die deutsche Meeresbiologin Antje Boetius. Die Dokumentation zeigt: Barbie ist und bleibt ein Phänomen.
21:50
Als Anna die Herzogin zur Rede stellt, beteuert diese ihre Unwissenheit. Anna lässt nicht locker und findet einen geheimen Raum in der Villa, in dem das Gemälde aufbewahrt wird. Inspektor Guerrini schlägt Anna nieder und setzt sie mit Drogen außer Gefecht. In letzter Sekunde wird Anna von Cavadini gerettet. Der Antiquitätenhändler Fontana, der Chef der Privatbank Vela und die Herzogin werden verhaftet, doch juristisch bleibt es für alle folgenlos. Anna veröffentlicht ihren Artikel, der Beitrag schlägt international hohe Wellen. Der Fall gilt als abgeschlossen, das in Asche liegende Gemälde als gefunden. Anna kehrt nach Mailand zurück und lässt sich von ihrem Chef feiern. Cavadini scheint der Fall aber nicht ganz loszulassen. Inspektor Guerrini rät ihm, sich mit dem unbefriedigenden Ausgang abzufinden und nicht weiter darüber nachzudenken. Doch dann trifft das Ergebnis eines DNA-Tests ein: keine Übereinstimmung. Entweder ist der Tote nicht Annas Vater - oder Anna nicht seine Tochter ...
22:35
Annas DNA passt nicht zum Toten aus dem Luganersee. Wer ist also der Mann? Anna muss zurück nach Lugano, um weiterzuforschen. Ihren Bruder erreicht sie nicht, ihre Mutter und Saro stehen kurz vor der Abreise auf die Malediven. Inzwischen glaubt wenigstens Cavadini an Annas Theorie, dass entweder Vela oder Fontana mit der Sache zu tun haben. Doch als Anna und Cavadini dem Bankier Vela einen Besuch abstatten wollen, kommen sie zu spät. Ein Teil des echten Caravaggios taucht auf. Das verbrannte Gemälde muss eine Fälschung gewesen sein. Das Original wurde offenbar unter mehreren Akteuren verteilt. Inspektor Guerrini, nach wie vor für Mafiaboss U'Nicu tätig, ist bereits auf der Jagd nach den fehlenden Teilen. U'Nicu will das Gemälde in seinen Händen halten. Guerrini ist ihm ausgeliefert und folgt seinen Anweisungen. Wer ist das nächste Opfer?
23:15
Nach einem Handgemenge mit Inspektor Guerrini kann Anna nur knapp entkommen. Gemeinsam mit ihrem Bruder Francesco verlässt sie das Anwesen der Fontanas, während ihr Verfolger verletzt zurückbleibt - mit einem Teil des gesuchten Gemäldes in seinem Besitz. Kurz darauf verliert sich Annas Spur. Kommissar Cavadini sucht fieberhaft nach ihr und stößt bei den Fontanas auf zwei Tote. Währenddessen wird Anna an einen abgelegenen Ort gebracht, wo sie mit einer Wahrheit konfrontiert wird, die alles infrage stellt, was sie über ihre Familie zu wissen glaubte. Doch die Zeit rast und Anna ist immer noch in akuter Gefahr, jetzt wo sie so viel weiß. Die Jagd auf das Gemälde geht weiter, mehrere Fragmente sind im Umlauf, Guerrini will sie alle. Francesco will den Teil des Gemäldes holen, den Saro und Antonio im Haus der Familie versteckt haben, da taucht wieder Guerrini auf. Dieses Mal droht die Situation endgültig zu eskalieren ...
00:45
Ein industrieller Schlachthof irgendwo in Deutschland. Jakob arbeitet als Wachmann, der bosnische Arbeiter Boris in der Schlachtung. Inmitten von Gewalt und Kälte entsteht zwischen ihnen eine stille Verbindung und die unausgesprochene Sehnsucht nach Freiheit. Als Jakob hilft, Boris' beschlagnahmten Pass zurückzuholen, geraten die beiden in einen Sog aus Macht und Ohnmacht, der sie vor folgenschwere Entscheidungen stellt.
01:15
In seinem Dokumentarfilm "Der Waldmacher" porträtiert Volker Schlöndorff den mit dem sogenannten Alternativen Nobelpreis, dem Right Livelihood Award, ausgezeichneten Agrarwissenschaftler Tony Rinaudo. Der Australier hat eine Technik entwickelt, bei der aus den jahrzehntelang lebendigen Wurzeln gefällter Bäume neue Sprösslinge hochgezogen werden. Dank dieser Wiederaufforstungsmethode namens "Farmer Managed Natural Regeneration" (FMNR) konnten nicht nur der Boden, sondern auch die Lebensgrundlage, Hoffnung und Würde von Tausenden afrikanischen Kleinbauern gerettet werden. "Der Chef aller Bauern" - wie er liebevoll in den Dörfern genannt wird - musste hart für seine Idee kämpfen, bis sie sich durchsetzte. Rinaudo arbeitet seit über 30 Jahren in der Sahelzone und wurde Zeuge von Verzweiflung und Hungersnöten, aber auch von Widerstandskraft, Entschlossenheit und Wandel. Schlöndorff begleitet den Agrarwissenschaftler in verschiedene afrikanische Länder, um sich ein Bild von den positiven Auswirkungen der FMNR-Methode auf die Wüstenbildung zu machen und stößt dabei immer wieder auf Probleme und Herausforderungen, die auch in Europa zu spüren sind - etwa Migrationswellen, Klimawandel oder die Ungleichheit der Geschlechter. Der Regisseur arbeitet mit afrikanischen Filmschaffenden zusammen, die über das Landleben und die Herausforderungen vor Ort berichten. "Der Waldmacher" zeigt gewöhnliche Menschen, die Außergewöhnliches leisten - ein Film über Gemeinschaft, Selbstermächtigung und Hoffnung.
02:45
Indonesien gehört mit seinen etwa 130 aktiven Vulkanen zu den vulkanreichsten Regionen der Erde. Der besonders faszinierende Vulkan Ijen im Osten der Insel Java, bildet den Gegensatz zum satten Grün der Wälder in der Gegend: Karges Gestein und giftige Schwefeldämpfe umgeben Arnaud, als er den Felsriesen erklimmt. Inmitten des Vulkans befindet sich der jadegrün leuchtende Kratersee Kawah Ijen, einer der säurehaltigsten Seen der Welt. Weder Tiere noch Mikroorganismen können in diesem sauren Milieu leben. Der Vulkan stößt ständig Gaswolken aus, die bei Arnaud zu einem Brennen im Rachen und einem Hustenreiz führen. Das stört die Bergarbeiter schon längst nicht mehr: Täglich steigen die "starken Männer Javas" in den Krater, um dort Schwefel abzubauen - ohne Schutzkleidung. Sarno, den Arnaud bei seiner strapaziösen Arbeit inmitten der dampfenden Hölle begleitet, macht diesem Namen seit mehr als 25 Jahren alle Ehre. Mit einer Art Brecheisen haut er das Schwefelerz aus dem Gestein und schleppt das gelbe Gold die steilen Kraterwände hoch - pro Tag bis zu 150 Kilogramm. Die Arbeit ist nicht nur hart, sondern auch riskant: Auf dem Grund des Kratersees können sich riesige hochgiftige Gasblasen bilden, die aufsteigen und an der Oberfläche explodieren - eine tödliche Gefahr. Auch die umliegende Bevölkerung ist von diesem "Säurefass" bedroht: Das saure Seewasser gelangt in die Flüsse und stellt eine große Gefahr für die Bevölkerung, die landwirtschaftlichen Kulturen und die Böden dar. Rund 10.000 Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und kämpfen mit gravierenden Gesundheitsproblemen. Als die Sonne untergeht, bietet sich Arnaud ein besonderer Anblick: Aus dem Krater des Ijen züngeln meterhohe blaue Flammen in die Lüfte. Das spektakuläre Naturschauspiel verbildlicht die Aktivität dieses Vulkans, die für die Menschen Lebensgrundlage und Gesundheitsrisiko zugleich bedeutet.
03:15
Der Vulkan Santiaguito in Guatemala ist vor weniger als hundert Jahren entstanden, aus erdgeschichtlicher Sicht nicht mehr als ein Wimpernschlag. Der junge Feuerberg ist ständig aktiv, sodass ein Aufstieg unmöglich ist. Stattdessen wählt Arnaud den Gipfel des benachbarten Vulkans Santa María als Beobachtungspunkt, den auch die Vulkanologen nutzen: An diesem Ort überwachen sie aus sicherer Entfernung den Santiaguito, denn der junge und unberechenbare Vulkan bedroht mit seinen Ascheeruptionen und den darauffolgenden Schlammströmen die gesamte Region. Bald könnte es wieder zu einem stärkeren Ausbruch kommen. Trotz der Bedrohung liegen mehrere große Fincas in den Nebelwäldern nicht weit vom Krater entfernt. Arnaud trifft Valdemar Martinez, der ihm erklärt, dass die Vulkanasche den Boden fruchtbar macht, aber zu viel davon die Blätter von der Photosynthese abhalten kann. Zwar fürchtet Valdemar die nächste schlimme Eruption, doch das Gefahrengebiet zu verlassen, kommt für ihn nicht infrage - wirtschaftlich gesehen wäre es ein riesiger Verlust. Die Glutriesen spielen auch für die Traditionen und den Glauben der Quiché, den Nachfahren der Mayas, eine wichtige Rolle: In ihrer Vorstellung ist ein Vulkan das Werk ihres Schöpfers, also ist es ein Privileg, in der Nähe ihres Lebensspenders zu wohnen. Der Schamane Mario Ovalle lädt Arnaud zum Neujahrsfest ein: Die Quiché danken für alles, was die Feuerriesen ihnen geschenkt haben.
03:40
Fotos können unser Weltbild beeinflussen. Und jedes Foto hat eine Entstehungsgeschichte. Das Magazin "Mit offenen Augen" ordnet Bilder ein und erklärt Hintergründe. Moderatorin Sonia Devillers liefert faszinierende Aufschlüsse, die über den ersten Blick hinausgehen.
03:55
Das Kulturmagazin des Senders ARTE wird täglich aus Paris gesendet. Aktuelle Themen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft stehen im Zentrum der Sendung und werden versiert unter die Lupe genommen.