16:55
In den Kork- und Steineichenhainen der Extremadura, einer steppenartigen Landschaft an der spanisch-portugiesischen Grenze, verbringen die Kraniche die Wintermonate und ernähren sich dort vorwiegend von den großen, nahrhaften Eicheln. Ende Februar begeben sie sich dann auf die Reise nach Norden zu ihren Brutstätten. Ein Teil fliegt dafür bis nach Deutschland - andere ziehen weiter bis nach Skandinavien und ins Baltikum. Viele Tiere rasten auf ihrem Weg in Schweden am Hornborga-See, einem der größten europäischen Frühjahrsrastplätze für Zugvögel. Zehntausende Kraniche nutzen diese Möglichkeit zum Ausruhen und Auftanken, bevor sie weiterziehen zu ihren Nistplätzen, teilweise bis weit in den Hohen Norden. Die Dokumentation zeigt den Grauen Kranich in seiner ganzen Schönheit und Einzigartigkeit. Und es kommen Menschen zu Wort, die sich seit vielen Jahren für den Schutz des Kranichs und seines Lebensraums engagieren. Sie verdeutlichen die Probleme, mit denen der eindrucksvolle Vogel zunehmend konfrontiert ist - verursacht vor allem durch Klimawandel und intensive Landwirtschaft.
17:50
Die Reihe zeigt, wie in fünf britischen Gärten - in der Stadt, am Flussufer, auf dem Land, am Wald und in der freien Natur - Wildtiere gegen die Herausforderungen der Jahreszeiten um Nahrung, Fortbestand und Überleben kämpfen. Ein idyllischer englischer Landgarten im Lake District, liebevoll gepflegt von seinen Besitzern Chris und Liz, bietet Lebensraum für zahlreiche Tierarten. Im Frühjahr blühen die Obstbäume, im Blumenbeet summen unzählige Bienen, und im Teich tummeln sich Molche auf Partnersuche. Doch die Paarungszeit ist kurz. Nachts wagt sich eine Feldmaus trotz lauernder Fressfeinde ins Freie, angelockt von den Ultraschallrufen eines paarungsbereiten Männchens. Bevor sie den offenen Rasen überquert, setzt sie Wegmarkierungen, um den Rückweg zu finden - eine Überlebensstrategie, die bislang nur vom Menschen bekannt war. Eine Rauchschwalbe kehrt nach ihrem Heimflug aus Afrika in genau den Garten zurück, in dem sie einst selbst schlüpfte. Im Teich prüft ein Fadenmolchweibchen die Duftspur, die ihr ein balzendes Männchen zuwedelt. Nach der Paarung sucht es nach geeigneten Wasserpflanzen, um mit den Hinterbeinen jedes einzelne Ei sorgfältig einzuwickeln. Im Sommer spielen sich überall versteckte Szenen ab ... Cumbria ist Englands niederschlagreichste Grafschaft. Klart der Himmel wieder auf, lauern andere Gefahren: von Rasenmähern bis hin zum Turmfalken, der jedoch von den Schwalbeneltern verjagt wird, die einer Feldmaus so das Leben retten. Wer den Kreislauf von Fressen und Gefressenwerden überlebt, findet im Landgarten mit seinem reichhaltigen Nahrungsangebot einen idealen Rückzugsort - und seine Besitzer ein kleines Paradies.
18:35
Mitten in Bristol liegt ein nur zehn Meter breiter Stadtgarten, in dem es vor Leben nur so wimmelt. Für wildlebende Tiere ist das Gärtchen eine grüne Oase, die ihnen Schutz vor den umliegenden Straßen und dem Autoverkehr bietet. Das hätte sich Lou, Künstlerin, Bildhauerin und Besitzerin des Stadtgartens kaum vorstellen können. Ein Jungfuchs hat Lous Garten zum Quartier inmitten seines Reviers erklärt, das sich über rund hundert Nachbarsgärten erstreckt. Er bedient sich an den Hausabfällen und macht sich interessiert auf die Suche nach einer läufigen Füchsin, deren Rufer er hört. Tagsüber versucht eine junge Blaumeise, sich an Lous Futterhäuschen gegen aggressive Distelfinken, listige Tauben und den Nachbarskater Mister Fluffy zu behaupten. Mit den milderen Temperaturen erwacht ein Igelweibchen aus dem Winterschlaf und begibt sich auf Partnersuche. Lou und ihre Nachbarn haben eine "Igel-Autobahn" angelegt, die sechzehn Gärten miteinander verbindet. Entlang dieses grünen Korridors trifft das Igelweibchen auf gleich mehrere paarungsbereite Männchen. Nachwuchs in der Stadt großzuziehen ist nicht leicht. Aufgrund des Insektenschwunds kann die Blaumeise ihre zehn Küken nur mit Mühe satt bekommen. Beim ersten Flug begegnen die Küken Gefahren wie dem Nachbarskater Mister Fluffy. Zusammen mit den Gärten der Nachbarn bildet Lous Gärtchen ein Patchwork aus Grünflächen. Da Gärten ein Drittel der Stadtfläche Bristols ausmachen, sind sie ein wichtiger Rückzugsort für die Natur.
19:20
"ARTE Journal", das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur
19:40
Die russische Stadt Workuta wurde einst als Straflager und Bergbaustadt für deutsche Kriegsgefangene gegründet. Vor Beginn des Zerfalls der Sowjetunion hatte die Stadt rund 120.000 Einwohner, zuletzt noch etwa 55.000. Damit war Workuta eine der am schnellsten schrumpfenden Großstädte Russlands. Workuta liegt oberhalb des Polarkreises, der Winter dauert hier neun Monate und nach der Schließung vieler Kohleminen gab es kaum noch Jobs. Ganze Stadtteile wurden zu Geisterstädten. Dazu kommt, dass die Stadt nicht ans Straßennetz angeschlossen ist und etwa 1.000 Kilometer nördlich der nächstgelegenen Großstadt liegt. Doch Workuta entfaltet eine neue Anziehungskraft. Viele Menschen können sich die Mieten in Russlands Großstädten nicht mehr leisten. Russlands soziale Netzwerke sind gerade voll mit dem Thema: Hier gibt es Eigentumswohnungen ab 500 Euro zu kaufen! Ein Eigenheim zum Preis eines Smartphones! Auch Elena Sbezhnewa wohnt seit Kurzem hier. Sie ist Kriegsflüchtling aus dem Donbass. Eine Wohnung im Rest Russlands konnte sie sich nicht leisten. Nun wohnt sie in einer modernen Wohnung, die sie für rund 8.000 Euro Kaufpreis erworben hat. Sie leidet trotzdem unter den allgemeinen Problemen wie Einsamkeit, Dunkelheit, Abgeschiedenheit und Entfernung zu Bekannten. Doch Workuta war für sie die einzige Möglichkeit, eine eigene Wohnung zu besitzen. In Zeiten von Krieg und Krisen findet man in Workuta zumindest das, was der Rest Russlands aktuell nicht bieten kann: Ruhe und Sicherheit.
20:15
Im Pariser Stadtteil Pigalle wird ein Amerikaner aus einem vorbeifahrenden Wagen erschossen. Kommissar Maigrets Kollege, Inspektor Lognon, wird Zeuge des Verbrechens. Er alarmiert die Polizei, doch als diese eintrifft, ist die Leiche verschwunden. Für Maigret beginnt ein rätselhafter Fall. Die Spuren führen ihn tief in das Milieu amerikanischer Gangster, die sich in Paris ein neues Machtzentrum aufbauen wollen. Trotz des Drucks amerikanischer Diplomaten und Ermittlungsbehörden verfolgt Maigret unbeirrt seinen Plan. Plötzlich wird Lognon entführt ... Mit "Kommissar Maigret sieht rot" inszenierte Gilles Grangier einen Kriminalfilm, der klassische Ermittlungsarbeit mit dem Film-noir-Flair des Paris der 1960er Jahre verbindet. Jean Gabin spielt den berühmten Kommissar mit ruhiger Autorität und feinem Gespür für die Menschen hinter dem Verbrechen. Der Krimi ist Jean Gabins dritte und letzte Verkörperung des legendären Kommissars Jules Maigret. Die Verfilmung basiert auf Georges Simenons Roman "Maigret, Lognon und die Gangster" aus dem Jahr 1951. Regisseur Gilles Grangier drehte an Originalschauplätzen in Paris und setzte mit Michel Legrands Musik auf einen nüchternen, spannungsvollen Stil, der den Maigret-Filmen bis heute ihren besonderen Charakter verleiht.
21:40
Katharina Schubert wurde durch deutsche TV-Serien als Schauspielerin bekannt. "Das Mädchen mit den goldenen Händen" ist Schuberts Regiedebüt, für das sie auch das Drehbuch schrieb. Sie selbst ist in der alten Bundesrepublik geboren; durch Verwandte ihrer Mutter erlebte sie aber die Unterschiede zwischen dem Leben in den zwei Systemen. Ihre Eindrücke hat Schubert in diesem Familiendrama eingefangen. "Mit Bedacht und viel Umsicht lotet das Drama die Gräben zwischen Ost und West aus, wo Menschen zwischen Erinnern und Vergessen nach Wegen suchen, wie es weitergehen soll."
23:20
Mit "Aelita" schuf Regisseur Jakow Protasanow 1924 einen Meilenstein der Science Fiction. Der Stummfilm erzählt von dem Moskauer Ingenieur Loss, der geheimnisvolle Signale aus dem All empfängt und von einer Reise zum Mars träumt. In seinen Visionen begegnet er der Marskönigin Aelita und gerät in einen Konflikt zwischen Liebe, Macht und Revolution. Dabei verschmelzen Realität, Fantasie und gesellschaftlicher Umbruch zu einem ebenso ungewöhnlichen wie faszinierenden Filmerlebnis. Seine herausragende Stellung in der Filmgeschichte verdankt Aelita vor allem seiner revolutionären Bildgestaltung. Die von der Avantgarde-Künstlerin Alexandra Exter entworfenen futuristischen Kostüme und Bühnenräume verbinden Kubismus, Konstruktivismus und moderne Kunst zu einer visionären Weltraumästhetik, die das Science-Fiction-Kino nachhaltig prägte. Für die musikalische Begleitung sorgt die finnische Band Cleaning Women, die mit selbst gebauten Instrumenten aus Alltagsgegenständen einen unverwechselbaren Klangkosmos erschafft. Zwischen Industrial-Rock, elektronischen Grooves und Avantgarde entwickeln die drei Musiker einen pulsierenden Sound, der die futuristischen Visionen des Films eindrucksvoll in die Gegenwart transportiert. Die Band ist international für ihre Neuvertonungen von Stummfilmklassikern bekannt und veröffentlichte bereits 2004 ihre Musik zu Aelita als eigenes Album. Fast ein Jahrhundert nach seiner Entstehung wirkt der Stummfilm noch immer modern - als utopisches Weltraummärchen, politisches Gleichnis und Triumph filmischer Fantasie.