18:35
Sonne, Strand und Zuckerhut sind der Inbegriff von Brasilien, doch es gibt weit mehr zu entdecken: Eine atemberaubende Landschaft, eine geheimnisvolle Vergangenheit und Bewohner, die unter harten Bedingungen ihr Glück suchen. Brasiliens Südosten ist eine faszinierende Region von großer historischer Bedeutung. An der Küste von Rio de Janeiro beginnt die "Estrada Real" - Der Königsweg. Im 17. Jahrhundert wurde diese Straße von der portugiesischen Kolonialmacht angelegt, um die wertvollen Bodenschätze außer Landes zu bringen. Eine bis zu 800 Kilometer lange Route von der Küste bis ins tiefste Hinterland. 60 Tage benötigten die Gold-Esel früher für die Strecke, die kostbare Fracht durfte allein auf diesem Weg transportiert werden. Auch heute noch führt die Estrada Real von den subtropischen Küstengebieten durch den gefährdeten Atlantikurwald der Mata Atlântica, über die Feuchtsavanne des Cerrado bis hin in die Cidades Históricas, die "historischen Städte". Hier wird eine tiefe Religiosität gelebt. Aber in einer einzigartigen brasilianischen Mischform: katholische Frömmigkeit und afro-brasilianische Kulte schließen sich gegenseitig nicht aus. Für diese Dokumentation nehmen uns Regisseur Steffen Haug und sein Team mit auf einen Weg, der für die Geschichte des fünftgrößten Landes der Erde steht wie kein anderer. Sie treffen Menschen, die an der Estrada Real für die Natur kämpfen, die Erinnerung an die dunklen Seiten der Vergangenheit am Leben halten, im Erdboden Schätze finden und Brasilien zum nächsten Fußballweltmeister machen wollen.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:35
Am Samstag griff erstmals seit Beginn des Krieges der USA und Israels gegen den Iran die proiranische Huthi-Miliz in den Konflikt ein, indem sie vom Jemen aus ballistische Raketen auf Israel abfeuerte. Wird die Miliz darüberhinaus - wie bereits zwischen 2023 und 2025 während des Gazakriegs - durch Angriffe auf Schiffe den Welthandel zusätzlich stören?
19:40
Fatih ??k ist seit seiner Jugend Landwirt aus Leidenschaft - doch seit letztem Jahr gleicht sein Leben einem Albtraum. Auf seinen Feldern im mittelanatolischen Konya sind wie aus dem Nichts drei riesige Krater entstanden. Einer ist sogar um die 50 Meter tief. Nun fürchtet Fatih, dass weitere dieser Senklöcher entstehen. Er hat viel in den Hof investiert und will ihn nicht aufgeben - doch wie lange kann er mit der Gefahr leben? Der Geologe Fetullah Ar?k ist seit mehr als 20 Jahren den Senklöchern auf der Spur. Der Professor leitet ein eigenes Senkloch-Forschungsinstitut an der Technischen Universität Konya. Das Phänomen gibt es schon seit Jahrhunderten in der Region. Doch noch nie entstanden so viele Krater wie heute, sagt Ar?k. Wurden im Jahr 2000 nur 95 in Konya gezählt, sind es heute schon über 640. Das Gebiet ist eines der trockensten der Türkei, Klimawandel und übermäßige Bewässerung in der Landwirtschaft verschärfen das Problem. Je mehr der Grundwasserspiegel sinkt, umso mehr wachsen Hohlräume im Untergrund - und die Gefahr für neue Krater steigt. Die Menschen in der Region suchen nun jeder auf seine Art fieberhaft nach Lösungen. So manche Anwohner würden am liebsten fortziehen, doch es fehlt an Entschädigungen. Währenddessen prüfen Profi-Kletterer trotz Einsturzgefahr, wie man Menschen im Notfall aus den Senklöchern bergen kann. Ein Tourismusunternehmer will dagegen mit einem neuen Hotel am Senkloch Besucher aus aller Welt anlocken. Eines ist ihnen gemeinsam: Sie alle wollen auf den extremen Wassermangel aufmerksam machen, der in der Region verheerende Spuren hinterlässt.
20:15
Sie stecken in beschichteten Pfannen, wasserdichter Kleidung und Feuerlöschschaum - und mittlerweile in unserem Blut, im Trinkwasser und in der Luft: PFAS (per- und polyfluorierte Chemikalien/"per- and polyfluoroalkyl substances"), die sogenannten Ewigkeitschemikalien. Was einst als technischer Fortschritt gefeiert wurde, entpuppt sich heute als eine der größten Umwelt- und Gesundheitsbedrohungen unserer Zeit. Einige dieser Substanzen gelten als krebserregend, andere stehen im Verdacht, das Hormonsystem zu stören oder das Immunsystem zu schwächen. Der Dokumentarfilm begleitet Betroffene, Wissenschaftlerinnen und Aktivisten, die gegen diese unsichtbare Verseuchung kämpfen. In Italien wurden 2025 mehrere Manager eines PFAS-Zulieferers in einem aufsehenerregenden Prozess zu langen Haftstrafen verurteilt. Im südfranzösischen Salindres schloss der Chemiekonzern Solvay offiziell aus wirtschaftlichen Gründen sein Werk - doch Anwohner und ehemalige Mitarbeiter berichten von massiver Boden- und Grundwasserverschmutzung. In Baden-Württemberg hat die Stadt Rastatt die Wasserpreise erhöht, um teure Reinigungsverfahren zu finanzieren, und überwacht die Landwirtschaft streng, um weitere Kontaminationen zu verhindern. Während in den USA seit Jahrzehnten juristisch gegen PFAS-Hersteller vorgegangen wird, hinkt Europa hinterher. Doch Bürgerinitiativen, kommunale Maßnahmen und neue Forschungsergebnisse erhöhen den Druck auf Politik und Industrie. Erste gesetzliche Schritte und strafrechtliche Konsequenzen lassen hoffen, dass besonders problematische PFAS bald verboten werden. Doch selbst wenn die Produktion gestoppt wird: Die bereits freigesetzten Chemikalien belasten Böden, Gewässer und Lebewesen noch für Jahrhunderte - eine unbequeme Wahrheit, die der Film nicht verschweigt.
21:45
Während Luft, Wasser und Boden bereits seit Langem verseucht sind, blieben die tieferen Erdschichten bislang weitgehend verschont. Doch damit ist es jetzt vorbei. Überall mehren sich unterirdische Deponien, die die giftigen Hinterlassenschaften der Wegwerfgesellschaft auffangen sollen. Fernab der Öffentlichkeit stellen die hochriskanten Endlager die Regierungen vor gewaltige industriepolitische, ökologische und demokratische Herausforderungen. Zyanid, Arsen, Quecksilber und sogar Atommüll: Ist ihre Einlagerung in Untertage-Deponien in mehreren Hundert Metern Tiefe tatsächlich sicher? Noch ist es in der europaweit größten Lagerstätte im hessischen Herfa-Neurode zu keinem größeren Störfall gekommen. Doch in der elsässischen Deponie Stocamine - der Name steht inzwischen für einen ökologischen und politischen Skandal - bedrohen mehr als 40.000 Tonnen Industrieabfälle das größte Grundwasserreservoir Europas. Finnland wird demnächst auf der Insel Olkiluoto das unterirdische Endlager "Onkalo" (finnisch für "Höhle") für radioaktive Abfälle des benachbarten Kernkraftwerks in Betrieb nehmen. Wird das Versenken des Mülls und das Versiegeln der Felsschichten funktionieren? Und wie reagieren die Anwohner in Finnland oder auch in Frankreich, wo im lothringischen Bure ein Endlager für hoch- und mittelradioaktive Abfälle entstehen soll? Inzwischen ist auch die Einlagerung von CO2 auf dem Vormarsch. So fangen norwegische Industrieunternehmen bereits Kohlendioxid aus ihren Fabrikschornsteinen auf, um es anschließend mittels komplizierter Hightech-Verfahren unter den Meeresboden zu pumpen. Gibt es Alternativen zu dieser unterirdischen Verseuchung? In ganz Europa laufen die Forschungen dazu auf Hochtouren.
23:15
Der 24-jährige Khalid Bin Al Walid Omar führt einen ungleichen Kampf. "Der Tod ist dein ständiger Begleiter hier. Das macht uns Angst", sagt er nach einem Besuch im Krankenhaus seiner Heimatstadt Qayyarah. Dort gibt es immer mehr Fälle schwerwiegender Erkrankungen. Die Ärzte sind überzeugt, dass die massive Umweltverschmutzung durch die Ölindustrie dafür verantwortlich ist. Es sind vor allem die Gase, die bei der Ölförderung entstehen, im Irak meist abgefackelt werden und dabei hochgiftige Schadstoffe freisetzen, die den Menschen zu schaffen machen. Sie stehen im Verdacht, Krebs und Lungenfibrosen auszulösen. Die Probleme der Anwohner begannen merkbar 2009, als der Irak Lizenzen zur Erschließung seiner riesigen Ölfelder an internationale Unternehmen vergab und damit die Förderung drastisch anstieg. Auf der Suche nach Lösungen, der Umweltverschmutzung Einhalt zu gebieten, macht sich Khalid auf eine Reise durch das vom Klimawandel bereits gezeichnete Land. Sie führt ihn in das ehemals riesige, nun aber langsam austrocknende Sumpfgebiet der mesopotamischen Marschen, in das einstige "Venedig des Nahen Ostens", die Hafenstadt Basra am Schatt Al-Arab, und ins Umweltministerium in der Hauptstadt Bagdad. Er trifft andere Umweltschützer, die bedroht und gefoltert wurden oder sogar aus dem Irak fliehen mussten. Das Ölgeschäft im Irak gilt als von Korruption und Vetternwirtschaft durchsetzt, Umweltschützer sind den mächtigen Playern ein Dorn im Auge. Aber Khalid trifft auch Mitstreiter, die - genau wie er - nicht aufgeben und weiterkämpfen.