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TV Programm für ARTE am 27.10.2026

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Kampf um Harvard 21:15

Kampf um Harvard: Justiz

Gesellschaft und Politik

Über Wochen hinweg übte die Regierung unter Donald Trump massiv Druck auf die amerikanische Elite-Universität Harvard aus. Es schien fast so, als würde sich die Hochschule fügen, doch am 14. April 2025 kam es anders als erwartet: Die Vorgaben aus dem Weißen Haus - unter anderem zur Einstellung von Dozierenden, zur Aufnahme von Studierenden und sogar zu Lehrinhalten - gingen Universitätspräsident Alan Garber zu weit. Er weigerte sich, sie hinzunehmen. Harvard wurde über Nacht zum Symbol der Widerstandsbewegung gegen Donald Trump. Auf dem Campus war man stolz, erleichtert und sogar ein wenig euphorisch. Doch der Gegenschlag ließ nicht lange auf sich warten: Subventionen in Höhe von mehr als zwei Milliarden Dollar wurden eingefroren, und die Regierung versuchte sogar, das Programm zur Aufnahme ausländischer Studierender - mehr als ein Viertel der Studierendenschaft - auszuhebeln. Einigen Betroffenen drohte der Verlust ihrer Aufenthaltsgenehmigung. Sie nahmen daher das Risiko auf sich und protestierten öffentlich. Harvard ging vor Gericht und Alan Garber wurde für seinen Mut belohnt: Die Justiz blockierte die Maßnahme, die sich gegen ausländische Studierende richtete, und erklärte die Streichung der 2,2 Milliarden Dollar Subventionen für Forschungszwecke für rechtswidrig. Seither wird Garber auf dem Campus als Held gefeiert. Harvard scheint eine der wenigen großen amerikanischen Institutionen zu sein, die dem Präsidenten Paroli geboten haben. Dieser Erfolg verschleiert jedoch eine ambivalente Realität. Hinter den Kulissen verhandelt Harvard weiter und nimmt manche von der Regierung ausgehende Forderungen in Kauf, insbesondere beim Umgang mit Diversitätsfragen. Ist der Widerstand der amerikanischen Universität tragend oder betrifft er nur ein paar wenige Themenfelder? Trotz ihrer juristischen Erfolge geht die Hochschule verändert aus dieser Auseinandersetzung hervor. Dabei stellt sich eine grundlegende Frage: Wer kontrolliert, was man denken und lehren darf?

Danach

Trump gegen Kalifornien 21:50

Trump gegen Kalifornien

Politik

Im Juni 2025 eskaliert in Kalifornien ein Konflikt, der die tiefe Polarisierung der USA offenbart wie kaum ein anderer. In Los Angeles werden bei Razzien der Einwanderungsbehörde ICE Dutzende Migrantinnen und Migranten auf offener Straße verhaftet. Als Proteste aufflammen, greift das Militär ein. Was sich wie ein dystopischer Thriller anhört, ist Realität - und ein gezielter Schachzug der Trump-Administration. Für Donald Trump und die MAGA-Bewegung ist Kalifornien mehr als ein Bundesstaat. Es ist das Gegenmodell zu ihrer Vision von Amerika: multikulturell und progressiv. Mit den Maßnahmen in Kalifornien sendet das Weiße Haus eine klare Botschaft: Wer sich der konservativen Agenda in den Weg stellt, wird zum Ziel. Doch der Konflikt geht weit über die Einwanderungspolitik hinaus. Es geht um die Machtverteilung im Land - um die Frage, ob die Exekutive weiter gestärkt wird, während die Rechte der Bundesstaaten und die Gewaltenteilung ausgehebelt werden. Kalifornien wehrt sich. Der Bundesstaat, der wie kein anderer für liberale Werte und wirtschaftliche Stärke steht, organisiert den Widerstand. Ob in der Justiz, der Forschung oder der Bildungspolitik - überall prallen die Vorstellungen der Trump-Administration auf entschlossenen Widerstand. Die Auseinandersetzung ist dabei mehr als ein regionaler Konflikt. Sie ist ein Symptom für die grundlegende Krise der amerikanischen Demokratie. Seit 250 Jahren beruht das politische System der USA auf einem fragilen Gleichgewicht der Kräfte. Doch Trumps Strategie zielt darauf ab, dieses Gleichgewicht zu zerstören - zugunsten einer zentralisierten, autoritären Macht. Die Zwischenwahlen werden zeigen, wie tief die Gräben im heutigen Amerika wirklich sind.

Brasilien: Die Macht der Evangelikalen 22:45

Brasilien: Die Macht der Evangelikalen

Gesellschaft und Politik

Brasiliens politische Landschaft wird zunehmend von einer mächtigen religiösen Kraft geprägt: den Evangelikalen. Mit rund 70 Millionen Anhängern stellen sie fast ein Drittel der Wählerschaft und haben sich in 50 Jahren zu einer der einflussreichsten politischen Bewegungen des Landes entwickelt. Ihre Macht reicht von Tausenden Kirchen über große Medienimperien bis hin zu Hunderten Politikern, die ihre Agenda vertreten. Ein Höhepunkt war die Wahl 2018, die Jair Bolsonaro mit der Unterstützung von rund 70 Prozent der Evangelikalen gewann. Dessen politisches Erbe ist umstritten: Nach seiner Verurteilung wegen eines Putschversuchs stellte er seinen Sohn Flávio als Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2026 auf. Ihm gegenüber steht der linksgerichtete Lula da Silva, der zum vierten Mal antreten will. Die Dokumentation zeigt die Schlüsselfiguren dieser Machtkämpfe: Silas Malafaia, einflussreicher Fernsehprediger und "Königsmacher"; Sonia und Estevam Hernandes, Organisatoren des "Marsches für Jesus" und Besitzer eines Gospel-Medienimperiums; Pastor Eurico, Abgeordneter und strategischer Kopf der evangelikalen Lobby im Kongress; Valdeci, Pastor in einer Favela Rios, wo die Kirche längst die Rolle des Staates übernommen hat. Auch der junge Prediger João Vitor Ota erreicht Millionen junger Menschen mit konservativen Werten. Doch es gibt Gegenstimmen: Henrique Vieira, ein linker Pastor und Abgeordneter, sowie Pastor Atila, der eine inklusive evangelikale Gemeinde in São Paulo leitet. Zwischen Megakirchen, Favelas, Fernsehstudios und Parlament wird deutlich, wie die Bewegung die Politik Brasiliens prägt - und warum die nächsten Wahlen entscheidend sein werden.

Die Bücher, die Hitler nicht verbrannte 23:40

Die Bücher, die Hitler nicht verbrannte

Dokumentarfilm

Kaum jemand weiß, dass Adolf Hitler, Diktator und Massenmörder, am Ende seines Lebens schätzungsweise 16.000 Bücher besaß, verteilt auf die Privatbibliotheken in seinen Residenzen in Berlin, München und Berchtesgaden. Rund 1.300 dieser Bücher befinden sich heute in den USA. Was erzählen diese Bücher über die Quellen nationalsozialistischen Denkens - und über das Fortwirken rechtsextremer Gewalt heute? Der amerikanische Historiker Timothy Ryback gilt als kenntnisreichster Experte für Hitlers Privatbibliothek. Er reist für den Film nach Washington D.C. und Providence in den USA, wo diese Bücher heute lagern. Hitler besaß Klassiker der Weltliteratur und antisemitische Hetzschriften, pseudowissenschaftliche "Rassenstudien" und esoterische Groschenhefte. Viele dieser Bücher waren Bestseller - lange vor der Machtübernahme der Nazis im Jahr 1933. Hitlers Bibliothek zeugt davon, dass Antisemitismus und Rassismus keineswegs Randphänomene in der westlichen Geistes- und Kulturgeschichte waren, sondern viel mehr in ihrem Zentrum standen. Und bis heute sind diese Traditionslinien virulent: Die sogenannte "Neue Rechte" vermeidet zwar Begriffe wie "Blut" und "Rasse" - doch viele rechtsextreme Denkmuster und Verschwörungserzählungen von heute sind den Gedanken aus Hitlers Bibliothek verblüffend ähnlich, zum Beispiel die Erzählung vom "Großen Austausch", nach der die weiße Bevölkerung Europas und Amerikas gezielt durch Muslime und nichtweiße Menschen ersetzt werden soll. Sie dient rechtsextremen Terroristen auf der ganzen Welt als Legitimation, um Menschen zu ermorden, seien es Schwarze, Juden oder Muslime.