18:30
In den Tälern der Provinz Qinghai beginnt im Winter die Paarungszeit der Tschirus, einer im Hochland von Tibet heimischen Antilopenart, die auf der Roten Liste der gefährdeten Arten der Weltnaturschutzunion IUCN stehen. Die Männchen umwerben so viele Weibchen wie möglich und liefern sich dabei einen brutalen Kampf. Im Frühjahr versammeln sich Tausende trächtige Weibchen, um zu einer gefährlichen Wanderung an den Ort aufzubrechen, an dem sie ihre Jungtiere zur Welt bringen. Der Weg führt durch ein Gebiet aus bewachsenen Berglandschaften, Steppen und etlichen Seen, das zum Weltnaturerbe gehört. Eine anstrengende, 400 Kilometer lange Reise, auf der es gilt, Feinden wie dem Tibetischen Wolf auszuweichen. Schließlich erreichen die Weibchen die Wiesen am Zhuonai-See auf rund 4.800 Metern Höhe. Dort gebären sie ihre Jungen. Sie trinken Milch und stecken voller Energie. Wenn der Sommer kommt, zeigt sich im Hochland von Tibet die unglaubliche Vielfalt an Arten, mit denen die Tschirus sich ihren Lebensraum teilen: die Pfeifhasen, die Tibetfüchse und die Himalaya-Murmeltiere. Auf dem "Dach Chinas" kann das Wetter auch im Sommer jeden Moment umschlagen. Binnen weniger Augenblicke braut sich buchstäblich aus heiterem Himmel ein Wintersturm zusammen. Wer keinen Unterschlupf findet, ist Hagel und Schnee ausgesetzt. Die Mütter dürfen ihre Jungen keine Sekunde aus den Augen lassen. Im Herbst bringen die Weibchen ihre Jungtiere zurück zu den gefrorenen Seen in den Tälern. Dort treffen sie auf die Männchen, junge wie alte, zur nächsten Paarungszeit.
19:20
"ARTE Journal", das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur.
19:35
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19:40
Das Donaudelta, das sich über Rumänien und die Ukraine erstreckt, ist für seine wilde Schönheit bekannt. Mit dem Krieg in der Ukraine ist es zu einem geopolitischen Spannungsfeld geworden. Nur wenige Kilometer entfernt werden ukrainische Häfen bombardiert. Auch auf der rumänischen Seite hat der Konflikt die Wirtschaft, das soziale Gefüge, den Alltag der Menschen und ihre Beziehungen untereinander grundlegend verändert. Für die Bewohner ist das Delta Lebensgrundlage. Rumänische Fischer berichten davon, wie alte Traditionen seit dem Krieg mit Sicherheitsauflagen und den Anforderungen neuer Handelsrouten kollidieren. Die früher kaum befahrene Wasserader ist heute von strategischer Bedeutung: Auf ihr wird ukrainisches Exportgetreide transportiert. Der massive Frachtverkehr hat schwerwiegende Folgen für Mensch und Natur. Auch der Tourismus leidet. Das Delta, mit seiner einzigartigen Artenvielfalt eines der bemerkenswertesten Feuchtgebiete Europas, zog jedes Jahr zahlreiche Naturliebhaber an. Heute brechen die Buchungen ein. Die Nähe zum Krieg hält Besucher fern und schwächt die Wirtschaft, die weitgehend vom Fremdenverkehr abhängt. In der Dokumentation kommen auch die russischstämmigen Lipowaner zu Wort, eine Gemeinschaft orthodoxer Altgläubiger, die seit mehr als drei Jahrhunderten im Delta lebt und für die die aktuelle Lage neue Fragen in Bezug auf Sprache, Traditionen, Geschichte und Zugehörigkeit aufwirft.
20:15
Spannend und bildgewaltig erzählt die Dokumentation die Geschichte der Sachsen vom 4. bis ins 10. Jahrhundert: Vom Ursprung an der Nordseeküste, über Eroberungen in Britannien, brutalen Auseinandersetzungen mit den Franken, die Christianisierung bis zur Kaiserkrönung Ottos I. im Jahr 962. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Chronik des sächsischen Geschichtsschreibers Widukind von Corvey. Was darin ist historisch verifizierbar - und was ist Propaganda? Helfen sollen dabei moderne Funde und Methoden der Archäologie, weshalb sich die Filmemacher Bettina Wobst und Volker Schmidt-Sondermann auf eine Spurensuche in Deutschland, Dänemark, England und Frankreich begeben. Sie besuchen Ausgrabungsstellen früherer Siedlungen, erkunden Friedhöfe an Britanniens Küste und drehen in dendrologischen Laboren; sie treffen Archäologen, Genforscher, Historiker, aber auch Living-History-Darsteller - und zeichnen ein ganz neues Bild der frühen Sachsen.
21:45
Zwei Psychologinnen bereiten Manuela, genannt Manu, auf die Befragung wegen eines von ihr angezeigten sexuellen Missbrauchs vor. Ihre Freunde Pol, Steven und Roger werden ebenso befragt wie ihr Trainer Kevin, der den Vorfall zunächst für ein Gerücht gehalten und ihm wenig Bedeutung beigemessen hat. Zwei Wochen zuvor fährt die alleinerziehende Journalistin Júlia mit ihrem Sohn Roger zu einem Familientreffen anlässlich des 14. Geburtstags ihres Neffen Pol, mit dem sich Roger nicht besonders gut versteht. Júlias Bruder Martí ist Vorsitzender des Vereins Colla Castellera, der nach katalanischer Tradition Menschentürme baut. Bald ist die Familie versammelt, auch Pols Freunde Manu und Steven sind dabei. Unter der Oberfläche verbergen sich Disharmonien, die vor allem Júlia zu spüren bekommt. Während sie mit sich im Reinen ist, kriselt es zwischen Martí und seiner Frau Estel. Als am Morgen des Johannistags ein Mitglied der Castellers für den Turmbau fehlt, springt Roger ein. Am Abend feiert die ganze Stadt ausgelassen. Während Martí zeitig nach Hause geht, macht seine Frau Estel die Nacht zum Tage. Roger verbringt Zeit mit Pol, dessen Freunden Manu und Steven und älteren Jugendlichen, bevor sie gemeinsam bei Pol übernachten. Spät in der Nacht kehrt auch Estel heim.
22:30
Als Lucía in einer Diskussionsrunde von einer jungen Frau aus dem Verein Colla Castellera berichtet, die in der Johannisnacht unter Drogeneinfluss zu sexuellen Handlungen gezwungen wurde, läuft Manu davon. Obwohl der Vorfall ungeklärt ist, will Martí mit der Gruppe weitermachen. In Estel steigen Erinnerungen an einen lange zurückliegenden sexuellen Übergriff auf, die sie unterdrückt. Unterdessen entdeckt Júlia Nachrichten auf Rogers Handy, die ihn als Vergewaltiger darstellen. Roger streitet die Vorwürfe ab: Pol habe das alles erfunden, nachdem er als Homosexueller beschimpft wurde. Tatsächlich findet Estel homoerotische Inhalte auf Pols Handy, während Júlia auf Rogers Handy Fotos eines knapp bekleideten Mädchens findet. Sie beschließt daraufhin, am nächsten Morgen nach Hause zu fahren. Unterdessen brechen die Castellers auf. Erneut baut die Mannschaft den menschlichen Turm. Die oberste Ebene besteht aus Pol, Manu und Steven. Doch als die Abschlussfigur gebildet werden soll, gerät Manu aus dem Gleichgewicht und der Turm stürzt ein. Zur gleichen Zeit erleidet Martís Vater einen Herzinfarkt. Von ihrem Bruder informiert, kehrt Júlia um. Statt mit den anderen im Bus mitzufahren, nimmt Lucía den Zug. In einem Video wirft sie dem Verein Colla Castellera vor, nichts zu unternehmen: Drei Mitglieder waren an einem sexuellen Übergriff beteiligt, doch die Tat bleibt folgenlos, da es sich um den Sohn des Vorsitzenden, einen Cousin und einen Freund von ihm handelt. Lucía nennt ihre Namen: Pol, Roger und Steven.
23:15
Júlia droht Lucía mit einer Anzeige, sollte sie das Video nicht umgehend löschen. Während Martí noch von einem Missverständnis ausgeht, informiert Estels Vater Joan, ein Jurist, die Familie, dass nur der 14-jährige Pol nach dem Jugendstrafrecht belangt werden kann, nicht aber Steven und Roger, die beide erst 13 sind. Es kommt zum Eklat, als Lluís auf der Suche nach Manu an Martís Tür klingelt: Martí wehrt seinen Freund ab, der Pol zur Rede stellen will. Es kommt zum Handgemenge, Lluís wird leicht verletzt. Unterdessen entdeckt Estel auf Pols Handy zweifelhafte Inhalte. Bei einer Krisensitzung der Colla läuft die Diskussion aus dem Ruder: In blinder Wut verbreitet Estel Manus unter Pseudonym gesendete Nachrichten. Da Pol jedoch strafmündig ist, schrecken alle vor einer weiteren Aufarbeitung der Vorgänge zurück. Stevens Familie steht am Scheideweg: Während Ruth ihren Job in der Bar kündigt und nach Flügen ins heimatliche Venezuela sucht, macht Martí Daniel ein fragwürdiges Angebot: Falls der strafunmündige Steven die Schuld auf sich nimmt, würde Martí seinem Vater einen Architektenjob in Tarragona vermitteln. Während sich die Lokalpresse auf Júlia stürzt, gibt Pol zu, dass die Jungen in der Johannisnacht Viagra genommen hatten. Ein Video wurde an Cristian geschickt, der zuvor Pol schwulenfeindlich beschimpft hatte und dann das Video veröffentlichte. Martí gibt seinen Posten als Vorsitzender der Colla auf. Als es zwischen ihm und Pol zum Streit kommt, geht Estel dazwischen. Doch dann steht die Polizei vor der Tür.