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"ARTE Journal", das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur
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"Mit offenen Karten im Fokus": Täglich drei Minuten Aktuelles und Analysen
19:40
"Chronischer Rückenschmerz ist nicht nur ein lokales Problem, was man an einem Ort im Rücken hat, sondern Schmerz insgesamt muss man integrativ sehen", sagt Prof. Heike Rittner vom Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin Würzburg. Auch soziale Faktoren und die Psyche spielen bei Rückenschmerzen eine Rolle. Darauf zielt die Interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie (IMST) ab. Ihre Patienten erhalten auch Angebote wie Aroma- und Maltherapie. Die 14-jährige Rosa Haasjes aus den Niederlanden leidet unter schwerer Skoliose, einer starken Verkrümmung der Wirbelsäule. Um deren Fortschreiten zu stoppen, haben die Ärzte in den Niederlanden empfohlen, ihre Wirbelsäule zu versteifen. Doch Familie Haasjes setzt auf eine neue, innovative Therapie und reist dafür extra nach Deutschland, zu Dr. Per Trobisch vom Wirbelsäulenzentrum in Düren. "Das Ziel ist, die Beweglichkeit erhalten zu können", sagt er. Rosas Hoffnung: das lästige Korsett, das sie jetzt tragen muss, loswerden und endlich wieder einmal schwimmen gehen. Intensivkrankenpflegerin Katja Herzog aus Berlin hat sich für einen Qigong-Kurs angemeldet. "Wir brauchen unseren Rücken, das ist unser Arbeitsmittel", sagt sie. Doch Katja Herzog tut nicht nur ihrem eigenen Rücken etwas Gutes. Sie wird das Gelernte an ihre Kollegen im Krankenhaus weitergeben.
20:15
Kurz vor der Hochzeit ist ihm die Braut davongelaufen, woraufhin der depressive Leonard einen Suizidversuch unternahm und seither wieder bei seinen Eltern lebt. Das behütete Dasein in der jüdischen New Yorker Mittelschicht erweist sich für den Hobbyfotografen als trister Alltag. Seine Mutter beobachtet ihn auf Schritt und Tritt, und sein Vater sieht in ihm nur den kommenden Geschäftsführer seiner chemischen Reinigung. Ihm zuliebe lässt Leonard sich auf Sandra ein, die Tochter eines Geschäftsfreundes der Eltern. Doch dann verliebt sich Leonard in seine neue Nachbarin Michelle - die in ihm allerdings einen Freund sieht. Immer wieder weint sich Michelle an Leonards Schulter aus, denn sie steckt in einer unglücklichen Beziehung mit dem verheirateten Anwalt Ronald. Der unterhält sie zwar als Geliebte, lässt sie aber in schwierigen Situationen regelmäßig im Stich. Irgendwann hat Michelle davon genug und erwägt die Trennung. Leonard macht sich große Hoffnungen - zu Recht?
22:00
Im Jahr 2022 war James Grays Film "Zeiten des Umbruchs" im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes zu sehen. Darin blickt der New Yorker Regisseur auf seine Jugend als Enkel ukrainisch-jüdischer Einwanderer zurück, auf das Aufwachsen im New Yorker Stadtteil Queens der 1970er Jahre und auf seine ersten Erfahrungen mit dem Rassismus und Antisemitismus der amerikanischen Gesellschaft. Die Reaktionen waren gegensätzlich: für die einen ein Werk von großer Wucht und Kandidat für die Goldene Palme, für die anderen ein eher unscheinbarer autobiografischer Film. Diese geteilte Wahrnehmung begleitet Grays Kino seit 30 Jahren. Auch "Zeiten des Umbruchs" blieb in Cannes ohne Auszeichnung - wie zuvor "The Yards" (2000), "Helden der Nacht" (2007), "Two Lovers" (2008) und "The Immigrant" (2013). Ist James Gray ein verkannter Regisseur? Kritiker in den USA empfinden seine Filme oft als zu düster. In Europa hingegen, besonders in Frankreich, gilt er als herausragender Erneuerer einer klassischen Kinotradition. Unstrittig ist, dass sich James Gray immer treu geblieben ist. Statt sich dem Kommerz zu unterwerfen oder den Mainstream zu bedienen, verfolgt er unbeirrt seine präzise und eindringliche Auseinandersetzung mit den Grundkonflikten menschlicher Existenz. Familiengeschichten, vor allem familiäre Altlasten, spielen eine zentrale Rolle und werden zu feinen Studien sozialer Verhältnisse entwickelt. So entstand ein schmales, aber bedeutendes Werk: persönlich und allgemein gültig.
22:55
Für die Glaubwürdigkeit seiner Figuren ist Joaquin Phoenix bereit, bis an körperliche Grenzen zu gehen: ein Schauspieler der Extreme. Aufgewachsen in einer Hippie-Familie und zeitweise auch in einer Sekte, verdienen die Geschwister Phoenix schon früh das Familieneinkommen als Kinderdarsteller. Der frühe und öffentliche Tod seines älteren Bruders River wird für Joaquin Phoenix zu einem einschneidenden Ereignis. Er bleibt fortan misstrauisch gegenüber Presse und Öffentlichkeit. 2009, auf dem vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere, scheint er alles über Bord zu werfen. Er hat in Blockbustern gespielt, als Kaiser Commodus in "Gladiator" und als Johnny Cash in "Walk the Line" Kinogeschichte geschrieben und dafür zwei seiner drei Oscarnominierungen erhalten. Doch dann verwandelt er sich im echten Leben in einen unberechenbaren Derwisch und verkündet das Ende seiner Schauspielkarriere. Die Boulevardpresse spekuliert auf den nächsten Prominenten, der öffentlich zusammenbricht. Oder ist alles ein Spiel, um die bedeutungslose Starmaschinerie zu entlarven? Ein paar Jahre später ist der Spuk vorbei, Phoenix wird wieder Teil des Hollywood-Systems. Und erhält für seine eindringliche Darstellung des "Joker" den langersehnten Oscar.
23:50
Nicht vermittelbar, von Fanny Galan / Ich wollt', ich wär' 'ne Kuh, von Cliona Noonan / Zizou, von Khaled Moeit / Privatvorführung - Aude Kerivel, promovierte Soziologin und Autorin