NZZ Format: Europas neue Drogenkrise? Wie Fentanyl und andere synthetische Opioide uns bedrohen
SRF1
20.08., 23:05
- 00:00 Uhr
Als Fentanyl in Vancouver auftauchte, gab es kaum Vorwarnung. Innerhalb weniger Jahre verdrängte es Heroin weitgehend vom illegalen Drogenmarkt, die Zahl tödlicher Überdosen stieg dramatisch. «Ich bete dafür, dass Europa nicht in dieselbe Situation gerät wie wir», sagt der kanadische Suchtmediziner Paxton Bach. «Aber ich fürchte: Es ist nur eine Frage der Zeit.»
Inzwischen verbreiten sich auch in Europa hochpotente synthetische Opioide wie Nitazene. Sie werden über das Internet verkauft, Heroin oder Tabletten beigemischt und teilweise konsumiert, ohne dass die Betroffenen davon wissen. Schon kleinste Mengen zu viel können eine tödliche Überdosis auslösen.
In Deutschland zeigt sich, wie grundlegend sich der Drogenmarkt verändert. Kliniken behandeln zunehmend jüngere Konsumierende; zugleich verlagert sich der Handel von der Strasse ins Internet. Über soziale Netzwerke, Messenger und Onlineshops lassen sich die Substanzen mit wenigen Klicks nach Hause bestellen. Dadurch werden Konsumierende für klassische Hilfsangebote schwerer erreichbar und neue Entwicklungen auf dem Markt schwieriger zu erkennen.
Seit der Auflösung der offenen Drogenszenen am Zürcher Platzspitz und Letten gilt die Schweiz weltweit als Vorbild einer pragmatischen Drogenpolitik. Konsumräume, Substitutionsprogramme, Drug-Checking und Frühwarnsysteme sollen verhindern, dass aus einzelnen Fällen eine neue Krise entsteht. Doch hält das Erfolgsmodell der Neunzigerjahre einem globalisierten, synthetischen Drogenmarkt stand?
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