Nachtcafé: Nachts wenn alle schlafen

Nachtcafé: Nachts wenn alle schlafen

SWR Live-TV SWR 27.09., 22:30 - 00:00 Uhr
TalkshowD 201990 Minuten 

Die Nacht ist für die meisten Menschen vor allem zum Schlafen da. Sich vom Stress des Tages erholen und Kraft für den nächsten Morgen tanken. Und doch fasziniert die Nacht mit ihrer Dunkelheit, ihrer Stille und ihren Geheimnissen - und all den Dingen, die über Tag niemals passieren würden.

Die Nacht umgibt eine Faszination, etwas Mystisches, aber auch eine düstere, schaurige Aura. Nicht nur für Kinder, die es einerseits lieben, endlich einmal lange aufzubleiben, und sich gleichzeitig ausmalen, wie gruselige Gestalten ihr Unwesen treiben. Die Dunkelheit der Nacht schürt seit jeher Ängste bei den Menschen. Ob vor Gespenstern auf dem knarzenden Dachboden, vor heulenden Wölfen im Wald oder vor einem Überfall auf der Straße. Die Nacht ist unheimlich. Doch im Schutz der Dunkelheit kann man sich auch entfesselt fühlen. In der Nacht scheinen die Regeln des Tages nicht zu gelten, die Verpflichtungen sind vergessen und die Möglichkeiten scheinen unbegrenzt. Die Nacht enthemmt. Und so mancher wagt nachts, was er sich am Tag niemals trauen würde.

Mit Einbruch der Dunkelheit verändert sich die Welt. Die Geschäfte sind geschlossen, die Straßen sind leer. Und in den Städten tobt das Nachtleben. Feierwütige finden hier nun Party, Spaß und Exzesse. Und auch Drogen, Rotlicht und Kriminalität finden im Schutz der Dunkelheit der Nacht ihren Platz. Doch kennen Städter überhaupt noch echte Nächte? Mit all dem künstlichen Licht machen wir heute die Nacht zum Tag, Nächte in den Städten sind oft taghell erleuchtet. Nachts in der Natur zu sein hat dagegen eine ganz andere Qualität: Nachtaktive Tiere, fremde Geräusche und ein anderer Duft, tiefe Dunkelheit und der wahre Sternenhimmel.

Für viele Menschen bedeutet die Nacht aber auch ganz einfach: Arbeit. Nachtschichten im Krankenhaus, Taxifahrten durch die Großstadt oder Arbeit an der Tankstelle - für zahlreiche Menschen ist es alltäglich geworden zu arbeiten, wenn alle schlafen. Und so mancher wählt das Nachtleben sogar freiwillig und genießt es, ungestört kreativ werden zu können, wenn kein Telefon klingelt.

Warum gibt es Tagmenschen und Nachtmenschen? Was macht die Nacht mit den Menschen? Und warum umgibt sie eine so große Faszination? "Nachts, wenn alle schlafen", das ist das Thema am 27. September 2019 bei Michael Steinbrecher im "Nachtcafé".

Die Gäste bei Michael Steinbrecher:

Die transsexuelle Schauspielerin und Sängerin Zazie de Paris liebte schon immer das großstädtische Nachtleben. Im Paris der 70er Jahre tanzte sie im legendären Nachtclub Alcazar, in Berlin eröffnete sie den Club Roxy, wo Größen wie David Bowie ein und aus gingen. "Ich fange an zu leben, wenn alle todmüde sind", sagt Zazie de Paris, die noch immer am liebsten im nächtlichen Berlin unterwegs ist.

Eine ganz andere Seite der Nacht kennt Bruno Hörmann. Der ehemalige Koch engagiert sich in der kalten Jahreszeit ehrenamtlich in einer nächtlichen Unterkunft für Obdachlose. "Die Leute kommen zum Schlafen, weil sie wissen, dass sie behütet sind." Gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen bietet der Rentner den Gästen Nachtruhe, Schutz und nicht zuletzt ein schönes Frühstück.

Abseits des Trubels der nächtlichen Großstadt fühlt sich die Hobby-Astronomin Sabine Frank am wohlsten. Als Leiterin des Sternenparks Rhön bringt sie den Menschen auf nächtlichen Führungen die Faszination des Sternenhimmels nahe. "Die Leute sollten viel mehr nachts draußen unterwegs sein", sagt Sabine Frank, die sich für weniger künstliches Licht einsetzt, um die Schönheit der Nacht zu bewahren.

Wenn seine Altersgenossen nach einem Kartenspiel-Abend ins Bett gehen, beginnt für Klaus Tiller erst die Nacht. Nach der Trennung von seiner Frau fiel er zunächst in ein tiefes Loch, doch dann entdeckte er das Tanzen für sich. Vier Mal in der Woche macht der 67-Jährige nun die Mainzer Discotheken unsicher und bringt die jungen Leute zum Staunen: "Wenn der Klaus kommt und anfängt abzutanzen, dann ist Party garantiert."

Während andere schlafen, wird Autorin Maja Ilisch kreativ. Dann genießt sie die Ruhe und Magie der Nacht. Doch ganz freiwillig macht sie die Nacht nicht zum Tage, eine krankheitsbedingte Schlaflosigkeit verschob ihren Tag-Nacht-Rhythmus. So sieht Ilisch nicht nur die schönen Seiten des nächtlichen Arbeitens, sondern auch die Herausforderungen: "Wenn man tagsüber schläft, ist man einfach Vorurteilen ausgesetzt."

Wenn die Sonne untergeht, zeigt Andreas Ullmann sein zweites Gesicht. Während er tagsüber als Finanzexperte arbeitet, steigt er nach Einbruch der Dunkelheit als "Absolute Andy" in den Wrestling-Ring. "Das bringt mich auf andere Gedanken, auf ein anderes Level", sagt Ullmann. Lange hielt er seine Leidenschaft geheim, doch seit dem Gewinn seines ersten Weltmeistertitels wissen auch Kollegen und Kunden davon.

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Mitwirkende

  • Moderation Michael Steinbrecher