04:15
Wikingerheere terrorisieren Ende des 8. Jahrhunderts weite Teile Englands. Ein anderer Zweig der Nordmänner bricht auf, um Konstantinopel und Bagdad zu erobern. Sie ziehen über die Flüsse Dnepr, Düna, Wolga und Don bis zum Schwarzen und Kaspischen Meer. Aber man nennt sie dort nicht Wikinger, sondern "Waräger" oder "Rus", woraus später das Wort Russland entsteht. Sie sind Räuber, aber auch geschickte Kaufleute. Die Wikinger stoßen gen Osten vor. Um etwa 750 siedeln sie auf dem Gebiet des späteren Russlands, Weißrusslands und der Ukraine. Doch es zieht sie noch weiter: Die Seidenstraße eröffnet den Skandinaviern die Handelswelt des Ostens und verspricht ihnen Reichtum. Mitte des 9. Jahrhunderts erreichen sie Konstantinopel, die damals größte und reichste Stadt Europas. Im Jahr 860 versucht eine aus etwa 200 Schiffen bestehende Flotte der Waräger, die Metropole einzunehmen. Mehr als die Plünderung einiger Vororte gelingt ihnen jedoch nicht. Die sogenannten Ost-Wikinger lassen sich auf den "neuen Gebieten" nieder und werden zu einer festen Größe im Byzantinischen Reich. Von dort dringen sie in den arabischen Raum vor. Stimmen die Legenden über die Wikinger? Wer waren sie wirklich? Die Doku-Reihe sucht nach den Motiven der Seekrieger.
04:45
Im Jahr 845 belagern die Wikinger zum ersten Mal Paris. Nach ihren Raubzügen auf den Britischen Inseln und ihren Vorstößen ins spätere Russland nehmen sie nun das Frankenreich ins Visier. Immer wieder dringen sie ins Frankenreich ein. Die Wikinger überfallen Hamburg, verwüsten Friesland und Flandern, greifen Städte wie Rouen, Nantes und Tours an. Schließlich steuern Hunderte von Wikingerschiffen auf Paris zu. Diese Belagerung von Paris wird zu einem Schlüsselmoment in der Geschichte der Wikinger. Paris, die wohlhabende Perle des westlichen Frankenreichs, liegt damals im Wesentlichen auf einer Insel in der Seine, der heutigen Île de la Cité. Trotz der Aufstellung eines Heeres hält König Karl der Kahle eine Auseinandersetzung mit den berüchtigten Angreifern für aussichtslos. Paris erkauft sich schließlich den Abzug der Skandinavier gegen Lösegeld. Doch diese Lösegeldzahlung motiviert die Wikinger zu weiteren Überfällen auf die Stadt, die sie 885 sogar ein Jahr lang belagern. Im Laufe der Jahrzehnte pressen die Wikinger dem Frankenreich mit Dutzenden solcher Lösegeldzahlungen enorme Summen ab. Schließlich gesteht ihnen der König Ländereien entlang der unteren Seine zu. So werden die berüchtigten Nordmänner in der Normandie sesshaft und zu einer mächtigen politischen Größe. Stimmen die Legenden über die Wikinger? Wer waren sie wirklich? Die Doku-Reihe sucht nach den Motiven der Seekrieger.
05:30
Die Wikinger sind die ersten Europäer, die den Norden Amerikas betreten, noch vor Christoph Kolumbus. Sie erhoffen sich ein besseres Leben als in ihrer Heimat Skandinavien. Mit der Machtübernahme des ersten Königs Harald I. 870 nach Christus sehen die norwegischen Stammesfürsten ihren Einfluss schwinden. Viele Wikingergruppen verlassen das Land, reisen übers Meer und gründen neue Siedlungen. In Island, Grönland - und Neufundland. Mit ihren ausgefeilten Langschiffen sind erste Wikinger vor ihnen bereits große Entfernungen gesegelt und gerudert. Auf ihren Raubzügen haben ihre Vorfahren inzwischen Küstenstädte in Britannien geplündert, sind als Kaufleute nach Osten in das Gebiet des späteren Russlands vorgestoßen, haben Eroberungsfeldzüge nach Konstantinopel, in den Mittelmeerraum und das Frankenreich unternommen. Nun machen sich die norwegischen Stämme auf nach Island. Um das Jahr 986 nach Christus siedeln sie auch in Grönland, und schließlich gelingt ihnen die Fahrt über den Atlantik bis zur Insel Neufundland im heutigen Kanada. In den 1960er-Jahren entdecken Archäologen dort Überreste einer Wikingersiedlung. Stimmen die Legenden über die Wikinger? Wer waren sie wirklich? Die Doku-Reihe sucht nach den Motiven der Seekrieger.
06:15
Fast 300 Jahre lang prägen die Wikinger Europa. Bis heute finden sich ihre Spuren in England, Frankreich, im Ostseeraum - und sogar in Amerika. Doch dann verschwinden die gefürchteten Krieger. Im 11. Jahrhundert beginnt der Niedergang der berüchtigten skandinavischen Stämme. Als Ende ihrer Ära gilt die Schlacht von Hastings im Jahr 1066 - mit dem Sieg des normannischen Königs Wilhelm der Eroberer. Fortan regiert er England. Wilhelm der Eroberer führt viele politische und soziale Veränderungen ein, vor allem aber lässt er das Land militärisch befestigen, um weitere Angriffe und Überfälle von Wikingerarmeen zu verhindern. Nach und nach müssen sie auch viele ihrer Handelsmonopole aufgeben. Doch der Niedergang der Wikinger vollzieht sich schleichend und auf mehreren Ebenen: Die zunehmende Christianisierung führt dazu, dass viele Stämme ihren Glauben an nordische Götter ablegen. Sie werden sesshaft und lernen das friedliche Leben zu schätzen. Die Wikinger verschmelzen in den folgenden Jahrhunderten praktisch mit den Menschen und Gebieten, die sie einst überfallen, ausgeraubt und zum Teil blutig erobert haben. Stimmen die Legenden über die Wikinger? Wer waren sie wirklich? Die Doku-Reihe sucht nach den Motiven der Seekrieger.
07:00
Die Welt des Allerkleinsten ist die Welt der Quanten. Die heutige Technik ist ohne unser Wissen darüber nicht denkbar. In der Zukunft könnte sie unser aller Leben sogar revolutionieren. Dieses Jahr feiern wir 100 Jahre Quantenphysik. Harald Lesch erforscht ihre damalige und jetzige Bedeutung. Mit dem Nobelpreisträger Ferenc Krausz erkundet er, wohin uns die Quantenforschung noch führen wird - jenseits unserer Vorstellungskraft. Anfang der 1920er-Jahre stießen sehr junge und begabte Physiker zu den bekannten Professoren dieser Zeit. Viele berühmte Wissenschaftler - wie Niels Bohr und Albert Einstein - hatten sich bereits mit der rätselhaften Welt der Quanten befasst. Sie scheiterten aber daran, den Durchbruch mithilfe der bis dahin bekannten Gesetze der Physik zu erzielen. Im Juli 1925 veröffentlichte der junge Werner Heisenberg schließlich seine Quantentheorie. Er zeigte, dass Objekte der atomaren Welt eine "Doppelnatur" haben: Mal verhalten sie sich als Teilchen, mal wie eine Welle. Dazwischen gibt es einen Zustand der "Unschärfe", in dem sie beides sein können - es sind Quanten. Das sprengt unsere Alltagserfahrung und Vorstellungskraft. Nur mittels rein abstrakter Mathematik lassen sich die seltsamen Phänomene im Allerkleinsten erklären. Dank dieses Wissens konnte man Lasertechnologie, Mikrochips und auch Smartphones entwickeln. Am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching trifft Harald Lesch den Nobelpreisträger Ferenc Krausz. 2023 wurde er mit dem Preis für Physik ausgezeichnet. Er und sein Team nutzen eine spezielle Lasertechnologie, um hochpräzise Blutanalysen zu entwickeln, die Krankheiten möglichst früh erkennen sollen. Das Ziel ist, möglichst die komplette molekulare Zusammensetzung einer Blutprobe erfassen zu können. So will man viel früher und viel genauer Hinweise auf krankhafte Veränderungen finden. Wie weit ist diese Forschung bereits? Und was hat die seltsame Welt der Quanten damit zu tun? Mithilfe der Quantenphysik forscht man auch an der Herstellung neuer Materialien, die immer kleinere und leistungsstärkere Rechner ermöglichen: Quantencomputer. Sie übertreffen die Leistung selbst der stärksten herkömmlichen Superrechner um ein Millionenfaches. Das birgt auch Gefahren. Was, wenn die Superrechner zum Knacken von Passwörtern eingesetzt werden? In Sekundenbruchteilen ließen sich selbst die sichersten Passwörter entschlüsseln. Kein Computer wäre mehr vor einem Angriff sicher. Und dann? Harald Lesch zeigt, dass die Welt der Quanten nicht nur etwas für Spezialistinnen und Spezialisten ist. Selbst wenn wir sie nicht komplett verstehen, spüren wir ihre Wirkung. Damit wir auch in Zukunft die technischen Entwicklungen kritisch begleiten können, müssen wir in der Lage sein, Chancen und Risiken einzuschätzen. Wir sind auf dem Weg in neue Sphären, die nicht nur die Medizin und Kommunikation revolutionieren, sondern auch in viele weitere Bereiche unseres Lebens eingreifen werden.
07:30
Die menschliche Wohlfühltemperatur liegt um die 20 Grad Celsius - egal, ob unser natürlicher Lebensraum, in dem wir leben, kalt ist oder eher warm. Dabei hilft Hightech im Alltag. Wir drehen die Heizung auf, wenn es zu kalt ist, und die Klimaanlage, wenn uns zu warm ist. Wir haben Kühlschränke, um unsere Nahrungsmittel haltbar zu machen. Ohne diesen Kasten würde unsere Ernährung heute anders aussehen. Statt saftigem Steak gäbe es Dörrfleisch. Wir würden eher Espresso statt Latte macchiato trinken, weil die Milch ständig sauer wäre, und Speiseeis wäre Luxus. Und im Auto würden wir ohne Klimaanlage immer noch schwitzen ohne Ende. Einen kühlen Kopf im Pkw zu bewahren - das war bis in die 1980er-Jahre nicht einfach. Die Klimaanlage gehörte noch nicht zur Serienausstattung, nur sieben Prozent der Neuwagen hatten eine. Der Einbau kostete 3000 bis 4000 D-Mark. Das war vielen zu teuer - obwohl die Kältedusche schon damals in Amerika von Experten empfohlen wurde. Heute haben 97 Prozent der zugelassenen Neuwagen in Deutschland eine Klimaanlage. Was viele nicht wissen: Ihr Kühlkreislauf ist pflegebedürftig und sollte alle zwei Jahre gewartet werden. Warm und kalt - ein unerschöpfliches Gebiet für Forscher, denen von Wasser sparen beim Duschen bis zu Wärmespeichern zum Heizen immer wieder Neues einfällt.
08:15
Im vergangenen Jahrhundert wird das Auto zum Inbegriff von Freiheit. Die Massenmotorisierung prägt unseren Lebensraum. Heute liegt die Herausforderung vor uns, das Auto neu zu erfinden. Als Carl Benz 1886 das erste Automobil patentieren lässt, ist es zunächst ein Ladenhüter. Bis seine Frau eine geniale Idee hat und dem Auto zum Siegeszug verhilft. Zunächst nur ein Spielzeug für Reiche, wird es zuerst in den USA zum Alltagsgefährt breiter Schichten.
09:00
Roboter sind aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken. Sie bauen Autos, saugen Staub und entschärfen Bomben. Und die Forschung an künstlicher Intelligenz macht weiter rasante Fortschritte. Bereits vor mehr als tausend Jahren konstruierten Ingenieure in Bagdad das erste Gerät zum Aufzeichnen und Abspielen von Musik. Seither gab es viele technologische Durchbrüche, die den Weg zu den heutigen Robotern ebneten.
09:43
Egal, ob Politik, Wirtschschaft, Kultur oder Gesellschaft - das Nachrichtenmagazin informiert kurz und knackig über aktuell relevante Themen.
09:45
Keine Erfindung hat unseren Alltag in den letzten Jahren so verändert wie das Smartphone. Es ist die bislang beste Antwort auf eine alte Frage: Wie kommunizieren wir über Entfernungen hinweg? Dieses Problem beschäftigt die Menschen seit Jahrtausenden. Sie haben immer ausgefeiltere Gerätschaften entwickelt, um Nachrichten schnell und sicher zu übermitteln. Und es geht weiter: Schon heute lässt sich ein Blick auf die Zukunft der Kommunikation werfen.
10:30
Der Traum vom Fliegen ist alt. Und es gab viele Versuche, ihn zu verwirklichen - oft mit unglücklichem Ausgang. Bis zwei Brüder aus Ohio das Geheimnis des stabilen Fluges entdecken. Wilbur und Orville Wright führen die Erkenntnisse vieler Flugpioniere zusammen und konstruieren ein Flugzeug, das 1903 den ersten stabilen Motorflug ermöglicht. Seither erobern die Menschen den Himmel. Heute ist die ganze Welt nur eine Tagesreise entfernt.
11:15
Teleskope liefern faszinierende Bilder von fernen Welten. Der Blick ins All hat unsere Vorstellung vom Universum und von unserem Platz darin grundlegend verändert. Am Anfang stand ein einfaches Fernrohr mit zwei Linsen. Gelehrte wie Galileo Galilei erforschten damit den Nachthimmel so genau wie nie zuvor und brachten ein Weltbild zu Fall. Moderne Teleskope blicken immer tiefer ins All - und damit in die Vergangenheit.
12:00
Bis die ersten Raketen den Orbit erreichten, brauchte es große Ingenieurskunst und viele Fehlversuche. Welche entscheidenden Entdeckungen ebneten den Weg ins All? Zunächst sollten Raketen keine Menschen oder Satelliten transportieren, sondern Sprengköpfe. Doch die zivile Nutzung der Raketentechnik wurde immer wichtiger. Sie ermöglichte die Verwirklichung eines Menschheitstraums: der Mondlandung. Und die Menschheit träumt weiter.
12:45
Tüchtigkeit und Wunderglaube - das sind die Säulen des westdeutschen Selbstverständnisses nach dem Krieg. Aber was davon ist wahr, was Mythos? Welche Rolle spielen glückliche Umstände? In der kollektiven Erinnerung steigt die Bundesrepublik aus den Trümmern des Krieges wie der Phönix aus der Asche. Das Wirtschaftswunder sichert ihr die Loyalität der Bürger. Die geistigen Versäumnisse der Nachkriegszeit werden 1968 nachgeholt. So die Legende. Deutschland gibt es nach 1949 in drei staatlichen Ausprägungen: als DDR, als alte und später als wiedervereinigte Bundesrepublik. Jeder dieser Staaten muss die Loyalität seiner Bevölkerung gewinnen und greift dafür auf Narrative zurück, die bald mythischen Charakter gewinnen. Es ist das Bild der Stunde null, tief verankert im kollektiven Gedächtnis: Trümmerfrauen räumen den Schutt beiseite und schaffen die Grundlage für den Wiederaufstieg der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg. Was folgt, ist ein Wunder: das Wirtschaftswunder. Zu verdanken ist es dem Fleiß der Deutschen und der Weitsicht seines Schöpfers, Ludwig Erhards. Doch wie viel Realität steckt hinter diesen Vorstellungen? 1954 schließt sich ein weiteres Wunder an: das "Wunder von Bern". Der Sieg der Bundesrepublik Deutschland bei der Fußballweltmeisterschaft ist untrennbar mit dem Etikett verbunden, das ihm ein Spielfilm aus dem Jahr 2003 verpasst hat. Aber sahen das die Zeitgenossen damals genauso? Was ist authentische Erzählung, was Inszenierung? Das Jahr 1968 - ein Jahr der gesellschaftlichen Umbrüche. Die allumfassende studentische Kulturrevolution läutet die innere Neugründung der Bundesrepublik ein. So zumindest die spätere Interpretation. Doch was bekam die Mehrheit der Bundesdeutschen überhaupt von dieser Revolte mit? War die Liberalisierung der Gesellschaft nicht schon vorher auf dem Weg? Diese Folge der ZDFinfo-Reihe "History Deutschland - Meilensteine und Mythen" beschäftigt sich mit wichtigen Wegmarken der Bundesrepublik, aus denen bald Gründungsmythen werden. Jedes Land lebt von Erzählungen, die Identität und Zusammenhalt stiften. Deutschland hat nach dem Zweiten Weltkrieg eine ganze Reihe davon hervorgebracht. Halten sie der Überprüfung stand?
13:30
Die DDR hat den Anspruch, das bessere Deutschland zu sein. Befreite Arbeiter und eine dem Sozialismus treu ergebene Jugend sollen den Westen schnell überflügeln. Es kommt anders. Ostdeutschland liegt 1945 in Trümmern. Im Bündnis mit der Sowjetunion sieht sich das neue Regime als "Sieger der Geschichte". Wie kaum ein anderes Land gründet sich die DDR auf Mythen. Wie konnten sie so lange gegen alle Realität behauptet werden? Deutschland gibt es nach 1949 in drei staatlichen Ausprägungen: als DDR, als alte und später als wiedervereinigte Bundesrepublik. Jeder dieser Staaten muss die Loyalität seiner Bevölkerung gewinnen und greift dafür auf Herleitungen zurück, die bald mythischen Charakter gewinnen. Die DDR ist wie die Bundesrepublik ein Produkt des Zweiten Weltkrieges. Und doch erhebt sie von Anfang an den Anspruch, viel mehr zu sein: die Erfüllung aller Träume ganzer Generationen. Dafür steht die Idee des Sozialismus, die erstmals auf deutschem Boden umgesetzt werden soll. Garant dafür ist das Bündnis mit der Sowjetunion - zugleich einer der zentralen Mythen, mit denen die Bürger auf Linie gebracht werden sollen. "Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen", ist auf zahllosen Spruchbändern zu lesen. Doch wie viel Realität steckt hinter diesen Parolen? Was kommt von der vielbeschworenen Völkerfreundschaft im Alltag an? Die DDR sieht sich als das moralisch überlegene Deutschland. Dass sie anfangs auch das wirtschaftlich erfolgreichere sein will, ist heute vielfach vergessen. "Überholen, ohne einzuholen", lautet eine Formel, mit der dies gelingen soll. Wie kommt es zu dieser Selbstüberschätzung, die letztlich im wirtschaftlichen Ruin des Landes endet? Gerade der Jugend ist im Zeichen des Sozialismus eine goldene Zukunft beschieden, so will es der Mythos. In ihre Erziehung steckt das Regime viel Mühe. Als schließlich 1989 der Eiserne Vorhang fällt, zieht es aber allen voran junge DDR-Bürger und -Bürgerinnen über die Grenzübergänge in den Westen. Was ist schiefgelaufen? Diese Folge der ZDFinfo-Reihe "History Deutschland - Meilensteine und Mythen" beschäftigt sich mit der DDR, den großen Versprechen, mit denen sie antrat, und mit dem, was daraus wurde. Jedes Land lebt von Erzählungen, die Identität und Zusammenhalt stiften. Deutschland hat nach dem Zweiten Weltkrieg eine ganze Reihe davon hervorgebracht. Halten sie der Überprüfung stand?
14:15
Das wiedervereinigte Deutschland pflegt die Mythen der alten Bundesrepublik. Doch ob zum Beispiel Deutschland ein Einwanderungsland ist - diese Frage spaltet die Gesellschaft. Der größte deutsche Nachkriegsmythos ist die Wiedervereinigung selbst. Die DDR hat sie anfangs propagiert, später tabuisiert. In der Bundesrepublik wurde sie oft beschworen, aber mehr noch als Parole belächelt. Inzwischen ist die Einheit Realität geworden, oder? Deutschland gibt es nach 1949 in drei staatlichen Ausprägungen: als DDR, als alte und später als wiedervereinigte Bundesrepublik. Jeder dieser Staaten muss die Loyalität seiner Bevölkerung gewinnen und greift dafür auf Herleitungen zurück, die bald mythischen Charakter gewinnen. "Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört." Mit diesen Worten charakterisiert Willy Brandt 1989 den Mauerfall. Die Wiedervereinigung ist inzwischen selbst Geschichte, doch der Mythos hat überlebt. Heute sind es primär die Mängel des Einigungsprozesses, die ihm einen neuen Inhalt geben. Andere Erzählungen hat das vereinigte Deutschland von der alten Bundesrepublik geerbt - und tut sich schwer, eine gemeinsame Lesart zu finden. Europa - zu dieser Idee kommt in der jüngeren Vergangenheit vor allem ein Zusatz: Skepsis. Denn Europa steht wegen überbordender Bürokratie immer wieder in der Kritik, die Einführung des Euro löste hierzulande sogar regelrechte Ängste aus. Dabei waren sich die Nachkriegsdeutschen in diesem Punkt einig: Die Antwort auf die Schrecken der Vergangenheit kann nur in einem vereinten Europa liegen. "Deutschland ist kein Einwanderungsland" - diesem Glaubenssatz der alten Bundesrepublik hat die Politik bis heute nicht offiziell abgeschworen. Dabei hat mehr als ein Viertel der Deutschen heute einen Migrationshintergrund. Mitgezählt sind dabei noch nicht einmal die Vertriebenen, die nach 1945 nach Westen strömten. War ihre Integration wirklich um so vieles einfacher als später bei Gastarbeitern und Asylsuchenden? Diese Folge der ZDFinfo-Reihe "History Deutschland - Meilensteine und Mythen" beschäftigt sich mit dem mythologischen Bestand des vereinten Deutschlands. Jedes Land lebt von Erzählungen, die Identität und Zusammenhalt stiften. Deutschland hat nach dem Zweiten Weltkrieg eine ganze Reihe davon hervorgebracht. Halten sie der Überprüfung stand?
15:00
Ohne Punk hätte es die Neue Deutsche Welle nicht gegeben. In Düsseldorf und anderen Städten gründen sich Ende der 1970er zahlreiche Bands. Sie sind provokant und gesellschaftskritisch. Als 1978 auch Nina Hagen ein Punk-Album mit deutschen Texten veröffentlicht, ist das eine Sensation. Die Jugend hört damals vor allem englischsprachige Pop- und Rockmusik. Deutsch wird bis auf wenige Ausnahmen nur beim Schlager gesungen. "No Future" - keine Zukunft - lautet das Schlagwort des Punk. Der Kalte Krieg, die Angst vor einem atomaren Super-GAU, die Umweltzerstörung und das Gefühl einer allumfassenden Überwachung: Die Pioniere der NDW greifen die Themen auf, die vielen Jugendlichen auf der Seele brennen. Post-Punkbands wie Fehlfarben, Deutsch Amerikanische Freundschaft (DAF) oder Ideal drängen bald lautstark in die bestehende Musikszene. Mit dem Abstand von 40 Jahren blicken die Macher von damals zurück auf das Phänomen NDW. Mit dabei sind unter anderen Markus ("Ich wollte nicht nur Spaß."), Joachim Witt ("Ich fiel so hoch von der Leiter."), Kai Havaii von Extrabreit ("Wir haben keine Schule angezündet."), aber auch andere wie Peter Hein (Fehlfarben), Robert Görl (DAF) oder Reinhold Heil (Nina-Hagen-Band, später Spliff). Von der NDW-Ost berichten unter anderen André Herzberg und Jürgen Ehle (Pankow) sowie Marion Sprawe (Juckreiz). Zu Wort kommen auch Journalisten wie der ehemalige "Bravo"-Musikchef Uli Weissbrod sowie Musikmanager wie Alfred Hilsberg oder Jim Rakete. Sie gilt als kreativste Phase in der Geschichte der deutschen Popmusik - die Neue Deutsche Welle. Warum stieg die NDW Anfang der 1980er-Jahre so kometenhaft auf, um dann bald wieder zu verglühen?
15:45
Die Neue Deutsche Welle nimmt an Fahrt auf und erobert nach der rebellischen Punk-Phase den Mainstream. Überall gründen sich neue Bands, entstehen Hits auf Deutsch. Die NDW ist voll im Trend. Ab 1981 wird die Welle immer bunter, beliebter und schließlich zum Massenphänomen. Anders als die NDW-Pioniere wollen Interpreten wie Trio mit "Da Da Da" aber nicht wirklich provozieren, sondern nehmen den Schlager auf die Schippe. Die Plattenindustrie sucht jetzt fieberhaft nach neuen Talenten. Selbst Rock-'n'-Roll-Bands wie die Münchener Spider Murphy Gang ("Skandal im Sperrbezirk") bekommen nun das Etikett NDW verpasst. Auch jenseits der Mauer lieben viele Jugendliche die NDW-Hits aus dem Westen wie "Hurra, hurra, die Schule brennt" von Extrabreit. DDR-Musiker nehmen den musikalischen Trend auf, doch ihre Texte werden kritisch vom Staat beäugt. Bands wie Pankow und Juckreiz singen deshalb vor allem auf Livekonzerten Klartext. Mit dem Abstand von 40 Jahren blicken die Macher von damals zurück auf das Phänomen. Mit dabei sind unter anderen Markus ("Ich wollte nicht nur Spaß."), Joachim Witt ("Ich fiel so hoch von der Leiter."), Kai Havaii von Extrabreit ("Wir haben keine Schule angezündet."), aber auch andere wie Peter Hein (Fehlfarben), Robert Görl (DAF) oder Reinhold Heil (Spliff). Von der NDW-Ost berichten unter anderen André Herzberg und Jürgen Ehle (Pankow) sowie Marion Sprawe (Juckreiz). Zu Wort kommen auch Journalisten wie der ehemalige "Bravo"-Musikchef Uli Weissbrod sowie Musikmanager wie Jim Rakete. Sie gilt als die kreativste Phase in der Geschichte der deutschen Popmusik - die Neue Deutsche Welle. Warum steigt die NDW Anfang der 1980er-Jahre so kometenhaft auf, um dann bald wieder zu verglühen?
16:30
Nichts scheint die Welle aufhalten zu können: 1983 dominiert die NDW die deutschen Charts. Doch auf den Höhenflug in der Gunst des Publikums folgt schon bald der Überdruss. Manche, wie Nena, werden jetzt zu Superstars und produzieren Hits am Fließband. Auch sozialkritische Songs wie "Bruttosozialprodukt" von Geier Sturzflug begeistern die Fans. Doch die übermäßige Vermarktung der NDW durch die Plattenindustrie wird zum Bumerang. Die Pioniere wenden sich ab und versinken größtenteils wieder in der Nische. Bands wie Ideal oder Spliff lösen sich auf. Künstler wie Joachim Witt müssen im Musikbusiness buchstäblich wieder ums Überleben kämpfen. Acts wie Kiz ("Die Sennerin vom Königssee"), Fräulein Menke ("Hohe Berge") oder Ixi ("Der Knutschfleck") bleiben ein One-Hit-Wonder. Nur Shootingstar Nena überlebt den Overkill der Neuen Deutschen Welle. Ihr Titel "99 Luftballons" geht um die Welt und ist bis heute der erfolgreichste Hit der NDW im Ausland. Mit dem Abstand von 40 Jahren blicken die Macher von damals zurück auf das Phänomen NDW. Unterhaltsam und selbstironisch erzählen Friedel Geratsch von Geier Sturzflug ("Ich wollte nie in eine Schublade."), Joachim Witt ("Ich fiel so hoch von der Leiter.") und Kai Havaii von Extrabreit ("Wir haben keine Schule angezündet.") von ihren Karrieren. Mit dabei sind auch Uwe Fahrenkrog-Petersen (Nena-Band), Robert Görl (DAF) und Reinhold Heil (Spliff). Von der NDW-Ost berichten unter anderen Jürgen Ehle und André Herzberg (Pankow) sowie Marion Sprawe. Zu Wort kommen auch Journalisten wie der ehemalige "Bravo"-Musikchef Uli Weissbrod sowie Musikmanager wie Jim Rakete. Sie gilt als die kreativste Phase in der Geschichte der deutschen Popmusik - die Neue Deutsche Welle. Warum stieg die NDW Anfang der 1980er-Jahre so kometenhaft auf, um dann bald wieder zu verglühen?
17:15
Die 90er - ein Jahrzehnt voller Kultduelle. Popikonen, Sammeltrends und sportliche Highlights treten im "Retro Battle" gegeneinander an. Wer setzt sich durch und bleibt unvergessen? Backstreet Boys oder Kelly Family? Pokémon oder Diddl? Formel 1 oder Wrestling? Romantik oder Actionkino? Die 90er liefern ikonische Battles um Musik, Sammeltrends, Sport und Kinohits. Doch welche Phänomene prägen unsere Popkultur bis heute? Im Musik-Battle treffen zwei Welten aufeinander: die Backstreet Boys, perfekt gecastet für Teenie-Fans, gegen die bodenständige Kelly Family mit handgemachtem Folk-Pop. Während die Boyband mit Charterfolgen und Choreografien weltweit dominiert, schafft sich die Kelly Family mit Straßenmusiker-Charme eine treue Fanbase. Doch wer hat langfristig den größeren Einfluss? Während sich Millionen Fans zwischen Pop-Hits und Folk-Hymnen entscheiden, entbrennt auf den Schulhöfen ein völlig anderes Duell. Dort dreht sich alles ums Sammeln - doch nicht von CDs, sondern von Papier und Karten. Zunächst sind Diddl-Blätter das Must-have für Kinderzimmer und Schulranzen, doch Ende der 90er bekommen sie ernsthafte Konkurrenz. Pokémon-Karten, Game-Boy-Spiele und eine Anime-Serie machen Pikachu & Co. zu einem weltweiten Phänomen. Doch welche Sammelleidenschaft hinterlässt den größeren Kultstatus? Auch in der Sportwelt sorgen Gegensätze für Begeisterung - diesmal mit ordentlich Action. Während Michael Schumacher die Formel 1 in Deutschland zum Massenereignis macht, zieht Wrestling mit inszenierten Kämpfen und ikonischen Helden die Zuschauer in den Bann. Millionen Fans fiebern mit, Merchandise boomt. Doch welche Sportart prägt die 90er stärker? Spektakuläre Duelle gibt es nicht nur auf der Rennstrecke oder im Ring, sondern auch auf der Kinoleinwand. Blockbuster liefern sich einen Kampf der Genres: Bombastische Actionfilme wie "Jurassic Park" und "Matrix" setzen neue Maßstäbe, während "Titanic" und "Pretty Woman" mit großen Emotionen das Publikum verzaubern. Heute dominiert Action das Kino, während romantische Komödien zunehmend ins Streaming abwandern. Doch welches Genre hinterlässt den nachhaltigeren Eindruck? Ob Musik, Sammelwahn, Sport oder Kino - die 90er liefern ikonische Duelle, die Fans spalten und Trends prägen. Doch welche Phänomene hinterlassen bleibenden Eindruck? "Retro Battles - Die Trends der 90er" blickt zurück auf die größten Popkultur-Highlights und entscheidet: Wer gewinnt das Rennen um den Kultstatus?
18:00
Der Schlager, lange als seicht verpönt, ist heute wieder Kult. Seine Geschichte zeigt, wie kritisch er sein kann. "Die Schlagerstory" schaut mit neuem Blick auf ein unterschätztes Genre. Schon in den 70ern erzählen die vermeintlich zuckrigen Schlager, wie sich das muffige Adenauer-Deutschland zu einer modernen Nation emanzipiert: Es geht um Feminismus, Gastarbeiter, Natur, um Sex. Heute verbindet Schlager Alt und Jung und stürmt die Charts. Ausgerechnet der lange als seichte Unterhaltung verpönte deutsche Schlager spiegelt wie keine andere Musikrichtung die erstaunliche Geschichte unserer Gesellschaft nach dem verlorenen Krieg. Wie sich die Westdeutschen zunächst musikalische Fluchten aus dem grauen Alltag in Trümmern suchen, ihre Nachbarn in Europa den Schlager als bunte Bereicherung ihrer Welt entdecken, sich mit Frauenbefreiung und sexueller Revolution auseinandersetzen und zu einer pluralistischen, modernen Gesellschaft heranwachsen. Wie im Osten Schlagertexte immer den Keim des Subversiven tragen, weil sich selbst in einem vermeintlich harmlosen Liebeslied Systemkritik verstecken lässt. Der Film trifft Hitmacher von früher - Jürgen Drews, Mary Roos, Gitte Hänning, Peggy March - und junge Musiker wie Shootingstar Vincent Gross, Maite Kelly, Ben Zucker, Kerstin Ott. Giovanni Zarrella etabliert Schlager als Grenzüberschreitung nicht nur zwischen den Nationen - Deutschland und Italien -, sondern auch zwischen den Genres: Denn Pop lässt sich vom Schlager nicht mehr so einfach trennen. Profi Michael Holm, der nicht nur selbst zu den ganz großen Interpreten gehört, sondern als Produzent von Guildo Horn auch Teil des kultigen Schlager-Revivals in den 90ern ist, erzählt, wie das Geschäft mit den Schlagern funktioniert und wie gefällige Harmonien auch kontroverse Inhalte vermitteln. Ost-Legende Ute Freudenberg erinnert sich, wie man in der DDR die strenge Zensur umging. Hitschreiber Tobias Reitz verrät Geheimnisse hinter den Texten, und Kerstin Ott beweist, dass der Schlager durchaus nicht nur Klischees bedient. Mit ihnen erleben die Zuschauerinnen und Zuschauer die neuen Schlager und den Blick zurück in die Kultzeit der "ZDF-Hitparade" und gewinnen verblüffende Erkenntnisse über ein Genre, das mehr zu bieten hat als nur Melodien zum Mitschunkeln.
18:45
Wandernder Sand, eisige Meere, speiende Vulkane: In der Geschichte wagten sich tollkühne Entdecker in so manch unerbittliche Landschaft und riskierten dabei ihr Leben. Biochemiker Peng Jiamu erforscht ein geologisches Mysterium in Chinas Nordwesten. Jean-François de La Pérouse durchquert den Pazifik, und Plinius der Ältere stellt sich dem Zorn des Vesuvs, um mehr über die Natur zu erfahren. "Ich habe den großen Wunsch, die Grenzgebiete zu erkunden. Ich habe den Mut, mir einen Weg durch die Wildnis zu bahnen." Dieses Zitat wird dem chinesischen Forscher Peng Jiamu zugeschrieben. Diesen Gedanken hat sich Peng offenbar zum Lebensmotto gemacht. Er unternimmt zahlreiche Expeditionen in die entlegensten Ecken Chinas. In der Provinz Xinjiang will er die Landschaft, ihre endemischen Arten sowie Eigenschaften des Bodens untersuchen. Nach fast zwei Jahrzehnten Forschungsarbeit wird Peng als Vizepräsident der Chinesischen Akademie für Wissenschaften erneut auf eine wichtige Forschungsreise entsandt - an einen riesigen Salzsee namens Lop Nur, der als "Wandernder See" bekannt ist. Ausgestattet mit wenigen Vorräten, Benzin und Wasser machen sich Peng und sein Team auf eine beschwerliche Reise. Nach ein paar Tagen wagt sich der Wissenschaftler auf der Suche nach Wasser allein auf Erkundungszug - und wird nie wieder gesehen. Weniger mysteriös, aber ebenso fesselnd ist die Geschichte des französischen Seefahrers Jean-François de La Pérouse. Auch er begibt sich auf waghalsige Reisen in die im 18. Jahrhundert noch weitestgehend unerforschten Gewässer des Pazifiks. Sein Traum: Er will die Nordwestpassage finden. Doch die Expedition nimmt eine gefährliche Wendung. Schon im antiken Rom sind Menschen bereit, einiges für die Wissenschaft zu riskieren. Der Universalgelehrte Plinius der Ältere ist unter Zeitgenossen bekannt für seine unstillbare Neugier. Für die 37 Bücher seiner "Naturalis historia" wertet er Tausende griechischer und römischer Quellen aus und erstellt eine Zusammenfassung des naturkundlichen Wissens des Altertums. Es ist ausgerechnet dieser Wissensdrang, der ihn an den Fuß des Vesuvs führt, als dieser kurz vor seinem historischen Ausbruch steht. Von der Entwicklung lebensrettender Gegengifte über waghalsige Expeditionen bis hin zu bahnbrechenden, technischen Innovationen und der Bändigung der Elemente: Für viele bedeutende Fortschritte der Menschheit haben Forscherinnen und Forscher mit ihrem Leben bezahlt. Die sechsteilige Doku-Reihe beleuchtet sowohl ihre Heldentaten als auch ihre tragischen Schicksale.
19:30
Galileo Galilei, Giordano Bruno und die antike Universalgelehrte Hypatia von Alexandria: Sie sprengten die geistigen Grenzen ihrer Welt - und machten sich mächtige Feinde. Galileo Galilei: Mit seinen Entdeckungen im All bringt er das christliche Weltbild ins Wanken. Hypatia - Mathematikerin, Astronomin, Philosophin: einst hoch geschätzt, später brutal getötet. Giordano Bruno: Er legt das Fundament für künftige Astronomen. Im Jahr 1610 verbringt der 46-jährige Galileo Galilei die Nächte damit, ins unendliche Nichts zu starren. Mit einem selbst gebauten, leistungsstarken Fernrohr sieht er, was kein Mensch vor ihm sehen konnte. Diese Entdeckung wird sein Leben grundlegend ändern: Er sieht vier helle Objekte, die den Planeten Jupiter umkreisen, und erkennt, dass es seine Monde sind. Damit stellt Galileo alles infrage: Warum umkreisen sie nicht die Erde? Ist sie nicht das Zentrum des Universums? Ist das Ptolemäische Weltbild falsch - und damit auch die Lehren der Kirche? Ein ketzerischer Gedanke - mit dem er die Glaubenshüter der Kirche gegen sich aufbringt. Über Hypatias Leben und Werk ist kaum etwas bekannt. In den wenigen Quellen, die es gibt, wird sie als einflussreiche Frau mit profundem Wissen beschrieben. Sie gehört zu den letzten großen Denkern Alexandrias. Durch ihre Arbeit als Bibliothekarin, Mathematikerin und Astronomin hat Hypatia in Alexandria einen exzellenten Ruf. Aufgrund politischer Umbrüche gerät Hypatia zwischen die Fronten und wird schließlich ermordet. Giordano Bruno erforscht alles - von den Weiten des Universums bis zu den kleinsten Teilchen der Materie. Der Kirche gefällt seine bahnbrechende Theorie nicht. Doch er lässt sich nicht abbringen und gerät immer wieder mit der Kirche in Konflikt. Schließlich wird er bei lebendigem Leib verbrannt. Die erste Mondlandung, die Röntgentechnik, gefährliche Expeditionen oder auch Durchbrüche in der Medizin: Für viele große Fortschritte der Menschheit haben Forscherinnen und Forscher ihr Leben riskiert.
20:15
Sterben, damit Millionen Menschen leben: Die moderne Medizin ist eine Errungenschaft, die hart erkämpft wurde. Pioniere trieben rettende Ideen voran - und ließen dabei ihr eigenes Leben. Im 19. Jahrhundert entdeckt Ignaz Semmelweis die lebensrettende Wirkung der Desinfektion und stirbt unter ungeklärten Umständen. Der Medizinstudent Daniel Carrión jagt einer tödlichen Infektionskrankheit nach, Erfinder Sieur Fréminet geht auf tödlichen Tauchgang. Forscherinnen und Forscher griffen oft zu extremen Maßnahmen, um ihre Ideen und die Wissenschaft für das Wohl der Menschheit voranzubringen. Einer von ihnen war der Arzt und Geburtshelfer Ignaz Semmelweis - der im 19. Jahrhundert am Wiener Allgemeinen Krankenhaus eine seltsame Beobachtung macht. Er stellt fest, dass jede zehnte Frau nach der Geburt am Kindbettfieber stirbt. Auf einer zweiten Station, auf der vor allem Hebammen lernen und arbeiten, ist die Sterberate der Mütter deutlich niedriger. Semmelweis vermutet: Die Ärzte selbst schleppen tödliche Keime an. Damals forschen und üben sie an Leichen. Anschließend arbeiten sie auf der gynäkologischen Station. Sein Vorschlag: Seine Kollegen sollen sich die Hände desinfizieren, bevor sie die Patientinnen berühren. Die Ärzteschaft ist empört, doch Semmelweis' Vorschlag funktioniert: Die Sterblichkeitsrate der jungen Mütter sinkt dramatisch. Dennoch wollen seine Kollegen diesen Verdienst nicht anerkennen. Auch plagt Semmelweis sein schlechtes Gewissen, denn auch er könnte als Arzt todbringende Bakterien vom Seziertisch mitgebracht haben. Er versinkt in Depressionen, wird gegen seinen Willen in eine Nervenheilanstalt gebracht, in der der heute als "Retter der Mütter" geltende Mediziner unter nicht geklärten Umständen verstirbt. Im weit entfernten Peru greift eine mysteriöse Seuche um sich. Nach der Niederlage im sogenannten Salpeterkrieg 1884 ist das Land instabil - das damals unerforschte Oroya-Fieber, das Hunderte Menschen dahinrafft, sorgt für zusätzliche Verunsicherung in der Bevölkerung. Die Suche nach dem Ursprung der Infektionskrankheit wird zur nationalen Priorität. Ein ehrgeiziger Medizinstudent namens Daniel Alcides Carrión ist fest entschlossen, eine Erklärung zu finden, und wagt ein lebensgefährliches Experiment: Er will einen Patienten absichtlich infizieren und den Krankheitsverlauf beobachten. Das Versuchsobjekt ist Carrión selbst. Der französische Erfinder Sieur Fréminet begibt sich im Dienst der Forschung in ganz andere Gefahr. Er träumt davon, die Unterwasserwelt zu erkunden, und entwirft ein revolutionäres Tauchgerät. Möglicherweise ein Wegbereiter für die moderne Taucherausrüstung. Fréminet testet das Gerät selbst, ahnt aber nicht, dass eine unsichtbare Gefahr auf ihn lauert. Von der Entwicklung lebensrettender Gegengifte über waghalsige Expeditionen bis hin zu bahnbrechenden, technischen Innovationen und der Bändigung der Elemente: Für viele bedeutende Fortschritte der Menschheit haben Forscherinnen und Forscher mit ihrem Leben bezahlt. Die sechsteilige Doku-Reihe beleuchtet sowohl ihre Heldentaten als auch ihre tragischen Schicksale.
21:00
Arsen, Schlangengift, Pestizide - tödliche Substanzen, die Forschende das Leben kosteten. Doch ihre Erkenntnisse leben weiter und prägen die Wissenschaft bis heute. Schlangenforscher Kevin Budden stirbt beim Versuch, eine hochgiftige Natter lebend zu fangen. Ornithologe John Cassin vergiftet sich mit Arsen. Und Entomologe Harold Maxwell-Lefroy fällt einem selbst entwickelten Insektizid zum Opfer. Der Australier Kevin Budden ist gerade mal 20 Jahre alt und bereits ein passionierter Herpetologe und Schlangenjäger. Seine Fänge verkauft er an Museen, Sammler und Zoos. Seinen gefährlichen Beruf übt er jedoch ohne Schutzkleidung aus. Er durchkämmt den Busch - ausgerüstet nur mit einem Leinensack und Sandalen -, auf der Suche nach Reptilien, denen andere lieber aus dem Weg gehen. Als es in den 1940er-Jahren in Queensland zu einigen Todesfällen kommt, die auf den hochgiftigen Biss des sogenannten Inlandtaipan zurückzuführen sind, macht sich Budden erneut auf. Er ist entschlossen, ein Lebendexemplar der Giftnatter zu fangen und es der Forschung zur Verfügung zu stellen - damit diese die Möglichkeit hat, ein Gegengift zu entwickeln. Ein höchst riskanter Plan, denn ein Biss der Schlange führt in wenigen Stunden zum Tod. Der australische Schlangenforscher ist nicht der Einzige, der sein Leben im Dienst der Forschung aufs Spiel setzt. Der US-Amerikaner John Cassin ist bereits zu Studienzeiten der Ornithologie verfallen. An sich nicht annähernd so gefährlich wie das Jagen von Schlangen. Doch Anfang des 19. Jahrhunderts nutzt Cassin die Taxidermie, die Tierpräparation, um Vogelexemplare zu konservieren und zu studieren. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wird für diese Konservierung eine Mischung verwendet, die zu einem großen Teil aus Arsen besteht. Eine heimtückische Substanz: Sie ist geruch- und geschmacklos und ruft Symptome hervor, die anderen Krankheiten ähneln. John Cassin ist diesem unscheinbaren Todbringer schutzlos ausgeliefert. Auch für den britischen Insektenforscher Harold Maxwell-Lefroy nimmt seine Forschungsarbeit eine fatale Wendung. Im Zeitalter der Industrialisierung ist das Fachwissen von Entomologen gefragt - denn das Britische Empire legt in seinen tropischen Kolonien, wie den Westindischen Inseln, große Plantagen an. Reis und Baumwolle sind ertragreiche Standbeine der britischen Wirtschaft. Doch die Pflanzen sind Schädlingen ausgesetzt: Maxwell-Lefroy erhält den Auftrag, die Plantagen zu schützen. Der Wissenschaftler greift zu natürlichen Mitteln, aber auch Chemikalien. Seine Strategien haben Erfolg. Der Forscher kehrt zurück nach England. Dort soll er das von gescheckten Nagekäfern befallene Holzgewölbe der Westminster Hall retten. Maxwell-Lefroy entwickelt ein wirksames Insektizid - eine Mischung, die das historische Bauwerk schützt und später zur Grundlage eines erfolgreichen Produkts wird. Maxwell-Lefroy gründet eine Firma und entwickelt von nun an erfolgreich neue Insektizide - bis er eines Tages in seinem Labor zusammenbricht. Von der Entwicklung lebensrettender Gegengifte über waghalsige Expeditionen bis hin zu bahnbrechenden, technischen Innovationen und der Bändigung der Elemente: Für viele bedeutende Fortschritte der Menschheit haben Forscherinnen und Forscher mit ihrem Leben bezahlt. Die sechsteilige Doku-Reihe beleuchtet sowohl ihre Heldentaten als auch ihre tragischen Schicksale.
21:45
Jede Erfindung beginnt mit einer Idee, die in der Theorie gut klingen mag, in der Realität aber Tücken haben kann. Wie der Traum vom Fliegen: ein Wagnis, bei dem man Kopf und Kragen riskiert. Luftfahrtpionier Otto Lilienthal absolviert rund 2000 Probeflüge, bevor er bei einer Bruchlandung stirbt. Ingenieur Walerian Abakowski testet seinen Schnellzug - mit tödlichem Ausgang. Und Erfinder William Bullock wird von seiner Druckerpresse erschlagen. 9. August 1896: für Otto Lilienthal ein Tag wie jeder andere, den er mit dem Test seines Normalsegelapparats verbringt. Doch bei einem der Probeflüge im Havelland erfasst ihn eine plötzlich aufkommende Böe, die Lilienthal und den Flugapparat in der Luft zum Stillstand bringt. Auf einmal neigt sich die Maschine nach vorn und saust im Sturzflug 15 Meter hinunter, wie Lilienthals Assistent Paul Beylich bezeugt. Lilienthal bricht sich dabei einen Halswirbel und zieht sich eine Hirnblutung zu, fällt beim Transport in die Berliner Uniklinik ins Koma. Am folgenden Tag stirbt der 48-Jährige an seinen Verletzungen. Der Welt bleibt er als Wegbereiter für die moderne Luftfahrt in Erinnerung. Im Zeitalter des Fluges nutzt auch der russische Erfinder Walerian Abakowski die Innovationen der Luftfahrt - allerdings für die schnellere Fortbewegung auf zwei Schienen. Sein Luftschrauben-Triebwagen, der sogenannte Aerowagon, ist ein experimenteller Schnellzug. Angetrieben mit Propellern und ein wenig Kraftstoff soll er bis zu 140 Kilometer pro Stunde erreicht haben. Doch bei einer Testfahrt kommt es zur Katastrophe: Sechs Passagiere verlieren ihr Leben - ebenso wie der erst 25-jährige Erfinder selbst. Und auch der Verleger und Erfinder William Bullock hat eine zündende Idee, die er in die Tat umsetzt: Er baut eine neue Druckmaschine, die um die 10.000 Bögen pro Stunde fertigen soll. Im Industriezeitalter, als Zeitungen zum Massenmedium werden, ist diese erste Rotationsdruckpresse ein erster wichtiger Meilenstein für das Verlagswesen. Doch Bullock verkennt offenbar die Gefahr seiner eigenen Erfindung. Von der Entwicklung lebensrettender Gegengifte über waghalsige Expeditionen bis hin zu bahnbrechenden, technischen Innovationen und der Bändigung der Elemente: Für viele bedeutende Fortschritte der Menschheit haben Forscherinnen und Forscher mit ihrem Leben bezahlt. Die sechsteilige Doku-Reihe beleuchtet sowohl ihre Heldentaten als auch ihre tragischen Schicksale.
22:30
Was haben Elementarteilchen, der eisige Südpol und Blitze gemeinsam? Sie alle haben Physiker beim Versuch, die Natur und das Zusammenspiel ihrer Gewalten zu erforschen, an ihr Limit gebracht. Der Atomphysiker Louis Slotin setzt sich der Kraft aus, die beim Bau der Atombombe genutzt wird. Der Forscher Rodney Marks kommt am dunkelsten Ort der Erde ums Leben. Und der Physiker Georg Richmann unterschätzt die tödliche Durchschlagkraft von Blitzen. Isolation, Temperaturen von bis zu minus 80 Grad, monatelange Dunkelheit - die Lebens- und Arbeitsbedingungen für Forscher am Südpol sind alles andere als verlockend. Dennoch entschließt sich der junge Forscher Rodney Marks, im Dienst der Wissenschaft dort zu überwintern. Denn es sind genau diese harten Bedingungen, die dafür sorgen, dass sich der Weltraum von dort aus besonders gut beobachten lässt. Rodney Marks lässt sich vorher ärztlich auf körperliche und seelische Fitness untersuchen und darf den Winter in der Antarktis verbringen. Er passt sich dem Alltag am Südpol an, geht seiner Forschung nach, spielt sogar in einer Rockband und verlobt sich mit einer Kollegin. Alles läuft den Umständen entsprechend gut - bis Marks plötzlich mit akuten Symptomen den Arzt aufsucht. Wenige Stunden später ist er tot, mit gerade mal 32 Jahren - ein mysteriöser Tod, der bis heute Rätsel aufwirft. Auch Louis Slotin ist gerade mal in seinen Dreißigern, als er bei einem Experiment mit radioaktivem Material so stark verstrahlt wird, dass er wenig später verstirbt. Als einer der Wissenschaftler, die im Labor von Los Alamos die Atombombe mitentwickeln, hantiert er regelmäßig mit Plutonium - gänzlich ohne Schutzbekleidung. Er bewahrt seine Kollegen zwar vor einer gigantischen Explosion, büßt für den sorglosen Umgang mit der gefährlichen Plutoniumkugel, die heute als "Demon Core" bekannt ist, aber mit seinem Leben. Dass Naturgewalten nicht zu unterschätzen sind, zeigt auch der Fall des Physikers Georg Richmann. Als Professor an der Sankt Petersburger Akademie will er die Elektrizität in der Atmosphäre erforschen. Dafür wartet er auf eines der vielen Sommergewitter, die in Sankt Petersburg toben. An einem Tag im August 1753 ist es so weit. Der Physiker hat für diesen Anlass einen selbst gebauten Apparat, eine Art Blitzableiter, an seinem Haus angebracht. Dort angekommen, beobachtet er, wie sein Gerät auf das sich nähernde Gewitter reagiert. Doch Richmann hat die Wucht des einschlagenden Blitzes gewaltig unterschätzt. Von der Entwicklung lebensrettender Gegengifte über waghalsige Expeditionen bis hin zu bahnbrechenden, technischen Innovationen und der Bändigung der Elemente: Für viele bedeutende Fortschritte der Menschheit haben Forscherinnen und Forscher mit ihrem Leben bezahlt. Die sechsteilige Doku-Reihe beleuchtet sowohl ihre Heldentaten als auch ihre tragischen Schicksale.
23:15
Ob zum Mond oder über den Atlantik: Mit tollkühnen Flügen setzten die ersten Astronauten und Piloten ihr Leben aufs Spiel - und gehen als Ikonen in die Geschichte ein. Der erste Probelauf der Apollo-1-Mission wird zu einer Tragödie mit drei toten Astronauten. Pilotin Amelia Earhart bricht mehrere Rekorde. Doch der Versuch, die Welt zu umfliegen, endet tödlich. Und auch Wingsuit-Pionier Franz Reichelt opfert sein Leben. "Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit" - einer der heute bekanntesten Sätze der Menschheitsgeschichte. Neil Armstrong hat ihn gesagt, als er von der Leiter des Apollo-11-Landemoduls "Eagle" erstmals seinen Fuß in den feinen Staub der Mondoberfläche setzte. Seit der Mondlandung 1969 hat kein Mensch je wieder einen anderen Himmelskörper betreten. Bis heute ist die Mondlandung nicht nur eine technische Meisterleistung, sondern steht auch symbolhaft für die Überwindung vertrauter Grenzen. Das Überwinden von Grenzen fasziniert auch die Flugpionierin Amelia Earhart: Gesellschaftliche Konventionen und Schwerkraft halten die junge Frau nicht davon ab, 1922 ihre Fluglizenz zu erwerben und 1932 als erste Frau allein den Atlantik zu überqueren. Elf Männer und drei Frauen hatten den Flug vor ihr gewagt. Doch alle waren mit abgestürzt und im Atlantik versunken. Earhart schaffte es, obwohl in der Nacht ein Sturm tobte, die Tragflächen ihrer "Lockhead VB" vereisten und ihr Höhenmesser ausgefallen war. Ihren Ruhm nutzte die wagemutige Fliegerin, um für die Rechte von Frauen einzutreten. Würde man jemals von einer Klippe oder einer Brücke nur mit den Kleidern am Körper und ohne Fallschirm springen? Was wäre, wenn diese Kleider ein speziell entwickelter Wingsuit wären? Einer der frühesten und bekanntesten Erfinder, der sein Leben für seine Erfindung aufs Spiel setzte, ist Franz Reichelt, ein österreichischer Schneider, der in Paris lebte. Sein Entwurf ist ein früher Vorläufer des modernen Wingsuits. Die erste Mondlandung, die Röntgentechnik, gefährliche Expeditionen oder auch Durchbrüche in der Medizin: Für viele große Fortschritte der Menschheit haben Forscherinnen und Forscher ihr Leben riskiert.