WeltWeit: Ungleichheit. Ein Problem, viele Gesichter.
ORF 2
13.03., 21:20
- 22:00 Uhr
Ein Prozent der Weltbevölkerung besitzt inzwischen fast die Hälfte des Weltvermögens, zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Oxfam-Bericht zur sozialen Ungleichheit. Und die Zahl der Milliardärinnen und Milliardäre nimmt weiter zu. Der enorme Reichtum einiger weniger ist ein strukturelles Problem unserer Zeit und gefährdet zunehmend Demokratie und den Zusammenhalt der Gesellschaft. Ungleichheit existiert aber nicht nur bei der Verteilung von Vermögen, vielmehr beeinflusst sie Lebensrealitäten, Gesundheit, Bildung und damit die Chancengleichheit der Menschen.
In Südafrika lässt sich Ungleichheit bildstark aus der Luft erkennen. In Kapstadt trennt oft nur eine Straße zwei Welten - rechts der wohlhabende Bezirk Pinelands mit Villen, großen Gärten und Pools, links das Township Langa mit Wellblechhütten und einer Arbeitslosenquote von 60 Prozent. Patrick A. Hafner trifft die zweifache Mutter Faith, die zwischen diesen beiden Welten pendelt. Ihr Leben zeigt, dass es Südafrika bis heute nicht gelungen ist, seiner Bevölkerung - unabhängig von der Hautfarbe - gleiche Aufstiegschancen zu bieten. Obwohl die Apartheidpolitik seit 1994 formell beendet ist, liegt die wirtschaftliche Macht nach wie vor bei der weißen Minderheit.
Der Bau des Kanals hat Panama zu einem des reichsten Länder Lateinamerikas gemacht, doch gleichzeitig die soziale Ungleichheit gefördert. Das hat sich seit seiner Eröffnung 1914 kaum verändert. Nicole Kampl ist im berüchtigten Armenviertel El Chorrillo unterwegs, auf den Spuren der Nachkommen jener Einwanderer, die den Kanal gebaut haben: "Mir bleiben im Monat 200 Dollar zum Leben", erzählt Cristobal, einer der Pensionisten, die sich zum Dominospiel am Parque de los Aborridos treffen. Im vergangenen Jahr hat der Panamakanal, der den Atlantik mit dem Pazifik verbindet und damit einen der wichtigsten Handelswege darstellt, drei Milliarden Dollar in die Staatskasse gespült. Ein neuer Rekord.
In der Republik der Gleichheit herrscht in Sachen Bildung massive Ungleichheit, denn in kaum einem anderen europäischen Land bestimmt der soziale Hintergrund über den Schulzugang wie in Frankreich. Leonie Heitz ist in Clichy-sous-Bois, im Département Seine-Saint-Denis nordöstlich von Paris gelegen, wo 2005 die Aufstände in der Banlieue begonnen haben. Sie trifft die 17-jährige Myriem Alimi, die um ihren Platz in der Schule hart gekämpft hat. Und das Problem zieht sich durch den gesamten Ausbildungsweg. In den sozial benachteiligten Vierteln bekommen weniger als zehn Prozent der Maturantinnen und Maturanten einen Platz an einer Eliteuniversität einer "Grande Ecole". In privilegierteren Gegenden schaffen es drei- bis viermal so viele. Dabei entscheidet in Frankreich der Name der Hochschule maßgeblich über den Zugang zu guten Jobs und damit zu einer erfolgreichen Zukunft.
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