

aspekte: Nackt! - Warum blanke Haut noch immer tabu ist

Nacktheit ist überall. Solange sie wie im Katalog daherkommt, scheint sie uns nicht zu schocken. Aber wie sieht es mit echten, nicht perfekten Körpern aus?
Es ist paradox: Auf der einen Seite scheinen Werbung, Filme oder Theater immer freizügiger zu werden. Andererseits: eine neue Prüderie. Auf Social Media werden weibliche Nippel zensiert und Jugendliche kämpfen mit unrealistischen Schönheitsidealen.
Einfach mal nackt herumlaufen, in aller Öffentlichkeit, ohne einen Funken Erotik oder gar Sex-Appeal. Das könnte eigentlich normal sein - schließlich wurden wir alle nackt geboren. Ist es aber nicht. Ganz im Gegenteil: Vom allerersten Feigenblatt an war Kleidung schon immer der Inbegriff von Kultur. Wie wir also mit unserer Nacktheit umgehen, sagt unendlich viel über unsere Kultur und unsere Gesellschaft aus. Wo stehen wir in der Gegenwart?
Um diese Fragen zu erforschen, trifft "aspekte" die Fußballer der "Nacktionalmannschaft", die im Geburtsanzug auflaufen und ihren Fans ein selbstbewusstes Körperbild trotz Bierplauze vorleben.
Jo Schück besucht die Ausstellung "the artist is naked" im Kunstpalais Erlangen, die provokante und inspirierende Akte der zeitgenössischen Kunst präsentiert. Und er trifft die Schauspielerin Saioa Alvarez Ruiz, die in den feministischen Extremperformances von Florentina Holzinger auftritt. Hier zeigen unterschiedliche Performerinnen, dass der nackte Körper für alle möglichen Dinge gut ist - nur für eins nicht: um als Projektionsfläche für männliche Begierde herzuhalten.
Aber während auf der einen Seite Schamgrenzen fallen, werden sie an anderer Stelle aufgebaut. So zensieren die meisten Social Media-Plattformen weibliche Brustwarzen, obwohl diese bei naher Betrachtung von männlichen kaum zu unterscheiden sind.
Und der traditionsreichen deutschen FKK-Bewegung bleibt der Nachwuchs weg. Junge Menschen sind, so scheint es, zunehmend unsicher mit ihrem Körper und haben keine Lust darauf, ihn unverhüllt zu zeigen. Liegt das an den unrealistischen Schönheitsidealen, die auf Social Media verbreitet werden? An der omnipräsenten Sexualisierung der Nacktheit in der Online-Welt? In einer Umfrage waren 43 Prozent der Personen unter 30 der Meinung, mehrgewichtige Personen sollten sich nicht in Bikini und Badehosen zeigen. Gibt es Mittel und Wege, dieser neuen Prüderie entgegen zu wirken? Und wollen wir das überhaupt?