19:40
Kurz nach der Fußball-WM begeben sich die "heute-show"-Reporter Lutz van der Horst und Fabian Köster auf eine Reise zwischen Glücksspielmarkt und Glücksspielsucht. Etwa 1,3 Mio. Deutsche zeigen problematisches Glücksspielverhalten. Das Suizidrisiko bei Glücksspielsucht ist höher als bei jeder anderen Suchtkrankheit. Den einen Sucht, den anderen Geschäftsmodell. Was muss sich in diesem Dilemma rechtlich und präventiv ändern?
20:15
Die Lebensmittelindustrie hat Lieferdienste, Kantinen und Restaurants erobert. Produktentwickler Sebastian Lege deckt auf, wie die Gastronomie mit Fertigprodukten trickst. Hühnerfrikassee, panierte Fischfilets, Mousse au Chocolat - oft werden Lieblingsgerichte in Restaurants oder Kantinen nicht mehr frisch gekocht. Immer häufiger bekommen die Gäste Fertigprodukte vorgesetzt, deren Rezeptur mit dem Original nichts mehr zu tun hat. Als gelernter Koch weiß Sebastian Lege: Suppen bietet die Gastronomie besonders oft als Fertigprodukt an. Viele Betriebe kaufen Klassiker wie Champignoncremesuppe gleich eimerweise als Instantprodukt im Großhandel ein. Die Auswahl ist groß: Dr. Oetker, Maggi oder Knorr - sie alle wollen sich das Geschäft mit der Gastronomie nicht entgehen lassen. Produktentwickler Sebastian Lege führt vor, wie die Industrie eine Instant-Champignoncremesuppe herstellt und dabei nur minimale Mengen an Champignons verwendet. Ein weiterer Klassiker der sogenannten Gemeinschaftsverpflegung ist Hühnerfrikassee. Das beste Rezept dafür, da ist sich Sebastian Lege sicher, kennt seine Mutter Ute Lege. Beim gemeinsamen Kochen zeigt sich, warum. Neben jeder Menge Zeit und Liebe stecken in einem klassischen Hühnerfrikassee à la Ute Lege vor allem reichlich Huhn und viele weitere frische Zutaten. Sebastian Lege führt vor, dass die Lebensmittelindustrie bei ihrem Frikassee für Gastronomiebetriebe statt frischer Sahne oft Milchpulver und Bindemittel einsetzt und beim Fleischanteil in vielen Fällen gerade mal den Mindeststandard einhält. Auch bei paniertem Fisch bekommen Verbraucherinnen und Verbraucher oft Industrieprodukte vorgesetzt, bei denen die Hersteller ganz schön tricksen müssen, um sie massenhaft zu Niedrigpreisen anbieten zu können. Sebastian Lege zeigt, dass viele Fischfilets in Wahrheit nicht aus einem Stück bestehen, sondern aus vielen kleineren Stücken zusammengesetzt sind. Die sind im Einkauf nämlich viel billiger als die großen. Der Testeinkauf beim Lieferdienst zeigt: Auf ihrer Speisekarte verschweigen viele Betriebe, dass sie keine hochwertigen Filets aus ganzen Stücken im Angebot haben, sondern nur die preiswerten zusammengefügten. Auch beim Dessert greifen viele Gastronomiebetriebe immer häufiger zum günstigen Fertigprodukt. Mousse au Chocolat ist eines von Sebastian Leges absoluten Favoriten. Bei einem der besten Chocolatiers Frankreichs lernt der Produktentwickler das Originalrezept kennen. Es besteht nur aus wenigen guten Zutaten. Damit die zu einer luftigen Mousse werden, braucht es Zeit, Handwerkskunst und viel Erfahrung. Die Gastronomie leidet aktuell unter akutem Fachkräftemangel. Das ist einer der Gründe, warum Mousse au Chocolat heute in vielen Fällen nicht mehr selbst gemacht, sondern als Fertigprodukt eingekauft wird.
21:00
Die Lebensmittelindustrie hat die Restaurants erobert. Hinter den Angeboten vieler Asia-Restaurants stecken vorgefertigte Produkte. Sebastian Lege deckt die Tricks auf. Frühlingsrollen sind eine aufwendige Spezialität. Doch die Recherche zeigt: In zehn von zehn günstigen Asia-Restaurants sind Frühlingsrollen gleich lang und gleich schwer. Zu oft wird industriell produziertes Essen aus Fernost in hiesigen Restaurants teuer verkauft. Die Nudelbox ist ein Kassenschlager am Asia-Imbiss. Nudeln, Gemüse und zartes Fleisch gibt es in der Innenstadt und am Bahnhof häufig für unter zehn Euro. Die Boxen sind die schnelle und beliebte Mahlzeit zum Mitnehmen schlechthin. Produktentwickler Sebastian Lege untersucht zehn Nudelboxen auf ihren Inhalt. Ergebnis: Am Fleisch wird gespart. Es hat eine ganz eigene, weiche Konsistenz. Dahinter steckt ein Trick der Lebensmittelindustrie. Billiges Schweinefleisch ist zäh und von Sehnen durchzogen. Wie das zur zarten Fleischbasis für die perfekte Nudelbox wird, zeigt Sebastian Lege. In einem durchschnittlichen Asia-Imbiss stehen über 100 verschiedene Gerichte auf der Speisekarte. Sebastian Lege lädt sich Gäste ein und will allein in der Küche 100 verschiedene Gerichte kochen. Der Trick: Gemüse gibt es vorbereitet im Tiefkühlbeutel, direkt aus China. Die Soßen sind ebenfalls fertig im XXL-Kanister gekauft. Das spart Arbeitszeit und Personal. So arbeiten erstaunlich viele Asia-Restaurants. Ein weiterer Klassiker ist die halbe knusprige Ente. Sie wirkt wie das Edelgericht Peking-Ente. Sebastian Lege zeigt in seiner Werkstatt, wie Ente für den Asia-Imbiss wirklich zubereitet wird. Dieser Trick geht auf Kosten von Tierwohl und Küchentradition.
21:45
Deutsche Restaurants locken mit angeblich hausgemachtem Essen. Doch dahinter stecken häufig Industrieprodukte aus der Lebensmittelbranche. Sebastian Lege entlarvt einen Milliardenmarkt. Die Zubereitung eines Schnitzels erfordert Zeit und handwerkliches Können. Doch in vielen Restaurants landet tiefgekühltes und hochverarbeitetes Fleisch auf dem Teller. Mindestens 80 Prozent der Restaurants nutzen die Angebote von Gastronomie-Lieferanten. Es gibt ihn klassisch mit Speck und Zwiebeln, vegetarisch und sogar vegan: Flammkuchen gehören zu den beliebtesten Gerichten auf Märkten oder Festen. Angepriesen für mehr als zehn Euro "frisch aus dem Steinofen". Sebastian Lege kennt den Trick: Der Großhandel liefert Boden und Belag fertig zubereitet für maximal zwei Euro pro Portion. Die Restaurants müssen den tiefgekühlten Boden nur noch belegen und den Ofen bedienen. In Sekundenschnelle entsteht ein scheinbar hausgemachtes Gericht mit Traummarge. Soßen sind die heimlichen Stars der deutschen Küche. Spargel ohne Sauce hollandaise? Beinahe unvorstellbar. Doch die Zubereitung von Soßen ist aufwendig und kompliziert. Das hat die Lebensmittelindustrie erkannt und liefert sie eimerweise in die Küchen deutscher Restaurants, fix und fertig für die Mikrowelle. Auch Kartoffelbeilagen wie die Krokette machen traditionell viel Arbeit in der Küche. Deshalb setzen auch hier immer mehr Restaurants auf vorgefertigte Produkte aus dem Großhandel. Sebastian Lege zeigt, dass Industriekroketten ohne Butter, ohne Ei und ohne frische Kartoffeln auskommen. Eine Portion dieser Fertigkroketten kostet gerade einmal 30 Cent. Auch beim Schnitzel wird ordentlich getrickst - mit Flüssigwürze und Nasspanade. Sebastian Lege lädt Gäste ein und zeigt: In wenigen Minuten kann er mühelos zehn verschiedene Schnitzelgerichte mit Beilagen zubereiten - die Lebensmittelindustrie macht es möglich. Mit ihren maßgeschneiderten Produkten hat sie unzählige Restaurants in Deutschland erobert. Steigende Kosten und fehlendes Personal fördern den Trend. Die Restaurants sind dabei nicht dazu verpflichtet, den Einsatz von Convenience-Produkten auf ihren Speisekarten kenntlich zu machen.
22:30
Hotdog, Köttbullar und die Zimtschnecke sind Topseller bei der größten Möbelhauskette der Welt: IKEA. Welche Tricks dahinterstecken, weiß Sebastian Lege. Sebastian Lege nimmt die Lebensmittelsparte des Möbelriesen IKEA unter die Lupe. Um Fast Food für wenige Euro anbieten zu können, muss der Konzern massenhaft und effizient produzieren. Dabei kommen ausgeklügelte Tricks und jede Menge Zusatzstoffe zum Einsatz. IKEA hat mit seinem Hotdog einen weltweiten Hype ausgelöst und die Brühwurst im Brötchen jahrzehntelang für nur einen Euro verkauft. Die Würstchen werden millionenfach aus einfachen Zutaten hergestellt und in einen Kunstdarm aus Kollagen gefüllt. Die Lebensmittelindustrie nutzt Schlachtabfälle, um Kollagen für die Herstellung dieser Därme zu gewinnen. Dank hocheffizienter Verfahren wird kein Gramm Brät zu viel abgefüllt. Der Hotdog ist nicht nur ein leckerer Snack, sondern auch ein Marketinginstrument, um Kundinnen und Kunden in die Läden zu locken. Manche Kunden kommen nur wegen der günstigen Lebensmittelpreise und der gemütlichen Restaurantatmosphäre in die bundesweit 54 IKEA-Filialen. Ein Klassiker im Möbel-Restaurant sind Köttbullar - Hackfleischbällchen mit Soße, Kartoffelpüree und Preiselbeeren. Sie sind nicht nur das schwedische Nationalgericht, sondern auch ein echter Verkaufsschlager. Durch geschickte Herstellungsverfahren wird dem Produkt Wasser entzogen, und Zusatzstoffe sorgen für den Geschmack in der Soße. Mittlerweile werden damit Millionenumsätze erzielt. Die Zimtschnecke ist vielen Schweden heilig und spielt auch beim Möbelriesen eine entscheidende Rolle. Die zucker- und fetthaltige Zimtschnecke Gifflar wird im hauseigenen Markt in verschiedenen Varianten zu Niedrigstpreisen verkauft. Die Industrie macht Gifflar in der Tüte durch den Einsatz von E-Stoffen lange haltbar. IKEA verkauft inzwischen in einigen Filialen veganes Softeis: ein Massenprodukt, das dort aus der Maschine kommt. Für nur einen Euro gibt es unter anderem Vanille- oder Erdbeereis. Ein Softeisautomat füllt das Eis direkt in die Waffel, wartungsarm und ohne Personalkosten. Das vegane Softeis wird auf Wasserbasis mit viel Zucker hergestellt. So verdient der schwedische Möbelkonzern nicht nur Geld mit der Süßigkeit, sondern belohnt auch die Kundinnen und Kunden. Das vegane Eis spielt eine wichtige Rolle in der Marketingstrategie für das vegane und vegetarische Sortiment.
23:15
Von Tomatensuppe über Currywurst bis hin zum veganen Falafel-Wrap: Die Deutsche Bahn wirbt mit "Genuss auf ganzer Strecke". Welche Tricks die Bordgastronomie anwendet, zeigt Sebastian Lege. Die Bahn hat sich zum Ziel gesetzt, Deutschlands bester Gastgeber zu sein. Dazu soll auch das Bordrestaurant beitragen - mit Getränken, Snacks und aufgewärmten Speisen aus der Mikrowelle. Mit Erfolg? Sebastian Lege nimmt vier beliebte Produkte genauer unter die Lupe. Ob als Vorspeise oder kleiner Snack: Tomatensuppe ist ein Klassiker auf deutschen Speisekarten. Die Version der Deutschen Bahn überrascht mit einem Tomatenanteil von nur 54 Prozent. Sebastian Lege zeigt, wie Wasser zu einer der Hauptzutaten wird und welche Rolle modifizierte Stärke dabei spielt. Während eine klassische Tomatensuppe mit wenigen frischen Zutaten auskommt, setzt die Bahn auf mehr als 20 Komponenten, darunter Zucker, Karamellzucker und diverse Bindemittel. Wer sich vegan ernährt, findet im Bahn-Bistro den "Oriental-Falafel-Wrap" - modern und zeitgemäß. Was die Zielgruppe möglicherweise enttäuscht: Der Wrap enthält nur drei kleine Falafelbällchen. Diese bestehen nicht nur aus Kichererbsen, sondern auch aus Hartweizen und Paniermehl. Dazu gibt es eine exotische Soße, die wenig mit dem Original zu tun hat. Dennoch hat es der Preis in sich: Während ein frisches Falafelsandwich schon für 3,50 ? beim Imbiss zu haben ist, verlangt die Bahn etwa das Doppelte. Mit 600.000 verkauften Portionen pro Jahr ist die Currywurst ein Verkaufsschlager im Bordrestaurant. Sebastian Lege zeigt, wie die Wurst industriell verarbeitet wird, sodass sie unterwegs nur noch erwärmt werden muss. Dabei enthüllt er unter anderem, wie die Grillstreifen auf die Wurst kommen, ohne dass diese gegrillt wird. Auch die Pommes können an Bord nicht frisch frittiert werden. Das Ergebnis ist ein Mikrowellenprodukt, das es in ähnlicher Form auch günstig im Supermarkt gibt. Der Preis von 10,90 ? mag dafür vergleichsweise teuer erscheinen, die Bahn sieht ihn aber als gerechtfertigt an. Nach dem Hauptgang lockt ein deutscher Dessert-Klassiker ins Bordbistro: der Apfelkuchen. Sebastian Lege verrät, wie die typischen Butterstreusel ohne Butter hergestellt werden. Palmfett und Karottenextrakt ersetzen die teure Zutat. Das Ergebnis ist ein industriell optimiertes Produkt, das mit weit mehr als den üblichen Zutaten eines traditionellen Apfelkuchens hergestellt wird. So bleibt der Kuchen im Gefrierfach lange frisch und haltbar - ideal für die Bedürfnisse der Systemgastronomie.