11:20
Manche Schwüre werden über Jahrhunderte gehalten: 1633 legten die Bürger des bayerischen Bergdorfes Oberammergau im Angesicht der Pest vor Gott das Gelübde ab, ein Passionsspiel aufzuführen, wenn sie fortan nur vom "schwarzen Tod" verschont blieben. Heute ist das Oberammergauer Passionsspiel das berühmteste der Welt. Alle zehn Jahre spielen fast 2.000 Oberammergauer Bürger im weltweit größten Laienspiel die letzten Tage Christi für hunderttausende von Zuschauern nach. In den Jahren vor der Aufführung befindet sich Oberammergau zunehmend im Ausnahmezustand - ein Dorf lebt für sein Spiel! Spielleiter, Chefdramaturg und Regisseur Christian Stückl, der bereits zum vierten Mal der "große Bestimmer" ist (2022), ist vertraglich verpflichtet, alle Oberammergauerinnen und Oberammergauer, die sich als Darsteller gemeldet haben, auch in der Aufführung unterzubringen, über 1.000 Menschen stehen teilweise gleichzeitig auf der Bühne. Seine Hauptrollen besetzt er jung. Und Religion spielt keine Rolle. Auf einen der Hauptdarsteller wurde Stückl im Café aufmerksam, weil ihm seine Stimme auffiel. Judas wurde 2022 deshalb von einem Oberammergauer muslimischen Glaubens gespielt. "Wenn einer denkt aus Provokation - nein, sondern weil er einer meiner besten jungen Schauspieler ist", so der Regisseur. Auftakt der Proben 2022 war eine Reise nach Israel. An den überlieferten Orten entstand die Basis für die Rollenarbeit dieser Langzeitbeobachtung.
12:40
Bad Kissingen mit seiner prunkvollen Geschichte als Sommerfrische von Kaisern, Königinnen und Zaren hat sich bis heute etwas vom Flair eines mondänen Kurorts erhalten. Das Kur- und Brunnengebäude von Max Littmann von 1911 umfasst die größte und schönste Wandelhalle Europas. Der Aufbau des prächtigen, fast sakral wirkenden Innenraums erinnert bewusst an eine Basilika und greift eine der zentralen gesellschaftlichen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts auf: Den wachsenden Gesundheits- und Körperkult, der zum Ende des Jahrhunderts im Wellness-Trend kulminieren sollte. Bad Kissingen ist mit seinen wunderschönen Park- und Kuranlagen, durch die die malerische Saale fließt, gefragt als Ort der Erholung und Entspannung. So wie sich jedoch die Erholungs-Bedürfnisse und -Möglichkeiten der Menschen geändert haben, so musste sich das kleine Kurbad mitentwickeln. Kurgäste und Touristen bleiben heute nicht mehr wochenlang, Krankenkassen zahlen nicht mehr so großzügig für Behandlungen und Aufenthalt wie früher. Dafür besinnt man sich jetzt wieder auf heimische Qualitäten und entdeckt Orte wie Bad Kissingen neu. Die UNESCO-Kommission hat dem Traditionsort das Prädikat "Weltkulturerbe" verliehen. Brunnenfrauen und Kurgäste, Geschäftsleute und alteingesessene Einwohnerinnen und Einwohner, Besucherinnen und Besucher und Tagesgäste erzählen, was den Zauber des Ortes ausmacht.
13:05
Handweben ist ein komplizierter und aufwendiger Prozess, der großes Fachwissen erfordert. Margarete Horle beherrscht dieses jahrhundertealte Handwerk. In ihrer Werkstatt in Bockenheim an der Weinstraße zeigt die Handwerberin, wie aus der Faser ein hochwertiger Stoff entsteht. Dafür braucht sie ein gutes Gespür für Muster, Farben und Materialien, technisches Geschick und viel Geduld. Margarete Horle zeigt die Geheimnisse des Schärens, des Bäumens und des Verschnürens und erklärt, warum das zeitintensive Einrichten des Webstuhls so wichtig ist.
13:50
Seit Jahrhunderten wird in Schwabach nahe Nürnberg das hauchdünne Edelmetallblättchen produziert und in die ganze Welt verschickt. Der Grund, warum sich nahezu alle Goldschläger Deutschlands in dem Städtchen nahe Nürnberg niedergelassen haben, liegt an dem besonderen Schwabacher Klima. Hier lässt sich das Metall besonders gut verarbeiten. Auch wenn die vielen kleinen Goldschlägereien, die Schwabach geprägt haben, mittlerweile verschwunden sind, sieht man noch heute Gold überall im Stadtbild. Das Blattgold ist Teil der Schwabacher Identität. Goldschlägermeister Werner Auer kennt die Tradition des Blattgoldschlagens. Er ist einer der Letzten, die das alte Handwerk noch beherrschen und vorführen können. Mittlerweile wird das Gold nicht mehr von Hand geschlagen. Wie Blattgold heute produziert wird, zeigt eine der zwei letzten Goldschlägereien Schwabachs, vom Schmelzen des Goldes bis hin zum zehntausendstel Millimeter dünnen Blattgold. Das Filmteam begleitet Lara Haferung, die den Familienbetrieb einmal übernehmen möchte. Es hat sich zwar vieles geändert in der Goldschlägerei, aber einige Produktionsschritte wie das Blattgoldbeschneiden werden noch wie jeher von Hand ausgeführt. Wie es früher in den Schwabacher Betrieben zuging, erzählen die ehemaligen Zurichterinnen Gerda Fleischmann und Karin Gruber. Im niederbayerischen Abensberg besucht das Filmteam die Werkstatt von Vergoldermeister Dietmar Feldmann, der das Schwabacher Blattgold seiner ursprünglichen Bestimmung zuführt. Er vergoldet aber nicht nur sakrale Werke, sondern auch ganz besondere Stücke, die bei ihm in neuem Glanz erstrahlen.
14:20
Mit über 300 Barock- und Rokokoräumen gilt die Würzburger Residenz als eines der außergewöhnlichsten Schlösser Europas. Goldener Prunk, glanzvolle Empfänge und gefeierte Konzerte locken Touristen aus aller Welt in das erste in Bayern gelegene UNESCO-Weltkulturerbe. Hinter den Kulissen des barocken Prachtbaus arbeiten rund 70 Beschäftigte der Bayerischen Schlösser-, Gärten- und Seenverwaltung daran, das mehr als 250 Jahre alte Ensemble im Herzen Würzburgs zu erhalten. Gärtner, Restauratorin oder Kastellanin - für manche ist der ehemalige Sitz der mächtigen Fürstbischöfe sogar das Zuhause. Im Film wird von der Gratwanderung zwischen Denkmalschutz und Museumsbetrieb mit täglich Tausenden Besuchern erzählt.
15:05
Bamberger Rettich, Bamberger Knoblauch oder auch Bamberger Wirsing - traditionelle Bamberger Gemüsesorten, die es nur hier gibt, und die bis vor wenigen Jahren kurz vor dem Aussterben standen. Die Bamberger Gärtnerstadt gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO und damit das Wissen, die Sprache, die Rituale und die Sortenvielfalt der Bamberger Gärtner. Doch es geht nicht nur darum, Bewährtes und Schützenswertes zu erhalten, es geht auch um neue Wege für die Gärtner. So reifen seit wenigen Jahren im klimatisch begünstigten Bamberg auch Kurkuma oder Ingwer. Begleitet werden eine Bamberger Gärtnerfamilie und die Profis von der Landesanstalt für Gartenbau vom Anbau bis zur Ernte - ein spannender Blick in die grüne Geschichte Bambergs!
15:30
Eine Zeitreise führt ins Regensburg der 1950er- und 1960er-Jahre: Die Donaustadt hatte das große Glück, dass sie von den Bomben des 2. Weltkriegs weitgehend verschont geblieben war. Doch die meisten Häuser waren recht heruntergekommen. Abreißwütige Bauherren sprachen deshalb auch vom "Regensburger Rattenloch". Heute ist aus der mittelalterlichen Altstadt ein wahres Schmuckstück geworden, das sich über mangelnde Liebhaber nicht beklagen kann: Bis zu vier Millionen Tagesgäste strömen alljährlich in das UNESCO-Welterbe. Sybille Krafft hat für ihren Film nach Zeitzeugen gesucht, die sich an das kleinstädtisch geprägte Regensburg der Nachkriegszeit erinnern können. Sie hat sich mit Geschäftsleuten und Denkmalschützern, Hofbediensteten und Hafenarbeitern, Fischern und Künstlern unterhalten und dabei das besondere Lebensgefühl in dieser zeitlos schönen Stadt eingefangen - damals und heute.
16:15
"Wir in Bayern" ist das Heimatmagazin im BR Fernsehen, immer montags bis freitags von 16.15 bis 17.30 Uhr. Hier wird alles präsentiert, was unsere Heimat so liebens- und lebenswert macht: traditionelle Handwerkskunst, echte Originale und junge Leute mit hippen Hobbys, traumhafte Landschaften sowie Feste und Brauchtum in Bayern. Außerdem gibt es viele Tipps für den Alltag in Sachen Gesundheit und Garten, Familie und Freizeit, Haushalt und Lifestyle. Jeden Tag wird frisch gekocht oder ein köstlicher Kuchen gebacken. Dabei verraten die Konditorinnen und Konditoren, Spitzenköchinnen und Spitzenköche, Sterneköchinnen und Sternenköche nicht nur ihre exklusiven Rezepte, sondern auch ihre besten Tricks, damit das Nachmachen zu Hause besonders gut gelingt. Außerdem können die Zuschauerinnen und Zuschauer bei Ratespielen mitmachen: Bei "Host mi?" geht's um bayerische Dialektwörter. Und am Donnerstag ist "Bayernlos"-Tag: Vier Kandidatinnen und Kandidaten versuchen bei der "Zweiten Chance" ihr Glück am Gewinnrad.
17:45
Rita Falk ist mit Werner Schmidbauer für ein "Gipfeltreffen" auf das Jugetköpfle (1.024 m) oberhalb des Alpsees bei Immenstadt im Allgäu gegangen. Auf dem Weg erzählt sie von ihrer Kindheit in Oberammergau und ihrer Oma, bei der sie die meiste Zeit ihrer ersten acht Lebensjahre verbrachte, und die ihre "erste große Liebe" war. Es folgten 15 Umzüge, erst nach München, dann nach Landshut, und Rita fühlte sich entwurzelt, meist zutiefst unglücklich und immer auf der Suche. Nach einer turbulenten Pubertät heiratete sie mit 18 Jahren und wurde Mutter. Nach 15 Jahren Ehe kam die Scheidung und es folgte ein anstrengendes Leben als Alleinerziehende mit den drei Kindern. Rita Falk erzählt Werner Schmidbauer von ihrer großen Liebe Robert, einem ehemaligen Polizisten, und von ihren ersten Schreibversuchen. Nach dem überraschenden Erfolg mit dem Eberhofer-Krimi hat sie in einem alten Schulhaus in der Nähe von Landsberg, das sie zusammen mit ihrem Mann Robert nach ihren Vorstellungen umgebaut hatte, eine neue Heimat gefunden.
18:30
Nachrichten - Berichte - Wettervorhersage
18:45
Wald-Influencerin Beatrice macht vor, wie moderne Forstarbeit heute kommuniziert wird. Auf einer vom Sturm beschädigten Freifläche sucht sie den idealen Platz für einen neuen Hochsitz - immer mit der Social-Media-Community im Rücken. Die Follower helfen mit, Standorte zu diskutieren, während Beatrice erklärt, warum Jagd und Naturverjüngung zusammengehören. Ihre Social-Media-Arbeit soll Türen öffnen in eine Arbeitswelt, die viele kaum kennen. Waldkönigin Patricia, 23 Jahre alt und Vegetarierin, jagt für den Schutz ihres Familienwaldes. Gemeinsam mit Bruder Michi zieht sie durch den eigenen 100 Hektar großen Mischwald, analysiert Verbissspuren und erklärt, warum ein hoher Abschuss notwendig sein kann, um den Waldumbau zu ermöglichen. Gleichzeitig bereitet sie sich auf ihren großen Auftritt beim "Frankenwaldtag" vor - dort möchte sie mutigere Entscheidungen für Bayerns Wälder fordern und zeigen, dass eine Waldkönigin mehr ist als ein Fotomotiv. Försterin Astrid unterstützt derweil die Waldbesitzerinnen Adelheid und Evi Werle. Dürre, fehlender Regen und die Angst vor dem Borkenkäfer erschweren die Arbeit. Gemeinsam kontrollieren sie über 1.200 frisch gepflanzte Setzlinge - viele kämpfen ums Überleben. Astrid erklärt, wie unberechenbar der Wald geworden ist, und wie schnell Pläne scheitern können, wenn Wetterextreme und Käferdruck zusammentreffen. "Frauen im Forst" zeigt eindrucksvoll, wie unterschiedlich die drei Wald Queens arbeiten - und wie sehr sie vereint sind durch dieselbe Leidenschaft: den Wald der Zukunft zu gestalten.
19:30
Der Starnberger See ist ein bayerischer Sehnsuchtsort - auch für die "Landgasthäuser". Mit Blick über das kristallklare Wasser und auf die Alpen lässt es sich hier, am fünftgrößten See Deutschlands, dem Alltag bestens entfliehen. Bunt und wild aber geht es zu, wenn mit Lanzen und Kostümen ausgestattet die einheimischen Fischer auf Flachbooten zum Fischerstechen antreten. Eine Jahrhunderte alte Tradition, die im Sommer zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer anlockt. Am Ufer bei Berg erinnert die malerisch gelegene Votivkapelle an den mysteriösen Tod von Märchenkönig Ludwig II., unweit der Stelle, wo der Leichnam des Königs im Wasser gefunden wurde. Rund um den Starnberger See ist freilich auch für kulinarische Freuden gesorgt.
20:00
Als eine der ältesten noch bestehenden Nachrichtensendungen im deutschen Fernsehen wird das Magazin bereits seit Dezember 1952 ausgestrahlt. Berichtet wird über das aktuelle Geschehen im In- und Ausland.
20:15
Bereits wenige Wochen nach dem Tod König Ludwigs II. wurde Schloss Neuschwanstein geöffnet, obwohl der Bauherr immer strikt dagegen war. Der märchenhafte Erfolg ist heute Fluch und Segen zugleich. Die Region um Hohenschwangau lebt von den Touristenmassen, aber sie bedeuten gleichzeitig puren Stress. Auch das Schloss selbst leidet unter ihnen, denn durch die vielen Besucher verfällt es immer mehr. Ein Jahr lang wurden Menschen begleitet, die ihr Leben dem Schloss gewidmet haben und manchmal auch mit ihm hadern: Ein Schlossführer, der eigentlich Industriemechaniker ist, dann aber durch Zufall auf Neuschwanstein seinen Traumjob gefunden hat. Ein erfolgreicher Souvenirladenbesitzer, der zum letzten Mal vor über 30 Jahren im Schloss war, weil es ihm dort nicht gefällt. Und Restauratoren, die die einmalige Gelegenheit haben, nachts die Prunkräume ganz für sich alleine zu haben.
21:00
Nachrichten - Berichte - Wettervorhersage
21:10
Der Karfreitag erinnert Christinnen und Christen weltweit an das Leiden und Sterben Jesu Christi - ein Tag der Trauer, der Stille und der Hoffnung auf Erlösung. Das BR Fernsehen überträgt die Liturgie aus dem Kolosseum in Rom mit Papst Leo XIV. In einer Prozession in stimmungsvoller Kulisse tragen Gläubige das Kreuz über 14 Stationen, die den Weg Jesu bis zur Kreuzigung nachzeichnen und mit Meditationen zu persönlicher Besinnung einladen. Die Live-Übertragung kommentieren Monsignore Erwin Albrecht und Elisabeth Möst.
22:30
Februar 1815. Edmond Dantès, seit wenigen Tagen der neue Kapitän der Pharao, einem Segelschiff des Reeders Morel, ist auf dem Rückweg nach Marseille. Um noch einen letzten Wunsch seines verstorbenen Vorgängers zu erfüllen, macht Edmond unterwegs einen Abstecher auf die Insel Elba zu Napoleon. In Marseille angekommen, wo er sich mit seiner geliebten Mercédès verloben will, wird er von Caderousse, seinem neidischen 2. Offizier, und von Fernand Mondego, der Mercédès unbedingt heiraten will, als bonapartistischer Agent denunziert. Staatsanwalt Gérard de Villefort lässt Dantès ohne Urteil lebenslänglich im berüchtigten Gefängnis Château d'If auf der Felseninsel vor Marseille einkerkern und ein Jahr später verkünden, Edmond sei gestorben. Nun willigt Mercédès in eine Heirat mit Mondego ein. Kurz vor seinem Tod verrät unterdessen Dantès Mitgefangener und Freund, Abbé Faria, diesem das Geheimnis eines riesigen, 200 Jahre alten römischen Schatzes, den er auf der unbewohnten Insel Monte Christo entdeckt hat. Tatsächlich gelingt Dantès die Flucht von der Gefängnisinsel. Er findet den Schatz, der ihm unermesslichen Reichtum bietet, und schwört, ihn nur zu benutzen, um die drei Menschen zu vernichten, die ihn um seine Braut, sein Schiff und seine Freiheit brachten. Mit einem geschickten Plan bringt er Caderousse ins Gefängnis und eilt nach Paris, um die beiden anderen Männer zu vernichten: Fernand Mondego, der sich jetzt Graf von Moncerf nennt, und Gérard de Villefort, der jetzt königlicher Staatsanwalt ist. Dantès tritt als Graf von Monte Christo auf und verunsichert mit seinem Reichtum die feine Pariser Gesellschaft. Als es ihm gelingt, Villeforts skandalöse Machenschaften von einst aufzudecken, verfällt der Staatsanwalt dem Wahnsinn. Auch in Fernand de Morcerfs Karriere hat er üble Verbrechen entdeckt und spielt sie der Pariser Presse zu. Fernand wird daraufhin von Mercédès und seinem Sohn verlassen und begeht Selbstmord. Doch seine große Liebe Mercédès kann der Graf von Monte Christo nicht zurückerobern.