21:00
Deutschland im Herbst, das sind Ängste und Sorgen, gleichzeitig aber auch Mut und Optimismus, Verteidigung der geltenden Verfassung, Zufriedenheit mit dem Erreichten. Mit den Gästen Nicole Jäger, Florian Schroeder und Ralf Senkel sowie natürlich mit Gastgeber Christoph Sieber, mit Karen Dahmen und Philip Simon. Deutschland im Herbst, das sind viele Baustellen, tatsächliche und im übertragenen Sinn. Für letztere fühlen sich die "Mitternachtsspitzen" zuständig, schon lange und immer wieder gerne. Den Zustand der ehemals großen Volksparteien, das Tun und Lassen der frisch gewählten Linken wie der Rechtsextremen, die Höhenflüge der Preise an den Zapfsäulen und den so genannten Tankrabatt, die innere Verfassung des Deutschen Fußball-Bundes, die Frage, wer als Bundeskanzler künftig so begeisternd und überzeugend auftreten könnte wie andernorts Hape Kerkeling oder Jürgen Klopp, die seltsame deutsche Rechtsprechung, wenn Gewalt gegen Frauen zu verurteilen ist - all das bearbeiten die "Mitternachtsspitzen" auf ihre ganz eigene Art: anschaulich, weil ohne Fachsimpelei, stimmig, weil auf Fakten fußend, sowie letztlich auch lustig und unterhaltsam, denn schon Karl Valentin wusste: "Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative und eine komische." Gilt auch für persönlich schwierige Zeiten wie etwa Wechseljahre oder Trauerphasen.
22:00
Drei Freunde aus Floridsdorf - 40 Jahre getrennt und mit Lebenswegen, die unterschiedlicher nicht sein könnten - kommen an einem Abend zusammen, der ihr Schicksal für immer verändern wird. Gerti B., Kriminalpolizistin, hat für ihren Beruf fast alles gegeben. Bekommen hat sie dafür eine neue Vorgesetzte, die aussieht wie 18 und alles besser weiß. Franz A. sollte eigentlich Bestatter werden, hat sich aber für eine andere Karriere entschieden. Seine Tage als Bordellchef waren auch schon mal rosiger. Und Jonas L., Uhrmacher aus Leidenschaft und Auftragskiller aus Berufung, gerät unter Druck seiner Auftraggeberin, als er einen alten Freund liquidieren soll. Aber eigentlich beginnt die Geschichte mit zwei Leichen in einem Sarg, der nur für eine gebucht war. Damit ist die Geschichte aber noch lange nicht zu Ende erzählt: Eine Domina verscheidet bei einem unerwarteten Betriebsunfall. Der glorreiche Abend des Spiels in Cordoba 1978. Die 1970er-Jahre mit Strizzis, Schlaghosen, Polizisten und Bezirksschönheiten. Christiane Hörbiger liest in einem Rotlicht-Etablissement aus "Josefine Mutzenbacher" vor. Und ein folgenschwerer Fenstersturz in Floridsdorf gibt der Geschichte eine unerwartete Wendung.
23:30
Kommissar Stefan Lindman hat gerade seinen Vater zu Grabe getragen und will sich bei dem pensionierten Ex-Kollegen Herbert Molin für dessen Kranz bedanken, doch Molin wurde ermordet. Markante Blutspuren auf seinem Dielenboden erinnern an eine Reihe von Tanzschritten. Zuständig für diesen Fall ist der hiesige Polizeichef Rundström, der sich jedoch als schlampiger Kriminalist erweist. Lindman nimmt eigene Ermittlungen auf. Rasch stellt er fest, dass er den langjährigen Freund offenbar nicht gut kannte. Warum änderte Molin schon vor geraumer Zeit seinen Namen? Und warum wurde sein Haus von einem Hochsitz aus beobachtet? Die Maklerin Elsa Berggren, von der Molin das Haus kaufte, hatte offenbar eine engere Beziehung zu ihm, über die sie sich jedoch ausschweigt. Nicht sehr redselig ist auch der Nachbar David Andersson, der im Gespräch plötzlich sehr nervös wird. Andersson konnte Molin auf den Tod nicht ausstehen. Worin diese Abneigung gründet, kann Lindman aber nicht mehr herausfinden, denn auch Andersson wird brutal ermordet. Während die Kollegen nach einem Zusammenhang zwischen den Taten suchen, stößt Lindman bei nochmaligem Durchstöbern von Molins Haus auf alte Dokumente, die seinen Freund als überzeugten Altnazi ausweisen. Mithilfe seines Kollegen Giuseppe Larsson stößt Lindman auf ein braunes Netzwerk, zu dem auch Molins sympathische Tochter Veronica gehört - und sogar sein eigener Vater war Mitglied dieser Organisation. Allein der Mord an Molin bleibt rätselhaft. Henning Mankells komplexer Politkrimi wurde 2004 sowohl von Urs Egger als auch von Stephan Apelgren verfilmt. Apelgren, der mit seinen stilvollen Adaptionen von Mankells Wallander-Romanen erfolgreich war, setzte auch schon den ersten Krimi des Bestsellerautors ohne den Kult-Kommissar spannungsreich und mit Gespür für Atmosphäre in Szene. Jonas Karlsson, bestens in Erinnerung aus der schrägen Liebeskomödie "Miffo - Da Braut sich was zusammen", verkörpert einen ganz eigenen, unverbrauchten Ermittlertyp.