












Kunst, Raub und Rückgabe - Vergessene Lebensgeschichten: Jaques Rosenthal

Mehr Bücher als die Bayerische Staatsbibliothek hatte das Antiquariat von Jacques Rosenthal (1854 bis 1937) Anfang des 20. Jahrhunderts. Rosenthal - aus dem Dorf Fellheim, bei Memmingen. Später als Antiquar in München international erfolgreich. Privat auch Kunstsammler.
Weil er Jude war, erteilten ihm die Nationalsozialisten in den 1930ern Berufsverbot. Urenkelin Emma Rosenthal lebt heute in Südengland. Sie hält die Erinnerung an die Familiengeschichte engagiert aufrecht.
Zum privaten Kunstbesitz von Jacques Rosenthal gehörte unter anderem das Gemälde "Bildnis eines jungen Mannes" von Friedrich von Amerling. Ein Restitutionsfall aus den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München. Amerling war Wiener und ist einer der bedeutendsten Porträtmaler in Österreich im 19. Jahrhundert.
Das 19. Jahrhundert, damals kam auch Jacques Rosenthal zur Welt. 1854, im Jahr des Krimkriegs, im selben Jahr, in dem die heute allseits bekannte österreichische Kaiserin Sissi "ihren" Franz Joseph heiratet und in Dublin der Schriftsteller Oscar Wilde geboren wird, beginnt im heute bayerisch-schwäbischen Dorf Fellheim der Lebensweg von Jacques Rosenthal.
Fellheim ist damals eine Gemeinde mit hohem jüdischem Bevölkerungsanteil. Gebildet und ambitioniert ist die jüdische Familie Rosenthal. Später verlässt man Fellheim, geht in die Großstadt, nach München. Das Antiquariat Rosenthal in der Münchner Brienner Straße steht heute weiterhin - wenn auch nur als Gebäude.
Jacques Rosenthal macht in den 1920ern von München aus gute Geschäfte als Antiquar, ist international tätig und hervorragend vernetzt. Er spricht englisch und französisch. Er verbringt beruflich Zeit in Paris, ändert in jener Lebensphase auch seinen Vornamen von ursprünglich Jakob in dann Jacques.
Die Brienner Straße ist zu Lebzeiten von Jacques die erste Adresse für Kunsthandlungen und Antiquariate in München. Im Alter von 28 Jahren heiratet er 1882 Emma Guggenheimer, Tochter eines Großhändlers. Das Ehepaar hat später zwei Kinder. Wie in wohlhabenden Familien damals nicht unüblich, legt man sich eine private Kunstsammlung zu.
Ein perfektes Leben, so wirkt es - und so war es vermutlich auch. Das dann durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten massiven Änderungen unterliegt.
Schon 1935 erhält Jacques Berufsverbot, weil er Jude ist. Das Ehepaar Rosenthal zieht in das vornehme Regina Palast Hotel um, nur wenige hundert Meter vom jetzt ehemaligem Antiquariat entfernt. In dem Münchner Hotel stirbt Jacques zwei Jahre später. Seine Familie flieht in die Schweiz.
Im Lauf der Jahrzehnte verteilt sie sich über verschiedene Orte der Welt - auch in den nachfolgenden Generationen sehr oft beruflich tätig als Antiquare, etwa Bernard - genannt "Barney" - Rosenthal in Berkeley (bei San Francisco), Albi Rosenthal in der englischen Universitätsstadt Oxford. In der Nähe von Oxford lebt heute Julia Rosenthal, die Tochter von Albi und Urenkelin von Jacques. Für den Film haben wir sie besucht. Jacques Rosenthal - Erinnerungen an eine wechselvolle und zugleich vergessen gewordene Lebensgeschichte.