Home sweet home

Home sweet home

Am 31. Mai 1997 begab sich Premierminister Tony Blair nur wenige Tage nach seinem haushohen Wahlsieg in die Sozialsiedlungen des Viertels Elephant and Castle, das nur wenige Kilometer von Downing Street entfernt in Südlondon liegt. Im damals größten Sozialwohnungskomplex Europas kündigte er sein Projekt zur Sanierung der benachteiligten Londoner Stadtviertel an. Seine Rede läutete eine neue Zeit ein, Gleichheit und soziale Gerechtigkeit sollten fortan oberste Prioritäten der Regierungspolitik sein. Die Bevölkerung war begeistert, denn endlich hatte die Thatcher-Ära ein Ende genommen, und die Zukunft erschien in strahlendem Licht. Das Hauptziel des Sanierungsvorhabens, des größten, das je in einem Londoner Viertel durchgeführt wurde, bestand in der Verbesserung des Lebensumfeldes der ursprünglichen Bevölkerung. Doch zwölf Jahre nach dem Start des Projekts ist den Heygate-Bewohnern jegliche Begeisterung abhandengekommen, denn ihre Bedürfnisse wurden in den Entwürfen für das blühende neue Stadtzentrum mit seinen attraktiven Wohnungen, Geschäften, Parks und Gartenanlagen offenbar vergessen. Zumal feststeht, dass hier keine einzige Sozialwohnung entsteht. Das in den fetten Börsenjahren erdachte Sanierungsvorhaben leidet unter den Auswirkungen der Finanz- und Immobilienkrise, die alle westlichen Hauptstädte zu spüren bekommen. Zwar wurden bereits ganze Häuserblöcke abgerissen, doch nun muss gebaut werden. Doch wie und mit welchen Geldern? Die Kassen der City sind leer, und die Stadtverwaltung muss das Potenzial dieser großen Fläche im Herzen einer der teuersten Städte der Welt optimal verwerten. Allmählich verdrängen die Gesetze des Marktes und der Spekulation die guten Vorsätze. Feinfühlig und mit typisch englischem Humor beleuchtet der Film die Entwicklung der Heygate-Siedlung, deren Einwohner um ihr Recht auf Wohnraum in ihrem alten Viertel kämpfen.

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