Druckfrisch

Druckfrisch

Das Erste Live-TV Das Erste 18.01., 23:35 - 00:05 Uhr
LiteraturD 30 Minuten 
Sendung aufnehmen

Geplante Themen:

- "Erebos 3" von Ursula Poznanski

Bereits zum dritten Mal lockt das Computerspiel Erebos den jungen Nick Dunmore in eine gefährliche Parallelwelt hinein, aus der es kein Entkommen gibt. Wie schon in den ersten beiden Teilen der Thriller-Reihe geht es um Leben und Tod.

Mit der Erebos-Reihe hat die österreichische Schriftstellerin Ursula Poznanski eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Jugendbuch-Serien überhaupt erschaffen. Die Bücher wurden in über 30 Sprachen übersetzt. Der zuletzt erschienene dritte Teil stieg direkt auf Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste ein und dürfte nicht nur junge Leserinnen und Leser gefunden haben. Wohl auch, weil Erebos dringende Fragen unserer digitalen Zeit stellt: Wozu sind KI-Systeme fähig? Und wie verleiten technische Systeme zu Überwachung und Manipulation? Eine mysteriöse KI steuert die Handlung, indem sie sich ungefragt auf die Monitore ihrer Spieler schaltet.

Auch Nick kann sich der Teilnahme an dem Spiel nicht erwehren. Aus dem einstigen Schüler ist inzwischen ein wenig erfolgreicher Fotograf geworden. Erebos erpresst ihn mit falschen Google-Rezensionen, die sein Geschäft vollends ruinieren könnten. Und so schlüpft er widerwillig in seine alte Gaming-Identität als Dunkelelf Sarius. Das Spiel schickt ihn und seine Mitstreiter auf eine mysteriöse Suche, die schon bald auch im ganz realen Leben zur Gefahr wird. Auf gewohnt süffig erzählte und phantasievolle Weise zieht Ursula Poznanski die Leserinnen und Leser immer tiefer in die rätselhafte Geschichte hinein und erschafft so einen Thriller, in dem die Grenzen zwischen Virtualität und Realität verschwimmen.

- "Die Frau als Mensch 2: Schamaninnen" von Ulli Lust

Die Geschichtsschreibung erzählt von Männern, heißt es. Doch die ersten bildlichen Darstellungen von Menschen in der Eiszeit zeigen die Figuren von Frauen. Das hat Ulli Lust in ihrem grandiosen Comic "Die Frau als Mensch" erklärt. Jetzt erscheint der zweite Band.

"In den Büchern, die ich las, erlebten die Männer die interessanteren Abenteuer. Ich war immer Siegfried und nie Kriemhild", heißt es gleich am Anfang des neuen Sachcomics von Ulli Lust. Dazu kämpft ein muskelbepackter Siegfried gegen den übermächtig erscheinenden Drachen. Unsere Städte, erzählt Lust weiter in Bild und Schrift, seien vollgestellt mit "Zeugnissen männlicher Omnipräsenz". Überall Statuen von militärischen Helden, großen Politikern und erhabenen Dichterfürsten. Doch erst seit Erfindung der Schrift dominieren Männer die Geschichte. Davor waren die Heldinnen weiblich. Das hat die österreichische Illustratorin Lust bereits im ersten Band nachgewiesen und mit ihrem Comic den deutschen Sachbuchpreis 2025 gewonnen. Wohlgemerkt: keinen Comicpreis, sondern die Auszeichnung für das beste deutschsprachige Sachbuch. Eine Premiere für das Genre.

Tatsächlich beweist Ulli Lust auf beeindruckende Weise, was Comics oder Graphic Novels alles leisten können. In ihren Werken kombiniert sie inzwischen seit Jahrzehnten inhaltliche Tiefe mit zeichnerischer Phantasie und führt ihre Recherchen so in eine neue erzählerische Dimension. Auch der neue Band, der von der prägenden Rolle von Schamaninnen in der Menschheitsgeschichte erzählt, verbindet wieder viele überraschende Erkenntnisse der Archäologie und Anthropologie mit dem humorvoll-leichten Strich ihrer Comic-Bilder.

- Empfehlung von Denis Scheck: "Tagebücher der Jahre 1957-62" von Arno Schmidt

Am 18. Januar 2026 wäre er 112 Jahre alt geworden: Arno Schmidt, der wichtigste Schriftsteller der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur, findet Denis Scheck und empfiehlt seine Tagebücher.

Warum ist Arno Schmidt der wichtigste Literat der Nachkriegs-BRD? Weil er als Reaktion auf seine Kriegserlebnisse einen ganz eigenständigen Stil schuf. Eine radikal individualistische Schreibweise, die der jungen Bundesrepublik prächtig zu Gesicht stand. Schmidt war der schärfste Kritiker von restaurativen und klerikal-faschistischen Tendenzen in Adenauer-Deutschland, der unheiligen Allianz von "Thron & Altar", wie er das nannte. Schmidt besaß dabei den gerechtesten Blick für die junge DDR. Und auch heute gelesen, stellt seine Literatur einen Ausbund an Scharfsinn und Wortwitz dar, an zärtlichsten Naturschilderungen und derbsten Kalauern, ein Kondensat an Witz und Geist, wie es für die ersten Jahrzehnte der BRD einmalig war.

Nun sind seine Tagebücher aus den Jahren 1957 bis 1962 erschienen, herausgegeben von Susanne Fischer - die einzigen aus Arno Schmidts Feder. Diese Tagesmitschriften sind würdig und wert, findet Denis Scheck, neben die Tagebücher Thomas Manns gestellt zu werden. Und wie diese lösen sie zunächst Erschrecken aus: über die Einsamkeit, die Verbitterung, aber auch über die Rechthaberei ihres Autors. Über seine Eitelkeit, seine Verbohrtheit, seine Menschenfeindschaft. Über das Menschenopfer, das er von seiner Ehefrau Alice für sich und sein Werk verlangt. Alice ist viel weniger misanthropisch als er, doch Arno verordnet Bücherfrust statt Lebenslust! Schmidt selbst schrieb dazu hellsichtig: "Das Werk also funkelt: den schäbigen Rest, den Autor selbst nämlich, besieht man sich besser nicht!" Wer etwas über den hohen Preis großer Kunst fürs Leben erfahren möchte, hier ist er an genau der richtigen Adresse.

Außerdem in "Druckfrisch": Joasihno - neue Popmusik aus Bayern. Und: Denis Schecks erfrischend pointierte Revue der Spiegel-Bestsellerliste, diesmal Sachbuch.

Jetzt Das Erste einschalten

Bewertung

5,0   2 Stimmen