ARTE Reportage

ARTE Reportage

ARTE Live-TV ARTE 18.09., 01:10 - 02:05 Uhr
ReportageF / D 201955 Minuten 

China - Kein Hauch von Jasmin:
Überall darf Umsturz sein - aber nicht in China: Die Volksrepublik mit der Kommunistischen Einheitspartei hält ihre 1,3 Milliarden Menschen politisch fest im Griff - so fest, dass man darin wiederum die Furcht der Machthaber zu erkennen glaubt, dass auch ihre Zeit einmal zu Ende gehen könnte.
Für die Angst der da oben gibt es noch andere Hinweise: Etwa den, dass das Wort «Jasmin», das Symbolwort der arabischen Revolten, von allen Internetseiten in China verbannt wurde. Und das Fernsehen berichtet kaum über die Umstürze in der arabischen Welt. Jeder kleine Solidaritätsbeweis für die arabischen Revolten wird von den Ordnungskräften im Keim erstickt. Wenn etwa Blogger zu einer kleinen leisen Demonstration in einer der großen Städte Chinas aufrufen, dann finden sich die wenigen mutigen Marschierer sofort von einem Heer von Polizisten umstellt.
An einem Samstag Anfang April etwa, verhinderten als Straßenkehrer verkleidete Ordnungskräfte erfolgreich, dass ausländische Journalisten eine Demonstration auf einer der großen Straßen Pekings filmen konnten - ohnehin ist es für die ausländische Presse streng verboten, in Peking ohne Genehmigung zu drehen. Die wenigsten Dissidenten sind noch frei und in der Lage, sich zu äußern und die, die sich trotzdem trauen, riskieren noch eine Gefängnisstrafe. Natürlich gibt es die Redefreiheit im China - aber nur für die Phrasen der offiziellen Machthaber, die Mitglieder der Partei.
Eigentlich wäre der ganze Aufwand, das Volk still zu halten, nicht nötig: Die Chinesen wissen, was eine Revolution bedeutet und sie kennen den Preis, der dafür zu zahlen ist: Tote, Hunger, Repression - das war einmal in China. Statt romantischer Gefühle im Angesicht der Revolution der Massen bevorzugen sie die neue Stabilität durch das Wirtschaftswachstum. Die Chinesen sind Pragmatiker geworden und sind sehr materialistisch eingestellt. Sogar die Opposition im Lande konstatiert, dass dieses keine Zeiten für Revolten sind im Land. Aber sie hoffen, dass das Beispiel der Veränderungen in der arabischen Welt den Chinesen Anstöße gibt: in Richtung einer Evolution für mehr Recht und Gerechtigkeit. Aber so weit ist es noch längst nicht im Reich der Mitte...

Marokko - Die leise Revolte:
Ein paar von ihnen studieren noch, andere sind bereits arbeitslos - das klingt zynisch, ist aber zugespitzt die Realität für viele junge Leute in Marokko. Sie finden keine Arbeit, die ihrer Qualifikation entspricht. Lange haben sie ihre Enttäuschung darüber runter geschluckt - jetzt reicht es ihnen, sie formieren sich zu einer Protestbewegung.
Am 20. Februar gingen sie zum ersten Mal gemeinsam auf die Strasse und dieses Datum ist nun auch zum Namen ihrer Bewegung geworden. Ihr Protest ist nicht vergleichbar mit dem der jungen Leute in Tunesien oder in Ägypten - noch wollen sie nicht die Absetzung des Königs, aber sie verlangen von ihm und von der Regierung, die Reichtümer des Landes besser zu verteilen, damit sie ihren Anteil daran mit einer angemessenen Arbeit auch verdienen können.
Die Journalisten aus dem Westen und auch die marrokanische Presse haben bislang wenig Notiz genommen von dieser Jugend in ihren Vierteln. Lange blieben sie still und genügsam, ihrem Schicksal ergeben. Inzwischen unterstützen sogar eine Handvoll Unternehmer ihre Forderungen - die ARTE-Reporter trafen in Casablanca junge Marrokaner, die dabei sind, ihr Land zu verändern.

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