Am Schauplatz: Im Beisl am Eck

Am Schauplatz: Im Beisl am Eck

ORF 2 ORF 2 11.04., 01:35 - 02:25 Uhr
Reportage50 Minuten 

Ein journalistischer Blick in eine kleine Wiener Welt, wo die Zeit stillzustehen scheint.

In einer Welt, die sich viel zu rasch ändert, ist das kleine Beisl am Eck ein letzter Zufluchtsort. Für seine aktuelle Milieustudie trifft Am Schauplatz-Reporter Ed Moschitz in den kleinen Lokalen auf jene, die ihr aktuell schwieriges Leben bei einem Glas Wein oder Bier leichter ertragen. Dabei macht sich ein besonderes Wohlgefühl in den Alt-Wiener Beisln breit und es scheint, als wäre die Zeit hier irgendwann in den 70er oder 80er Jahren stehen geblieben.

Herr Christian, 55, sitzt seit eh und je auf seinem Stammplatz an der Theke im Kult Beisl in Wien Favoriten: "Das ist meine Familie". Zwar habe sein Leben schon seit langem keinen Aufschwung mehr erlebt, doch er bleibe trotzdem täglich bis zur Sperrstunde. Dass seine Frau ihn längst verließ und er kürzlich auch die Arbeit verlor, tue seiner Zuneigung zum Stamm Beisl keinen Abbruch.

"Ein paar Jahre im Gefängnis", hat Herr Robert, 59, schon hinter sich. Angeblich wegen Gewaltdelikten. Die Tätowierungen im Gesicht hätte er jedoch nur machen lassen, weil sein Bruder starb: "Um ein Zeichen zu setzen". Als Reaktion auf die heutige Jugend, bei der es keinen Zusammenhalt mehr gäbe: "Die wollen nur studieren, brauchen aber eigentlich mehr Strenge und Härte", wie er im Markt-Beisl erklärt.

"Die im Parlament verdienen viel zu viel und uns bleibt nichts", schimpft Roman, 55, und Gabi, 56 im Kult Beisl, in Wien Favoriten. Beide haben ihr Leben lang hart gearbeitet, sind sie sicher. Sie als Kindergärtnerin, er als Glaser. Heute reiche ihr gemeinsames Geld kaum mehr bis zum Monatsende: "Wären wir nicht so von Ausländern überrannt würde es uns allen hier besser gehen".

Herr Abdulla, 50, hingegen ist schon als junger Mann nach Österreich geflüchtet. Ganze fünf Mal hat die Behörde den damals illegal beschäftigten Bauarbeiter wieder in sein Heimatland abgeschoben. Der Mazedonier jedoch hat nicht lockergelassen und ist immer wieder gekommen. Meist nachts durch den Wald, ohne Papiere und ohne Geld. Mehr als 30 Jahre später ist er zwar auf dem Papier Österreicher, für die anderen im Beisl blieb er "der Yugo". Der "Lieblings Yugo" wie der Wirt im Cafe Albatros korrigiert: "Abdulla hat schon vielen von uns die Wohnung renoviert".

Bald im TV

Demnächst Live auf TV.de

Bewertung

0,0   0 Stimmen

Bildquellen: ORF