22:15
Britta erhält mit 56 Jahren die Diagnose Alzheimer, zwei Jahre ist das her. Ein Schock, denn sie weiß, dass die Krankheit unheilbar ist und sie mit jedem Tag ein Stück ihres Leben verliert. Britta gehört zu den rund einhunderttausend Betroffenen in Deutschland, die an Frühdemenz erkrankt sind, also bei der Diagnose unter 64 sind. Der Befund hat sie aus dem Leben gerissen. Auch ihre Familie ringt damit, dass ihr Weg ins Vergessen unausweichlich ist. "Ich kann damit hadern oder damit leben." Eine andere Wahl hat Britta nicht. Die Mutter von vier Kindern ist an Alzheimer erkrankt, seit zwei Jahren weiß die 58-Jährige das. Zuerst tippten die Ärzte auf einen Burn-out und schickten sie zur Kur. Doch ihr Zustand besserte sich nicht. Schließlich brachte eine Gehirnwasseruntersuchung Klarheit. Die Diagnose ist nicht nur ein großer Schock, er verändert ihr bisheriges Leben schlagartig und für immer. Ihren geliebten Beruf als Lehrerin musste sie aufgeben. Nun sitzt sie zu Hause und leidet darunter, nicht mehr gebraucht zu werden. Die meiste Zeit wartet sie darauf, dass ihr Ehemann Stefan von der Arbeit kommt. Für Stefan eine schwierige Situation: Wie soll es weitergehen? Er arbeitet zwar nur noch bis 14 Uhr, den halben Tag aber ist sie allein. Er will gemeinsam mit ihr entscheiden, wie ihre Betreuung in Zukunft organisiert werden und ob sie in ihrem Zuhause in Eckernförde bleiben kann. Doch Gespräche darüber blockt sie ab, obwohl sie weiß, dass sie nicht mehr so viel Zeit hat, selbst Entscheidungen zu treffen. Die früher selbstständige und unternehmungslustige Frau wird immer abhängiger von der Hilfe anderer. Einkaufen und Kochen kann sie nicht mehr. Auch spontane Ausflüge mit ihrem kleinen Bus gehören der Vergangenheit an, denn sie darf nicht mehr selbst fahren. Britta versucht, der Krankheit positive Seiten abzutrotzen. Momente des Glücks erlebe sie viel intensiver als früher, sagt sie. Sie lacht darüber, dass sie einen Streit mit Stefan sofort wieder vergisst. Stolz macht sie ein Bilderbuch für ihre Enkelkinder über eine Schafsfamilie und die "Elfe Dementia", die Gedanken in Feenstaub verwandelt. Britta hat das Buch selbst geschrieben, illustriert und verlegt, sie präsentiert es in Stadtbüchereien und Altenheimen. Damit möchte sie über Alzheimer aufklären und der Krankheit den Schrecken nehmen. Für dieses Engagement wurde sie von der Hertie-Stiftung ausgezeichnet. Doch die schlechten Tage häufen sich. "Manchmal weiß ich gar nicht mehr, ob ich etwas gesagt oder nur gedacht habe." Das macht ihr Angst. Sie spürt die Verluste und weint manchmal bitterlich, weil sie weiß, dass sie ihre Kinder, Freunde und ihren geliebten Mann verlieren wird und nichts dagegen tun kann. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache für Demenz und unheilbar. Insgesamt leben in Deutschland rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenz. Neben älteren Betroffenen gibt es auch viele jüngere Erkrankte: Rund 100.000 Menschen zwischen 45 und 64 Jahren sind von einer Frühdemenz betroffen. Diese Altersgruppe trifft die Diagnose besonders hart, weil sie noch mitten im Berufsleben steht. Auch fehlt es an Versorgungsstrukturen für jüngere Erkrankte: Pflege- und Betreuungsangebote sind fast ausschließlich auf ältere Menschen ausgerichtet, was oft zu massiver Isolation und Frustration führt. "37°" wirft aus Brittas Perspektive einen Blick auf die Krankheit. Wie erlebt sie den Verlust ihrer kognitiven Fähigkeiten? Wie bereitet sie sich auf den Tod vor? Und wie gehen Stefan und ihre Kinder mit diesem Weg ins Vergessen um?
22:45
Wir nennen es Sommerwetter. Doch extreme Hitze ist eine Naturkatastrophe auf Raten. Der Hitzesommer 2026 macht deutlich, wie dringend Schutzmaßnahmen sind. Ausgetrocknete Flüsse, Waldbrände und mehr als 10.000 Hitzetote allein in Deutschland: Harald Lesch zeigt, wie es zu diesem außergewöhnlichen Sommer kam und welche Lösungen die Wissenschaft für die Zukunft bereithält. Der Sommer 2026 schreibt Geschichte: Mit mehreren Hitzewellen, wiederholten Tropennächten und Rekordtemperaturen jenseits der 40 Grad Celsius erlebt Westeuropa den heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. In "Terra X Harald Lesch: Jahrhunderthitze - Die stille Gefahr" geht Harald Lesch der Frage nach, warum Hitze zu den gefährlichsten und zugleich meist unterschätzten Naturgefahren unserer Zeit geworden ist. Denn eines ist sicher: Wir müssen uns auf weitere Hitzesommer einstellen. Kein Kontinent erwärmt sich im Zuge der Klimakrise so schnell wie Europa. Entscheidend ist deshalb, wie wir auf diese Entwicklung reagieren. Schließlich stellt extreme Hitze schon heute ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Gemeinsam mit der Umweltmedizinerin Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann beleuchtet Harald Lesch die Folgen extremer Hitze für den menschlichen Körper. Wie kommt es zu den hohen Todeszahlen? Wie hoch könnte die Dunkelziffer sein? Und vor allem: Wie können wir Menschen künftig besser schützen? Für viele lautete die Antwort in diesem Sommer: Klimaanlage. Doch ausgerechnet sie hat eine schlechte Klimabilanz. Es gibt aber auch nachhaltige, effizientere Alternativen. Gemeinsam mit Prof. Thomas Auer, Professor für Gebäudetechnologie und klimagerechtes Bauen, blickt Harald Lesch auf innovative Ansätze für die Zukunft. Wie können wir Gebäude und Städte so gestalten, dass sie auch in einer zunehmend heißen Welt lebenswert bleiben? Auch an der Natur geht die Hitze nicht spurlos vorbei: Waldbrände werden in Europa immer häufiger und intensiver und führen zu einem Phänomen, das es hier erst seit ein paar Jahren gibt: dem Pyrocumulonimbus - einer Feuerwolke, die weitere Waldbrände entfachen kann. Nach dem Hitzesommer ist vor dem Hitzesommer: "Terra X Harald Lesch" zeigt, warum jetzt die Zeit ist, sich vorzubereiten, um mit den Folgen künftiger Hitzekatastrophen besser umgehen zu können.
23:15
- Jan van Aken, Ex-Linken-Vorsitzender Er nimmt Stellung zur möglichen Regierungsbeteiligung der Berliner Linken unter Elif Eralp und zur Frage, wie konsequent sich seine Partei von Extremismus und Antisemitismus abgrenzt. - Martin Hikel, SPD-Politiker Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln äußert sich zum schwierigen Kampf gegen die Clankriminalität. Und er erläutert seine Zweifel an der Regierungsfähigkeit der Berliner Linken. - Gordon Repinski, Journalist Nach dem letzten Wahlwochenende ordnet der politische Chefanalyst von "Politico" und "Die Welt" die aktuelle Situation in CDU/CSU und der SPD ein. - Monika Schnitzer, Ökonomin Die Wirtschaftsweise spricht über den enormen Reformdruck in Deutschland. Sie erläutert ihre Kritik am Tankrabatt und zeigt auf, welche alternativen Entlastungsmaßnahmen sie für sinnvoll hält.