16:25
DDR 1984: Im Umfeld einer katholischen Oberschule kommt es zu einem brutalen Mord. Die Crime-Doku fragt: War ein Geistlicher der Täter? Die Ermittlungen bringen Erstaunliches zutage. Tötungsdelikte im persönlichen Nahfeld gibt es auch in der DDR. Und nicht immer sind Männer die Täter in Beziehungsstraftaten. Dass auch Frauen kaltblütig und mit Brutalität morden können, zeigt diese Folge. Doch verfolgt die Polizei dabei die richtige Spur? Im Frühjahr 1975 verschwindet Ralf S. aus Wolmirstedt spurlos. Weil sein Wohnort nahe an der deutsch-deutschen Grenze liegt, vermutet die Polizei, dass er aus der DDR geflüchtet ist. Der Fall wird als Republikflucht zu den Akten gelegt. Erst neun Monate nach seinem Verschwinden finden drei Lehrlinge im Wald die zerstückelte Leiche von Ralf S. - dass seine Frau dahinterstecken könnte, ist für die Fahnder lange unvorstellbar. Mit der Dokumentation "Mysteriöse Kriminalfälle der DDR - Toxische Begierde" widmet sich ZDFinfo vier dramatischen DDR-Kriminalfällen aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Alle diese Fälle haben eines gemeinsam: Es handelt sich um Beziehungs- oder Sexualstraftaten. Der Film zeigt in nachgestellten Szenen, Archivbildern und Originaldokumenten besonders spektakuläre DDR-Kriminalfälle. Berichte von Experten, Zeitzeugen und der Opfer werfen neues Licht auf die Ermittlungen. Kapitalverbrechen in der DDR wurden fast immer vertuscht - die Staatsführung wollte ihren Bürgern vorgaukeln, dass der Sozialismus keine Straftaten kennt. Doch auch im SED-Staat wurde gemordet, geraubt und betrogen.
17:10
In der DDR soll es keine Gewaltverbrechen geben, das passt nicht zum sozialistischen Menschenbild. Als in Berlin mehrere Kinder ermordet werden, steht die Volkspolizei unter enormem Druck. Die Suche nach dem Serientäter wird zum Wettlauf gegen die Zeit. Ehemalige Ermittler und Zeitzeugen rekonstruieren diesen und drei andere Mordfälle aus den letzten Jahren der DDR. Dabei zeigt sich: Die Aufklärung wird oft behindert, Täter bleiben lange unentdeckt. In den letzten Jahren der DDR geschehen Verbrechen, die das Bild vom sicheren und friedlichen Sozialismus nachhaltig erschüttern. Mitten in Berlin, im Prenzlauer Berg, sterben Ende der 1980er-Jahre drei Kinder, alle auf ähnliche Weise. Die Spuren führen zu einem verurteilten Sexualstraftäter. Im SED-Staat gibt es für Täter wie ihn keine spezielle Therapie - nur Strafen wie Umerziehung durch Arbeit, Disziplin und ideologische Beeinflussung. Die Rückfallquote ist hoch. Als die Ermittler den Täter stellen, setzen sie ihn unter Druck - er gesteht die Taten. Doch nach der Wende gelten die Aussagen als unverwertbar. In Halle-Neustadt wird ein Seemann erschlagen. Die Ermittler glauben an einen Mord unter Brüdern aus Eifersucht, der Täter wird verurteilt. Doch es bleibt nicht bei diesem einen Todesfall. Eine Frau und ihr Kind sterben, später ein weiterer Mann. Erst nach Jahren wird klar: Es ist immer derselbe Täter. Und er lebt mittendrin im Plattenbau, während ein Unschuldiger für den Mord am Matrosen seit Jahren in Haft sitzt. In Großbeuthen bei Potsdam verschwindet 1986 eine 17-jährige Schülerin. Tage später wird ihre Leiche gefunden. Ein Verdächtiger passt ins Täterprofil, aber ein Laborfehler entlastet ihn. Der Mord bleibt über Jahrzehnte ungeklärt. Bis mit moderner Forensik und neuen Ermittlungen der Mord endlich aufgeklärt wird. In der Lausitz verbrennen eine Mutter und ihre beiden Töchter in einem Trabant. Der Ehemann überlebt und behauptet, es sei ein Autounfall gewesen. Die schwer verletzte Ehefrau bringt die Ermittlungen in Gang. Kurz bevor sie stirbt, kann sie der Notärztin die Wahrheit sagen. Doch ein Gericht hat Zweifel an den Ermittlungsergebnissen. Erst ein aufwendiges Brandgutachten bringt Gewissheit. Die Dokumentation folgt Ermittlern und Zeitzeugen, die die Wahrheit Schritt für Schritt rekonstruieren. Sie zeigt Verbrechen, die nicht ins Menschenbild des Sozialismus passen. Archivmaterial und Originalakten geben Einblick in eine Realität, die das Regime lieber verborgen hätte. Öffentliche Berichte über Schwerstkriminalität hatten in der DDR Seltenheitswert - zum Schutz des Volkes und des Landes. Doch auch im Sozialismus wurde gemordet, geraubt und betrogen.
18:00
Vertuscht, verschleppt, verschleiert: Weil das DDR-Regime die Wahrheit fürchtet, sterben Säuglinge in einer Klinik, landet ein Unschuldiger im Gefängnis, und ein Mordfall bleibt ungeklärt. Politische Interessen, Geheimhaltung und strukturelle Abhängigkeiten behindern die Ermittlungen in drei DDR-Mordfällen aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Viel zu spät gelingt es, Spuren nachzugehen und Unschuldige zu entlasten. Zwischen 1985 und 1986 sterben in der Städtischen Frauenklinik in Leipzig kurz nach der Geburt mehrere Säuglinge. Die Todesfälle bleiben zunächst ungeklärt. Die Sonderkommission der Staatssicherheit übernimmt die Ermittlungen. Die Spuren führen zu einer jungen Krankenschwester, Simona K. Eine Serienmörderin im staatlichen Gesundheitssystem? Für die DDR-Führung ein politischer Albtraum. Der Fall wird zur Chefsache des Ministeriums für Staatssicherheit. Stasichef Erich Mielke persönlich ordnet an: Alle Ermittlungen werden unter Verschluss gehalten. Denn der Ruf des sozialistischen Gesundheitssystems muss bewahrt werden. Die Krankenschwester wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit angeklagt und verurteilt. Die betroffenen Eltern erfahren erst nach der Wende, was wirklich geschehen ist. 1978 kommt es in Burgkemnitz zu einem brutalen Mord an Anneliese W. Ihr Ehemann hatte sie als vermisst gemeldet, nachdem sie von einem Betriebssportfest nicht nach Hause kam. Später wird ihre Leiche von Spaziergängern in einem Wald gefunden, der an das Sperrgebiet der sowjetischen Armee angrenzt. Ein Fährtenhund führt die Polizei bis vor das Tor der sowjetischen Kaserne. Alles deutet darauf hin, dass sowjetische Soldaten in den Mord verwickelt sind. Doch diese unterstehen der sowjetischen Kommandantur, den DDR-Ermittlern sind die Hände gebunden. Dann wird die Kripo auf den 21-jährigen Dachdeckergehilfen Rüdiger T. aufmerksam, er gesteht den Mord, trotz widersprüchlicher Aussagen und offener Fragen. Die Spur, die zu den sowjetischen Soldaten führt, bleibt mysteriös. Als 1979 die junge Krankenschwester Karin G. ermordet aufgefunden wird, übernimmt die Stasi-Sonderkommission die Ermittlungen. Karin G. aus Grevesmühlen ist die Tochter eines Oberleutnants der Volkspolizei. Unter Verdacht gerät sofort der Musiker Werner Engler, er ist der Geliebte des Opfers. Er hat ein Alibi, doch in den Vernehmungen wird er unter Folter zu einem Geständnis gezwungen. Hinweise auf den Volkspolizisten Horst K. als mutmaßlichen Mörder verschwinden dagegen in den Akten. Erst nach der Wende deckt ein Ermittler die Wahrheit auf und kommt dem echten Täter auf die Spur. Die drei dramatischen DDR-Kriminalfälle aus den 1970er- und 1980er-Jahren zeigen, wie die Staatssicherheit Verbrechen vertuscht hat. Experten, Zeitzeugen, Historiker und Psychologen analysieren die Ermittlungsarbeit und die staatliche Geheimhaltung im SED-System. Öffentliche Berichte über Schwerstkriminalität hatten in der DDR Seltenheitswert - zum Schutz des Volkes und des Landes. Doch auch im Sozialismus wurde gemordet, geraubt und betrogen.
18:45
DDR, 1978. Zwei Familien halten die Repressionen des SED-Regimes nicht länger aus. Ihr waghalsiger Plan: Sie wollen mit einem selbst gebauten Heißluftballon in den Westen fliehen. Doch keiner von ihnen hat Erfahrung mit Luftfahrt. Und wie sollen sie unbemerkt an rund 800 Quadratmeter Stoff gelangen? In einem Staat, in dem die Stasi jeden Schritt der Bürger überwacht. Trotz aller Risiken wollen es die befreundeten Familien versuchen. Die Freunde Günter Wetzel und Peter Strelzyk sind Elektromechaniker und beginnen, heimlich zu tüfteln. Ballonhülle, Gondel, Gebläse, Brenner - alles entsteht in improvisierter Eigenarbeit, ohne jegliche Vorkenntnisse. Der Ballon muss groß genug sein, um die zwei Familien mit vier Kindern lange genug zu tragen, damit sie die Grenze überfliegen und sicher im Westen landen können. Die Eltern verschweigen ihren Kindern den Plan. Denn selbst im Kindergarten könnten Spitzel sitzen; jede Andeutung wäre lebensgefährlich. Nach Monaten voller Angst, Rückschlägen und mühseliger Bauarbeit ist es schließlich so weit: Der Ballon steht. Doch kurz nach ersten Tests wächst die Furcht, entdeckt worden zu sein. In letzter Minute zerstören die Familien ihre eigene Konstruktion. Während die Wetzels ihr Fluchtvorhaben aufgeben, arbeiten die Strelzyks im Geheimen weiter. Ein zweiter Ballon entsteht - größer, stabiler, noch sorgfältiger gebaut. Und eines Nachts ist die Gelegenheit da: günstiger Wind, völlige Dunkelheit. Die Strelzyks steigen ein und heben ab. Zwanzig Minuten später beginnt der Ballon zu sinken. Der Absturz in einem Waldstück endet abrupt. Waren sie lange genug in der Luft, und haben sie es über die Grenze geschafft? Die zweiteilige ZDFinfo-Dokumentation rekonstruiert eine der spektakulärsten Fluchtgeschichten aus der DDR - und erzählt von Mut, Verzweiflung und der unbedingten Sehnsucht nach Freiheit.
19:30
Sommer 1979. Fliegt der Fluchtplan der Familie Strelzyk auf? Mitten im Sperrgebiet stürzt ihr Ballon an der innerdeutschen Grenze ab. Gelingt es ihnen, von der Stasi unentdeckt zu bleiben? In panischer Angst erreichen sie ihr Auto und fahren nach Hause. Dort versuchen sie, ihren Alltag wieder aufzunehmen, als sei nichts geschehen. Doch längst hat die Stasi den abgestürzten Ballon im Wald gefunden. Die Lage spitzt sich zu. Sofort beginnt eine groß angelegte Fahndung. Nach dem gescheiterten Versuch schließen sich die beiden befreundeten Familien erneut zusammen. Sie wagen einen letzten Fluchtversuch: Ein neuer Ballon muss her. Günter Wetzel näht Nacht für Nacht an der riesigen Hülle, während Familie Strelzyk Material beschafft und die Ballonkonstruktion baut. Am 15. September 1979 kündigt der Wetterbericht endlich günstigen Wind an. Jetzt zählt jede Minute. Günter Wetzel näht die letzten Stoffbahnen; Peter Strelzyk belädt das Auto. Es ist der Moment der Entscheidung: jetzt oder nie. Auf einer Lichtung im Thüringischen Wald richten sie den Fluchtballon auf. Während der Startvorbereitungen fängt der Ballon Feuer - doch die Familien brechen nicht ab. Der Heißluftballon hebt tatsächlich ab, mit allen acht Personen an Bord. Während des Aufstiegs geraten sie in den Lichtkegel eines Grenzwachturms. Unter den Soldaten, die sie entdecken, ist auch Peter Richter. Er richtet den Scheinwerfer direkt auf den Ballon und schlägt Alarm. Kurz darauf wird der Verteidigungsminister der DDR informiert. Die zweiteilige ZDFinfo-Dokumentation rekonstruiert eine der spektakulärsten Fluchtgeschichten aus der DDR - und erzählt von Mut, Verzweiflung und der unbedingten Sehnsucht nach Freiheit.
20:15
Die Dokumentation "DDR - die entsorgte Republik" zeichnet die historischen Monate zwischen Oktober 1989 und Oktober 1990 nach und zeigt die politischen Entwicklungen nach dem Mauerfall. Sie geht der Frage nach, warum anschließend nur der Anschluss der DDR an die Bundesrepublik ernsthaft verfolgt wurde - und nicht die Gründung eines neuen deutschen Staates mit einer neuen Verfassung. Die Anwendung von Artikel 146 des Grundgesetzes hätte eine neue deutsche Verfassung zur Folge gehabt. Das wollte Helmut Kohl verhindern. Lothar de Maizière, Gregor Gysi, Rudolf Seiters und Horst Teltschik enthüllen die historischen Hintergründe und erklären den hastigen Sprint zu Einheit. Für Oskar Lafontaine hat die Entscheidung wahltaktische Gründe, Hans Modrow hingegen spricht von "Betrug".
21:15
Der Mauerfall bringt für politische Gefangene der DDR die Freiheit. Doch in den Wirren der Wendezeit kommen auch Gewalttäter frei. Ein fataler Fehler, denn manche werden rückfällig. Die Justiz- und Strafsysteme von BRD und DDR müssen für die Wiedervereinigung aneinander angepasst werden. In kürzester Zeit entscheiden die Verantwortlichen: Wer ist zu Unrecht verurteilt worden? Welche Urteile müssen neu bewertet werden, und wer kommt frei? Elf Monate liegen zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung. Die Politik steht vor einem gewaltigen Berg an Arbeit und unter einem enormen Druck, dem Ruf nach Freiheit nachzukommen. Mit der friedlichen Revolution im Oktober 1989 kommen in einer ersten Amnestie Tausende politische Gefangene aus den DDR-Gefängnissen frei. Doch es folgen auch Gewalttäter, die von den Straferlassen profitieren. Mithilfe von individuellen Begnadigungen, weiteren Amnestien oder neu bewerteten Urteilen können auch diese Täter ihr Leben im wiedervereinigten Deutschland in Freiheit beginnen. Herbert M. ist einer dieser Täter, die freikommen und dann rückfällig werden. Nachdem er bereits in der DDR zwei Menschen getötet hat, tötet er in der Silvesternacht 1991/1992 wieder. Diesmal fallen ihm zwei junge Schwestern zum Opfer, auf die er eigentlich aufpassen sollte. Stephan Harbort, Profiler und Experte für Serienmörder, beschreibt den Tätertypus als "Wendemörder". Gründe für ihre Rückfälle nach der Wiedervereinigung sieht er zum einen in ihrer stark abnormen Persönlichkeit, die nicht therapiert wurde. "Auf der anderen Seite geraten gerade diese Menschen in gesellschaftliche Verhältnisse, die sie nicht kennen und im Grunde genommen auch ablehnen, und das kann nicht gut gehen."
22:15
Sommer 1989: Der Mauerfall steht kurz bevor. Erich Honeckers letzter Abiturjahrgang startet ins Erwachsenenleben und erlebt dabei den kollektiven Bruch, der alle bis heute prägt. Luckenwalde, Brandenburg. Dort treffen sich 35 Jahre nach dem Mauerfall Abiturientinnen und Abiturienten der ehemaligen Lenin-Oberschule, dem heutigen Friedrich-Gymnasium. Sie reflektieren über ihr Leben und ihren Werdegang mit einer Jugend in der DDR. Abi 89 bedeutet für sie Aufbruch im Umbruch. Gerade noch die Elite der Stadt - nur etwa 40 Schülerinnen und Schüler wurden zum Abitur zugelassen -, werden sie aus den verschiedensten Perspektiven zu Teilnehmern der größten friedlichen Revolution in der Geschichte Europas. Jeder und jede von ihnen hat einen ganz eigenen Blick auf diese doppelt prägende Zeit und das Aufwachsen in der DDR. Johanna erlebt ihre Kindheit in Luckenwalde als behütet und schön. Sicherheit und Geborgenheit prägen ihr Umfeld, bestärkt durch die Kinder- und Jugendorganisationen der DDR. Sie gaben Raum für Gemeinschaft, aber auch die geistige Grundlage für den kommunistischen "Klassenkampf", den viele Heranwachsende zunächst auch nicht infrage stellten. Britt träumt 1989 von einem Germanistikstudium. Von Parteifunktionären als zu rebellisch und pro-westlich verortet, bleibt ihr dieser Traum in der DDR verwehrt. Sie flieht über Prag nach Bamberg, wo sie bereits im Oktober 1989 das Studium aufnimmt. Sie hat einen überraschenden Blick auf den Mauerfall. Mitschüler Marco steht als Offiziersschüler der DDR am Bahnhofsvorplatz in Dresden, während Britts Zug gen Westen fährt. Marco soll "konterrevolutionäre Kräfte" vom Bahnhof fernhalten. In dem 19-jährigen, systemtreuen Polizeianwärter wachsen Zweifel, ob er auf der richtigen Seite steht. Ab 1990 verteidigt er das Rechtssystem der BRD, ist heute Polizist in Potsdam. Pfarrerstochter Angelika kennt die Schattenseiten des DDR-Systems aus dem täglichen Leben. Über ihren Vater erlebt Angelika Freiheit als ein großes, aber auch den DDR-Kommunismus gefährdendes Gut. Kirche ist in der DDR auch Schutzzone und Fluchtort für Andersdenkende und wird so zum Quell und Multiplikator der Widerstandsbewegung. Sportlerin Silke wird vom System der DDR umgarnt. Bereits in Grundschulen wird gezielt nach Sporttalenten gesucht, die der DDR internationale Erfolge liefern könnten. Silke zählt dazu. Im Sportinternat in Potsdam genießt sie Privilegien. Sie wird mit Sportkleidung (aus dem Westen) ausgestattet, hat Zugang zu Südfrüchten und anderen Extras, die im Arbeiter- und Bauernstaat sonst wenig verfügbar waren. Bevor sie ins Doping-Programm hätte starten müssen, wird sie "ausgemustert" - sie entsprach nicht mehr den strengen Normen des DDR-Sportförderprogrammes. Alexander ist in der 7. Klasse noch ein Mitschüler von allen. Doch er erlebt die Wende schon von der anderen Seite der Mauer. 1981 flieht sein Vater. Als Schiffsarzt geht er im Westen von Bord. Alexander, seine Mutter und sein Bruder bleiben im Osten zurück, wo sie mit dem Berufsverbot der Mutter, Enteignung und häufigen Stasi-Befragungen konfrontiert sind. Seiner Mutter gelingt es, die Kindheit ihrer Söhne vor der Stasi zu beschützen. 1983 wird die Ausreise gestattet - nach über zwei Jahren ist die Familie endlich wieder vereint. Heute lebt Alexander in England und ist lieber vom Meer als von einer Mauer umgeben.
23:15
Die entscheidenden Tage in der DDR im Herbst 1989, von der Prager Botschaft am 30. September bis zur Leipziger Montagsdemo am 9. Oktober: unkommentiert, nur mit Originalfilm- und Tonmaterial. Aus den Bildern von TV-Kameraleuten und Amateurfilmern sowie Funksprüchen und Telefonaten von DDR-Staatssicherheit und Volkspolizei entsteht ein faszinierendes Bild dieser zehn Tage, in denen es auf Messers Schneide stand, ob die Revolution friedlich bleiben würde. Einige dieser Aufnahmen wurden noch nie im deutschen Fernsehen gesendet. Zum Beispiel Bilder von der Montagsdemonstration in Leipzig am 2. Oktober, als eine Woche vor dem "Tag der Entscheidung" 25.000 Menschen auf die Straße gingen. Ein Reporter eines amerikanischen TV-Senders war damals als Tourist in der DDR. Er hatte mit einer Videokamera gedreht und die Bilder dann in den Westen geschmuggelt. Auf ähnliche Weise gelangen auch andere Aufnahmen, wie beispielsweise in Dresden. Die DDR-Führung um Erich Honecker hatte entschieden, die Menschen in der Prager Botschaft zwar in den Westen ausreisen zu lassen, die Flüchtlingszüge zuvor aber über DDR-Territorium zu schicken. Daraufhin kam es am Dresdner Hauptbahnhof mehrere Nächte lang zu regelrechten Straßenschlachten. Dort und an anderen Orten filmten auch Angehörige der Staatssicherheit und der DDR-Volkspolizei - vorrangig mit dem Ziel, "Rädelsführer" der Proteste auszumachen und festzusetzen. Mit dem "Spuk antisozialistischer Kräfte" müsse "durch energisches Vorgehen Schluss" gemacht werden, lauteten die Anweisungen der Staatsmacht. Vor allem Leipzig kam dabei eine entscheidende Rolle zu. Vor der Montagsdemonstration am 9. Oktober fürchteten Oppositionelle die Abrechnung - zu Recht, wie eine heimlich mitgeschnittene Ansprache des Leipziger Oberbürgermeisters vom Morgen dieses Tages zeigt: Es müssten jetzt "ein paar Leute aus dem Verkehr" gezogen werden, erklärte er. "Schluss! Das kann sich der Staat und können wir uns nicht mehr bieten lassen." Dass es trotz dieser Ankündigungen und trotz eines massiven Aufgebots von bewaffneten Einheiten dann doch anders kam, gehört zu den großen Wundern dieses Herbstes 1989.