15:50
Die Bundeswehr blickt zurück auf 70 Jahre Geschichte, 1956 wurde die Wehrpflicht eingeführt. Wie einsatzbereit war die Truppe seitdem - und wie steht sie heute da? Der 90-minütige Film zeichnet die Biografien und Erlebnisse von aktiven und ehemaligen Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr nach, die während des Kalten Krieges und nach der Wiedervereinigung Deutschlands bei Auslandseinsätzen in Uniform dienten. So erzählt die Dokumentation aus verschiedenen Perspektiven auch die Geschichte der Bundeswehr. Von der Zeit der deutschen Teilung über die Wiedervereinigung bis zur "Zeitenwende". Die neue Armee wurde - zehn Jahre nach Kriegsende - bewusst von NATO-Strukturen eingehegt und diente sowohl der Bündnis- als auch der Landesverteidigung. Der Auftrag lautete über Jahrzehnte "Abschreckung". Deren Rückgrat bildeten die Nuklearwaffen der USA, deren Nachrüstung sorgte in den 80er-Jahren für erheblich gesellschaftliche Spannungen in der Bundesrepublik. Nach der Wiedervereinigung integrierte die Bundeswehr Teile der NVA. Verkleinert und mit erweitertem Auftrag war die deutsche Armee künftig vor allem in Auslandseinsätzen gefordert. Der längste dauerte 20 Jahre lang. In Afghanistan erlebten viele deutsche Soldaten und Soldatinnen den militärischen Einsatz als Krieg mit Toten und Verwundeten. Der Einsatz erwies sich nach dem Abzug 2021 als Misserfolg. 2022 warf der Angriff Putin-Russlands auf die Ukraine auch die Frage einer möglichen neuen Bedrohung des NATO-Gebiets auf. Darauf war die Bundeswehr nach 30 Jahren des Sparens, des Abrüstens und als kleine Freiwilligenarmee denkbar schlecht vorbereitet. In die Aufrüstung der Bundeswehr soll nun viel Geld fließen, um Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte wettzumachen. Doch wie? Die Debatte um die Wehrpflicht ist wieder entbrannt. Inwieweit sind junge Deutsche willens, die Freiheit und die Werte Europas auch als Soldaten zu verteidigen? So wirft die Doku auch einen Blick auf das wechselvolle, oft schwierige Verhältnis von Militär, Politik und Gesellschaft in der Bundesrepublik und spiegelt die Debatte, wie die Zukunft der Streitkräfte angesichts der Herausforderungen gestaltet werden soll. Inzwischen hat US-Präsident Donald Trump wesentliche Schutz-Versprechen der USA relativiert - und die Bundeswehr des Jahres 2026 steht vor der Frage, ob auf den Beistand der Supermacht im Konfliktfall noch Verlass ist. Historiker, Sicherheits- und Militärexpertinnen und -experten sowie ehemalige und noch aktive Angehörige der "Truppe" loten das historische Spannungsverhältnis von Anspruch und Wirklichkeit der Bundeswehr aus, schlagen auch anhand eigener persönlicher Erfahrungen den Bogen von der Gründerzeit bis in die Gegenwart.
17:20
Fußball im Stadion: Emotion und Spannung pur. Tausende vereint in Jubel, Wut und Enttäuschung. Wer sammelt sich dort friedlich, und wo überschreitet die Leidenschaft Grenzen? Im Fußballstadion treffen sie alle aufeinander: Akademiker und Arbeitslose, frenetische Ultras und Familien mit Kindern. Gleichzeitig ist das Stadion allzu oft Ort von Grenzüberschreitungen, verbotener Pyrotechnik und Gewalt. Die Kosten für Polizeieinsätze bei Hochsicherheitsspielen sind nirgendwo sonst so hoch wie beim Fußball. Die Autoren Mario Kottkamp, Kristian Sommer und Kameramann Joscha Lienen sind langjährige Kenner der Fußballszene und bei Fans und in den Vereinen bestens vernetzt. Sie schauen mit exzellenten Zugängen in den Kosmos der Fußballfans, Ultras und der Szenerie dahinter: Was treibt sie an? Was lieben sie? Was hassen sie? Die Dokumentation ist nah dran an den Emotionen rund um die Spiele und zeigt die Menschen dahinter. Fanforscher, Experten und Verantwortliche ordnen ein, historische Archive zeigen die Entwicklung von Fanszenen, Ultras und Hooligans über die vergangenen Jahrzehnte: Wie hat sich das "Phänomen Ultras" in den letzten Jahren verändert? Was sind Unterschiede zwischen Ultras und Hooligans? Wie sind diese Fangruppen organisiert? Und wie sicher ist das Stadionerlebnis Fußball heute noch? Die Dokumentation "Inside Fankurve" lässt diejenigen zu Wort kommen, über die oft aus der Ferne geurteilt wird - ein Blick in eine Szene, bei der das Herz für den Fußball am lautesten schlägt.
18:05
Fußball - das ist Adrenalin, Emotion und für viele Fans ihr allerliebstes Hobby. Doch immer häufiger gerät der Sport unter Druck von Extremen, vor allem aus dem rechten Spektrum. Immer offener wird in den deutschen Fußballstadien radikale Gesinnung zur Schau gestellt: in Ost und West, von der Bundesliga bis zur Kreisliga. Wie sehr wird der Sport bewusst für radikale Meinungsmache von rechts missbraucht? Der deutsche Fußball feiert ungebremst Erfolge in Sachen Ticketverkäufe, Einschaltquoten und TV-Deals. Auch die unteren Ligen haben ihre feste Anhängerschaft und treue Fans. Die Schattenseite: Es mehren sich negative Schlagzeilen von den Rängen. Immer wieder kommt es zu Vorfällen, die mit dem Sport wenig zu tun haben. Mehr als in anderen Sportarten scheinen im Fußball gesellschaftspolitische Dynamiken sichtbar zu werden. Ex-Neonazi Philip Schlaffer war 20 Jahre lang in der rechtsextremen Szene aktiv, angefangen als Hooligan in den Fußballstadien. Der Insider gibt Einblicke in die Verbindung zwischen Fußball und Rechtsextremismus, in die verführerischen Mechanismen und in das Vorgehen der neuen rechten Strömungen. Mitten im Ruhrgebiet begleitet das Filmteam einen Kreisliga-Verein, der sich offen gegen Rechtsextremismus positioniert. Die Amateurkicker vom SK Bochum um Trainer Bastian Böcker haben Schlagzeilen gemacht, als sie Ende 2024 bei einem Spiel nicht angetreten sind, weil der gegnerische Verein offenbar rechtsradikale Gesinnung zuließ. Ein Vorfall, der Folgen hatte. Auch im Osten Deutschlands spüren die Amateurvereine den zunehmenden Druck. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Maja Wallstein ist Extremismus-Expertin und gleichzeitig als Schiedsrichterin im Fußball aktiv. Sie gibt Einblicke in ihre Arbeit, in der sie einen deutlichen Rechtsruck wahrnimmt. Dass vermehrt gerade Amateurvereine ins Visier der Rechten geraten, bestätigt auch Kriminologin Dr. Thaya Vester von der Universität Tübingen. Denn diese stehen weniger im Fokus als Profiligen und haben keine ausreichenden Kapazitäten, Vorfälle aufzuarbeiten. Am Beispiel des Chemnitzer Fußballklubs zeigt die Dokumentation "Inside Fankurve", wie aus tief verankertem rechtem Gedankengut in Teilen der Anhängerschaft physische Gewalt werden kann: Bei der sogenannten Hetzjagd von 2018, die weltweit für Schlagzeilen sorgte, organisierten mehrere hundert rechte CFC-Fans die offene Jagd gegen ausländisch aussehende Passanten in der Stadt. Und auch heute noch kämpft der Verein gegen rechtsextreme Tendenzen in den eigenen Reihen. Beim Heimspiel des CFC gegen den linksorientierten Klub Carl Zeiss Jena in der Regionalliga Nordost gibt es ein Polizeiaufgebot wie bei einem Bundesligaspiel. Am Rande des Spiels gibt Felix Müller vom Bündnis "CFC-Fans gegen Rassismus" einen Einblick in die heutige Situation in Chemnitz. Der Traditionsverein Schalke 04 spielt mittlerweile in der 2. Bundesliga. Der Verein hat den Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung in seine Satzung aufgenommen. Seit 2020 gibt es bei jedem Heimspiel die "#STEHTAUF-Anlaufstelle" für Extremismus jeglicher Art. Für ZDFinfo darf erstmals ein Kamerateam die sensible Arbeit vor Ort bei einem Heimspiel begleiten. Expertinnen und Experten ordnen die Entwicklungen ein und zeigen auf, welch entscheidende Rolle der Fußball als Brennglas der Gesellschaft spielt. Ein Phänomen, das nicht neu ist, sondern eine Historie hat, die bis in die Zeit des Nationalsozialismus zurückreicht. Für die ZDFinfo-Dokumentation "Inside Fankurve - radikal und extrem" hat das Team von Dezember 2024 bis August 2025 in ganz Deutschland von den unteren Amateurligen bis hoch in den deutschen Profifußball gefilmt. Der Film zeigt auf, wie sehr der deutsche Fußball aktuell mehr und mehr unter Druck von Rechtsextremen gerät und wie der Kampf dagegen die Vereine oft an ihre Grenzen bringt.
18:50
Im Antanimora-Gefängnis auf Madagaskar einzusitzen, sei das Schlimmste, was einer Person passieren könne - das sagt der Gefängnisdirektor. Müllberge, Ratten, Krankheit und beklemmende Enge. Das Gefängnis ist auf 900 Insassen ausgelegt, mehrere Tausend sitzen ein. Am schlimmsten sind die Nächte. Eingepfercht in stickige Räume, liegen die Häftlinge Haut an Haut, umdrehen geht nur auf Befehl. Wie überleben die Insassen zwischen Dreck und Schädlingen? Die Unterbringung und Versorgung von Gefangenen steht auf der Prioritätenliste der Behörden von Madagaskar weit unten. Im Gefängnis von Antanimora herrschen Zustände, die einen erschaudern lassen. Die Gefangenen teilen sich ihre Unterkünfte mit Kakerlaken, Flöhen, Läusen und Ratten. Wer dort krank wird, dem droht der Tod. Am gefürchtetsten unter Gefangenen: die Pest. Dort gibt es sie noch. Wer etwas Geld hat, kann dort viel erreichen: Er darf sich waschen, muss nicht auf dem Boden schlafen oder bezahlt den Richter für seine Freilassung. Doch die meisten leben jahrelang im Dreck der Anstalt. Nicht nur die Unterbringung ist menschenverachtend, auch die Versorgung. Es gibt eine Mahlzeit am Tag, immer die gleiche: gekochter Maniok, ungewürzt. Die Mangelernährung macht viele krank. Alle Häftlinge haben nur einen Traum: rauskommen, um zu überleben. Die sechsteilige Reihe "Überleben hinter Gittern" blickt auf den Alltag der Insassen und Wärter in den härtesten Gefängnissen der Welt.
19:30
Das Gefängnis von Armawir ist eine der modernsten Haftanstalten Armeniens. Neben Kleinkriminellen sitzen dort Mitglieder der armenischen Mafia ein. Doch die Wärter sind unbewaffnet. Sie setzen auf Deeskalation, Schlagstöcke und Handschellen werden nur im Notfall benutzt. Die Häftlinge dürfen sich die Zellen selbst einrichten und bekommen viele Lebensmittel von ihren Verwandten. Während ein Insasse promoviert, versuchen andere, auszubrechen. Das Gefängnis von Armawir wurde speziell für Straftäter aus der Organisierten Kriminalität gebaut. Die sogenannten Diebe im Gesetz bilden eine verschworene Gemeinschaft mit festen Regeln, etwa dem Schweigegebot. Diese engen Bande bestehen auch hinter Gittern fort. Wie geht das Gefängnispersonal mit Gefangenen um, die den Staat, seine Vertreter und Autorität ablehnen? Täglich kommen am Gefängniseingang Lieferungen für die Gefangenen an. Freunde und Angehörige bringen Essen und Dinge des täglichen Bedarfs für die Insassen. Die Wärter haben alle Hände voll zu tun, die Mitbringsel auf verbotene Gegenstände zu durchsuchen. Klar, dass da auch mal was durchrutscht - und wo geschmiert wird, rutscht es umso besser. Bei den Zellendurchsuchungen stoßen die Wärter immer wieder auf Überraschungen. Dazu zählt auch ein handfester Ausbruchsversuch mit durchgesägten Gitterstäben. Die Wärter rätseln bis heute, wie die Gefangenen unbemerkt die Stäbe durchtrennen konnten. Wie erleben die Häftlinge ihren Alltag hinter den Mauern dieses Gefängnisses? Die sechsteilige Reihe "Überleben hinter Gittern" blickt auf den Alltag der Insassen und Wärter in den härtesten Gefängnissen der Welt.
20:15
Frankreichs Gefängnisse stehen vor dem Kollaps: Überbelegung, Gewalt und Suizide gehören zum Alltag der Insassen und Aufseher. In Haftanstalten wie Villepinte und Fresnes schlafen Hunderte auf dem Boden, die Zellen sind feucht und von Ungeziefer befallen. Personalmangel, psychisch kranke Gefangene, Schmuggel und zunehmende Aggression bringen das System an seine Grenzen. Die Strafvollzugsbeamten arbeiten täglich am Limit. Gründe dafür sind unter anderem improvisierte Waffen und illegale Drohnenlieferungen. In Frankreichs Haftanstalten Villepinte und Fresnes wurden allein 2025 Hunderte Drohnenvorfälle gemeldet, oft mit Drogen oder Smartphones beladen. Spezialeinheiten rücken aus, wenn Konflikte eskalieren, doch auch sie sind regelmäßig in der Unterzahl: In Fresnes, für knapp 1700 Insassen gebaut und inzwischen weit überbelegt, kommen auf 100 Häftlinge oft nur zehn bis zwölf Wärter. Häftlinge berichten von Rattenplagen, Schimmelbefall und bis zu 22 Stunden täglicher Zellenhaft bei hoher Suizidrate. Die Aufseher kämpfen täglich um Sicherheit und Ordnung in einem System, das seit Jahren wegen menschenunwürdiger Zustände auch international in der Kritik steht. Die Doku gewährt Einblick in den Alltag von Häftlingen und Aufsehern und zeigt die täglichen Herausforderungen in diesen überbelegten Gefängnissen.
21:00
In der Haftanstalt São Luís im brasilianischen Maranhão befindet sich eines der härtesten Frauengefängnisse der Welt. Strenge Regeln, Gewalt, aber auch Hoffnung bestimmen dort das Leben. In dem Gefängniskomplex sitzen Hunderte Frauen wegen Mordes, Drogenschmuggels oder Bandenkriminalität ein, oftmals für Jahrzehnte. Unter ihnen sind auch Schwangere und Mütter mit kleinen Kindern, die ihre ersten beiden Lebensjahre hinter Gittern verbringen. Wer in São Luís überdauern will, muss sich anpassen. Es herrscht nicht nur extremer Platzmangel, auch die hygienischen Bedingungen sind miserabel. Doch es gibt auch Lichtblicke: Ob bei der Arbeit in der Gefängnisbäckerei, beim Lesen- und Schreibenlernen im Unterrichtsraum oder beim Bibelstudium - viele Insassinnen finden in der Haft einen besonderen Anker, der im besten Fall dabei helfen kann, ihr Leben zu verändern und der Kriminalität für immer den Rücken zu kehren. Doch der Einfluss der Banden, der viele von ihnen hinter Gittern gebracht hat, ist auch im Gefängnis allgegenwärtig. Gewalt, Enge und Machtkämpfe prägen viele Gefängnisse weltweit. "Überleben hinter Gittern" zeigt den Kampf der Insassen um Würde und Zukunft - und wirft die Frage auf, wann Kontrolle zur Unterdrückung wird.
21:40
Die Gefängnisse im brasilianischen Nordosten gelten als besonders brutal. Gewalt, rivalisierende Banden und Überbelegung bestimmen dort den Alltag sowohl für Insassen als auch für Wärter. Wer in der Haftanstalt Geraldo Beltrão in der Provinz Paraíba sitzt, muss einiges einstecken können. Gefahr droht nicht nur den Wärtern. Auch die Häftlinge müssen wachsam sein und brauchen Schutz, um nicht von verfeindeten Banden umgebracht zu werden. Doch trotz der harschen Lebensbedingungen hinter den Gittern des Hochsicherheitsgefängnisses schöpfen viele der rund 200 Insassen - meist Mörder und Mitglieder von Gangs - dort neue Hoffnung: Sie arbeiten zum Beispiel in der Küche, lernen lesen und schreiben, holen ihren Schulabschluss nach oder schließen sogar ein Fernstudium ab. Mit solchen Arbeits- und Bildungsprogrammen versucht die Regierung, die Häftlinge zu resozialisieren - und damit zu verhindern, dass sie nach ihrer Entlassung erneut auf die schiefe Bahn geraten. Für viele stellt das die einzige Chance auf ein neues Leben dar. Gewalt, Enge und Machtkämpfe prägen Gefängnisse weltweit. "Überleben hinter Gittern" zeigt den Kampf der Insassen um Würde und Zukunft - und wirft die Frage auf, wann Kontrolle zur Unterdrückung wird.
22:25
Japan gilt als strukturiertes und sicheres Land. Doch die Kriminalität nimmt zu. Im Gefängnis von Osaka herrscht ein striktes Regiment mit drakonischen Strafen und Sprechverboten. In dieser Strafvollzugsanstalt müssen sich über 1000 Häftlinge einem starren System aus militärischem Drill und Isolation unterwerfen. Jedes Wort, jede Handlung muss von einem Wärter genehmigt werden. Das Besondere: Die Wärter tragen weder Waffen noch Handschellen. Die strenge Ordnung und die harten Bestrafungen sorgen dafür, dass das Personal in Osaka immer die Kontrolle über die Insassen behält, auch während ihrer täglichen Arbeit in einer der Werkstätten der Haftanstalt. Denn auch dieser Teil des Tages wird von Verboten bestimmt: Zur Toilette oder trinken dürfen die Häftlinge nur zu festgelegten Zeiten, miteinander zu sprechen, ist tabu. Immer wieder gibt es von Menschenrechtsorganisationen massive Kritik an diesem Vorgehen - doch der harte Kurs der Gefängnisverwaltung scheint Erfolg zu haben: Seit Jahrzehnten hat es dort zumindest keinen Gefängnisaufstand mehr gegeben. Doch wo endet Disziplin, und wo beginnt menschenunwürdige Behandlung? Gewalt, Enge und Machtkämpfe prägen Gefängnisse weltweit. "Überleben hinter Gittern" zeigt den Kampf der Insassen um Würde und Zukunft - und wirft die Frage auf, wann Kontrolle zur Unterdrückung wird.
23:10
Leben hinter Stacheldraht. Manch ein Gefangener in den deutschen Justizvollzugsanstalten ist öfter und dadurch längere Zeit im Gefängnis als in Freiheit. In Deutschland sitzen rund 44.000 Strafgefangene und Sicherungsverwahrte im Knast. Rund jeder dritte Straftäter ist nicht zum ersten Mal im Gefängnis. Wie ergeht es den Dauer-Inhaftierten? Und warum fällt ihnen der Sprung in ein straffreies Leben so schwer? JVA Saarbrücken, größte Haftanstalt für männliche Gefangene im kleinen Saarland. Dort sind 140 U-Häftlinge, Schwerverbrecher und Langzeithäftlinge. Es ist eine JVA, die wie ein autarkes Dorf funktioniert - mit medizinischer Abteilung, Bäckerei, Metzgerei und Großküche. Außerdem gibt es eine Holzwerkstatt und eine Druckerei, die eine eigene Haftzeitung herausgibt. Sebastian R. war sein halbes Leben im Gefängnis. Der 43-Jährige verbrachte insgesamt 23 Jahren hinter Gittern - in sieben unterschiedlichen Haftanstalten. Derzeit ist er in der JVA Saarbrücken untergebracht. Er hat zwei Herzinfarkte im Knast überlebt und versucht gerade, eine Ausbildung zum Maler zu absolvieren. Er ist regelmäßig in medizinischer Behandlung und hofft jetzt, dass er endlich mal neue Zähne bekommt, nachdem er durch seine lange Drogensucht nur noch wenige Zähne im Mund hat. Mit ihm sitzt dort auch der Gefangene mit der vermutlich längsten Haftzeit in Deutschland: Seit über 50 Jahren ist der verurteilte Mörder bereits im Knast. JVA Meppen: Walter A. ist seit 2015 in der Sicherungsverwahrung, eine Art Rentner-WG für schwere Straftäter, die nach der Haftverbüßung zu gefährlich sind für die Allgemeinheit. Statt in Haftzellen wohnen sie in circa 20-Quadratmeter-Apartments. Der größte Teil der Verwahrten sind Sexualstraftäter. In der JVA Meppen in Niedersachsen sind die zehn Männer in der Sicherungsverwahrung alle schon seit mehreren Jahren dort: eine kleine Senioren-WG der Schwerstkriminellen, wo die Insassen Kuchen backen und ihre Orchideen pflegen. ZDFinfo begleitet die Langzeit-Inhaftierten in ihrem Knast-Alltag und spricht mit ihnen über das Leben in Haft, Reue und den Wunsch nach einem Leben in Freiheit. Mörder, Betrüger und Kleinkriminelle: Rund 44.000 Männer und Frauen sitzen hierzulande hinter Gittern. Wie sieht der Alltag in deutschen Gefängnissen aus?
23:55
Weggesperrt für Jahrzehnte, verurteilt für ein Kapitalverbrechen. Knapp 1800 Inhaftierte verbüßen derzeit in Deutschland eine lebenslange Freiheitsstrafe. Wie sieht ihr Alltag aus? Zwei Mörder, ein Serienbankräuber und eine Mörderin reden über ihre Taten, ihre Haft, was sie im Knast denken, tun und fühlen - und welche Hoffnungen sie mit dem fernen Tag der Haftentlassung verbinden. Doch dieser Tag will sorgfältig vorbereitet sein. Mord nach Paragraf 211, für dieses Kapitalverbrechen erhält man in Deutschland eine lebenslange Freiheitsstrafe. Von den insgesamt 40.450 Gefangenen in Deutschland verbüßen aktuell 1769 Inhaftierte eine lebenslange Freiheitsstrafe. Wie sieht ihr Knastalltag aus, und was passiert hinter Gittern mit diesen Kapitalverbrechern? Das Filmteam besucht drei Gefängnisse in Nordrhein-Westfalen und Niedersachen und spricht mit Straftätern, die eine lebenslange Freiheitsstrafe verbüßen. "Ich bin ein verurteilter Mörder, ich bin seit 18 Jahren in Haft", erzählt Uwe H., 53 Jahre alt und seit über einem Jahrzehnt in der JVA Aachen inhaftiert. "Knastblick", den hat auch Stefanie N. Die 53-Jährige ist verurteilte Mörderin und seit fünf Jahren in der JVA für Frauen in Vechta. Die dreifache Mutter verbüßt eine lebenslange Freiheitsstrafe und ist damit eine von 109 Frauen, die LL haben, die Abkürzung im Vollzugsjargon für Lebenslange. "Ja, ich bin verurteilte Mörderin", erklärt Stefanie N. Ein Urteil, mit dem sie aber bis heute nicht klarkommt. "Es ist schwierig, man muss das Urteil verdauen. Wann verdaut man das? Eigentlich nie." Die damalige Alkoholikerin tötete mit ihrem Saufkumpel einen Mann. Dafür wurden beide zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Ihren Mittäter, der in der JVA Bremen inhaftiert ist, hat sie sogar in Haft geheiratet. Hochzeit hinter Gittern, ein emotionaler Höhepunkt, ansonsten herrscht im Knast öder Alltag und viel Zeit auf der Zelle. Diesen immer wiederkehrenden Knastalltag kennt auch Uwe H. Lange betäubte er sich auch im Knast mit Drogen, verdrängte seine brutale Tat und wollte sich nicht damit auseinandersetzen: "Da ist ein Monster gewesen", beschreibt er sich selbst. Dann endlich macht es klick, und er beginnt eine Therapie. Seitdem ist er im Hafthaus 2 in der Behandlungswohngruppe für Gewaltstraftäter. "Das ist hier kein Mädchenpensionat, das ist harte Arbeit für die Straftäter, wir lassen hier sprichwörtlich die Hosen runter", erklärt der Beamte Frank Merzbach das Konzept der Behandlungswohngruppe. Tatleugner können sie dort nicht brauchen, denn Therapie ist nicht Selbstzweck, sondern Teil der gesetzlich vorgeschriebenen Resozialisierung. Alles Maßnahmen, die einen Grundgedanken haben: Nur wer seine Tat begreift und die Hintergründe erkennt, die dazu geführt haben, kann sich ändern. Denn auch Mörder kommen irgendwann wieder in Freiheit. Laut kriminologischen Statistiken verbleiben Straftäter, die zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wurden, im Schnitt etwa 19 Jahre im Gefängnis, doch viele sind auch wesentlich länger hinter Gittern. "Wir haben auch welche, die schon 30, 40 Jahre hier sind", erklärt der Leiter der JVA Aachen, Dr. Jörg Uwe Schäfer. Jahrzehnte hinter Gittern, das verändert die Gefangenen. Einige bekommen einen Haftkoller, andere einen Haftschaden. "Manche werden aggressiv, manche depressiv", erzählt ein Beamter, der viele Strafgefangene erlebt hat. Andere lebenslang Inhaftierte verlernen die Freiheit und stellen fest: "Ich bin im Kosmos Knast. Knast ist mein Zuhause und ja, ich habe einen Haftschaden", sagt Elmar M. über sich. Der Serienbankräuber ist seit mehr als 20 Jahren in Haft. Zusammen mit Hubert B. war er jahrelang im geschlossenen Regelvollzug, zog von einer JVA in die andere, bevor beide jetzt in die JVA Euskirchen verlegt worden sind. Dort im offenen Vollzug werden sie schrittweise an die Freiheit herangeführt. Im sogenannten Übergangshaus lernen Straftäter mit sehr langen Haftstrafen wieder Alltagsfähigkeiten wie den Umgang mit dem Handy, das Einkaufen oder Online-Bankgeschäfte. Alles, um lebenslang Verurteilte wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Dabei ist den Straftätern eines klar: Das Stigma und das Urteil "lebenslang" bleiben. "Ich bin ein Mörder, ich bin immer ein Mörder, und ich werde immer ein Mörder bleiben", sagt Uwe H., denn er weiß, wie man draußen über ihn denkt.