15:00
Energie ist Leben: Sie hält warm, sie bringt Licht, sie treibt alles an. Wer die Energiequellen beherrscht, regiert die Welt. Wer kontrolliert die Produktion und den Verkauf der Energie? Durch Krisen und Kriege ist Energie zum knappen, kostbaren Gut geworden. Klar ist, dass fossile Brennstoffe ein Auslaufmodell sind. Doch was ist die Zukunft? Erneuerbare Energien oder doch Atomkraft? Regierungen weltweit setzen da auf unterschiedliche Lösungen. Neben den großen Fragen um die Sicherheit unserer Energieversorgung ist es von Bedeutung, wer die Energie an die Unternehmen und Haushalte in aller Welt liefert. Wird dabei auf private Initiative gesetzt, oder bleibt die kritische Infrastruktur rund um die Energie in staatlicher Hand? Was geschieht, wenn der Staat die Kontrolle über die Energieversorgung verliert? In Deutschland wurde zu Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine klar, dass die Politik auf das falsche Pferd gesetzt hatte, indem sie auf dauerhafte und billige Gas- und Erdöllieferungen aus Russland setzte. Plötzlich war unsicher, ob die Bevölkerung wohlbehalten durch den Winter kommen würde. Unternehmen mit extrem hohem Energieverbrauch, wie etwa die Stahlgiganten im Ruhrgebiet und damit letztlich die gesamte deutsche Wirtschaft, standen vor existenziellen Problemen. Wie ein Leben ohne geregelte Energieversorgung aussehen könnte, lässt sich im Libanon beobachten: Das Land hat weder eigene Energiequellen, noch gelingt der Regierung der verlässliche Import von Treibstoff und Strom. Die Folge: lange Schlangen vor den Tankstellen des Landes, regelmäßige Stromausfälle und Blackouts. Private Unternehmer übernehmen die Initiative und verkaufen mit enormen Profiten geschmuggelten Treibstoff an ihre Landsleute. Ein anderes Beispiel für eine gescheiterte Energiepolitik findet sich in Texas. Der Staat, eines der rohstoffreichsten Gebiete der USA, ist vom übrigen Stromnetz des Landes abgekoppelt und bildet eine weitgehend deregulierte "Insel". Als im Jahr 2021 ein Unwetter das Stromnetz zusammenbrechen ließ, führte dies zu einer Energiekrise in Texas mit fatalen Auswirkungen für viele Menschen. Hätte die Katastrophe verhindert werden können? Ist das privatisierte Stromnetz der Kern des Problems? Frankreich setzt traditionell auf Kernenergie, die gehört seit Ende des Zweiten Weltkrieges gewissermaßen zur nationalen Identität der Atommacht. Solange man die Gefahren, die potenziellen Folgekosten für Unfälle und Endlagerung nicht einberechnet, ist Atomkraft eine günstige und auf den ersten Blick saubere Alternative zu fossilen Brennstoffen. Der Bau der Anlagen erfordert hohe Investitionen, weshalb die Stromversorgung in Frankreich traditionell in staatlicher Hand liegt. Mittlerweile liegen die Probleme aber offen zutage: Fast die Hälfte aller französischen Atommeiler ist phasenweise wegen Altersschwäche stillgelegt, in den Sommermonaten ist wegen des Klimawandels häufig zu wenig Wasser in den Flüssen, weshalb viel zu wenig Kühlwasser zur Verfügung steht, was weitere Stilllegungen und steigende Strompreise zur Folge hat. Trotzdem setzt die französische Regierung konsequent auf den Bau neu entwickelter Reaktoren, die sich finanziell als Fass ohne Boden erweisen könnten. In Indien wird dagegen von der Regierung die Entwicklung weg von Kohle und hin zu Solar- und Windenergie vorangetrieben. Durch dezentrale Versorgung verspricht sie sich für die Bevölkerung eine Verbesserung der Lebensqualität. Ein anderer Vorreiter für erneuerbare Energien ist Marokko. Die Regierung setzt voll auf die Sonnenenergie und will durch ehrgeizige Großprojekte wie dem mitten in der Wüste erbauten Solarkraftwerk Noor langfristig zum global führenden Energieexporteur aufsteigen. In der vierteiligen Reihe "Geheime Weltmächte" gehen die Filmemacher der Frage auf den Grund, wer in wichtigen Lebensbereichen über die Zukunft der globalisierten Märkte bestimmt.
15:45
Was waren Verbrecher doch früher Dilettanten! Sie überfielen Banken und liefen mit gerade mal so viel heraus, wie sie tragen konnten. Heutzutage geht es beim Crypto-Crime um Milliarden. Die Krypto-Verbrecher unserer Zeit können unglaubliche Summen erbeuten. Und die Ermittler kommen dem kaum hinterher. Eine Wissenschaftlerin, ein YouTuber, der Chef der Cybercrime-Unit des BKA und ein Anwalt erzählen fünf der spektakulärsten Cyber-Kriminalfälle. In Südafrika gründen zwei junge Männer eine Handelsplattform für Kryptowährungen. Sie sammeln in nur zwei Jahren sagenhafte 3,6 Milliarden Euro ein und verschwinden mit dem Geld. In Deutschland bauen drei junge Männer den zweitgrößten illegalen Handelsplatz des Darknets auf: Wallstreet Market. Dann schließen sie die Plattform plötzlich und verschwinden - mit Bitcoins im Wert von Hunderten Millionen. Doch sie werden gefasst. Einer der spektakulärsten Fälle aller Zeiten: die sogenannte Krypto-Queen Dr. Ruja Ignatova. 2017 verschwindet sie spurlos und mit ihr unglaubliche fünf Milliarden Euro. Bis heute ist diese riesige Summe nicht wieder aufgetaucht. Eine Theorie in diesem Fall: Die Krypto-Queen wurde ermordet. In Düsseldorf legen Cyber-Erpresser die Uniklinik lahm - mit tödlichen Folgen. Und in Island stehlen drei Männer in einem Riesen-Coup Computer, die Bitcoin schürfen können. Die Diebe überfallen also keine Bank, sondern sie stehlen gleich die Gelddruckmaschine.
16:30
In der Wirtschaft zählen nicht nur Zahlen. Zuweilen entscheidet der schöne Schein über Erfolg oder Pleite. Immer wieder in den Schlagzeilen: glamouröse Hochstapler und ihre Geschichten. Sie wickeln Investoren um den Finger, blenden mit Charme und Eloquenz. Am Anfang steht oft eine scheinbar geniale Geschäftsidee - in vielen verschiedenen Branchen: Co-Working, Kryptowährungen, Finanzdienstleistungen. Am Ende verlieren Investoren und Kunden ihr Geld. Um in modernen Zeiten mit seinem Unternehmen durchzustarten, braucht es Ausstrahlung, Überzeugungskraft, gute Manieren, ein perfektes Sozialverhalten und Durchhaltevermögen. Auch wenn die Geschichte dünn ist: Häufig gelingt es den Talenten, das Narrativ vom Erfolg über Monate und Jahre durchzuhalten. Die "White Collar"-Täter, Hochstapler mit dem weißen Kragen, sind schwer zu durchschauen und noch schwerer vor Gericht zu stellen. Denn nicht alles ist illegal, manche Masche gar nicht justiziabel. Ihre Tricks verbergen sie gern hinter Zahlenkolonnen und Briefkastenadressen, hinter Firmennetzwerken und Scheinunternehmen. Selbst gestandene Finanzprofis, Wirtschaftskapitäne und Staatsunternehmen stecken Millionen in Start-ups, die sich nach Jahren als großer Bluff erweisen. Erst im Nachhinein sind alle schlauer - doch das Geld ist meist weg. Mit einer faszinierenden Geschäftsidee gewinnt die junge Elizabeth Holmes das Vertrauen der Anleger. Anhand eines Bluttropfens will sie Hunderte Krankheiten erkennen - von Krebs bis HIV. Nach Jahren entpuppt sich alles als Schwindel. Hendrik Holt macht als "Windkraft-Wunderkind" Karriere. Er verkauft internationalen Energieunternehmen riesige Windparks. Doch die gibt es nur auf dem Papier. Die Greensill Bank in Bremen lockt mit Traumzinsen. 40 Städte und Gemeinden investieren Steuergelder. Dann stellt sich heraus: Das Mutterhaus Greensill Capital braucht Geld für immer riskanter werdende Lieferkettenfinanzierungen. Das Geschäftsmodell fällt wie ein Kartenhaus zusammen - und die Steuergelder sind weg. Drei Experten und Expertinnen analysieren die Tricks der Hochstapler: Die Finanzmarkt-Kennerin Sandra Navidi lebt und arbeitet in New York, einen Katzensprung von der Wall Street entfernt. Die Kriminalpsychologin Kerry Daynes aus Großbritannien kann auf 25 Jahre Erfahrung als Gutachterin zurückgreifen. Sie besucht Täter in ihren Zellen, schult die britische Polizei und tritt als Expertin vor Gericht auf. Professor Uwe Kanning lehrt und forscht an der Universität Osnabrück. Sein Spezialgebiet ist die Wirtschaftspsychologie. Die zweiteilige Dokumentation "Die smarten Verführer - Hochstapler in der Wirtschaft" beschreibt die spektakulärsten Fälle der letzten Jahre.
17:15
Eine Handtasche klauen kann jeder, für einen Wirtschaftscoup braucht es mehr: Ausstrahlung, Überzeugungskraft, gute Manieren, ein perfektes Sozialverhalten und Durchhaltevermögen. Die "White Collar"-Täter, Hochstapler mit dem weißen Kragen, sind schwer zu durchschauen und noch schwerer vor Gericht zu stellen. Denn nicht alles ist illegal, manche Masche einfach nur genial. Selbst absolute Finanzprofis werden zuweilen geblendet. Ihre Tricks verbergen sie gern hinter Zahlenkolonnen und Briefkastenadressen, hinter Firmennetzwerken und Scheinunternehmen. Sam Bankman-Fried gilt als "König der Krypto-Welt", sein Unternehmen FTX zählt zu den größten Krypto-Börsen der Welt. Dann bricht alles zusammen, und der Unternehmer muss sich wegen Geldwäsche und Finanzmanipulationen vor Gericht verantworten. Einst war der Unternehmer Adam Neumann 14 Milliarden Dollar schwer. Er hat den Büroraum-Riesen WeWork geschaffen. Doch sein ausschweifender Lebensstil bringt den Manager zu Fall; ein geplanter Börsengang muss abgesagt werden. Jan Marsalek gilt als Mastermind des Wirecard-Skandals. Während sich seine ehemaligen Vorstandskollegen vor Gericht verantworten müssen, ist Marsalek auf der Flucht. Hat er frühzeitig Millionen zur Seite geschafft für ein Leben nach dem Wirecard-Zusammenbruch? Die zweiteilige Dokumentation "Die smarten Verführer - Hochstapler in der Wirtschaft" beschreibt die spektakulärsten Fälle der letzten Jahre. Drei Experten entlarven die Strategien der Hochstapler.
18:00
Boeing ist einer der größten Flugzeughersteller der Welt. Nach schweren Unfällen kommen Zweifel an der Sicherheit der Flugzeuge auf. Ist es gefährlich, mit einer Boeing zu fliegen? Mitarbeiter und Whistleblower berichten exklusiv von systematischen Qualitätsmängeln, mangelhafter Kontrolle und einer Unternehmenskultur, die wirtschaftliche Interessen über die Sicherheit stellt. Besonders die Produktion der "737 MAX" ist davon betroffen. In den US-Werken in Seattle wissen viele Mitarbeiter von den Problemen. Insider äußern sich nur unter der Bedingung der Anonymität: Erfahrene Mitarbeiter werden entlassen, die Schulung von neuen Mitarbeitenden und Piloten ist auf ein Minimum reduziert. Verschärfter Produktionsdruck und defekte, ausgemusterte Teile, die trotzdem wieder in die Produktion gelangen - noch heute könnten die 1600 ausgelieferten Flugzeuge der "737 MAX" weiterhin Mängel aufweisen. Nach zwei verheerenden Abstürzen mit 346 Toten wird 2019 ein nahezu weltweites Flugverbot gegen Maschinen der "737 MAX"-Serie verhängt. Doch auch bei anderen Modellen des Konzerns kommt es zu Zwischenfällen: Sie verlieren Teile der Kabinenwand, fangen Feuer oder stürzen ab. Angehörige von Absturzopfern und Verbände kämpfen bis heute für Transparenz und Konsequenzen. Die Dokumentation beleuchtet auch das Versagen staatlicher Aufsichtsbehörden und den Einfluss politischer Lobbyarbeit in Washington. Wie wurde der einstige Marktführer zu einem schwarzen Schaf der Luftfahrtbranche?
18:45
Persönliche Freiheit, freie Märkte, keine Steuern und möglichst wenig staatliche Eingriffe - das sind die Grundprinzipien der libertären Bewegung in den USA. Kann das funktionieren? An manchen Orten ist der libertäre Traum bereits Realität: in Elon Musks Privatstadt Starbase im Süden von Texas, in der Sonderwirtschaftszone Próspera in Honduras und im US-Bundesstaat New Hampshire, wo Libertäre zunehmend politischen Einfluss nehmen. Die Initiative "Free State Project" hat es sich zum Ziel gemacht, möglichst viele Libertäre nach New Hampshire zu bringen. Der US-Bundesstaat ist wegen seiner günstigen Steuerpolitik in libertären Kreisen beliebt. Auch das offizielle Staatsmotto "Live Free or Die - Lebe frei oder stirb" passt zur Ideologie. Im Repräsentantenhaus des Bundesstaates sitzen in den Rängen der Republikaner bereits etliche Libertäre, die versuchen, öffentliche Ausgaben etwa für Schulen, Krankenhäuser und Bibliotheken zu kürzen. In Texas stellt Unternehmer Cody Wilson Schusswaffen im 3D-Drucker her und verkauft sie als Bausatz. Seine Waffen haben keine Seriennummer, und die in seinen Augen umständliche Überprüfung der Personalien durch das FBI beim Waffenkauf entfällt. Für ihn ist sein Vorgehen Ausdruck von Freiheit und Souveränität. An der Grenze zu Mexiko hat Elon Musk rund um das Firmengelände seines Raumfahrtunternehmens SpaceX eine eigene Stadt errichtet: Starbase. Die Einwohner sind seine Angestellten und fahren seine Autos. Wasserversorgung, Straßenbau, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen - SpaceX verwaltet seine Infrastruktur selbst. Das Areal liegt auf einem Stück Land, das dem Stamm der Carrizo/Comecrudo heilig ist. Den Angehörigen des indigenen Volkes wird nun der Zugang verwehrt, sodass sie auf dem Land ihrer Vorfahren nicht mehr beten oder meditieren können. Auf der Insel Roatán vor der Küste von Honduras wird 2017 die Privatstadt Próspera gegründet. Die Enklave zieht vor allem medizinische Start-ups an, die dort ohne Zulassungsbehörden und Ethikkommissionen experimentieren und wirtschaften können. Biohacking, die Optimierung des Körpers mit technischen Mitteln, steht hoch im Kurs. Hier kann man sich experimentellen Gentherapien zur Verjüngung unterziehen oder sich eine Kreditkarte in die Hand implantieren lassen. Einblicke in die Welt der Libertären zwischen Freiheit der einen und Unterdrückung der anderen.
19:30
Die USA feiern 250. Geburtstag und ihren "American Dream". Doch was ist vom Freiheitsversprechen seit der Unabhängigkeit geblieben? Was bedeutete Freiheit damals und bedeutet sie heute? Die Gründerväter der USA propagierten Gleichheit für alle. Doch People of Color kämpfen immer noch um ihren Platz in der Gesellschaft. Und wie steht es um den Zusammenhalt der US-Amerikaner, wenn die Freiheitsrechte immer weiter eingeschränkt werden? Dr. Sheila Nazarian hat ihren persönlichen American Dream tatsächlich verwirklicht: Die jüdische Iranerin ist heute erfolgreiche Schönheitschirurgin in Los Angeles mit eigener Netflix-Serie. Als stolze US-Amerikanerin und überzeugte Trump-Unterstützerin verkörpert sie die migrantische Erfolgsgeschichte in der Doku-Reihe. Was bedeutet es hingegen, Amerikaner oder Amerikanerin zu sein, wenn die eigenen Vorfahren in Ketten dorthin gebracht wurden, wie bei Joycelyn "Joy" Davis, Nachfahrin der Versklavten des letzten bekannten Sklavenschiffs "Clotilda"? Oder wenn die Vorfahren schon da waren, lange bevor es die USA gab? Celestine Stadnick gehört zur indigenen Minderheit der Lakota und lebt im Pine Ridge Reservat in South Dakota - der ärmsten Gegend der USA. Sie nimmt das Filmteam mit nach Wounded Knee, wo 1890 das Massaker an ihrem Volk stattfand. In Arkansas legt Eric Orwoll derweil das Fundament für eine Siedlung, in der nur weiße, christliche, heterosexuelle Amerikaner willkommen sind. Für ihn gibt es zu viele Einwanderer aus "fremden Kulturen" - Amerika müsse zu seinen Wurzeln zurück. Eric sieht sich in der Tradition der europäischen Siedler, die das Land seit dem 17. Jahrhundert kolonisierten. Sie fanden ihr Glück in der Neuen Welt und erkämpften sich 1776 die Unabhängigkeit von der damaligen Supermacht England. Politikwissenschaftlerin Sudha David Wilp sieht in Menschen wie Eric eine neue Welle alten Denkens: "Die Idee, Amerika gehöre einer weißen Mehrheit, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte - sie verschwindet nie ganz, sondern taucht in neuen Formen wieder auf." Ganz anders zeigt sich Amerika in New Yorks Chinatown. Paul Eng führt den Tofu-Laden seines Großvaters weiter. Der kam in den 1930er-Jahren über den Umweg Kuba nach Amerika, weil der Chinese Exclusion Act Chinesen damals die Einwanderung verbot. Paul, erfolgreich und integriert, sieht sich heute als erster echter Amerikaner seiner Familie. Experten und Expertinnen wie die Historikerin Jill Lepore, die renommierte Journalistin Rieke Havertz oder der Historiker Volker Depkat ordnen ein: Das Freiheitsversprechen war von Anfang an umkämpft.
20:15
"Wir, das Volk" - mit diesen Worten beginnt die amerikanische Verfassung. Der zweite Teil der Doku-Reihe fragt: Wer gehörte im Land der Einwanderer von Beginn an dazu und wer nicht? War das Versprechen "We the people" nach der Unabhängigkeit vor 250 Jahren jemals für alle gedacht? Oder war die Nation der Einwanderer auch immer schon eine Nation der Ausgrenzung? Schafft Einwanderung Vielfalt, aber gleichzeitig auch soziale Konflikte? Pamela Hemphill war am 6. Januar 2021 dabei, als das Kapitol gestürmt wurde. Heute bereut die "MAGA-Granny" ihre Teilnahme zutiefst. Was trieb sie damals an? Und was hat sich seitdem für sie verändert? Die ZDF-Dokumentation begleitet sie bei ihrer Rückkehr nach Washington - fünf Jahre nach jenem Tag, der Amerika erschütterte. Den Kampf für die Freiheit sehen auch Waffenbesitzer in Virginia als ihr gutes Recht. Sie gehen auf die Straße, um Schnellfeuergewehre zu verteidigen - für sie Symbol der Freiheit, verankert in Bibel und Verfassung. Und längst greifen auch jene zur Waffe, die früher nie eine angerührt hätten. In Portland stehen sich Demonstranten Nacht für Nacht gegenüber. Die einen protestieren gegen die Abschiebepraxis des US-Präsidenten und der Einwanderungsbehörde ICE und kämpfen für die Rechte von Einwanderern. Die anderen sehen in ihnen "Terroristen", die Amerika zerstören wollen. Beide Seiten sind überzeugt: Sie verteidigen die Freiheit. "All men are created equal" - auf diesem Ideal gründete vor 250 Jahren die Unabhängigkeitserklärung. Doch für wen galt es wirklich? Die Gründerväter, die von Gleichheit schrieben, besaßen selbst Sklaven. Historikerin Keisha N. Blain betont, dass schwarze Amerikanerinnen und Amerikaner die Gründungsdokumente immer wieder beim Wort genommen haben: "Schwarze Communities haben dieses Ideal ernst genommen, auch wenn der Staat sie ausschloss." In Boston zeigt Sozialarbeiter Abrigal Forrester, wie die Spuren dieser Geschichte bis heute nachwirken und junge Menschen prägen. Politikwissenschaftler Yuval Levin erinnert daran, dass die Unabhängigkeitserklärung "eine Verpflichtung zur Gleichheit" formulierte, die bis heute als Messlatte dient. Morris Pearl ist mehrfacher Millionär und ehemals BlackRock-Manager. Er hat einst dafür gesorgt, dass Banken aus Krisen gerettet wurden. Seine Erkenntnis seitdem: "Das von den USA geprägte Finanzsystem rettet die Großen und lässt die Kleinen im Regen stehen." Heute kämpft Pearl für höhere Steuern auf Reichtum. Weil er glaubt, dass das System sonst zu Unruhen führt. Seine Geschichte führt vor Augen, dass die USA nicht nur mit gesellschaftspolitischer Spaltung zu kämpfen haben, sondern auch mit den ökonomischen Gräben zwischen Arm und Reich. Experten wie Keisha N. Blain, der frühere Nationale Sicherheitsberater John Bolton, Yuval Levin, Rachel Tausendfreund und ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen ordnen ein, wie aus dem großen Versprechen der Unabhängigkeit ein Land wurde, das so tief gespalten ist wie selten zuvor.
21:00
Die Supermacht USA wurde zugleich zum Vorbild wie zum Feindbild. Die dritte Folge der Doku-Reihe fragt: Welche Verantwortung erwächst aus dieser Macht? Werden die USA ihr gerecht? Amerika hat weltweit Politik, Wirtschaft und Kultur geprägt. Die United States of America verstanden sich als Vorreiter der Demokratie. Aber was bleibt vom American Dream, wenn das Land mit innerer Spaltung, Vertrauensverlust und globalem Gegenwind ringt? 250 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung bröckelt das moralische Fundament. Die ZDF-Doku erzählt spannende Geschichten aus den USA und schlägt den Bogen in die Vergangenheit. Expertinnen und Experten liefern tiefer gehende Analysen. Wie gelingt der Spagat zwischen Interessen und Idealen, wenn Präsident Trump Millionen Menschen im Iran mit dem Tod droht? Zum ersten Mal scheinen nicht Sicherheit und Demokratie im Vordergrund zu stehen, sondern reine Dominanz. Die Doku spürt der Frage nach, inwieweit auch in der Vergangenheit, sei es im Vietnamkrieg, im Irakkrieg oder auch im "Krieg gegen den Terror" in Afghanistan, militärische und machtpolitische Überlegenheit als treibende Kraft wirkte. Dave Guerra war als Soldat in den 1980er-Jahren in Deutschland stationiert. Seine Familie ist voller Soldaten: Beide Großväter waren im Zweiten Weltkrieg, ein Onkel in Vietnam, ein anderer in Korea. Hunderttausende US-amerikanische Soldaten vertreten bis heute US-Interessen im Ausland. Was heißt es, diese Macht in die Welt zu tragen? Und was verändert sich, wenn Soldaten nicht mehr heimkehren, weil sie im Krieg gefallen sind? Gerät die Supermacht da an ihre Grenzen? Inwiefern hat sich das positive Bild über Amerika ins Negative gekehrt? Mit dem Aufstieg der "America First"-Bewegung verschieben sich auch die Machtverhältnisse im Inneren. Big Tech ist aus den USA nicht mehr wegzudenken, die Digitalisierung wird zum wichtigsten Schlachtfeld der Supermacht. Im Silicon Valley sitzen die neuen Generäle. Der ehemalige Vize-CEO von Google, Sebastian Thrun, war Teil dieser immens erfolgreichen Entwicklung. Die Geschichte der von ihm mitentwickelten autonom fahrenden Taxis in San Francisco steht stellvertretend für das technologische Know-how und die wirtschaftliche Macht, auf denen die Vereinigten Staaten ihren Wohlstand gründen und mit denen sie ihre Dominanz festigen. Über Jahrzehnte festigen die USA ihre weltweite Präsenz auch mit Hilfsprogrammen. Unter Trump kippte dieses Gleichgewicht. In der Hauptstadt von Ecuador werden Zuschüsse für ein Schutzhaus für Mädchen gestrichen. Zur gleichen Zeit lässt US-Präsident Donald Trump seinen Amtskollegen von Venezuela, Nicolás Maduro, festnehmen. Jose Antonio Colina ist Ex-Militär und wurde von der venezolanischen Regierung mit dem Tod bedroht. Er sieht in Trump einen Befreier. Die alte Monroe-Doktrin lebt - Amerika als Weltpolizist. Aber greift das Land ein, wo es um Menschenrechte geht - oder wo es ökonomische Interessen verfolgt? Die Historikerin Jill Lepore beschreibt die amerikanische Außenpolitik als ständigen Balanceakt zwischen Idealismus und Interessenspolitik. Der Historiker Volker Depkat weist darauf hin, dass US-Interventionen immer auch von innenpolitischen Konflikten geprägt waren - vom Vietnamkrieg bis zum "Krieg gegen den Terror". ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen beobachtet von Washington aus, wie sich Amerika verändert. Die ZDF-Dokumentation begleitet ihn bei seiner Arbeit in der Hauptstadt der USA. Theveßen warnt: Wenn Amerika seine eigenen Werte verrate und sich in ein autoritäres System verwandele, "verliert es seine Strahlkraft als Leuchtfeuer der Freiheit".
21:40
Wer sind die Frauen, die zu Opfern von Jeffrey Epsteins System sexueller Ausbeutung wurden - und die ihr Schweigen brechen, um zur Aufklärung beizutragen? Betroffene, Anwälte, Journalisten und Politiker schildern den mühsamen Kampf gegen ein Netzwerk aus Macht und Missbrauch, dessen Ausmaß sich mit der Veröffentlichung der "Epstein Files" immer weiter offenbart. Die Dokumentation beleuchtet, wie der US-Multimillionär Epstein über Jahre ein Netzwerk aufbauen konnte, über das mutmaßlich eine Vielzahl von jungen Frauen, teils noch Teenager, missbraucht wurden. Zwei ehemalige Opfer erzählen, wie sie angeworben wurden und mit welchen Folgen sie über Jahre zu kämpfen hatten. Anwälte und Journalisten berichten von den Widerständen, Fortschritten und Rückschlägen bei der Aufklärung eines Falls, in den bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft verwickelt sind - und dessen Aufarbeitung auch nach dem Tod Epsteins die Öffentlichkeit weit über die USA hinaus beschäftigt. Zuletzt sorgt die Veröffentlichung der "Epstein Files" durch das US-Justizministerium, um die Kongressabgeordnete beider Parteien gerungen hatten, für neue Dynamik. Hatte US-Präsident Trump während seines Wahlkampfs noch für die Herausgabe plädiert, warf seine Zurückhaltung nach Amtsantritt Fragen nach einer eigenen Rolle im Fall Epstein auf und irritierte Teile seiner Basis. Wenngleich die Veröffentlichung bereits weitreichende Folgen hatte, sehen Insider noch Potenzial für weitere Enthüllungen.
23:10
Als Donald Trump am 20. Januar 2025 im Weißen Haus vereidigt wird, ahnt die Welt noch nicht, dass der 47. Präsident der USA die Weltordnung in atemberaubender Geschwindigkeit verändern wird. Trump und seine Gefolgsleute agieren im Fahrwasser des "Project 2025": Das Strategiepapier der nationalkonservativen "Heritage Foundation" hat die Umgestaltung der US-Gesellschaft in eine weiße, rassistische, christlich geprägte Welt zum Ziel. An Parlamenten und Gerichten vorbei regiert Trump mit Dekreten. Parallel setzt die Behörde DOGE zum Kahlschlag gegen alles an, was nun in den USA als "unnütz" gilt. Es ist der Stresstest für eine der ältesten Demokratien der Welt. Das System von "Checks and Balances" wird auf allen Ebenen ausgehebelt, zum Nutzen von Trump und seinen Getreuen. Die Dokumentation von Gaston Sasa Koren und Dietrich Duppel zeigt in eindringlichen Reportagen die Auswirkungen der "Agenda Trump" auf die Menschen in den USA: Der karitative "Health Wagon" in den Appalachen hat mehr Zulauf denn je. In den Everglades wird rund um das Abschiebegefängnis "Alligator Alcatraz" keine Rücksicht auf die Umwelt genommen. Die queere Irak-Veteranin Joy Marver verliert - wie Hunderttausende Staatsbedienstete - ihren Job. Der afroamerikanische Aktivist Elijah Miles erzieht Jugendliche in Baltimore zur Ordnung, der exzentrische Multimillionär Frederick McLendon engagiert sich in Florida für Obdachlose. Internationale Journalisten und Experten ordnen die Politik Trumps ein: Nach einem Jahr hat Trump mit disruptiver Konsequenz die USA und die Welt radikal verändert.