05:15
Die fünfjährige April Jones kommt am 1. Oktober 2012 nicht vom Spielen nach Hause. Schon bald wird klar, dass sie vermutlich nicht mehr am Leben ist. In ihrem Heimatort in Mid Wales beginnt eine fieberhafte Suche nach dem Mädchen. Der Täter scheint jemand aus dem Ort zu sein: Die Spuren führen zu Mark Bridger. Der Familienvater wird verhaftet und gibt schließlich zu, dass er zwar Aprils Tod verursacht habe, behauptet aber, es sei ein Unfall gewesen. Von der Leiche des Mädchens fehlt jedoch jede Spur. Dann stoßen die Ermittler auf verdächtige Spuren in Mark Bridgers Haus und finden schwer belastendes Material auf seinem Computer. Anscheinend hat er nicht nur kinderpornografisches Material im Internet heruntergeladen, er hat offenbar auch versucht, Kontakt zu Aprils Schwester Jazmin aufzunehmen.
06:00
Im Juli 1986 verlässt die 25-jährige Immobilienmaklerin Suzy Lamplugh ihr Büro in London, um einem Interessenten ein Objekt zu zeigen - und kehrt nie wieder zurück. Schon bald erhärtet sich der Verdacht, dass sie einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Die Polizei versucht vergeblich, die Identität ihres letzten Klienten festzustellen und herauszufinden, ob er für ihr Verschwinden verantwortlich ist. 1994 wird Suzy Lamplugh schließlich offiziell für tot erklärt, obwohl ihre Leiche nie gefunden wurde. Im Jahr 2000 wird der Fall neu aufgerollt. Und die Spuren führen zu dem verurteilten Mörder John Cannan. Dieser hat ein Jahr nach Suzys Verschwinden in Bristol eine junge Frau ermordet. Die Indizien sprechen alle gegen ihn. Wird es der Polizei gelingen, ihm den Mord an Suzy Lamplugh nachzuweisen?
06:45
1985 kommt es in einer Sozialbausiedlung in Nord-London zu den heftigsten Unruhen, die England je erlebt hat. Die brutale Gewalt führt zum Mord an dem Polizeibeamten Keith Blakelock. Nach dem Tod einer schwarzen Bewohnerin während einer Wohnungsdurchsuchung durch die Polizei eskalieren die Spannungen zwischen farbigen Jugendlichen und der Londoner Polizei. In der Nacht zum 6. Oktober 1985 kommt es zu brutalen Gewaltexzessen. Aus Mangel an Beweisen nimmt die Polizei mehr als 300 Menschen fest, drei Jugendliche und drei Erwachsene werden schließlich angeklagt. Jahre nach der Verurteilung der mutmaßlichen Täter offenbaren neue forensische Methoden einen furchtbaren Justizirrtum. Der Mord an PC Blakelock liegt nun drei Jahrzehnte zurück. Kann die Polizei den Fall endlich lösen?
07:30
Explodierende Sterne und kollidierende Kontinente haben unsere Erde geformt. Die Geschichte der Menschheit ist untrennbar mit diesen Ereignissen der Urzeit verknüpft und hat sie geformt. Die Entwicklung beruht auf physikalischen, geologischen und chemischen Prozessen. Der Anbau von Getreide ist ein Meilenstein für die Entstehung von Hochkulturen. Historiker Jonathan Markley untersucht die Entstehung der Menschheit. In der ersten Episode der Reihe "Deep Time History" analysiert Prof. Jonathan Markley die Entstehung der ersten Gesellschaften. Dabei untersucht er nicht nur die Entwicklung der Menschen von Jägern und Sammlern zu Stadtbewohnern, die Handel betreiben und Schriften nutzen. Der Historiker blickt auch tief in die Geschichte der Erdentstehung zurück und deckt ungeahnte Zusammenhänge auf.
08:15
Vor Jahrmillionen von der Plattentektonik auseinandergerissene Kontinente werden erneut miteinander verbunden. Die Reisen von Kolumbus bringen der Menschheit bahnbrechende Erkenntnisse. Nutzpflanzen und Nutzvieh gelangen von einer Region in sämtliche andere Gegenden der Erde. Auf diese Weise ändert sich die Ökologie des gesamten Planeten. "Die Zeit der Entdeckungen" ist die zweite Folge der dreiteiligen Doku-Serie "Deep Time History". In dieser Episode analysiert Forscher Prof. Jonathan Markley, wie die Entdeckung des Pfeffers die Menschheit beeinflusste. Dabei untersucht er nicht nur die Entdeckung von Gewürzen, Kulturen und Tierarten. Der Historiker blickt auch tief in die Geschichte der Erdentstehung zurück und deckt ungeahnte Zusammenhänge auf.
09:00
Verglühende Sterne und Chlorophyll bereiten den Weg für Massenproduktion und Kriege. Die Geschichte der Industrialisierung wurzelt dabei tief in urzeitlichen Ereignissen. Nitrate ermöglichen die Ernährung von Millionen Menschen. Doch der Chemiker Fritz Haber entdeckt auch ihre Sprengkraft. Eine Massenvernichtungswaffe ist geboren. "Der Weg in die Moderne" ist die dritte Folge der dreiteiligen Doku-Serie "Deep Time History". In dieser Episode zeigt der Forscher Prof. Jonathan Markley nicht nur die Entwicklung von Energiegewinnung durch Bäume hin zur Konstruktion von Schiffen und schließlich von Autos. Er analysiert auch, wie aus Sternentrümmern das entscheidende Element Eisen entsteht und wie sich daraus letztlich unsere Planeten formen. Dabei blickt der Historiker tief in die Geschichte der Erdentstehung zurück und stellt ungeahnte Zusammenhänge vor.
09:43
Egal, ob Politik, Wirtschschaft, Kultur oder Gesellschaft - das Nachrichtenmagazin informiert kurz und knackig über aktuell relevante Themen.
09:45
In der dritten Staffel der "Terra X"-Zeitreise taucht der Berliner Archäologe Matthias Wemhoff erneut in die Parallelgeschichte der Zivilisationen ein, diesmal in das Jahr 1000 vor Christus. Der Blick auf zeitgleiche Kulturen weltweit, die sich oftmals weit voneinander entfernt entwickeln und nichts voneinander wissen, eröffnet ein spannendes Geschichtsbild. Dadurch werden erstaunliche Gemeinsamkeiten offenbar, aber auch grundlegende Unterschiede. Um 1000 vor Christus soll König David Jerusalem erobert und den Ort im Bergland Palästinas zum religiösen und politischen Mittelpunkt seines aufstrebenden Reiches gemacht haben. Heute wird die gesamte Ära nach einer neuen Metall-Legierung benannt: die Bronzezeit. Aber gab es tatsächlich schon überall Bronze? Matthias Wemhoff zeigt, wie die Menschen nördlich der Alpen vergeblich versuchten, die aus Ägypten importierten kupfernen Schwerter mit Stein zu kopieren. Archäologische Funde zeigen, dass Waren und Ideen bereits 1000 vor Christus von den Regionen rund um das Mittelmeer in den Norden wanderten. So gelangte vielleicht auch das Wissen um den Lauf der Gestirne in das Gebiet des heutigen Deutschland. Hier fanden Archäologen riesige Goldhüte, anhand derer es Weisen wahrscheinlich gelang, den Lauf der Jahreszeiten zu bestimmen und Sonnenfinsternisse vorauszusagen. Die Gestirne lesen zu können, war auch für eine weit entfernte Kultur auf der anderen Seite der Erde wichtig. Die Menschen der Lapita-Kultur, die späteren Polynesier, hatten sich vor 3000 Jahren mit einfachen Kanus aufgemacht, um größere Distanzen zu überwinden. Die Sterne waren ihr "Navi", und ihre Seefahrerkünste sind bis heute bewundernswert. Die Lapita hatten ebenso wenig Kenntnis von Bronze wie die mysteriösen Olmeken, die zu gleicher Zeit in Mexiko lebten. Lange vor den Maya bauten die Olmeken die ersten Pyramiden Mittelamerikas und fertigten gigantische Kopfskulpturen. Sie waren auch die ersten Menschen Amerikas, die Schrift verwendeten. Zur gleichen Zeit erfanden die Phönizier in Nordafrika ein Alphabet mit nur 22 Zeichen - das über die schon damals existierenden Handelswege zur Grundlage für unser ABC wurde. Doch viele Geschichten aus dieser Zeit sind nur durch Mythen und Legenden überliefert. Etwa die der sagenumwobenen Königin von Saba, deren Sohn Menelik die Bundeslade mit den Zehn Geboten nach Äthiopien gebracht haben soll. In Äthiopien trifft Matthias Wemhoff auf ein Team deutscher Archäologen, die beeindruckende Tempel untersuchen und so tatsächlich eine Verbindung vom Königreich Saba nach Äthiopien nachweisen können. Matthias Wemhoff führt die Zuschauer durch diese ferne Zeit, zeigt Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf und schaut vor allem auch, welche kulturellen Errungenschaften von damals wir heute noch in unserem Alltag finden. Eine Zeitreise, die im Heute endet.
10:30
Mirko Drotschmann beleuchtet eine Epoche, die erst seit rund 20 Jahren im Fokus der Archäologie in Deutschland steht: die Frühe Bronzezeit. Auslöser für diesen Forschungsboom war der Fund der Himmelsscheibe von Nebra. Sie wurde 1999 von Raubgräbern entdeckt und gestohlen, konnte aber in einer krimiähnlichen Aktion sichergestellt werden. Seitdem ist sie im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle ausgestellt. Die Himmelsscheibe gilt als der bedeutendste archäologische Fund auf dem Gebiet des heutigen Deutschland und ist eines der bestuntersuchten archäologischen Objekte unserer Geschichte. Die älteste konkrete Himmelsdarstellung der Menschheit diente wahrscheinlich als Kalender. Doch welche Kultur hatte vor rund 4000 Jahren das Wissen und die Technik, ein solches Hightech-Objekt herzustellen? Bisher wurde angenommen, dass damals auf dem Gebiet Mitteldeutschlands Stammesfürsten über einfach strukturierte Gemeinschaften von Jägern und Viehzüchtern herrschten. Doch die Entdeckung der Himmelsscheibe von Nebra hat den Blick auf die Frühe Bronzezeit verändert. Der Fund wurde der Schlüssel zum Verständnis einer Gesellschaft, die weiter entwickelt war als bisher vermutet, obwohl sie weder die Schrift kannte noch gewaltige Steinmonumente hinterlassen hat. Mirko Drotschmann trifft Forschende, die gerade dabei sind, diese untergegangene Welt der Himmelsscheibe wieder ans Licht zu bringen - mit vielen spektakulären Entdeckungen. Dazu gehört der gigantische Grabhügel bei Dieskau. Das Monument war ursprünglich 15 Meter hoch und hatte einen Durchmesser von 65 Metern - Symbol für die Macht und den Reichtum des Bestatteten. Oder die aus Baumstämmen errichtete Ringanlage bei Pömmelte, die Sonnenobservatorium und Ritualort zugleich war. Knochen- und Schädelfunde lassen vermuten, dass dort an der Schwelle von der Steinzeit zur Bronzezeit Menschen geopfert wurden. Ganz in der Nähe der Anlage legen Archäologen zurzeit die größte frühbronzezeitliche Siedlung Mitteleuropas frei. Grundlage für den Aufstieg des Reiches der Himmelsscheibe ist die Bronze, ein Werkstoff, der in der Natur nicht als Erz vorkommt, sondern aus einer Legierung von Kupfer und Zinn entsteht. Die Rohstoffe mussten aus verschiedenen Regionen Europas herbeigeschafft werden. Die Fürsten in Mitteldeutschland kontrollierten offenbar die Warenströme und wurden dadurch wohlhabend und mächtig. Ihr Reich hat vermutlich viele Jahrhunderte in der fruchtbaren Region zwischen Harz, Saale und Elbe existiert. Anhand von archäologischen Funden ist man heute in der Lage, das Alltagsleben der bronzezeitlichen Menschen zu rekonstruieren. Sie lebten in Langhäusern, die sich mehrere Familien teilten - im Winter sogar mit dem Vieh. Nicht nur Lebensumstände, Kleidung oder Ernährung lassen sich inzwischen nachvollziehen, Gräberfunde im Lechtal nahe Augsburg bringen auch erstaunliche Erkenntnisse über die Rolle der Frauen vor 4000 Jahren zutage. Sie waren deutlich mobiler als Männer und brachten vermutlich das Wissen der Bronzeherstellung aus dem Technologiezentrum bei Halle in den Süden Deutschlands. Grund dafür war ein neues Heiratssystem, das junge Frauen dazu zwang, an den Heimatort ihres zukünftigen Mannes zu ziehen. Jahrhundertelang war die Himmelsscheibe Ausdruck von Macht und Prestige der Herrscher von Nebra. Um das Jahr 1600 vor Christus wurde sie auf dem Mittelberg bei Nebra in der Erde deponiert. Warum, wissen wir nicht. Mit der Himmelsscheibe verschwand das Reich von Nebra im Dunkel der Geschichte - bis die Scheibe nach etwa 3600 Jahren wiederauftaucht. Und mit ihr die Geschichte Deutschlands in der Frühen Bronzezeit.
11:20
Goodbye Kaiser - hello Party! In dieser Folge der "Terra X"-Reihe "Deutschland in ..." mit Mirko Drotschmann nimmt der Historiker die Goldenen Zwanziger unter die Lupe. Vor rund 100 Jahren erleben die Deutschen ein wildes Jahrzehnt. Der Erste Weltkrieg ist zu Ende, das prüde Kaiserreich Geschichte. Vergnügen, Rausch und Tempo bestimmen das neue Lebensgefühl. Es ist ein Aufbruch, aber es gibt auch Schattenseiten. Die Goldenen Zwanziger stehen für Tabufreiheit, Experimentierfreude in Kunst und Film, für sprühenden Erfindergeist und für die Emanzipation der Frau. Alles golden also? Nicht für alle Deutsche - viele Hunderttausende sind Kriegsinvaliden, es gibt Massenarmut, Arbeitslosigkeit und verdeckte Prostitution. Was ist Mythos, was Wahrheit an unserem Bild von den Goldenen Zwanzigern? Mirko Drotschmann zeigt das schillernde Jahrzehnt zwischen Kaiserzeit und Diktatur in allen Facetten. Dafür besucht er Revuepaläste und Bauhausvillen, testet einen Raketenwagen und steigt in eine der ersten Lufthansa-Maschinen. In einem virtuellen Studio lässt der Moderator den größten Amüsiertempel Berlins, das "Haus Vaterland", wieder auferstehen oder verwandelt sich in ein Kunstobjekt des Expressionismus, Kubismus und Surrealismus. Die Goldenen Zwanziger umfassen die Zeit zwischen der Hyperinflation 1923 und der Wirtschaftskrise 1929. Nur sechs Jahre, in denen die Wirtschaft brummt und viele Deutsche eine Zeit von Wohlstand und Freiheit genießen können. Erstmals leben sie in einer Demokratie - der Weimarer Republik. Die Verfassung der Weimarer Republik gilt als eine der fortschrittlichsten der Welt. Frauen dürfen zum ersten Mal in der deutschen Geschichte wählen und sich sogar wählen lassen. Fast jede dritte Frau ist damals berufstätig: als Stenotypistin, "Fräulein vom Amt", aber auch als Rechtsanwältin oder Juristin. Zum Erkennungszeichen der "neuen Frau" wird die Mode. Flapper-Kleid und Bubikopf ersetzen die langen Zöpfe und engen Korsagen der Kaiserzeit. Auch das Auto wird zum Symbol der weiblichen Emanzipation. Dafür steht vor allem Clärenore Stinnes, die als erster Mensch überhaupt mit einer Limousine die Welt umrundet. Die Brüder Wilhelm und Fritz Opel importieren 1923 ein neuartiges Fertigungsverfahren aus Amerika - das Fließband - und senken damit die Produktionskosten. Der "Opel Laubfrosch" wird damit zum "Auto für jedermann". BMW, Daimler und Audi ziehen nach. 1924 rattern über 100.000 Autos durch die Weimarer Republik. Kürzere Arbeitszeiten durch die Einführung des Achtstundentages lassen die Freizeitkultur aufblühen. Autorennen, Boxkämpfe oder Radsport werden zum Massenvergnügen. Nach den Erfahrungen von Krieg und Wirtschaftskrise feiern die Deutschen, als ob es kein Morgen gäbe. Die Hauptstadt Berlin wirbt mit mehr als 100 Nachtklubs, Bühnen und Varietés um die vergnügungssüchtige Kundschaft. Auch wenn es um Wissenschaft geht, sind die Zwanzigerjahre "golden". Die Weimarer Republik stellt damals ein Drittel aller Nobelpreisträger, darunter Fritz Haber, Max Planck oder Albert Einstein. Der Berliner Arzt Magnus Hirschfeld gründet das weltweit erste Institut für Sexualwissenschaft. Mit seinem Einsatz für die Anerkennung von gleichgeschlechtlicher Liebe und Transsexualität ist er seiner Zeit weit voraus. Und der schwäbische Ingenieur Claude Dornier bricht mit seinen Amphibien-Flugzeugen zu neuen Ufern auf. Zum Beispiel mit dem "Wal", einem Flugboot, das 1925 Roald Amundsen zu seiner Arktisexpedition fliegt, oder der "DO-X", das seinerzeit das größte Flugzeug der Welt ist. Der Börsencrash in den USA im Oktober 1929 läutet das Ende der schillernden Zwanzigerjahre ein. Auch in Deutschland stürzen die Aktienkurse in den Keller - bankrotte Firmen, Massenarbeitslosigkeit und Verelendung sind die Folge. Die Krise erschüttert die junge Weimarer Republik. In weniger als vier Jahren ergreifen die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler die Macht und versetzen Deutschland und den Rest der Welt in Angst und Schrecken.
12:00
Die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert ist eine der größten Umwälzungen der Geschichte. Innerhalb weniger Jahrzehnte werden die Deutschen in die Moderne katapultiert. Mirko Drotschmann geht in dieser Folge der Frage nach, was es heißt, wenn ein Land in so atemberaubendem Tempo umgekrempelt wird, und was das mit den Menschen macht, deren Arbeitswelt sich durch neue Technologien radikal verändert - eine Parallele zu heute. Buchstäblich zum Motor dieser Entwicklung wurde eine Erfindung des Schotten James Watt: die Dampfmaschine. Sie sorgt im 19. Jahrhundert auch in Deutschland für ungekannten Schwung - vor allem in Gestalt der Eisenbahn. Am Anfang haben viele Menschen noch Angst vor dem "rauchspeienden Drachen", wie die Dampflokomotive wegen ihres Schnaubens und Zischens genannt wird. Doch ihr Siegeszug ist nicht aufzuhalten. Mit der Eisenbahn wächst der Hunger auf Eisen und Stahl, Werkstoffe, die bald Alltag und Arbeitswelt erobern. Selbst was alt und vertraut erscheint, wie das Schloss Neuschwanstein aus dem späten 19. Jahrhundert, beruht hinter der mittelalterlichen Fassade auf modernen Eisen- und Stahlkonstruktionen. Um die immense Nachfrage bedienen zu können, werden auch für die Industrie gigantische Bauwerke errichtet - wie die Völklinger Hütte, das weltweit einzig erhaltene Eisenwerk aus der Blütezeit der Industrialisierung. Doch mit dem Vormarsch der Maschinen gehen auch schlechtere Lebens- und Arbeitsbedingungen einher. Das zeigt sich besonders drastisch im Ruhrgebiet, wo alte Bilderbuchlandschaften dem Fortschritt weichen müssen. Die industrielle Ausbeutung der Kohlereviere hat das Ruhrgebiet im Durchschnitt um zwölf Meter absacken lassen. Deshalb müssen heute über 200 Pumpwerke Tag und Nacht laufen, sonst würde den Menschen dort bald das Wasser im Wohnzimmer stehen. Zur größten Herausforderung des Industriezeitalters wird die soziale Frage. Arbeitnehmerrechte müssen sich die Arbeiter erst mühsam erkämpfen; unterstützt werden sie dabei von den ersten Sozialdemokraten im Parlament. In Sachsen, damals ein Zentrum der deutschen Textilindustrie, kommt es 1903 zum Massenstreik. Bemerkenswert: Frauen und Männer streiken gemeinsam, zum ersten Mal in der deutschen Geschichte. Landesweit führt der Arbeitskampf der rund 8000 Textilarbeiter in Crimmitschau zur Beschwörung einer solidarischen Arbeiterklasse. Während die Mehrheit der Deutschen in Mietskasernen in den wachsenden Großstädten lebt, lassen sich die Firmengründer, Stahlbarone und Eisenbahnkönige Villen und ganze Schlösser bauen, wie man sie nur von den Landsitzen des Adels kannte. Wie kein zweiter Bau symbolisiert Alfred Krupps Villa Hügel in Essen Macht und Pracht dieses neuen Unternehmertums, das auch dank enger Kontakte zum preußischen Herrscherhaus floriert. Mit der Reichseinigung 1871 startet Deutschland in eine zweite fulminante Phase der Industriellen Revolution. Nach Kohle und Stahl werden jetzt neue Industrien wie Maschinenbau, Elektrotechnik und Chemie zu Schrittmachern der Wirtschaft. Dank der engen Zusammenarbeit mit Forschung und Wissenschaft entstehen viele erfolgreiche Produkte. Ob synthetischer Farbstoff, Schmerztablette, Zündkerze oder Kaffeefilter - ohne die zahlreichen Erfindungen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wäre unser heutiger Lebensstil nicht denkbar. Vieles mutet erstaunlich fortschrittlich an: Bereits um die Jahrhundertwende entwickelt Ferdinand Porsche beispielsweise den ersten serienmäßigen Hybridantrieb mit elektrischem Radnabenmotor. Heute steht Deutschland erneut vor einem epochalen Umbruch. Roboter, künstliche Intelligenz, all das wird kommen - oder ist in vielen Industrien sogar schon da. Und die historischen Erfahrungen zeigen: Technischer Fortschritt hat immer seinen Preis, aber auch seine Chancen.
12:45
Wovon träumen junge Chinesinnen und Chinesen? Welche Hoffnungen und Ziele haben sie? Glauben die Enkel der Aufstiegsgeneration noch an Fortschritt durch Arbeit und Wohlstand für alle? Die ZDF-Korrespondentinnen Elisabeth Schmidt und Miriam Steimer begleiten junge Menschen in China 24 Stunden lang, einen Tag und eine Nacht. Sie treffen Aussteigerinnen in entlegensten Dörfern, frischgebackene Selbstständige, Zweifler und Quereinsteiger in den glitzernden Mega-Metropolen - auf der Suche nach den Gesichtern und Geschichten hinter dem von Staats- und Parteichef Xi Jinping ausgerufenen "Chinesischen Traum".
13:35
Wovon träumen junge Chinesinnen und Chinesen? Welche Hoffnungen und Ziele haben sie? Glauben die Enkel der Aufstiegsgeneration noch an Fortschritt durch Arbeit und Wohlstand für alle? Die ZDF-Korrespondentinnen Elisabeth Schmidt und Miriam Steimer begleiten junge Menschen in China 24 Stunden lang, einen Tag und eine Nacht. Sie treffen Aussteigerinnen in entlegensten Dörfern, frischgebackene Selbstständige, Zweifler und Quereinsteiger in den glitzernden Mega-Metropolen - auf der Suche nach den Gesichtern und Geschichten hinter dem von Staats- und Parteichef Xi Jinping ausgerufenen "Chinesischen Traum".
14:15
Italien steht für Romantik und ewige Liebe. Doch es kriselt: Finanzielle Sorgen machen viele junge Erwachsene zu Nesthockern, ein partnerschaftliches Zusammenleben rückt in weite Ferne. Die wirtschaftliche Spaltung des Landes in Nord und Süd prägt die Lebensentscheidungen junger Italienerinnen und Italiener. Paare binden sich später, die Geburtenrate sinkt auf ein Rekordtief. Eine Gesellschaft im Krisenmodus. Gibt es noch Hoffnung für die Liebe? Ob im wirtschaftlich reicheren Norden Italiens oder im tiefreligiösen Süden des Landes, die Situation scheint dieselbe zu sein: Paare, die sich finden, werden immer älter. Die Zahl der Eheschließungen nimmt ab, auch kirchliche Trauungen gehen signifikant zurück. Obwohl italienische Männer von ihren Verführungskünsten überzeugt sind, finden vor allem Frauen im Norden schwer einen adäquaten Partner. Sie sind besser ausgebildet und finanziell unabhängig, wollen nicht das typische Rollenklischee verkörpern. Im ärmeren Süden bestimmt zum Großteil das streng katholische Familienbild die Lebenswirklichkeit. Viele junge Erwachsene leben noch im Elternhaus. Ohne Heirat offen ihre Beziehungen zu führen, ist für die meisten unmöglich. Oft lassen geringe Einkommen und hohe Arbeitslosigkeit Träume von Ehe und Partnerschaft zerplatzen. Die demografische Entwicklung in Italien ist besorgniserregend. Hinzu kommt der politische Umbruch mit Giorgia Meloni als Regierungschefin. Das Recht auf Abtreibung ist seit 1978 in der Verfassung verankert. Religiöse Gruppen laufen Sturm dagegen und fordern, Schwangerschaftsabbrüche zu verbieten. Frauenrechtlerinnen befürchten einen gesellschaftlichen Rückschritt und organisieren ihren öffentlichen Widerstand. Italien scheint in vielerlei Hinsicht tief gespalten. Das religiös geprägte Familienmodell im Süden, die offenere Gesellschaft im Norden - eine unüberwindbare Ambivalenz? Wie wollen wir lieben? Die Sehnsucht nach Glück ist universell, aber die Wege dorthin sind schmerzhaft und bewegend, überraschend und skurril.
15:00
Dubai - Tummelplatz der Reichen und Schönen aus aller Welt. Knapp 90 Prozent der Einwohner sind Zugewanderte. Für sie gelten auch in Bezug auf Liebe andere Regeln als für Einheimische. Liebe ist in Dubai ein profitables Geschäft. Zahlreiche Agenturen haben sich auf Heiratsanträge, Partnervermittlungen oder Babypartys spezialisiert. In der oberflächlichen Luxus-Glitzerwelt ist es gar nicht so einfach, den Mann oder die Frau fürs Leben zu finden. Influencerin Kelly lässt ihre rund 90.000 Instagram-Follower an ihrem Leben als Multimillionärin, Geschäftsfrau und Mutter teilhaben und gibt für eine Babyparty mit ihren Freundinnen so viel aus wie andere für eine ausschweifende Hochzeit. Auf Schönheit wird in Dubai viel Wert gelegt - die Dichte an Schönheitschirurgen ist enorm. Wer sein Event mit attraktiven Frauen schmücken möchte, nutzt die App von Javed. Auf seiner Plattform werden Frauen in verschiedenen Kategorien nach einem Punktesystem bewertet und gegen Gefälligkeiten wie Gratis-Cocktails oder Ähnlichem zu Partys und Geschäftsempfängen eingeladen. Weitere Verpflichtungen entstehen für die Frauen dabei nicht. Die Partnervermittlungsagentur von Christiana richtet sich an eine ultrareiche Klientel mit höchsten Ansprüchen - zwischen 30.000 und 250.000 US-Dollar kostet ihr Service. Die einheimischen Emiratis pflegen derweil ihre streng konservativen Traditionen mit arrangierten Ehen und klarer Rollenverteilung zwischen Mann und Frau.
15:50
Der "Central de Abasto" in der 22-Millionen-Metropole Mexiko-Stadt ist einer der größten Märkte der Welt. Auf seinen 327 Hektar Fläche treffen Handel und Kriminalität aufeinander. Etwa 500.000 Besucherinnen und Besucher zählt der Megamarkt pro Tag. Denn dort gibt es nicht nur Obst und Gemüse, sondern alles für den täglichen Bedarf. Rund 100.000 Menschen finden dort Arbeit - vom einfachen Lastenträger bis zum Großhändler. Der Abasto ist auch ein Abbild der mexikanischen Gesellschaft mit all ihren Problemen. Während es die einen mit dem Gemüsehandel zu erheblichem Reichtum gebracht haben, leben andere am Rande des Marktes in extremer Armut als Tagelöhner unter Plastikplanen. Selbst die, die als "fliegende Händler" einen Platz auf den Verkaufsflächen ergattert haben, müssen um ihre Existenz fürchten. Denn auch dort sind Erpressung, Korruption und Gewalt an der Tagesordnung - trotz massiver Polizeipräsenz und den Versprechen der Marktverwaltung, Reformen durchzusetzen. Und längst haben auch Kartelle wie "Jalisco Nueva Generación" erkannt, wie man zum Beispiel mit Avocados und Limetten, die zu den Grundnahrungsmitteln der mexikanischen Bevölkerung gehören, reich werden kann. In Michoacán, dem Hauptanbaugebiet für Avocados, erpressen sie von den Bauern immer höhere Abgaben - und schrecken nicht vor massiver Gewalt zurück. Während sich dort Bürgermilizen den kriminellen Banden entgegenstellen, wirkt sich der zunehmende Preisdruck immer mehr auf den "Central de Abasto" und seine Kundinnen und Kunden aus.
16:30
Indien ist das Land der Schlangen. Es gibt sie in den Häusern, auf Dächern, Terrassen und in der Kanalisation. Jährlich sterben in Indien über 50.000 Menschen infolge ihrer Bisse. Sebastian Perez Pezzani begleitet die Schlangenfänger der Irulas. Mit einem einfachen Schlangenhaken, einem Leinensack und einem Korb machen sich Kali und seine Frau Alamelu auf die Suche nach den sogenannten Big Four, den vier giftigsten Schlangen der Welt. Mit bloßen Händen und einfachsten Gegenständen fangen die berühmten Schlangenfänger aus der Bevölkerungsgruppe der Irulas Kobras, Indische Kraits, Kettenvipern und Gemeine Sandrasselottern. Früher verkauften die Jäger die kostbare Haut der Tiere oder bildeten die Tiere für Schlangen-Shows aus. Doch seit 1972 ist dies in Indien per Gesetz verboten. Seither fangen die Irulas die Schlangen, um sie zu melken. Aus dem Schlangengift werden dringend benötigte Immunseren und Arzneimittel zur Behandlung von Krebs gewonnen. Dank des Geschicks und der Tradition dieser Volksgruppe können jedes Jahr Tausende von Menschenleben gerettet werden. Der Journalist Sebastian Perez Pezzani begibt sich an die härtesten Orte der Welt und dokumentiert das Leid der Menschen, deren Alltag durch Armut, Elend und Kriminalität beherrscht wird.
17:15
Der Limpopo-Nationalpark in Mosambik ist eines der größten Wildtierreservate Afrikas. Doch durch illegalen Elfenbeinhandel und exzessive Wilderei ist der Tierbestand akut bedroht. Einst war der Park die Heimat der "Big Five": Elefanten, Nashörner, Löwen, Leoparden und Büffel. In nicht einmal zehn Jahren haben Wilderer mehr als die Hälfte der Tiere getötet. Eine von der Regierung ins Leben gerufene Spezialeinheit hat ihnen den Kampf angesagt. Sebastian Perez Pezzani begleitet die Ranger des Limpopo-Parks in Mosambik durch ihren Alltag. Auf der Suche nach Wilddieben schlägt er sich mit ihnen durch die Savanne und erlebt mit, wie die letzten Dickhäuter aus reiner Profitgier grausam getötet werden. Dabei werden die Wilddiebe oft von der Bevölkerung geschützt, denn in dem armen Land ist die Versuchung groß, sich durch Wilderei ein Zubrot zu verdienen. Wie immer sieht sich Pezzani beide Seiten an und trifft sich auch mit einem ehemaligen Wilddieb, der ihm erklärt, wie die Wilderer es schaffen, den Rangern zu entkommen. Doch solange es Märkte gibt, auf denen astronomische Preise für Elfenbein und Rhinozeros-Hörner bezahlt werden, scheint der Kampf gegen die Wilderei ein aussichtsloses Unterfangen. Der Journalist Sebastian Perez Pezzani begibt sich an die härtesten Orte der Welt und dokumentiert das Leid der Menschen, deren Alltag durch Armut, Elend und Kriminalität beherrscht wird.
18:00
Der Amazonas ist Handelsroute und Lebensader für Brasilien. Doch seit Jahren mehren sich Überfälle von Flusspiraten. Ihre bevorzugte Beute: leichtverkäufliches Benzin. Nach einem Überfall auf ein Frachtschiff nimmt eine kleine Spezialeinheit die Ermittlungen auf. Die Männer stehen im Ruf, unbestechlich und besonders hartnäckig zu sein. Mit ihrem schwimmenden Revier begeben sie sich auf die Suche nach dem gestohlenen Treibstoff. Sebastian Perez Pezzani geht an Bord und erlebt hautnah, wie die Polizisten von Ort zu Ort fahren, um den Piraten auf die Spur zu kommen. Der Journalist begleitet sie bei Befragungen in Dörfern entlang des Flusses, aber auch beim Versuch, den Kopf der Bande in seinem Versteck festzunehmen. Gemeinsam mit ihnen entdeckt er tief im undurchdringlichen Regenwald das Diebesgut. Da ein festgenommener Pirat geständig ist, kann schließlich sogar der Hintermann ausfindig gemacht und die ganze Bande verhaftet werden. Der Journalist Sebastian Perez Pezzani begibt sich an die härtesten Orte der Welt und dokumentiert das Leid der Menschen, deren Alltag durch Armut, Elend und Kriminalität beherrscht wird.
18:45
"Licht aus, Spot an!" - so lautet der Schlachtruf, der in den 70er-Jahren eine ganze Generation elektrisiert. Die legendäre TV-Sendung bringt ein neues Lebensgefühl auf den Punkt: Disco! "Dancing Queen" oder "Saturday Night Fever" sind die Hymnen der "Generation Disco". Am Wochenende heißt es: aufbrezeln und abtauchen in die glitzernde Welt unter der rotierenden Discokugel. Zumindest in Westdeutschland. Doch wie sieht das Nachtleben Ost aus? 1959 öffnet in Deutschland die erste Diskothek ihre Pforten - in Aachen. Eigentlich aus der Not heraus, denn Liveauftritte von Bands sind schwer zu bekommen. Ein cleverer Restaurantbesitzer lässt Platten auflegen, die Musikstücke von einem launigen Moderator ankündigen und nennt das Ganze "Jockey Tanz Bar". Damit ist auch die neue Berufsbezeichnung "Disc-Jockey", kurz "DJ" geboren. In den 60ern schießen Discos wie Pilze aus dem Boden, firmieren damals aber oft noch unter "Beat-Schuppen" oder "Jazz-Club". Das "Blow Up" in München ist 1967 als erste Großraumdisco eine Sensation, bald berühmt für wilde Happenings, exzessive Drogenpartys und viel Prominenz. Dort geben sich Uschi Obermaier, Andreas Baader und Günter Grass ein fröhliches Stelldichein. Doch auch in der DDR will sich die Jugend vergnügen und vor allem: tanzen! Der SED-Staat steht den Beats aus dem Westen skeptisch gegenüber. Stattdessen will man die jungen Leute nach sowjetischem Vorbild für den Volkstanz erwärmen. Als das Unternehmen scheitert und die Jugend sogar für den Rock 'n' Roll auf die Straße geht, rückt der Unterdrückungsstaat massiv gegen die Beat-Bewegung vor. Die 70er-Jahre sind die Goldenen Zeiten der Disco: In der Musik entwickelt sich ein eigener Stil, bei dem es vornehmlich auf die Tanzbarkeit ankommt. ABBA, Donna Summer und die Bee Gees sind die neuen Götter am Disco-Himmel. "Die neue weltweite Religion heißt Disco", bringt es Amanda Lear auf den Punkt. Die modernen Musiktempel protzen mit allerlei Hightech: Scheinwerferanlagen, Lichtorgeln, Supersound. Mitte der 80er-Jahre gilt die Disco als tot: "Aids" lässt die Disco-Szene vor Schreck erstarren, die unbeschwerten Jahre des Dancefloors sind unwiederbringlich vorbei. In Deutschland bricht sich nach dem Mauerfall vor allem bei der Jugend aus der DDR die Sehnsucht nach grenzenlosem Feiern Bahn: In illegalen Klubs tanzen Ost und West gemeinsam. Auch musikalisch brechen neue Zeiten an: Techno, Hip-Hop, Trance und House sind die Beats der Stunde.
19:30
Schlager begleiten uns ein Leben lang. In jedem Song steckt ein Stück Zeitgeist - und jede Menge Erinnerungen. Ein Blick zurück in die Schlagercharts ist auch ein Blick in die Geschichte. "Terra X History" geht auf eine musikalische Zeitreise, von der Nachkriegszeit bis in die "Goldenen Jahre" des deutschen Schlagers. Wie hat sich der Schlager im geteilten Deutschland entwickelt? Gab es einen "Schlager Ost" und einen "Schlager West"? Nach dem verheerenden Krieg sehnen sich viele Deutsche nach Ruhe und Ablenkung - auch musikalisch. Schlager werden zur kleinen Flucht aus dem oft trostlosen Alltag. Rudi Schuricke landet mit den "Capri-Fischern" den ersten großen deutschen Nachkriegshit. Wie kaum ein anderes Lied spiegelt es die Sehnsucht nach einer heilen Welt wider. In den 50er-Jahren ist die Schlagerwelt zwischen Ost und West noch halbwegs in Ordnung: Die Grenzen sind durchlässig, Künstler dürfen "hüben wie drüben" Konzerte geben. Es gibt Lizenzverträge zwischen westdeutschen Plattenfirmen und der ostdeutschen Monopolgesellschaft Amiga. Hits von ostdeutschen Schlagerstars wie Bärbel Wachholz oder Lutz Jahoda gibt es auch im Westen zu kaufen. Und auf ostdeutschen Plattentellern drehen sich Scheiben von Heidi Brühl, Freddy Quinn und Peter Beil. Der Mauerbau 1961 beendet auch die musikalische Zusammenarbeit jäh - westdeutsche Schlagerstars verschwinden quasi über Nacht aus dem Katalog von Amiga. Im Westen beflügelt der Sound der Beatmusik die deutsche Schlagerszene, in der DDR hingegen werden Songs mit englischen Wörtern verboten. Die Siebziger gelten als die "Goldenen Jahre" des Schlagers: Die "ZDF-Hitparade" bietet Stars wie Udo Jürgens, Howard Carpendale, Mary Roos, Jürgen Drews und Wencke Myhre eine Bühne für Hits, die bis heute auf keiner Party fehlen dürfen. Die Dokumentation erinnert an die großen deutschen Schlager. Prominente Schlagerstars wie Michael Holm, Olli Dittrich und Claudia Jung erzählen von unvergesslichen Momenten und erinnern sich an persönliche Erlebnisse.
20:15
In den 80er-Jahren wird die Schlagerwelt ordentlich aufgemischt: Die Neue Deutsche Welle bringt frische Töne in die Hitparaden. Auch Rock und Volksmusik mischen sich mit dem Schlager. Provokante Auftritte, sinnfreie Texte - nicht jeder kann sich mit den bunten Vögeln der Neuen Deutschen Welle anfreunden. In den 80ern rücken DDR und Bundesrepublik musikalisch wieder enger zusammen. "Über sieben Brücken..." wird zum gesamtdeutschen Hit. Auch die Sorge um die Umwelt, das "Waldsterben" und die Angst vor einem möglichen Atomschlag kommen in Zeiten des Kalten Krieges in Schlagern zum Ausdruck: "Eiszeit" von Peter Maffay, "Die weißen Tauben sind müde" von Hans Hartz oder "Besuchen Sie Europa" von Geier Sturzflug sind Beispiele für die politische Stimmung in der Bundesrepublik der 80er-Jahre. Höhepunkt ist der Auftritt von Nicole beim "Grand Prix Eurovision" 1982 mit "Ein bisschen Frieden", mit dem die 17-jährige Schlagersängerin den ersten Platz für Deutschland holt. Die deutsch-deutsche Teilung wird von Udo Lindenberg im "Sonderzug nach Pankow" beklagt - schließlich darf der Kultsänger damit sogar im Ostberliner "Palast der Republik" auftreten. Nach dem Mauerfall werden politische Botschaften in deutschen Schlagern eher zur Seltenheit. Dafür rücken Rock und Schlager enger zusammen, auch der volkstümliche Schlager spielt mit "Herzilein" enorme Summen ein. Mit Andrea Berg und Helene Fischer kommt neuer Wind in die Schlagerwelt. Ihre Auftritte ähneln denen amerikanischer Topstars und begeistern auch ein junges Publikum.
21:00
Sommer 1974: Bei der Weltmeisterschaft in der Bundesrepublik kommt es zum ersten und einzigen deutsch-deutschen "Bruderduell" der Fußballnationalmannschaften aus West und Ost. Ein Spiel, das von beiden Seiten rasch zum "Kampf der Systeme" hochstilisiert wird. Im Osten überprüft und überwacht die Stasi Spieler und Fans eingehend. Im Westen diskutiert man eigentlich nur über die Höhe des Sieges gegen die "Staatsamateure" aus der DDR. Es kommt, wie es kaum jemand erwartet: Am 22. Juni 1974 gewinnt die DDR im Hamburger Volksparkstadion durch das Tor des Magdeburgers Jürgen Sparwasser gegen das Team aus der Bundesrepublik. Die Niederlage im deutsch-deutschen Prestigeduell sorgt zwar für mächtig Wirbel in der bundesdeutschen Öffentlichkeit, aber auch für ein reinigendes Gewitter innerhalb der Mannschaft. Durch die unerwartete Niederlage vermeiden die Kicker um Franz Beckenbauer zudem stärkere Gegner in der Zwischenrunde und triumphieren dann im Finale gegen die Niederländer. Ein deutsch-deutscher Doppelsieg, dessen Geschichte erstmals aus einer "360-Grad-Perspektive" erzählt wird. Unbekanntes Filmmaterial zeigt die Teams während der gesamten Weltmeisterschaft, auch hinter den Kulissen. Nach fünf Jahrzehnten blickt Autor Uli Weidenbach zurück auf einen packenden Wettkampf zwischen Fußballnationen, die sich auf dem Rasen und jenseits des Platzes heiße Kämpfe liefern - nicht nur sportlicher Natur.
21:30
Sommer 1974: Mit begeisterndem Fußball erstürmt die niederländische Nationalmannschaft die Herzen der Fußballwelt - im Gegensatz zu westdeutscher Tristesse. Anders als 2006 erlebt die Bundesrepublik damals kein "Sommermärchen". An Fanmeilen und Public Viewing ist noch lange nicht zu denken, in manchen Stadien herrscht gähnende Leere. Auch das anhaltende Regenwetter trägt zur verhaltenen Stimmung bei. Es ist eine Zeit, in der Fußballprofis zu Superstars und Spitzenverdienern werden. Sie wollen nicht mehr nur für die Ehre und wenig mehr als einen Händedruck spielen, sondern endlich richtig abkassieren. Im biederen Ambiente der Sportschule Malente steht es Spitz auf Knopf, ehe sich der DFB mit der Mannschaft schließlich auf Prämienzahlungen im hohen fünfstelligen Bereich einigt - damals ein kleines Vermögen. Auch beim Turnierfavoriten Niederlande bestimmen tatsächliche oder vermeintliche Eskapaden der Kicker den Boulevard. "Cruyff, Sekt, nackte Mädchen und ein kühles Bad", titelt eine deutsche Boulevardzeitung und sorgt damit für Unruhe bei "Oranje". Nach fünf Jahrzehnten blickt Autor Uli Weidenbach zurück auf einen packenden Wettkampf und die Geschichten hinter der Geschichte.
22:00
Sommer 1974: In München kommt es zum Finale zwischen den beiden WM-Turnierfavoriten, dem Nachbarschaftsduell Deutschland und Niederlande. Auch dies ist kein gewöhnliches Match. Die langen Schatten der Vergangenheit, Zweiter Weltkrieg und deutsche Besatzung, wirken jenseits des Rheins noch immer nach. Abgesehen davon ist das Spiel auch ein Kampf der besten europäischen Kicker wie Johan Cruyff oder Franz Beckenbauer. Obwohl sich die "Holländer" ihrer Sache sicher sind und schon vor dem Finale Siegesgesänge anstimmen, triumphieren schließlich die Deutschen. Die Niederlage der Niederländer wird zum Ausgangspunkt einer Fußballrivalität, die bis heute Bestand hat. Und das "Bruderduell"? Der deutsch-deutsche "Klassenkampf" auf dem grünen Rasen endet 1990 mit der Wiedervereinigung. Das Trikot des Siegtorschützen Jürgen Sparwasser, das er heimlich mit dem Münchner Verteidiger Paul Breitner getauscht hatte, hängt nach einer langen Odyssee heute im Bonner Haus der Geschichte - als Symbol für Deutschlands Doppelsieg bei der Weltmeisterschaft 1974.
22:30
Er war der Liebling der Fans und blieb es auch nach dem Karriereende, obwohl er mit der Nationalmannschaft keinen großen Titel gewann: Uwe Seeler, ein Fußballstar ohne Allüren und Skandale. "Uns Uwe" lagen bis zuletzt die Herzen einer ganzen (Fußball-)Nation zu Füßen. Das hat sonst niemand geschafft - kein "Kaiser" und auch nicht "der Bomber". "Terra X History" blickt hinter die Fassade und versucht, das Phänomen Uwe Seeler zu ergründen. Aufgewachsen im Hamburger Arbeitermilieu, verkörpert er wie kaum ein anderer die sogenannten deutschen Tugenden - wie Einsatzbereitschaft, Bodenständigkeit, Bescheidenheit und Treue. Eigenschaften, mit denen sich viele Menschen identifizieren können. Zu seinem Nimbus trägt bei, dass der bullige Mittelstürmer 1961 ein Millionenangebot von Inter Mailand ausschlägt, weil er seine Heimat nicht verlassen will. Zu dieser Zeit verdient er beim Hamburger SV gerade einmal 500 Mark im Monat. Schon als 17-Jähriger hat er kurz nach dem "Wunder von Bern" 1954 in der Nationalmannschaft debütiert und nimmt danach an vier Weltmeisterschaften teil. Wie konnte aus dem Fußballer Uwe Seeler der Volksheld "Uns Uwe" werden - und warum blieb er auch nach dem Ende seiner aktiven Fußballkarriere 1972 fünfzig Jahre lang ein gesamtdeutsches Idol? Autor Uli Weidenbach hat mit engen privaten und sportlichen Wegbegleitern gesprochen, darunter Wolfgang Overath, Olli Dittrich ("Dittsche") und Horst Hrubesch, die das Porträt eines Mannes zeichnen, der in der Fußballwelt und auch darüber hinaus eine einzigartige Bedeutung hatte.
23:15
Er war der "etwas andere" Fußballstar, sprengte Konventionen und galt als Prototyp des Playboys. Auch nach dem Karriereende blieb er in den Medien präsent: Günter Netzer, ein Mythos. Der geschäftstüchtige Weltstar prägte die häufig zitierte "Jahrhundertelf" und erschuf mit Gerhard Delling das Format des TV-Experten neu. Autor Uli Weidenbach blickt für "Terra X History" hinter die Kulissen und geht dem Phänomen Netzer auf die Spur. Er war Dirigent und Herzstück der sogenannten Fohlen-Elf und führte Borussia Mönchengladbach zu Beginn der 1970er-Jahre zu zwei deutschen Meisterschaften - noch vor Dauerrivale Bayern München. Der zweifache Fußballer des Jahres machte auch abseits des Fußballfeldes Furore: lange Haare, schnelle Autos und attraktive Begleiterinnen sorgten für Gesprächsstoff. Der "blonde Engel" machte sich aber auch einen Namen als Geschäftsmann, ob als Werbe- und Versicherungsprofi, Herausgeber der Stadionzeitung oder Diskothekenbesitzer. Zoff mit Trainern, eine Selbsteinwechslung im Pokalfinale und der Wechsel zu den "Königlichen" von Real Madrid 1973 als erster Deutscher brachten ihm Legendenstatus ein - bis heute. Wie konnte der Fußballer Günter Netzer auch nach seiner aktiven Karriere so erfolgreich werden im Fußball-Business, als Manager, Rechtehändler, Strippenzieher? Und weshalb wird er bis heute verehrt - in Mönchengladbach und der gesamten Bundesrepublik? Langjährige Wegbegleiter und Beobachter zeichnen zu seinem 80. Geburtstag das Porträt eines Mannes, der auch noch fünf Jahrzehnte nach dem Karriereende einen ganz besonderen Ruf genießt, in der Fußballwelt und darüber hinaus.