17:10
Die Kriminalitätsstatistiken der beiden deutschen Staaten unterschieden sich kaum voneinander. Hüben wie drüben wurde betrogen, geklaut und getötet. Doch die DDR wollte der bessere Staat sein. Verbrechen passten nicht in den Sozialismus, denn das sozialistische Menschenbild ist ein friedliches. Deshalb war auch die Berichterstattung in der Presse spärlich. Die DDR-Bürger sollten glauben, dass ihr Land frei von Kriminalität sei. Dabei hatte die Aufklärung eines Verbrechens in der DDR oberste Priorität. Mit hohem Personaleinsatz und großem Aufwand sollten die Täter so schnell wie möglich hinter Schloss und Riegel gebracht werden. Die Kriminalisten in der DDR waren sehr gut ausgebildet und hatten in vielen Fällen Unterstützung vom Ministerium für Staatssicherheit. Denn auch die Stasi stellte bei Kapitalverbrechen professionelle und gut ausgestattete Ermittler. Das Verhältnis zwischen Kriminalpolizisten und Stasimitarbeitern war allerdings ambivalent. Denn das MfS saß immer am längeren Hebel. In einigen Fällen erfuhren die Polizisten der Morduntersuchungskommission nur wenig über die teils geheimen Ermittlungen des MfS. Doch die Stasi sollte nicht nur bei der Tätersuche helfen. Oft wurden Angehörige von Verbrechensopfern überwacht und bespitzelt, denn nur das Regime bestimmte, welche Informationen nach außen dringen durften. Vor allem, wenn die Tat von einem Parteifunktionär, einem Stasimitarbeiter oder einem Sowjetsoldaten begangen wurde, setzte die Stasi alles daran, den Vorfall zu vertuschen oder sogar den Täter zu decken. Sogar in den DDR-Krimis, wie in der populären (und auch heute noch produzierten) Serie "Polizeiruf 110", wurde streng darauf geachtet, dass es eine bestimmte Art von Verbrechen nicht gab. Der Staat zensierte jede einzelne Folge. Auch hier durften SED-Funktionäre, Soldaten oder Polizisten keine Mörder sein. Die Täter waren meistens Außenseiter der Gesellschaft, Alkoholiker oder psychisch Kranke. Mit der Dokumentation "Mysteriöse Kriminalfälle der DDR" widmet sich ZDFinfo einem undurchsichtigen Feld in der ostdeutschen Geschichte. Sie wirft mit Archivbildern, Aufnahmen von Hobbyfilmern und Berichten von Augenzeugen, Verbrechensopfern und Kriminalisten ein neues Licht auf die Ermittlungen bei Kapitalverbrechen - dabei sind einige Fälle bis heute ungeklärt.
18:00
Vier Strafgefangene wollen 1981 ihre Ausreise aus der DDR erzwingen. Die Doku zeigt: Der Ausbruch gelingt mit brutaler Gewalt. Doch können die Gefangenen die Ausreise wirklich durchsetzen? Eine Rohrbombe explodiert 1979 in Weimar. Kurz darauf findet die Polizei am Bahnhof eine weitere Bombe. Stasi und Polizei geraten in helle Aufruhr. Ihre große Sorge: Gibt es eine Terrorgruppe in der DDR? Oder ist das Ganze eine Dummheit von Jugendlichen? Verbrechen passen nicht zum sozialistischen Menschenbild der DDR. Die Vertuschung und Geheimhaltung krimineller Straftaten wird zur Regel. Geheim gehalten wird auch, dass selbst aus den Reihen der DDR-Polizei Straftaten verübt werden - wie in Plauen, wo ein Kriminalist immer wieder junge Frauen überfällt und würgt. Da der Täter auch zum Ermittlerteam gehört, bleibt es ein sorgsam gehütetes Geheimnis. Zwei erschossene Männer an der Transitautobahn Berlin-Leipzig, ganz offensichtlich aus dem Westen stammend, stellen selbst die Sonderermittler des MfS vor ein Rätsel. Sechs Jahre wird es dauern, bis sie herausfinden, dass der Täter aus dem Geheimdienstmilieu der DDR stammt - ein Geheimdienst, noch mysteriöser als die Stasi. Mit der Dokumentation "Mysteriöse Kriminalfälle der DDR - Rebellion gegen den Staat" widmet sich ZDFinfo vier dramatischen DDR-Kriminalfällen aus den 1960er-, 1970er- und 1980er-Jahren. Alle diese Fälle haben eines gemeinsam: Sie sind äußerst spektakulär und werden durch das Regime vertuscht und geheim gehalten. Der Film zeigt in nachgestellten Szenen, Archivbildern und Originaldokumenten besonders spektakuläre DDR-Kriminalfälle. Berichte von Experten, Zeitzeugen und der Opfer werfen neues Licht auf die Ermittlungen. Kapitalverbrechen in der DDR wurden fast immer vertuscht - die Staatsführung wollte ihren Bürgern vorgaukeln, dass der Sozialismus keine Straftaten kennt. Doch auch im SED-Staat wurde gemordet, geraubt und betrogen.
18:45
Q, Z oder der Hitlergruß: Einst harmlose Symbole werden zu Propagandawaffen, stehen nun für Hass und Gewalt. "Terra X History" folgt den Spuren von fünf Symbolen der Macht. Hakenkreuz, Hitlergruß und Judenstern sind bleibende Zeichen maßloser Verbrechen. Ihren Schrecken haben sie nie verloren. Auch heute nutzen Ideologien und Kriegstreiber Symbole wie Q oder Z für ihre Zwecke. Dabei haben sie oft eher harmlose Ursprünge. Bei einer Ausgrabung entdeckt ein Archäologe 1871 ein Kreuz mit abgewinkelten Armen. Er ahnt nicht, dass es in Hitlers Reich einst als Hakenkreuz zum Sinnbild werden wird - für Hass, Ausgrenzung und den Holocaust. Dabei ist es in Wahrheit ein Zeichen für Glück. Auch den erhobenen rechten Arm oder den stigmatisierenden Stern funktionieren die Nationalsozialisten zu Zeichen des Bösen um. Ideologen setzen immer noch Symbole ein: So taucht zu Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine auf Panzern und Fahrzeugen ein rätselhaftes Z auf. Schnell ranken sich Mythen um seine Bedeutung - so wird ein Buchstabe zum wirkmächtigen Propagandainstrument. Auch das Q steht inzwischen für ein abstruses Weltbild und finstere Verschwörungserzählungen. Die Dokumentation begibt sich auf die Spuren von fünf Zeichen der Geschichte: Hakenkreuz, Hitlergruß, Judenstern, das Q und das Z, unter denen gehetzt und getötet wird, damals wie heute.
19:30
"Unter Hitler hat man sich immerhin sicher gefühlt." Die Kriminalgeschichte widerlegt diese bis heute verbreitete Mär: Serienmorde und Vergewaltigungen wurden damals nur oft totgeschwiegen. Unter den Nationalsozialisten haben Kriminelle oft freie Bahn. Ihre Taten werden mitunter vertuscht, um das angeblich lupenreine Bild nicht zu beflecken. Der Film zeigt das wahre Bild der Verbrechen unterm Hakenkreuz. "Terra X History" rekonstruiert den Fall eines brutalen Serienmörders in der S-Bahn, eine tödliche Serie von Raubüberfällen und einen Mord in unmittelbarer Nähe zur Goebbels-Villa. Ein weiterer Fall handelt von einer Mordserie, die zu Unrecht einem geistig behinderten Mann angelastet wird, der später in Polizeigewahrsam an den Folgen von Menschenversuchen stirbt. Kurz vor Kriegsende geschieht ein Dreifachmord entlang der berühmten Schnellstraße "Avus". Dank historischer Quellen lassen sich Tatverläufe und die Ermittlungsarbeit belegen - mit Originaltatortfotos und -zeichnungen, Zeugenvernehmungen, Ermittlungsschritten und Täteraussagen. Brisant: Weil öffentliche Fahndungsaufrufe der Kripo von den Nationalsozialisten größtenteils aktiv verhindert werden, bleiben manche Straftäter zunächst ungeschoren und können weiter morden. Im Krieg wird die Polizei selbst kriminell: Hinter der Ostfront ermorden Polizeibataillone von 1939 an Hunderttausende Menschen. Der von der NS-Propaganda populär gemachte Slogan "Die Polizei, Dein Freund und Helfer" wird durch die Massenmörder in Uniform gründlich pervertiert.
20:15
Die Führerhauptquartiere waren die Schaltzentralen der NS-Diktatur. Hitler plante dort seine Feldzüge. Neben der Wolfsschanze standen ihm rund 20 weitere Bunkeranlagen zur Verfügung. Hitlers Hauptquartiere waren Täterorte, von denen beispiellose Verbrechen ausgingen. Vom Diktator als Denkmale für die Nachwelt gedacht, wurden die meisten bei Kriegsende gesprengt. Noch immer zeugen die Überreste der Bunker vom Wahn, Europa beherrschen zu wollen. Hitlers erstes Hauptquartier im Krieg war mobil: In seinem Sonderzug "Amerika" fanden die ersten Lagebesprechungen mit seinen Generalen und Ministern statt, von dort aus dirigierte er den deutschen Überfall auf Polen. Doch schon bei Kriegsausbruch befahl der selbst ernannte Feldherr den Bau fester Führerhauptquartiere im Westen - als Vorbereitung für den geplanten Krieg gegen Frankreich. Bei Bad Nauheim entstand der Adlerhorst, das Felsennest bei Bad Münstereifel. Als die deutschen Truppen in Frankreich unerwartet schnell vorstießen, zog der Kriegsherr mit seinem Gefolge nach Belgien. In Brûly-de-Pesche benutzte er ein Quartier, das er Wolfsschlucht I nannte. Von der später gebauten Wolfsschlucht II in der französischen Picardie wollte er 1940 England erobern und 1944 die Invasion der Alliierten in der Normandie abwehren. Es war das einzige Hauptquartier, das bei Kriegsende nicht zerstört wurde. Später nutzten es die NATO und das französische Militär. Die bekannteste Kommandozentrale Hitlers lag in Ostpreußen - die sogenannte Wolfsschanze. Rund 800 Tage verbrachte Hitler dort unter bis zu acht Meter dicken Betondecken, gesichert durch drei Sperrkreise. Es war der Ort, an dem Hitler zunehmend die militärische Operationsplanung für den Vernichtungskrieg im Osten an sich riss, aber auch der Ort, an dem das Attentat auf ihn am 20. Juli 1944 beinahe geglückt wäre. Unterbrochen von langen Aufenthalten auf dem Obersalzberg, seiner privaten Residenz in den bayerischen Alpen, führte der Diktator von der Wolfsschanze aus seinen verbrecherischen Krieg. Die Dokumentation zeigt die Entstehungsgeschichte und die Überreste von Hitlers Hauptquartieren, die noch heute von der Hybris der Macht zeugen. Bisher unveröffentlichte Fotos von Hitlers Kameramann Walter Frentz ermöglichen einen Blick hinter die Kulissen der Führerbunker.
21:00
Es waren bombastische Aufmärsche, die dort inszeniert wurden. Zeitzeugen berichten über die Atmosphäre während der Parteitage, von fanatischem Antisemitismus und beispiellosem Führerkult. Ein bislang unbekannter Amateurfilm zeigt das Gelände auf dem Zeppelinfeld in Nürnberg 1936 sogar in Farbe. Eine Ruine von Hitlers Tribüne erinnert an die Reichsparteitage. Es ist eines der wenigen Relikte der Ära von Hitlers Lieblingsarchitekten Albert Speer.
21:45
Die letzten zehn Tage Adolf Hitlers in seinem Bunker tief unter der Berliner Reichskanzlei: Diese letzten Tage wurden vielfach in Büchern, Erinnerungsberichten und Kinofilmen beschrieben. Anlass für Autor Michael Kloft, die Ereignisse von 1945 für seine Dokumentation zu rekonstruieren. War Hitler zu diesem Zeitpunkt ein physisches und psychisches Wrack, das auf nicht mehr vorhandene Truppen wartete? Oder handelte es sich um einen Plan?
22:30
Hat Hitler sich erschossen, wie es die preußische Soldatenehre erforderte? Oder erhielt er von seinem treu ergebenen Diener den Fangschuss - nachdem er eine Giftkapsel zerbissen hatte? Hat Magda Goebbels ihre sechs Kinder selbst umgebracht, oder hat ein Arzt die Tat in ihrem Auftrag vollbracht? Autor Michael Kloft befragte die letzten noch lebenden Zeitzeugen.
23:15
Am Ende seiner Herrschaft hauste Adolf Hitler im Schutz meterdicker Stahlbetonwände in seinem Bunker tief unter der Berliner Reichskanzlei. Dort gestand er unter Tränen: "Der Krieg ist verloren." Handlanger feierten dort Orgien, der Führer heiratete Eva Braun und beging dann mit ihr Selbstmord, das Ehepaar Goebbels brachte seine Kinder um und tötete sich danach selbst.
23:55
Autor Michael Kloft rekonstruiert in dieser Dokumentation mit Interviews und seltenem Archivmaterial die Tage vor und nach Hitlers Selbstmord im Jahr 1945. Zeitzeugen erinnern sich. Hitlers Sekretärin Traudl Junge beschreibt in einem ihrer seltenen Fernsehinterviews die gespenstischen Szenen des "Untergangs". War der Diktator in den letzten zehn Tagen seiner Herrschaft ein physisches und psychisches Wrack?