19:40
"heute show"-Moderator Oliver Welke kommentiert die aktuellen Entwicklungen und Folgen des Irankriegs sowie die im Europaparlament bröckelnde Brandmauer zur AfD. Fabian Köster meldet sich aus dem Wahlkampf in Rheinland-Pfalz. Außerdem in Welkes Team: Larissa, Friedrich Küppersbusch und Holger Stockhaus. Diese Sendung wird im Web und in der App mit Gebärdensprache angeboten.
20:15
Alexander der Große gilt als der Vorzeige-Weltherrscher der Geschichte. Kein Superlativ scheint dem jungen Makedonenkönig gerecht zu werden. In nur elf Jahren erobert er ein Gebiet, das sich von Griechenland über den Orient hinaus bis nach Indien erstreckt. 19 Staaten, drei Kontinente und unzählige Volksgruppen unterwirft er in einem einzigen gigantischen Feldzug. Als todesmutiger Kriegsherr ist Alexander schon zu Lebzeiten eine Legende, dafür hat er höchstpersönlich gesorgt. Zum Mythos aber erhebt ihn erst die Nachwelt. Kurz nach Alexanders Tod setzt eine Verklärung ein, hinter der die historische Figur über die Jahrhunderte fast vollständig verschwunden ist. In der zweiteiligen "Terra X"-Reihe stehen Schlüsselereignisse im Leben Alexanders im Vordergrund, die deutlich machen, wie der 20-jährige Königssohn aus dem entlegenen Norden Griechenlands zum ersten europäischen Weltherrscher wurde. Die erste Folge beschäftigt sich mit den frühen Jahren des Welteroberers. Auf der Basis moderner Geschichtsforschung beleuchtet der Film "Auf dem Weg zur Macht" die Verhältnisse am makedonischen Hof und in Griechenland, stellt die wichtigsten Ereignisse und Menschen im Leben von Alexander vor und erzählt, welchen Einfluss sie auf seine weitere Entwicklung genommen haben. Als Alexander im Juli 356 vor Christus geboren wird, gilt Makedonien nicht gerade als zukunftsweisendes Königreich. Während die Griechen im Mutterland schon längst die Demokratie ausgerufen haben, spielt Alexanders Vater Philipp noch immer den Alleinherrscher. Die Makedonen gelten als Außenseiter, werden angefeindet und als Barbaren beschimpft. Doch Philipp hat entscheidende Vorteile: Er ist der reichste Grieche seiner Zeit und besitzt das stärkste Heer im Land. Seit Jahren kämpft er an allen Fronten, um seine Macht auszubauen. Philipp plant in die Zukunft. Dafür braucht er einen geeigneten Thronfolger. Die Rolle soll Alexander übernehmen. Zwar wächst der Junge wohlbehütet und sorgenfrei auf, doch die Erwartungen an ihn sind hoch. Vor allem vom Vater, der ihn mit strenger Hand zum Krieger erziehen will. Alexander kann ihm nichts recht machen. Auf der anderen Seite steht seine Mutter Olympias - eine "Helikopter-Mutter", die all ihr Tun auf den Sohn ausrichtet. Nicht ganz selbstlos, wie es aussieht. Denn nur solange Alexander als Kronprinz gehandelt wird, ist auch ihre eigene Stellung am Hof gesichert. Sie ist es, die Alexander in dem Glauben erzieht, er stamme nicht von den Halbgöttern Herakles oder Perseus ab, wie Philipp behauptet, sondern von Göttervater Zeus persönlich. Stammbaumfiktion ist in der Antike nichts Besonderes. Auch Alexander verinnerlicht seine gottgleiche Abstammung, sein Vorbild aber ist und bleibt bis zum Lebensende der mythische Achill aus der Ilias. Der Philosoph und Universalgelehrte Aristoteles - bei seiner Berufung nach Makedonien eher umstritten als berühmt - bringt ihm die dramatische Geschichte über den Kriegshelden im Kampf um Troja nahe. Aristoteles ist Lehrer und enger Vertrauter des wissbegierigen Jungen. Er erklärt ihm, was die Demokratie der Athener bedeutet, fördert Alexanders naturwissenschaftliches Interesse ebenso wie seine Gabe, strategisch zu denken und Mut von Leichtsinn zu unterscheiden. Die vielleicht wichtigste Person in Alexanders Leben aber ist Hephaistion, sein treuer Weggefährte aus Kindertagen. Die beiden gehen durch dick und dünn, kämpfen Seite an Seite, träumen vom Heldentod auf dem Schlachtfeld. Ihre Freundschaft hält lebenslang. Und dann gibt es noch Bukephalos, das berühmteste Pferd der Antike und Alexanders heißgeliebtes Streitross. Die Zähmung des wilden Hengstes ist vermutlich nicht mehr als eine Legende. Sie enthält aber eine wichtige Botschaft an die Nachwelt: Schon mit 13 Jahren ist der junge Makedone bereit zu herrschen. Der erste Schritt ist getan, um aus dem Schatten des Vaters herauszutreten. Fünf Jahre später beweist Alexander, inzwischen zum Mitregenten erhoben, seine Entschlossenheit als Feldherr im Kampf gegen Athen und Theben. Er führt den entscheidenden Angriff an und beendet ihn mit dem Sieg. Den Makedonen beschert er damit die Vormachtstellung über das Mutterland und festigt seine Schlüsselposition in der königlichen Reiterei. Von da an scheint seiner Karriere nichts mehr im Weg zu stehen. Auch der nächste Gegner steht schon fest. Der persische Erzfeind soll endgültig in die Schranken gewiesen werden. Doch zuvor kommt es zum Bruch zwischen Alexander und seinem Vater, der Königssohn flieht ins Exil. Als Philipp von einem Attentäter ermordet wird, ist der Thron für Alexander frei. Sofort lässt der neue Herrscher potenzielle Konkurrenten aus dem Weg räumen. Auch innenpolitisch greift er hart durch, um die Kontrolle über Griechenland zu sichern. Als sich die Thebaner gegen Alexander stellen, brennt er ihre Stadt nieder. Den Griechen bleibt keine andere Wahl, als den Makedonenkönig als militärische Führungsmacht anzuerkennen. In ihrem Auftrag plant der inzwischen 20-Jährige den Rachefeldzug gegen die Perser. Die Mission steht aber unter keinem guten Stern: 40.000 Soldaten müssen organisiert, ausgerüstet und über die ganze Zeit versorgt werden, die Kriegskasse aber ist so gut wie leer. Das Risiko, auf fremdem Terrain von dem übermächtigen Gegner geschlagen zu werden, ist hoch. Vom Gelingen des Feldzugs hängt die Zukunft Griechenlands ab. Doch Alexander zögert nicht und setzt alles auf eine Karte.
21:00
Im Zentrum der zweiten Folge steht Alexanders gigantischer Eroberungszug. Er führt ihn durch Kleinasien, Ägypten, Persien und Pakistan bis nach Indien - ans Ende der damals bekannten Welt. Scheinbar mühelos hat der Makedone innerhalb von elf Jahren das größte Imperium der Antike geschaffen. Nach seinem frühen Tod im Jahr 323 vor Christus zerfällt das Alexanderreich binnen kürzester Zeit. Die imperiale Idee aber prägt die weitere Geschichte Europas, angefangen von Cäsar bis Napoleon und darüber hinaus. Der Rachefeldzug gegen die Perser beginnt mit einem symbolischen Akt. Noch bevor Alexander seinen Fuß auf kleinasiatischen Boden setzt, schleudert er vom Boot aus einen Speer ans Ufer. Jeder, der ihn dabei beobachtet, soll sehen, dass er nicht vorhat, den Gegner zu schonen. Alexander ist ein Meister der Selbstinszenierung und Propaganda, wie zahlreiche Geschichten über ihn belegen. Sein Kriegsvorhaben macht er zur "heiligen Mission", als er am Grab des mythischen Helden Achill einen Kranz niederlegt und seine Rüstung im Tempel der Kriegsgöttin Athene weihen lässt. Die Zerschlagung des Gordischen Knotens mit dem Schwert verweist auf Alexanders Entschlossenheit, König des riesigen Perserreichs zu werden. Seine Besuche in ägyptischen Tempeln berichten von einem wichtigen Karriereschritt, der ihn schon früh vom Stammeskönig zum gottgleichen Pharao erhebt. Die Gründung von mindestens 20 "Alexander-Städten" an unterschiedlichsten Orten zeugt vom Ehrgeiz des Makedonen, seinen Namen und die griechische Kultur in die ganze Welt hinauszutragen. Und nicht zuletzt erzählt die Massenhochzeit in Susa von Alexanders Vision, aus unterschiedlichen Völkern einen einheitlichen, multikulturellen Staat zu erschaffen. Damit ist er seiner Zeit weit voraus. Alexanders Charisma ist legendär. Er besitzt die Gabe zu begeistern und Menschen zu Höchstleistungen anzuspornen. Auch als Politstratege beweist er Fingerspitzengefühl. Auf seinem Eroberungszug durch die persisch besetzten Gebiete präsentiert er sich stets als Befreier, indem er demokratische Verhältnisse einführt und vor allem die Tributzahlungen an die Perser für beendet erklärt. Im Laufe der Jahre wächst die Zahl seiner loyalen Anhänger stetig, auch wenn es immer mal wieder zu kleineren Aufständen kommt. Alexanders Kriegsgefährten, darunter auch sein engster Freundeskreis, schätzen seinen Kameradschaftsgeist, die Fürsorge, seinen Weitblick. Die meiste Zeit sind sie ihm treu ergeben. Erst als Alexanders unberechenbare Seite zum Vorschein kommt, fürchten sie ihn. Völlig überraschend brennt der frisch gekürte Perserkönig den Palast von Dareios in Persepolis nieder, fordert von seinen eigenen Leuten plötzlich Unterwerfungsgesten nach persischer Sitte und ermordet drei seiner Gefährten wegen vermeintlichen Hochverrats und Majestätsbeleidigung. Die vielen Kämpfe, die schnellen Siege und die neue Rolle als Großkönig haben Alexander verändert. Er handelt wie ein Despot. Hinzu kommt, dass er vom Ehrgeiz und der unstillbaren Sehnsucht besessen ist, ruhmreicher als der Ruhmreichste und besser als der Beste zu sein. In die Geschichte aber geht Alexander in erster Linie als Feldherr und Kriegsheld ein. Die meiste Zeit sitzt er kämpfend auf dem Rücken seines Pferdes Bukephalos oder zieht mit seinem riesigen Tross von rund 40.000 Mann von einer Schlacht zur nächsten. 22-mal wird der Feldherr verwundet, zum Teil schwer. Zum ersten Kontakt mit dem persischen Gegner kommt es am Fluss Granikos, die Schlacht kostet ihn fast das Leben. Das feindliche Heer ist den Makedonen zahlenmäßig haushoch überlegen, doch Alexanders Soldaten sind nicht nur besser ausgerüstet, sondern auch die besseren Krieger. Sein Markenzeichen wird der von ihm persönlich angeführte Angriff mit der Reiterei, sie ist seine erfolgreichste Waffe. Dagegen ist Dareios machtlos, der sich seinem Kontrahenten in Issos und Gaugamela stellt. Beide Male flieht der Perserkönig, schickt Alexander aber Friedensangebote. Dareios bietet ihm sogar Teile des Perserreiches und hohe Lösegeldsummen an, doch Alexander lehnt die Offerten selbstbewusst ab. Er will Dareios' Platz einnehmen. Nach der Befreiung der vom Feind besetzten Gebiete stürmt er ins Kernland der Perser, erobert Babylon, Susa, Persepolis und Ektabana. Der Rachefeldzug ist eigentlich abgeschlossen, doch Alexander will bis nach Indien vordringen. Denn dort, so weiß er von Aristoteles, liegt das Ende der Welt. Die Strapazen bis dahin sind unbeschreiblich, die erschöpfte Truppe meutert immer wieder, aber Alexander will nicht umkehren. Er plant sogar noch, Arabien zu erobern. Als nach einer erfolgreichen Schlacht gegen den indischen König sein geliebtes Pferd Bukephalos stirbt und seine Soldaten lieber vor Ort sterben wollen, als ihm weiter zu folgen, trifft Alexander endlich die Entscheidung, umzukehren. Er stirbt in Babylon unter bislang nicht geklärten Umständen im Alter von nur 33 Jahren. Das Reich, das er erobert hat, unter seiner Regentschaft friedlich zu vereinen, dazu ist ihm keine Zeit mehr geblieben.
21:45
Am Anfang seiner Karriere ist Gaius Julius Cäsar ein junger, talentierter Politiker ohne Skrupel. Wie schafft er den Aufstieg zum mächtigsten Mann des Römischen Reiches? Im 1. Jahrhundert vor Christus ist die Römische Republik zu einem Großreich herangewachsen. Doch im Inneren herrschen Krisen. Das politische Rom ringt um seine Ordnung. Der junge Cäsar erkennt seine Chance und steigt in das riskante Spiel um die Macht ein. Cäsar stammt aus adligem Haus und gehört zur römischen Elite. Größer als seine politische Begabung ist nur sein Ehrgeiz: Im Jahr 63 vor Christus bewirbt er sich um ein Amt, das eigentlich nur verdiente Staatsmänner bekleiden. Er will Pontifex Maximus, der oberste Priester Roms, werden. Im Wahlkampf sucht er sich mächtige Verbündete und stürzt sich in hohe Schulden, um das Volk auf seine Seite zu ziehen. Es ist ein Spiel mit großem Risiko: Wahlsieg oder Ruin. Geht Cäsars Taktik auf? Zu Cäsars Zeiten ist das Römische Reich eine Republik. Die Ämter werden durch Wahl vergeben - und das nur für eine begrenzte Zeit. Das politische System hat seinen Sitz im Senat. Dort kämpft die römische Elite um Posten, Einfluss und Macht. Cäsar weiß genau, wie er in diesem System vorankommt. Virtuos schmiedet er Allianzen, bricht mit Konventionen und schreckt auch vor Gewalt nicht zurück. Dies ist ein Weg, der die Römische Republik an den Abgrund führen wird. Julius Cäsar ist eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des Römischen Reiches. Sein unstillbarer Machthunger ebnet ihm den Weg vom Feldherrn zum Diktator auf Lebenszeit, endet jedoch in Verrat und Tod.
22:25
Cäsar verbündet sich mit Crassus und Pompeius - gemeinsam bilden sie das sogenannte Triumvirat. Zu dritt bestimmen sie die Geschicke des Römischen Reiches und setzen die Politik unter Druck. Doch das Bündnis gerät ins Wanken und damit auch die Stabilität der Republik. Diese ist auf Machtverteilung ausgelegt. Kein Einzelner soll die Kontrolle übernehmen können. Doch Cäsar feiert in Gallien einen Sieg nach dem anderen. Er gewinnt immer mehr an Einfluss. Im Jahr 59 vor Christus wird Cäsar Konsul. Er geht mit Marcus Licinius Crassus, dem reichsten Mann Roms, und Gnaeus Pompeius Magnus, dem größten Feldherrn des Reiches, ein Bündnis ein. Gemeinsam sichern sich die drei Privilegien. Cäsars Ziel ist ein schlagkräftiges Heer unter seinem Kommando und Ruhm auf dem Schlachtfeld. Beides wird er bekommen. Cäsar lässt sich für fünf Jahre zum Statthalter Illyriens und der beiden gallischen Provinzen ernennen. Von dort aus nimmt er ein weiteres Land ins Visier: das freie Gallien. Ab 58 vor Christus unterwirft er die dort lebenden Stämme in einem jahrelangen Krieg, der ihn bis nach Britannien und Germanien führt. Der Krieg füllt Cäsars Kassen - und die seiner Unterstützer in Rom. Doch seine Macht stört das Gleichgewicht im Römischen Reich. Noch hält das Triumvirat zusammen. Die drei Männer sind aufeinander angewiesen. Aber Machthunger und Schicksalsschläge bringen das Bündnis und die Republik ins Wanken. Kann die Rivalität nur mit Gewalt gelöst werden? Julius Cäsar ist eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des Römischen Reiches. Sein unstillbarer Machthunger ebnet ihm den Weg vom Feldherrn zum Diktator auf Lebenszeit, endet jedoch in Verrat und Tod.
23:10
Cäsar triumphiert im Römischen Bürgerkrieg. Nie zuvor hatte ein Römer so viel Macht. Er nutzt sie, um weitreichende Reformen durchzusetzen. Doch sein Aufstieg weckt Widerstand. Im Krieg hat Cäsar hart gekämpft, aber vielen seiner Gegner Gnade gewährt. Er will sie auf seine Seite ziehen und den Staat wieder aufrichten. Doch ist er bereit, seine Macht wieder abzugeben? Wird Cäsar zum Gewaltherrscher? Oder richtet sich die Gewalt gegen ihn? Anfang 49 vor Christus versinkt Rom im Bürgerkrieg. Cäsars Heer kämpft gegen die Truppen des Senats unter Pompeius. Die Kämpfe dauern vier Jahre, doch schon früh feiert Cäsar entscheidende Siege. Im Triumph kehrt er nach Rom zurück und lässt sich 46 vor Christus auf zehn Jahre zum Diktator ernennen. Nun kann er durchregieren und nimmt den Umbau des römischen Staatswesens in Angriff. Er plant große Bauprojekte und führt einen neuen Kalender ein, der der Vorläufer des heute gebräuchlichen Kalenders ist. Im Senat erkennt man die Notwendigkeit, das zerrüttete Land mit starker Hand zu reformieren. Doch Cäsar geht immer weiter. Im Februar 44 vor Christus lässt er sich zum Diktator auf Lebenszeit ernennen und tritt in der alten Tracht der römischen Könige auf, die Jahrhunderte zuvor vom Thron gestürzt wurden. Den Senatoren steht vor Augen, dass sie ihre alten Rechte unter Cäsar nicht mehr zurückerlangen werden. Einige sehen nur einen radikalen Ausweg: Cäsar muss sterben. Julius Cäsar ist eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des Römischen Reiches. Sein unstillbarer Machthunger ebnet ihm den Weg vom Feldherrn zum Diktator auf Lebenszeit, endet jedoch in Verrat und Tod.
23:55
"Terra X - Superhelden" führt in die mythische Welt berühmter Heroen. Diese Folge erzählt vom listenreichen Odysseus, der beliebtesten Sagenfigur der griechischen Antike. Odysseus muss auf einer langen Irrfahrt mächtigen Göttern, gewaltigen Naturereignissen und Ungeheuern trotzen. Die Abenteuer, die der Held erlebt, sind aber mehr als pure Erfindung. Sie spiegeln die spannende Epoche der griechischen Entdeckungsfahrten im Mittelmeer. Die "Odyssee" stammt aus der Feder des griechischen Dichters Homer. In 24 Gesängen schildert er die fantastische Irrfahrt von Odysseus, dem König von Ithaka, der nach dem Sieg über Troja die Heimkehr antritt. Zehn Jahre dauert die Reise. Da er es sich mit den Göttern verscherzt hat, unterziehen sie ihn lebensbedrohlichen Prüfungen. Sie schicken ihn zu einem menschenfressenden Ungeheuer, ins Totenreich, treiben ihn mit den Klängen der Sirenen fast in den Wahnsinn, lassen heftige Stürme aufkommen, die ihn ständig vom Kurs abbringen, machen ihn jahrelang zum Zwangsgeliebten einer Göttin und vieles mehr. Mit 500 Mann sticht der Held in See, als einziger Überlebender kommt er zu Hause an. Der Film zeigt, wie präzise Homer am Bild seines Helden Odysseus gearbeitet hat. Der Dichter entwirft einen völlig neuen Typus des mannhaften Helden, der bis heute Gültigkeit hat: Selbst in schwierigsten Situationen handelt Odysseus besonnen, geduldig und klug. Jeden Schicksalsschlag wendet er zum Guten, lässt sich niemals unterkriegen, lernt aus seinen Fehlern und setzt auf List und Strategie statt auf Gewalt. Odysseus ist ein Held, der den Herausforderungen einer neuen Ära genügen muss, die Homer im Blick hat. Im 8. Jahrhundert vor Christus, als der Dichter die "Odyssee" verfasst, erleben die Griechen einen wirtschaftlichen Aufschwung. Das zerklüftete Hinterland mit seinen engen und schroffen Tälern bietet aber nicht genügend landwirtschaftliche Nutzflächen für alle. Daher weichen die meisten Bauern und Viehzüchter in die schmalen, aber fruchtbaren Küstengebiete rund um die Ägäis aus. Überbevölkerung ist die Folge. Es kommt zu Unruhen und Krisen und zu dem Entschluss, neue Siedlungsräume zu erkunden. In der Regel sind es junge Männer, die unter der Führung eines reichen Aristokraten in die Welt hinausziehen. Als große griechische Kolonisation gehen die Erkundungsfahrten in die Geschichte ein. Die Auswanderer entdecken den für sie bis dahin unbekannten Westen des Mittelmeers mit Italien, Sizilien, Frankreich und Spanien. Sie leiden Entbehrungen, müssen mit Naturkatastrophen fertigwerden, das unberechenbare Meer beherrschen und vor feindlich gesinnten Völkern fliehen. Wo sie freundlich aufgenommen werden, gründen die Griechen Kolonien wie Marseille oder Syrakus, die schon bald reicher und schöner sind als die Heimatstädte im Mutterland. Für den großen Aufbruch hat Homer die literarische Blaupause geschrieben, wie Wissenschaftler sagen. Somit ist die "Odyssee" nicht nur pure Fiktion, sondern auch ein Dokument über die Vorstellungswelt der Griechen und über ihr gebündeltes geografisches sowie nautisches Wissen zu Homers Zeit. Die ewige Frage, ob sich hinter den mythischen Helden historische Vorbilder verbergen, stellt sich auch bei Odysseus. Die meisten Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass der König von Ithaka keine Persönlichkeit der Geschichte ist, sondern einen idealen Anführer oder König verkörpert. Trotzdem versuchen einige Forscher zu beweisen, dass es ihn tatsächlich gegeben hat. Eine Spur führt auf die ionische Insel Kefalonia. Vor einigen Jahren haben Archäologen dort ein Grabmal und einen Siegelstein entdeckt, auf dem ein Hund mit Rehkalb abgebildet ist. Der Fund gilt als Sensation, denn Homer beschreibt das Motiv im 19. Gesang als königliches Familienwappen des Odysseus.