14:45
Was bedeutet es, ein Mann zu sein? Bei Dating-Coaches und Fitness-Influencern suchen junge Männer Orientierung. Im Internet finden sie Vorbilder für Stärke, Dominanz und Erfolg. Allzu oft finden sich in diesen Netzwerken aber auch traditionelle Rollenbilder und frauenfeindliche Narrative. Die "37°"-Dokumentation "Alpha - Wann ist ein Mann ein Mann?" fragt, warum diese Botschaften so wirksam sind und was sie mit jungen Männern machen. Im Mittelpunkt stehen drei Protagonisten mit ganz unterschiedlichen Perspektiven. Hendrik ist Dating-Coach und vermittelt über Social Media seine Vorstellungen von Männlichkeit und Beziehung. Rapper Ego verarbeitet Härte, Status und Männlichkeit in seiner Musik und setzt sich gleichzeitig mit seiner Verantwortung als Vorbild auseinander. Der dritte Protagonist blickt anonym auf seine Vergangenheit in der Red-Pill-Szene zurück. Nach einer persönlichen Krise suchte er online nach Orientierung und geriet in eine Welt, die ihm einfache Antworten versprach. Heute beschreibt er, wie sehr diese Ideologie sein Denken verändert hat - und warum er sich schließlich von ihr gelöst hat. Die Dokumentation verbindet die persönlichen Geschichten der drei Männer mit den Mechanismen sozialer Medien. Sie zeigt, wie Algorithmen Inhalte verstärken, wie Männlichkeitsbilder inszeniert und vermarktet werden und weshalb sie besonders in Phasen von Unsicherheit und Orientierungslosigkeit auf Resonanz stoßen. Eingeordnet werden die Erfahrungen der Protagonisten vom Journalisten und Autor Tobias Ginsburg, der seit Jahren zu digitalen Männerwelten und antifeministischen Milieus recherchiert. Seine Analyse macht deutlich, wie individuelle Krisen, wirtschaftliche Interessen und soziale Medien zusammenwirken und warum die Suche nach Zugehörigkeit immer häufiger im digitalen Raum stattfindet.
15:15
Möglichst lange leben und gesund bleiben: Der Longevity-Trend ist längst in Deutschland angekommen und bestimmt das Leben von Daniel, Merle und Felix. Was bedeutet die harte Disziplin für sie? Eine rasant wachsende Szene versucht, mithilfe moderner Forschung, mit Ernährung, Mikronährstoffen und Bewegung den ewigen Jungbrunnen zu finden und richtet mit viel Disziplin den Alltag danach aus - geleitet vom Glauben an die "richtige" Lebensweise. Daniel (53) will gesund alt werden und im Hier und Jetzt das intensive Leben spüren. Sein Highlight: ohne Atemmaske und Neoprenanzug in einem Gletschersee zu tauchen. Nachdem er als Architekt und Unternehmer zwei Burn-outs hatte, fing er an, sich intensiv mit seinem Körper zu beschäftigen. Durch tägliches Eisbaden, eine spezielle Atemtechnik, asiatische Kampfkunst, ein diszipliniertes Leben und diverse Nahrungsergänzungsmittel regt er die Zellerneuerung an. Seine Verjüngung konnte sogar wissenschaftlich nachgewiesen werden. Seine Herzvariabilitätsrate (HVR) entspricht der eines 34-Jährigen. Merle (46) will herausfinden, wie sie ein gesundes und langes Leben führen kann. Nach einer schweren Krebserkrankung und anschließender Chemotherapie, von der sie sich lange nicht erholte, recherchierte sie und testete alles, was moderne Forschung hergibt. Dann hängte sie ihren Job als Fernsehjournalistin an den Nagel, machte eine Ausbildung zur Ernährungsberaterin und zog mit der Familie an den Schliersee. Seither lebt sie strikt nach Longevity-Regeln. Vor kurzem hörte sie von den Blue Zones, den sagenumwobenen Regionen der Welt, in denen die Menschen sehr alt werden, und reiste auf die abgelegene griechische Insel Ikaria. Wird sie hier den Geheimnissen eines Lebens voller Gesundheit, Glück und Zufriedenheit näherkommen? Felix will unsterblich werden. Dafür beschließt der 47-Jährige, ein neues, gesundes Leben zu beginnen. Doch er kann sich die teuren Longevity-Anwendungen kaum leisten. Deshalb konzentriert er sich auf die günstigen Basics seines Vorbilds Bryan Johnson: Täglich viel Gemüse und Hülsenfrüchte, Sport und Bewegung sowie strikte Schlafhygiene - alles penibel eingehalten. Das Wichtigste: die Kryokonservierung. Nach seinem Ableben soll ihn eine Firma bei - 196 Grad Celsius so lange aufbewahren, bis eine Therapie für die Todesursache gefunden ist; dann soll er aufgetaut, behandelt und unsterblich werden. Um mehr Geld zu verdienen und die Forschung mittels KI voranzubringen, gründet er gerade ein Start-up. Außerdem möchte der Unternehmer mehr für soziale Kontakte tun, die ja auch für die Gesundheit wichtig sind. Wo findet er Gleichgesinnte und eine Partnerin? "37° geht der Frage nach, was diese Menschen antreibt? Was bleibt vom guten Leben, wenn sich alles nur noch um Gesundheit dreht und der Alltag von Entbehrung, Disziplin und Vermessen bestimmt ist?
15:45
Ein Social-Media-Trend, bei dem männliche Teenager und junge Erwachsene alles dafür tun, ihr Aussehen zu perfektionieren. Die Methoden dafür sind oftmals drastisch - und gefährlich. Bei manchen geht das Looksmaxxing zudem mit Selbst- und Frauenhass einher. Filmemacher Ben Zand hat ein Jahr lang in der bizarren Szene recherchiert. Er trifft Looksmaxxer, die überzeugt sind, nur besonders attraktive Männer hätten Erfolg im Leben und bei Frauen. Darunter der 20-jährige Finn, der viele Stunden am Tag in Looksmaxxing-Foren verbringt. Um männlicher zu wirken und sein Gesicht zu modellieren, spritzt er sich verschreibungspflichtige Medikamente. Oder Influencer Austin Wayne, der auf seinen Plattformen Tipps zur Selbstoptimierung gibt und seinen Anhängern auch persönliche Coachings anbietet, selbstverständlich gegen Bezahlung. Während Austin Wayne vor allem Maßnahmen wie Sport und die richtige Hautpflege propagiert, greifen andere Looksmaxxer zu extremeren Maßnahmen. Das reicht von der Bearbeitung der Gesichtsknochen mit einem Hammer bis hin zur kosmetischen Operation. So wie "LT", der unerkannt bleiben will. Ben Zand trifft ihn im polnischen Warschau. Um acht Zentimeter an Körpergröße zu gewinnen, hat er sich die Beine operativ verlängern lassen - ein langwieriger, teurer und extrem schmerzhafter Eingriff. In London spricht Zand mit "Adonis". In Videochats lässt der 18-Jährige seinen Körper von fremden Frauen bewerten. Er ist davon überzeugt, dass die weibliche Partnerwahl nur auf zwei Faktoren basiert: Geld oder guten Genen. Oftmals ist diese Überzeugung allerdings gepaart mit einem antiquierten, traditionellen Frauenbild bis hin zur Verachtung von Frauen.
16:30
Filler, Botox, knallharte Sportroutinen und riskante OPs. Frauen gehen sehr weit für ihre Schönheit in Zeiten, in denen der Druck, endlich perfekt auszusehen, nie größer war. Schöner, glatter, dünner - der Druck, perfekt zu sein, bestimmt das Leben vieler Frauen. Nie gab es mehr Schönheitseingriffe als heute. Die Doku begleitet Frauen, die teils große Risiken eingehen und viel Zeit und Geld investieren, um ihren Körper zu optimieren. In einer Welt, in der Social Media zum Alltag gehört und die Grenzen zwischen realen und künstlich veränderten Menschen und Bildern verschwimmen, stehen vor allem junge Frauen unter dem Druck, unerreichbaren Idealen von Schönheit zu entsprechen. Die Dokumentation "Make me beautiful - Perfekt um jeden Preis" zeigt, wie gesellschaftliche Erwartungen, Medien, Unternehmen und Social Media das Selbstbild einer ganzen Generation prägen - und wie weit die Frauen bereit sind, im Namen der Schönheit zu gehen. Den Wunsch, schön zu sein, teilen alle Protagonistinnen des Films. Paula, eine junge Sportinfluencerin in den Startlöchern ihrer Social-Media-Karriere, versucht, dem perfekten Fitness-Ideal zu entsprechen, und geht dabei streng mit sich ins Gericht, wenn mal eine Trainingseinheit ausfallen muss. Reality-TV-Star Melody nimmt gefährliche Operationen in Kauf, um ihr Aussehen immer weiter zu optimieren. Für sie ist der Weg zum "perfekten Körper" ein nie endender Prozess. Alexandra und ihre Freundinnen zeigen, wie selbstverständlich Botox und andere kosmetische Eingriffe für sie zum Alltag gehören. Die 15-jährige Influencerin Isi erfährt beim Arztbesuch von den dramatischen Konsequenzen der zahlreichen Produkte, die sie in ihren Pflegeroutinen verwendet. Die Protagonistinnen sprechen offen über ihren Alltag, ihre Routinen und Grenzerfahrungen. Sie zeigen, was sie im Namen der eigenen Optimierung tun. Sie erzählen, warum. Und sie sagen selbst, was sie daran begeistert und wo sie ins Grübeln kommen. Kein Erklärstück, keine Einordnung von oben, sondern echte Geschichten aus einer Welt, in der Schönheit für viele zum Teil der Identität geworden ist. Der Film stellt die Frage, welchen Preis wir bereit sind zu zahlen, um den Schönheitsidealen der modernen Gesellschaft so nah wie möglich zu kommen.
17:15
Ihr Ziel: der perfekte männliche Körper. Ihr Preis: Schmerzen, Kosten, die eigene Gesundheit. Männer tun viel für ihren starken Wunsch nach Schönheit. Sie unterwerfen ihr Leben einem Trainingsplan. Lassen sich für 100.000 Euro die Beine brechen. Verdicken ihren Penis. Spritzen sich illegale Substanzen oder werden Looksmaxxer auf Social Media. Groß, stark, perfekt - der harte Weg zu maximaler Männlichkeit. "Ich will einfach der Typ mit den dicksten Muskeln sein", beschreibt Maik den Antrieb für seinen Lebenstraum: als Bodybuilder bei Mr. Olympia zu starten. Diesem Traum ordnet er alles unter: aufstehen um 5:30 Uhr, sieben festgelegte Mahlzeiten pro Tag, über 30 Supplements, zweieinhalb Stunden Krafttraining. Für den 16-jährigen Soufian ist gutes Aussehen der Schlüssel zu Erfolg und Beliebtheit: Als Looksmaxxer tauscht er sich auf Social Media mit anderen jungen Männern aus. Lässt sich von der Community oder einer App bewerten, wobei die Skala von "Subhuman" bis "Chad" geht. Jede Körperpartie, vom Winkel der Augen bis zum Abstand zwischen Ohr und Kieferknochen, hat dabei einen Idealwert, den es zu erreichen gilt. Nachhelfen können Looksmaxxer mit Aminosäuren, Wachstumshormonen, dem Malträtieren ihres Wangenknochens mit einem Hammer und natürlich zahlreichen als Softmaxxing und lange weiblich geltenden Schönheitsmaßnahmen wie Skincare, Botox und Co. Alex leidet unter seiner Körpergröße und verlängert für viel Geld und mit monatelangen Einschränkungen seiner Beweglichkeit schon zum zweiten Mal seine Beine. Auch vor dem Penis macht die Selbstoptimierung nicht Halt: Er soll länger und dicker werden. Die Nachfrage nach ästhetischer Intimchirurgie steigt stetig. Was ist das Idealbild eines attraktiven Mannes, woher kommt es, und warum sind junge Männer auf einmal bereit, für dieses Ideal bis zur Schmerzgrenze und darüber hinauszugehen? Von der Balance zwischen attraktivem Äußeren als Lifestyle und extremen Eingriffen in den eigenen Körper auf der Suche nach Perfektion erzählt der Film "Make me beautiful".
18:00
Biotechnologie und künstliche Intelligenz sollen helfen, den Alterungsprozess zu bremsen. Doch die Wirkung der Methoden ist oft nicht wissenschaftlich belegt, manche sind sogar gefährlich. Die Anhänger der Anti-Aging-Szene hält das nicht ab: Sie kontrollieren Schlaf und Blutwerte, schlucken Supplements, nutzen Sauerstoffkammern oder Rotlicht, um jung zu bleiben. Daraus ist ein lukrativer Markt entstanden, zwischen seriöser Prävention und teurem Lifestyle. Die Biohackerin Brooke aus Chicago richtet ihren Alltag konsequent nach Daten aus. Sie macht regelmäßige Blut-Checks, überprüft ihre Messwerte auf dem Smartphone und folgt einem strikten Plan aus Training, Ernährung und Anti-Aging-Routinen. Sie ist überzeugt: Das hilft ihr dabei, langsamer zu altern. Ihr Vorbild ist Bryan Johnson, amerikanischer Unternehmer, Investor und Gallionsfigur der sogenannten Longevity-Bewegung. Sein Ziel: den Alterungsprozess zu stoppen und sein Leben zu verlängern. Denn das Altern gilt als größter Risikofaktor für schwere Krankheiten wie Krebs. Das Silicon Valley investiert Milliarden in die Altersforschung. Bekannte Vertreter wie Jeff Bezos machen sich selbst zum Versuchsobjekt, an dem biologische Grenzen ausgeweitet werden sollen. Auch bekannte Politiker wie der frühere italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi und - Gerüchten zufolge - Wladimir Putin wollen das Rennen gegen die Zeit gewinnen. Mit ganz unterschiedlichen Methoden. Manche Menschen möchten dagegen vor allem jünger aussehen. Neben Operationen wie Facelifting steht dafür auch die Behandlung mit Botulinumtoxin zur Verfügung. Eine Botox-Behandlung ist schon ab 100 Euro zu haben. Die kanadische Augenärztin Jean Carruthers hatte die kosmetische Wirkung dieses Nervengifts einst durch Zufall entdeckt. Die Doku zeigt, wie eng der Wunsch nach einem längeren Leben mit dem Kult um ewige Jugend verknüpft ist. Und wie Schönheitsmedizin, soziale Erwartungen und Macht zusammenwirken. Ob Hollywood oder politisches Parkett: Wer jung aussieht, gilt als leistungsfähig, und wer altert, riskiert, unsichtbar zu werden.
18:45
Jung, weiblich, straffällig - was bedeutet die Haft für junge Frauen? Die Doku begleitet sie im Jugendvollzug - zwischen Alltag und dem Wunsch nach Veränderung. Nur rund vier Prozent der Inhaftierten im Jugendstrafvollzug sind weiblich. Die Doku zeigt den Alltag der 16- bis 21-Jährigen zwischen Schule, Kontrollen und Zukunftsplänen - und gibt seltene Einblicke in das Innenleben des weiblichen Jugendstrafvollzugs. In der JVA Zweibrücken und der JVA für Frauen in Berlin-Lichtenberg leben junge Frauen zwischen 16 und 21 Jahren, die zum Teil schwere Straftaten begangen haben. Die Dokumentation begleitet sie durch einen Alltag, der wenig mit ihrem Leben draußen gemein hat - geprägt von festen Abläufen, klaren Regeln und Kontrolle. Samira sitzt in der JVA für Frauen Berlin-Lichtenberg. Am Anfang wollte sie nur raus. "Die ersten Monate waren sehr, sehr schwer. Ich hab lange gebraucht, um mich hier einzugewöhnen." Der Verlust der Freiheit traf sie hart - besonders der Kontakt zu ihrer Familie und ihrem Freund fehlt ihr. Ohne Handy und Social Media sind Telefonate aus dem Haftraum ihr einziger Kontakt nach draußen. In der JVA Zweibrücken geben sich die Zwillingsschwestern Anna und Emmi gegenseitig Halt. Anna wurde zuerst inhaftiert, fast zwei Jahre später folgte Emmi. Draußen fehlte beiden jede Struktur: "Ich bin morgens erst nach Hause gekommen und hab dann bis 16.00 Uhr geschlafen. Hab Scheiße gebaut", sagt Emmi. Jetzt arbeiten sie regelmäßig, erleben erstmals einen geregelten Alltag - mit festen Zeiten, Aufgaben und klaren Grenzen. Neben den jungen Frauen kommen die Justizvollzugsbeamtinnen Renate Render und Sabine Eckert zu Wort. Sie sprechen über Nähe und Distanz und das tägliche Ringen um Struktur, Sicherheit und Erziehung. Denn Streit, Drogenspürhunde und Suchterkrankungen gehören ebenso zum Gefängnisalltag wie Kochabende, Sport und erste Liebesgeschichten. "Knast in Deutschland" zeigt das Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Entwicklung, zwischen Abschottung und Zusammenhalt - und lässt diejenigen zu Wort kommen, die meist nur eine Randnotiz in den Strafvollzugsstatistiken sind und oft übersehen werden.
19:30
Wenn Frauen in Haft kommen, verlieren sie oft mehr als ihre Freiheit. Der Kontakt zur Familie bricht ab. Doch in der JVA Frankfurt III gibt es für einige eine Chance auf einen Neuanfang. Nur etwa sechs Prozent der Inhaftierten in Deutschland sind Frauen. Viele sind suchtkrank oder traumatisiert. Die JVA Frankfurt III ist eine der größten Frauenhaftanstalten des Landes und bietet alle Haftarten, von kurzen Strafen bis zur lebenslangen Haft. "Wir kommen mit allen Straftaten in Kontakt", sagt Justizvollzugsbeamtin Reetz. Doch hinter jeder Strafakte steckt eine individuelle Geschichte. Lisa M. zum Beispiel. Die 33-Jährige ist drogenabhängig und sitzt unter anderem wegen Betrugs und Diebstahl in Haft. Ihre drei Töchter sieht sie seit Jahren nicht. Im Gefängnis macht sie eine Ausbildung in der Systemgastronomie - eine Chance für einen Neustart. Doch der Alltag bleibt hart: Haftraumkontrollen, feste Abläufe, die Trennung von der Familie. Regine S. kennt dieses Leben. Die 49-Jährige ist ebenfalls drogenabhängig, zum zweiten Mal in der JVA inhaftiert und mittlerweile clean: "Ich hoffe, dass mir die Leute draußen noch mal eine Chance geben." Für Mütter, die ihre Kinder mit in den Vollzug bringen, gibt es in Frankfurt ein Mutter-Kind-Heim. Im geschlossenen Bereich können Kinder bis zu drei Jahren mit ihren Müttern zusammenleben. Auch Katarina A. lebt dort mit ihrem Baby. Ihr Kind kam während ihrer Haft per Kaiserschnitt zur Welt. "Mein Mann durfte nicht bei der Geburt dabei sein, stattdessen waren Justizbeamte im Raum", erzählt sie. Während ihr Neugeborenes mit ihr in Haft ist, wachsen ihre älteren Kinder beim Vater auf. "Mein großer Sohn weiß, wo ich bin. Der Kleine denkt, ich bin in einer Therapieeinrichtung." Neben dem Alltag der Inhaftierten beleuchtet die Dokumentation auch die Arbeit der Justizvollzugsbeamten und Sozialarbeiter. In Frankfurt kümmern sich rund 170 Mitarbeitende um die Inhaftierten. Sozialarbeiterin Marjorie Schol arbeitet mit Frauen, die schwere Gewaltverbrechen begangen haben. "Es ist wichtig, die Frauen in ihren Geschichten ernst zu nehmen - aber auch ihre Verantwortung nicht aus den Augen zu verlieren." Die Dokumentation zeigt die Herausforderungen, Ängste und Hoffnungen der Frauen hinter Gittern. Ein Blick auf ein Leben, das für viele nicht vor, sondern erst in der Haft wirklich beginnt.
20:15
Im Hochsicherheitsgefängnis Renovación 1 in Escuintla, Guatemala, sitzen einige der gefährlichsten Verbrecher des Landes ein - unter strengen Sicherheitsvorschriften, Flucht unmöglich. Ob in einer Gemeinschaftszelle mit 30 Insassen oder in der winzigen Isolationszelle: Die Häftlinge verbringen die meiste Zeit eingesperrt. Langeweile und Platzmangel führen schnell zu Konflikten - und im schlimmsten Fall zu Unruhen und Aufständen. In der Regel dürfen sich die Insassen nur einmal alle zwei Wochen für eine Stunde draußen im Gefängnishof aufhalten. Ebenfalls alle 14 Tage sind Besuche der Angehörigen erlaubt. Um sich und ihre Familien vor möglichen Racheaktionen zu schützen, tragen die Wärter dort Masken. Mit den Gefangenen zu sprechen, ist nur dem Leiter der jeweiligen Schicht erlaubt. Jahrelang war das nur eine halbe Autostunde von der Hauptstadt entfernte Gefängnis Renovación 1 auch als "El Infiernito" bekannt, die "kleine Hölle". Damals lebten die Häftlinge dort sogar noch recht komfortabel: Ob Spielekonsolen, Fernseher, Glasfaserkabel und Zootiere im Schwimmbassin - an nichts mangelte es den Männern. Die Gangbosse unter ihnen waren die heimlichen Herren im Knast. Doch seit einer Razzia im Jahr 2024, bei der auch Waffen und Bargeld gefunden wurden, können die schlimmsten Verbrecher Guatemalas von diesen Tagen nur noch träumen. Gewalt, Enge und Machtkämpfe prägen Gefängnisse weltweit. "Überleben hinter Gittern" zeigt den Kampf der Insassen um Würde und Zukunft - und wirft die Frage auf, wann Kontrolle zur Unterdrückung wird.
21:00
Island gilt als das sicherste Land der Welt. Doch Drogenkriminalität und Gewalt nehmen zu. Das Hochsicherheitsgefängnis Litla Hraun ist die größte und älteste Haftanstalt des Inselstaates. Etwa 80 Häftlinge leben dort - hinter dicken Stahltüren in Einzelzellen. Alle Gemeinschaftsbereiche werden 24/7 mit Kameras überwacht. Die Wärter sind unbewaffnet - und das, obwohl bei Durchsuchungen mitunter selbst gebaute Waffen gefunden werden. Für die gefährlichsten Insassen gestaltet sich der Alltag extrem eintönig - Fernsehen und Musik hören sind die einzigen Ablenkungen. Für diejenigen, denen die Arbeit in der Gefängniswerkstatt erlaubt ist, kann das Hoffnung und neuen Lebensmut bedeuten. So wie für den 43-jährigen Marco, der wegen Drogenschmuggels inhaftiert wurde - weit entfernt von seiner Freundin und seinen beiden Töchtern. In regelmäßigen Abständen besuchen Mitglieder der Organisation Afstaða das Gefängnis. Es sind ehemalige Häftlinge, die den Insassen Rat und Hilfe anbieten. Einer von ihnen ist Haukur, ein in Island bekannter Musiker. Auch er sitzt für einige Jahre wegen Drogendelikten in dem Gefängnis ein. Sein Talent könnte ihm dabei helfen, die Zeit besser zu überstehen - und nach der Haft einen Neuanfang zu wagen. Gewalt, Enge und Machtkämpfe prägen Gefängnisse weltweit. "Überleben hinter Gittern" zeigt den Kampf der Insassen um Würde und Zukunft - und wirft die Frage auf, wann Kontrolle zur Unterdrückung wird.
21:45
Im Hochsicherheitsgefängnis der Hafenstadt Cebu City auf den Philippinen sitzen Mörder, Menschenhändler, Drogendealer ein. Um Aufstände zu vermeiden, müssen die Wärter 24/7 wachsam sein. Viele der inhaftierten Männer und Frauen, die in einem getrennten Bereich untergebracht sind, warten dort jahrelang auf ihr Urteil. Denn die Anzahl an Straftaten, mit denen sich die philippinischen Gerichte befassen müssen, ist extrem hoch, die Justiz ist überlastet. Wie in vielen anderen philippinischen Gefängnissen gelten auch in Cebu City völlig andere Gesetze als außerhalb. Da die Haftanstalten oft überbelegt sind, hat sich in manchen eine Art internes Gesellschaftssystem gebildet. Angeführt wird es in der Regel von einem Bosyo - einem Häftling, der sich über die Jahre einen Namen gemacht und nun das Sagen über die anderen Inhaftierten hat. Für die Gefängniswärter bedeutet das vor allem eine Arbeitserleichterung. Denn der Bosyo regiert mit strenger Hand. Gewalt, Enge und Machtkämpfe prägen Gefängnisse weltweit. "Überleben hinter Gittern" zeigt den Kampf der Insassen um Würde und Zukunft - und wirft die Frage auf, wann Kontrolle zur Unterdrückung wird.
22:25
Im Antanimora-Gefängnis auf Madagaskar einzusitzen, sei das Schlimmste, was einer Person passieren könne - das sagt der Gefängnisdirektor. Müllberge, Ratten, Krankheit und beklemmende Enge. Das Gefängnis ist auf 900 Insassen ausgelegt, mehrere Tausend sitzen ein. Am schlimmsten sind die Nächte. Eingepfercht in stickige Räume, liegen die Häftlinge Haut an Haut, umdrehen geht nur auf Befehl. Wie überleben die Insassen zwischen Dreck und Schädlingen? Die Unterbringung und Versorgung von Gefangenen steht auf der Prioritätenliste der Behörden von Madagaskar weit unten. Im Gefängnis von Antanimora herrschen Zustände, die einen erschaudern lassen. Die Gefangenen teilen sich ihre Unterkünfte mit Kakerlaken, Flöhen, Läusen und Ratten. Wer dort krank wird, dem droht der Tod. Am gefürchtetsten unter Gefangenen: die Pest. Dort gibt es sie noch. Wer etwas Geld hat, kann dort viel erreichen: Er darf sich waschen, muss nicht auf dem Boden schlafen oder bezahlt den Richter für seine Freilassung. Doch die meisten leben jahrelang im Dreck der Anstalt. Nicht nur die Unterbringung ist menschenverachtend, auch die Versorgung. Es gibt eine Mahlzeit am Tag, immer die gleiche: gekochter Maniok, ungewürzt. Die Mangelernährung macht viele krank. Alle Häftlinge haben nur einen Traum: rauskommen, um zu überleben. Die sechsteilige Reihe "Überleben hinter Gittern" blickt auf den Alltag der Insassen und Wärter in den härtesten Gefängnissen der Welt.
23:05
Das Gefängnis von Armawir ist eine der modernsten Haftanstalten Armeniens. Neben Kleinkriminellen sitzen dort Mitglieder der armenischen Mafia ein. Doch die Wärter sind unbewaffnet. Sie setzen auf Deeskalation, Schlagstöcke und Handschellen werden nur im Notfall benutzt. Die Häftlinge dürfen sich die Zellen selbst einrichten und bekommen viele Lebensmittel von ihren Verwandten. Während ein Insasse promoviert, versuchen andere, auszubrechen. Das Gefängnis von Armawir wurde speziell für Straftäter aus der Organisierten Kriminalität gebaut. Die sogenannten Diebe im Gesetz bilden eine verschworene Gemeinschaft mit festen Regeln, etwa dem Schweigegebot. Diese engen Bande bestehen auch hinter Gittern fort. Wie geht das Gefängnispersonal mit Gefangenen um, die den Staat, seine Vertreter und Autorität ablehnen? Täglich kommen am Gefängniseingang Lieferungen für die Gefangenen an. Freunde und Angehörige bringen Essen und Dinge des täglichen Bedarfs für die Insassen. Die Wärter haben alle Hände voll zu tun, die Mitbringsel auf verbotene Gegenstände zu durchsuchen. Klar, dass da auch mal was durchrutscht - und wo geschmiert wird, rutscht es umso besser. Bei den Zellendurchsuchungen stoßen die Wärter immer wieder auf Überraschungen. Dazu zählt auch ein handfester Ausbruchsversuch mit durchgesägten Gitterstäben. Die Wärter rätseln bis heute, wie die Gefangenen unbemerkt die Stäbe durchtrennen konnten. Wie erleben die Häftlinge ihren Alltag hinter den Mauern dieses Gefängnisses? Die sechsteilige Reihe "Überleben hinter Gittern" blickt auf den Alltag der Insassen und Wärter in den härtesten Gefängnissen der Welt.
23:50
Bolivien geht eigene Wege beim Strafvollzug: In das Gefängnis San Pedro in La Paz trauen sich keine Wärter hinein. Sie regeln nur den Einlass, drinnen haben die Gefangenen das Sagen. San Pedro ist eine überfüllte Stadt in der Stadt, die ihre eigenen Regeln hat. Dort herrschen die Delegados, eine Bande von Häftlingen, die das Knastleben organisiert. Drogen und Gewalt sind allgegenwärtig. Und mittendrin: die Frauen und Kinder der Häftlinge. Der Knast unter Häftlingsherrschaft ist schlicht eine Sparmaßnahme des bolivianischen Staates. Ihm fehlen die Mittel für eine adäquate Bewachung seiner Gefangenen. Die Häftlinge bekommen einmal am Tag zu essen. Um den Rest müssen sie sich selbst kümmern. Sogar die Instandhaltung der Gebäude ist Sache der Gefangenen. Das führt zu prekären Zuständen in dem mehrfach überbelegten Gefängnis. Am Eingang herrscht reger Betrieb. Viele Gefangene haben ihre Familien mitgebracht, die den Knast verlassen dürfen. Sie bringen Güter des täglichen Bedarfs mit nach San Pedro. Dazu zählen auch Drogen. Ein großer Teil der Häftlinge ist abhängig. Und inmitten dieses Molochs spielen die Kinder der Insassen. Die Häftlinge haben sich straff organisiert. In den Mauern herrscht das Recht des Stärkeren - und die Stärksten sind die Delegados, eine Bande, die im Knast die Strippen zieht und sogar Uniform trägt: schwarze Trainingsanzüge von Adidas. In ihren Händen liegt das Leben und Sterben der Gefangenen. Einen Überblick, wer alles einsitzt, welche Häftlinge tot, lebendig oder geflohen sind, hat hier niemand. Wie meistern die Häftlinge von San Pedro ihren Alltag? Die sechsteilige Reihe "Überleben hinter Gittern" blickt auf den Alltag der Insassen und Wärter in den härtesten Gefängnissen der Welt.