22:45
"Nachts bin ich davon wachgeworden, dass jemand die Treppen hochkommt, und ich wusste, jetzt kommt gleich das Monster ins Zimmer," erzählt Katha Rosa über die schlimmste Zeit in ihrem Leben. Heute ist sie 32 Jahre alt, Musikerin und singt in ihren Liedern darüber, was ihr angetan wurde. Jahrelang haben sie und ihre Zwillingsschwester sexuelle Gewalt erlebt. Sie sind missbraucht und vergewaltigt worden. In ihrem Elternhaus, vom Freund ihrer Mutter. Als man in der Schule vermutet, dass die Zwillinge sexueller Gewalt ausgesetzt sein könnten, verdächtigt die Mutter jemanden anders. Doch immer wieder schleicht sich ihr Freund in das Zimmer der Zwillinge, legt sich mal zu der einen, mal zu der anderen ins Bett, vergeht sich an ihnen. "Ich habe einfach so getan, als würde ich schlafen. Ich war wie versteinert. Einfach so ein ganz ekeliges Gefühl," sagt Katha. Ihre Mutter erkennt die Signale nicht, die ihr Töchter aussenden. Erst als die Frauenärztin stutzig wird und Fragen stellt, trauen sich die damals 15jährigen Mädchen, ihrer Mutter von dem Missbrauch zu erzählen - trotz der jahrelangen Drohungen ihres Stiefvaters: "Er hat halt einfach oft gesagt, dass das was Böses ist, was wir machen und dass wir dann böse sind. Wenn das jemand erfährt, dass wir quasi die Übeltäter sind." Die Zwillingsschwestern zeigen ihren Stiefvater an. Die Befragungen durch Polizei und vor Gericht erlebt Katha als traumatisch, fühlt sich wehrlos und als Lügnerin dargestellt. Bis ein rechtskräftiges Urteil gefällt ist, vergehen Jahre. Das Urteil in der Revision: Zwei Jahre auf Bewährung. Mutter und Töchter sind fassungslos darüber. Katha Rosa und auch ihre Mutter werden lange therapeutisch betreut. Heute, sagt sie, könnte sie anders vor Gericht auftreten. Als Sängerin engagiert sich Katha Rosa gegen sexuelle Gewalt.
23:30
Marlen ist früher durch die Welt gereist, draußen strahlt sie, aber ihre Wohnung hat sie mit Gegenständen vollgestellt. Sie ist eine leidenschaftliche Sammlerin. Alles ist zu wertvoll, zu bedeutend, um es wegzuschmeißen. Fynn dagegen will mit nur 100 Dingen durch die Welt gehen. "Ordnung ist das halbe Leben!", sagt er. "Willkommen in der anderen Hälfte!", antwortet sie. Das ist der Humor und der Kampfstil, den sie von jetzt an pflegen. Marlen und Fynn - stärker könnten die Gegensätze nicht sein. Doch Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an.