22:45
Über Jahrzehnte war das Casino wirtschaftliches Herz und Identitätskern der Gemeinde. Gleichzeitig entstand eine nahezu vollständige Abhängigkeit vom Glücksspielbetrieb. Als das monumentale Gebäude des Stararchitekten Mario Botta seine Funktion verliert, wird sichtbar, wie fragil der einstige Wohlstand war. Menschen aus allen Generationen erzählen von ihren Erinnerungen, Hoffnungen und Enttäuschungen: der ehemalige Priester Eugenio, der entlassene Croupier Ivan, die ernüchterte junge Ökonomin Deniz oder Tiziana, eine der ersten Frauen im Casino von Campione. Ihre Lebensgeschichten spiegeln den Aufstieg und Fall eines Ortes, der im Schatten eines Casinos stand, das einst alles bedeutete. Ihre Stimmen verweben sich zu einem vielschichtigen Porträt einer Gemeinschaft auf der Suche nach Orientierung. Zwischen Vergangenheit und Neuanfang, Verlust und Hoffnung stellt sich die zentrale Frage: Hat Campione die Kraft zu einem neuen Kapitel? Die Regisseure Michele Cirigliano und Anton von Bredow zeichnen in «Architektur des Glücks - wie Campione mit seinem Casino fast unterging» ein feinfühliges und zugleich optimistisches Bild eines Dorfes, das trotz seiner Krise den Glauben an sich und seine Gemeinschaft nicht aufgegeben hat.
23:40
Bernard Rambert, einer der bekanntesten und zugleich umstrittensten Strafverteidiger der Schweiz, reflektiert in einem Gespräch mit der Autorin Julia Klebs sein bewegtes Wirken. Über fünfzig Jahre hinweg verteidigte er Menschen, denen teils Terrorismus, politischer Aktivismus oder radikaler Widerstand vorgeworfen wurde - ein Engagement, das ihm den Ruf des «Roten Beni» und später den Stempel «Terroristenanwalt» einbrachte. Zahlreiche Archivaufnahmen verorten seine Fälle im politischen Klima ihrer Zeit und beleuchten Protestbewegungen, gesellschaftliche Bruchlinien und staatliche Machtstrukturen. Die Erzählperspektive gibt Rambert bewusst viel Raum, um über moralische Verantwortung, das Recht auf Verteidigung und die Bedeutung von Gerechtigkeit in einer Demokratie nachzudenken. Das Werk wird damit zu einem vielschichtigen Beitrag über Erinnerungskultur, politisches Engagement und die Frage, wie eine Gesellschaft mit widerständigen Stimmen umgeht.