21:40
Wien ist eine Mischung aus jugendlicher Frechheit und schwermütigem Selbstzweifel. Wenn im Frühjahr nicht nur der Prater blüht, sondern auch die Bäume an der Ringstraße - und mittlerweile auch wieder an Teilstücken des Gürtels und auf der Mariahilferstraße - füllt sich die Stadt nahezu explosionsartig mit jugendlicher Energie. Doch kommt der Herbst, wird die Stadt träge, ja, zum Teil verschwinden die Menschen aus dem Straßenbild. Sicher liegt es auch an den Wienern, deren Sprache, wie Klemens Lendl von der Musikgruppe "Die Strottern" ausführt, verzögern und beschleunigen kann wie kaum eine andere - und deshalb auch so musikalisch ist wie wenige eine andere. Das Kanalsystem einer Großstadt ist eine Maschinerie in sich. Wer dort arbeitet und nach dem Rechten sieht, darf keine empfindliche Nase haben - außer eine Brauerei oder eine Schokoladenfabrik waschen ihre Kessel aus. Wien ist so international wie in keine andere österreichische Stadt. "Echte Wiener" kommen mittlerweile aus allen Kontinenten - und selbstverständlich auch aus den acht anderen österreichischen Bundesländern. Die erste internationale Community Wiens siedelte in Nachbarschaft zum Kaiser - gemeint ist die Menagerie von Schönbrunn, deren Geburtsstunde ins Jahr 1752 zurückführt. Heute ist der Tiergarten von Schönbrunn der älteste noch bestehende Zoo der Welt - und zudem einer der besten und beliebtesten. Mavie Hörbiger aus Wiens großer Schauspieler-Dynastie zeigt uns, wie sich eine junge Generation längst die alte Kaiserresidenz zu eigen gemacht hat. Dabei war für die Schauspielerin die erste Begegnung mit Wien als Kind ernüchternd, wie sie erzählt: "Als ich ein Kind war, dachte ich, dass der Prater Wien ist. Als ich dann feststellte, dass noch eine Stadt dranhängt, war ich a bissl enttäuscht..."
22:40
Die Bauindustrie verursacht massiv CO2 - doch ein Pilotprojekt in Mannersdorf will das ändern. Aus recyceltem Beton entsteht ein Pulver, das CO2 bindet und in Kalkstein umwandelt. Dieser wird wiederverwendet und spart so pro Werk bis zu 250 Tonnen CO2 jährlich. Ein vielversprechender Ansatz für klimafreundlicheres Bauen. // Der Schlammpeitzger, wegen seiner Darmatmung "Furzfisch" genannt, lebt in einem renaturierten Feuchtgebiet in Niederösterreich. Was kurios klingt, ist ein Vorzeigeprojekt für Artenschutz. Forscher und Vereine arbeiten mit Hightech und Leidenschaft für den Erhalt eines einzigartigen Lebensraums - mit einem unscheinbaren Fisch als Symbolfigur. // Schon in den 1920ern träumte Max Valier vom Weltraum. Der Südtiroler entwickelte Raketenautos mit Fritz von Opel, testete waghalsig auf Eis und Asphalt - bis er in München mit Flüssigraketen experimentierte. Seine Vision: Raumfahrt mit Schubkraft. Sein Pioniergeist wirkt bis heute in der Raumfahrttechnik nach. // Wie ruinierte eine falsche Theorie die Landwirtschaft einer Nation? Wo liegt der größte natürliche Spiegel der Welt? Stirbt die Prärie ohne Bisons? Und: Ist unser Sonnensystem wirklich einzigartig?
23:35
Erst spät in ihrer Geschichte erreichen Menschen den amerikanischen Kontinent. Während der letzten Eiszeit überqueren kleine Gruppen die eisige Landbrücke Beringia und betreten eine neue, von Kälte, Gletschern und gefährlichen Raubtieren geprägte Welt. Um zu überleben, müssen sie sich an extreme Bedingungen anpassen, neue Jagdtechniken entwickeln und sind mit riesigen Tieren wie Mammuts, Mastodons und Riesenfaultieren konfrontiert. Die ersten Siedler breiten sich entlang der Nordwestküste und im Inneren Amerikas aus. Wie finden sie in dieser lebensfeindlichen Umgebung Nahrung? Wie gelingt es ihnen, den Hund als ersten tierischen Gefährten zu gewinnen? Und welche technischen Neuerungen machen ihre Jagd erfolgreicher und zugleich riskanter? Mit dem Ende der Eiszeit wandelt sich die Welt erneut: Klimaveränderungen und menschliche Jagd führen zum Aussterben der Megafauna. Die Menschen müssen umdenken. In Mittel- und Südamerika entdecken sie neue Pflanzen und beginnen gezielt mit dem Anbau von Nahrung. Aus wilden Gräsern entsteht Mais, und aus nomadischen Jägern und Sammlern werden nach und nach sesshafte Gemeinschaften. Die Dokumentation erzählt so nicht nur von der Besiedlung Amerikas, sondern auch von einem Wendepunkt, der unsere Lebensweise bis heute prägt.