21:00
Am Anfang ist es die heilende Kraft des Wassers, die diesen Ort besonders macht. Über die Jahrhunderte jedoch wird das Böhmischen Tal an der Tepla zu einer der interessantesten Bühnen der Gesellschaft. Pracht und Glanz dieses Ortes sind bis heute geblieben - weniger sichtbar die Narben dahinter. Sie erzählen vom Trauma der Bewohner, von Vertreibung, Antisemitismus und Zwangsarbeit. Die über 500jährige Geschichte einer der wichtigsten Dynastien in Karlsbad ist ebenso erfolgreich wie tragisch - die der Bechers. Berühmt werden sie mit einem Kräuterlikör, dem Karlsbader Becherbitter. Im Frühjahr 1945 ist es Hedda Baier, geborene Becher, die das Familienunternehmen führt. Ihre Tochter Charlotte ist damals ein Jahr alt, als die Mutter verzweifelt versucht, ihre Familie und das Unternehmen in Karlsbad zu retten. Schließlich jedoch gehören sie mit zu den ca. drei Millionen Sudetendeutschen, die ihre Heimat verlassen müssen. Im 19. Jahrhundert waren es vor allem jüdische Unternehmer, die das neue Antlitz Karlsbads prägten. Alfred Schwab baut das berühmte Hotel Imperial, Ludwig Mosers Kristallglasfabrik wird zur Marke in Europa. Und neben einem Jüdischen Hospital entsteht 1877 die prächtige Synagoge in der Parkstraße. In der Nacht des 9.November 1938 wird sie niedergebrannt. Zehn Jahre später wird Pavel Rubin in Karlsbad geboren. Er ist Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es 2600 Mitglieder der Jüdischen Gemeinde, nur 26 kehren als Überlebende des Holocausts zurück. Und noch etwas verbindet Glanz und Trauma an diesem außergewöhnlichen Ort - Uranerz. Mit dem Wettlauf um den Bau der Atombombe wird der Segen des heilenden Radonwassers zum Fluch für Tausende Arbeitssklaven, die in die Minen gezwungen werden. Von ihren Lagerbaracken aus sehen sie die Lichter der Kurstadt. Karlsbad - ein Ort, in den die Geschichte ihre Wunden geschlagen hat.
21:45
mit Sport
22:00
In den Metropolen Westpolens, in Szczecin, Pozna? und Wroc?aw, pulsiert das Leben. Die Spuren vormals deutscher Bewohner wurden größtenteils überschrieben oder zerstört. Die Generation 20+ engagiert sich jetzt dafür, das übrig gebliebene Erbe der Deutschen neu zu beleben. Und auch abseits der Metropolen machen es sich junge Menschen zur Aufgabe, die Geschichte ihrer westpolnischen Heimat zu erforschen und zu pflegen. In Gostków, unweit des früheren Waldenburgs, haben Angelika Babula und ihre Mutter Halina einen ehemals deutschen Friedhof gekauft. Sie fürchteten, dass die Gräber sonst komplett zerstört würden. Seither verbringen die beiden fast jede freie Minute auf dem Friedhof, um die Gräber "ihrer Deutschen" zu retten. "Poniemiecki", ehemals deutsch, werden die Orte, Häuser und Alltagsgegenstände genannt, die Millionen Deutsche vor ca. 80 Jahren zurückließen. Als Hinterlassenschaften der ehemaligen Feinde waren sie nicht beliebt. Jetzt liegt ehemals deutsch im Trend. Wibke Kämpfer und Benjamin Vogel begleiten junge Polen auf der Suche nach der deutschen Geschichte ihrer westpolnischen Heimat.
22:30
GRENZLAND erspürt Befindlichkeiten an der deutsch-polnischen Grenze. Der Bogen spannt sich von Niederschlesien, wo Polen Deutschland und Tschechien einander treffen, über das flache Land an der Oder in der Mitte, bis hinauf ans Stettiner Haff. Der Regisseur Andreas Voigt ist nach über 30 Jahren zum zweiten Mal zu Erkundungen in dieser Gegend unterwegs. GRENZLAND erzählt Geschichten vom Rand - doch aus der Mitte Europas. Es ist die Landschaft und es sind die Menschen mit spannenden und berührenden Lebensgeschichten, die im Mittelpunkt dieses Rivermovies stehen. Eine australische Farmer Familie, die in Polen einen Neuanfang wagt; eine junge polnische Abiturientin, die ihr Land liebt und trotzdem fortgeht. Ein junger Syrer, der vor dem Bürgerkrieg in seinem Land geflohen ist und trotz Ressentiments und Rückschlägen seine Existenz in Deutschland aufbaut. Und es gibt auch die Sesshaften auf beiden Seiten der Flüsse. Dabei sind im Grunde alle hier Zugereiste oder Umgesiedelte. In poetischen Bildern wird das Zusammensein von Menschen und ihrer Landschaft beschrieben, vermittelt der Film intensive und optimistische Einblicke mit diesen Grenzland Biografien. Der Film ist eine Reise entlang der Oder und der Neiße, entlang der deutsch-polnischen Grenze. Eine australische Familie, ein Syrer, eine griechische Polin, ein alter Fischer, eine Abiturientin, eine griechische Musikerin, ein polnischer Landwirt stehen im Mittelpunkt. Sie haben ihre Erinnerungen und ihre Hoffnungen, und sie haben eines gemeinsam - die Landschaft, in der sie leben.