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"Wir sind doch keine Tiere!", klagt Shiwani S. nach einem anstrengenden Tag vor dem Berliner Arbeitsgericht. Die Fahrradkurierin wartet, hochschwanger, seit anderthalb Jahren auf die Auszahlung mehrerer Monatsgehälter. "Warum machen keine Deutschen diese Jobs bei Lieferando, Wolt oder UberEats?", pflichtet ihr Samee U. bei. "Fragt Euch das mal!" Die Story geht dieser Frage nach und deckt ein System mehrfacher Ausbeutung auf, das sich zunehmend in deutschen Städten breit macht: tausende junge Inder kommen für ein wertloses Studium an teuren Privatunis ins Land, angelockt von Agenturen und dafür hochverschuldet. Hier werden sie von skrupellosen Vermietern ausgenommen und geraten an Unternehmer, die sie ausbeuten: mit Scheinarbeitsverträgen, erzwungener Schwarzarbeit und Vergütung weit unter dem Mindestlohn. Die Recherche von Fabian Grieger und Jan Wiese gibt einen weitgehend unbekannten Einblick in die prekäre Lebenssituation indischer Kurierfahrer und -fahrerinnen in Deutschland. Monatelang sind sie dafür in die Community eingetaucht. Als "arbeitsrechtliches Labor" bezeichnet Rechtsanwalt Martin Bechert Lieferdienste wie Wolt, Lieferando und UberEats. Er vertritt viele Kurierfahrer, die sich zunehmend und trotz großer Widerstände gegen ihre Arbeits- und Lebensbedingungen wehren. Die Zustände sprechen sich inzwischen bis nach Indien herum. Im Interview warnt der deutsche Botschafter in New Delhi, Dr. Philipp Ackermann, vor einer fehlgeleiteten Migration, die über zweifelhafte Bildungseinrichtungen in "Schwarzarbeit und prekären Wohnverhältnissen endet". Zulasten indischer Studierender, deren Hoffnung auf ein besseres Leben sich nur für andere auszahlt.
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"SCHLINGENSIEF - In das Schweigen hineinschreien" ist ein Film über den 2010 mit 49 Jahren verstorbenen Ausnahmekünstler Christoph Schlingensief. Der Fokus des Films liegt auf Schlingensiefs Auseinandersetzung mit Deutschland. Sein Verhältnis zu diesem Land war widersprüchlich: einerseits verspürte er eine Verbundenheit mit den Menschen und Orten seiner Herkunft, seiner Kernfamilie und so etwas wie "Heimat", andererseits rebellierte er gegen sie - auch gegen den Kleinbürger in sich selbst - und provozierte bis hin zur Forderung "Tötet Helmut Kohl" auf der documenta X 1997. Dass er 2004, am deutschesten Ort der Hochkultur, in Bayreuth Wagners Erlöser-Oper "Parsifal" inszenieren durfte, und später die Einladung erhielt, den deutschen Pavillon der Biennale in Venedig zu gestalten, erfüllte ihn auch mit Stolz, weil er erkannte, dass die Hassliebe zu seinem Land doch noch mit Anerkennung erwidert wurde. "SCHLINGENSIEF - In das Schweigen hineinschreien" ist ein Montage-Film der Editorin Bettina Böhler, die zwei der wichtigsten Filme von Christoph Schlingensief, "Terror 2000" und "Die 120 Tage von Bottrop", geschnitten hat. Ihr Film besteht aus sehr umfangreichem Archivmaterial aus vier Jahrzehnten, Erzähler ist Schlingensief selbst. Im Herbst 2026 (9.10.2026-17.1.2027) widmet der Gropius Bau in Berlin ihm mit "Es ist nicht mehr mein Problem, macht eure Scheiße alleine" eine Ausstellung, die sein visionäres Werk zwischen aufsehenerregenden politischen Aktionen, radikalen theatralen Inszenierungen und der Verschmelzung von Performance und bildender Kunst beleuchtet.