20:15
Im Berliner Kiez an der Kurfürstenstraße prallen zwei Realitäten aufeinander: Der Wunsch nach einem sicheren Zuhause - und eine Situation rund um den Straßenstrich, die sich zuspitzt. Die Reportage "Prostitution unterm Penthouse - Leben am Straßenstrich" erzählt nah, direkt und beobachtend von einem Ort mit wachsender gesellschaftlicher Sprengkraft. Rund um die Kurfürstenstraße an der Bezirksgrenze von Mitte und Schöneberg sind in den vergangenen Jahren moderne Wohnhäuser entstanden. Neue, zahlungskräftige Mieter und Eigentümer sind eingezogen - viele in der Erwartung, dass sich das Milieu mit der Gentrifizierung zurückziehen würde. Doch das Gegenteil ist eingetreten: Drogenkonsum, Gewalt und Verwahrlosung prägen zunehmend das Straßenbild. Für die Anwohnenden bedeutet das einen Alltag zwischen Verunsicherung und Ohnmacht. Die Kamera begleitet Bewohnerinnen und Bewohner in ihrem direkten Lebensumfeld. Viele von ihnen möchten aus Angst anonym bleiben. Sie berichten von Einbrüchen, beschädigtem Eigentum und fremden Personen im Haus. Einige sprechen offen von Angst, andere von Frustration - und davon, sich von Politik und Behörden im Stich gelassen zu fühlen. Gleichzeitig blickt die Reportage auf die Entwicklung eines Kiezes im Wandel. Prostitution gehört hier seit Jahrzehnten zum Alltag. Doch was früher zumindest teilweise von Austausch und gewachsenen Strukturen geprägt war, ist heute zunehmend von Anonymität und Härte bestimmt. Der evangelische Pfarrer Burkhard Bornemann, der lange als Vermittler im Kiez aktiv war, beschreibt eine spürbare Verschärfung der Lage in den vergangenen Jahren. Stationäre Hilfsangebote mussten sogar eingestellt werden, nachdem selbst diese Räume vom Milieu vereinnahmt wurden. "Prostitution unterm Penthouse - Leben am Straßenstrich" führt diese Perspektiven zusammen, ohne einfache Antworten zu liefern. Die Reportage zeigt einen Kiez am Kipppunkt: zwischen Aufwertung und Verdrängung, zwischen Sicherheitsbedürfnis und sozialer Realität. Ein System aus Armut, Abhängigkeit und Gewalt lässt sich nicht wegmodernisieren - und stellt Politik, Gesellschaft und Anwohner gleichermaßen vor Herausforderungen.
20:45
Seit Jahrzehnten ist die Berliner Kurfürstenstraße bekannt für sichtbare Straßenprostitution. Doch in letzter Zeit mehren sich die Berichte über zunehmende Vermüllung, Drogenhandel, Gewalt und Kriminalität. Unternehmen die Behörden zu wenig dagegen? Diesen Vorwurf jedenfalls erhebt die Katharina Senge, CDU, Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus. Hintergrund ist das seit 2017 bundesweit gültige Prostituiertenschutzgesetz, wonach alle in der Sexarbeit tätigen Personen verpflichtet sind, ihre Tätigkeit anzumelden. Doch wird das ausreichend kontrolliert? Welche anderen Möglichkeiten gäbe es, die Situation zu entschärfen? Was würde es bringen, wenn das Areal als "kriminalitätsbelasteter Ort" eingestuft würde, so wie Senge es fordert? Oder müssen wir als Gesellschaft das Problem Sexarbeit noch einmal grundsätzlich überdenken und Prostitution verbieten?
21:45
mit Sport
22:00
Sprit, Gastronomie, Hotels: In Polen ist zwar vieles preiswerter, aber Polen ist weit mehr als nur ein kostengünstiges Nachbarland. In diesem Jahr feiern Deutschland und Polen 35 Jahre Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrag. Und um auch der historischen Verantwortung gerecht zu werden, will die Bundesregierung im nächsten Jahr ein Denkmal für die polnischen Opfer des Zweiten Weltkriegs in Berlin bauen. Rolf Nikel hat die deutsche Politik gegenüber Polen als Diplomat jahrelang mitgestaltet. Von 2014 bis 2020 war er dort Botschafter und kann heute auf mehr als 40 Jahre diplomatische Karriere zurückblicken. Neben Warschau arbeitete er auch in Moskau, Nairobi, Paris und Washington sowie 14 Jahre im Bundeskanzleramt für Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Angela Merkel. Als heutiger Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik treibt ihn vor allem die weltpolitische Lage um, über die er aktuell das Buch veröffentlicht hat "Der schmale Grat: Die Kunst der Diplomatie in Zeiten des Umbruchs". In "Thadeusz lang & breit" spricht Jörg Thadeusz mit Rolf Nikel darüber, was wir aus der Vergangenheit von der Diplomatie lernen können und wie er Polen unter dem rechtspopulistischen Präsidenten Karol Nawrocki einordnet.
22:55
Der Filmjournalist Knut Elstermann ist DEFA-Experte. Zum 80. Jubiläum besucht er das traditionsreiche Studiogelände und trifft Gesprächspartner und - partnerinnen die Filmgeschichte in der DDR geschrieben haben, wie die Schauspielerin Jutta Wachowiak, die Kostümbildnerin Christiane Dorst, die Regisseure Rainer Simon und Peter Kahane. Mit seinen Gästen zeigt er die Orte, an denen diese oft legendären Filme entstanden, die Studios, den Kostümfundus, das Mischatelier. Erzählt wird die Geschichte der DEFA von der Gründung bis zur Wende in vielen Facetten. Vom Glauben an ein neues Deutschland, von der Zensur und vom Willen vieler Macher, trotz aller Schwierigkeiten, wahrhaftige Filme zu machen.
23:55
Der Union- und Hertha-Podcast