20:15
Wie fühlt es sich an, im eigenen Land nicht mehr sicher zu sein? Seit dem Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 hat sich die Stimmung für viele Jüdinnen und Juden in Deutschland verschärft. Antisemitische Beleidigungen, Bedrohungen und Übergriffe häufen sich. Jüdinnen und Juden werden auf der Straße beschimpft, an Hochschulen ausgegrenzt und wegen jüdischer Symbole angegriffen. Der Antisemitismus kommt aus unterschiedlichen Milieus - von Rechtsextremen über islamistische und antiisraelische Strömungen bis in linksextreme Lager. In Berlin wird aktuell besonders darüber gestritten, wo legitime Israelkritik endet und Antisemitismus beginnt und ob der Vorwurf politisch instrumentalisiert wird. rbb-Reporter Marcel Trocoli Castro begleitet Jüdinnen und Juden, die sich die Frage stellen, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Zum Beispiel Levi Salomon, der seit Jahrzehnten antisemitische Entwicklungen auf Berlins Straßen dokumentiert. Inzwischen wird der Journalist selbst zur Zielscheibe. Trotz Anfeindungen und Übergriffen setzt er seine Arbeit fort, obwohl er an seiner Zukunft in Deutschland zweifelt. Jael Keck ist jüdische Studentin und politisch links. An ihrer Universität erlebt sie Ausgrenzung und verliert Freundschaften - trotz ihrer Kritik an der israelischen Regierung und ihrer Solidarität mit den Menschen in Gaza. An der TU wird sie nach eigenen Angaben als "Scheiß Zio" und "Genozidleugnerin" beschimpft. Rabbiner Andreas Nachama setzt trotz wachsender gesellschaftlicher Spannungen auf den interreligiösen Dialog. Doch angesichts mangelnder Solidarität mit den israelischen Opfern fragt er sich, wie Brücken zwischen den Religionen bestehen bleiben können. Ron Dekel und Tim Kurockin vertreten die Interessen junger Jüdinnen und Juden in der Studierendenunion Deutschland. Trotz persönlicher Bedrohungen engagieren sie sich öffentlich und kämpfen für eine Zukunft, in der sie sich nicht verstecken müssen. Der Lehrer Mehmet Can erlebt, wie der Nahostkonflikt den Schulalltag verändert. Seit fast 20 Jahren versucht er, Vorurteile abzubauen, Jugendliche zu erreichen und einen offenen Umgang mit schwierigen Fragen zu ermöglichen. Die Reportage erzählt von Angst und Ausgrenzung, aber auch von Mut und Zusammenhalt. Sie fragt, was sich verändern muss, damit jüdisches Leben in Deutschland wieder selbstverständlich und sicher sein kann.
20:45
Seit dem Überfall der Terrororganisation Hamas auf Israel vor 3 Jahren ist die Zahl antisemitischer Vorfälle in Berlin und Brandenburg gestiegen und sie bleibt auf hohem Niveau. Antisemitismus gab und gibt es auch unabhängig von diesem Angriff. Die Hintergründe sind vielfältig: islamistisch, rechts- oder linksextremistisch und auch jenseits dieser Einordnungen. Wir wollen darüber reden: Wie können Jüdinnen und Juden sicher leben? Welchen Bedrohungen sind sie ausgesetzt? Was ist legitime Kritik und wo fängt Antisemitismus an? Wir wollen konstruktiv darüber sprechen, wer was gegen Bedrohungen und Anfeindungen tun kann. Was läuft schon gut und was muss besser werden? Wie können verschiedene Perspektiven wahr- und ernstgenommen werden?
21:45
22:15
Dass Hans Rosenthal, der beliebte Fernseh-Moderator, mal Bauer werden wollte, um Nazi-Deutschland zu entkommen, wissen wohl die wenigsten. Auch sein Sohn, Gert Rosenthal, weiß von diesem dramatischen Lebensabschnitt seines Vaters wenig. Für ihn umso mehr ein Grund auf den Spuren des Vaters nach fast Vergessenem zu forschen. Seine erste Station: eine Ausstellung in Neuendorf, ehemalige Hachschara-Einrichtung, in der jüdische Jugendliche in Landwirtschaft und Handwerk ausgebildet wurden, um nach Palästina zu gehen. Hier war auch sein Vater gewesen! Nie hatte er davon erzählt, höchstens auf Familienfesten hörte der Sohn Erinnerungsfetzen, die mehr Rätsel aufgaben als aufklärten. Gert, der jüngere Bruder des Vaters, dessen Namen er trägt, war deportiert worden, während der Vater untertauchen konnte. Nun beginnt eine spannende, aber auch mühsame Spurensuche, entlang der Lebensstationen des Vaters in der Nazi-Zeit. Sie führt zu Zeitzeugen, Archiven, verfallenen Häusern und Ruinen. Gert Rosenthal erinnert sich, "immer wenn meine Schwester oder ich unseren Vater etwas zur Nazi-Zeit fragten, wechselte er nach zwei Sätzen das Thema, es schien mir, als wollte er uns vor diesen schrecklichen Geschichten verschonen." Jetzt hofft der Sohn, dass durch die filmische Spurensuche ein wenig Licht in das Dunkel seiner Familiengeschichte gebracht werden kann.
22:45
Erich Fried war einer der meistgelesenen deutschsprachigen Lyriker - bekannt für seine Liebesgedichte, aber auch für sein politisches Engagement und seinen unermüdlichen Drang zur Verständigung. 1938 floh er als junger Mann vor den Nationalsozialisten aus Wien. Später suchte er immer wieder das Gespräch mit Menschen an den entgegengesetzten Rändern des politischen Spektrums. Er setzte sich mit den Protagonisten der RAF auseinander und pflegte eine Freundschaft mit dem Neonazi Michael Kühnen. Auch seine Haltung zu Israel war von Widersprüchen geprägt. Der Film nähert sich diesem widersprüchlichen Menschen aus der Perspektive seines Sohnes Klaus Fried. Er blickt zurück auf eine Kindheit in einem Londoner Haus, das einer "German Embassy of the left" glich. Idealisten, politische Aktivisten, Terroristen und Hippies gingen dort ein und aus. Für viele Besucher war Erich Fried eine Art Guru; für seine eigenen Kinder blieb er dagegen oft schwer erreichbar. Dabei war er nicht nur der gefeierte Dichter und politische Unruhestifter. Er war auch Spielzeugmacher und Insektenretter, ein begabter Reparateur und leidenschaftlicher Sammler, der Gegenstände aus Müllcontainern rettete, weil ihr Leben in seinen Augen noch nicht zu Ende war. Sein bewegtes Privatleben mit drei Ehen und mindestens sechs Kindern bildet ein weiteres Spannungsfeld zwischen öffentlicher Wirkung und familiärer Nähe. Klaus Fried macht sich auf den Weg, seinen Vater neu zu entdecken. In Gesprächen mit Geschwistern, Freunden und Zeitgenossen nähert er sich einem Mann, der scheinbar allen gehörte und sich dennoch seiner eigenen Familie entzog. "Friendly Fire" wird so nicht nur zum Porträt eines politischen Dichters, sondern auch zur persönlichen Auseinandersetzung eines Sohnes mit seinem Vater. Ein Film über Empathie und Widerspruch, über die Kraft und die Grenzen von Verständigung - und über den Versuch, sich einen Menschen zurückzuholen, den man mit der ganzen Welt teilen musste.