21:00
"Der absurdeste Bahnhof Berlins", "Das Labyrinth des Kalten Krieges", "Der Bahnhof der Tränen", "Die Höllenpassage" - Millionen Deutsche, Ostdeutsche und Westdeutsche, haben hier, am berühmtesten Bahnhof der deutschen Teilung, ihre persönlichen und direkten Grenzerfahrungen gemacht. Zwischen Trauer und Freude, Hoffnung und Verzweiflung, zwischen Sehnsucht und Wut. Die unterschiedlichsten Emotionen erleilten die Menschen, die vom Bahnhof Friedrichstraße abfuhren, hier ankamen oder warten mussten. Einige protestierten vor dem "Tränenpalast" für ihre Ausreise, andere versuchten sogar vom Bahnhof direkt in den Westen zu flüchten. Der Bahnhof Friedrichstraße war eine der wenigen Nahtstellen zwischen Ost und West, er war Agentenschleuse für Erich Mielkes "Kundschafter des Friedens", erste Station für Touristen und Besucher aus Westberlin und letzte Station für die DDR-Bürger, die das Land verlassen durften. Mit dem Mauerbau wurde der Bahnhof, eben noch das pulsierende Herz Berlins, plötzlich zur doppelten Endstation, aber auch zur wichtigsten Grenz-Passage der auf Jahrzehnte zerrissenen Stadt. Arbeitsplatz für hunderte DDR-Bürger, die ihren täglichen "Dienst" hier versahen: im Grenzregime an den Kontrollschaltern, in den vielen Intershops oder auf den Bahnsteigen. Der Bahnhof Berlin-Friedrichstraße - ein Ort zwischen den Welten. Der Um- und Ausbau dieses einzigartigen "Labyrinths der Kontrolle" schien nie abgeschlossen. Ein kafkaesker Bau, der vom Sicherheitswahn der DDR-Herrschenden bestimmt wurde. Der Film erzählt erstmals die Geschichte dieses geheimnisvollen Ortes. Wie vielleicht nirgendwo sonst fokussiert sich hier die deutsch-deutsche Geschichte als Gefühl der Trennung und des Zusammengehörens eines Volkes. Die dramatischen großen und kleinen Geschichten, die sich in den Gängen, auf den Treppen und Bahnsteigen des einstigen Grenzbahnhofs aufspüren lassen und ihnen mit den Zeitzeugen, die sie erlebten und darüber erzählen, ein Gesicht geben: Ein Flüchtling im Inneren einer Transit-Lok, ein Liebespaar im Schatten des "Tränenpalastes", ein Offizier der Staatssicherheit, der mit der U-Bahn in den Westen türmt.
21:45
mit Sport
22:00
Der Berliner Alexanderplatz hat viele Gesichter: Shopping-Mekka, Kriminalitäts-Hotspot und Betonwüste. Für die einen ist er ein beliebter Treffpunkt, für andere ein Unort, den es zu meiden gilt. Innerhalb eines Tages lassen sich hier sämtliche Höhen und Tiefen erleben, die Berlin zu bieten hat. "24h Alexanderplatz" taucht ein in die Welten zwischen oben und unten, arm und reich, zwischen Hektik und Innehalten - und macht uns mit Menschen bekannt, die den Platz prägen: Von der unerschütterlichen Straßenreinigerin über sorgenvoll in die Zukunft blickende Kneipenbetreiber bis hin zu den Menschen, die in schwindelerregender Höhe ihrer Arbeit nachgehen. Der Blick vom Fernsehturm, dem Hotel Park Inn oder von einer der Hochhaus-Baustellen offenbart ein Menschengewimmel inmitten einer sich ständig verändernden Umgebung. Da ist zum Beispiel Rebecca vom "Duschmobil für Frauen", die Obdachlosen hilft, einen Teil ihrer Würde zu bewahren. Oder Beatrice Moreno, die über ihre Initiative "Allesandersplatz" mit Urban Gardening und Pasta-Essen für ein willkommenes Miteinander der Anwohnenden sorgt. Der Film von Kathrin Schwiering schaut für einen Tag in den Mikrokosmos eines der größten Stadtplätze Deutschlands, der trotz seiner zahlreichen Schattenseiten Viele zum Träumen inspiriert und hoffen lässt, dass sich die Dinge hier doch noch zum Guten wenden. Zum Beispiel Matthias Westphal, Abteilungsleiter bei Galeria. Er glaubt fest daran, dass durch den Bau neuer Hochhäuser der Platz wieder belebt und attraktiver werden kann. Einige seiner Nachbarn sehen das kritischer. Manche fühlen sich gar in ihrer Existenz bedroht. "24h Alexanderplatz" ist mehr als eine Momentaufnahme. Die Reportage blickt in die Seele des Platzes, zeigt, wie er tickt. Ein Ort im Wandel, der das Leben der Menschen in seinem Umfeld auf einzigartige Weise prägt.
22:45
1963 kommt Batkhorol Sagdkhorol, genannt SABAT aus der Mongolischen Volksrepublik zum Studium in die DDR und wird bald Teil einer ostdeutschen Familie. Doch nach Jahren der Freundschaft und einer Diplomatenkarriere bricht der Kontakt plötzlich ab. Über vierzig Jahre später entdeckt die Filmemacherin Anna Beek SABAT wieder - im Fotoalbum ihrer Familie, als Babysitter ihrer Mutter und liebevollen Freund. Doch seine Verbindungen zur SED-Parteispitze werfen Fragen auf. Wie kommt ein mongolischer Hirtenjunge zum Kamerastudium im DDR-Grenzgebiet nahe der Glienicker Brücke, der legendären "Bridge of Spies"? Wieso hat er nach dem Studium keinen einzigen Film gedreht? Und schließlich: Warum ist er, der Mann im Anzug mit Aktentasche und Diplomaten-Brille, 1979 spurlos verschwunden - und hat sich nie wieder gemeldet? Mit einer alten Bolex-Kamera und dem Familienalbum im Gepäck macht sich die Filmemacherin auf den Weg: Von ihrer Hochschule in Babelsberg bis in die entlegensten Winkel der Mongolei. Ein Film über den Einfluss Moskaus auf die DDR und ihre Bruderstaaten, über persönliche Schicksale im Schatten des Kalten Krieges, über das Erinnern - und das Vergessen. "Sabat" lief auf mehreren Festivals, darunter das DOK.fest München und das Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern und wurde bei den First Steps Awards für die Kameraarbeit nominiert.